Archiv für den Monat: April 2014

Jeder jugendliche Patient ist auch Schüler

Der nachfolgende Artikel beleuchtet die Situation vieler Schüler kritisch. Er ist von Dr. Uwe Büsching verfasst im KINDER- UND JUGENDARZT, der Zeitschrift des Verbandes der deutschen Kinder- und Jugendärzte (April 2014).

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Steffens ist überzeugt, dass persönliche, individuelle Zuwendung im Gesundheitssystem unterfinanziert ist. „Spitzenmedizin alleine macht die Menschen nicht gesund“, sagt sie. Das Gesundheitswesen sei in vielen Bereichen nicht an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet.
Die deutschen Jugendärzte sind überzeugt, dass schulische Bildung unterfinanziert ist und deshalb krank macht. Schulische Spitzenleistungen allein machen junge Menschen nicht zufrieden. Das Schulsystem ist in vielen Bereichen nicht an den Bedürfnissen der Lehrer und Lehrerinnen oder gar der Schüler und Schülerinnen ausgerichtet.
Die Kritik der Jugendärzte ist nicht neu und ist mancherorts auch angekommen – Schulversuche allerorten. Aber, das geschieht nicht überzeugend oder gar koordiniert.
Peter J. Brenner (2006) in „Schule, ein Zwischenzeugnis“: „Seit den sechziger Jahren ist das deutsche Schulwesen einer unablässigen Flut von Reformen ausgesetzt. Erfolgreich waren sie offensichtlich nicht. Bereits vor den PISA-Studien ist deshalb die deutsche Schule erneut in Bewegung geraten, in eine Bewegung allerdings, die kein Ziel mehr hat. … 2005 wirbt allein das bayrische Kultusministerium damit, dass von seinen rund 400 Gymnasien 160 an Schulversuchen beteiligt seien. Einen Überblick über die in Deutschland durchgeführten Schulversuche hat niemand mehr (Anm.: auch weil es 16 Kultusministerien in Deutschland gibt); allein ihre bloße aktuelle Zahl zu ermitteln wäre ein eigenes, kaum zu finanzierendes Forschungsprojekt. Seit den siebziger Jahren dürften in Deutschland eher zehntausende als tausende von Schulversuchen durchgeführt worden sein…Was sich dem nüchternen Betrachter als komplettes Chaos darstellt, wird aus der Innenperspektive der Schulpolitik als Innovationsfähigkeit des Schulwesens gedeutet.“

Neben den Schulversuchen gab es auch noch 16-mal die Entscheidungen zu G8 und G9.
Bei der Lektüre der umfangreichen Diskussion hatte man schnell den Eindruck, hier musste ein Konzept durchgeboxt werden! Oder fehlte es nur an Räumen, an ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern oder am Geld, das eine Jahr Bildung finanzieren zu müssen? Die Position der deutschen Kinder- und Jugendärzte ist identisch mit der des Bayrischen Elternverbandes: „Die Frage, ob die gymnasiale Ausbildung acht oder neun oder auch nur sechs Jahre dauert, ist unwichtig. Vorrangig ist eine sinnvolle inhaltliche Ausgestaltung der gymnasialen Schulzeit.“

Nach all den Vorwürfen, G8 würde die Lebensqualität der Schülerinnen und Schüler deutlich einschränken, kam eine Umfrage zur elterlichen Einschätzung von G8 und G9 zu dem Schluss: „Es ist festzuhalten, dass zum Ende der Jahrgangsstufe 5 (fast) keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen dem acht- und neunjährigen Bildungsgang vorliegen.“ Welche Ergebnisse diese Befragung wohl ergeben würde, wenn man Jugendliche und deren Eltern statt nach dem ersten Orientierungsjahr nach der 9. Klasse befragt hätte?
Aber in unseren Praxen sehen wir immer häufiger junge Menschen mit körperlichen und oder psychischen Beschwerden (wie Essstörungen, Ängsten, Suchtverhalten). In der ambulanten Medizin fehlt nicht nur das Geld für die „sprechende Medizin“, es fehlt auch Geld für ambulante Forschung. Ein „Mehr“ an Zuweisungen in die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist bei stark begrenzten Ressourcen   kein tauglicher Messwert zur Beurteilung der psychischen Folgen durch G8. Das dadurch bedingte Fehlen höherer Krankheitszahlen wird aber sicher bald dafür herhalten müssen, dass G8 gar nicht so schlimm war! So bleiben Dunkelziffern tatsächlich im Dunkeln.

