Umweltverschmutzung und Asthma

Der erste große Smog den die Menschheit in der jüngeren Zeit erlebte, war der “Great Smog” von London, der die Stadt im Dezember 1952 bedingt durch absinkende Temperaturen und fehlenden Wind für 5 Tage im Smog-Nebel einhüllte.

Dieses “natürliche” Experiment hatte Folgen für alle Menschen, die von 1945 bis 1955 in London geboren wurden, wie J Bharadwaj und Mitarbeiter nachweisen konnten. Im ersten Lebensjahr der damaligen Kinder lag die Asthmaquote um 19.87% höher. Auch im Erwachsenenalter war die Asthmahäufigkeit gegenüber einer Vergleichsgruppe um 9.53% erhöht. Selbst für die Kinder, die den Smog nur im Mutterleib mitbekamen, war das Asthma noch  im Erwachsenenalter um 7.91% häufiger. 

Eine massive Belastung mit Luftschadstoffen über nur 5 Tage, hatte also für die Betroffenen Auswirkungen, die noch nach fast 65 Jahren bedeutsam sind. Das sollte uns klar machen, dass wir auch heute alles daran setzen, die Luftschadstoffe niedrig zu halten, um die Gesundheit von unseren Kindern und uns nicht weiter zu gefährden. Smogbelastungen wie sie aus China gemeldet werden oder andere, die uns aus Lagos (Nigeria) oder Antananarivo (Madagaskar) nicht gemeldet werden sind Zeitbomben, die bereits gezündet wurden.

Oder noch schlichter: Denken wir an das Neckartor in Stuttgart. Dort wurden in den letzten Jahren die stärksten Konzentrationen von Feinstaub und Reizgasen gemessen. Aber dort wird mit verschiedenen Maßnahmen versucht etwas dagegen zu unternehmen. Das ist auch wichtig. Für uns alle!

Praxis: Öffnungszeiten an der Fasnet

Während der Fasnet (im Bild rechts Narrensprung in Weingarten 1990) sind die Öffnungszeiten unserer Praxis etwas geändert:

  • Schutzige Dunschtig (23.02.): ganztags geschlossen.   Vertretungen: Morgens Dr. Steiner (Bad Saulgau) und Frau Hummel (Sigmaringen). Nachmittags Dr. Laubrock (Sigmaringen)
  • Freitag (24.02): reguläre Öffnungszeiten
  • Rosenmontag (27.02): ganztags geschlossen. Vertretungen: Dr. Steiner (Bad Saulgau), Frau Hummel (Sigmaringen)

Die Vertretungen sind jeweils auch auf dem Anrufbeantworter hinterlegt sowie als Aushang an der Eingangstüre nachzulesen.

Narri! Narro!

Kinderkrankheiten (2): Keuchhusten

Der Keuchhusten ist eine der klassischen Kinderkrankheiten. Ausgelöst wird der Keuchhusten durch das Bakterium Bordetella pertussis. Auf der Bronchialschleimhaut vermehrt es sich und bildet dabei verschiedene Gifte (Toxine), die zusätzlich die Abwehr des Körpers schwächen. Der Keuchhusten kann jederzeit auftreten, ist aber im Herbst und Winter gehäuft.

Ein Problem dieser Erkrankung ist, dass sie in allen Fällen schleichend mit zunächst leichtem Husten beginnt, der schließlich jedoch lange anhält und bei vielen Menschen zu heftigem, “keuchenden” Husten führt. Dadurch wird er spät erkannt und verbreitet sich leicht, sofern kein Impfschutz vorliegt.

Für Deutschland wurden im Jahre 2015 genau 13.895 Erkrankungen gemeldet. Am stärksten waren Säuglinge betroffen mit etwa 25 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, am wenigsten wurden Erkrankungen bei über 80-Jährigen (4 pro 100.000 Einwohner) gemeldet.

