Was geht rum? 29. April 2017

Das Wetter spielt Kapriolen. Ein Hauch Schnee, okay. Aber mehrere Zentimeter in Pfullendorf kurz vor dem ersten Mai? Nicht nur die Bäume hatten unter der schweren Last zu leiden.

Aber lassen wir uns nicht täuschen. Der Früh-Sommer wird ähnlich schnell eintreffen. Und mit ihm die Allergien. Die Birkenpollen hatten in diesem Jahr bei uns zum Glück einen schweren Stand. Vermutlich wird ihnen die Kälte den Rest geben. Aber die Gräser stehen gestärkt in den Startlöchern. Die Feuchtigkeit wird ihre Blüte verstärken.

Die Zecken sind auch wieder schnell da. In diesem Jahr haben wir schon einige entfernen müssen. Nach der Entfernung der Zecken bitte auch beobachten, ob sich in den Wochen danach Zeichen einer Borreliose zeigen. Für Details schauen Sie bitte die früheren Beiträge des praxisblättle zu diesem Thema an, die durch Eingabe des Stichwortes in der Sucheleiste schnell gefunden sind. Und wer sich vor der FSME schützen will, diese Impfung macht auch jetzt noch durchaus Sinn.

Manche haben vielleicht das Glück, der Kälte in den Süden entfliehen zu können. Wenn sie nach Äthiopien reisen, müssen sie dort aber mit der Cholera rechnen. Fast 25.000 Fälle sind bisher gemeldet. Und wie schon seit Wochen, haben die Masern in einigen Ländern wieder zugenommen, so in Frankreich, Schweiz, Bulgarien und Portugal.

Geschwister: erzeugt Gewalt neue Gewalt?

Kinder – wie später Erwachsene – haben unterschiedliche Temperamente. Das eigene Temperament zu verstehen und zu beherrschen ist dabei für manche Kinder schwierig. Was aber passiert, wenn ein Geschwister ein anderes häufig provoziert, gewaltig angreift und ständig stört? Erzeugt das beim ersten Kind auch gewalttätiges Verhalten?

In einer Studie untersuchten Ella Daniel und Kollegen von der Universität Tel Aviv diese Frage. Sie untersuchten 916 Kinder aus 397 Familien (Durchschnittsalter 3.4 Jahre). Dabei zeigte sich, dass störendes (disruptives) Verhalten der kleineren Geschwister dazu führte, dass deren ältere Brüder oder Schwestern ein weniger störendes Verhalten zeigten. Die Unterschiede im störenden Verhalten wurden über die Zeit größer. Das störende Verhalten führte bei den älteren Geschwistern zu immer grösserer Gelassenheit.

Fazit

Unter jungen Geschwistern führt Gewalt und Stress der Kleinen nicht zu Gewalt bei den Größeren. Im Gegenteil, diese verhalten sich eher gelassener, wenn ein kleines Geschwisterkind nervt.

Skalpell oder Antibiotika? Akute Appendizitis

Was lange nicht denkbar war wird schon seit einiger Zeit untersucht. Kann bei einer akuten Appendizitis (“Blinddarmentzündung”) auf eine Operation verzichtet werden? Sind Antibiotika in der Lage, die Entzündung zu beherrschen? Ist also eine nicht-operative Therapie (NOT) der akuten Appendizitis erfolgreich?

Eine Arbeitsgruppe um Roxani Georgiou vom National Health Service (NHS) in Windsor, Berkshire (GB) ist dieser Frage nachgegangen. Sie sichteten in einer Metaanalyse mit 10 Studien die Daten von 413 Kindern, deren Appendizitis ohne Operation behandelt wurde. Als Erfolg wurde gewertet, dass keine erneute Therapie im Zeitraum von 8 Wochen bis 4 Jahren nach der Erstdiagnose erforderlich war. Diese Erfolgsquote lag bei 79%.

Fazit: ein wichtiger und interessanter Ansatz. Es bleiben noch viele Fragen offen. Bisher gibt es nur eine randomisierte Studie überhaupt, in der Kinder mit der Diagnose “akute Appendizitis” zufällig der antibiotischen oder der operativen Therapie zugeführt wurden. Darüber hinaus war der Krankenhausaufenthalt nach antibiotischer Therapie länger – wenngleich nur 1/2 Tag. Die Frage, ob der negative Einfluss auf die Darmbakterien (Mikrobiom) Folgen hat, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

Noch gibt es also zu wenig Informationen, um solche Therapien im Alltag umzusetzen. Aber vielleicht wird die Operation bei Appendizitis künftig noch seltener nötig sein als bisher. Dank eines gezielten Einsatzes von Antibiotika.

