Archiv für den Monat: November 2013

Was geht rum? 30. November 2013

Die letzte Woche brachte einen spürbaren Anstieg der Infektionskrankheiten.

Erwartungsgemäß haben sich die Racheninfekte weiter verbreitet, die noch immer häufig mit einer Mittelohrentzündung einhergehen. Dabei sind Kleinkinder besonders betroffen. Häufig bestehen erheblich Schmerzen. Bitte kontrollieren sie, ob zuhause Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen) vorhanden sind.

Fieberkrampf

Gleich zu Beginn dieses Beitrags sollte der Titel korrigiert werden. Was man früher “Fieberkrampf” nannte, sollte besser Gelegenheitskrampf genannt werden. Dabei ist Fieber eine der Gelegenheiten, die zu solchen Kämpfen führt; aber eben nicht die einzige.

Gelegenheitskrämpfe betreffen 2 – 5% aller Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren. Sie sind also häufig. Sie stellen keine Epilepsie dar und sind meistens im weiteren Verlauf sehr gutartig. Die Dauer der Krämpfe ist meist unter 3- 5 Minuten, was für Eltern, die ihr krampfendes Kind sehen extrem lang wirken kann. Bei betroffenen Kindern liegt das Risiko eines erneuten Anfalls bei etwa 10%

Beim ersten Gelegenheitsanfall muss sofort ein Kinderarzt aufgesucht werden. Dieser muss entscheiden, ob es sich um einen einfach Gelegenheitsanfall handelt oder ob der Anfall als Hinweis auf eine tiefgreifende Störung zu werten ist (z.B. Beginn einer Hirnhautentzündung). Dies gilt ganz besonders für Kinder, die jünger als 18 Monate alt sind.

Was können Eltern machen? Im Anfall muss sichergestellt werden, dass das Kind nicht weiter fallen kann. Es ist also sinnvoll, das Kind auf einer Decke am Boden zu stabilisieren und wenn möglich es in die stabile Seitenlage zu bringen, um Aspiration (Aufnahme von Erbrochenem) zu verhindern. Daneben ist es sinnvoll beruhigend auf das Kind einzuwirken. Medikamente haben während der ersten Minuten keine Eile, da der Krampf in aller Regel innerhalb 3 bis 5 Minuten sich selbst beendet. Da ein Arztbesuch (bzw. in der Nacht Notarzt) dann bereits organisiert ist wird der (Not-) Arzt alles weitere unternehmen, um den Krampfanfall dann zu beenden.

 

Dr. Wolff am Donnerstag und Freitag nicht in der Praxis

Am Donnerstag und Freitag (28 – 29. Nov. 2013) bleibt die Praxis von Dr. Wolff geschlossen.

Für akute Probleme hat Dr. Niethammer die Vertretung zu den üblichen Zeiten übernommen. Bitte beachten Sie, dass die Praxis am Donnerstag Nachmittag geschlossen ist.

Alle, die noch eine Langfristverordnung (Ergotherapie, Logotherapie u.a.) benötigen bitte wir, diese entweder heute oder ab Montag nächster Woche in der Praxis zu ordern bzw. abzuholen.

Fremdkörper in der Nase – “mothers kiss”

In der Praxis werden uns hin und wieder Kinder mit einem Fremdkörper in der Nase vorgestellt. Oft sind es bunte Perlen oder Bonbons, die die Kinder beim Entdecken ihres Körpers auch schon mal in die Nase stecken.

Es gibt eine Methode, die Eltern zuhause gefahrlos anwenden können, um den Fremdkörper zu entfernen. Sie nennt sich “mothers kiss“: Ein Elternteil platziert den Mund – wie beim tiefen Mundkuss – auf dem Mund des Kindes und hält gleichzeitig die Nase auf der Seite ohne den Fremdkörper zu. Dann pustet der Vater oder die Mutter einmal kräftig in den Mund des Kindes. Hierdurch gelingt es häufig den Fremdkörper ohne Manipulation an der Nase wieder heraus zu befördern. Die Methode ist also effizient und auch gefahrlos.

In einer Übersichtsarbeit von Cook S et al wurde kürzlich über diese Methode berichtet, die gefahrlos anzuwenden sei und in 91 von 152 Fällen erfolgreich war (Canadian Association Medical Journal 2012; 184; E904-12).