Wieder wird von dem Thema, dass eine sinnvolle inhaltliche Ausgestaltung der Schulzeit vorrangig ist, abgelenkt werden. Darüber hinaus verhindern qualifizierte Untersuchungen falsche bildungspolitische Entscheidungen nicht. In einem Buch der Bertelsmann Stiftung (2012): „Warum sparen in der Bildung teuer ist“, wird dies sehr detailliert aufgeführt. Denn unter fehlender Bildung leiden nicht nur die betroffenen jungen Menschen, auch die Gesellschaft trägt schwer an den Konsequenzen und Folgekosten unzureichender Bildung. Die Veröffentlichung der Bertelsmann Stiftung beweist, dass fehlende Bildung erhebliche Auswirkungen auf das Wachstumspotenzial unserer Volkswirtschaft, auf die öffentlichen Haushalte sowie auf das Ausmaß kriminellen Verhaltens hat. Auch Zusammenhängen zwischen Bildung und gesundheitsbewusstem Handeln sowie freiwilligem Engagement wird nachgegangen. Detailliert werden Kosten beziffert, die langfristig aufgrund fehlender Bildungschancen auf die Gesellschaft in Deutschland zukommen.

„Es gibt nur eins was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“ Diese Worte von John F. Kennedy treffen es auf den Punkt!

Was geht rum? 26. April 2014

Auch in der zweiten Ferienwoche traten noch erstaunlich viele Infekte auf. Das Spektrum entsprach dem der Vorwoche.

Bei warmem Wetter Häufung von Streptokokkeninfektionen (siehe nebenstehendes Bild von den Mandeln) in der Altersgruppe der 4 – 14-Jährigen. Daneben auch auch unspezifische Racheninfekte (Pharyngitis) teilweise mit Mittelohrentzündung besonders bei den Vorschülern.

Mitte der Woche nochmals Magen-Darm-Grippe-Erkrankungen. Ausreichende und frühe Flüssigkeitszufuhr ist wichtig. Am geeignetsten sind Elektrolytlösungen (Oralpädon® u.a.), alternativ auch gesüßte Getränke. Reines Wasser – sonst ideal wegen Karies – ist bei Magen-Darm-Erkrankungen nicht zu empfehlen.

Keine Kinderkrankheiten, die Windpocken scheinen versandet zu sein. Zwei Kinder mit vor Wochen abgelaufenen Windpocken stellten sich (aus anderem Grund) vor.

 

Masern in Deutschland

Masern sein eine der gefährlichsten Kinderkrankheiten. Neben einer höhen Tödlichkeit sind die Masern auch mit häufigen Komplikationen (Lunge, Hören u.a.) verbunden.

Die Impfung gegen Masern ist gut wirksam und verhindert im Falle von 2 regulär verabreichten Impfungen zu über 99% die Erkrankung. So kommt es, dass in unserer Praxis die Masern glücklicherweise zu einer echten Rarität geworden sind. Das war vor 20 Jahren noch anders.

Ein Problem sind inzwischen die Masernausbrüche bei Erwachsenen. Im Jahre 2013 traten laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) 1775 Fälle auf, von den die meisten in Bayern und Berlin bekannt wurden. Unter diesen waren 39% der Personen älter als 20 Jahre. Die überwiegende Mehrheit (85%) war nie gegen Masern geimpft worden. Im nebenstehenden Bild ist die Impfquote der jeweiligen Landkreise dargestellt: je heller gefärbt umso geringer ist die Quote der zweiten Masernimpfung (die den Schutz auf >99% anhebt).

Wie bereits beim Keuchhusten, so sind auch bei den Masern – und bei den Röteln! – die Erwachsenen ein wesentlicher Risikofaktor für die wenigen Kinder, bei denen die Impfung nicht erfolgreich verläuft. Dies sollte auch für Eltern Anlaß sein, ihren Impfschutz gegen diese Erkrankungen zu überprüfen. Im Moment wird eine zweite MMR-Impfung bei den Jahrgängen ab 1970 von den Kassen erstattet. Immerhin. Aber auch die Jahrgänge von 1970 kommen als Überträger in Frage und es bleibt zu hoffen, dass die Politik hier bald einlenkt.

Nitrat im Wasser – ein Risiko für Säuglinge?

