USA: Tabaksteuer senkt Sterblichkeit bei Säuglingen

Rauchen schadet der Gesundheit. Deswegen haben viele Staaten in den letzten Jahrzehnten auch die Steuer auf Tabak und Tabakprodukte erhöht. Aber ist das auch erfolgreich?

Stephen W. Patrick und Kollegen haben hierzu in der renommierten Zeitschrift Pediatrics eine Untersuchung veröffentlicht. Sie sammelten die Daten der Jahre 1999 bis 2010 in allen Staaten der USA und verglichen den Anstieg der Tabaksteuer mit der Säuglingssterblichkeit. Dabei fanden sie einen Rückgang der Sterblichkeit von 7.3 auf 6.2 Kinder auf 1000 Geburten bei einem Anstieg der Zigarettensteuer von 0.84 $ auf 2.37 $.

Weitere Berechnung ergaben, dass mit jedem Anstieg der Steuer auf Zigaretten um 1 $ pro Packung ein weiterer Rückgang der Säuglingssterblichkeit um -0.19 erreicht werden könnte. Das würde immerhin bedeuten, dass pro Tag in den USA zwei Kinder weniger sterben würden.

Manchmal können Probleme so einfach zu lösen sein. Mit ein bisschen Mut und dem politischen Willen, einen medizinischen Zusammenhang mit sinnvollen Maßnahmen zum Erfolg zu verhelfen.

Psychopharmaka-Therapie bei Kindern

Die Zunahme der Therapie mit sog. Stimulantien wie Methylphenidat (z.B. Ritalin©, Medikinet©) wird seit Jahrzehnten heiß diskutiert. Unbestritten ist, dass gerade bei diesen Medikamenten ein rasanter Anstieg der Verordnungen seit 1990 zu beobachten war, der sich jedoch zuletzt abflachte. Es gibt weitere Medikamente, die bei psychisch und emotional auffälligen Kindern eingesetzt werden, die jedoch in der Öffentlichkeit eher unbekannt sind. Immerhin vermuten internationale Forscher eine Häufigkeit seelischer Gesundheitsstörungen bei Kindern von 10-20%. Und dieses Spektrum von Krankheiten erfordert eine breit gefächerte Psychotherapie wie teilweise auch medikamentöse Therapie.

Eine Gruppe von Kinder- und Jugendpsychiatern aus Köln und Hamburg unter der Leitung von Sascha Abbas ist der Frage nachgegangen, was hinter der Zunahme der Verordnung von Psychopharmaka zwischen den Jahren 2004 und 2012 steckt. Sie werteten die Daten von über 4 Millionen gesetzlich Versicherten aus. Die Publikation hierzu erschien kürzlich im Deutschen Ärzteblatt.

Es zeigte sich eine Zunahme von 19.6 auf 27.1 Medikamentengaben pro 1000 Kinder und Jugendliche pro Jahr. Dem gegenüber hat die Zahl der Neuverordnung von Psychopharmaka jedoch von 9.9 auf 8.7 Promille abgenommen. Die steigenden Verordnungen beruhen also nicht darauf, dass mehr Kinder und Jugendliche behandelt würden, sondern dass die Patienten, die schon eine Therapie hatten, sie in den folgenden Jahren erneut erhielten.

Insgesamt scheint es, dass eine veränderte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit die Bereitschaft verringert hat sog. Stimulantien wie Methylphenidat einzunehmen. Ebenso ist in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen ein spürbarer Rückgang von Antibiotika zu verzeichnen (wir werden im praxisblättle in den kommenden Wochen berichten!. Trends, die Hoffnung machen, solange den psychisch belastenden Kindern psychotherapeutische Angebote gemacht werden.

 

 

Was geht rum? 23. Juli 2016

Endlich kann man sie wieder gebrauchen: die Flip-Flops. Eine gute Zeit für die Füße, sich von der Enge und Feuchtigkeit der Schuhe zu erholen. Draußen, im Schwimmbad, beim Grillen und Feiern.

Sofern keiner krank ist. Das hoffen wir mal für alle von Ihnen. Aber ein paar Erkrankungen gibt es auch jetzt noch: In den letzten Tagen überwiegen die Streptokokkenerkrankungen (Angina). Diese tritt nahezu ausschließlich bei Kindern von 4 bis 14 Jahren auf. Daneben weiterhin die Herpangina, die alle Altersgruppen betrifft. Somit ist das Spektrum der Erkrankungen in den letzten Wochen recht konstant. Die Mittelohrentzündungen gibt es jetzt aber fast nicht mehr.

