Autokindersitze: “Keiner für alle” sagt Stiftung Warentest

In regelmäßigen Abständen widmet sich die unabhängige Stiftung Warentest aus Berlin den Autokindersitzen. Und noch immer kommt sie zum Schluss: “Keiner für alle”. Den idealen Sitz, der mit dem Kind wachsen würde, gibt es bis heute nicht. Aber, es gibt für jedes Lebensalter Sitze, die das Kind gut schützen.

Im Folgenden fassen wir die günstigsten Ergebnisse der jeweiligen Gruppen und Untergruppen (Begrenzung für Körperlänge und Körpergewicht) kurz zusammen:

Für Kinder ab Geburt

……………………………………….Note……Preis…..Kommentar……………………………………………………

  • Kiddy Evo-Luna i-Size      1.5        480 €     beste Babyschale im Test; bis 105 cm Körperlänge
  • Britax Römer Baby-Safe   1.7        335 €     neu auf dem Markt
  • Cybex Aton 5                    1.6        130 €      bis 13 kg Körpergewicht
  • Recaro Zero.1                  2.4        550 €      bis 18 kg Körpergewicht
  • Graco Milestone               3.9        249 €      bis 36 kg Körpergewicht

Für Kinder ab einem Jahr (von 9 kg bis max. 36 kg Körpergewicht)

  • Kiddy Phoenixfix 3            1.7         259 €      seit 1 Jahr auf dem Markt – bester Sitz der Gruppe
  • Cybex Pallas M-Fix SL      1.9        200 €       neu
  • Cybex Pallas M SL            1.9        180 €       neu
  • Kiddy Guardianfix 3           1.9        320 €       neu

Für Kinder ab einem Jahr (von 15 kg bis max. 36 kg Körpergewicht)

  • Cybex Solution M-Fix SL    1.7        150 €       neu; einfach zu handhaben
  • Cybex Solution M SL           1.7       130 €       neu
  • Britax Römer Kidfix II XP     1.8       240 €       seit 1 Jahr auf dem Markt
  • Kiddy Cruiserfix 3                1.8       229 €       neu

Wer sich weitergehende Informationen wünscht, kann im Juli 2017 gerne das Testheft in unserer Praxis ausleihen. Bitte sprechen Sie dies mit unseren Mitarbeiterinnen ab.

Bildquelle: http://www.kiddy.de/babyschalen/babyliegeschale-kiddy-evoluna-i-size.html

 

 

Was geht rum? 24. Juni 2017

Der Sommer zeigt sich von seiner wunderbaren Seite. Da mögen viele Menschen unter der Hitze stöhnen, aber frische Infektionen sehen wir kaum mehr. Zum Glück ist auch die Welle mit der Mundfäule fast zu Ende. Bei diesem Wetter Fieber zu haben und kaum schwitzen zu können – was viele Kinder betrifft – ist sehr unangenehm. Ein lauwarmer (!) mit Wasser getränkter Waschlappen kann da sehr hilfreich sein. Die Haut sollte nach dem Abreiben aber nicht abtrocknet werden (Verdunstungskälte).

Verletzungen stehen im Vordergrund der momentanen Arztbesuche. Manche Wunden sind entzündet – auch Bakterien lieben die Feuchtigkeit und Wärme. Wunden sollten soweit möglich “luftig” gehalten werden. Nach einer Wundreinigung mit Octenisept© sind weitere Maßnahmen bei Schürfungen und kleinen Verletzungen meist nicht nötig. Der trockene SWchorf ist der beste Verband kleiner Wunden. Von Heilsalben geht kein Heil aus.

Momentan ist auch die Zeit der Zecken. Deswegen stellen wir im Folgenden einen ausführlichen Beitrag aus DocCheck (vom 13. Juni 2017) zum Thema FSME vor. Darin werden viele wichtige Aspekte dargestellt, die in der Diskussion meist untergehen. Es lohnt sich also durchaus, den langen Absatz zu lesen – viel Spaß: In den beiden Bundesländern mit der größten FSME-Erkrankungshäufigkeit, Baden-Württemberg und Bayern, liegt die Inzidenz bei Kindern unter fünf Jahren und ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 29 Jahren mit 0,5–0,6 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern im Jahr am niedrigsten. Bei Kindern im Alter von 5–14 Jahren wird sie mit 0,9–1,0 Prozent angegeben.