Was geht rum? 23. November 2013

Langsam zieht die Zahl der Infekte an. In der letzten Woche waren es weiterhin Racheninfekte mit Mittelohrentzündung die auftraten.

Daneben gab es vereinzelte Erkrankungen an Mundfäule (Stomatitis aphthosa). Hierbei handelt es sich um eine Infektion mit Herpesviren. Meist tritt sie bei Erstkontakt mit diesen Viren auf, also häufig dann, wenn die Kinder flügge werden, in die Kindertagesstätte kommen oder erstmals auf andere Weise vielen neuen Menschen begegnen.

In der letzten Woche haben wir viele Patienten gegen Grippe (Influenza) geimpft. Nach den bisherigen Rückmeldungen wurde die Impfung gut vertragen.

Immer wieder kommt die Frage “Kann ich bei diesem neblig-kalten Wetter auch mit Säuglingen ins Freie gehen”? Ja, das ist möglich und sinnvoll. Auch wenn der Wechsel von der warm-trockenen Luft im Haus in die feucht-kalte Atmosphäre draußen uns wie ein Schock anmutet, so ist diese Luft angenehm für die Atemwege auch von Säuglingen. Genießen Sie zusammen mit Ihren Kindern die speziellen Reize des Novembers.

Asthmaschulung am Wochenende

Am kommenden Wochenende findet in Pfullendorf eine Asthmaschulung für Schulkinder (ca. 8 bis 12 Jahre) statt. Diese wird von kids-congress organisiert.

Im Team um den Asthma- und Neurodermitistrainer Dr. Peter Th. Wolff sind neben der Asthmatrainerin Michaela Müller aus unserer Praxis auch eine Psychologin und eine Physiotherapeutin.

Das Angebot der Asthmaschulung steht allen Asthmatikern im Schulalter offen. Die Teilnahme ist für Patienten der Krankenkassen in aller Regel kostenfrei (im Rahmen des sog. DMP Asthma). Sollten sie Interesse haben wenden Sie sich gerne an Michaela Müller über 07552 93 000.

Die Schulung geht am Freitag um 16:00 bis 19:00 Uhr und am Samstag von 09:00 bis etwa 16:00 Uhr.

Erstickunsunfall

Heute morgen steht im Südkurier eine Meldung, wonach eine Frau an einem Fleischstück in einer Gaststätte in Krauchenwies erstickte. Zuvor hatte sie einen Gast gebeten, ihr auf den Rücken zu klopfen.

Ersticken ist für Kleinkinder ein Problem. Darauf weisen wir besonders bei der Vorsorge U6 immer hin. Die meisten Erstickungsunfälle bei Kindern gehen auf Nüsse (besonders Erdnüsse) zurück. Diese sollten deswegen als Ganzes bis zum Alter von 5 Jahren gemieden werden. Denn auch bei grösseren Kindern besteht das Problem, weil sie beim Nebenbei-Essen von Nüssen meist viel reden, wodurch sich das Risiko erheblich steigert.

Rückenklopfen im Sitzen oder Stehen? Niemals. Weder bei Kindern noch bei Erwachsenen. Auch wenn dies als schicklich und freundlich gilt. Damit wird der Fremdkörper nur weiter in das Bronchialsystem verfrachtet und bleibt dabei gerne auf der Stelle sitzen, wo rechter und linker Hauptbronchus abgehen (Bifurkation). Bei Kindern bleibt immer die Möglichkeit, sie an den Füßen zu fassen und hochzuheben. In dieser Position, wenn dann der Kopf unten ist, kann man teilweise erfolgreich sein mit Klopfen zwischen die Schulterblätter. In jedem Fall sofort den Notarzt rufen. Ausgebildete Rettungssanitäter kennen auch weitere Möglichkeiten effektiv und schnell zu helfen.

 

 

Was geht rum? 16. November 2013

Weiterhin treten wenig Infekte auf, auch das kalt nasse Wetter hat daran nichts geändert.

Wie schon den letzten 10 Tagen stehen Racheninfekte im Vordergrund, oft begleitet von Mittelohrentzündungen.

In der kalten Jahreszeit trinken Menschen gerne mal einen heißen Tee. Bitte denken Sie daran, dass sich Kinder eine Verbrühung zuziehen können, wenn sie die Teetasse vom Tisch ziehen oder versehentlich daran stoßen.