Neu aufgetaucht sind die eitrigen Entzündungen von Wunden oder aufgekratzten Stellen der Haut (Impetigo contagiosa). Diese Erkrankungen haben bei warm-feuchtem Wetter ihren Höhepunkt. Vorbeugend ist darauf zu achten, Wunden in der Regel trocken zu halten. Auch unter Pflaster eingeschlossene Wunden können durchaus dazu neigen, sich bei diesem Wetter zu entzünden. In manchen Fällen greift die Entzündung auf weitere Areale der Haut über und kann dabei sehr lästig werden. Eine frühzeitige Behandlung beim Arzt ist sinnvoll.

Unsere Praxis: Urlaube

Rutenfest in Ravensburg, Bächtlesfest in Bad Saulgau – der Urlaub ist nahe. Ab kommende Woche beginnt auch bei uns der Urlaub. Dr. Niethammer wird ab Mitte August bis Mitte September in Urlaub sein, ich, Dr. Wolff, verabschiede mich schon nächste Woche. In der kommenden Woche wird mich Frau Dr. Wagner vertreten.

Über den August bis Mitte September arbeitet die Praxis eingleisig mit einem Arzt. Bitte bedenken Sie, dass es dann schwierig sein kann die Diagnostik chronischer Probleme (z.B, chronische Bauchschmerzen) einzuleiten. Wir können aber sicherstellen, dass weiterhin jedes akut kranke Kind am gleichen Tag einen Arzttermin bekommen wird.

Sie fahren auch in der Urlaub? Vielleicht schauen Sie nochmals in unseren Beitrag der letzten Woche “Urlaubstipps”, um gut gerüstet in die schönste Zeit des Jahres aufzubrechen.

Neues Vorsorgeheft für Kinder

Nach jahrelangem zähen Ringen soll nun ein neues Früherkennungs-Untersuchungsheft (“Vorsorgeheft”) zum 01. Oktober 2016 herausgegeben werden – im Bild rechts sehen Sie noch das bisherige Exemplar.

Vorsorgeuntersuchungen gibt es seit Januar 1971. Damals wurde die U1 bis U7 (2. Geburtstag) angeboten, 1977 folgte die U8 (4. Geburtstag) und im Jahre 1981 schließlich die U9 (5. Geburtstag). Außerhalb der gesetzlichen Vorsorgen wurde die J1 (Jugendgesundheitsberatung 1) erst im Jahre 1998 gestartet, die U7a – am dritten Geburtstag – zehn Jahre später im Jahre 2008.

In den kommenden Jahren ist damit zu rechnen, dass die U10 und U11 (Grundschulalter) auch regulär von allen Kassen angeboten wird. Bisher sind diese Vorsorgen eine freiwillige Leistung der einzelnen Krankenkasse, ebenso wie die J1 (13-15 Lebensjahr) und J2 (16 bis 17. Lebensjahr).

Im neuen Vorsorgeheft wird es manche Veränderungen geben. So wird darin eine Stuhlfarbkarte eingefügt sein, die Eltern helfen soll, auffälligen Stuhlgang zu erkennen. Für uns Ärzte wird der Brückner-Test zur Prüfung des Schielens Pflicht, den ich bereits seit 20 Jahren bei Säuglingen regelmäßig bei den Vorsorgen durchführe.

Neu ist darüber hinaus eine herausnehmbare Teilnehmerkarte, mit der Eltern gegenüber Kindergarten oder anderen Institutionen belegen können, dass die jeweilige Vorsorge durchgeführt wurde. Damit soll der persönliche Datenschutz erhalten bleiben bei gleichzeitiger Information über die grundsätzliche Durchführung einer Untersuchung.

Hoffen wir mal, dass unsere Wünsche in diesem Heft zum Wohle des Kindes gut umgesetzt sind und dass der Zeitaufwand es auszufüllen nicht grösser wird als zuvor. Denn es soll dabei bleiben, dass der Kontakt zum Kind (und seinen Eltern) im Zentrum der Untersuchung steht. Und nicht das perfekt geführte Früherkennungs-Untersuchungsheft. Wir brauchen keine besseren Statistiken, wir brauchen einen guten zeitlichen Rahmen, um Kinder angemessen untersuchen und Eltern informieren zu können.

