Archiv für den Monat: Mai 2014

Was geht rum? 31. Mai 2014

Der Sommer lässt weiter auf sich warten. Allergien haben somit kaum eine Chance und waren in der vergangenen Woche nur ein Randproblem.

Vielfältige Hautprobleme wurden vorgestellt. Darunter viele Kinder mit Neurodermitis, deren Haut sich langsam verschlechtert hatte mit zunehmender Rötung und Juckreiz (siehe Bild rechts) . Hier ist es wichtig, auf eine baldige Besserung der Haut zu achten bevor die warme Jahreszeit anbricht. Dann ist zu erwarten, dass durch die Wärme einerseits der Juckreiz zunimmt aber auch das Risiko für Entzündungen. Krätze (Skabie) traten bei zwei Kindern auf. Diese Erkrankung wird besonders durch engem Kontakt weitergegeben. Die Umgebung dieser Kinder ist informiert.

Die kleine Keuchhustenwelle hingegen schein abzuflauen. Neue Fälle traten nicht mehr auf.

Praxis am Freitag

Heute am Freitag, dem 30. Mai 2014, arbeitet die Praxis eingleisig. Dr. Niethammer und einige Mitarbeiterinnen haben frei, ebenso auch Kinderarztpraxen in der Umgebung.

Wir sind deswegen vornehmlich für Akuterkrankungen da und müssen einige bürokratische Dinge (Bescheinigungen, Langfristrezepte) vermutlich hinten anstellen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

Unsere Praxis erreichen Sie wie immer freitags durchgehend von 07:30 bis 14:30 Uhr, in dringenden Notfällen auch danach.

Säuglingsernährung und Übergewicht

Die Ernährung im Säuglingsalter ist ein Dauerbrenner in der Kinderheilkunde. Muttermilch ist und bleibt die beste Nahrung, was aber keinen wirklich verwundern dürfte. Ein Wundermittel ist die Muttermilch aber auch nicht. Auch in der Stillperiode können schwere Infektionen auftreten und Allergien werden nicht verhindert.

In Bezug auf die spätere Gewichtsentwicklung und insbesondere das Übergewicht hat die Muttermilch einen günstigen Effekt. In verschiedenen Studien ist belegt worden, dass das Risiko für einer Adipositas als Erwachsene bei gestillten Kindern um 15 – 22% niedriger liegt.

“Die ersten 1000 Tagen des menschlichen Lebens – von der Entwicklung im Mutterleib bis zum Alter von etwa zwei Jahren – bestimmen das Programm für das Wohlbefinden im späteren Leben und für die langfristige Gesundheit im Erwachsenenalter“, so Prof. Dr. Berthold Koletzko, Es scheint, dass hier insbesondere die Art und menge der Eiweiße eine Rolle spielen. In einer neuen Studie der Arbeitsgruppe um Prof. Koletzko aus München konnte nachgewiesen werden, dass das Risiko für Übergewicht bei hohem Eiweisgehalt in der Säuglingsnahrung um das 2.9 – fache erhöht ist (Weber et al, Am J Clin Nutr, 2014)

Fazit für die Praxis

1. Wenn immer möglich sollten Säuglinge gesteillt werden.

2. Wegen des hohen Eiweißgehaltes sollte im ersten Lebensjahr keine Kuhmilch gegeben werden.

3. Wenn nicht oder nicht vollständig gestillt wird, sollte eine Nahrung mit niedrigem Eiweißgehalt gegeben werden. Aus diesem Grunde ist eine Selbstherstellung der Nahrung aus Kuhmilch nicht sinnvoll. Auch Milch anderer Tiere (Stute, Schaf u.a.) bzw. aus Soja oder Mandeln ist keine günstige Alternative.

 

Was ist günstig um Asthma zu vermeiden?

Im Jahre 1990 startete die deutsche Multicenter Allergy Study (MAS) in fünf deutschen Städten mit 1314 Kindern. Diese wurden ab Geburt hinsichtlich Allergien und der Entwicklung von Asthma untersucht, unter anderem auch bei Prof. Dr. J. Forster in Freiburg (JACI, April 2014, Grabenhenrich LB et al.)

Nunmehr liegen Daten vor, die sich auf die Entwicklung von Asthma bis zum 20. Geburtstag der Probanden beziehen. Dabei zeigte sich, dass interessanterweise das Auftreten von Asthma bei den geimpften Kindern um ca. 30% seltener war als bei nicht geimpften Kindern und Jugendlichen. Ein deutliches Risiko stellte das Rauchen der Mütter in der Schwangerschaft dar; ein weiterer bedeutsamer Risikofaktor war das Asthma der Eltern. Keinen Einfluß hingegen hatten eine Diät der Mutter in der Schwangerschaft, Stillen oder die Tierhaltung.

Nach diesen Daten scheint es günstig zu sein, wenn in der Schwangerschaft nicht geraucht wird, frühe Impfungen erfolgen und Kinder im Alter von 1 1/2 bis 3 Jahren in den Kindergarten kommen.