Säuglinge sind durch Umweltstoffe mehr gefährdet als ältere Kinder oder gar Erwachsene. Deswegen gibt es einige staatliche Auflagen um sie beispielsweise bei der Ernährung vor Risiken zu schützen.

Ein bedeutsames Risiko sind die Nitrate. Diese Verbindung, auch Chilesalpeter (in Chile gibt es riesige Vorkommen, die bis zur künstlichen Herstellung die wesentliche Quelle waren) genannt, dient als Sauerstoffspender und wird seit über 150 Jahren zur Düngung bzw. zur Herstellung von Sprengstoff verwendet.

In Regionen mit hoher Tierhaltung gibt es viel “Wirtschaftsdünger”, der in Form von Gülle mit hohem Anteil von Nitrat zu besserem Wachstum der Pflanzen beiträgt. Da der Nitratgehalt in aller Regel sehr hoch ist, finden sich in landwirtschaftlichen Regionen häufig hohe Belastungen des Trinkwassers, die für Säuglinge problematisch sind. Deswegen besteht ein Grenzwert für Trinkwasser der bei 50 mg/L liegt.

Höhere Belastungen können bei Säuglingen zu einer inneren Erstickung (Methämogloninämie) führen. Diese tritt durch Nitrit ein, das unter dem Einfluß von Bakterien im Darm aus Nitrat entsteht. Nitrit seinerseits oxidiert das Hämoglobin zu Methämoglobin, so dass der Säugling in eine Situation kommen kann, dass nicht ausreichend Hämoglobin zum Sauerstofftransport zur Verfügung steht.

In Pfullendorf und Umgebung wird der Grenzwert glücklicherweise nicht erreicht, er liegt zwischen 20 und 25 mg/L in Pfullendorf und den umliegenden Gemeinden. Das Wasser ist also für Kinder ab einem Jahr sicher unbedenklich und hochwertig. Im Säuglingsalter empfiehlt es sich dennoch, auf “für Säuglinge geeignetes Wasser” zurückzugreifen, was in den Lebensmittelmärkten in großer Auswahl zu finden ist.

Sorgen bereitet deutschlandweit, dass nun die Biogasanlagen zu einem weiteren Ansteigen der Nitratkonzentrationen führen wird. Deren Gärreste sind eine zusätzliche Belastung, die aber erst in 5-30 Jahren im Grundwasser ankommen werden.

Was geht rum? 18. April 2014

Schulferien. Ausschlafen für die Schulkinder, für manche Urlaub. In jedem Fall: weniger Möglichkeiten sich anzustecken. Aber es kommt in dieser Woche ganz anders: viele Kinder und Jugendliche sind krank, mehr als in der Woche zuvor.

Sehr oft sind Streptokokkeninfektion (z.B. Scharlach) zu beobachten, teils mit Fieber, teil auch ohne.

Noch immer treten Lungenentzündungen im Rahmen von  Infektionen mit sog. Mykoplasmen auf. Diese beginnen meist über 1-3 Tage schleichend, um dann zu heftiger Erkrankung mit Husten, Fieber, leichter Atemnot und öfter auch bedeutsamem Sauerstoffmangel zu führen. Mehrere Kinder – auch ältere Schulkinder – mussten bereits stationär behandelt werden.

Auch Magen-Darm-Erkrankungen nahmen wieder an Häufigkeit zu und betrafen in der Regel Kleinkinder .

Ganz im Vordergrund aber Racheninfekte mit Mittelohrentzündungen in allen Altersklassen bis zur Pubertät.

Was bei der kühlen Witterung weitgehend ausblieb: die allergischen Erkrankungen.

Wir wünschen allen, dass die Krankheiten schnell schwinden und Sie mit Ihren Kindern ein frohes Osterfest feiern können.

Reisemedizin: Chikungunya- Fieber in der Dominikanischen Republik

Viele haben ihren Urlaub bereits geplant, und inzwischen steht auch die Destination der Dominikanischen Republik ziemlich weit oben in der Beliebtheit bei deutschen Reisenden. Für alle Urlaub in die karibische Region – und ganz besonders die Dominikanische Republik – ist zu beachten, dass sich dort das Chikungunya- Fieber zunehmend ausbreitet und bereits über 1000 Menschen daran erkrankt sind.

