Archiv für den Monat: Juni 2013

Was geht rum? 29 Juni 2013

In dieser Woche tat sich medizinisch nichts Spektakuläres in der Praxis. Weiterhin treten Infekte auf, die wir vorwiegend in Winterzeiten sehen: Racheninfekte, Mittelohrentzündungen, gelegentlich auch leichte Lungenentzündungen (“Bronchopneumonie”).

Daneben “Sommerinfekte” wie die Herpangina, ausgelöst durch Coxsackieviren.

Nun soll sich das Wetter ja rasch ändern. Deswegen Empfehlung an alle Graspollenallergiker: mit den Medikamenten heute starten! Ab morgen ist mit einem zunehmenden Gräserpollenflug zu rechnen.

Gefahr des Ertrinkens

Dieser Artikel ist im Internet auf www.ostsee24.net zu finden mit der Freigabe ihn auch hier zu veröffentlichen. Weil er so eindrücklich das unscheinbare Auftreten dieser Gefahr schildert, soll er in ganzere Länge hier erscheinen. (pw)

Was man über das Ertrinken wissen sollte, um die Gefahr für Kinder und Erwachsene zu minimieren.
Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 400 Menschen durch Ertrinken. In vielen Fällen befinden sich weitere Badegäste in unmittelbarer Nähe und beobachten den Vorgang – weil Sie keine Ahnung haben, was dort gerade passiert. Kein Schreien, kein Winken und kein Gestrampel. Im Gegenteil, es ist ein leiser Tod und passt gar nicht in das durch das Fernsehen vermittelte Bild. Diesem Phänomen ist Mario Vittone, Rettungshubschrauberpilot und Rettungsschwimmer der U.S. Coast Guard in New Orleans, in seinem Artikel http://mariovittone.com/2010/05/154/ “Drowning Doesn´t Look Like Drowning” nachgegangen und hat damit für sehr viel Aufsehen gesorgt.Der folgende Artikel ist eine Übersetzung aus dem Original.

Wenn Ertrinken nicht nach Ertrinken aussieht
<p>Ertrinken? Wohl kaum. Der Rettungsschwimmer sprang voll bekleidet von Board und spurtete durch das Wasser. Der ehemalige Rettungsschwimmer ließ das Opfer nicht aus den Augen, als er sich direkt auf die Bootseigentümer zu bewegte, die zwischen ihrem verankerten Sportfischerboot und dem Strand im Wasser schwammen. „Ich glaube, er denkt, du ertrinkst“, sagte der Mann zu seiner Frau. Sie hatten einander mit Wasser bespritzt und sie hatte geschrien, aber nun standen sie nur bis zum Hals im Wasser auf der Sandbank. „Uns geht es gut, was tut er da?“, fragte sie etwas gereizt. „Uns geht es gut!“, rief der Mann und winkte ihm zu, umzukehren, aber der Rettungsschwimmer schwamm unnachgiebig weiter. „Weg da!“, blaffte er, als er zwischen den erstaunten Bootseigentümern entlang spurtete. Direkt hinter ihnen, keine drei Meter entfernt, war ihre neunjährige Tochter gerade im Begriff zu ertrinken. Sicher an der Oberfläche in den Armen des Rettungsschwimmers, brach sie in Tränen aus: „Papa!“
Wie konnte der Rettungsschwimmer aus fünfzehn Metern Entfernung wissen, was der Vater aus nur drei Meter Entfernung nicht erkennen konnte?
Ertrinken ist nicht der ungestüme, spritzende Schrei nach Hilfe wie die meisten Menschen erwarten. Der Rettungsschwimmer hatte durch eine fachliche Ausbildung und jahrelange Erfahrung gelernt, Ertrinken zu erkennen. Der Vater hingegen hatte im Fernsehen gelernt, wie es aussieht, wenn jemand ertrinkt.
Wenn Sie Zeit auf dem oder am Wasser verbringen, dann sollten Sie sicherstellen, dass Sie und Ihre Freunde/Bekannten wissen, worauf zu achten ist, wenn Menschen ins Wasser gehen. Bis sie „Papa“ schluchzte, hatte sie keinen Ton von sich gegeben. Als ehemaliger Rettungsschwimmer der Küstenwache überraschte mich diese Geschichte überhaupt nicht. Das Ertrinken ist fast immer ein trügerisch ruhiger Vorgang. Das Winken, Spritzen und Schreien, auf das wir durch die dramatische Konditionierung (Fernsehen) vorbereitet sind, zeigt sich in der Realität nur selten.
Die instinktive Reaktion auf das Ertrinken (The Instinctive Drowning Response) – so benannt von Dr. Francesco A. Pia, – ist das, was Menschen tun, um tatsächliches oder vermeintliches Ersticken im Wasser zu vermeiden. Und dies sieht nicht so aus, wie es die meisten Menschen erwarten. Es gibt wenig Gespritze, kein Winken und keine Schreie oder Hilferufe irgendeiner Art.
Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie ruhig und wenig dramatisch das Ertrinken von der Oberfläche aus wirken kann, überdenken Sie Folgendes: Es ist der zweithäufigste Unfalltod bei Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren (direkt nach Verkehrsunfällen) – von den Kindern, die im nächsten Jahr ertrinken werden, werden die Hälfte in einer Entfernung von nicht mehr als 20 Metern von einem Elternteil oder einem anderen Erwachsenen ertrinken. In zehn Prozent dieser Fälle wird der Erwachsene sie sogar beim Ertrinken beobachten und keine Ahnung davon haben, was gerade vor sich geht, denn Ertrinken wirkt nicht wie Ertrinken. (Quelle: CDC).

