Archiv für den Monat: März 2014

Energy-Drinks – doch ein grösseres Problem?

Sie kommen bei jungen Menschen stark in Mode: die Energy-Drinks. Irgendwie haben viele Erwachsene das Gefühl, das kann nicht ganz richtig sein, solche Getränke zu sich zu nehmen. Fest steht, dass diese Getränke drei Mal so viel Koffein enthalten als Kaffee oder Coca Cola.

Nun hat eine Studie um den Bonner Forscher Jonas Dörner aufwändige Untersuchungen bei 18 gesunden Erwachsenen durchgeführt. Dabei untersuchten sie mit einer speziellen Computertomographie (CSPAMM) die Bewegungen des Herzmuskels an einigen markierten Punkten. Hierdurch sind Aussagen über die Beweglichkeit des Herzmuskels möglich. Sie fanden heraus, dass auch eine Stunde nach Konsum des Energy Drinks (mit 400 mg/100 ml Taurin und 32 mg/100 ml Koffein) noch eine Zunahme der Kontraktilität des Herzmuskels feststellbar war.

Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass zumindest kurzfristig durch die hohe Koffeindosis ein negativer Effekt auf die Herzfunktion ausgeübt wird. “Und wir wissen, dass Koffein in hohen Dosen erhöhten Herzschlag, erhöhten Blutdruck und sogar plötzlichen Herzstillstand verursachen kann.”

Nach Ergebnissen der amerikanischen Behörden (Substance Abuse and mental Health Services Administration) hat sich der Konsum dieser Getränke in den USA von 2007 bis 2011 nahezu verdoppelt. Die meisten Konsumenten sind 18 bis 25 Jahre alt.

Ein kurzer Hinweis an Jugendliche ist sicher sinnvoll, um auf die Risiken eines solchen frei käuflich und zugänglichen Getränks hinzuweisen.

Was geht rum? 29. März 2014

Wir steuern mit schnellen Schritten auf die Pollensaison zu. An diesem Wochenende wird es wieder warm, aber mit einen Birkenpollenflug ist in Pfullendorf noch nicht zu rechnen. Dennoch sollten sich alle Betroffenen mit Medikamenten eindecken. Eine Behandlung kurz vor Beginn des Pollenfluges ist allemal wirksamer als hinter Gesundheitsproblemen her zu rennen.

Die Atemwegsinfekte der letzten Woche waren deutlich weniger problematisch als in den Wochen zuvor. Meist einfache Racheninfekte, aber auch zwei schwere Asthmaanfällen (bei Jugendlichen).

Kinderkrankheiten (Windpocken, Scharlach, Keuchhusten u.a.) spielen im Moment keine Rolle.

Hingegen nehmen Erkrankungen an Ringelröteln (siehe unter Hautauschläge 2 im praxisblättle vom 27. Januar 2014) wieder zu. Diese verursachen in dem Moment einen Ausschlag, wenn sie nicht mehr ansteckend sind. Wirklich problematisch sind die Ringelröteln nur für Schwangere, die selbst diese Erkrankung noch nicht durchgemacht haben.

Kindermatratzen (Kurzfassung Stiftung WarenTEST)

In der neuen Ausgabe des test-Heftes, das seit Monatsanfang im Wartezimmer bei uns ausliegt, findet sich ein Test über Kindermatratzen.Ein wichtiges Thema, verbringen Kinder doch mehr als die Hälfte des Tages im Bett.

Im Folgenden sind einige der Matratzen aufgeführt, die gut abgeschnitten haben. Die ersten vier haben die Größe 70 x 140 cm:

Waschbär Kindermatratze Kokos Latex     GUT   2,0  Latexoberseite, sehr dünn         Preis 159,– €

Prolana Baby-und Kindermatratze             GUT   2,1  Gute Liegeneigenschaft, dünn  Preis 165,– €

Julius Zöllner, Dr. L Air Premium                GUT   2,3  Kaltschaum, 12,5 cm dick          Preis 170,– €

Breckle LaPur Kindermatratze                    GUT  2,4  Kaltschaum, mässig haltbar       Preis 149,– €

IKEA Vyssa Skönt                                       GUT 2,5   Größe 70×160 cm, Kaltschaum  Preis 69,– €

Alle Matratzen liegen im ähnlichen Preissegment außer der von IKEA. Diese hat andere Abmessungen (passt also nicht in jedes Kinderbett) und ist für Säuglinge nicht geeignet.

