Archiv für den Monat: August 2014

Was geht rum? 30. August 2014

Der Sommer ist nun vorbei, nicht nur für die Meteorologen. Seit Wochen praktisch kein Pollenflug mehr und die Prognosen der kommenden Tage zeigen das gleiche Bild. Natürlich werden noch Pollen fliegen, aber nur in geringstem Ausmaß. Insofern können alle Allergiker ihre Dauertherapie mit einem Antihistaminikum beenden.

Die Zahl der Infekte ist langsam ansteigen, wobei die Sommergrippe zurückgeht, die Erkrankungen mit Streptokokken (Scharlach, Angina) leicht zunehmen und die Mittelohrentzündungen sowie Bronchitis mässig zunehmen. Wir bewegen uns also auch hier in Richtung Herbst.

Die Morgennebel haben den Herbstanfang angedeutet. Damit beginnt auch die Jahreszeit der Krupp-Erkrankungen. In Familien mit diesbezüglicher Belastung sollte ein Notfallmedikament wie Rectodelt© / Infektokrupp© zuhause vorrätig sein.

Jod – wichtiger als bisher gedacht

Ältere Menschen können sich noch erinnern, dass in Deutschland vor Jahrzehnten noch viele Menschen riesige Kröpfe hatten (siehe Bild). Der Kropf wird im medizinischen Struma genannt und ist in aller Regel auf einen Mangel am Spurenelement Jod zurückzuführen.

Als der Zusammenhang zwischen Jodmangel und Struma erkannt war dauerte es lange, bis Maßnahmen ergriffen wurden. Vorreiter waren der Kanton Appenzell in der Schweiz sowie der Bundesstaat Michigan in den USA, die jodiertes Speisesalz bereits in den 1920ger Jahren einführten. In Deutschland war es erst 1993 soweit, dass jodiertes Speisesalz für den Haushalt und für Großküchen verwendet werden durfte.

Lange war das Ziel gewesen, den Kropf zu vermeiden. Das ist weitestgehend gelungen. Interessant ist aber, dass das Schilddrüsenhormon T4 – das vier Jodelemente enthält – für die Reifung von Nervenzellen von höchster Bedeutung ist. RC Gordon aus Neuseeland konnte in einer Studie aus 2009 eindrücklich belegen, dass die mangelhafte Jodaufnahme im Essen eindeutig mit Einschränkungen in der Wahrnehmung verbunden sind. Er und seine Mitarbeiter untersuchten 10-13 Jahre alte Schulkinder mit leichtem Jodmangel (in einer Größenordnung, die bei uns heute üblich ist). Die Hälfte der Kinder erhielt zusätzlich Jod, so dass eine ausreichend Zufuhr sichergestellt wurde. Diese Gruppe zeigte bei den Wahrnehmungstests nach einem halben Jahr deutlich bessere Ergebnisse.

Jod ist also nicht nur zur Verhinderung des unschönen Kropfes wichtig, sondern auch für Denkprozesse im Gehirn, was im Alltag nicht auffallen würde.

(nächste Woche folgt ein praxisblättle, das sich mit den praktischen Auswirkungen befasst)

Ebola – ein Problem für uns bei Urlaubsreisen?

Eine Erkrankung mit dem Ebola-Virus ist extrem gefährlich. Deswegen erfahren wir auch in Deutschland von diesem Problem, obwohl es uns im Moment nicht direkt betrifft.

Das Ebola-Virus ist seit 1976 bekannt. Krankheitsausbrüche waren seither fast ausschließlich in Westafrika, wobei zwischen 1976 und 1994 keine Fälle auftraten (siehe nebenstehende Graphik von Bloomberg). Dies belegt, dass auch lange ruhige Perioden uns nicht täuschen dürfen. Der jetzige Ausbruch übersteigt alle vorherigen bei weitem: Über 2000 Erkrankungen in 2014 (Stand 20.08.2014), davor waren es maximal 600 im Jahre 1976. Die Sterberate der Erkrankung liegt bei 50% bis 90%, die Überträger sind wahrscheinlich Flughunde (aber das ist noch nicht abschließend geklärt). Immer wieder war die Rede von Medikamenten, die eingesetzt werden könnten. Tatsache ist, dass der erste Behandelte nach Gabe von Zmapp© innerhalb weniger Stunden genesen sei. Beim zweiten Patienten half das Medikement langsam, der dritte Patient verstarb trotz Zmapp©-Gabe. Jetzt gibt es noch Zmapp©, das für 2 – zwei ! – weitere Menschen reicht. Das ist alles.

Was hat das alles mit uns zu tun?

1. Von einem Besuch in den betroffenen Ländern ist sicher abzuraten – aber Guinea, Liberia und Sierra Leone sind selten Urlaubsgebiete für deutsche Touristen.