Was geht rum? 16. Juli 2016

Der Sommer 2016 verläuft etwas anders als gewünscht. Die vielen Regenperioden haben vermutlich auch Einfluss auf die Art der Infekte. Weiterhin treten Infektionen des Rachens mit Mittelohrentzündungen auf. Diese betreffen alle, vom Säugling bis zum Jugendlichen. Für die Wintermonate sind sie üblich, aber im Sommer?

Daneben sind die typischen Sommerinfekte wie Streptokokkenangina oder Herpangina schon seltener. Inzwischen kommen vereinzelt wieder Erkrankungsfälle an Hand-Fuß-Mundkrankheit vor, die ebenfalls im Sommer häufiger auftritt. Sehr selten ist die Mononukleose (Pfeiffer’sches Drüsenfieber), die jedoch öfter auch als schwache Erkrankungen in Erscheinung tritt und dann als solche kaum wahrgenommen wird.

Eines ist gut: die allergischen Belästigungen durch Pollen sind bisher vergleichsweise gering. Zumindest für die meisten. Bis jetzt? Kommt noch ein Sommer?

Urlaubstipps

Auf den Urlaub freuen sich vermutlich die meisten schon lange. Damit der Urlaub auch unter einem guten Stern steht, sollte man folgendes bedenken:

1. Den Urlaub wollen meist wir – die Eltern. Und die kleineren Kinder eher selten. Damit es uns allen gut geht, sollten wir die Bedürfnisse der Kinder achten: wenig Hektik (viel Zeit zum ausgiebigen Spiel am Strand oder sonst wo);  im Auto für Unterhaltung sorgen (je nach Alter tun’s auch einfache Spiele wie Zählen der Schweizer Fahnen auf dem Weg in den Süden); am Urlaubsort für Abwechslung sorgen (z.B. nicht den ganzen Tag am Strand verbringen, sondern auch Spielpausen im Zelt oder Hotelzimmer; in den ersten Tagen kleine Besichtigungstouren um nicht zu lange der Sonne ausgesetzt zu sein u.a.)

2. Reiseapotheke: für Kinder sollten Sie immer dabei haben:

  • Verbandsmaterial mit Pflaster
  • Octenisept zum Desinfizieren von Wunden (brennt nicht ! kann man in der Apotheke besorgen)
  • Pinzette zum Entfernen von Fremdkörpern (wie Holzsplittern)
  • Medikamente gegen verstopfte Nase (z.B. Olynth, besonders beim Flug mit kleinen Kindern im Handgepäck !)
  • Medikamente gegen Fieber (ben-u-ron, Nurofen, Ibuprofen)
  • Medikamente gegen anhaltendes Erbrechen (Emesan S© für Säuglinge; Vomacur© 40 bzw. 70 für Kinder bzw. Jugendliche/ Erwachsene)

3. Im Urlaub ist vieles anders, auch wenn Ihnen die BILD-Zeitung und LÖWENBRÄU angeboten werden. Seien Sie im Zweifelsfall vorsichtig mit dem Essen um plagende Durchfälle zu vermeiden. Wer sich am ersten Urlaubstag auf das Buffet stürzt und genüsslich die Salate isst, trägt ein erhöhtes Risiko, davon geplagt zu werden. Lassen Sie es hier auch langsam angehen und verfahren Sie im Zweifelsfall nach dem Motto: ”Cook it, boil it, peel it – or leave it” – also essen Sie zunächst nur Nahrungsmittel, die gut abgekocht sind, schälbar sind (wie die Banane) oder steril verpackt. Wagen Sie sich in den nächsten Tagen, wenn es Ihrem Bauch gut geht, immer wieder an Neues heran. Auch im Urlaub muss man nicht alles auf einmal haben. Jedenfalls ist der Urlaubsgenuss ohne Rumpeln im Bauch entschieden angenehmer (vertretbare oder wirksame Medikamente gegen Durchfall gibt es eigentlich nicht, auch wenn Ihnen die Werbung anderes beibringt. Loperamid beispielsweise ist für Kinder nicht geeignet und hilft auch bei Erwachsenen nur eingeschränkt. Diät ist der beste und harmloseste Weg sich solche Beschwerden vom Leib zu halten)

4. Versicherung: Für viele Länder gibt es zwar einen Auslandskrankenschein – aber kaum ein Arzt im Ausland interessiert sich dafür. In den letzten Jahren mussten die meisten Patienten im Ausland cash für die Behandlung bezahlen. Hierfür gibt es recht günstige Versicherungen (siehe Stiftung WARENTEST), die sich auch schon für eine dreiwöchigen Urlaub in Spanien lohnen könnten.