Auf was Sie achten müssen: Anzeichen des Ertrinkens
In einem Artikel im Coast Guard’s On Scene Magazine beschrieb Dr. Pia die instinktive Reaktion auf das Ertrinken so:

1. Außer unter seltenen Umständen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu in der Lage, um Hilfe zu rufen. Das Atmungssystem ist auf das Atmen ausgelegt. Sprache stellt die zweite oder überlagerte Funktion dar. Die Aufgabe des Atmens muss erfüllt sein, bevor die Sprache stattfindet.
2. Der Mund ertrinkender Menschen sinkt abwechselnd unter die Wasseroberfläche und taucht wieder aus dem Wasser auf. Der Mund ertrinkender Menschen befindet sich nicht lange genug über der Wasseroberfläche, um auszuatmen, einzuatmen und um Hilfe zu rufen. Sobald sich der Mund eines Ertrinkenden über der Wasseroberfläche befindet, atmet dieser schnell aus und ein, da sein Mund bereits wieder unter Wasser zu sinken beginnt.
3. Ertrinkende Menschen können keine Hilfe herbeiwinken. Ihre Natur zwingt sie dazu, instinktiv ihre Arme seitlich auszustrecken und von oben auf die Wasseroberfläche zu drücken. Von oben auf die Wasseroberfläche zu drücken ermöglicht es Ertrinkenden, ihren Körper nach oben zu drücken, um ihren Mund zum Atmen aus dem Wasser zu heben.
4. Während der instinktiven Reaktion auf das Ertrinken können Ertrinkende die Bewegung ihrer Arme nicht bewusst steuern. Physiologisch gesehen sind Ertrinkende, die an der Wasseroberfläche kämpfen, nicht in der Lage, das Ertrinken aufzuhalten und bewusste Bewegungen auszuführen, wie beispielsweise das Winken nach Hilfe, die Bewegung auf einen Retter zu oder das Greifen nach einem Rettungsgerät.
5. Von Anfang bis Ende der instinktiven Reaktion auf das Ertrinken befindet sich der Körper eines Menschen aufrecht im Wasser, ohne Hinweise auf unterstützendes Treten mit den Füßen. Werden sie nicht von einem ausgebildeten Rettungsschwimmer gerettet, können diese Ertrinkenden nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche kämpfen, bevor sie untergehen.
Das heißt nicht, dass eine Person, die um Hilfe ruft und um sich schlägt, nicht in ernsthaften Schwierigkeiten ist – sie erlebt eine Wassernotsituation.
Eine Wassernotsituation tritt nicht immer vor einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken auf und hält nicht lange an – aber anders als beim wirklichen Ertrinken, können die Betroffenen hier noch an ihrer eigenen Rettung mitwirken. Sie können nach Rettungsleinen oder -ringen usw. greifen.

