Geschichte: Keuchhusten-Flüge am Säntis

Im Moment ist in unserer Region wieder der Keuchhusten aufgetreten. In schwacher Ausprägung – aber für die Betroffenen ein bedeutsames Problem.

Der Keuchhusten war im letzten Jahrhundert noch sehr gefürchtet. Einerseits die schlimmen Hustenanfälle mit Erbrechen und begleitenden Ernährungsstörungen. Aber besonders die Todesfälle, die beim Keuchhusten nicht so selten waren. Ein erster Impfstoff wurde bereits 1933 entwickelt. Durch dessen Anwendung Jahrzehnte später wurde der Schrecken vor dieser Kinderkrankheit deutlich reduziert.

Wie schlimm die Krankheit empfunden wurde zeigen die Keuchhustenflüge, die in Deutschland und auch in der Schweiz unternommen wurden. In der Schweiz bot die SWISSAIR ab 1930 Flüge bei offenen Kabinentüren (!) an. Die Flugzeuge flogen auf 3000 bis 3500 Metern über eine Stunde lang. Noch nach dem 2. Weltkrieg befasste man sich mit dieser Therapie wie eine Veröffentlichung von Richard Rehsteiner, Kinderarzt aus St. Gallen belegt: “Beeinflussung des Keuchhustens durch eine Fahrt auf den Säntis” (Nov. 1946). Nach Fertigstellung der Säntisbahn 1935 hatte man auch diese Variante der Therapie benutzt. In der Arbeit wird berichtet, dass 23 Kindern geholfen werden konnte, 22 anderen aber nicht. Sogar der weltberühmte Kinderarzt Prof. Dr. Guido Fanconi – nach ihm ist u.a. das Fanconi-Syndrom benannt – nahm sich dieses Problems an und traf sich mit Vertretern des Zürcher Hochbauamtes im Januar 1944 auf dem Säntis, um bauliche Maßnahmen zu diskutieren. Aus finanziellen Gründen zog sich die Universitätsklinik aber wieder aus dem Projekt zurück.

Die Entwicklung der Impfung gegen Keuchhusten hat die Höhentherapie fast in Vergessenheit geraten lassen. Heute gibt es nur noch wenige Kinder, die an Keuchhusten erkranken. Die letzten offiziellen Keuchhustenflüge gab es ab dem Landesflughafen in Stuttgart im Jahre 1967.

Bildquelle: ETH-Bibliothek, Zürich

Was geht rum? 24. September 2016

Der goldene Herbst dieser Woche tut nicht nur den Augen und der Seele gut, er scheint auch das Immunsystem der Kinder und Jugendlichen in Form zu bringen. Die Infektionen gingen in dieser Woche nochmals spürbar zurück.

Übrig blieben unspezifische Infektionen: Racheninfekte, vereinzelt leichte Mittelohrentzündungen.

Einzig der Krupphusten zeigte eine Zunahme. Das ist typisch in der Jahreszeit, wenn die Morgennebel aufkommen. Eltern von Kindern die schon mal betroffen waren sollten nachsehen, ob sie für den sehr seltenen Notfall beim Krupphusten mit Medikamenten gerüstet sind. Wenn nicht, kommen Sie in die Praxis und lassen Sie sich beraten.

Ab Donnerstag nächste Woche werde ich auf dem Deutschen Allergiekongress in Berlin sein. Wir dürfen gespannt sein, wie die rasanten Neuerungen der letzten Jahre von den Fachleuten bewertet werden. ich werde Sie später informieren.

Impfquote Meningokokken C

Vor zwei Wochen erschien an dieser Stelle ein Beitrag zur Impfung gegen Meningokokken Typ C.

Nun wurden im Versorgungsatlas des Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi) die Impfquoten für diese Erkrankung mitgeteilt. Geimpft wird im Regelfall ab dem 11. Monat einmalig. Im Jahre 2009 lag die Quote bundesweit bei 76,7%. Dagegen war die Quote im Landkreis Sigmaringen mit 73.7% unterdurchschnittlich. In den Nachbarkreisen waren die Quoten teils erheblich höher (Tuttlingen: 81.3%, Albstadt 81.3%), aber in Ravensburg mit 60.6% enorm niedrig.

Bis ins Jahr 2013 – wofür jetzt die aktuellen Daten bundesweit vorgelegt wurden – hat sich die Quote in der Bundesrepublik auf 80.1% erhöht und nach Aussagen der Autoren entsprechend auch in den meisten Kreisen.

Es bleibt erstaunlich, wie wenige diese perfekte Impfung gegen eine der schwersten Infektionen im Kinder- und Jugendlichenalter in Anspruch nehmen.

Influenza-Impfung 2016/2017

Immer im September kommen die Impfstoffe gegen die Grippe (Influenza) auf den Markt. Für die kommende Saison enthalten die Influenza-Impfstoffe der Nordhalbkugel-Saison die folgende 3 Stämme:

  • AA/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like virus
  • A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-like virus
  • B/Brisbane/60/2008-like virus

Hierbei bleibt H1N1 wie im vergangenen Jahr. Neu sind die beiden anderen, H3N2- und B-Stämme. Bis heute sind 13.8 Millionen Impfstoffe von stattlichen Paul-Ehrlich-Institut  freigegeben worden.

