Skandal bei Adrenalin-Autoinjektoren?

Über Twitter kommt eine aktuelle Meldung in den Linzgau. Die American Acadamy of Allergy Asthma and Immunolgy (AAAAI) titelt: ”EpiPens still potent 4 years after expiration date, study says.” Die Nachricht ist bei CNN gut hier nachlesbar.

Allergiker wissen, dass im akuten Notfall besonders bei Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergien einzig die Gabe von Adrenalin lebensrettend ist. Die Betroffenen tragen deswegen einen Adrenalin-Autoinjektor (AA) bei sich. Das ist die sog. Notfallspritze, die Adrenalin (Epinephrin) enthält, das im allergischen Schock injiziert wird und Leben rettet.

Die Adrenalin-Autoinjektoren sind medizinisch unverzichtbar. Es ist gut belegt, dass es fatal ist, wenn sie nicht eingesetzt werden – sei es, dass sie nicht vorhanden sind oder nicht angewendet werden. Um ihre korrekte Anwendung im Notfall sicherzustellen, muss der Patient in die praktische Anwendung eingewiesen werden.

Es stellen sich jedoch einige praktische Fragen:

  • Der Adenalin-Autojektor sollte immer verfügbar sein. Um das zu gewährleisten, sind gerade für Kinder und Jugendliche oft 2 Injektoren sinnvoll: im Schulranzen und zuhause.
  • und damit stellt sich die Kostenfrage. Die Injektoren sind teuer. Der Preis liegt bei etwa 100 € pro Spitze
  • und dann kommt noch die Haltbarkeit ins Spiel: diese liegt bisher immer bei maximal 2 Jahren

Für Deutschland ist es so, dass die Krankenkassen diese Kosten übernehmen. Im Einzelfall, wenn zwei Injektoren erforderlich sind, befinden wir uns aber schon in einer Grauzone. Hier können die Kassen die Bezahlung des zweiten Injektors ablehnen.

Die Studien die jetzt bekannt wurden zeigen, dass 2 Jahre nach dem Ablaufdatum noch 90% des Wirkstoffes in der Spritze enthalten sind und selbst 4 Jahre nach dem Ablaufdatum lag der Wirkstoffgehalt noch bei 84% des Ursprungswertes liegt. Man hat den Eindruck, dass mit dem knapp bemessenen Verfallsdatum auch gut Geld gemacht wird. In den USA, wo die Patienten den Injektor in der Regel aus eigener Tasche bezahlen müssen, kam in den letzten Jahren eine Diskussion auf, die bereits zu einem Preisrutsch bei Adrenalin-Autoinjektoren führte. Dieser Trend steht bei uns noch aus.

Bleibt zu hoffen, dass die Krankenkassen den Herstellern der Adreanlin-Autoinjektoren mehr Druck machen, mit dem Ziel den Preis zu senken. Dann dürfte es auch kein Problem mehr sein, zumindest Kindern und Jugendlichen zwei Injektoren verschreiben zu dürfen.

Broccoli mag ich nicht!

Wer kennt das nicht, “Ich mag Broccoli nicht”. Oder Tomaten – aber Ketch-up mag ich schon. Und Spinat, Rosenkohl oder Oliven? I gitt!

Mit solchen Fragen setzt sich Professor Russell Keast und KollegInnen der Deakin University in Melbourne (Australien) auseinander. Er ist Geschmacksforscher. Ein seiner neusten Arbeiten (zum Lesen der Publikation bitte auf das “Arbeiten” klicken) beschäftigt sich mit den Effekten von Salz und Fett auf den Geschmack auseinander.  Dabei zeigt sich dass der Salzgehalt für den Genuss eines Nahrungsmittels (hier: Tomatensuppe) bedeutsamer ist als der Fettgehalt (siehe die Graphik rechts im Bild).