Was noch entscheidender ist: In den allermeisten Fällen verläuft die Erkrankung bei Kindern glimpflich. Nur bei etwa zwei Prozent der Erkrankten werden laut RKI bleibende neurologische Folgeschäden beobachtet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind in einem stark betroffenen Gebiete eine Erkrankung mit anschließendem neurologischen Folgeschaden erleidet liegt dadurch bei 1 bis 2 zu 10 Millionen.

Selbst wenn man davon ausginge, dass die Impfung die Hälfte aller Fälle verhindert (die durchschnittlichen Durchimpfungsraten bei Schulanfängern liegen bei ca. 30 Prozent), läge das Risiko also bei 1 bis 2 zu fünf Millionen. Schwere Verläufe ohne Langzeitfolgen kommen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 bis 2 zu 800.000 vor, wenn man die Angaben des RKI hochrechnet.

Demgegenüber stehen die Risiken der Impfung mit inaktiviertem Virus. Leichtere Nebenwirkungen wie Fieber sind recht häufig – es tritt bei ungefähr zehn Prozent aller Geimpften auf, Schüttelfrost bei ein bis zehn Prozent. Laut Fachinformation von FSME-Immun© Junior (Pfizer) wurden nach der Markteinführung zudem folgende schwerwiegendere Nebenwirkungen mit einer Häufigkeit von bis zu 1 von 1.000 berichtet: allergische Reaktionen, neurologische Symptome wie Gesichtslähmungen, vollständige Lähmungen, Nervenentzündungen, entzündliche Erkrankungen des Gehirns, Krampfanfälle mit und ohne Fieber und weitere.

Encepur© Kinder (Glaxo Smith Kline) listet in der Fachinfo mit einer Wahrscheinlichkeit von seltener als 1 zu 10.000 unter anderem auf: allergische Reaktionen mit krampfartiger Verengung der Atemwege und Kreislaufstörungen, eine vorübergehende Abnahme der Blutplättchen, Sehstörungen. Es wird außerdem darauf verwiesen, dass nach der Impfung Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems, einschließlich aufsteigender Lähmungen bis hin zur Atemlähmung (z.B. Guillian-Barré-Syndrom) aufgetreten sind. Auch in der Beilage von FSME-Immun verweist man auf das Auftreten des Guillian-Barré-Syndroms.

FSME 2-001

FSME-Karte mit Inzidenzen © Robert-Koch-Institut

In beiden Fällen fehlt eine Häufigkeitsangabe, bei Encepur ist von Einzelfällen die Rede. Doch das sind gefährlich verlaufende kindliche FSME- Erkrankungen eben auch. Selbst wenn die Impfung Kinder für drei oder später für fünf Jahre schützt, bleibt das Nutzen-Risiko-Verhältnis alles andere als eindeutig.

In der Datenbank des Paul-Ehrlich-Instituts belegt die FSME-Impfung bei den Nebenwirkungen den vierten Platz unter den Impfstoffen, mit knapp 4.300 gemeldeten Verdachtsfällen. Eine Cochrane Review von 2009 hat bei drei Impfstoffen (darunter FSME-Immun und Encepur Kinder) keine ernsten oder gefährlichen Nebenwirkungen festgestellt. Hierfür wurden Studien mit 8.184 Teilnehmern ausgewertet, darunter nur 1.598 Kinder. Die Autoren hatten deshalb auch eine genauere Langzeitbeobachtung der Nebenwirkungen empfohlen.

Liegen dem RKI andere Zahlen vor, die den Mehrwert einer Impfung von Kindern plausibel machen? Es gebe ihres Wissens nach „keine umfassende Analyse hinsichtlich der Häufigkeit vergleichbarer Schäden nach einer FSME-Impfung und der FSME-Erkrankung‟, räumt Hellenbrand ein. Woher aber sollen die Ärzte dann wissen ob eine Impfung im Einzelfall sinnvoll ist?

Hellenbrand rät neben der allgemeinen Wahrscheinlichkeit einer Zeckenexposition (bei Kindern, die zum Beispiel viel im Freien spielen oder einen Waldkindergarten besuchen ist sie erhöht) die regionalen FSME-Inzidenzen „als Entscheidungshilfe in die Nutzen-Risiko-Abwägung miteinzubeziehen‟. Doch genau diese werden vom RKI zurückhaltend kommuniziert.

