Was geht rum? 27. August 2016

Jetzt nehmen die Infekte doch wieder zu. Bei dem herrlichen Wetter sind es meist jahreszeitlich typische Erkrankungen: die Hand-Fuss-Mund-Krankheit, die Streptokokkenangina und Magen-Darm-Infektionen.

In den letzten Wochen trat vereinzelt Keuchhusten (Pertussis) auf. Auch bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen. In diesem Alter ist die Erkrankung gefährlich. Unangenehm und lästig ist sie ohnehin immer. Und, sie dauert viele Wochen. Grund genug, Säuglinge, die noch keinen ausreichenden Impfschutz haben (3 Impfungen = Grundimmunisierung), sollten gezielt von Kindern ferngehalten werden, die schon viele Tage husten. Die frühe Impfung ist entgegen vielfacher “Empfehlungen”  sinnvoll. Natürlich wirkt eine Impfung bei einjährigen Kindern besser. Aber gerade die jungen Säuglinge, sind durch schwere Komplikationen bei Keuchhusten gefährdet. Im Zweifelsfall die Oma oder die Uroma fragen: Sie wissen noch, was Keuchhusten ist. Nicht aus dem Internet, sondern aus praktischer Erfahrung. Wertvoll!

Für Schulkinder und Jugendliche ist Keuchhusten nicht mehr lebensbedrohlich. Aber eine plagende Erkrankung, wenn sie in Fahrt gekommen ist. Und dann sind die Möglichkeiten der Medizin die Beschwerden zu lindern sehr begrenzt. Der Keuchhusten setzt bei den älteren Kindern häufig im Alter über 8 Jahren ein, wenn die Auffrischimpfung vergessen wurde. Bitte fragen Sie bei uns nach, wenn unklar ist, ob der Impfschutz ausreichend ist.

Die Windpocken sind auch wieder im Lande. In Dieser Woche wurden uns 4 Erkrankungen bekannt. Damit ist bei Ungeimpften mit weiteren Neuerkrankungen zu rechnen. Kinder, die 2 Mal geimpft sind haben ein Risiko unter 5% zu erkranken. Und in diesem Fall haben sie auch nur mit leichten Verläufen zu rechnen.

Allergien spielen im Moment eine untergeordnete, die Pollen sind in dieser Woche verdurstet.

Magen-Darm-Infekt: Flüssigkeitszufuhr mit verdünntem Apfelsaft

Durchfallserkrankungen erleben Eltern bei ihren Kindern oft. Mal leichter Durchfall ohne weitere Probleme, mal aber auch heftige Durchfälle mit Erbrechen. Und in diesem Fall droht immer auch ein bedeutsamer Flüssigkeitsverlust. Im Säuglingsalter lässt sich im Fall mehrfachen Erbrechens eine stationäre Behandlung nicht oft nicht verhindern.

Wie kann man Klein-Kindern helfen, wenn sie erbrechen?

  1. Zunächst mal die Situation beruhigen: Das Kind trösten, ihm hilfreich zur Seite stehen und nicht die Frage stellen, die das Kind ohnehin plagt (“Musst Du brechen?”) – sondern mit viel Ruhe und Geduld Mut machen.
  2. Dann kann so nebenbei anfangen ein Getränk zu geben. Langsam, schluckweise unter Zuspruch (und ohne die oben genannte Frage zu stellen!) und wenn möglich ohne den großen Eimer mit Erbrochenem im Angesicht. Das ideale Getränk ist die Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©), in der sich Wasser – Zucker – Salze (Elektrolyte) in idealer Konzentration zusammenfinden. Das Problem ist oft: manche Kinder lehnen den Geschmack ab. Dann zunächst versuchen zu motivieren, selber probieren (“schmeckt doch nicht so schlimm” – das stimmt auch) und nochmals anbieten. Und wenn das nicht geht: Apfelsaft-Schorle: Apfelsaft (1 Teil) vermischt mit Wasser (2-3 Teile). Auch hier wieder: zunächst kleine Schlucke. Die Trinkmenge muss langsam gesteigert werden.
  3. Vomacur©/ Vomex©? Der Einsatz ist nur bei heftigem Erbrechen sinnvoll, wenn Kinder aus dem Erbrechen trotz langsamer Trinkversuche nicht herausfinden. Als Saft? Wer Vomex©-Saft trinken kann, dem geht’s zu gut für dieses Medikament. Dann lieber Apfelsaft trinken. Insofern ist diese Medikation grundsätzlich als Zäpfchen vorrätig zu halten. Und: Für Kinder und Kleinkinder maximal 1 Zäpfchen pro Tag. Sollte sich danach das Trinkverhalten nicht bessern oder das Erbrechen noch anhalten, muss ein Arzt oder ggf. das Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird dann weiter untersucht und ggf. auf eine Infusionsbehandlung umgestellt.