Vergiftung mit Vomacur© / Vomex A©

©©In der medizinischen Literatur sind in der letzten Zeit Artikel erschienen, die darauf hinweisen, das einige frei verkäufliche Medikament teilweise zu tödlichen Vergiftungen führen können. Dies gilt insbesondere für die Präparate Vomacur© und Vomex A©. Sie sind für jedermann frei in der Apotheke ohne Rezept (sog. “OTC-Medikamente”) erhältlich.

Während gegenüber rezeptpflichtigen Medikamenten (Antibiotika, Cortison u.a.) oft Ängste vorhanden sind, werden apothekenpflichtige Medikamente teilweise ohne Bedenken eingenommen. Bei den o.g. Arzneien handelt es sich um Substanzen, die den Brechreiz senken, dabei aber auch weitere Wirkungen an Herz und Gehirn haben können. Dies muss immer bedacht werden und wir sind froh, dass die Apotheker der Region gerade bei Kleinkindern immer erst zur Untersuchung beim Kinderarzt raten, bevor solche Substanzen angewendet werden.

Für Deutschland sind 2 Todesfälle beschrieben, wobei beim letzten Fall bereits 2 Zäpfchen am gleichen Morgen gegeben diese fatale Folge hatte.

Fazit

1. apothekenpflichtige Medikamente, die man ohne Rezept kaufen kann, sind nicht unbedingt unbedenklich und sollten nur sorgsam eingesetzt werden nach Hinweis des Apothekers bzw. des Beipackzettels

2. Manche Packungen enthalten 5, teilweise 10 oder gar 20 Zäpfchen/ Tabletten. Die Anzahl soll nicht dazu verführen, die Dosis ggf. kurzfristig zu steigern ohne sich beim Arzt oder Apotheker darüber zu informieren, ob das sinnvoll bzw. unbedenklich ist

3. Erbrechen hat viele Ursachen. Vomacur© und Vomex A© sind keine Abschaltknöpfe. Spätestens, wenn nach einmaliger Gabe keine klare Besserung auftritt sollte der Arzt aufgesucht werden.

Bezahlter Sonderurlaub bei Krankheit des Kindes

Wenn ein Kind krank wird, können Eltern in den meisten Fällen das Kind zu Hause betreuen ohne auf Urlaubstage zurückgreifen zu müssen. Für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Regelungen recht klar, wobei in Arbeits- und Tarifverträgen Sonderregelungen festgeschrieben sein können. Das gilt es vorab für Eltern zu prüfen.

Für alle Eltern gilt in jedem Fall der Paragraph 616 des BGB, nachdem  jedem Arbeitnehmer bis zu 5 Tage Sonderurlaub zustehen. Diese Bestimmung greift auch bei Krankheit von Kindern unter 12 Jahren. Im Einzelfall kann der Arbeitgeber diese Regelung jedoch auch streichen. Dann bleibt das Recht auf Freistellung – aber eben unbezahlt.

Für die meisten Eltern, deren Kinder gesetzlich versichert sind (also z.B. bei der AOK) gilt, dass sie pro Elternteil und Kind bis zu 10 Tage im Jahr bei Krankheit des Kindes  zuhause bleiben können. Für Alleinerziehende sind es jeweils 20 Tage. Bei mehreren Kindern steigt die Anzahl der Tage zu Betreuung eines kranken Kindes bis auf 25 Tage pro Elternteil, für Alleinerziehende bis 50 Tage.

Wenn der Arbeitgeber für die Krankheitsdauer nicht zahlen sollte, hilft meistens die Krankenkasse. Meist sind es 70% des Bruttogehalts, aber nicht mehr als 90% des Nettogehalts. Dazu müssen die Eltern eine vom Kinderarzt ausgestellte Bescheinigung vorlegen.

Bei Privatversicherten ist die Sachlage schwieriger. Diese zahlt meist nicht, auch dann nicht wenn ein Elternteil gesetzlich versichert ist bei privat versichertem Kind.

In jedem Fall ist es günstig sich schon vorab beim Arbeitgeber zu erkundigen, wie die Regelung bei Krankheit des Kindes aussehen. Eltern sollten dann darauf achten, dass jeder max. 10 Tage bei einem Kind zuhause bleibt. Bei längerer Krankheit müssen die Eltern sich in der Betreuung des Kindes im Regelfall abwechseln.