Während 2006 auf der FSME-Karte des epidemiologischen Bulletin noch verschiedenfarbig Risikogebiete, Hochrisikogebiete und Gebiete mit geringerer FSME-Endemizität gekennzeichnet wurden, verschwand diese Aufteilung danach in den offiziellen Karten. Einfarbige Karten vermitteln seitdem fälschlicherweise den Eindruck, dass eine Impfung in allen markierten Gebieten gleich sinnvoll sei. Inzwischen findet man zusätzlich zu den einfarbigen Versionen wieder eine verkleinerte, dreifarbige Darstellung, wenn man gezielt danach sucht und sich bis auf die letzten Seiten des epidemiologischen Bulletin durchklickt.

Verwirrend wird es, wenn man nun noch die Karten eines Impfstoffherstellers hinzuzieht. So veröffentlicht die Firma Pfizer über ihr „Infoportal‟ zecken.de eigene Versionen. Dort sind nicht nur die RKI Gebiete einheitlich in dunkelorange eingefärbt – ohne Unterteilung nach Inzidenzen. Zusätzlich finden sich über ganz Deutschland verteilt gelb gefärbte Regionen. In der Legende findet sich die Aufschlüsselung: Dies seien „Landkreise mit vereinzelt auftretenden FSME-Erkrankungen, die jedoch nicht der Definition für ein FSME-Risikogebiet nach Robert Koch-Institut entsprechen‟. Eltern, die solche Karten sehen, könnten meinen, dass es nahezu überall gut wäre, ihre Kinder zu impfen.

Raupendermatitis

Nun ist wieder die Zeit für die Raupenspinnerdermatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Haut ausgelöst durch die “Brennhaare” der Eichenprozessionsspinner.

Die Raupen des Eichenprossionsspinners tragen mit jeder weiteren Stufe der Larvenbildung vermehrt der sog. Brennhaare. Das sind feine Härchen, die Widerhaken enthalten. Schon bei leichter Berührung fallen diese ab und können im Luftstrom lange Strecken zurücklegen.

Die häufigste Folge ist eine Hauterscheinung, die durch das Festhaken dieser Härchen an den unbedeckten Hautarealen auftritt. Die Ausschläge können verschiedene Ausprägung haben und werden meist durch mechanische Reizung ausgelöst. Die ersten Symptome mit Hautjucken beginnen nach weniger Minuten, die Hautreizung nimmt 1 – 2- Stunden später weiter zu. Knötchenbildung setzt meist nach 6 Stunden ein. Es sind auch Allergien möglich, für die bereits 7 verschiedene Allergene identifiziert wurden.

Therapeutisch ist ein sofortiger Wechsel der Kleidung (ggf. unter Nutzung von Handschuhen) wichtig. Dann kann versucht werden, mit Klebeband Brennhaare von der Haut zu entfernen. Im Anschluss ist ein Duschbad mit Haarwäsche sinnvoll. Medikamentös können Antihistaminika (wie Cetirizin) eingesetzt werden.

Viele Fragen zu diesem Krankheitsbild sind noch nicht geklärt, da sich die Prozessionsspinner erst in den letzten Jahren bei uns ausgebreitet haben und der Bekanntheitsgrad der Erkrankung noch gering ist.

Bildquelle: http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2016/05/eichenprozessionsspinner0.html

Impfung: Hepatitis-B-Schutz für 30 Jahre

Mitte der 1980ger Jahre stand erstmals eine Impfung gegen Hepatitis B für die Bevölkerung zur Verfügung. Zehn Jahre später wurde sie durch die STIKO (Ständige Impfkommission) zur Impfung aller Säuglinge zugelassen. Heute werden die Säuglinge in aller Regel mit dem Sechsfach-Impfstoff (Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, HiB, Poliomyelitis, Hepatitis B) drei Mal im ersten Lebensjahr geimpft. Diese Impfung wird durch eine vierte Auffrischimpfung nach dem ersten Geburtstag ergänzt.