Keuchhusten ist hoch ansteckend mit einer Inkubationszeit von 9-10 Tagen (6-20 Tage maximal). Den Verlauf der Symptome unterteilt man traditionell in 3 Stadien:

  • Stadium catarrhale: Dies ist charakterisiert durch grippeähnliche Symptome mit eher leichtem Husten, Schnupfen und wenig Fieber. Es dauert 1 bis 2 Wochen.
  • Danach schließt sich das Stadium convulsivum mit einer Dauer von 4 – 6 Wochen an. In dieser Zeit tritt der typische stakkatoartige Husten (auf youtube können Sie den typischen Husten hören) vorwiegend in der Nacht auf. Fieber besteht teilweise, muss aber nicht vorliegen.
  • Im Stadium decrementi (Dauer 6 – 10 Wochen) nimmt die Heftigkeit des Husten langsam ab, die Ansteckung schwindet. Ein unbehandelter Keuchhusten ist also teilweise über 2 Monate lang ansteckend.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigt sich der Keuchhusten vorwiegend als langanhaltender Husten. Deswegen wird er oft nicht oder sehr spät erkannt, während sich in der Umgebung schon viele anstecken konnten. Bei Säuglingen kann es im Gegensatz hierzu Verläufe geben, die zunächst ohne Husten aber mit Erstickungsanfällen (Apnoen) beginnen. Diese und viele weitere Komplikationen machen den Keuchhusten besonders im Säuglingsalter zu einer extrem gefährlichen Krankheit.

Die Diagnose kann bei typischer Krankheit direkt gestellt werden. In vielen Fällen muss sie durch Abstriche (im Beginn) oder Blutuntersuchungen gesichert werden.

Als Therapie können Antibiotika eingesetzt werden, da der Keuchhusten durch Bakterien verursacht wird. Die Therapie vermag eine weitere Verschlechterung der Hustenproblematik oft zu verhindern. Eine Besserung oder gar rasche Beendigung ist nicht zu erwarten. Die Bedeutung der antibiotischen Behandlung liegt in erster Linie darin, dass die weitere Ansteckung gestoppt werden kann.

Durch die Schutzimpfung ging die Häufigkeit dieser Erkrankung in den 1950ger Jahren soweit zurück, dass die Meldepflicht bereits 1963 aufgegeben wurde. Später tauchten medizinische Bedenken gegen den Impfstoff auf. Es folgte die Rücknahme der Impfempfehlung zwischen den Jahren 1974 und 1991 (in der BRD – nicht in der DDR) und damit verbunden ein erneuter Anstieg der Fallzahlen. Mit der neuerlichen Empfehlung für eine Impfung (nunmehr mit dem “neuen” sog. azellulären Impfstoff) nahm die Erkrankungshäufigkeit ab 1991 wieder deutlich ab. Die Achterbahnfahrten in Bezug auf die Impfungempfehlungen zum Keuchhusten sind heute kaum mehr nachvollziehbar. Vielen Kindern haben sie das Leben, anderen – durch die Komplikationen – Lebensqualität gekostet.

Die Impfung der Säuglinge gegen Keuchhusten ist seit Jahrzehnten gut etabliert. Über 90% aller deutschen Säuglinge sind geimpft. Einen Schutz erreicht jedoch erst die 3. Impfung im Säuglingsalter, weswegen ein früher Start der Impfung (Beginn 3. Lebensmonat) angestrebt wird. Und dennoch: ”Der Impfstoff gegen Keuchhusten ist derjenige mit der relativ schwächsten Wirksamkeit von allen Impfungen, die wir allgemein empfehlen”, sagt Stiko-Mitglied Prof. Dr. Ulrich Heininger vom Schweizer Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB). “Bei etwa zehn Prozent entwickelt der Impfstoff keinen Schutz. Deshalb kann Keuchhusten anders als Masern oder Kinderlähmung auch nicht ausgerottet werden.”  Die vierte Impfung kurz nach dem ersten Geburtstag verlängert den Impfschutz für weitere 5 Jahre. 