In den USA empfiehlt die zuständige Behörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) nicht mehr den nasalen Impfstoff für Kinder zu verwenden, weil seine Wirksamkeit in den Jahren 2013 bis 2016 enttäuschend gewesen sei. Die Empfehlung dort lautet, dass alle Menschen über 6 Monaten mit der Injektion geimpft werden sollten.

Die echte Grippe, die Influenza, tritt bei uns frühestens ab Dezember bis in der Regel Ende März des darauffolgenden Jahres auf. Die Schwere der Erkrankungen lässt sich kaum vorhersagen, da sich die Viren auf dem Zug um die Erde in ihrer Struktur verändern. Das bedeutet, dass auch die neu verwendeten Stämme sich noch verändern könnten, bis der erste Krankheitsfall in Deutschland auftritt.

In unserer Praxis empfehlen wir aus diesem Grunde eine zeitnahe Impfung ab Mitte November.

Wenn Sie an einer Impfung für Ihre Kinder oder sich selbst interessiert sind, können wir gerne einen Impfstoff für Sie zurücklegen – “reservieren” – so dass Sie auch dann geimpft werden können, falls eine Knappheit an Impfstoffen auftreten sollte. Bitte melden Sie sich in diesem Fall bei unseren Mitarbeiterinnen.

Was geht rum? 17. September 2016

Mit dem schönen Wetter der letzten Woche haben sich auch die Infekte sehr zurückgehalten. Es wird noch einiges Wasser den Rhein hinab fließen, bis der Winter kommt.

Dennoch geht die Häufigkeit der “Sommerinfekte” langsam zurück. Neuerkrankungen an Scharlach oder der Hand-Fuß-Mund-Krankheit kommen vor, sind aber spürbar seltener.

Die einfachen Racheninfekte nehmen weiter zu. Seit Mitte der Woche ist eine plötzliche Häufung von Infektkrupp zu beobachten. Besonders betroffen sind Kleinkinder. Die Kinder sind tagsüber munter, haben aber nachts den typisch bellenden und schmerzhaften Husten. Eltern die den Krupphusten kennen sollten überprüfen, ob sie für den sehr seltenen Notfall mit Arzneien gerüstet sind. Allen anderen sei empfohlen, ihr Kind in der Praxis vorzustellen, um die Diagnose zu klären und ggf. Maßnahmen einzuleiten.

In Bezug auf die Kinderkrankheiten (Windpocken, Keuchhusten): eine Neuerkrankung an Keuchhusten.

Obstruktive Bronchitis des Säuglings und Rauchbelastung

Viele Umstände beeinflussen die Gesundheit von Säuglingen, weit bevor sie zur Welt kommen. Wie hier früher schon beschrieben, hat sogar das Verhalten der Großeltern einen Einfluss auf die Gesundheit der Enkel.

Forscher aus ganz Europa gingen nun der Frage nach, welche Folgen Passiv-Rauchen der Mutter für das Kind nach der Geburt haben würde. Untersucht wurden 27993 Mutter-Kind-Paare aus 15 europäischen Ländern unter der Leitung von C.I. Vardavas.

Dabei zeigte sich, dass die Belastung der Mutter durch Passivrauchen in der Schwangerschaft das Risiko für die Babies um etwa 10% (OR 1.11) erhöhte, bis zum Alter von 2 Jahren mit pfeifender Atmung (“wheeze”) zu erkranken. Wenn die Mutter sowohl dem Passivrauchen ausgesetzt war als auch selbst rauchte, erhöhte sich das Risiko um etwa 70% (OR 1.73).

Fazit:

Diese aufwendige Studie unterstreicht nochmals, wie bedeutsam es ist, Schwangere vor der Belastung mit Passivrauchen zu schützen. Das schließt die öffentlichen Räume (Gaststätten) ebenso ein wie die Belastung im Auto und ganz besonders in der eigenen Wohnung.

Bildquelle: https://www.youtube.com/watch?v=4by4cmky-Vg

Lieferengpass Impfstoffe

Seit Monaten gibt es Lieferschwierigkeiten für Tdap- (z.B. Boostrix©) und Tdap-(IPV)-Impfstoffe (z.B. Repevax©). Beide Impfstoffe dienen zur Auffrischung eines Impfschutzes gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten (sowie Kinderlähmung).

Im Epidemiologischen Bulletin weißt das Robert-Koch-Institut darauf hin, dass die Nachfrage nach azellulären Pertussis-Impfstoffen bzw. inaktivierten Polio-Impfstoffen weltweit gestiegen sei. Die Produktionskapazitäten seien jedoch begrenzt, so dass mit Lieferengpässen für die nächsten Jahre (!) zu rechnen sei.

Bisher konnten wir diese durch frühzeitige Bevorratung abdecken. Es war uns zuletzt zugesichert worden, in den ersten Tagen des September neue Impfstoffe geliefert zu bekommen. Leider steht eine solche Lieferung bislang noch aus.