Lange war strittig, wie lange der Schutz gegen die Hepatitis B anhalten würde. Durch vielfache Studien ist heute belegt, dass ein Schutz auch 30 Jahre nach der letzten Impfung vorliegt. Davon kann man auch ausgehen, wenn die Antikörper im Blut eher niedrig sind. Denn auch bei dieser Impfung gibt es eine zelluläre Antwort (über die sog. T-Zellen), die im Praxisalltag nicht getestet werden kann. Die Gedächtniszellen sichern einen derart lange Schutzwirkung.

Lediglich bei bestimmten Risikogruppen weicht man von diesem Vorgehen aus rechtlichen Gründen ab. So erhalten HIV- oder Dialyse-Patienten – aber auch Menschen mit hohem beruflichen Risiko (Polizisten, Mitarbeiter in Altenheimen u.a.) – zusätzliche Impfungen, wenn die Antikörperantwort im Blut niedrig ist.

Adäquate Impfungen gegen Hepatitis B und auch Hepatitis A (auch als Twinrix© mit dem Kombinationsimpfstoff) haben inzwischen somit eine Wirksamkeit von 30 Jahren. Große Wirkung bei kleinem Aufwand!

Was geht rum? 17. Juni 2017

Das Sommerwetter der letzten Woche hat sich nochmals günstig auf die Gesundheit der Kinder ausgewirkt.

Davon ausgenommen sind natürlich die Allergiker, denen der Gräserpollenflug in diesem Jahr schwer zu schaffen macht. Da mag vielleicht eine Fahrt auf dem Bodensee die Beschwerden etwas mildern. Sinnvoll ist aber besonders, dass die Schleimhäute sich über die Nacht erholen dürfen. Es sollte alles daran gesetzt werden, die Pollenbelastung im Bett gering zu halten. Abendliches Duschen – nur mit Wasser – ist eine wichtige Maßnahme hierfür.

Das schöne Wetter begünstigt auch das Risiko für Verletzungen. Allen voran ist in den letzten Jahren das Trampolin Gefahrenquelle Nummer 1. Besonders dann, wenn mehrere Kinder gleichzeitig ausgelassen hüpfen, erhöht sich das Risiko.

Und seit Monaten geht kann man sich in Baden-Württemberg und Bayern wieder mit dem Hantavirus anstecken. Das Virus wird über Ausscheidungen von infizierten Mäusen übertragen. Besonders das Einatmen dieses Erregers (Gartenarbeit, Säubern von Gartenlauben oder Kellern) mit dem Staub stellt das Hauptrisiko dar. Nach Ansteckung kann es nach 2-4 Wochen zu teils schweren Erkrankungen der Niere, des Herzens und der Lunge kommen. Manche Erkrankungen verlaufen auch inapparent – d.h., der Patient verspürt keine Symptome. Bisher sind in diesem Jahr bereits über 600 Neuerkrankungen gemeldet worden.

Kennen Sie eine medizinische Fachangestellte (MFA)? Oder sind Sie vielleicht selbst eine?  In unserer Praxis in Pfullendorf (nördliche Bodenseeregion) brauchen wir dringend Verstärkung. Wie Sie wissen, ist unser Einzugsgebiet groß und wir möchten den Kindern und Jugendlichen – und natürlich auch den Eltern – gerecht werden und helfen, eine gesunde Entwicklung ihrer Kinder zu ermöglichen. Aber das kann ein Kinder- und Jugendarzt nicht alleine. Das geht nur im Team! Vielleicht mit Ihnen? Suchen sie eine Stelle? Wollen Sie sich verändern? Dann melden Sie sich doch gerne bei unserer Mitarbeiterin Michaela Müller (07552 / 93 000).

Erdnussallergie: Allergierisiko für Geschwister vorhersehbar?

Dass in Allergikerfamilien das Risiko für Allergien teilweise deutlich erhöht ist, ist allgemein bekannt. Das gilt auch für Geschwister von Allergiker, die zunächst nicht von Allergien betroffen sind.

So ist bekannt, dass 8% aller Geschwister von erdnussallergischen Kindern ebenfalls eine Allergie gegen Erdnüsse entwickeln. Viele Eltern wünschen deswegen eine Untersuchung, ob auch ein Risiko für die nicht betroffenen Kinder besteht. Lässt sich das abschätzen?