Für genauere Informationen können Sie das testheft ab April gerne für einige Tage ausleihen. Bitte sagen Sie unseren Mitarbeiterinnen dann Bescheid.

Gebärmutterhalskrebs-Impfung (HPV)

Seit nunmehr 7 Jahren gibt es die HPV-Impfung. Sie schützt vor Infektion mit einigen HVP-Virustypen. Diese Infektionen führen einerseits zum Gebärmutterhalskrebs, zu unansehnlichen Warzen im Genitalbereich (von Frau und Mann), aber auch zum Peniskrebs (der glücklicherweise recht selten ist).

In Australien werden konsequenterweise jugendliche Frauen und Männer geimpft. Die Impfrate liegt ebenso wie in Großbritannien und Portugal mit über 80% hoch. Dadurch ist es gelungen, dass beispielsweise die Genitalwarzen in Australien bei jungen Menschen weitgehend verschwunden sind. Bei uns in Deutschland wird die sehr teure Impfung nur Mädchen zwischen dem zwölften und 17. Lebensjahr von allen Kassen kostenlos angeboten. Und dennoch sind Mädchen des Jahrgangs 1995 – die im vergangenen Jahr volljährig wurden – nur zu 22% geimpft.

Das ist nicht nur unverständlich, sondern auch schlimm. Ein so genialer Schutz – übrigens in Freiburg und Heidelberg erforscht – wird nur von jeder 5. Frau angenommen. Wir von unserer Praxis können allen jungen Frauen die Impfung nur empfehlen. Wenn Sie Fragen haben, kommen Sie vorbei. Danach können Sie weiter frei entscheiden.

Aber, liebe Jugendliche, lasst Euch diese Chance nicht ohne eigene Meinungsbildung nehmen!

Was geht rum? 22. März 2014

Der Frühling ist mit aller Schönheit und macht gekommen. Und er hat viele Pollen mitgebracht. Die nächsten Tage werden wieder feucht und kühler. Aber danach dürfte der Birkenpollenflug kräftig einsetzen. Also, Allergiker sollten bereits jetzt überprüfen, ob sie dagegen gewappnet sind.

Auch die Zecken sind bei diesen Temperaturen wieder sehr aktiv. Nachdem sie einen recht milden Winter gut überstanden haben, dürfte die Zahl der durch Zecken vermittelten Infektionen in diesem Jahr sehr hoch ausfallen. Bitte überprüfen Sie den Impfschutz gegen FSME und melden sich ggf. um diesen nochmals aufzufrischen. Und denken Sie bei unklaren Ausschlägen daran, dass es sich um den Ausbruch einer Borreliose handeln könnte. Bei unklaren lokalen Ausschlägen den Arzt aufsuchen ist sinnvoll.

Die gemeldeten Windpocken sind bislang Einzelfälle geblieben. Weitere Kinderkrankheiten traten in der letzten Woche nicht auf.

Die Zahl der Infekte ging insgesamt weiter zurück. Vorwiegend sind Racheninfekte (teils mit Mittelohrentzündung), daneben auch vereinzelte Magen-Darm-Infektionen.

Hautausschläge 7: Urtikaria (Nesselsucht)

Die Urtikaria ist ein Ausschlag wie ihn jeder kennt, der schon einmal in die Brennesseln gefallen ist: meist ist er fleckig aufgebaut und betrifft nur bestimmte Körperareale. Dabei können die Flecken eine unterschiedliche Größe von wenigen Millimetern bis über 20 cm Durchmesser haben. Im Zentrum der einzelnen Effloreszenz (also jedes Fleckchens) besteht eine scharf begrenzte, unregelmäßig runde Erhebung von eher blassem Charakter (die eigentliche “Urtica”). Daran schliesst sich eine Rötung im Randbereich an, die selbst auch wieder scharf begrenzt ist zur umgebenden gesunden Haut. Hauptkennzeichen der Urtikaria ist der Juckreiz oder Schmerz – bedingt durch Reizung von Nervenfasern. Dieser Juckreiz kann zum Teil sehr heftig sein und Kinder wie Erwachsene extrem beeinträchtigen. Leider wird die Nesselsucht oft mit Allergie gleichgesetzt, obwohl dahinter eine Vielzahl verschiedener Ursachen stecken kann.

