Archiv für den Monat: Juli 2013

Kopfdeformität des Säuglings

Seit 20 Jahren wird Eltern empfohlen, Säuglinge ab Geburt in Rückenlage zum Schlafen zu legen. Mit dieser einfachen Maßnahme ist die Zahl der Todesfälle am plötzlichen Kindstod (SIDS) massiv zurückgegangen. Ein wunderbarer Erfolg.

Als Nebeneffekt kommt es jedoch häufig zu Schiefhaltungen bzw. Deformitäten des Schädels. Diese sind meist dadurch bedingt, dass für den Säugling eine Seite interessanter ist als die andere. Wenn der Säugling aus seinem Bettchen immer nach links schauen muss um seine Mutter zu sehen und rechts eine leere Wand ist, dann wird er die Haltung nach links öfter einnehmen, was recht bald zur Haltungsasymmetrie führt.

Um dies zu vermeiden ist es bedeutsam, Säuglinge von beiden Seiten anzusprechen. Es sollte also für den Säugling ebenso interessant sein nach links oder nach rechts zu schauen.

Ist eine Kopfdeformität bereits eingetreten, so haben sich Lagerungskissen (z.B. babydorm) als sehr hilfreich erwiesen. Früh angewandt vermögen sie in den allermeisten Fällen Kopfformproblemen effektiv vorzubeugen. Eine Krankengymnastik kann das auch. Sie ist aber zum einen nicht ganz so effektiv und zum anderen oft unangenehm und für die Eltern aufwändig.

Übergewicht – ein gewichtiges Problem

“Das Risiko an Übergewicht zu versterben ist weltweit inzwischen höher als an den Folgen von Hunger zu versterben”, so Universitäts-Professor Dr. Gerald Gartlehner. Wer aufmerksam durch deutsche Städte oder auch durch Oberschwaben wandert wird ihm recht geben. Übergewichtigkeit stellt ein enormes Problem dar.

Das Fatale ist, dass die Anfänge des Übergewichts von vielen Eltern mit Freude begrüßt werden: “Also wir (?) haben kein Problem mit dem essen, unser Kind isst immer gern”. Das übergewichtige Kleinkind wird als süß angesehen, der gleich übergewichtige Jugendliche als fett.

Übergewicht hat letztlich zwei Wurzeln: Zuviel Essen und zuwenig Bewegung. Dabei kann es durchaus sein, dass ein Klassenkamerad gleich viel ist und gertenschlank ist während das eigene Kind an Gewicht zulegt. Trotz aller Gleichstellungsgesetze von heute: jeder Mensch ist anders. Der eine bewegt sich wenig und bekommt im Sport mit Leichtigkeit die Note 1 (er ist sportlich begabt), der andere lernt 2 Stunden täglich auf die Mathearbeit und bleibt auf einer 4 hängen. So ist das eben. Wer die Schokolade nur ansehen muss um 500 g mehr auf die Waage zu bringen muss es halt lassen. Der Neid auf den schlanken Freund hilft nicht weiter.

Wichtiger als alles ist aber die Bewegung. Viel Studien erhärten den Verdacht, dass der Transport mit dem elterlichen Auto in die Schule der Anfang vom Ende der Lust an Bewegung ist. “Ich kann doch mein Kind bei dem Regen nicht in die Schule laufen lassen!”. Warum nicht? Regen macht vielleicht nass,aber Nässe trocknet. Nur, mangelnde Bewegung macht weniger Muskeln, weniger Energieverbrauch und letztlich übergewichtig. Und fast alle Menschen über 30 wissen, wie mühsam es bei den Verführungen von Bratwürsten, Weizenbier oder Vanilleeis sein kann das Gewicht zu halten. Also: lassen wir unsere Kinder ruhig wieder in die Schule laufen. Auch wenn’s 20 min Zeit kostet. Nebenbei treffen Kinder ihre Freunde und haben große Freude dran.

Und ein Vanilleeis dürfen sie dann alle auch essen. Die dünnen und die nicht ganz so dünnen. Das macht Lust auf Sommer und mehr Bewegung.

Hundebiss – nicht so selten

Bis zum 18. Geburtstag wird jedes zweite Kind von einem Hund gebissen. Also kein seltenes Problem. Meistens sind es Kleinkinder, die sich gegenüber einem Hund nicht eindeutig verhalten und bei ihm eine unangemessene Reaktion auslösen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie hat kürzlich nochmals darauf hingewiesen, dass Kinder zu über 90% von Hunden aus dem nahen sozialen Umfeld (also im eigenen Haushalt oder vom Hund des nachbarn) gebissen werden. Das ist auch die Erfahrung in unserer Praxis. Bei inzwischen über 5 Millionen Hunden in Deutschland ein eher zunehmendes Problem.

Was ist wichtig?

1. Bisse von Hunden sollten immer dem Arzt vorgestellt werden. Oberflächlich harmlos aussehende Verletzungen können in der Tiefe ausgedehnte Quetschungen verursacht haben, die sich durch den bakteriell belasteten Speichel des Hundes infizieren können.