Er setzt sicher aber auch mit der Frage auseinander, weshalb einige Menschen Lebensmittel im Kindesalter verabscheuen, die uns als Erwachsene munden. Das sind eben Broccoli und Konsorten. Russel Keast gibt eine klare Antwort. Der Sinneswandel ergibt sich mit den Jahren, wenn wir uns öfter auf ein Versucherle einlassen. ”This gives the nutrients in the food a chance to influence your liking system – if the nutrients provide energy, perhaps other positive effects in your body, your liking system will remember, the next time you eat the food you may start to enjoy it,”

Warum lehnen wir als Kinder besonders Gemüse ab? Die Ursache liegt in der Evolution. “Plants were generally plentiful so we didn’t need an incentive to seek them out”. Es war also nicht wichtig alle Gemüse zu essen, es gab schon immer genug. Das ist heute nicht anders. Und, bittere Nahrungsmittel sind teilweise giftig. Deswegen haben die Menschen lange gebraucht sich ihnen zu nähern. Auch heute machen viele Menschen einen Bogen um Chicoree. Meistens empfinden sie aufgrund einer anatomischen Besonderheit den Bitterstoff auch stärker als andere.

Andere Nahrungsmittel mit Bitterstoffen (Kaffee, Bier) nehmen die meisten gerne zu sich, weil sie uns einen angenehmen Rauscheffekt vermitteln. Nicht nur der Geschmackseffekt trägt also zur Auswahl der Nahrungsmittel bei. Bier überzeugt schließlich mit den “Räuschle”

Eltern liegen vermutlich nicht falsch, wenn sie ab und an ein “Versucherle” einfordern. Andererseits ist es aber nicht notwendig, dass Kinder die ganze Palette der Gemüse begehren. Lassen wir ihnen Zeit, sie werden irgendwann die wohlschmeckende Tomate und die Oliven essen – spätestens als Rucksackreisende in Griechenland oder Spanien.

Was geht rum? 20. Mai 2017

Unsere Natur ist endlich saftig grün. Auch im Schwarzwald, wie die Felder um den Hof im Jostal bei Neustadt zeigen.

Die Krankheiten der Kinder und Jugendlichen sind im Moment wie ein bunter Strauß ohne eindeutige Richtung. In der letzten Woche waren nur wenige Neu-Erkrankungen zu beobachten. Infektionen des Magen-Darm-Traktes (Gastroenteritis) standen im Vordergrund.

Kinderkrankheiten traten in der Region nicht auf.

Die Praxis (Dr. Niethammer und Dr. Wolff) bleibt in der kommenden Woche geschlossen. Vertreter sind Dr. M. Steiner in Bad Saulgau (Telefon 07581 5370490), Dr. N. Laubrock in Sigmaringen (Telefon 07571 1656) und Dr. E. Moll in Wilhelmsdorf (Telefon 07503 91033).

“Viel trinken müssen – eine Mär?” – ein Artikel aus der FAZ vom Juli 2011

Man muss viel trinken, das sei gut für die Gesundheit, die Schönheit, den Geist, so heißt es. Und um das tägliche Quantum zu bewältigen, solle man sich am besten einen Trinkplan zulegen. Durst allein scheint danach kein geeignetes Maß für den Wasserbedarf zu sein. Wer trotz aller Warnungen die Wasserflasche leicht aus dem Blick verliert, kann sich deshalb jetzt auch eine Trink-App aufs Handy runterladen. Ein schriller Piepton erinnert dann in regelmäßigen Abständen daran, dass der körpereigene Wasserpegel schon wieder gefallen ist und somit Nachschub benötigt wird. Von der Getränkeindustrie meisterlich orchestriert, trägt das Hohelied auf die wundersamen Wirkungen prall gefüllter Flüssigkeitsspeicher inzwischen stattliche Früchte. Wohin der Blick auch schweift – überall stehen, gehen, rollen und laufen sie, die um ihr Wohl besorgten Wasserträger.