Weitere Anzeichen des Ertrinkens

Achten Sie auf diese anderen Anzeichen des Ertrinkens, wenn sich Personen im Wasser befinden:
* Kopf befindet sich tief im Wasser mit dem Mund auf Höhe der Wasseroberfläche
* Kopf ist nach hinten geneigt und der Mund geöffnet
Augen sind glasig und leer und können nicht fokussieren
* Augen sind geschlossen
Haare hängen vor der Stirn oder den Augen
* Beine werden nicht benutzt – Vertikal
beschleunigte Atmung oder Schnappen nach Luft
versucht, in eine bestimmte Richtung zu schwimmen, kommt aber nicht voran
versucht sich auf den Rücken zu drehen.
Sollte also ein Rettungsschwimmer über Bord gehen und es sieht so aus, als wäre alles in Ordnung – seien Sie sich nicht zu sicher. Manchmal ist der einfachste Hinweis darauf, dass jemand ertrinkt, dass er nicht so wirkt, als würde er ertrinken. Es wirkt vielleicht einfach so, als würde er Wasser treten und nach oben auf das Deck sehen.
Wie kann man sich wirklich sicher sein? Fragen Sie: „Geht es dir gut?“ Wenn er das beantworten kann – geht es ihm wahrscheinlich gut. Wenn er mit einem leeren Blick antwortet – haben Sie vielleicht weniger als 30 Sekunden Zeit, ihn zu retten.
Und an die ElternKinder, die im Wasser spielen, machen Lärm. Wenn sie still werden, dann gehen Sie zu ihnen und finden Sie heraus, weshalb.

 

Pollenflug in Deutschland

Der Heuschnupfen setzte vielen Menschen in den letzten Wochen zu. Grund genug, hier einige Informationen über Pollen zu geben. Wir nennen den Heuschnupfen lieber “Gräserpollenallergie”, weil dadurch klar wird, dass es sich um eine Allergie und zwar gegen Gräserpollen handelt.

Pollen werden in Deutschland seit 1983 systematisch erfasst. Über die Daten von 2011 erschien nun eine Veröffentlichung, die interessante Fakten darlegte. Zum einen sind es die Birkenpollen, die zahlenmässig (also Pollenteilchen) am häufigsten in Deutschland erfasst werden und zwar zu rund 50%, gefolgt von den Gräserpollen, die etwa 15% ausmachen. Während die Zahl der Pollen von Jahr zu Jahr bei den Haselnusspollen deutlich schwankt, ist die Zahl der Gräserpollen über die Jahre recht konstant mit einem leicht abnehmenden Trend seit dem Jahre 2000 (siehe Diagramm; Quelle: www.pollenstiftung.de). Die höchsten Tageswerte verzeichnen in den letzten 11 Jahren die Messstationen im Nordwesten mit 1000 Pollen/Kubikmeter pro Tag. Unsere nächsten Pollenfallen stehen in Königsfeld (Schwarzwald), Wangen (Allgäu) und Freiburg (Breisgau) mit den niedrigsten Werten für Gräserpollen im Jahre 2012 in Freiburg und den höchsten in Königsfeld.

Was geht rum? 22. Juni 2013

In der vergangenen Woche standen die allergischen Erkrankungen bedingt durch den weiterhin starken Flug der Gräserpollen im Vordergrund. Es ist anzunehmen, dass sich dies auch über die nächsten 2-3 Wochen fortsetzen dürfte.

In Bezug auf Infekte konnten wir viele Erkrankungen mit Herpangina beobachten. Das ist eine eher harmlose Sommergrippe, die meist nur mit Temperaturen um 38.5 Grad einhergeht und gerade kleinen Kindern wenig Verdruss bereitet. Kühle Speisen (Eis !) sind sehr hilfreich. Daneben sahen wir auch wenige Hand-Fuß-Mund-Krankheiten, die auf die gleiche Erregergruppe (Coxsackie-Viren) zurückzuführen ist.

Über den bisher einzigen Fall von Keuchhusten (“Pertussis”) haben wir bereits gestern berichtet. Er sollte Anlass sein für alle, den eigenen Impfschutz zu überprüfen. In Zweifelsfällen wenden Sie sich gerne an uns, wir helfen Ihnen weiter.

Neuerkrankung an Keuchhusten

In dieser Woche konnte eine Erkrankung an Keuchhusten gesichert werden. Sie betrifft einen Schüler. Es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Wochen einzelne weitere Schüler erkranken werden. Das hängt damit zusammen, dass der Impfschutz in der Altersgruppe der 7 – 14-Jährigen nachlässt, wenn nicht gezielt im Alter von 6-7 Jahren erneut gegen Keuchhusten geimpft wird.

Der Keuchhusten ist heute nur noch der Großelterngeneration in seiner Bedeutung bewusst, da er durch eine konsequente Durchimpfung Anfang der 1990-ger Jahre  weitgehend verhindert werden konnte.

Keuchhusten wird durch Bakterien verursacht, die einen langsam zunehmenden Husten hervorrufen, der schließlich sehr quälend wird und vornehmlich die Nachtstunden betrifft. Die Dauer der Erkrankung ist zumindest 6 Wochen, kann aber auch deutlich länger anhalten. Für nicht geimpfte Säuglinge ist die Erkrankung lebensgefährlich.

Konsequenz?

