Archiv für den Monat: April 2013

Kinderärztlicher Notfalldienst bleibt

Zum 4. Mai 2013 wird nun der ärztliche Notfalldienst am Krankenhaus Sigmaringen eingerichtet, der auch für die Region Pfullendorf zuständig sein wird. Damit gibt es für erwachsene Patienten zwei Anlaufstellen an den Wochenenden: Bad Saulgau und Sigmaringen.

Für Kinder und Jugendliche bleibt alles gleich. Weiterhin gibt es den kinderärztlichen Notfalldienst. Dieser findet auch künftig in der Praxis des jeweils diensthabenden Arztes statt. Zuständig ist der kinderärztliche Dienst werktags ab 18:00 Uhr und an den Wochenend- und Feiertagen ab 07:00 Uhr. Zu erreichen ist die jeweilige Praxis unter der Rufnummer

   01801 929 345

Auch beim kinderärztlichen Dienst sind Sprechzeiten eingerichtet für alle Kinder, die nicht an einem hochakuten bedrohlichen Krankheitsbild erkrankt sind. Diese sind in der Regel in der Zeit von 09:00 – 12:00 Uhr und abends von 16:30 – 18:00 Uhr. Viel Praxen – wie auch unsere – vereinbaren Termine, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden. Wir bitten Eltern weiterhin ihr Kind telephonisch anzumelden, damit wir auch dem Notfall entsprechend Termine vergeben können.

 

Was geht rum? 28. April 2013

In der letzten Woche traten vermehrt Streptokokken-Erkrankungen wie der Scharlach auf. Betroffen sind hiervon besonders Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 14 Jahren.

Mit dem schönen Wetter kamen auch wieder typische Sommerunfälle wie Holzsplitterverletzungen und erste kleinere Sonnenbrände.

Jetzt beginnt die Zeit der Zecken. Nach dem Maiausflug – so das Wetter ihn überhaupt zulässt – sollten alle Kinder und auch die Erwachsenen auf Zecken am Körper untersucht werden. Zecken finden sich besonders gern in kuscheligen Zonen wie am Nabel, hinter den Ohren und im Achselbereich.

Impfung gegen Hepatitis A&B wieder Kassenleistung

Die Impfung gegen Hepatitis B und A war schon immer ein Zankapfel und durchlebte wechselvolle Zeiten. Dass sie medizinisch sinnvoll ist war immer unbestritten. Nur ist eine Erkrankung mit Hepatitis A in Deutschland nicht so sehr häufig (siehe die Graphik aus www.fit-for-travel.de rechts). Also, so wurde lange argumentiert, sei eine Impfung gegen Hepatitis A eine “Reiseimpfung” und eine Reise sei ein Luxus und somit die Impfung gegen Hepatitis A auch. Dabei besteht zwischen dem Preis für eine Impfung gegen Hepatitis B alleine und gegen Hepatitis A&B in der Kombination ein Preisunterschied im Centbereich, also keiner.

Ab 1. Mai 2013 ist die Impfung gegen Hepatitis A&B (einziger Impfstoff Twinrix©) nun wieder einmal eine Kassenleistung.

Für die meisten Kinder ist das keine wichtige Meldung, weil sie ohnehin gegen Hepatitis B geimpft sind und eine weitere Impfung gegen Hepatitis A&B damit nicht in Frage kommt. Für eine Reise würden sie eine Hepatitis A-Impfung (also ohne den B-Anteil) benötigen, die wiederum aber keine Kassenleistung ist.

Wer aber noch nicht gegen Hepatitis A&B geimpft wurde, kann dies ab 2. Mai 2013 nachholen. Erforderlich sind drei Impfungen im Abstand 0 – 1 – 6 Monate, die in aller Regel sehr gut vertragen werden.

 

Skandal – nur ein Fall für Höneß?

In den letzten Jahren haben viel Skandale die Menschen erschreckt. Gestern war es noch der Pferdefleischskandal, heute ist es der Steuerskandal um Uli Höneß. Mich beruhigt das. Solange wir von solchen Skandalen hören und uns darüber erregen, solange können wir sicher sein, dass Behörden und andere kritische Menschen nach Fehlern fahnden.