Nur manchmal ist viel Wasser therapeutisch sinnvoll

Die beachtliche Anhängerschaft des modernen „Wasserkults“ darf freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Viel-trinken-Müssen wissenschaftlich auf äußert wackligem Fundament steht. Sicherlich, ohne Wasser kann der Mensch nur wenige Tage überleben und muss Flüssigkeitsverluste daher ausgleichen. Wie viel Wasser ein Individuum benötigt, hängt aber von etlichen Faktoren ab, wie dem genetischen Hintergrund, der herrschenden Außentemperatur und dem Ausmaß an körperlicher Aktivität. Mitunter kann ein erhöhter Wasserverbrauch aus therapeutischer Sicht geboten sein, etwa wenn es darum geht, den Abgang von Nierensteinen zu begünstigen. Viel weniger klar ist, ob ein erhöhter Flüssigkeitskonsum auch gesunden Menschen zugutekommt. Die einschlägigen Fachgesellschaften raten, täglich mindestens eineinhalb Liter – das sind sechs bis acht Gläser – Flüssigkeit aufzunehmen. Solche vom Durst unabhängige Trinkvorgaben hält die britische Allgemeinärztin Margaret McCartney aus Glasgow für Unsinn. Wie sie im British Medical Journal erklärt, entbehren derartige Empfehlungen einer soliden wissenschaftlichen Grundlage.

Woher die Trinkempfehlungen stammen, ist unbekannt

Ähnlich kritisch äußern sich die amerikanischen Nephrologen Dan Negoianu und Stanley Goldfarb von der Universität in Philadelphia (Pennsylvania) im Journal of the American Society of Nephrology. Nicht nachvollziehbar ist demnach, wer die mittlerweile etablierten Trinkmengenempfehlungen in Umlauf gebracht hat und auf welchen Forschungserkenntnissen diese beruhen. Denn die Fachliteratur enthalte keine Daten, die solche Vorgaben rechtfertigten. Auch die Behauptung, ein erhöhter Flüssigkeitskonsum beuge verschiedenen Krankheiten vor und lasse die Haut straffer erscheinen, steht laut den beiden Nierenärzten wissenschaftlich auf tönernen Füßen. Für einen solchen Zusammenhang gebe es keine stichhaltigen Beweise. Was bei den Diskussionen um den echten oder vermeintlichen Wasserbedarf oft sprichwörtlich untergeht: Der menschliche Organismus verfügt über eine Reihe von Regulationsmechanismen, die Flüssigkeitsverlusten äußerst effizient entgegenwirken. Durst ist einer davon. Dass dieses entwicklungsgeschichtlich bewährte Alarmsignal nicht richtig funktionieren soll, wie von der Trinklobby insinuiert, erscheint aus Evolutionssicht aber wenig plausibel.

Zu viel Trinken kann Natriummangel hervorrufen

Eine Missachtung des körpergesteuerten Trinkverlangens kann mitunter sogar Schaden anrichten. Wie die Erfahrungen im Ausdauersport zeigen, führt eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr bei manchen Menschen zu einer kritischen Verdünnung des Elements Natrium im Blut. Im Extremfall mündet ein solcher Natriummangel, eine Hyponatriämie, in Wasseransammlungen in den Organen bis hin zu einer – unter Umständen tödlichen – Hirnschwellung.

Die Häufigkeit von sportbedingten Hyponatriämien habe Ende des vergangenen Jahrhunderts auf einmal stark zugenommen, schreibt Timothy Noakes vom Institut für Sportwissenschaften der Universität in Cape Town/Südafrika im British Journal of Sports Medicine. Denn die tonangebenden sportmedizinischen Fachgesellschaften hätten damals empfohlen, bei der Ausübung von – schweißtreibenden – Sportarten viel zu trinken.