Was geht rum? 22. April 2017

Der erneute Wintereinbruch ist für die Jahreszeit nicht unbedingt überraschend, seine Heftigkeit aber schon. Im Neidling sind schon alle Felder bestellt, und jetzt bedeckte ein weißer Mantel das Keimen der neuen Frucht, wie das Bild rechts zeigt.

Für die Infekte in der Praxis hat sich jedoch kaum etwas verändert. Sie sind wie schon in den Frühlingswochen zuvor leicht zurückgehend. Obstruktive Bronchitis und Bronchopneumonie (Lungenentzündung) sind die beiden Krankheitsbilder, die zuletzt neu auftauchten.

Kinderkrankheiten sind keine zu verzeichnen.

In der kommenden Woche bleibt die Praxis geschlossen. Sie können sich in Notfällen an Frau Dr. Laubrock in Sigmaringen (Telefon 07571 1656) oder Herrn Dr. Moll in Wilhelmsdorf (07503 91033) wenden, die uns vertreten werden. Wir sind dann im Mai wieder für sie da. Hoffentlich mit neuen Frühlingsboten…

Krankheitskosten – steuerliche Aspekte

Steuertipps gibt’s beim Arzt eher selten. Aber für Eltern mit chronisch kranken Kindern sind sie wichtig, um zumindest einen Teil der zusätzlich anfallenden Kosten abzufedern.

Wenn es darum geht Kosten steuerlich geltend zu machen sind immer Nachweise wichtig. Diese sollten zeitnah erbracht werden, weil es im Nachhinein teilweise schwierig oder gar unmöglich ist die erforderlichen Nachweise zu erstellen. Manch anfallende Kosten geraten auch wieder in Vergessenheit. Zu den abziehbaren Kosten zählen beispielsweise Aufwendungen für ärztliche Behandlungen, Arznei- , Hilfs- und Heilmittel, Klinikaufenthalte, krankheitsbedingte Pflege, spezielle Lebensmittel. Zusätzlich dürfen auch anlässlich der Krankheit entstandene Fahrtkosten berücksichtigt werden.

Krankheitskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. In diesem Zusammenhang zieht das Finanzamt automatisch die sog. “zumutbare Belastung” ab. Diese sind wiederum abhängig vom Einkommen. Aufwendungen für das eigene Kind sind zwar streng genommen Unterstützungsleistungen, werden in aller Regel von den Finanzämtern aber wie Aufwendungen für Sie selbst behandelt (zumindest, solange Sie für das Kind Kindergeld erhalten).

Zu den Krankheitskosten zählen nur Aufwendungen, die der Heilung einer Krankheit dienen oder die eine Krankheit erträglicher machen bzw. deren Folgen lindern sollen (BFH-Urteil vom 18.06.1997, III R 84/96, BStBl. 1997 II S.805). Einige praktischen Anmerkungen zu den Nachweisen:

  • vorbeugende Maßnahmen zählen nicht zu den absetzbaren Leistungen, auch wenn sie der Gesundheit dienen.
  • in einigen Fällen ist statt eines ärztlichen ein amtsärztliches Zeugnis erforderlich (immer anhängig von der Einschätzung und Bewertung des Finanzbeamten)
  • die amtsärztlichen Atteste müssen erstellt werden, bevor die Therapie beginnt (s. auch den Beitrag zu den Allergiker-Bettbezügen). Diese Atteste sind teilweise kostenpflichtig.
  • suchen Sie einen auswärtigen Arzt auf? Sie dürfen dann Fahrtkosten geltend machen (in Höhe der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel), ggf. auch Übernachtungskosten.
  • Die Begleitkosten eines Elternteils sind für die Behandlung eines Kindes ebenfalls zu berücksichtigen. Bis zu welchem Alter eine Begleitung notwendig ist, ist hingegen umstritten.
  • Auch Arztkosten im Urlaub sind in dieser Hinsicht abzugsfähig. Nicht aber die Hotelkosten, die während der Krankheit im Urlaub anfallen
  • Aufwendungen für Arznei- und Verbandsmittel: z.B. auch Medikamenten- Zuzahlungen (wie bei Flutide© für Asthmatiker), Aufpreis für gewissen Medikamente.
  • Hilfsmittel: Brillen, Hörgeräte, Blutdruckmessgeräte, Inhalationsgeräte und ähnliches.
  • Heilmittel: Sprachtherapie, Ergotherapie, Lerntherapie.
  • Diät: Bis heute sehr umstritten. Der Gesetzgeber will hier laut § 33 Abs. 2 keine Hilfe gewähren. So hat das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen 2 BvR 2164/07) eine Revision gegen das Abzugsverbot durch BFH vom 21.06.2007 eines Zoeliakie-Patienten abgelehnt. Ähnlich war schon zuvor bei Allergiediäten entschieden worden.

