Was geht rum? 25. Juni 2016

Das herrlich sonnige Wetter hat auch die Art der Infektionen rasch geändert. Typischerweise waren in der letzten Woche viele Streptokokkeninfektionen zu sehen, aber nur eine einzelne Erkrankung an Scharlach.

Daneben kam es zu Racheninfekten ohne Begleiterscheinungen. Diese traten mit Fieber zu Beginn auf, die Beeinträchtigung war nicht sehr hoch. Auch die Herpangina zeigte sich ab Donnerstag mit den typischen Halsschmerzen, Fieber in den ersten 2 Tagen und leichtem Krankheitsgefühl über weitere 3-4 Tage.

Der zu erwartende Flug von Gräserpollen war hoch. Dennoch hielten sich die allergischen Beschwerden in Grenzen. Das hängt auch damit zusammen, dass viele Menschen heute mit der Allergie sicher umgehen können und eine hohe Pollenbelastung durch Maßnahmen wie Fensterschließen zwischen 21:00 Uhr abends und 05:00 Uhr des Folgetages gering halten.

Europäischer Allergiekongress: Immuntherapie weiter verbessert

Beim Kongress der Europäischen Allergologen (EAACI) in Wien war ein sehr wichtiges Thema die Bedeutung der “component resolved diagnosis” (CRD).

Die Allergologie hat sich über die letzten Jahrzehnte deutlich weiterentwickelt. Ein wesentlicher Faktor ist, dass es zunehmend gelang, die für die Auslösung von Allergien wichtigen Eiweiße (Proteine) zu entschlüsseln. So reicht es zwar weiterhin in den meisten Fällen aus, einen Hauttest zur Bestimmung der Allergene zu machen. Dieser wird dann gelegentlich durch einen Bluttest ergänzt, um bei einer unklareren Anamnese herauszufinden, welches Allergen die Beschwerden hervorruft. So kann in der CAP-Analyse beispielsweise dann Birke als Allergen bestätigt werden.

Heute können wir aber noch weiter gehen. Im Labor können unterschiedliche Eiweißstrukturen (siehe hierzu das Bild am Beispiel von Popcorn) auf dem Birkenallergen oder anderen Allergenen identifiziert werden. Einige der sog. CRD’s stellen sog. Majorallergene dar, also Eiweiße, die man fast immer bei Birkenpollenallergikern findet, andere sog. Minorallergene, die nur gelegentlich bedeutsam sind. Oft sind die Minorallergene sehr verwandt zu anderen Allergenen (z.B. Gräsern oder auch Nahrungsmitteln). Hier wird es dann schwieriger. Der Experte vermag jedoch aus dem Muster der nachgewiesenen CRD’s abzulesen, ob eine Immuntherapie sinnvoll ist und mit einem Erfolg gerechnet werden darf.

Die neuen Erkenntnisse über die Feinstruktur der Allergene ermöglicht also eine sehr zielgerichtete Therapie, die bis vor 5 Jahren nicht denkbar war.

Krebserkrankungen bei Frauen

Das Deutschen Ärzteblatt beschäftigte sich kürzlich mit den Todesursachen bei Krebserkrankungen. Genauer, sie beschäftigten sich mit den Unterschieden in Bezug auf die Geschlechter (“Gendermedizin”). So erkranken Männer häufiger an Krebs und sterben auch früher daran. Häufigste Todesursache ist mit 25% bei Männern der Lungenkrebs.

Und der spielt bei Frauen auch eine zunehmende Rolle. Frauen “emanzipieren” sich auch beim Rauchen. Bei Frauen von 25-69 Jahre ist die Raucherquote weitgehend konstant, während sie bei Männern abnimmt. Es erstaunt nicht, dass hierdurch die Sterblichkeit gerade beim Lungenkrebs von Frauen ständig zunimmt (siehe Graphik: lila Kurve), während sie bei allen anderen Krebsarten seit 2 Jahrzehnten abnimmt.

Grund genug, die Jugendlichen darin zu unterstützen, nicht mit dem Rauchen anzufangen. Nein, bitte nicht mit dem Zeigefinger. Sondern am besten mit dem guten Vorbild.

Was geht rum? 18. Juni 2016

Kurz vor der Sonnenwende in der kommenden Woche scheint der Sommer noch immer nicht Einzug zu halten.