Die Fachgesellschaften rudern zurück

Wie neuere Untersuchungen zeigen, weisen mittlerweile bis zu 13 Prozent aller Marathonteilnehmer, darunter vorwiegend unerfahrene Läufer, Anzeichen einer Hyponatriämie auf. Der Verlust von Natrium über den Schweiß scheint dabei eine untergeordnete Rolle zu spielen. Maßgeblich verantwortlich für diese Störung ist vielmehr ein übermäßiger Flüssigkeitskonsum – ob mit oder ohne Zusatz von Elektrolyten. Darauf verweisen der amerikanische Sportmediziner James M Winger vom Medizinischen Zentrum der Universität in Maywood ( Illinois) und zwei Kollegen im British Journal of Sports Medicine.

Viele der einflussreichen sportmedizinischen Fachgesellschaften sind inzwischen bereits wieder zurückgerudert und haben ihre Trinkmengenempfehlungen gleichsam eingedampft. Einige Experten halten solche Vorgaben insgesamt für kontraproduktiv, zumal der Flüssigkeitsbedarf individuell unterschiedlich ist. So empfiehlt die International Marathon Medical Directors Association (IMMDA) sportlich aktiven Personen, die Flüssigkeitsaufnahme vornehmlich nach dem Durstgefühl zu richten (Clinical Journal of Sports Medicine). Mitunter könne es allerdings sinnvoll sein, mehr zu trinken, als der Körper fordert. Das sei etwa der Fall, wenn hohe Außentemperaturen herrschen und der Sportler nicht an Hitze gewöhnt ist.

Verbindungen von Forschern zur Getränkeindustrie?

Im Gegensatz hierzu propagiert das American College of Sports Medicine (ACSM), die weltweit größte sportmedizinische Fachgesellschaft, die Trinkmenge nach den Schweißverlusten und nicht nach dem Durstgefühl zu bemessen. Interessanterweise pflegen etliche Verfasser des betreffenden Positionspapiers enge Verbindungen mit der Getränkeindustrie, die den Flüssigkeitskonsum offenbar gern noch weiter ankurbeln würde. Ein solcher Verdacht entsteht jedenfalls, wenn man sich etwa die Website der Hydration for Health Initiative des französischen Nahrungs- und Mineralwasserherstellers Danone ansieht. Unter der Überschrift „Wir trinken nicht genug Wasser“ wird hier suggeriert, dass viele Menschen ihre Gesundheit aufs Spiel setzen würden, weil sie zu wenig Wasser trinken.

Zwar entstehen tatsächlich immer mehr Studien, deren Autoren Hinweise darauf sehen, dass selbst eine geringe Dehydrierung an der Entstehung verschiedener Krankheiten mitwirken kann. Doch es handelt sich bisher fast ausnahmslos um Studienergebnisse, die, wenn überhaupt, nur geringe Aussagekraft besitzen.

Fazit aus unserer Sicht: Man sagt zwar immer “viel Trinken” sei gut, aber als generelle Regel ist diese Aufforderung nicht geeignet. Viel Trinken ist für wenige Situationen wichtig, dazu zählen beispielsweise: großer Wasserverlust in sehr trockenen Wüstenlandschaften, Wasserverlust bei einer Magendarm-Grippe, Infektionen der Harnwege in der Akutphase oder Demenz, wenn das Durstgefühl als regulativer Faktor ausfällt. Als generelle heilsbringende Botschaft sollten wir mit diesem Ratschlag zurückhaltender sein.

Quelle:  FAZ vom 23. Juli 2011, NICOLA VON LUTTEROTTI

TIPP: höhere Lebenserwartung für Pendler auf dem Fahrrad

Es ist Sommer. Kein Grund mehr zum Frieren. Und eine gute Gelegenheit für Kurzstrecken-Pendler aufs Fahrrad umzusteigen. Ist das gesünder?

Dieser schwierigen Frage ist eine Untersuchung von Magda Cepeda (den Namen bitte anklicken um die gesamte Arbeit im Original lesen zu können) und Mitarbeitern nachgegangen, die im letzten Jahr publiziert wurde. Die führten die Ergebnisse von 39 internationalen Studien zusammen, die sich mit der Schadstoffbelastung von Berufspendlern befassten.