Dieses Vorgehen ist nicht neu? Nein, wir haben das im praxisblättle seit 20 Jahren immer wieder mal beschrieben. Nur jetzt ist es auch wissenschaftlich untermauert. Stephen B. Freedman und Kollegen aus Toronto (Canada) konnten im JAMA (Journal of the American Medical Association) belegen, dass es besser ist Kindern Apfelschorle (“diluted apple juice”) anzubieten, als sie zu nötigen Elektrolytlösungen zu trinken. Die untersuchten Kinder waren um die 2 1/2 Jahre alt und brauchten eine Infusionsbehandlung nach Apfelschorle nur in 2.5%, während die Vergleichsgruppe mit Elektrolytlösung in 9% stationäre zur Infusion eingewiesen werden mussten. Wie sagt man im Volksmund: “Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.”

Drogen (4): Rauschdrogen

Unter dem Begriff “Rauschdrogen” werden verschiedenste Substanzen erfasst, die – bis auf wenige Ausnahmen – illegal sind. Einige wurden erst jetzt gesetzlich im Gesetz zur Bekämpfung der Verbreitung neuer psychoreaktiver Stoffe (NpSG) erfasst, das vom Bundeskabinett am 4. Mai 2016 beschlossen wurde.

Die Vielfalt der Drogen ist enorm und erweitert sich stetig. Sie umfasst Analeptika (Ecstasy, Cocain, Crack u.a.), Halluzinogene (Rauschpilze, LSD, PCP, Aga-Kröte u.a.) sowie Sedativa (Haschisch, Opium, Heroin u.a.).

Im Folgenden sollen nur einige Punkte erwähnt werden, die für das Verständnis der Bedrohung wichtig sind:

  • die Preisfrage: 1 Tbl. Ecstasy (XTC) kostet 10€. Ein Wodka-Red-Bull in der Disco etwa 8€.
  • akute Gefahren: z.B. Crack (von Cocain) verursacht Krämpfe, Temperatur >43°C, Kreislaufstillstand.
  • Rauschpilze: können legal beschafft werden.
  • Hanfprodukte (Haschisch) sind heute deutlich potenter als früher (Wirkstärke x 20-40). Dadurch ist das Risiko für die Entwicklung einer Psychose sehr groß.
  • im Jahre 2010: 7.4% der 12-17-Jährigen haben Cannabis probiert, bei den 18-25-Jährigen sind es 35% – also keine Randerscheinung.
  • GBH (syn: “k.o.-Tropfen”, liquid XTC): die Nr.1-Vergewaltigungsdroge!

Rauschdrogen spielen gesellschaftlich eine grössere Rolle als bekannt. Weil sie tabuisiert werden, ist auch die Aufklärung der Jugendlichen erschwert. Jugendliche, die Drogen für sich ablehnen, selbstsicher und glücklich sind, können auch zum Opfer werden. GBH ist eher einfach herzustellen und kann problemlos bei Festen zum Einsatz kommen, wenn man sich nicht ausreichend schützt: Getränke müssen bei allen Festen “bewacht” werden, keine “Cocktails” bei anonymen Festen trinken, wenn nicht klar ist wer sie wie zubereitet hat.

Was geht rum? 20. August 2016

Der Sommer im Linzgau hat nur eine kleine Verschnaufspause eingelegt. Bald ist nochmal Zeit die Sonne und Wärme zu geniessen.

Die Krankheiten sind ebenso im Sommermodus. In dieser Woche gingen die Infekte weiter zurück. Im Vordergrund stand eine Magen-Darm-Grippe.

Für Kinder, die Mit Erbrechen erkranken ist es in der Regel ausreichend gesüßte Getränke löffelweise anzubieten: z.B. Tee mit Traubenzucker; Apfelschorle; noch besser, aber leider oft verweigert: Oralpaedon©. Dazu eine entspannte Atmosphäre schaffen und nur vorsichtig nach Bauchweh/ Erbrechen fragen. In dieser Phase sollten Kinder über eine Stunde – je nach Alter – langsam etwa 50-200 ml trinken. Danach sind sie vermutlich noch etwas abgeschlagen, trinken aber wieder besser. Bitte mit der Gabe von Vomex©/ Vomacur© empfiehlt es sich vorsichtig sein. Hier ist maximal eine einzelne Gabe pro Tag vertretbar. Sollte keine Besserung eintreten und insbesondere das Erbrechen länger anhalten, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Heute, am Samstag dem 20. August 2016, sind wir in Notfällen für Sie erreichbar. Bitte rufen Sie bei Erkrankungen Ihres Kindes die bekannte Nummer 01801 929 345 des kinderärztlichen Notdienstes Kreis Sigmaringen an.