Bedeutsam ist, dass auch Erwachsene regelmäßig – im Rahmen der “Tetanus-Impfung” zusätzlich gegen Keuchhusten geimpft werden sollte. Dafür liegen mehrere Impfstoffe vor, die Diphterie, Tetanus + Keuchhusten (Boosterix©) enthalten. Damit schützen sie sich selbst, aber noch viel mehr schützen sie wehrlose Säuglinge, die – altersbedingt – noch nicht geimpft werden konnten oder aber keinen effektiven Schutz entwickelt haben. Die Impfung ist – abgesehen von leichten Lokalreaktionen – gut verträglich.

 Bildquelle: https://phil.cdc.gov/phil/home.asp 

Was geht rum? 18. Februar 2017

Die Grippewelle rollt weiter. Die Erkrankungen an Influenza haben jedoch nicht die Heftigkeit der letzten Jahre. Dennoch, sie treffen viele Kinder und Jugendliche sowie deren Familien schwer. Die Influenza ist – das wird oft nicht bedacht – eine Krankheit, die die stärksten Leute umhaut. Anders als normale Infekte mit Husten und Schnupfen zwingt sie Menschen ins Bett, die andere Infekte locker ertragen. Einzelne Verläufe sind auch mit Komplikationen verbunden. Insofern raten wir zu einer ärztlichen Untersuchung, um die Schwere der Influenza im Einzelnen abschätzen zu können.

Neben der Influenza gibt es viele Kinder, im im Rahmen eines “normalen” Racheninfektes an Mittelohrentzündung erkrankt sind. Diese sind oft rasch auftretend, so dass viele Kinder mit bereits geplatzten Trommelfellen vorgestellt werden. Das ist medizinisch nichts schlimmes, sollte aber wegen einer weiteren Therapie ärztlich kontrolliert werden.

Nach längerer Zeit trat wieder einmal Scharlach auf – sogar bei einem Kind, das gerade erst 3 Jahre alt geworden war. Einzelne Streptokokkenerkrankungen (gleicher Erreger wie bei Scharlach, aber ohne Ausschlag) waren ebenfalls zu beobachten.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Verdacht auf Pfeiffer’sches Drüsenfieber steigt langsam an. Durch die lange Inkubationszeit rechnen wir noch mit weiteren Erkrankungen.

Fieberthermometer

Fieberhafte Infekte durchziehen das Land. Darunter die Influenza (Grippe), die oftmals über 5 Tage Fieber verursacht. Da macht es durchaus Sinn, sich über den Verlauf zu informieren. Aber wie kann ich bei Kindern möglichst einfach und zuverlässig messen? Für uns als Kinder- und Jugendärzte ist es hilfreich, wenn wir folgende Informationen haben:

  • seit wann besteht Fieber?
  • wie hoch ist das Fieber? Hierbei spielt die Kommastelle selten keine Rolle. Ob Fieber von 39.3 oder 39,6 Grad vorliegt ist in aller Regel unerheblich.
  • Besteht das Fieber permanent oder nur am Abend? Oder besonders hoch am Morgen?
  • Spricht das Fieber auf Maßnahmen (Paracetamol, Ibuprofen; Wadenwickel) an?

Daraus wird ersichtlich, dass bei Infekten (nicht aber bei anderen Fragestellungen) zuverlässig durchgeführte Messungen am Ohr oder der Stirn ausreichend sind. Welche Methoden gibt es eigentlich?

Kontaktthermometer

So bezeichnet man das “klassische” Thermometer, das heute nicht mehr über Quecksilber (hochgiftig und verboten) sondern eine elektronische Messsonde die Temperatur ermittelt. Diese misst die Temperatur zuverlässiger als alle anderen Instrumente. Die beste Messung überhaupt ist die Anwendung des Kontaktthermometers rektal (also im After). Alternativ ist die Messung im Mund gerade bei Infektionen oft ausreichend, wobei die Temperatur in verschiedenen Zonen des Mundes unterschiedlich hoch ist (siehe die Graphik der Mundtemperatur der Stiftung Warentest im Bild oben). Nicht sinnvoll ist die Messung in der Achsel. Diese Messungen durch Luft-Hohlräume sehr unzuverlässig.