Das betrifft auch die Medizin. Als junge Medizinstudenten waren wir entsetzt vom Skandal um Verkaufspraktiken der Firma Nestle. Diese hatte in den 1970ger Jahren Müttern in Afrika dringend zum Abstillen geraten um auf Nestle-Produkte umzusteigen. Viele Hunderte Baby starben. Vor 2 Jahren brachte Hipp “Combiotik pre” auf den Markt, ”Die Formulierung ‘nach dem Vorbild der Muttermilch’ wie die Firma behauptet. Deutschlands führender Forscher auf diesem Gebiet sieht das anders: ”Das verstößt gegen geltendes Recht”, meint Prof. Dr. Berthold Koletzko aus München.

Als Eltern achten Sie besonders auf das Wohl Ihrer Kinder. Da gilt es vieles zu hinterfragen. Auch in der Kinderarztpraxis. Auch bei uns wird versucht Einfluß zu nehmen. Pharmareferenten besuchen uns mit dem Ziel unser Verhalten in die eine von ihnen gewünschte Richtung zu lenken. Die Informationen, die wir bekommen sind meistens richtig. Aber fast immer auch lückenhaft. So bleiben wir einfach bei dem was wir schon seit Jahrzehnten machen: Wir studieren am Abend und in den Ferien die Literatur, um sich selbst ein Bild zu machen. Das macht mir noch immer so viel Spaß wie im Medizinstudium.

Ab sofort haben wir beschlossen, dass Pharmareferenten nur auf Anfrage bei echten Neuerungen uns sprechen können. Es fiel uns auf, dass wir zuletzt durch die – zwar wenigen – Besuche der Referenten Zeit verloren hatten ohne an Wissen zu gewinnen. Wer sich regelmäßig fortbildet weiß um vieles mehr als der Pharmareferent. Und er kann Eltern, Kinder und Jugendliche unabhängig beraten.

Das werden wir weiter machen. Und selbstkritisch bleiben.

Was geht rum? 20. April 2013

Scharlach

Heute morgen empfängt uns der Tag mit Schnee. Aber das ist nur eine kurze Täuschung. In der Praxis sehen wir keine “Winterinfekte” mehr. Was vorherrscht sind einfache Racheninfekte, die zu Beginn von Fieber bis fast 40 Grad begleitet sind. Mittelohrentzündungen treten manchmal, aber in der letzten Woche doch eher selten auf. Der Verlauf geht über wenige Tage.

Mit der wärmeren Witterung gibt es wieder Erkrankungen an Scharlach bzw. die Streptokokkenangina (eitrige Angina ohne Hautausschlag). Andere Kinderkrankheiten wie Windpocken haben wir keine gesehen.

Die Allergien auf Pollen werden zunehmend wirksam. Bis jetzt ist eher erstaunlich, wie wenig pollenbedingte Erkrankungen zu beobachten sind.Aber die Birkenpollen haben ja auch erst gerade begonnen zu fliegen.

Windpockenimpfung wirkt

Seit vielen Jahren hat sich nun die Windpockenimpfung etabliert. Sicher, diese Kinderkrankheit ist nur selten gefährlich – obwohl sie in vereinzelten Fällen sogar tödlich enden kann. Aber sie ist zumeist nervig über den enormen Juckreiz (gerade bei warmem Wetter), das Auftreten von Gürtelrose (Herpes zoster) in späteren Jahren und die Ansteckungsgefahr, die schon manche Urlaubspläne durchkreuzt hat.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet nun, dass von April 2005 bis März 2012 die gemeldeten Erkrankungen aus der Praxis um 85% zurückgegangen sind. Dies ist eine Erfahrung, die auch wir in Pfullendorf machen. Sowohl geimpfte, wie auch ungeimpfte Kinder profitieren davon. Profitieren? Für ungeimpfte Kinder kann der niedrige Umlauf der Viren in Deutschland und vielen anderen Industrieländern dazu führen, dass die Erkrankungen ins höhere Alter verschoben werden. Dann allerdings verlaufen sie oft schwerwiegender. Wie man mit diesem Thema umgehen wird muss in den nächsten Jahren sicher intensiv diskutiert werden.

