Was geht rum? 28. Mai 2016

Langsam beginnt die Zeit der Erdbeeren. Eine herrliche Frucht, der leider immer wieder nachgesagt wird, dass sie oft zu Allergien führt. Das tut sie nicht. Einige Menschen mit empfindlicher Haut bekommen je nach Zahl der gegessenen Erdbeeren eine Rötung des Mundes mit Juckreiz. Das trifft besonders für Kinder mit Neurodermitis zu. Dennoch, auch für diese Kinder ist eine Versuchung durch die Erdbeere erlaubt.

Zu Beginn der letzten Woche war es mittags in Pfullendorf gerade mal 7 Grad warm. Das erinnert an den Herbst. Daran hielten sich auch die Infekte. Zu Beginn der Woche waren es hauptsächlich Racheninfekte mit Mittelohrentzündungen. In den letzten Tagen kam ein Infekt der oberen Atemwege mit Infektkrupp hinzu. Betroffen waren alle Altersgruppen bis hin zu einer 14-Jährigen.

Mit der Sonne kamen die Streptokokkeninfektionen. Scharlach – also eine Angina mit dem typischen Ausschlag – war bisher nicht dabei.

Langsam nimmt auch die Zahl der Zecken zu, die sich an die Menschen ranmachen. Für die nächsten Monate sollten Eltern abends beim Zubettgehen untersuchen, ob nicht doch ein unerwünschter Gast sich in deren Haut verbissen hat.

Giftpflanzen: Holunder

Der Holunder (Sambucus ebulus), dessen Blüten für Tees oder Sirup sehr geschätzt sind, kann über seine Beeren auch zu Vergiftungssymptomen führen.

Symptome

Nach Aufnahme roher Früchte kann es zu Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen und Würgreiz kommen. Dies tritt meist erst bei eine “Handvoll” Früchten auf und hängt von der Empfindlichkeit des Betroffenen gegenüber den Glykosiden ab, die in den Früchten enthalten sind

Therapie

nur symptomatisch erforderlich. Eine echte Gefährlichkeit besteht nicht.

 

Bildquelle: www.gartenjournal.net

Frühe Milchernährung und Asthma

Über Omega-3-Fettsäuren ist schon seit langem bekannt, dass ihre Aufnahme über die Nahrung – beispielsweise im  Fisch – günstige Wirkungen hat. So ist bekannt, dass diese Fettsäuren das Risiko für Asthma sicher senken.

Diese Omega-3-Fettsäuren gibt es in bedeutsamer Menge auch in anderen Nahrungsmitteln. Die Forscher der PASTURE-Studie um Frau Prof. Erika von Mutius in München hat nun untersucht, welchen Effekt die Rohmilch (also unverarbeitete Kuhmilch) gegenüber der der pasteurisierten Milch hat. Die Daten wurden kürzlich veröffentlicht (abstract).

Für die Studie wurden 84 Kinder vor Schulbeginn nachuntersucht, die im Alter von 4 Jahren eine Blutuntersuchung gemacht und eine Probe der “üblich” getrunkenen Milch abgegeben hatten. Dabei zeigte sich, dass das Risiko für Asthma für Kinder, die Rohmilch verzehrt hatten, deutlich geringer war gegenüber denen, die handelsübliche Milch (3.5% pasteurisierte Milch) verwendeten. Parallel zeigte sich, das der ω-3-Fettsäurenanteil in der Rohmilch deutlich höher war.

Fazit

Wie bereits bekannt, ist die Rohmilch günstig, um Allergien und Asthma vorzubeugen. Dies scheint – wie diese Studie belegt – zum Teil auf die ω-3-Fettsäuren zurückzuführen sein. Auf der anderen Seite steht das Risiko, über die Rohmilch in extrem seltenen Fällen Bakterien aufzunehmen, die zu schweren Magen-Darm-Erkrankungen mit hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS) führen, mit langfristigen Folgen. Diese beiden Faktoren müssen gegeneinander abgewogen werden.

Was geht rum? 21. Mai 2016

Die Infekte werden wieder weniger. Übrig bleiben wenige Kinder, die von lang andauerndem Fieber (> 4 Tage) geplagt werden, wobei die Laborwerte eine Virusinfektion nahelegen. Hinweise für eine Mononukleose (“Pfeiffer’sches Drüsenfieber”) fanden wir in den letzten Tagen nicht mehr.

Vereinzelt trat Angina auf. Kinderkrankheiten waren keine festzustellen.

Die Allergien spielen weiterhin keine Rolle. Das könnte sich in der kommenden Woche ändern. Aber wer wagt noch, auf einen warmen Ausklang des Monats Mai zu hoffen?

Giftpflanzen: Tollkirsche

Seit dem Altertum ist die Tollkirsche (Atropa belladonna) bekannt. Durch ihre berauschende Wirkung und die Erweiterung der Pupillen wurde sie im Mittelalter gerne als “Partydroge” eingesetzt. Heute ist sie den meisten Menschen aus der homöopathischen Therapie als Belladonna bekannt.