Ohrthermometer

Über die letzten Jahrzehnte hat diese Methode immer mehr Anhänger gefunden. Hierbei wird im Idealfall die Temperatur des Trommelfells gemessen, die weitgehend der Körperkerntemperatur entspricht. Das Problem liegt darin, dass beim Messen die Infrarot-Sonde das Trommelfell anpeilen muss. Das geht bei Erwachsenen, die in aller Regel bei der Messung entspannt abwarten und einen ausreichend großen Gehörgang aufweisen, sehr gut. Bei Kindern ist das anders:

  • Der Gehörgang ist oft sehr eng. Das begünstigt die Ansammlung von Ohrenschmalz (Cerumen), der eine Messung am Trommelfell behindert.
  • Zusätzlich muss die vorhandene Biegung des Gehörgangs durch sanftes Ziehen am Ohr ausgeglichen werden. Oft folgen Kinder der Zugbewegung mit Drehen des Kopfes, so dass das Trommelfell von der Sonde nicht angepeilt werden kann.
  • Die kindliche Unruhe erlaubt vielfach – gerade in der Krankheit – keine gute Messung.

In der Summe wird zwar eine Temperatur gemessen, aber welche? Oft ist es die Temperatur des Gehörgangs. Dies kann um bis zu 4 Grad Celsius niedriger liegen als die korrekte Kerntemperatur.

Stirnthermometer

Bei dieser Methode wird die Sonde über die Stirn gezogen. Die Messung ist ungenauer als die anderen, aber technisch leichter durchführbar.

Berührungslose Infrarot-Thermometer

Die Infrarot-Thermometer sind technisch sehr einfach zu handhaben. Mit Hilfe eines Infrarot-Strahles wird das zu messende Objekt angepeilt. Dabei ist kein direkter Kontakt erforderlich. Die Messung weist aber eine leichte Ungenauigkeit auf.

  • Nachteil: leichte Ungenauigkeit. Dadurch sind sie für exakte Messungen (z.B. bei chronischen Erkrankungen) nicht geeignet.
  • der Vorteil ist die einfache Handhabung. Mit dem Infrarot-Thermometer lassen sich die Temperatur im Mund (z.B. beim schreienden Kind), am After oder auf der Stirn schnell berührungsfrei ermitteln. Infolgedessen können auch Messungen im Schlaf durchgeführt werden. Dadurch gelingt es einen Fieberverlauf mit vielen Messungen zu dokumentieren. Nebenbei kann die Temperatur von Badewasser (z.B. vor dem Baden von Säuglingen) ermittelt werden.

Beispiele für diese Art von Thermometer sind die beiden folgenden Modelle, die bislang aber noch nicht von der Stiftung Warentest geprüft wurden:

  • Medisana FTN Infrarot-Fieberthermometer, Preis um 25€

  • Sanitas SFT 65Multifunktionsthermometer, Preis um 25€

Für weitergehende Informationen rund um das Thermometer bleibt die Stiftung Warentest eine gute Adresse. Dabei zeigt sich jedoch, dass der letzte Test für Fieberthermometer  schon über 8 Jahre alt ist. Die Ergebnisse finden Sie im Link beim Klick auf das Wort Fieberthermometer.

Wer weitere Details wissen möchte kann den Original-Artikel der Stiftung Warentest hier als PDF-Datei runterlanden.

Reisemedizin: Impfkostenerstattung bei beruflichen Reisen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 6. Februar 2017 seine Schutzimpfungs-Richtlinie geändert, die heute in Kraft tritt. Im §11 Absatz 2 steht nun: “(3) Von der Leistungspflicht ausgeschlossen sind Schutzimpfungen, die wegen eines durch einen nicht beruflichen Auslandsaufenthalt erhöhten Gesundheitsrisikos indiziert (sog. Reiseschutzimpfungen) sind….”.