Es ist also wichtig Nachweise zu erbringen. Bei höheren Kosten können hierfür auch amtsärztliche Atteste vor Durchführung einer Leistung nötig sein. In Zweifelsfällen fragen Sie bitte einen Steuerberater.

Gerade für Eltern mit chronisch kranken Kindern gibt es seit kurzem eine Regelung, die sie unterstützt. Bei der Steuererklärung ist es seit dem 5. November 2011 einfacher geworden, “außergewöhnliche Belastungen” geltend zu machen. Die Einzelheiten hierzu sind im §33 des Einkommensteuergesetztes geregelt. Mit der Änderung des §64 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung fallen nunmehr einige Atteste weg, die früher mühsam über das Gesundheitsamt erreicht werden mussten. So können Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel durch eine Verordnung des Arztes belegt werden. Auch Fahrtkosten ins Kinder-Krankenhaus sind beispielsweise anrechenbar.

Neugeborenenscreening

Vielen Eltern schmerzt es zuzusehen, wenn bei ihrem neugeborenen Kind eine Blutentnahme aus der Ferse erfolgt. Ihr Kind muss oft heftig schreien, bis die erforderliche menge an Blut abgenommen ist. Und überhaupt, warum erfolgt schon so früh eine Blutentnahme?

Mit dieser Blutentnahme wird das sog. Neugeborenenscreening durchgeführt. Beim Säugling wird untersucht, ob eine von vielen Erkrankungen besteht, für die gilt:

  • alle sind sehr selten
  • alle zeigen direkt nach Geburt keine Symptome zeigen
  • alle haben eine gute Behandlungsmöglichkeit

Bisher wurden 12 Stoffwechselerkrankungen untersucht und 2 endokrinologische Erkrankungen. Dadurch konnten pro Jahr in Deutschland etwa 500 Kinder vor schweren Behinderungen oder Tod bewahrt werden. Einige dieser Kinder sind auch Patienten unserer Praxis, die ohne diese Laboruntersuchung nicht oder zu spät aufgefallen wären.

Die häufigste entdeckte Erkrankung ist die angeborene Schilddrüsenunterfunktion (1 Säugling auf 3500 Untersuchungen). Die seltenen Stoffwechselstörungen kommen mit weniger als 1 Erkrankung auf über 800.000 Untersuchungen vor.

Seit dem letzten Jahr wird auch nach der Mukoviszidose (cystische Fribrose) gefahndet. Ein großer Erfolg. Denn durch die frühe Aufdeckung dieser Erkrankung, kann die Lebensqualität für die Betroffenen nochmals verbessert werden.

Neue Untersuchungstechniken ermöglichen inzwischen einige weitere Tests für Krankheiten, bei denen in den letzten Jahren Therapieerfolge erzielt werden konnten. So wird in verschiedenen Stoffwechsellabors geprüft, ob auch auf die Sichelzellkrankheiten (Krankheit der roten Blutkörperchen), schwere Immundefekte (SCID) oder die Tyrosinämie getestet werden könnten.

Was geht rum? 15. April 2017

Mit den Osterferien und dem schönen Wetter der letzten Tage haben sich die Infekte nur zögerlich verringert.

Weiterhin stehen Infekte der Atemwege im Vordergrund. Das beginnt bei einfachen Racheninfekten, geht weiter mit Mittelohrentzündungen und reicht bis zu Lungenentzündungen.

Magen-Darm-Infektionen sind seltener geworden.