Welche Krankheiten beschäftigen Eltern?

Macht es Sinn Ihnen als Eltern zu sagen, vor welchen Krankheiten Ihrer Kinder Sie sich fürchten? Nach einigem Zögern will ich Ihnen dennoch die Studie der DAK (Deutsche Angestellten Krankenkasse) kurz vorstellen. Wenn Sie die Ergebnisse im Detail sehen möchten, klicken Sie bitte auf “Studie”.

Erfreulich ist zunächst, dass 95% der befragten Eltern die Gesundheit ihrer Kinder als “sehr gut” und “gut” einschätzten. Es findet offensichtlich keine Dramatisierung statt, auch wenn Eltern oft Grund zu Angst haben, wenn sie die Schreckensnachrichten in Medien präsentiert bekommen. Ängste und schlechte Nachrichten verkaufen sich nun mal besser. Oder: Gute Nachrichten – außer beim Fußball – erscheinen eher öde.

Die Hauptsorge von Eltern im Jahre 2015 ist, dass das eigene Kind an Neurodermitis erkranken könnte (27%). Danach folgen Asthma bronchiale und Diabetes, wie schon in der Untersuchung von 2008. Nur war damals die Sorge vor ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität) auf Platz 1, die jetzt auf Platz 4 rangiert (von 44% auf 20%). In der Wahrnehmung hat sich also etwas geändert. Man ist besser informiert über ADHS und hat damit weniger diffuse Ängste. Neurodermitis hingegen betrifft oft schon Säuglinge, der Juckreiz kann quälend sein. Vermutlich ist es die gefühlte Hilflosigkeit gegenüber dem eigenen Kind, vor der Eltern sich ängstigen.

Drogen (3): Tabak

Das Rauchen geht vermutlich auf die Maya im heutigen Mexiko zurück. Sie zelebrierten die Inhalation von Rauch bei rituellen Handlungen. Von Mittelamerika kam auch die Tabakpflanze zu uns nach Europa und mit ihr spielte das Rauchendes Tabaks schnell eine grosse Rolle. Versuche es zu verbieten, es zu diskriminieren oder später gar zu verherrlichen waren nicht von Erfolg gekrönt.

Was für alle Drogen gilt, gilt hier besonders: Eltern haben eine enorme Vorbildfunktion. In dem sie nicht rauchen setzen sie ein Zeichen. Daneben sollten zarte Versuche von Jugendlichen, eine Zigarette zu rauchen nicht mit rigiden Maßnahmen bestraft werden.In diesem Falle ist das Gespräch entscheidend, das Jugendlichen die langfristigen Folgen aufzeigt, ihnen aber die Verantwortung das Rauchen einzustellen selbst überlässt.

Die epidemiologischen Zahlen sprechen für sich: Jugendliche handeln in Bezug auf das Rauchen deutlich bewusster und rationaler als ihre Eltern:

  • Etwa 30% aller Deutschen rauchen
  • Das Rauchen führt in Deutschland zu etwa 140.000 Todesfällen

aber: laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Vergleich 2001 gegen 2015) gilt für Jugendliche von 12-17 Jahre:

  • Die Zahl der Nie-Raucher unter Jugendlichen stieg von 40% auf 80%
  • Raucherquote sank im gleichen Zeitraum von 27.5% auf 7.8%

Vermutlich ist es in den meisten Fällen also so, dass beim Rauchen eher Kinder und Jugendliche ein Vorbild für die Eltern sein könnten, das Rauchen auch aufzugeben.

Was geht rum? 13. August 2016

Viele von Ihnen sind am Meer oder an großen Seen wie dem Lago Maggiore. Es ist beruhigend dem Wasser zu zusehen, den Wellen, dem Plätschern. Die Seele tankt auf, Gedanken fliessen.

Auch in unserer Region ist der Sommer dabei zu zeigen, was er kann. Und das bedeutet auch, dass er die Krankheiten in engen Grenzen hält. Im Moment sind kaum neue Infektionen zu beobachten. Keine Kinderkrankheiten.