Das bedeutet praktisch, dass ab heute alle beruflich bedingten Reiseimpfungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse durchgeführt werden dürfen. Noch unklar ist, wann eine Reise als “beruflich” anzusehen ist. Gänzlich unverständlich ist, warum gerade diese beruflichen Reisekosten von der Kasse übernommen werden. Dafür gibt es doch den Betrieb, der Interesse an den Reisen hat und in diesem Zusammenhang auch die Kosten übernehmen könnte.

Im Einzelfall ist diese Regelung also für Familien mit Kindern leider selten anwendbar. Letztlich ist sie aus Sicht von Familien ärgerlich. Schon bisher musste eine Familie mit 2 Kindern doppelt so hohe Reise-Impfkosten tragen wie die Kinderlosen. Nun müssen sie mit ihren Beiträgen auch noch die beruflich bedingten Reisekosten mit finanzieren.

Vermutlich wird diese Neuerung berechtigterweise zu heftigen Diskussionen führen. Bleibt zu hoffen, dass am Ende die allgemeine Übernahme der Impfungen bei Reisen steht. Bisher tragen diese Kosten kulanterweise nur einzelne Krankenkassen.

Reisemedizin: Gelbfieber in Brasilien, Tollwut in Indonesien

Im Lauf des Januar 2017 wurden in Brasilien 550 Verdachtsfälle und 105 Todesfälle durch Gelbfieber in den Bundesstaaten Minas Gerais, Espirito Santo, Sao Paulo, Bahia, Goias, Mato Grosso do Sul und dem Distrito Federal gemeldet. Damit ist Gelbfieber in Brasilien – wo es in den letzten Jahrzehnten nur vereinzelte Fälle gab – in den Fokus gerückt. Für alle Reisenden in die genannten Regionen wird eine Gelbfieberimpfung empfohlen. Diese ist nur einmal im Leben erforderlich. Alle, die bereits einmal gegen Gelbfieber geimpft wurden, brauchen keine erneute Impfung. In unserer Praxis (Reisemedizin) bieten wir Gelbfieberimpfungen an.

Auch Bali in Indonesien ist wieder im Fokus wegen der Tollwut (Rabies). Dort sind im Bezirk Tabanan zuletzt 6 Menschen von einem tollwütigen Welpen gebissen worden. Alle Betroffenen wurden behandelt. Seit Auftreten der ersten Fälle im November 2008 sind auf der Insel schätzungsweise 170 Menschen an der Infektion gestorben. Eine Impfung gegen Tollwut sollte vor einer Reise besonders Rucksacktouristen empfohlen werden. Weiterhin muss von einem Mangel an Immunglobulinen gegen Rabies (“Antiserum”) ausgegangen werden.

Was geht rum? 11. Februar 2017

Die Influenza ist mit aller Wucht nun seit 10 Tagen im oberen Linzgau unterwegs. In einigen Schulklassen sind weniger als die Hälfte der Schüler anwesend und auch viele Lehrer hüten das Bett. Jetzt ist wieder die Zeit von Möchtegern-Wahrsagern, die mit wilden Gerüchten die Stimmung anheizen. Die Influenza – das ist seit über 100 Jahren klar – kommt bei uns immer um diese Jahreszeit vor. Wie heftig und wie lange sie bleibt konnte bislang niemand voraussagen. Da helfen auch keine Würfel. Es sei denn, am Bett eines Kranken, um ihn abzulenken.

Die einfachen Racheninfekte werden im Gegenzug weniger. Damit gingen in der letzten Woche auch die Mittelohrentzündungen zurück. Aber schon gestern, am Freitag, erkrankten erneut über Nacht viele Klein- und Schulkinder an akuter Mittelohrentzündung.