Seit 2 Tagen hat sich die Zahl der Kinder mit Mundfäule (Stomatitis aphthosa) deutlich erhöht. Diese Infektion betrifft Kleinkinder: hohes Fieber, teilweise über 5 Tage, im Mund Schleimhautentzündungen mit zunehmender Bläschenbildung. Das führt zu starken Schmerzen. Sofern die Kinder trinken, ist das wichtigste geschafft. Meist werden kühle Speisen (Eis, Joghurt, kalter Pudding) am besten angenommen.

Das Praxisteam wünscht Ihnen ein frohes Osterfest. Wir sind am Dienstag nach Ostern wieder für Sie da.

Recht: Kinderbetreuung im Krankheitsfall

Rechtliche Fragen sind auch im Alltag von Familien immer wichtiger. Hierzu wird auch das praxisblättle künftig informative Beiträge bringen. Sie sollen Eltern darin unterstützen, Leistungen die angeboten werden, auch wahrzunehmen.

Eine zentrale Stellung hat die Regelung der gesetzlichen Krankenkasse, dass berufstätige Mütter und Väter pro Jahr und Elternteil für das mitversicherte kranke Kind (vor dem 12. Geburtstag) einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit haben. Diese Möglichkeit steht jedem Elternteil pro Kind für jeweils 10 Tage zu. Bei mehreren Kindern können bis zu 25 Tage (im Jahr) geltend gemacht werden. Somit können beide Eltern – wenn sie ein Kind haben – gemeinsam diese Regelung max. 20 Tage pro Jahr nutzen, bei mehreren Kindern bis zu 50 Tage. Alleinerziehende können ebensoviele Tage in Anspruch nehmen, also auch bis zu 50 Arbeitstage pro Jahr.

Während dieser Freistellung wird Krankengeld bezahlt, das abhängig vom Gehalt etwa bei 70% des Bruttolohns liegt. Maximal kann es bis zu 90% des Nettogehalts ausmachen.

Für die Inanspruchnahme muss eine Bescheinigung des betreuenden Kinder- und Jugendarztes (oder Hausarztes) vorgelegt. werden. Sprechen Sie Ihren Arzt also direkt an, wenn sich zeigt, dass Ihr Kind aus medizinischen Gründen über mehrere Tage zuhause gepflegt werden muss.

Pollenallergien

Pollen fliegen inzwischen fast ganzjährig in Deutschland. Nicht an jedem Tag, aber in unserer Region doch jeden Monat des Jahres zumindest einmal. Durch die Klimaveränderungen gibt es beispielsweise eine Belastung mit Haselpollen im Januar regelmässig. Glücklicherweise nur für einige Stunden an einem oder zwei Tagen.

Welche Bedeutung hat das für den einzelnen Allergiker? Können Allergiker sich wirksam davor schützen? Welche Therapien stehen heute zur Verfügung?

Weitergehende Informationen über Allergien gibt die Homepage der PINA e.V., einer Initiative namhafter Kinderallergologen in Deutschland. Der umfassender Beitrag über Pollen ist direkt hier abrufbar: Pollenallergie

Was geht rum? 08. April 2017

Das insgesamt angenehme Wetter sorgte dafür, dass die Kinder in der letzten Woche mehr draußen sein konnten.

Die erste Folge war, dass die Infekte weiter auf dem Rückmarsch sind. Noch immer erkranken jedoch Kinder und Jugendliche aller Altersklassen an Mittelohrentzündung. Daneben sehen wir leichte Racheninfekte und viele unspezifische Infekte mit starken Bauchschmerzen. Zwei Fälle von Scharlach traten auf, ansonsten keine weiteren Kinderkrankheiten.

Die zweite Folge des frühlingshaften Wetters: Häufigere Verletzungen. Die Kinder sind nach einem langen Winter nicht mehr in Übung. Dadurch springen sie manches Mal zu schwungvoll von der Schaukel oder zu ausgelassen auf dem Trampolin. Die Folgen: Schlüsselbeinbrüche (zwei in dieser Woche), einige Bänderzerrungen (Distorsionen) und viele kleinere Blessuren.

Und. Wir haben erste Zecke bei einem Kleinkind entfernt.

In Brasilien sind viele Gelbfiebererkrankungen aufgetreten. Aus diesem Grund haben einige Länder die Einreisebestimmungen geändert. Reisende, die das Glück haben nach Kuba oder auf die Bahamas reisen zu dürfen, sollten sich vorab informieren.