Die Erkrankungen sind entsprechend. So traten zuletzt viele eitrige Mittelohrentzündungen auf, die Klein- und Schulkinder betrafen. Daneben auch Infektasthma. Allergische Beschwerden gab es eigentlich nur am Samstag – dem letzten sonnigen Tag seit 1 Woche.

In der kommenden Woche ist Dr. Niethammer im Urlaub. Die Praxis arbeitet somit eingleisig. Bitte haben Sie Verständnis, wenn sich dadurch einmal Zeitverzögerungen ergeben. In jedem Fall untersuchen wir Kind bei akuten Erkrankungen am gleichen Tag

Vom Kongress der Europäischen Allergologen (EAACI) in Wien habe ich Ihnen viel spannende Informationen mitgebracht. Davon werde ich Ihnen häppchenweise in den kommenden Wochen berichten.

In der kommenden Woche ist Dr. Niethammer im Urlaub. Ich werde ihn in dieser Zeit vertreten. Bitte beachten Sie, dass somit am Dienstagmittag die Praxis nicht besetzt ist.

Giftpflanzen – Notfallnummer

In den letzten Wochen haben wir Ihnen viele potentielle Giftpflanzen vorgestellt. Im Einzelfall ist es schwierig das Risiko abzuschätzen. Und es gibt viele andere Gifte in der Umgebung der Kinder: Medikamente, Spülmittel, Drogen (Alkohol, Zigaretten u.a.).

Für den Notfall gibt es in Deutschland acht Giftinformationszentralen. Dort kann rund um die Uhr Hilfe geholt werden:

GIZ in Freiburg  0761  19240

In Einzelfällen kann man sich über deren Internetauftritt (bitte den link anklicken) hilfreiche Informationen einholen.

Spezialnahrungen für Säuglinge

Die Gesellschaften für Kinder- und Jugendheilkunde aus Österreich, Deutschland und der Schweiz haben gerade eine Stellungnahme zu Spezialnahrungen abgegeben. Diese wollen wir hier in den wesentlichen praktischen Aspekten kurz vorstellen.

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass diese Spezialnahrungen nur unter medizinischer Überwachung eingesetzt werden. Gleichzeitig fallen aber auch die sonst geltenden Einschränkungen für die Werbung weg. Somit dürfen die Herstellter für Spezialnahrungen Behauptungen aufstellen, die für die normale Säuglingsnahrungen rechtswidrig wären.

Nährlösungen für die ersten Lebenstage

Diese unterscheiden sich sehr deutlich vom Kolostrum (erste Muttermilch) im Gehalt an Protein und anderen Inhaltsstoffen. Ein Vorteil ist für die ersten Lebenstage nicht belegt.

Säuglingsnahrungen auf der Basis von Soja

Vor über zwei Jahrzehnten wurden sie bei Allergierisiko eingesetzt. Das war damals schon nicht richtig und ist es heute auch nicht. Es gibt nur einzelne Stoffwechselerkrankungen, bei denen diese Milch sinnvoll sein kann. Ansonsten wird die Verwendung nicht angeraten.

Sog. “Antirefluxnahrungen”

Diese sind heute meist als “AR-Nahrungen” bekannt. Sie sind angedickt und sollen durch ihre erhöhte Sämigkeit das Spucken reduzieren. Das Spucken bzw. Rückfließen der Muttermilch sind physiologische – also normale – Phänomene beim Säugling. Etwa 20% der 3-4 Monate alten Säuglinge spucken mehr als 4 Mal pro Tag (Reflux – GÖR). Hier ist keine therapeutische Maßnahme nötig. Bei der Refluxkrankheit (GÖRK), die deutlich seltener ist und mit einer Entzündung der Speiseröhre einhergeht, ist eine medizinische Abklärung und nachfolgende Therapie notwendig. Empfehlung der Ernährungskommission für diese Spezialmilch: “nicht empfohlen”.

Sog. Antikoliknahrungen

Die Dreimonatskoliken sind ein häufiges funktionelles Problem. Dahinter verstecken sich verschiedene Probleme, u.a. teilweise auch eine Kuhmilcheiweißallergie. Empfehlung der Ernährungskommission: “Von der häufig erfolgenden Verordnung von Simeticon (Anmerkung der Redaktion: sab simplex®, Lefax®) wird ausdrücklich abgeraten, denn es gibt keine Evidenz für die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe mit Ausnahme des beruhigenden Effektes von Zucker und anderen süßen Substanzen”. “Die Verwendung von Antikoliknahrungen wird nicht angeraten”.