Was geht rum? 24. Mai 2014

Der Sommer macht weiterhin nur tagesweise seine Aufwartung und so gibt es seit einer Woche immer wieder kurz einen Gräserpollenflug zu erleben (im Bild rechts Pollenfreisetzung aus Baumblüten). Die Heuschnupfenzeit ist aber sicher noch nicht auf dem Höhepunkt angekommen. Nochmals der Rat an alle Allergiker: Bei Einnahme von Antihistaminika sollten diese konsequent täglich auch bei Regenwetter eingenommen werden. Damit wird die Wirkung an den Tagen deutlich verbessert, an denen es zur Sache geht. In aller Regel ist der stärkste Pollenflug bis Ende Juni vorbei.

Für dieses Wochenende ist wieder ein mässiger Flug von Gräser- und Roggenpollen angekündigt. Bei den verhaltenen Temperaturen ist trotz Sonnenscheins nicht mit Schlimmerem zu rechnen.

Im Zusammenhang mit dem Pollenflug wurden in der vergangenen Woche einige Kinder mit einer Gräserdermatitis vorgestellt. Dies ist ein durch Allergie gegen Gräserpollen ausgelöster Ausschlag. Wichtigste vorbeugende Maßnahme: Abends geduscht ins Bett steigen.

Die Zahl der Infekte hat wieder zugenommen. Dabei stehen die einfachen Racheninfekte (teilweise mit Mittelohrentzündung) sowie Erkrankungen den Mandeln im Vordergrund.

Impfung: Windpocken

Seit nunmehr zehn Jahren ist die Impfung gegen Windpocken eingeführt, seit 5 Jahren wird eine zweimalige Impfung gegen dies Krankheit durchgeführt. Diese erfolgt in aller Regel in der Kombination mit der Impfung gegen Masern, Mumps und Rötel (MMR) ab dem 11. Lebensmonat.

Nachdem wir in den 1990ger Jahren noch tausende Kinder mit Windpocken sahen, sind diese Erkrankungen fast verschwunden. In diesem Jahr kam es zu einem kleinen Ausbruch, der sich aber – bei guter Durchimpfung unter den Kindern – nicht weiter verbreitete.

Windpocken – siehe dazu das nebenstehende Bild – sind sehr ansteckend, daher auch der Name. Sie verbreiten sich rasant wie der Wind, ein enger Kontakt wie bei Scharlach ist nicht erforderlich. Sie sind unangenehm durch einen tagelangen starken Juckreiz, Schmerzen (gerne im Genital- und Halsbereich) und allgemeine Abgeschlagenheit. Komplikationen wie Mittelohrentzündung sind recht häufig, schwere Komplikationen wie eine Hirnhautentzündung möglich, aber doch selten.

Inzwischen wurde die Wirksamkeit der Impfung getestet durch das Robert-Koch-Institut und das Forscherteam um R. Prymula (Lancet, 2014). Dabei zeigte sich auch für Deutschland (für die USA war es bereits bekannt)., dass eine Impfung zu 65% vor Windpocken schützt (und zu 91% vor schweren Verläufen), während die zweimalige Impfung zu 95% die Windpocken verhindert und schwere Verläufe extrem selten macht (Schutz 99.5%).

Nahrungsmittelallergie – kann vorgebeugt werden?

Allergien haben in den letzten 40 Jahren deutlich an Bedeutung zugenommen. Im gleichen Maße bemüht sich die Forschung durch Vorbeugung diesen Prozess zu bremsen. Einen speziellen Stellenwert hat hierbei die Ernährung von Säuglingen in der Vorbeugung von Nahrungsmittelallergien.

Die Arbeitsgruppe “Nahrungsmittelallergie der Europäischen Akademie für Asthma, Allergie und klinische Immunologie (EAACI)” hat sich dieser Frage angenommen und 74 Studien zu dieser Frage herangezogen (Allergy, Mai 2014). Im Ergebnis kommt das Forschungsteam um D. de Silva zur Auffassung, dass trotz langjähriger Forschung noch viel zu lernen sei.

Was ist klar?

Die Ergebnisse bezüglich des Stillens sind für Kinder mit normalem und hohem Allergierisiko gemischt. Das bedeutet, einige Studien sehen im Stillen einen Vorteil, andere eher nicht. Für Allergie-Hochrisikokinder ist jedoch nach Studienlage eine Spezialnahrung zu empfehlen (partiell oder extensiv hydrolysierte Milch auf Caseinbasis) für die ersten vier Lebensmonate.

Eine Verzögerung der Beikost über den vierten Lebensmonat hinaus hat keine vorbeugenden Effekte zur Verhinderung von Allergien. Das bedeutet, dass die Ernährung ab dem fünften Lebensmonat mit fester Kost angemessen ist und auch abwechslungsreich sein darf.