Am Donnerstag und Freitag (18. und 19. August 2016) der kommenden Woche bleibt die Praxis geschlossen. Bitte wenden Sie sich bei akuten Erkrankungen Ihrer Kinder an eine der Kinderarztpraxen, die als Vertretung auf dem Anrufbeantworter oder am Praxiseingang genannt sind. Am Samstag, dem 20. August 2016, steht Ihnen in der Praxis Frau Dr. Wagner bei Notfällen zur Seite.

Nickel: im Alltag immer noch bedeutsam

Seit dem Jahre 2001 ist eine EU-Richtlinie in Kraft, die festlegt, dass Gegenstände, die “unmittelbar und länger” mit der Haut in Kontakt kommen, nur Spuren von Nickel freisetzen dürfen. Unter die Regelung fallen Armbanduhren, Schmuck, Nieten und Reißverschlüsse.

Das Forschungsteam um Evelina Ringborg aus Stockholm (Schweden) untersuchte nun 141 Gegenstände des täglichen Gebrauchs auf Nickel. Sie fanden heraus, dass 44% aller untersuchten Artikel Nickel freisetzten. Interessant ist, dass alle Laptops (13/13) Nickel freisetzten, aber auch Schreibstifte (5/12), Mobiltelefone (5/13) und Regenschirme (3/4) waren bedeutsam.

Gerade Mobiltelefone und Laptops haben für Kinder und Jugendliche eine hohe Bedeutung. Sie werden mehrfach täglich und teils über Stunden benutzt. Ihr Risiko, sich hierüber gegen Nickelsulfat zu sensibilisieren ist vermutlich bedeutsam. Es wäre an der Zeit, die Richtlinie an die veränderten Gegenenheiten des Alltags anzupassen.

Drogen (2): Alkohol

Alkohol ist eine “legale” Droge. Jeder Erwachsene hat freien Zugang. Für Jugendliche ist der Zugang im Jugendschutzgesetz (JuSchG) geregelt. Erst Personen über 18 Jahre dürfen frei konsumieren. Ansonsten gibt es folgende Einschränkungen:

  • Im Alter von 14-15 Jahren darf Bier, Wein/Sekt und Mixgetränke auf der Basis von Wein/Bier in Begleitung einer personensorgeberechtigten Person konsumiert werden.
  • Ab 16 Jahre sind der Konsum von Bier, Wein/Sekt und Mixgetränke auf der Basis von Wein/Bier frei.
  • Spirituosen und Spirituosen-Mixgetränke sind in keinem Fall frei bis zur Volljährigkeit von 18 Jahren. Auch in Begleitung einer personensorgeberechtigten Person sind diese alkoholischen Getränke bis zum 18. Geburtstag nicht erlaubt.

Der Gesetzgeber hat klare Grenzen gesetzt, über die sich rein rechtlich auch Eltern nicht hinwegsetzen dürfen. Der Umstand, dass gerade im familiären Bereich oft das “erste Bier” schon vor dem 14. Geburtstag mit einem zwinkernden Lächeln angeboten wird, ist sehr bedenklich. Gerade Eltern, Onkels und Tanten und Freunde der Familie sollten sich nicht zum Wegbereiter von Drogen machen und für die Jugendlichen Grenzen überschreiten. Wenn Jugendliche das heimlich machen, hat das etwas mit Mut zur Grenzüberschreitung zu tun. Das ist an sich nicht immer harmlos, aber ein typisches Verhalten in der Pubertät. Sind aber Erwachsene die Türöffner, bringen sie die Jugendlichen in eine schwierige Situation in einer Zeit, die ohnehin von Unsicherheit geprägt ist.

Warum denn beim Alkohol so streng sein? Der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland liegt bei 145 Litern Alkohol pro Jahr. Unter Alkohol kommt es zu 55.000 aufgeklärten Gewalttaten pro Jahr. An den Folgen von Alkohol streben jeden Jahr in Deutschland 73.000 Menschen.

Grund genug, Alkohol als ernstzunehmende Droge anzusehen.

Was geht rum? 06. August 2016

Sehr romantisch, das Atoll vor der Küste von Madagaskar. Ein einsamer Strand, ein sauberes Meer. Aber weit und breit kein frisches Trinkwasser, kein Essen, keine gemütliche Schlafstadt. So bleibt es ein Traum, einen solch wunderbaren Flecken Erde von oben zu bestaunen …..

Aber vorher kehren wir kurz zu manchen weniger netten Realitäten zurück: Die Infekte der letzten Wochen setzen sich unverändert fort. Weiterhin beherrschen die Enteroviren mit der Herpangina und der Hand-Fuss-Mundkrankheit die kranken Kinder.

Kinderkrankheiten spielen im Moment keine Rolle.