Die Tollkirsche enthält Atropin und andere sog. Alkaloide, wie sie auch in anderen Pflanzen (z.B. im Stechapfel) vorkommen. Atropin ist ein Anticholinergikum, das in der Medizin (Augentropfen, Anti-Parkinson-Mittel) Anwendung findet.

Symptome

Nach kurzzeitig langsamem Herzschlag kommt es typischerweise zu einem schnellen Herzschlag (Tachykardie). Die Pupillen sind geweitet (Mydriasis), die Stimme wird heiser, die Haut – gut sichtbar auf den Wangen – wird zart-rötlich, die Schleimhäute trocken. Gleichzeitig tritt motorische Unruhe mit Halluzinationen auf. Der Vergiftungsprozess beginnt langsam und dauert über 8 bis 24 Stunden an.

Vergiftungen

Die Früchte der Tollkirsche sind dunkel und laden zunächst nicht zum Verzehr ein. Aber sie schmecken süß, was Kinder gerne dazu bringt mehrere zu probieren. Häufig werden die Früchte aber in großen Stücken verschluckt, so dass die Giftfreisetzung geringer ist. Eine tödliche Gefahr besteht bei Kindern bereits ab 2-5 Beeren. Weil Kinder heute viel weniger in der Natur unterwegs sind, sind die Vergiftungsfälle durch die Tollkirsche jedoch deutlich seltener als früher.

Aktuell sind Atropin-Augentropfen bei weitem problematischer. In aller Regel werden diese beim Augenarzt verwendet, um durch die Erweiterung der Pupillen eine gute Beurteilung des Augenhintergrundes zu ermöglichen. Daneben findet Atropin aber auch Anwendung bei einigen Erkrankungen des Auges und sind dadurch in manchen Haushalten vorrätig. Dort können sie dann von Kindern gefunden und “getestet” werden.

Vergiftung

Die Behandlung einer Vergiftung mit Tollkirsche oder Atropin (Augentropfen) sollte immer in einer Klinik erfolgen. Zum einen, weil die Vergiftung möglicherweise extrem gefährlich sein kann, zum anderen, weil die Medizin über ein wirksames Gegenmittel verfügt. Glücklicherweise kommt es extrem selten zu Todesfällen.

 

Pflege der Vorhaut im Kindesalter

Über Krankheiten aller Art wird viel geredet: Hand-Fuß-Mund-Krankheit, der Vitamin-D-Mangel und Allergien sind Themen, zu denen sich viele berufen fühlen etwas zu sagen. Das muss nicht immer stimmen, aber es ist halt mal modern.

Dagegen war es in den letzten Jahrzehnten nie chic, über die Genitalpflege zu sprechen. Leider. Das wäre sehr wichtig, gerade weil hier so viele Tabus bestehen.

Jungs kommen zu etwa 95% mit einer Enge der Vorhaut zur Welt. Weil die Phimose in diesem Alter normal ist, nennt man sie physiologische Phimose. Die Pflege ist eigentlich einfach: mit Wasser waschen, keine Cremes auftragen, und keine Manöver ausführen, um die Vorhaut zu dehnen!

Im Normalfall – und der ist eben der allerhäufigste – lockert sich das Gewebe der Vorhaut von alleine. Auch die Verklebung der Vorhaut mit der Eichel, die zu Beginn des Lebens normal ist, geht nach und nach zurück. Ab der Pubertät jedoch, sollte die Vorhaut dann über die Eichel zu streifen sein. Das ist bei manchen Jugendlichen bereits im Alter von 13 Jahren der Fall, bei den anderen mit späterem Pubertätseintritt erst mit 16 Jahren. Im Einzelfall sollte der Kinder- und Jugendarzt gefragt werden, ob die Vorhautentwicklung altersgemäß ist. Das kann bei der Jugendgesundheitsberatung (J1) erfolgen.

Was ist sinnvoll?

  • eine Vorhaut, die zurückstreifbar ist, sollte einmal täglich aktiv zurückgestreift und mit Wasser gereinigt werden.
  • wenn die Vorhaut gerötet oder auch schmerzhaft ist, sollte der Kinderarzt aufgesucht werden.
  • wenn zu Beginn des Pinkelns sich erst die Vorhaut “aufbläst” (balloniert) bevor der Urin dann in scharfem Strahl kommt, liegt meist eine krankhafte Phimose vor. In diesem Fall sollte ein Arzt bald aufgesucht werden.

Was ist nicht sinnvoll?

  • Das Zurückziehen einer engen Vorhaut des Kleinkindes führt in den meisten Fällen zur Phimose. Beim Zurückziehen entstehen kleine Risse, diese vernarben und die Vorhaut wird hierdurch immer enger. Das Zurückziehen der Vorhaut führt also erst zur Phimose
  • Eincremen des Genitale ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll

Wann sollte man zum Arzt gehen?