Nahrungen zum Einsatz bei Verstopfungsneigung

Empfehlung:  ”Die Verwendung wird nicht angeraten”

Energie- und nährstoffdichte Nahrungen für Säuglinge

Empfehlung: Nutzen, Wirksamkeit und Sicherheit sind derzeit kaum geprüft. Bei ausgewählten Säuglingen mit krankheitsbedingter Gedeihstörung oder Untergewicht kann ein Einsatz sinnvoll sein.

Insgesamt gibt es also nur sehr begrenzte Gründe, Spezialnahrungen einzusetzen. Diese sollten in jedem Fall mit der Kinderarzt abgesprochen werden.

Bildquelle: www.telegraph.co.uk

Was geht rum? 11. Juni 2016

Eine Woche mit zaghaft beginnendem Sommer liegt hinter uns. Viele Infekte hat sie zumindest nicht im Gepäck gehabt. Die alten Bekannten – Herpangina, Mundfäule und Angina (Mandelentzündung) -prägten die Beschwerden der Patienten in unserer Praxis.

Im Kreis Sigmaringen sind nun acht Fälle von Masern gesichert. In unserer Praxis sind bisher keine Erkrankungen daran aufgetreten. Unter unseren Patienten ist die Durchimpfung gut und das Risiko einer Erkrankung hierdurch als minimal anzusehen. Im Einzelfall sollte jedes Kind zwei Mal gegen MMR geimpft sein. Familienangehörige, die nach 1970 geborgen wurden, sollten ebenfalls eine Impfung erhalten haben, sofern sie selbst nicht wissentlich an Masern erkrankt waren.

Heute breche ich zum Kongress der europäischen Allergologen (EAACI) nach Wien auf. Deswegen kann ich von Montag 13. Juni bis Mittwoch 15. Juni nicht in der Praxis sein. Sie können aber sicher sein, dass ich Ihnen bald über die aktuellen Neuigkeiten hier im praxisblättle Bericht erstatte. Während meiner Abwesenheit wird mich Dr. Niethammer vertreten.

Giftpflanzen: Schneebeere

Die Schneebeere (Symphoricarpos albus) ist bei Kindern in der Natur als Wurfgeschoss sehr beliebt. Verspeist wird sie dennoch eher selten.

Symptome

Bei Einnahme ab 3-4 Beeren kann es zu Bauchschmerzen oder Erbrechen kommen. Schwere Vergiftungsfälle sind nicht bekannt.

Therapie

Nicht erforderlich

Bildquelle: www.panoramio.com

Praxis heute Nachmittag geschlossen

Wegen eine Todesfalls in der Familie bleibt die Praxis heute Nachmittag geschlossen. Ich selbst bin bis 11 Uhr in der Praxis, danach vertritt mit mich Dr. Niethammer.

Nachmittagsvertretungen

  1. Dr. Nora Laubrock, Sigmaringen
  2. Dr. Michael Steiner, Bad Saulgau

Für Ihr Verständnis danken wir Ihnen.

Epilepsie und Sport

Viele Krankheiten führen dazu, dass Kinder vorsorglich vom Sport ferngehalten werden. Das ist in den meisten Fällen nicht nötig und oft sogar schädlich. So beugt Sport beispielsweise dem Auftreten von Asthmaanfällen vor.

Und wie ist das bei Epilepsie? Hierzu hat sich kürzlich Prof. Dr. Gerhard Kurlemann geäußert – “Epilepsie und Sport? Aber sicher!”. Das Risiko für Anfälle besteht auch bei Sport, ist aber eher gering. Regelmäßiger Sport jedoch reduziert das Risiko für Krampfanfälle. Einige Punkte sind zu beachten:

  • Wassersport ist möglich. Wegen des erhöhten Risikos, ist dabei eine enge Überwachung aber wichtig.
  • Bei Ballspielen sollten Kopfbälle vermieden werden. Dies gilt für alle anderen Kinder gleichermaßen.
  • Beim Reiten, Radeln und beim Wintersport sollte immer ein Helm getragen werden
  • Und wenn es zu einem Anfall kommt? Der Betreuer sollte den Umgang damit zuvor theoretisch vermittelt bekommen.
  • Anfallmedikamente wie Diazepam oder bukkales Midazolam sollten verfügbar sein.

Also bis auf das Vorhalten von Medikamenten für den Notfall gibt es kaum Unterschiede beim Verhalten gegenüber “normalen” Kindern.