Impfungen: Poliomyelitis

Kinderlähmung war vor 50 Jahren eine Krankheit, die in Deutschland noch eine große Bedeutung hatte. Viele Kinder hatten sich noch damals – wie vermutlich andere schon seit Jahrtausenden – mit dem Poliomyelitisvirus angesteckt und waren erkrankt. Mit Einführung der Polioschluckimpfung (siehe nebenstehende Graphik des Landesgesundheitsamtes Niedersachsen, aus dem die Fallzahlen für die Bundesrepublik Deutschland von 1946 – 1985 hervorgeht) verschwand die Erkrankung vor 20 Jahren bei uns fast vollständig.

Die Poliomyelitisviren befallen Nervenzellen des Rückenmarks und führen hierüber zu Lähmungen von Muskeln und Muskelgruppen. Die Krankheit wurde von einem Schwarzwälder Orthopäden, Jakob von Heine, im Jahre 1840 entdeckt. Die Lähmungen betreffen meist Kinder, weswegen die Krankheit Kinderlähmung heißt und ist oft einseitig ausgeprägt. Sie kann auch tödlich verlaufen, wenn beispielsweise die Atemmuskulatur betroffen ist. Vor 50 Jahren waren in den Schulen noch viele Kinder mit dieser Erkrankung und sogar 1989 lernte ich einen Jugendlichen kennen, der wegen dieser Erkrankung beatmet werden musste.

Die Einführung der Schluckimpfung im Jahre 1960 in der DDR und 1962 in der BRD führten zu einem rasanten Rückgang der Erkrankung um über 99%. Die letzte Wildpolio trat 1990 auf. Die Schluckimpfung wurde 1998 eingestellt, weil sie selbst in wenigen Fällen zu einer sog. “Impf-Poliomyelitis” durch Ansteckung führen konnte. Seither wird die Impfung als Spritze (intramuskulär) verabreicht und ist sicher. Poliofälle in Deutschland gibt es nicht mehr, weil auch die Durchimpfung so gut ist, dass vereinzeltes Einschleppen von Viren aus Risikoländern kein Problem darstellt. Die Durchimpfungsquote liegt in Deutschland bei 94,9% (RKI, April 2014).

Die Impfung gegen Polioviren ist weiterhin wichtig, um eine erneute Epidemie in Deutschland zu vermeiden. Die Durchimpfung hierfür ist ausreichend. Die Impfung erfolgt als Teil der “Sechsfachimpfung” ab dem 3. Lebensmonat und wird bis zum Erwachsenenalter aufgefrischt.

Was geht rum? 15. Mai 2014

Das praxisblättle “Was-geht-rum” kommt diese Woche etwas früher, weil nach dem Kurzurlaub von Dr. Niethammer nun Dr. Wolff für einige Tage im Urlaub ist. Der Urlaub dauert bis 21. Mai 2014, am 22. Mai bin ich wieder für Sie da.

Wie in den letzten beiden Wochen gibt es zunehmend Erkrankungen mit Angina, teilweise als Scharlach. Daneben aber auch Racheninfekte mit Mittelohrentzündung, was vorwiegend Kleinkinder betrifft.

Der Pollenflug von Gräserpollen (im Bild rechts: Graspolle) hat bereits begonnen. Durch noch insgesamt niedrige Temperaturen ist er jedoch als niedrig einzustufen. Das soll nach neuesten Prognosen in den nächsten Tagen anhalten.

Süßes zum Abnehmen?

Die Forschung zum Übergewicht bringt immer wieder erstaunliche Facetten ans Tageslicht, die unsere Vorstellungen verändern.

So fand eine Forschergruppe um D. Jakubowicz heraus, dass möglicherweise der Genuß eines süßen Teilchens zum Frühstück zum Abnehmen geeignet sein könnte. Sie untersuchten 193 übergewichtige Erwachsene, von denen eine Gruppe ein hoch mit Kohlehydraten und Eiweiß angereichertes Frühstück zusammen mit einer Süßigkeit erhielten. Eine zweite Gruppe bekam ein Frühstück mit wenigen Kohlenhydraten, aber ebenso vielen Kalorien. Nach 4 Monaten hatten beide Gruppen etwa gleichviel abgenommen (13,5 bzw. 15,1 kg). Danach nahmen aber die Erwachsenen in Gruppe zwei wieder um 11,6 kg zu, während die Patienten in Gruppe eins, die das süße Teilchen bekommen hatten, weitere 6,9 kg an Gewicht verloren. Anscheinend steckt hinter dem Phänomen das Hungerhormon GHRELIN, das in der letzteren Gruppe nur gering zurückging.

Fazit: Dadurch, dass Menschen sich bereits morgens ein süßes Teilchen gönnen, fällt – vermittelt durch das Hungerhormon Ghrelin – vermutlich die Gier nach Süßem weitgehend weg und es gelingt besser das Gewicht zu halten. Also Süß muss nicht immer schlecht sein!