In der Arbeit wird deutlich, dass Autofahrer (ohne Lüftungssystem) der Luftverschmutzung mehr ausgesetzt sind als Fahrradfahrer und Fußgänger auf der gleichen Strecke. Diese aktiven Pendler sind naturgemäß aber langsamer bzw. müssen durch Anstrengung mehr Luft einatmen. Dadurch atmen sie in der Summe mehr Schadstoffe ein.

Die Studie verglich nun die Autopendler mit den aktiven Pendlern auf einem Pendelweg von 2 x 7 km täglich. Dabei zeigte sich, dass die Autonutzer eine Verringerung ihrer Lebenserwartung um bis zu einem Jahr gegenüber Fahrradfahrern und Fußgängern haben. Der Nutzen regelmässiger körperlicher Anstrengung überwiegt also den Schaden der Luftverschmutzung.

Wie groß der Nutzen für die Landbevölkerung ist wurde nicht herausgearbeitet. Bei der deutlich geringeren Schadstoffbelastung dürfte er um ein Vielfaches höher liegen.

Ab aufs Fahrrad!

Was geht rum? 13. Mai 2017

Inzwischen ist die Zahl der Infekte auf einem niedrigen Niveau angekommen. Bedeutsam ist eine Gastroenteritis mit Erbrechen und Durchfall, die vorwiegend bei Schulkindern und Jugendlichen auftritt. Daneben gibt es Erkrankungen an Herpangina, einer Sommergrippe, die zwar zu Fieber führt, aber nur selten schwer krank macht. Die bakterielle Streptokokkenangina und der Scharlach sind eher selten.

In der Gemeinde Ostrach – siehe auch die Eilmeldung vom Mittwoch – sind mehrere Fälle von Keuchhusten aufgetreten. Die Impfung stellt einen guten Schutz dar und ist für alle Altersgruppen zu empfehlen – auch für Erwachsene.

In der kommenden Woche sollte uns die Sonne – hier das einladende Bild von Emilie – öfter verwöhnen. Zecken und Allergien werden häufiger werden und Sonnenbrände vielleicht auch. Also bitte schnell umstellen.

Wer in Urlaub geht kann in Südafrika auf eine außergewöhnliche Häufung von Malaria treffen. Besonders betroffen ist zuletzt die Provinz Limpopo im Nordosten des Landes. Im Distrikt Waterberg wurden Mitte März 46 Infektionen bestätigt.

Aktuelle Empfehlungen zur Vermeidung des plötzlichen Kindstods

Der plötzliche Kindstod (sudden infant death – SID) hat seinen Schrecken noch nicht verloren. Sein Auftreten in den letzten drei Jahrzehnten konnte zwar deutlich verringert werden. Dennoch muss alles daran gesetzt werden, diesen Trend weiter zu befördern und diese heimtückische Todesursache zu besiegen.

Eine veränderte Welt führt zu Änderungen der Lebensgewohnheiten. Diese haben auch Auswirkungen auf unsere Kinder. In Bezug auf den SID geht es für Säuglinge insbesondere um die Frage des sog. Bedsharing – also: Eltern und Baby schlafen im gleichen Bett. Der Begriff Co-Sleeping, der gerne alternativ benutzt wird, bezeichnet hingegen, dass die Eltern in unmittelbarer Nähe schlafen, sei es im gleichen Zimmer oder auch im gleichen Bett mit dem Baby.

Hat nun das Bedsharing einen Einfluss auf das Risiko einen SID zu erleiden? Dazu gibt es mehrere Untersuchungen, die jedoch einige Fragen offen lassen. Bei nicht-rauchenden Eltern konnte kein Risiko für das Bedsharing belegt werden, wohl aber bei rauchenden Eltern: Hier ist das Risiko für einen SID etwa um das 6-fache erhöht, wie MM Vennemann und Mitarbeiter belegen konnten. Noch deutlicher erhöht ist das Risiko für Kinder unter 12 Wochen Lebensalter, wenn sie im Bett der Eltern schlafen (Faktor 12.37). Insgesamt gibt es keine belastbaren Daten, die das Bedsharing als generelles Risiko belegen. Einen Schutzfaktor stellt das Stillen dar. Gestillte Kinder haben ein bis zu 75% geringeres Risiko für den plötzlichen Kindstod.