Die Forschungsgruppe um P Bégin aus Montreal (Canada) ist dieser Frage nachgegangen. Sie untersuchten 154 Geschwister von erdnusskranken Kindern. Bei denen führten sie neben einer Laboruntersuchung und einem Allergie-Hauttest auch Provokationen durch. Sie fanden, dass das Risiko eine allergische Reaktion beim Erstkontakt zu erleben im Hauttest mit Erdbussbutter zu 100% erkannt werden könne. Gleiches gelte für den Labortest (spezifisches IgE gegen Erdnuss).

Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit können sowohl der Allergie-Hauttest wie die Bestimmung des spezifischen IgE das Risiko einer aktuellen Erdnussallergie feststellen. Die Studie zeigt, dass es für Familien mit hoher Allergiebereitschaft sinnvoll sein kann, bisher nicht betroffene Kinder auf das Risiko für eine Erdnussallergie zu untersuchen.

Kinderkrankheiten (6): Masern

Masern sind eine der am meisten ansteckenden Erkrankungen. Durch Tröpfcheninfektion (z.B. beim Sprechen) und Kontakt mit den ansteckenden Sekreten der Atemwege werden fast alle ungeschützten Menschen infiziert (Kontagionsindex nahezu 100%).

Erreger

Erreger ist das Masernvirus. Schon eine kurze Zeit reicht aus, dass es über die Schleimhäute in den Körper eindringt und bei nicht-immunen Menschen die Krankheit auslöst. Ansteckend sind an Masern erkrankte Menschen 3 Tage vor Ausbruch des Ausschlages bis 4 Tage danach.

Ablauf der Erkrankung

Nach einer Inkubationszeit von 8-10 Tagen beginnt das katarrhalische Stadium, das drei bis sieben Tage andauert. In dieser Zeit treten Entzündungen der Schleimhäute (Schnupfen mit Katarrh, Bronchitis, Bindehautentzündung) sowie Fieber auf. Das Stadium des Exanthems beginnt am 12. bis 13. Tag. Der Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren und wandert langsam nach unten. Nach weiteren 4 bis 5 Tagen bildet sich der Ausschlag wieder zurück. In dieser Zeit fällt auch das Fieber wieder ab. Auf der Haut erscheint ein leicht schuppiger Ausschlag.

In der Folge tritt eine Schwächung des Immunsystems für etwa 6 Wochen auf. Während dieser Zeit ist das Risiko überhaupt zu erkranken höher. Die Masern hinterlassen eine lebenslange Immunität

Komplikationen

Die Erkrankung an Masern ist für die Betroffenen immer schlimm, die Krankheit ist sehr unangenehm. Noch schlimmer sind aber die Komplikationen, die ihr folgen können und die nicht selten sind:

  • Mittelohrentzündung. Betrifft etwa 7% aller Erkrankten
  • Lungenentzündung. Betrifft etwa 6% aller Erkrankten. Dabei handelt es sich um verschiedene Formen. Die Masernpneumonie ist eine durch das Virus direkt ausgelöste Lungenentzündung, ebenso die Riesenzellpneumonie. Andere wie die Bronchopneumonie sind eher als Superinfektion zu verstehen, d.h. sie propfen sich auf die masernbedingte Bronchitis auf. Sie sind bakteriell – und damit leichter behandelbar – und sind die Folge der Immunschwäche im Anschluss an die Erkrankung.
  • Meningoencephalitis. Diese Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute ist mit 0.1% selten, aber fast immer extrem schwerwiegend.
  • Subakute stenosierende Panencephalitis (SSPE). Eine sehr heimtückische Entzündung des Gehirns, die den Masern nach wenigen Monaten bis zu 10 Jahren (!) folgt und fast immer tödlich endet.

Im Wesentlichen durch diese Komplikationen bedingt, liegt die Tödlichkeit der Masernerkrankung bei 1 Todesfall auf 1000 bis 2000 Erkrankungen in Mitteleuropa (das Robert-Koch-Institut in Berlin beziffert die Letalität auf 1:1000).

Diagnose

Die Diagnose kann in aller Regel aus dem sehr typischen Verlauf gestellt werden. Daneben gibt es verschiedene Labortests, die im Einzelfall weitere Informationen liefern.