Obwohl Malaria mit geschätzten 200 Millionen Fällen pro Jahr noch eine der häufigsten Infektionskrankheiten in den Tropen ist, konnte sie und ihre Überträgerin, die Anopheles-Mücke, in den vergangenen Jahren deutlich zurückgedrängt werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind die Fallzahlen weltweit seit dem Jahr 2000 um etwa 29 Prozent gesunken.

Eine andere Mückenart hingegen breitet sich weltweit immer weiter aus: Die ägyptische und asiatische Tigermücke (die vereinzelt bereits in der oberrheinischen Tiefebene gesichtet wurde! – siehe Bild rechts). Sie überträgt sowohl das Dengue- als auch Chikungunya- Fieber. „Diese Mücken sind sogenannte ‚Kulturfolger‘ – sie siedeln in städtischen Gebieten und können problemlos in verschmutztem Wasser brüten, etwa in Abwasserkanälen, auf Müllhalden oder in Slums“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Mit der Ausdehnung der Städte und Slums, vor allem in Schwellenländern, gewinnt auch die Tigermücke zunehmend an Lebensraum.“ (zit. nach CRM newsletter)

Chikungunya ist eine Virusinfektion, die sich mit massiven Knochenschmerzen äussert, die über Wochen anhalten können. Erst seit Dezember 2013 ist sie auch in Amerika anzutreffen, zuvor nur in Asien und Afrika. Vor Jahren war 1/3 der Bevölkerung der französischen Insel La Reunion im Indischen Ozean davon betroffen.

Was ist zu machen?

Eine Impfung gibt es nicht, ebenso wenig Medikamente. Die einzige Hilfe ist konsequenter Schutz vor Mücken mit DEET (z.B. Anti-Brumm®)

Alkohol in der Pubertät

Manchmal hört man Erwachsene, die mit stolzem Unterton einen Jugendlichen dran erinnern: “…. und das erste Bier hast Du von mir spendiert bekommen”. Ist das ein Grund stolz zu sein? Sicher nicht.

Alkohol ist die verbreitetste und gesellschaftlich akzeptierte Droge in den westlichen Ländern. Frau Dr. Miriam Schneider, Leiterin der Nachwuchsforschergruppe “Developmental Neuropsychopharmacology” am Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim stellt fest, dass die Pubertät eine besonders sensible Phase für das Gehirn sei, in der sich erhebliche Umbauprozesse abspielten. Eine Droge wie Alkohol könne diese empfindlich stören. Dabei sei das Alter weniger bedeutsam als die Entwicklungsphase, in der sich der junge Mensch befände. Die Pubertät tritt bei Mädchen im Durchschnitt zwei Jahre von den Jungen ein. Daneben gibt es aber auch innerhalb der Geschlechter große Unterschiede.

Mit einer Forschergruppe fand sie heraus, dass der frühe Konsum von Alkohol mit einem erhöhten Risiko für Suchtverhalten verbunden ist. Mit der Kampagne “Alkohol? Kenn dein Limit” wird beispielsweise auch versucht, den Erstkontakt von Alkohol ins höhere Alter zu verschieben. Und tatsächlich, zwischen 2004 und 2011 konnte belegt werden, dass Jugendliche statt mit 14.1 Jahren nunmehr erst mit 14.5 Jahren durchschnittlich ihren ersten Kontakt mit Alkohol haben, wie Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen. Die nebenstehende Grafik zeigt für Jungen (blau) und Mädchen (rot) von 12-17 Jahren, wie viel Prozent regelmässig Alkohol trinken für die Jahre 2004, 2005, 2007 und 2008 (von oben nach unten). Auch hier ergibt sich ein erfreulich günstiger Trend.

Alkohol kann ein Problem für Jugendliche sein. Als Erwachsene sollten wir ihnen helfen, einen vernünftigen Umgang mit dieser Droge zu finden. Das bedeutet zunächst, dass wir sie niemals zum Trinken von Alkohol verführen sollten. Und dass wir sensibel reagieren, wenn sie dennoch damit begonnen haben sollten.

Auf der Seite der BZgA (www.bzga.de) sind weitere Informationen zu diesem Thema zu finden.

Was geht rum? 12. April 2014

Der Frühling zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die Blühte der Birke ist aber noch nicht soweit, dass sie den Allergikern massiv zur Last fallen würde. Da Birkenpollen (siehe nebenstehendes Bild) aber fast 1000 km weit fliegen können kommen sie auch schon in unserer Region an. Bislang sind nur wenige von Symptomen betroffen.