Bei Kindern ist die weitaus häufigste Ursache für eine Urtikaria ein Infekt (meist der Atemwege): Infekturtikaria. Im Verlauf des Infektes, manchmal aber auch einige Tage danach kommt es zur Nesselsucht, die an verschiedenen Körperstellen aufschießt und innert 2-3 Stunden aber auch wieder verschwindet. Typisch ist also das Auf-Und-Ab der Urtikaria, die häufig nur wenige Tage anhält. Diese Form der Urtikaria ist ungefährlich und geht von alleine wieder weg. In der Regel ist nach Diagnosestellung keine weitere Therapie erforderlich.

Viel seltener ist eine Urtikaria durch eine Allergie bedingt. Meist sind dann Nahrungsmittel verantwortlich, die direkt nach Kontakt zum Problem führen wie beispielsweise die Tomate. Andere Nahrungsmittel wie die Milch können aber auch erst nach einigen Stunden bis Tagen zur Urtikaria führen. Dann ist die Diagnose schon viel schwieriger und kann nur von einem allergologisch versierten Arzt gestellt werden.

Weitere seltenere Ursachen betreffen Schilddrüsenerkrankungen sowie physikalische Formen der Urtikaria: Urtikaria durch Kälte. Dabei führt der Kontakt zu Kälte (Eiswürfel, kalte Luft im Winter, kalter Wind u.ä.) zur Nesselsucht an den betroffenen Hautstellen. Oder die cholinerge Urtikaria: Hier löst Wärme (heiße Dusche u.ä) oder auch psychische Erregung die Nesselsucht aus. Druckurtikaria: Druck auf die Haut führt zu Urtikaria an den gedrückten Stellen. Danaben gibt es sehr verscheidene Formen von Urtikaria, die durch Licht ausgelöst werden wie beispielsweise die polymorphe Lichteruption (die unter dem Begriff Sonnenallergie bekannt ist, aber mit einer Allergie nichts zu tun hat – eine Allergie gegen Sonne gibt es nicht).

Oftmals bleibt die Ursache einer Urtikaria gänzlich unklar. Dies betraf noch 1990 über 50% der Krankheitsfälle, heute ist Aufklärungsquote bei etwa 70% angelangt. Besondere Probleme bereitet bei Diagnose und Therapie die chronische Urtikaria, bei der diese Beschwerden chronisch über Wochen, Monate und Jahre bestehen. Zum Glück ist diese Form der Nesselsucht bei Kindern eine Seltenheit.

Fahrradunfälle

Fahrradunfälle werden jetzt, nachdem es warm wird, wieder häufig sein. Sie sind nicht ganz zu vermeiden, aber ihre Gefährlichkeit wird umso geringer, je besser das Kind mit dem Fahrrad umgehen kann. Leider ist es so, daß selbst Kinder Fahrradfahren als einen Reifeschritt erleben wie den ersten Schultag: ”Ich kann Fahrrad fahren !”. Es wäre jedoch günstiger gegenüber dem Kind die Bedeutung des Fahrrades herabzuspielen. Warum?

Um sicher mit dem Fahrrad umgehen zu können bedarf es vieler Fähigkeiten:

1. eine ausreichende Beherrschung der Körperkoordination
2. eine gute visuelle und auditive Wahrnehmung und Selbsteinschätzung
3. geringe Gefahren durch Dritte (also Trainingsgelände weitab von Fahrzeugen, die nicht mit einem Fahrrad rechnen; z.B. ausreichend großer und gesicherter Hof)

Wie kann man vorgehen?

“Erst Roller, dann Rad”. Für die Körperbeherrschung ist das Rollerfahren ideal. Der Roller ist nicht gar so schnell und das Kind kann bei Gefahr schnell herunterspringen. Häufig bleiben Kinder lange beim Roller, wenn man sie nicht zum Fahrrad drängt; denn der Roller gibt ihnen eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit sich im alltäglichen Umfeld schnell zu bewegen.

“Anschaffung des Fahrrades so spät wie möglich”. Warten Sie ab, bis Ihr Kind aktiv sich ein Fahrrad wünscht bevor Sie eines kaufen. Das Fahrrad sollte verkehrsicher sein. Ein GS-Zeichen bzw. den DIN-Aufkleber 79.100 sollte dies ausweisen. Von Anfang an keine Stützräder anbringen (nicht wie das Kind auf neben stehendem Bild!). Wer noch Stützräder braucht bleibt beim Roller. Gerade die ersten Fahrräder kann man von Freunden und Bekannten in guter Qualität auch gebraucht bekommen. Mit diesem Fahrrad müssen Kinder die Gehwege bis zum 8. Lebensjahr benützen, bis zum 10. Lebensjahr dürfen sie es noch. Keine Gangschaltung beim ersten Fahrrad.