Insofern müssen wir im Moment einige Impfkandidaten zurückstellen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

Wir halten Sie auf dem Laufenden, wenn wir größere Mengen von Impfstoff erhalten sollten.

Was geht rum? 10. September 2016

Ein wunderbarer Spätsommer hält die Zahl der Erkrankungen der Kinder und Jugendlichen auf einem erträglichen Niveau. Dennoch fällt auf, dass in diesem Sommer Kinder und Jugendliche von auffallend vielen Infekten betroffen waren. Wie sagte die Mutter einer 10-Jährigen: “Meine Tochter war die ganzen sechs Wochen krank”.

Die “Sommerinfekte” wie die Herpangina oder die Hand-Fuß-Mundkrankheit gehen in der Häufigkeit langsam zurück. Im gleichen Maße nehmen die Racheninfekte wieder zu, teilweise begleitet von Mittelohr- oder Lungenentzündung.

Neuerkrankungen an Windpocken oder Keuchhusten traten in der letzten Woche nicht mehr auf. Hoffen wir, dass es dabei bleibt.

Wir wünschen ein erholsames Wochenende und allen Schülern einen guten Start in der Schule.

Meningokokken: wie groß ist das Risiko für mein Kind daran zu erkranken?

Meningokokken nennt man eine Gruppe von Bakterien, die nahezu weltweit vorkommen und extrem schwerwiegende Erkrankungen auslösen können. Zum Glück sind die Erkrankungen selten. Aber sie verlaufen rasant schnell und sind enorm gefährlich.

In Deutschland ist die Zahl der Meningokokken-Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten rückläufig. Im Jahre 2015 erkrankten 289 Personen, die meisten waren – wie immer Kinder. Das bedeutet eine leichte Zunahme der Infektionen um 4% gegenüber dem Vorjahr, wie das Robert-Koch-Institut in Berlin (RKI) mitteilt.

Für 85% der Erkrankungen liegen Rückmeldungen zum Erregertyp vor:

  • Serogruppe B: 72%
  • Serogruppe C: 17%

Typ-B-Meningokokken sind also weiterhin die häufigsten Auslöser dieser schwerwiegenden Infektion. Aber: Typ-C-Infektionen sind wie immer die (etwas) gefährlicheren Infektionen. Es verstarben 28 Kinder (Tödlichkeit somit 9.5% aller erkrankten Kinder !), davon:

  • Serogruppe B 11% (2014: 7,7%)
  • Serogruppe C 13% (2014: 5,3%)

Die Häufigkeit der Erkrankungen ist bei Säuglingen am höchsten. Daneben gibt es einen weiteren Erkrankungsgipfel – jedoch weniger deutlich – bei Jugendlichen (15-19 Jahre).

Gegen die Erkrankungen an Meningokokken-C gibt es eine Impfung seit 2005, die im Alter von etwa 12 Lebensmonaten durchgeführt wird. Seit der Einführung sind die Erkrankungen mit diesem Erreger zurückgegangen.

Seit kurzem gibt es auch eine Impfung gegen Meningokokken-B. Deren Stellenwert ist noch nicht abschließend geklärt. Insofern gibt es von der STIKO (Ständige Impfkommission am Paul-Ehrlich-Institut) keine generelle Impfempfehlung (außer für Kinder mit Immundefekt). Lediglich für das Bundesland Sachsen gibt es eine Impfempfehlung für die Meningokokken-B-Impfung. Das bedeutet, dass nur einige Kassen die Kosten für die Impfung übernehmen. Diese Impfung muss regelhaft 4 Mal verabreicht werden; die Kosten liegen etwa bei 450 € bis zum Abschluss des Impfschutzes.

Bildquelle: www.aerztezeitung.de

Zufahrt zur Praxis erschwert

Bedingt durch die verschiedenen Baustellen in Pfullendorf, ist der Verkehr in der Zufahrtstrasse zur Praxis “Am Stadtweiher” seit Wochen belastet.

Die Verkehrsbelastung nimmt ab heute weiter zu. Durch die Arbeiten am Straßenbelag in der Franz-Xaver-Heilig-Strasse ist nun “Am Stadtweiher” die einzige Zufahrt zum Parkhaus.

Wegen des Abrisses de Keinath-Gebäudes müssen teils große Fahrzeuge an unserer Praxis vorbeifahren. Schlimmer ist, dass leider einige Fahrzeuge nicht mit angemessener Geschwindigkeit über die kleine Straße am Stadtsee fahren. Dadurch sind Kinder gefährdet.

Das Parken in der Straße ist seit Wochen verboten. Einige Eltern haben schon kostenpflichtige Verwarnungen erhalten. Durch das vermutlich höhere Verkehrsaufkommen wird ab dieser Woche auch das Aus- und Einsteigen ins Auto gefährlich.

Bitte nutzen Sie entweder die Parkmöglichkeit im Parkhaus oder auf den umliegenden Parkplätzen.