In die Diskussion um den kinderärztlichen Notdienst hat sich nun die Politik eingeschaltet. Leider stehen dann nicht immer Sachargumente im Vordergrund. Sicher ist, dass eine Kinderklinik in Sigmaringen eine sinnvolle Sache wäre. Die wird vermutlich kaum durchsetzbar sein. Ein Notdienst in Albstadt – wie zuletzt gefordert – ist für die Pfullendorfer jedoch keine Alternative. In Singen ist der kinderärztliche Notdienst an die fachlich bestens aufgestellte Kinderklinik angegliedert. Dort können Eltern sicher sein, dass im Notfall alles medizinisch Notwendige gemacht wird, um dem akut erkrankten Kind zu helfen.

Für alle Reisenden nach Rumänien: Dort sind in den vergangenen vier Monaten 2165 Erkrankungen an Masern aufgetreten (in 2015 nur 15 Fälle insgesamt). Von den Erkrankten starben 12 Personen. Bitte bei Reisen nach Rumänien auf einen guten Impfschutz gegen Masern achten.

Labiensynechie – die Verklebung der kleinen Schamlippen

Die Verklebung der kleinen Schamlippen ist ein recht häufiges Phänomen im Säuglings- und Kleinkindesalter. Dabei verkleben die kleinen Schamlippen (in der Graphik rechts die seitliche Begrenzung der ovalen Fläche, die als Ganzes die Vulva darstellt). Der Kontakt zwischen den kleinen Schamlippen kommt durch die  Ausbildung eines zunächst zarten, im weiteren Verlauf aber durchaus derben Häutchens (Graphik: dunkelrot unterhalb des roten Punktes, der die Harnröhre darstellt) zustande. Diese Verklebung – medizinisch Vulvasynechie genannt –  bereitet meist keine erkennbaren Beschwerden und wird häufig erst bei einer Vorsorgeuntersuchung bemerkt und hierbei gelegentlich als genitale Fehlbildung fehlinterpretiert.

Eigentlich wäre diese Verklebung nicht weiter schlimm, würde sie nicht zu Problemen beim Wasserlassen (Miktion) führen. Je nachdem wie die Vulvasynechie ausgebildet ist führt sie in den meisten Fällen dazu, dass der Harnstrahl nicht direkt aus der Harnröhre ins Freie gehen kann, sondern an dem Häutchen zwischen den Schamlippen abprallt. Er wird dann entweder nach oben oder unten umgeleitet und kann hierbei Infektionen im Genitalbereich oder in den Harnwegen auslösen. Unbehandelt können also auch Blasenentzündungen als Folgeerscheinung auftreten.

Wie kommt es zu diesen Verklebungen?

Bei den meisten Mädchen mit dieser an sich harmlosen Störung liegt ein altersentsprechend normaler, aber geringer Hormongehalt an Östrogenen vor. Dadurch sind die Schleimhäute eher trocken und anfälliger. Dieser leichte Reizzustand wird teilweise durch ungünstige Pflege (häufige Anwendung von Salben; Pflegetücher) weiter verschlimmert. Daraus entstehen dann die Verklebungen. Bei anderen Mädchen ist die Ursache eine Autoimmunerkrankung, die die Verklebung begünstigt: Lichen sclerosus et atrophicus. Diese Erkrankung gibt es auch bei Jungen; dort ist sie einer der Gründe für die Vorhautverengung (Phimose).

Kann die Vulvasynechie behandelt werden?

Die Behandlung ist für den erfahrenen Kinder- und Jugendarzt bzw. auch den Frauenarzt nicht schwierig. Über eine kurze Zeit wird eine meist hormonhaltige Salbe aufgetragen die dazu führt, dass sich die Verklebung meist von alleine löst.

Kann man vorbeugen?