“Nie ohne Helm” Der Schutzhelm (EN 1078) verringert die Gefahr einer Kopfverletzung um 85%, einer Hirnverletzung gar um 88%. Er sollte nicht schwerer als 300 Gramm sein und bei jedem Fahrradfahren getragen werden. Eltern gehen mit gutem Beispiel voran !

“Absteigen nach rechts”. Dieses Manöver sollte geübt werden, damit es im Notfall auch sicher umgesetzt werden kann. Es ermöglicht das schnelle Wechseln auf den Gehweg rechts und lässt das Fahrrad als Knautschzone zum PKW zurück.

Was geht rum? 15. März 2014

Die letzte Woche wurde durch Atemwegsinfekte bestimmt. Dabei stehen einfache Racheninfekte im Vordergrund.

Auch die seit Wochen grassierende Bindehautentzündung hat neu an Fahrt aufgenommen. Hier ist ein gewisser Schutz durch Handhygiene (am besten Desinfektionsmittel) möglich.

Seit vielen Monaten sin wieder einmal Windpocken auftreten.Für geimpfte Kinder ist das Risiko zu erkranken im Moment als extrem gering anzusehen. Am Tag eines möglichen Kontaktes selbst ist eine Impfung noch möglich, die weitgehend vor dem Ausbruch von Windpocken schützt.

Dr. Wolff ist bis Anfang der kommenden Woche in Urlaub. In der Praxis vertritt mich Frau Dr. Helga Wagner, die Sie bereits gut kennen. Ab Donnerstag ist Dr. Wolff wieder in der Praxis erreichbar.

Küchenpessimisten

Essen ist seit Jahren ein Dauerthema: Mal isst ein Kind zu wenig, mal ein Erwachsener zuviel. Und ja, unser Essen ist ziemlich vergiftet…… Da tut ein Artikel gut, der die Geschichte beleuchtet und so manches wieder ins Licht rückt. Er stammt von Sebastian Herrmann aus der Süddeutschen Zeitung vom 6. März 2014 (Auszug).

Schlaraffenland ist verloren. Doch wann genau lebten die Menschen im Utopia der Lebensmittel und nahmen nur das Beste für sich und ihren Körper zu sich? Die Antwort hängt von den Vorlieben des Suchenden ab. Handelt es sich etwa um einen Anhänger der Paläo-Diät, aßen nur die Völker der Steinzeit im Einklang mit sich selbst. Singt dagegen ein Anhänger der regionalen Küche das Lied vom Untergang der Lebensmittel, wähnt er das Schlaraffenland nur wenige Generationen entfernt und zeichnet ein Bild, in dem Bauern in Harmonie mit ihrer Scholle Lebensmittel produzierten, die frei von Pestiziden und prall von Aromen waren…….

Noch nie haben Menschen in einem solchen Nahrungsüberfluss wie heute gelebt; noch nie standen so vielen Konsumenten so sichere, schmackhafte und gesunde Lebensmittel zur Verfügung wie in einem durchschnittlichen Supermarkt. “Aber das wollen die Leute nicht hören”, sagt der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universität Regensburg, der zur Geschichte der Esskultur forscht…..

“Wir nehmen als Gesellschaft bei Lebensmitteln eine Qualitätskrise wahr”, sagt Hirschfelder, “die aber ist in Wahrheit eine Vertrauenskrise.” Die Zutaten dieser Krise setzen sich zu einem Gericht zusammen, das nach einer verdorbenen Gegenwart schmeckt, in der Landwirtschaft und Lebensmittelkonzerne gegen die Natur und die Gesundheit des Menschen arbeiten und nichts als giftige Cocktails servieren. Als Gegenentwurf dienen eine Verklärung der Vergangenheit und die Überhöhung von Natürlichkeit, die dort angeblich einst zu finden war….

Und die Tatsache, dass die Welt westliche Ernährungsgewohnheiten übernimmt, könnte die Anzahl stark übergewichtiger Menschen steigern und die Prävalenz sogenannter Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden erhöhen, argumentieren die Agrarwissenschaftler. In der Tat, das könnte sein, diese Gefahren sind real.