Therapie

Nach Ausbruch der Erkrankung besteht keine Therapie, den Verlauf günstiger zu beeinflussen. Es stehen lediglich Medikamente zur symptomatischen Therapie (Fieber, Schmerzen) zur Verfügung. Die Komplikationen lassen sich zum Teil mit antibiotischer Therapie behandeln.

Prävention

Seit 1963 steht ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung, der meist als Kombinationsimpfung (Masern-Mumps-Röteln = MMR) geimpft wird. Im Regelfall wird im Alter von 11 Monaten die erste Impfung durchgeführt, die zweite ab dem 15. Lebensmonat. Nach der zweiten Impfung besteht ein Schutz gegenüber Masern von 99%.

Die Masern sind eine besonders schreckliche Krankheit, die weltweit insbesondere Kinder in wenig entwickelten Ländern betrifft. Dort gibt es zwar sporadische Impfprogramme, die aber oft nicht ausreichend sind, zumal die Sicherstellung der Kühlung des Impfstoffes in diesen Ländern kaum praktikabel ist. So verwundert es nicht, dass noch heute täglich 400 Kinder pro Tag weltweit an Masern versterben. In Amerika gab es vor der Entdeckung durch Columbus keine Masern. Erst die Eroberung durch die Spanier brachte diese Erkrankung zusammen mit den Pocken und der Influenza auf den amerikanischen Kontinent. Es wird geschätzt, dass hierdurch zwischen dem Jahre 1500 und 1650 etwa 45 Millionen Menschen ums Leben kamen.

Es wäre an der Zeit, dass die Deutschen daran arbeiten, die Bekämpfung dieser Erkrankung als kleinen Beitrag der Fairness für die Welt voranzubringen. Es wäre so einfach!

 

Bildquelle: Niedersächsisches Langesgesundheitsamt

Was geht rum? 10. Juni 2017

Die erste Ferienwoche verlief ruhiger, die Infekte gingen wieder zurück. Säuglinge und Kleinkinder erkrankten an Racheninfekten, teilweise verbunden mit Mittelohrentzündungen. Die Mundfäule war seltener. Diese Erkrankung ist teilweise bis zu 10 Tagen sehr schmerzhaft. Zeichen der Schluckschmerzen kann auch mal ein feuchtes T-Shirt sein (siehe rechts im Bild), bedingt durch’s “Trielen”.

Einen Anstieg zeigten – typisch für die Jahreszeit – die Wundinfektionen sowie die “Grindflechte” (Impetigo contagiosa). Diese Infektionen werden in den kommenden Tagen durch die hohen Außentemperaturen eher noch zunehmen. Vorbeugend empfiehlt sich die gute Wundpflege:

  • Wunden sollten möglichst trocken gehalten werden.
  • Wundreinigung nur mit Wasser – danach wieder trocknen.
  • Der beste Verband ist ein Wundschorf.
  • Pflaster sind meist eher ungünstig.

Wer das Glück hat in die Dominikanische Republik reisen zu können, kann sich auf ein wunderbares Meer freuen. Nebenbei gibt es dort jedoch seit Jahresbeginn zunehmende Erkrankungen mit Leptospiren. Diese Erreger finden sich bei erkrankten Tieren und in kontaminiertem Wasser/ Schlamm. Für Gäste in Ferienanlagen besteht kein Risiko. Außerhalb sollte der Kontakt zu verschmutztem Wasser (schmutzige Pfützen u.ä.) gemieden werden. Unbekannte Tiere sollte man nicht streicheln.

Hautausschlag: Wundinfektion

In Deutschland nennt man es gerne “Blutvergiftung“. Aber der Begriff ist nicht ganz günstig gewählt. Denn das Blut ist eigentlich nicht vergiftet. Es handelt sich um die Infektion – also Entzündung – einer Wunde.

Bei einer Verletzung wird der Schutzmantel der Haut verletzt. Das darunter liegende Gewebe wird damit offen gelegt und einer schmutzigen Umgebung ausgesetzt. In aller Regel führt bereits der Verletzungsvorgang zu Belastung der entstandenen Wunde mit Partikeln (z.B. Holzsplitter, Steinchen, Teerpartikeln), die selbst mit Keimen (z.B. Bakterien) besetzt sind. Lässt man die Wunde offen, wird sie weiter mit möglichen Keimen belastet.