5. andere Kosten: Mobiltelefone können zur Kostenfalle werden. Erkundigen Sie sich vorab, welches Netz für Sie günstig ist. Die Roaming-Kosten sind teilweise sehr unterschiedlich (je nach Anbieter finden Sie Informationen bei www.t-mobile.de, www.vodafone.de oder den anderen Anbietern). Geldumtausch gibt es in Euro-Land zum Glück nicht mehr. Aber auch beim Einsatz von Kreditkarten zum Ziehen von Geld (an den ATM) fallen Kosten an. Informieren Sie sich vorher beim Anbieter.

Wer viel schon vorher abklärt und plant, hat nachher meist mehr Urlaubsgenuss. Nur wer daheim bleibt hat’s noch besser.

Ärzte fordern Rauchverbot im Auto

Im Rahmen des 119. Deutschen Ärztetages in Hamburg (24. – 27. Mai 2016) forderte das Ärzteparlament die Bundesregierung auf, das Rauchen in Autos zu verbieten, wenn Kinder und Jugendliche mitfahren. Verstöße hiergegen sollten bestraft werden. Im Bild sehen Sie Prof. U. Montgomery, den Präsidenten der Bundesärztekammer, der diesen Beschluss der Presse mitteilt.

Der Zusammenhang von Passivrauchen mit erheblichen gesundheitlichen Risiken ist schon lange bekannt und wissenschaftlich gut untermauert. Den meisten Eltern gelingt es bereits, Kinder mit dem Tabakkonsum nicht zu behelligen. Sie rauchen im Freien (bei geschlossenen Türen). Im kleinen Autoinnenraum, wo ohnehin eine gewisse Belastung durch Abgase nicht zu vermeiden ist, sollte diese zusätzliche Schädigung der Atemwege der Kinder durch Rauchen unbedingt vermieden werden. Leider halten sich noch nicht alle Familien daran.

Dieser Beschluss kann für die starken Raucher eine Anregung sein, nun doch den Tabakkonsum im Auto einzustellen. Für die betroffenen Kinder wäre das ein Segen!

Bildquelle: http://www.bundesaerztekammer.de/aerztetag/119-deutscher-aerztetag-2016/

Was geht rum? 09. Juli 2016

Das schöne Wetter hat die Infektionen in der letzten Woche deutlich zurückgedrängt. Neuerkrankungen traten seltener auf. Und wenn, dann waren es vornehmlich solche mit Streptokokkenangina (“Scharlach”) oder Herpangina (“Sommergrippe”).

Wundinfektionen und kleinere Verletzungen waren andererseits spürbar häufiger.

Allergische Beschwerden? Eher selten. Die Gräserpollenallergiker scheinen in dieser Saison glimpflich davon zu kommen. Meist für der “zweite Schnitt” der Gräser nochmals zu einem leichten Anstieg der Beschwerden, aber das Schlimmste ist sicher vorbei.

Chronische Müdigkeit des Jugendlichen (CFS)

Jugendliche stellen sich in der Praxis nicht selten mit dem Symptom “Müdigkeit” vor. Oft geben sie an, seit Wochen müde zu sein oft verbunden mit einem Leistungsabfall in der Schule und einem Rückzug aus dem sozialen Umfeld.

Manchmal finden sich Auffälligkeiten wie eine Eisenmangelanämie besonders bei Mädchen. Häufiger lassen sich keine organischen Gründe finden.

Die Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) ist eine Studie, die Kinder seit Geburt in regelmässigen Abständen untersucht. Sie fand vor Jahre bereits heraus, dass 1.3% aller Jugendlichen in Großbritannien im Alter von 13 Jahren von dieser unklaren Müdigkeit betroffen waren. Dabei wurde die Diagnose chronic fatigue syndrom (CFS) gestellt, wenn die Symptome länger als 6 Monate vorlagen. Geschlechtsunterschiede bestanden in diesem Alter keine.

Nun haben Simon M Collin und Kollegen  aus Bristol in Fortsetzung dieser Studie Daten für die Jugendlichen von 16 Jahren veröffentlicht (Pediatrics, 2016). Für diese Altersgruppe waren 1.86% der Jugendlichen betroffen, besonders oft Mädchen .