Die guten Nachrichten jedoch gehen dahinter fast unter. Khoury erwähnt auch, dass immer mehr Menschen steigende Mengen von Kalorien, Proteinen und Fetten zur Verfügung haben. In den Industriestaaten essen die Menschen pro Kopf und Tag laut der Welternährungsorganisation FAO heute etwa3400 Kilokalorien (kcal). Sogar in den ärmsten Staaten sind es etwas mehr als 2100 kcal – den täglichen Mindestbedarf gibt die FAO mit 1800 kcal an. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich noch immer Leid. Doch der Hunger geht weltweit zurück, die Teller von immer mehr Menschen füllen sich. Aktuell leidet etwa jeder siebte Mensch unter Nahrungsmangel, vor gut 20Jahren war es noch jeder fünfte.

“In Europa werden wir als Gesellschaft auch erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts satt”, sagt Gunther Hirschfelder. Hunger kennen die meisten deshalb höchstens aus Geschichten der Großeltern aus der Zeit nach dem Krieg. Mangel herrscht nun, wenn der frische Koriander oder die Kräutersaitlinge am späten Samstagnachmittag im Supermarkt aus sind. “Wir verfügen heute über zu viele Lebensmittel, ärgern uns darüber und verklären die Vergangenheit”, sagt Hirschfelder. “Dabei sind alle Küchen der Vergangenheit den heutigen unterlegen.”

Die Landbevölkerung ernährte sich in Europa einst vor allem von Getreidebrei, von kaum gewürzten Grützen. Klar, Gemüse und Obst waren regional und saisonal. Aber nur, weil diese Lebensmittel lediglich am Ort der Ernte gegessen werden konnten. Die Menschen litten unter ständigen Lagerproblemen, Frisches war die Ausnahme. Stattdessen aßen sie selbst verdorbene Speisen, weil Nahrungsmittel keine Frage von Genuss oder Gesundheit waren, sondern eine von Leben oder Tod.

Lebensmittelsicherheit? Ja, synthetische Pestizide musste niemand fürchten. Dafür starben Tausende Menschen an Mykotoxinen, dem Gift von Schimmelpilzen. Das Mutterkorn auf Getreide etwa löste das berüchtigte Antoniusfeuer aus, eine oft tödliche Vergiftung.

Die Qualität des Wassers war miserabel, überall lauerten Keime. Fleisch oder Fisch waren oft verdorben, weil es so etwas wie eine geschlossene Kühlkette nicht gab. Lebensmittel ließen sich leicht mit minderwertigen Zusätzen verpanschen oder verdorbene Ware als frisch verkaufen. Gegen die Situation vor einigen 100 Jahren herrschen heute paradiesische Zustände extremer Sicherheit…..

Die einen ernennen Weizen zum puren Gift, die anderen Zucker; und rund um Milch tobt ein ebenso erstaunlicher wie erbitterter Kulturkampf. Und alle argumentieren sie auf die gleiche Weise: Diese Lebensmittel entsprächen nicht den natürlichen Bedürfnissen des Menschen, seien künstlich hergestellt und machten krank. So klingen die Ängste satter Menschen.

Kogressnachrichten: Allergiekongress in San Diego

Das Treffen der amerikanischen Allergologen in San Diego (Californien) brachte wieder spannende Informationen auf verschiedenen Gebieten des Faches.

Keuchhusten

“Der Keuchhusten ist zurück”. Das was die zentrale Botschaft von Prof. John Kelso. Zwölf Todesfälle von Kindern durch diese Kinderkrankheit haben aufgeschreckt. Man will versuchen, über konsequente Impfung bei Erwachsenen (Diphterie-Tetanus-Keuchhusten) das Problem wieder in den Griff zu bekommen.

Immuntherapie wenig gefährlich

Dr. LInda Cox, die Präsidentin der AAAAI, berichtete, dass die Nebenwirkungen im Rahmen der spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) deutlich weniger seltener seien als früher. Unter 23 Millionen Spritzen zwischen 2008 und 2012 sei eine schwere Nebenwirkung aufgetreten.

Vitamin D: noch viele Fragen offen

Während viele Menschen schon heute von den segensreichen Wirkungen von Vitamin D schwärmen, bleibt das meiste noch unklar. Eine Studie, gefördert von der zentralen Gesundheitsbehörde der USA soll nun bei 881 Schwangeren prüfen, ob sich der Vitamin D-Gehalt auf die Asthmahäufigkeit von Kindern im Alter von 3 Jahren auswirkt. Alle Experten waren sich einig, dass es – außer bei medizinisch bedingten Mangelzuständen und im Säuglingsalter – keine Begründung für die zusätzliche Gabe von Vitamin D gebe.

Anmerkung

Ab morgen bin ich im Urlaub. Es vertritt mich Frau Dr. Wagner, die Sie alle bereits gut kennen.