Was senkt das Risiko für den plötzlichem Kindstod ?

  • Rauchfreie Umgebung (schon in der Schwangerschaft). Mutter und Vater rauchen nicht
  • Stillen im ersten Lebensjahr
  • Überwärmung vermeiden (ideal ist eine nächtliche Raumtemperatur um 18° Celsius)
  • Schnuller ist günstig, wenn er vom Säugling angenommen wird

Die Schweizer Entwicklungspädiater um Oskar Jenni kommen in ihrer Arbeit zu folgendem Schluss: “Betrachtet man alle Fälle zusammen, so ist der sicherste Schlafort für einen Säugling das eigene Kinderbett im Schlafzimmer der Eltern. Eine sinnvolle Alternative stellen Kinderbetten dar, die an das elterliche Bett angedockt werden können. Das gemeinsame Schlafen im elterlichen Bett stellt Anforderungen an die Eltern. Der Säugling braucht zum Schlafen genügend Platz, das Bett muss dementsprechend gross und die Matratze fest sein. Auf die Verwendung von Kissen, Fellunterlagen oder ähnlichem sollte verzichtet werden. Wenn die Eltern Raucher sind oder Alkohol, sedierende Medikamente oder Drogen eingenommen haben, selber erkrankt oder übermüdet sind, dann geht Bedsharing mit einem wesentlich erhöhten Risiko für einen SID einher und sollte vermieden werden.”

In der Schweiz ist die Rate für den plötzlichen Kindstod übrigens halb so hoch wie in Deutschland. Grund genug, auch zu versuchen, in Deutschland konsequent über Faktoren zu sprechen, die das Risiko des plötzlichen Kindstodes senken. Und ebenso über solche, die die Kinder gefährden.

 

Praxis: Keuchhusten in Ostrach

EILMELDUNG Nach den uns vorliegenden Informationen traten in Ostrach in den letzten Tagen Fälle von Keuchhusten auf. Drei Erkrankungen sind gesichert.

Dies sollten alle zum Anlass nehmen, den Impfschutz ihrer Kinder und von sich selbst zu überprüfen. In aller Regel finden Sie einen Eintrag unserer Praxis mit einer mit Bleistift geschriebenen Jahreszahl unter der Rubrik Keuchhusten/ Pertussis. Für alle, bei denen eine Jahreszahl 2017 oder älter verzeichnet ist, ist vermutlich eine erneute Impfung sinnvoll. Auch für Erwachsene ist eine Impfung alle 10 Jahre zu empfehlen.

Sollten Sie bei der Beurteilung unsicher sein, kommen Sie kurz vorbei. Wir werden Sie informieren und aufklären.

 

Kinderkrankheiten (5): Mumps

Wer kennt noch den Namen Ziegenpeter? Unter dieser Bezeichnung ist Mumps vermutlich nur noch Menschen bekannt, die diese Erkrankung selbst noch erlebt haben. Für die meisten anderen, ist es einer der Krankheiten, die mit dem MMR (Masern – Mumps – Röteln) – Impfstoff angegangen werden.

Das weltweit vorkommende Mumpsvirus löst die Erkrankung aus. Durch die Impfung kam es über die letzten Jahrzehnte zu einem deutlichen Rückgang dieser Infektionen. Da viele Kinder aber keine zweimalige Impfung erhalten, gibt es immer wieder Ausbrüche von Mumps. Davon betroffen sind in aller Regel Jugendliche und Erwachsene unter 25 Jahren, bei denen es zu teilweise heftigen Symptomen kommt.