2. An Ebola starben seit der Entdeckung des Virus 2686 Menschen. An Tollwut, das zu 100% tödlich ist wenn keine Therapie erfolgt, sterben jährlich 55.000 Menschen. Bei Urlaubsreisen in exotische Länder sollte also weniger die Angst vor Ebola einen umtreiben. Sinnvoller ist sich mit dem Arzt zu beraten, ob eine Tollwut-Impfung Sinn macht. Diese ist bestens wirksam.

 

Was geht rum? 23. August 2014

Wieder liegt eine herbstliche Woche hinter uns und auch die Infekte haben sich nicht geändert. Es gibt neben den typischen Sommerinfekten zum Glück keine Erkrankungen, die ein Risiko für Kinder darstellen würden.

Kinderkrankheiten wie Keuchhusten sehen wir im Moment nicht.

Für alle Urlaubsreisende hier noch einige Hinweise über spezielle Erkrankungsrisiken in fernen Ländern: in Australien hat bereits die Grippewelle eingesetzt. Aus der Dominikanischen Republik werden viele Erkrankungen an Chikungunya berichtet, einer sehr schmerzhaften Erkrankung. Für weitere Fragen wenden Sie sich gerne an uns.

Essen im Kleinkindesalter: Gemeinsame Mahlzeiten

In der täglichen Praxis nehmen Fragen zum Essen einen enormen Platz ein. Das beginnt mit dem Stillen des Säuglings und reicht bis zum Übergewicht oder auch der Bulimie des Jugendlichen. Nun liegen nach langen Diskussionen Empfehlungen an Eltern vor. Sie stammen vom Netzwerk “Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie” unter Federführung von Prof. Dr. B. Koletzko aus München. Die Empfehlungen sollen in den nächsten Wochen hier zu lesen sein. Sie sind praxisnah und auch aus meiner Sicht umsetzbar.

Kinder lernen das Essen auf ähnliche Weise wie ihre Sprache: durch Selbermachen und Nachahmen. Genau jetzt, in den ersten zwei bis drei Lebensjahren, wird die Basis für ein genussvolles und gesundes Essverhalten gelegt. Nicht immer geht alles glatt. Doch Dranbleiben lohnt sich auf jeden Fall!

 

Empfehlungen (1): gemeinsame Mahlzeiten

  • Kleinkinder sollten ihre Mahlzeiten in einem regelmäßigen Rhythmus bekommen (z. B. 3 Hauptmahlzeiten und 2 kleinere Zwischenmahlzeiten). Mahlzeiten wechseln sich mit essensfreien Zeiten ab.
  • In den Essenspausen zwischen den Mahlzeiten (z. B. für 2–3 h) sollten weder Snacks, zuckerhaltige Getränke noch Milch angeboten werden. Wasser kann und sollte das Kind zu jeder Zeit zu sich nehmen können.
  • Mahlzeiten in Gemeinschaft und mit genügend Zeit und Ruhe (ohne Ablenkung z. B. durch laufendes Fernsehgerät) sind wünschenswert. Es ist anzustreben, dass die Familie mindestens einmal am Tag gemeinsam isst.
  • Eine freundliche Atmosphäre bei den Mahlzeiten macht das Essen zu einem positiven Erlebnis.
  • Eltern sollten ihrem Kind ermöglichen, selbstständig zu essen sowie aktiv an den Mahlzeiten teilzunehmen, und es darin unterstützen.

Affektkrämpfe bei Kindern

An der Kasse im Supermarkt greift ein Kind zu einem Schokoriegel, der dazu einlädt gekauft zu werden. Aber die Mutter ist dagegen, nimmt dem Kind den Riegel weg und legt ihn ins Regal zurück. Das Kind fängt aus Frust an zu schreien,hält den Atem an, wird für kurze Zeit bewusstlos, blau im Gesicht und zuckt etwas mit den Beinen. Die Umgebung ist entsetzt, die Mutter wird vorwurfsvoll angeschaut.

Die klassische Situation eines Affektkrampfes. Ausgelöst durch eine starke Emotion – die Verweigerung eines lustvollen Erlebnisses durch den Genuss von Schokolade – hält das Kind die Luft an, wird blau. Der leichte Sauerstoffmangel im Gehirn führt zu Muskelzuckungen und dem Bewusstseinsverlust. Damit ist auch schon die Erholung eingeleitet, die Atmung setzt wieder ein und das Kind ist wieder klar, ohne einen Schaden davonzutragen.

Wie bei der echten Epilespie, so können also auch bei den Affektkrämpfen Muskelzuckungen auftreten, die jedoch harmlos sind. Eine ärztliche Untersuchung und in einigen Fällen ein EEG vermögen die Situation zu klären. Affektkrämpfe betreffen immerhin fast 4% aller Kinder unter 5 Jahren. Danach hören sie aber von selbst auf und haben keine weiterreichenden Folgen. Auch wenn sie bei den Eltern verständlicherweise großes Entsetzen auslösen, hinterlassen sie keine Schäden.