Ja, das ist sogar sehr wichtig. Oftmals besteht große Unsicherheit, wie das weibliche Genitale zu pflegen sei. Dabei ist das einfacher als gedacht. Zunächst: keine Salben regelmässig im Genitalbereich auftragen. Das tut einer gesunden Haut und besonders einer Schleimhaut nicht gut. Zur Hygiene des äußeren Genitales bedarf es nur Wasser. Am besten wird das Genitale durch die nasse Hand der Mutter bzw. des Mädchens selbst von Sekretresten gereinigt. Am günstigsten ist das tägliche Wannenbad bzw. die Dusche bei bereits älteren Mädchen ohne Anwendung von Schaum- oder Duschbädern. “Der häufige Gebrauch von Feuchttüchern, Waschlappen und Seife scheint die Entstehung der Vulvasynechie zu fördern”, wie M. Heinz, Kindergynäkologin aus Berlin in einer Publikation feststellte.

Und die Pflege des Genitales bei Säuglingen?

Auch in diesem Falle braucht man nur warmes Wasser. Dieses tränkt man bei jedem Wickeln mit Wattebäuschchen und wischt mit diesen den Schmutz ab. Das einmal benutzte Wattebäuschchen wird jeweils verworfen und ein neues für den nächsten Waschgang verwendet. Dadurch erfolgt eine sehr hygienische Pflege, die dem Waschlappen deutlich überlegen ist. Dieses Vorgehen wird von Schweizer Hebammen schon lange propagiert und sollte auch bei uns Anwendung finden. So sehr für uns Deutsche der Waschlappen Inbegriff von Hygiene ist – für Säuglinge ist er nicht ausreichend hygienisch und sollte keine Anwendung mehr finden.

Hautausschläge: “Pomadenekzem”

Ein sehr häufiger Ausschlag im Säuglingsalter ist das sog. “Pomadenezkem“. Dabei handelt es sich um eine Ekzem – vergleichbar mit dem Ausschlag, der bei einer Neurodermitis zu beobachten ist. Nur liegt keine Neurodermitis vor. Und im Gegensatz zur Neurodermitis ist es auch nicht sinnvoll, regelmäßig Fettcremes anzuwenden.

Das Pomadenekzem ist ein intertriginöses Ekzem. Verursacht durch die Anwendung von Externa (Salben, Cremes oder die Öle in den Feuchttüchern) entsteht es an Stellen, wo Haut auf Haut liegt ein feuchter Zwischenraum. Dort entwickelt sich eine nässende Entzündung, die teilweise kleinste Bläschen im Randbereich und Rötung bzw. schuppende Hautfetzen im Inneren aufweist. Wenn diese Stellen zusätzlich noch innerhalb der Windeln liegen verstärkt sich der Prozess weiter.

Bei Säuglingen ist dieses Ekzem häufig in den Leisten (siehe im Bild rechts) zu beobachten. Vielen Eltern wird bei kleinster Rötung der Haut geraten, die Haut zu “behandeln”: Sie wenden dann Salben, Cremes oder Öle an, die fast immer zu weiterer Verschlechterung führen. Die Folge: Noch häufigere Anwendung dieser Externa und Wechsel zwischen verschiedenen Produkten.

Wie sieht die Therapie aus? Nichts machen. Oder genauer: Die Haut nur noch mit Wasser behandeln. Bei jedem Wickeln gute Hautreinigung mit Wasser auf Wattebäuschchen. Dabei immer wieder frische Wattebäuschchen zu besseren Hygiene verwenden. Waschlappen sind eher ungünstig. Zu Beginn sind sie sauber, aber bald sind auch diese von den Schmutzpartikeln und Bakterien benetzt, die die Haut belasten. Nach dem Waschen – das auch unter fließend Wasser erfolgen kann, sofern beim Säugling zur Sicherheit zwei Personen anwesend sind – sollte die Haut getrocknet und am besten leicht geföhnt. werden. Häufiges Wechseln der Windeln versteht sich in der Akutphase ohnehin.

Kann man vorbeugen? Ja, einfach ab Geburt nur Wasser zur Hautreinigung und beim Wickeln verwenden. Feuchttücher sollten allenfalls auf Reisen (Wickeln an der Autobahnraststätte) zum Einsatz kommen. Und Cremes in der Windelregion brauchen Säuglinge so oft wie Erwachsene auch. Eigentlich nie.