  • bei Verdacht auf eine echte Phimose mit Ballonieren beim Pinkeln (Miktion)
  • bei geröteter Vorhaut
  • bei schmerzhaftem Pinkeln

 

Quelle: www.medical-pictures.de

 

Was geht rum? 14. Mai 2016

Die Woche war zuletzt sehr regenreich – keine Chance für Pollen, die Allergiker aufzusuchen. Das wird sich aber bald ändern. Und dann werden die Gräserpollen nach dem wässrigen Wachstumsschub ordentlich loslegen.

Das Spektrum der übrigen Infektionen ist groß. Im Vordergrund steht weiterhin die Herpangina, eine letztlich harmlose Viruserkrankung, die besonders die Schüler durch Halsweh, manchmal in den ersten beiden Tagen auch mit Fieber plagen kann. Die eitrige Angina ist eher selten, das Pfeiffer’sche Drüsenfieber ist mit ein oder zwei Erkrankungen wieder aufgetaucht.

In den letzten beiden Tagen traten bei den Kleinkindern einige Erkrankungen von Mundfäule (Stomatitis aphthosa) auf. Dies ist eine meist fieberhafte Krankheit, die starke Schmerzen im Hals beim Schlucken verursacht. In den ersten 3 Tagen tauchen zunehmend Bläschen an der Mundschleimhaut, der Zunge und den Lippen auf. Solange Kinder gut trinken (auf die Zufuhr von Kalorien achten – also ausnahmsweise mit Süßgetränken großzügig sein) bestehen selten Probleme. Wenn nicht, kann eine stationäre Behandlung erforderlich werden.

Giftpflanzen: Eibe

Die Eibe (Taxus baccata) gehört zu den sehr giftigen Pflanzen und war schon im Altertum als “Todesbaum” bekannt. Zwar haben die Nadeln eine höhere Giftigkeit durch das enthaltene Taxin. Aber die schönen Samen sind für Kinder natürlich lockender. Insofern treten Vergiftungen im Kindesalter fast ausschließlich durch die Samen (“Beeren”) auf.

Symptome

Nach etwa einer Stunde treten Übelkeit, Schwindel und Bauchschmerzen auf. Danach kommt es zu Bewusstlosigkeit, Rotfärbung der Lippen und schnellem Herzschlag (Tachykardie). Im weiteren Verlauf sink der Blutdruck ab und der Tod tritt ein.

Therapie

Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich

Maßnahmen

Bei bis zu 3 zerkauten Beeren ist außer Flüssigkeitsgabe keine weitere Maßnahme erforderlich. Bei mehr als 3 Beeren sollte auf jeden Fall die Giftzentrale kontaktiert werden. Unbedingt zu beachten ist, dass zwischen Einnahme der Beeren und den Symptomen etwa 1 Stunde vergeht! Da Kinder meist nach 1 Beere vom Verzehr ablassen und die Beeren meist auch nicht zerkauen, treten fast ausschließlich schwache Symptome auf – auch wenn die Pflanze prinzipiell tödlich sein kann.

Asthma und Ernährung

Manchmal kann Wissenschaft so erfrischend sein. Es werden tausende Studien erstellt. Deren wissenschaftliche Bedeutung wird mit speziellen statistischen Methoden geprüft. Und schließlich kommt man zu einem einfachen Ergebnis, das dem Laien schon lange ohne langes nachdenken klar ist.

Eine solche Übersichtsstudie (review) wurde gerade von Vanessa Garcia-Larsen und Kollegen in Allergy, der Zeitschrift der europäischen Allergologen (EAACI), veröffentlicht. Sie kommen nach langen Recherchen zum Schluss, dass bei der Ernährung folgende Faktoren als günstig sind, um einem Asthma bronchiale vorzubeugen:

  1. Frische Früchte
  2. antioxidative Vitamine (C,E,D)
  3. “Mittelmeer”-Kost

Also nutzen wir den Sommer und Herbst mit seinen Früchten. Machen wir den Kindern einen feinen, frischen Obstsalat. Nicht das langweilige und fade Zeug aus der Dose. Und danach Pasta mit Olivenöl und ähnliches. So wohlschmeckend kann medizinische Vorbeugung sein.

Afiyet olsun! Buon appetito! Buen provecho! Guten Appetit!

Was geht rum? 07. Mai 2016

Der schöne Mai. Alles blüht. Schmetterlinge fliegen. Aber nicht der im Bild: den gibt es nur im Schmetterlingshaus auf der Mainau zu sehen, oder irgendwo in den Tropen.

In dieser Woche haben sich die Häufigkeiten der Erkrankungen verändert. Mit dem wärmeren Wetter kamen wieder vermehrt Streptokokkenerkrankungen wie der Scharlach auf, ebenso Durchfallserkrankungen.

Geblieben sind weiterhin mässig häufige Virusinfekte der oberen Atemwege (“Grippe”).

Die Pollenbelastungen durch Birke werden nun wohl ihren Höhepunkt überschreiten. Es ist für Allergiker sinnvoll, sich abends zu duschen, um die Pollen nicht mit ins Bett zu nehmen. So ersparen sie sich die Pollenbeschwerden wenigstens nachts.