Was geht rum? 16. August 2014

Der Sommer ist zwar noch immer nicht eingetroffen und Pollen sind in Oberschwaben zur Rarität geworden. Aber “Sommerinfekte” gibt es weithin: Herpangina, Hand-Fuss-Mund-Krankheit, Streptokokkenangina und Magen-Darm-Grippe. Also insgesamt wenig bedrohliches.

Und die Allergiker kommen zumindest gut weg in diesem Sommer. Die Fahrradtour mag zwar in kühlem Wetter stattfinden, aber in den kommenden Tagen soll es eher weniger regnen. Hoffen wir das Beste!

Epilepsie bei Kindern

Knapp 1% aller Menschen leiden an einer Epilepsie. In Deutschland ist eine Epilepsie bei 3 – 6 pro 1000 Kinder aktiv. Diese Kinder müssen Medikamente einnehmen, um die Krampfbereitschaft des Körpers zu senken.

Bei Untersuchungen an großen Gruppen von Menschen mit vermuteter Epilepsie wurde gefunden, dass 20% von ihnen keine Epilepsie haben. Sie sind von den zahlreichen plötzlich auftretenden Bewegungsmustern betroffen. Bei diesen Erkrankungen kommt es ebenfalls zu Körperzuckungen, das Bewusstsein ist in der Regel jedoch erhalten und das EEG unauffällig.

Andererseits haben auch gesund Menschen mal ein auffälliges EEG mit anfallstypischen Veränderungen – ohne je an einer Epilepsie zu erkranken. Das sind bei Kindern immerhin 3-4%.

Eine Epilepsie ist also in vielen Fällen nicht so einfach festzustellen. Die gestellte Diagnose hat oft bedeutsame Folgen für das Kind und die Familie, weswegen eine sorgfältige Untersuchung wichtig ist.

Die meisten Epilepsien im Kindesalter lassen sich mit der großen Bandbreite von Medikementen sehr gut beherrschen.

Beschneidung: ein heikles Thema

Vor zwei Jahren gab es in Deutschland eine intensive Diskussion um die Beschneidung von minderjährigen Jungen. Auf der einen Seite wurde als Grund für die Beschneidung nur eine medizinische Indikationen (z.B. hochgradige Phimose – also Vorhautverengung – mit der Folge von Nierenschädigungen) gesehen und ein Eingriff darüber hinaus abgelehnt. Andere befürworteten sie auch aus religiösen Gründen als rituelle Beschneidungen.

Daten zur Häufigkeit der Beschneidung existieren aus der KIGG-Studie (2007), im Rahmen derer die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland intensiv untersucht wurde. Damals wurde festgestellt, dass 10.9% aller Buben bundesweit im Alter von 0-17 Jahren beschnitten sind. Interessant ist hierbei, dass eine medizinische Grundlage nur bei weit unter 1% der Buben besteht. Die rituelle Beschneidung wurde bei 86.500 Buben vorgenommen, während bei den übrigen 583.500 Buben für den weit überwiegenden Teil weder ein religiöser noch ein medizinischer Grund zur OP vorlag.

Die Mehrheit der Menschen in Europa ist sich einig, dass eine sog. “Beschneidung” bei Mädchen rundherum abzulehnen ist. Die Diskussion über den religiösen und medizinischen Stellenwert der Beschneidung bei Buben ist politisch leider schnell abgewürgt worden. Das ist schade. Denn dadurch werden heute weitaus mehr Buben ohne einen Hintergrund – sei es medizinisch oder rituell – beschnitten. Und das ist wahrlich ein Eingriff die persönliche Integrität.

Eltern und Ärzte stehen in einer sehr hohen Verantwortung, wenn sie die körperliche Unversehrtheit eines Kindes durchbrechen. Bei einem geplatzten Blinddarm wird sich niemand sträuben, durch eine Operation zu helfen. Bei einer Beschneidung liegt jedoch in aller Regel keine körperliche Bedrohung vor. Wenn sich ein Jugendlicher hingegen zu einem solchen Eingriff an seinem Genitale entscheidet, so wird man dies allgemein als persönliche Entscheidung akzeptieren. Ebenso, wir er sich den Bauchnabel piercen lassen kann ohne weitere Einwilligung.

Was geht rum? 09. August 2014

Glücklicherweise beherrschen weiterhin vorwiegend jahreszeitlich typische Infektionen. Zum einen die Herpangina, zum anderen die Hand-Kelso-Mund-Krankheit. Beide sind durch verwandte Erreger verursacht.

Im oberen Linzgau gibt es keine neu aufgetretenen Kinderkrankheiten.