Die Übertragung erfolgt nur von Mensch zu Mensch und in aller Regel als Tröpfcheninfektion. Die Erkrankung beginnt als sehr schmerzhafte Entzündung der Ohrspeicheldrüse, die bei über 70% der Betroffenen beidseitig auftritt. Sie dauert 3 – 8 Tage und kann auch andere Speicheldrüsen des Körpers erfassen. Zuvor treten öfter Allgemeinsymptome (Fieber, Kopfschmerz, Mattigkeit) auf, die aber nicht richtungsweisend sind.

Gefürchtet sind verschiedene Komplikationen im Zusammenhang mit Mumps. In ersten Linie sind das ZNS-Beteiligungen mit über 60% Entzündungen des Gehirns (Encephalitis), die meist wenige Tage nach der Erkrankung auftreten und häufig schwach ausfallen. Tödliche Verläufe sind jedoch – gerade bei Menschen nach der Pubertät – durchaus möglich. Gut bekannt und sehr gefürchtet ist auch eine Entzündung der Hoden (Orchitis), die bei 15-30% aller männlichen Mumpspatienten vorkommt und oft zu einer Veränderung der Spermienproduktion führt. Die oft beschriebene Sterilität nach einer Erkrankung an Mumps ist jedoch selten. Bei Frauen können eine Entzündung der Brust (Mastitis) und der Eierstöcke (Oophoritis) auftreten.

Die Diagnose kann bei typischem Verlauf durch den erfahrenen Kinder- und Jugendarzt einfach gestellt werden. Da jedoch auch Erkrankungen bei geimpften Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen möglich sind, sollte im Zweifelsfall eine Laboruntersuchung erfolgen.

Eine Therapie gibt es nicht. Betroffene können lediglich durch Schmerzmittel Linderung erfahren.

Eine Impfung ist der einzig effektive Schutz. Empfohlen sind 2 Impfungen – in aller Regel als MMR (Masern-Mumps-Röteln) bzw. MMRV (Masern-Mumps-Röteln-Varizellen). Diese kann erstmals im Alter von 11 Lebensmonaten erfolgen. In Deutschland haben 91.2% der Kinder bei Schuleintritt einen vollständigen Impfschutz mit zwei Impfungen (Stand 2010 laut Robert-Koch-Institut).

Bildquelle: NHS

Was geht rum? 06. Mai 2017

Trotz des kühlen Wetters, ist die Zahl der Infekte tendenziell eher geringer als noch in den vergangenen zwei Wochen. Im Vordergrund stehen Atemwegsinfekt mit Mittelohrentzündungen bei den Kleinkindern. Schulkinder sind eher von leichten Racheninfekten bei gleichzeitigen Beschwerden einer Magen-Darm-Infektion (Erbrechen / Durchfall) betroffen.

Kinderkrankheiten sind im Moment regional keine zu verzeichnen.

Der Frühsommer lässt leider noch auf sich warten. Es ist also noch Zeit sich auf die ersten warmen Tage vorzubereiten. Die Zecke wird dann wieder aktiv. Alle, die sich gegen die FSME impfen lassen wollen, sollten es bald machen. Die wichtigste Periode für die Verbreitung des Erregers ist der Frühsommer. Sonnenschutz wird ab jetzt wichtig. Dazu können Sie die wesentlichen Aspekte nochmals im letzten praxisblättle vom 04. Mai 2017 nachlesen (einfach diese Seite weiter nach unten scrollen). Die Allergiker – besonders bei Gräserpollenallergie – sollten sich wappnen. Schon ein bisschen mehr Wärme wird Heerscharen von Pollen auf den Weg zu den Augen, Nasen und Bronchien losschicken.

Das Bild zeigt heute ein Geschenkle, dass der Kinderarzt vor 7 Jahren bekam. Zusammengestellt mit viel Phantasie, Farbverständnis und Liebe. Echte Kunst.