1. Alle Kinder, die länger als 10 Tage Husten sollten sich strikt von Säuglingen fernhalten (min 3 Meter Abstand)

2. Überprüfen Sie den Impfschutz gegen Keuchhusten (“Pertussis”)

Reizend für die Atemwege: Ozon

Endlich ist schönes Wetter. Mit dem herrlichen Sonnenschein kommt es aber in unserer Luft auch zum Anstieg des Reizgases Ozon. Dieses bildet sich unter verschiedenen Faktoren wie den Stickoxiden (NOx) und Sonneneinstrahlung.

Ozon reizt in Abhängigkeit von der Dosis die Atemwege. Dieser Effekt setzt bei 160 µg/m3 Mikrogramm pro Kubikmeter bei besonders empfindlichen Menschen (Säuglinge, Asthmatiker) ein.

Die Konzentration von Ozon ist tageszeitabhängig. Um die Mittagszeit, wenn die Sonne sehr hoch steht ist auch die Konzentration von Ozon am höchsten (siehe nebenstehende Abbildung des Landwirtschaftsministeriums in NRW). Zum Abend fallen die Werte dann wieder ab.

Konsequenz? Kinder, sonders solche mit Asthma bronchiale, sollten sich in der Zeit von 12- 15 Uhr im Haus aufhalten. Damit umgehen sie die besonders starke Belastung. Mit jedem Tag starker Sonneneinstrahlung steigt die Belastung an, dürfte also morgen am Mittwoch ihren höchsten Wert erreichen.

Was geht rum? 15. Juni 2013

Eigentlich ist es um diese Jahreszeit ruhiger in der Praxis. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Und so bestehen drei medizinische Probleme zur gleichen Zeit.

Ein Racheninfekt, der alle Altersklassen beschäftigt und harmlos ist. Nur, dass er mit sehr starken Halsschmerzen verbunden ist, so dass selbst Jugendliche sich Sorgen machen.

Eine Magen-Darm-Grippe, die zu beginn mit häufigem Erbrechen verbunden, ansonsten mit langsamem Kostaufbau aber meist gut beherrschbar ist.

… und die Gräserpollenallergie. Bedingt durch den raschen Wechseln von Regen- und Sonnentagen ist der Gräserpollenflug erheblich und viele Kinder und Jugendliche sind erstmals in diesem Jahr davon betroffen. Ganz im Vordergrund steht die allergische Bindehautentzündung wie bei dem Jungen auf nebenstehendem Bild.

Salmonellenerkrankungen

In den letzten Wochen traten wieder vermehrt Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (“Gastroenteritis”) auf. Meist waren sie viralen Ursprungs (vermutlich Rotaviren), einzelne waren jedoch durch Salmonellen verursacht.

Salmonellen sind bakterielle Erreger der Magen-Darm-Grippe, die in einer Vielfalt von 2500 verschiedenen Typen mit teils exotischen Namen auftreten. Mit Ihren “Geiseln” (siehe nebenstehendes Bild) sehen sie sehr putzig aus, verursachen aber teilweise sehr schwere Krankheitsbilder.

Gehäuft beobachtet man Salmonellenerkrankungen im Sommer. In Deutschland wurden im Jahre 2008 etwa 45.000 Erkrankungen gemeldet, die häufig Kleinkinder betreffen. Die Erkrankung erfolgt durch Aufnahme des Erregers durch den Mund (“oral”) meist durch Nahrungsmittel wie Mayonnaise, Speiseeis oder nicht ausreichend erhitzte Fleischwaren. Nach Ansteckung beginnen die Symptome häufig nach 6 bis 48 (bis 72) Stunden, also eher rasch mit Erbrechen, Fieber und teilweise blutigen Stühlen.

Bei Magen-Darm-Erkrankungen mit Fieber und blutigem Stuhlgang sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Spezielle Medikamente sind meist jedoch nicht nötig, dies sollte aber von einem Arzt überprüft werden. Vorsicht bei Nahrungsmittel wie Mayonnaise, die länger in der der Wärme gestanden haben oder bei Eis, was schon sehr weich ist.

Gräserpollenallergie

In der letzten Woche kamen sehr viele Kinder mit Allergiebeschwerden in die Praxis. Die Gräserpollen bereiteten ihnen vielfältige Probleme.

Heute Morgen regnet es zwar wieder heftig, aber das ist eher ein Vorbote für die nächste Welle von Allergiesymptomen als eine Hoffnung. Denn nun können die Pollen wieder kräftig nachwachsen und beim nächsten Sonnenschein und Wind wieder voll zuschlagen. Es bleibt also sinnvoll, die Allergiemedikamente nicht abzusetzen.