 

Pollenflug hat Fahrt aufgenommen

Das wunderbare Wetter hat die Pflanzen in den letzten 2 Tagen enorm kommen lassen. Momentan besteht ein erheblicher Flug von Eschenpollen (im Bild: Eschenblüte). In den nächsten Tagen ist mit dem Birkenpollenflug zu rechnen, der erheblich mehr Menschen Allergien bereitet.

 

 

Was geht rum? 13. April 13

Die Infektwelle ist nun definitiv vorbei, Die Erkrankungen an Atemwegsinfekten haben sich in den letzten zwei Wochen mehr als halbiert. Jetzt treten wenige “einfache” Racheninfekte auf, öfter verbunden mit Mittelohrentzündungen. Vereinzelt beobachten wir auch Scharlach.

Magen-Darm-Infektionen gibt es ganzjährig, also auch jetzt. Momentan sind wenig Kinder betroffen mit einem meist kurzen Verlauf.

Der erste richtig warme Tag ist für Sonntag angekündigt. Menschen, die an einer Allergie gegen Frühblüherpollen (Hasel, Erle, Birken) leiden, sollten ihre empfohlene Therapie beginnen. Eine vorbeugend begonnene Therapie ist immer deutlich wirksamer. Wenn erst auf eingetretene Probleme reagiert wird, ist deutlich weniger Erfolg zu erwarten.

Masernausbruch in Berlin

Seit Februar 2013 traten in Berlin 43 Neuerkrankungen an Masern auf, wie das Centrum für Reisemedizin (CRM) meldet. Im Vorjahr seien im gleichen Zeitraum nur 5 Erkrankungen aufgetreten.

Ausbrüche von Masern kommen immer wieder auch in Deutschland vor. Sie sollten Anlass sein, den eigenen Impfschutz und den der Kinder zu kontrollieren. Die Masernimpfung kann – meist in Kombination mit Mumps, Röteln und Windpocken als MMRV – ab dem 12. Lebensmonat geimpft werden. Der Schutz wird durch eine Wiederholungsimpfung im zweiten Lebensjahr stabilisiert.

“Mein Kind läuft schon”

“Mein Kind läuft schon”. Manche Eltern kommen zur Vorsorge U6 und berichten, dass das gleichaltrige Kind von Freunden schon sicher und frei laufe. Sie sind betrübt, weil ihr Kind “noch nicht so weit sei”. Schon immer beruhige ich diese Eltern, weil mir kein Zusammenhang zwischen frühen motorischen Schritten und – beispielsweise – höherer Intelligenz bekannt war.

Nun hat sich eine Arbeitsgruppe um Oskar G. Jenni von der Abteilung Entwicklungspädiatrie des
Kinderspitals Zürich dieser Frage angenommen. Sie untersuchten 119 Jungen und 103 Mädchen bis nach der Pubertät und fanden keinen Zusammenhang zwischen motorischer Geschicklichkeit oder Intelligenz und frühem freien Laufen. Sie bestätigten damit wissenschaftlich die bestens bekannte Erfahrung, dass Kinder zwischen 8 und 20 Monaten frei laufen lernen. Eine enorme Spanne für normale Entwicklung.

Entwicklungsprobleme sind in Ansätzen oft schon mit 12 Monaten für Kinderärzte erkennbar. In diesen fraglichen Situationen untersuchen wir die weitere Entwicklung nicht erst bei der U7 (im Alter von 24 Monaten) sondern bereits 3 oder 6 Monate später. Dadurch lassen sich entwicklungsverzögerte Kinder von “Spätzündern” meist bald unterscheiden.

Und “Spätzünder” zeigen letztlich eine ganz normale Entwicklung.