Bei den Infekten fallen die Mykoplasmenerkrankungen auf. Diese zeigen ein sehr unterschiedliches Spektrum, in der Regel sind Kinder jedoch schwer krank mit oft hohem Fieber und einer Lungenentzüdung.

In der Region Krauchenwies sind Erkrankungen mit Pfeiffer’schem Drüsenfieber (Mononukleose) aufgetreten. Dies ist in vielen Fällen eine schwere Viruserkrankung mit Fieber über 5 Tage, deutlicher Schwellung der Lymphknoten und manchmal auch Ausschlägen. Eine ärztliche Untersuchung sollte in jedem Fall erfolgen.

Penicillin-”Allergie” ….. ?

Etwa 10% aller Patienten geben an, eine Penicillin-”Allergie” zu haben. Fast nie ist diese Diagnose durch Untersuchungen untermauert, meist wird sie Patienten so nebenbei mitgeteilt, wenn eine Ausschlag unter einer Therapie mit Antibiotika auftritt.

Eric Macy und Kollegen haben nun in der neuesten Ausgabe des Journal of Allergy and Clinical Immunolgy (JACI) mitgeteilt, welche Folgen das hat. Kommt ein solcher Patient in die Klinik, so wird sich jeder Arzt scheuen, ihm bei einer schweren Infektion Penicillin zu geben. Deswegen werden andere, deutlich stärkere Antibiotika (wie z.B. Vancomycin) eingesetzt. Das wiederum hat zur Folge, dass sich vermehrt Resistenzen ausbilden und es deutlich öfter zu den schwerwiegenden Infektionen mit Clostridium dificile oder multiresistenten Staphylokokken (MRSA) kommt.

Bei den 51582 untersuchten Patienten mit der Diagnose einer Penicillin-”Allergie” war der Krankenhausaufenthalt im Schnitt um 0.59 Tage länger. Alleine dadurch entstehen in den USA Mehrkosten für diese meist falsche Diagnose in Höhe von 64,5 Millionen $.

Es zeigt sich also, dass besonders für den Patienten selbst wichtig ist zu wissen, ob er nun einen vorübergehenden Ausschlag im Rahmen einer Infektion hat oder eine echte Allergie, was deutlich seltener aber sehr wichtig zu wissen ist. Daneben sind mit der falschen Annahme einer Allergie neben hohen – unnötigen! – Kosten auch erheblich gesundheitliche Folgen verbunden.

In unsere Praxis bieten wir allen Kindern schon immer an, bei Verdacht auf Medikamentenallergie, diese nach einem Sicherheitsintervall abzuklären. Das ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, bedeutet aber offensichtlich – wie diese Studie belegt – einen Nutzen in den späteren Jahren.

Hautausschläge 7: polymorphe Lichteruption – “Sonnenallergie”

Jetzt ist die Zeit für die Sonnenallergie. Sonnenallergie? Nein, gegen Sonne kann man definitiv nicht allergisch reagieren, die Sonne vermag aber zur Entstehung und Verstärkung gewisser Ausschläge beizutragen.

Wir Mediziner nennen die sog. “Sonnenallergie” eine polymorphe Lichteruption. Dieser Name besagt, dass es sich um einen Ausschlag handelt, der unter Sonneneinwirkung auftritt und sich in vielfältiger Weise zeigen kann. Mit diesem Begriff werden also verschiedene Ausschläge beschrieben, die durch die erste stärkere Sonnenbelastung im Jahr auftreten (meist in den Monaten März und April). Neben den hautempfindlichen Menschen kommen diese Ausschläge auch bei Menschen vor, die später eine gute Hautbräunung erzielen können.

Der Ausschlag selbst kann eine einfache Rötung sein, aber auch Anteile von kleinsten Bläschen sowie eine Urticaria (siehe unter Hautausschläge 6) aufweisen.

Jedermann kann bis zu einem gewissen Maße vorbeugen durch “Beschattung”:

• Meiden von Mittagssonne (am stärksten)
• Lichtschutz durch Kleidung und Kopfbedeckung
• UV-undurchlässige Kleidung

Sonnenschutz mit Cremes ist zum einen nicht nötig, zum anderen meist nicht hilfreich.

Die sog. Sonnenallergie tritt meist über viele Jahre immer dann auch, wenn die wintergeplagte Haut plötzlich wieder die Sonne sehen darf. Bei Unklarheiten oder Beschwerden wie Juckreiz ist es sinnvoll, den Arzt aufzusuchen