Auf der Gegenseite stehen Abwehrmechanismen. Der Körper sendet nach der Verletzung Zellen in das Gebiet, die über verschiedene Mechanismen beim Verschluss und der raschen Wiederherstellung der intakten Haut helfen. Andere Zellen attackieren die Keime und töten sie ab. Kann das Gleichgewicht zwischen Belastung durch Keime und der Abwehr des Immunsystems in Balance gehalten werden, geht alles gut.

Ansonsten kommt es zur Wundinfektion (siehe im Bild oben die Infektion einer Handinnenfläche). Die Wunde nässt etwas, es stellt sich eine leicht diffuse Rötung um den Herd ein, die immer grösser wird. Nimmt die Keimbelastung weiter zu, kommt es zur Lymphangitis. Die Entzündung nimmt den Weg von der Verletzung in die Lymphgefäße, was – wie im Bild oben – an dem roten Strich zu erkennen ist, der die Entzündung der Lymphwege anzeigt. Gelingt es nicht diese zu beherrschen kann die Entzündung auch in das gesamte Gewebe bzw. in Geweberäume eindringen und dort zur Phlegmone führen. Wird diese nicht erkannt, setzt sich die inzwischen schmerz- und fieberhafte Infektion zusätzlich in die Blutgefässe fort. Diesen Prozess nennen Mediziner die Sepsis (im Deutschen: Blutvergiftung). Dann wird die Entzündung brandgefährlich und es muss rasch eingegriffen werden.

Eine gute Erstversorgung einer Wunde durch einen erfahrenen Arzt ist wichtig, um die schweren und möglicherweise tödlichen Verläufe einer zunächst unproblematischen Wunde zu verhindern.

Behandlung des Heuschnupfens

Die Zeit des Heuschnupfens ist wieder da. Da der Begriff “Heu” in den letzten Jahren immer weniger Menschen etwas sagt, ist der Begriff allergischer Schnupfen bei Gräserpollenallergie treffender. In der Medizin spricht man von der allergischen Rhinoconjunctivitis (AR).

Eine ursächliche Therapie der AR ist nur durch die subkutane Immuntherapie (SCIT) – besser bekannt als Hyposensibilisierung – möglich. Die SCIT erfordert eine Deponierung des niedrig dosierten Allergens im Fettgewebe unter der Haut (subcutan). Das bedeutet, es sind Spritzen nötig, die aber auch von Kindern fast immer problemlos toleriert werden. Inzwischen gibt es verschiedene SCIT-Lösungen. Die klassische SCIT erfolgt nach einer zunehmenden Stiegerung der Dosis monatlich für drei Jahre. Es gibt aber auch Lösungen, die in meist wöchentlichen Injektionen – je nach Herstellen 4 bis 7 Spritzen – nur vor der Saison verabreicht werden. Deren Erfolg ist zwar minimal geringer, aber der zeitliche Aufwand ist es ebenso. Für Schüler oder Berufstätige stellen sie eine gute Alternative dar.

Die Akutbehandlung umfasst im Wesentlichen die Antihistaminika (z.B. Cetirizin, Loratadin oder Desloratadin) und die nasalen Corticoide (z.B. Mometason, Fluticason, Beclometason). Gerade rechtzeitig erschien eine Arbeit im Journal der europäischen Allergologen – Allergy – aus der Arbeitsgruppe um P.J.E. Bindels aus Rotterdam (Niederlande). Sie untersuchte eine Gruppe von 150 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren die mehrheitlich von niedergelassenen Ärzten betreut wurden.

Es stellte sich heraus, dass die Gabe des Cortison-Nasen-Sprays bei Bedarf ebenso erfolgreich war, wie die ständige Gabe des Sprays über die gesamte Pollenflugsaison, wie bislang empfohlen.

Dieses Ergebnis ist ermutigend für alle Seiten:

  1. der Patient nimmt den Cortisonnasenspray nur, wenn er ihn braucht. Damit fällt das “Vergessen” als Problem weg.
  2. Dadurch wird die ohnehin geringe Dosis an Cortison nochmals geringer, was medizinisch günstig ist.
  3. nebenbei spart die Krankenversicherung Geld, was nicht nur schwäbische Krankenkassen erfreuen dürfte – und letztlich den Patienten wiederum zugute kommt.