2. Der Arzt muss auch sehr selten Wundinfektionen wie Tetanus, Gasbrand oder eine Blutvergiftung in die Überlegungen einbeziehen. Oftmals ist die Gabe eine geeigneten Antibiotikums sinnvoll.

3. Vorbeugend ist es wichtig, dass Kinder nie mit Hunden alleine gelassen werden. Das gilt auch gegenüber kleinen Hunden, die durchaus bedeutsame Verletzungen setzen könnten.

Was geht rum? 20. Juli 2013

Windpocken

Die Infekte gingen in dieser Woche weiter wie zuvor. Im Vordergrund standen die Infektionen mit Coxsackie-Viren (Herpangina, Hand-Fuß-Mund-Krankheit). Weniger häufig sahen wir Racheninfekte mit Mittelohrentzündung.

Es bleibt im Moment bei 4 gesicherten Erkrankungen an Keuchhusten, Neuerkrankungen sahen wir nicht. Da der Keuchhusten aber schleichend beginnt ist weiterhin Vorsicht geboten, besonders für Säuglinge. Viele Patienten haben in der letzten Woche den Impfschutz überprüfen und korrigieren lassen. Das ist sinnvoll.

Masern sind in Pfullendorf bis heute kein Problem. Aber auch hier ist es wichtig, dass der Impfschutz stimmt. Bitte überprüfen ob 2 x gegen MMR (Masern, Mumps, Windpocken)geimpft wurde.

Der seit Monaten erste Fall von Windpocken in Pfullendorf trat letzte Woche auf. Die Ansteckung erfolgte durch ein auswärtiges Kind. Ein Verbreitung der Windpocken ist möglich.

Ab sofort ist Dr. Wolff in Urlaub. “Was-geht-rum” wird damit eine Pause für einige Wochen einlegen. Neue Beiträge im praxisblättle werden aber weiterhin zu finden sein, nur beziehen sie sich nicht auf aktuelle Erkrankungen in der Praxis.

Ich wünsche allen schöne Ferien!

Die Ferien kommen auch für die Praxis

Mit dem Sommer gehen auch wir in der Praxis in die Ferien. Aber immer nur einzelne Mitarbeiter, so dass die Versorgung “eingleisig” weiter läuft.

Ab dem 22. Juli wird Dr. Wolff in Urlaub sein und Dr. Niethammer ist für alle Patienten mit akuten Problemen da. Patienten, die auf Dauerezepte angewiesen sind (Logotherapie, Behandlung von CF oder anderen chronischen Erkrankungen) werden gebeten, sich die erforderlichen Rezepte bei “ihrem Kinderarzt” schon vor dessen Urlaub zu besorgen.

Gleiches gilt für Dr. Niethammer, der ab dem 15. August in Urlaub gehen wird.

In den Ferien werden einzelne Reparaturarbeiten sowie weitere Umstellungen an der Computeranlage durchgeführt. Diese werden den Praxisbetrieb jedoch nur am Rande beeinträchtigen.

Ab Mitte September wird die Praxis wieder im Vollbetrieb arbeiten.

Bis dahin wünschen wir Ihnen und Ihren Kindern erholsame Ferien, ob zuhause oder auf einer Reise in die Ferne.

Vitamin D – Zufuhr bei Säuglingen

Für alle Säuglinge in Deutschland wird empfohlen, 500 IE Vitamin D (Vigantoletten® 500) täglich zuzuführen. Ansonsten besteht das Risiko für eine Rachitis, die mit schweren Veränderungen der Knochen bis hin zu schwersten Krampfanfällen verbunden sein kann.

Eine neue Studie von Wall CR und Mitautoren aus Neuseeland hat nun 94 reife, gesunde und voll gestillte Säuglinge ohne Vitamin-D-Gabe untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass der Vitamin-Spiegel im Sommer  bei 55 – 100 nnmol/l (Mittelwert 75), im Winter hingegen bei 14 – 31 nnmol/l (Mittelwert 21) lag.

Neuseeland ist nicht Oberschwaben. Und dennoch unterstreicht die Studie eindrücklich, wie deutlich der Vitamin-D-Siegel gerade im Winter abfällt, wenn keine Zufuhr von außen erfolgt.

 

Was geht rum? 14. Juli 2013

Der Sommer ist da und die Winterinfekte noch nicht weg. Weiterhin erkranken einige Kinder an Racheninfekten mit Mittelohrentzündung.

Sehr häufig sind inzwischen die Erkrankungen mit Enteroviren. Sie kommen bevorzugt im Sommer vor. Dazu zählen neben der Herpangina auch die Hand-Fuß-Mundkrankheit. Typisch ist in der Regel eher leichteres Fieber (um 38.5 Grad Celsius); bei den momentanen Infekten starten Kinder am ersten Tag aber durchaus auch mit Fieber bis 40 Grad. Der zweite Tag sieht dann aber immer besser aus. Diese Infektionen sind immer mit Halsschmerzen verbunden. Milcheis (Vanille, Schokolade) ist für alle Kinder angenehm. Auf die Gabe von Ibuprofen (Nurofen, Dolormin) oder Paracetamol (ben-u-ron) sollte tagsüber verzichtet werden, zur Nacht sind diese Arzneien oft eine gute Unterstützung.

Windpocken (Varizellen) sollen in einem Kindergarten im Westen von Pfullendorf aufgetreten sein, in unserer Praxis haben wir noch keine gesehen. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht für diese meldepflichtige Erkrankung. Einen optimalen Impfschutz bieten 2 Impfungen.

Gibt es bald keine rothaarigen Menschen mehr?

Zugegeben,keine dramatisch wichtige Frage. Aber ist es nicht faszinierend, wie unterschiedlich Menschen sind? Neben der Größe unterscheiden uns äußerlich auch das Gangbild, die Länge der Nase, die Augengröße, die Hautfarbe und vieles andere. Und eben auch die Haarfarbe. Wenn man die Gene betrachtet, sind wir uns alle wiederum sehr ähnlich.

So erstaunt es auch nicht, dass so ein charakteristisches Haar wie das rote nur durch eine kleine Änderung des Gen MCR 1 auf dem Chromosom 16 bedingt ist. Und diese Variation kommt in der Weltbevölkerung bei etwa 2% der Menschen vor. Nur bei den Schotten, da sind es 13 Prozent. Ein ähnlich verändertes Gen wurde nunmehr auch beim Neandertaler von vor 50.000 Jahren nachgewiesen und wir dürfen annehmen, dass es sich über die nächsten Jahrtausende erhalten dürfte.

Wie schön, dass eine so minimale Variation im Genapparat so eine frappante Änderung im Aussehen hervorbringt. So sind wir nach außen so unterschiedlich obwohl wir uns innerlich (Gene) so ähnlich sind.

 

 

 

 

 

Zahnpflege – wichtiger als gedacht

In der Zeitschrift brandeins wurde kürzlich berichtet, dass die Zahl der Menschen, die ein Handy besitzen geschätzt 4 Milliarden sind. Aber nur 3,5 Milliarden Menschen besitzen eine Zahnbürste. Unglaublich.

Alle Kinder in Deutschland erfahren schon früh, warum Zähneputzen so wichtig ist. Karius und Baktus gehen auf einen norwegischen Film aus dem Jahre 1954 zurück und jedes Kind hat davon gehört. Daneben kommen seit Jahrzehnten Zahnärzte in den Kindergarten, um Kinder für das Thema zu gewinnen. Und trotzdem haben nach neuen Untersuchungen nur die Hälfte der 6- bis 7-Jährigen in Deutschland ein naturgesundes Milchgebiss.

Was können Eltern unternehmen?

1. Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns sollten die Zähne regelmässig nach der KAI-Methode geputzt werden; Kaufläche – Außen - Innen. Zahnärzte empfehlen sehr wenig fluoridhaltige Kinderzahnpasta (Fluorid max. 500 ppm) abends vor dem Schlafengehen

2. Das Gebiss braucht Ruhephasen. Dem Kind sollten nur in Ausnahmefällen Lutscher/ Brezel/ Apfel angeboten werden. Sinnvoll sind bei Kleinkindern eher 5 strukturierte Mahlzeiten

3. Die nächtliche Milchflasche sollte möglichst früh verlassen werden. Viele Kinder trinken schon nach dem ersten Geburtstag lieber aus einer Tasse.

4. Karies wird durch Mutans-Streptokokken unterhalten. Diese Bakterien werden von betroffenen Erwachsenen auf die Kinder übertragen. Deswegen sind sowohl Küsse auf den Mund des Kindes wie auch das Ablecken von Löffeln/ Schnuller sehr problematisch.

Folgen von Karies?

Karies hat nicht nur Folgen für die unmittelbare Zahngesundheit sondern auch für den übrigen Körper. Karies stellt ein wichtiges Risiko für das Auftreten von Schlaganfall, Diabetes mellitus, aber auch Rheuma dar. Wer heute auf die Vorbeugung von Karies achtet leistet einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit seiner Kinder im Alter.

Was geht rum? 05. Juli 2013

In der zu Ende gehenden Woche standen Infektionen mit Enteroviren, wie z.B. die sog. Herpangina, im Vordergrund. Diese Infektionen verlaufen in der Regel milde und dauern meist 5 Tage. Wenn ein Kind oder Jugendlicher danach noch müde oder schlapp sein sollte ist eine ärztliche Untersuchung wichtig.

Der Keuchhusten hat inzwischen 4 Jugendliche aus dem Raum Pfullendorf erreicht. Es erstaunt, dass davon auch zwei sicher und gut geimpfte Personen betroffen sind. Es gibt keuchhustenähnliche Erkrankungen (“Parapertussis”), die schwächer, aber ansonsten dem Keuchhusten sehr ähnlich verlaufen. Der relativ heftige Verlauf bei gut geimpften Kindern wäre sonst kaum erklärbar.

Auch die Gräserpollenallergie ist noch ein Thema. Und wird es vermutlich ab morgen bei schönem Wetter weiterhin sein.

Ich hoffe, dass alle die kommenden Sommertage bei guter Gesundheit genießen können und wünsche ein schönes Wochenende.