Archiv für den Monat: September 2014

Genitalpflege bei Buben

Entwicklung von Kindern umfasst mehr als nur die Größen- oder die Sprachentwicklung. Sie findet in allen Bereich statt. So auch im Genitalbereich.

Als Phimose (phímōsis = Verengung) bezeichnet man eine Enge der männlichen Vorhaut. Diese Verengung ist bei Geburt in über 95% vorhanden und altersentsprechend normal. Zu diesem Zeitpunkt ist die Vorhaut in den meisten Fällen mit der Eichel fest verklebt und lässt sich auch passiv nicht zurückschieben.

In den ersten Lebensjahren löst sich die Vorhaut langsam von der Eichel. Dies geschieht bei einigen Jungen schneller als bei anderen. Eine engere Vorhaut wird bei Schukindern nur noch in etwa 10% gefunden. Die komplette Lösung der Vorhaut kann aber bei einigen Jugendlichen bis zum 14. Lebensjahr andauern und ist in aller Regel kein Grund für einen operativen Eingriff.

Eine echte Phimose liegt dann vor, wenn das Gewebe narbig hart ist und den Fluß des Urins einengt. Das führt in über die Zeit zu einem Rückstau mit der Folge, das die Blase muskelstärker wird. Das ist ungünstig, denn dadurch wird auch das Wasserlassen beeinträchtigt und der Urin kann sich zunehmend bis zu den Nieren hochstauen. Diese echte Phimose ist deutlich seltener  als vermutet.

Die narbige Phimose ist gelegentlich angeboren. Deutlich häufiger tritt sie aber erst später auf, ausgelöst durch vielfache Entzündungen der Vorhaut oder das manipulative Zurückziehen der Vorhaut, was mit kleinsten Verletzungen verbunden sein kann. Diese Verletzungen heilen ab und hinterlassen Narben. Diese führen zu einer narbigen Verengung der Vorhaut. Das gut gemeinte Zurückziehen der Vorhaut führt also oft dazu was eigentlich vermieden werden sollte: zur Beschneidung.

Beim Lösen der Vorhaut kann sich weißlich-krümeliges Sekret zwischen Vorhaut und Eichel zeigen. Das ist das sog. Smegma und völlig normal. Dieses Smegma besteht aus abgeschilferten Hautzellen und Talg.

Wie soll der Penis nun gepflegt werden?

Mit Behutsamkeit und Wasser. Die geschieht am besten beim Duschen oder Baden. Kleinkinder mögen ihren Penis gegen den Wasserstrahl halten. Später kann das Kind selbst die Vorhaut sanft (!) zurückziehen und man lässt wiederum Wasser über die Vorhaut bzw. Eichel fließen.

In unklaren Situationen wenden Sie sich bitte an uns. Wir untersuchen das Genitale bei jeder Vorsorgeuntersuchung, ab der Pubertät aber nur auf Wunsch des Jugendlichen.

Was geht rum? 27. September 2014

Jetzt ist der Herbst da. An den Infekten hat sich dennoch kaum etwas geändert. Die einfachen Virusinfekte kommen weiterhin eher selten vor, aber einige Kinder leiden unter schweren fieberhaften Infektionen.

Diese schweren fieberhaften Infektionen betreffen einmal das Pfeiffer’sche Drüsenfieber (auch Mononukleose genannt). Es ist die heftigste Infektion, die im Moment im oberen Linzgau eine Rolle spielt. Im Bild rechts sind die typischen Zellen zu sehen, die man im Blutbild finden kann. Eine sichere Diagnose kann in der Regel nach einem Krankheitsverlauf vor 5 Tagen gestellt werden. Eine andere Erkrankung, die auch häufiger auftritt, sind Atemwegsinfektionen mit Mykoplasmen. Diese verlaufen teilweise eher milde, teilweise auch mit hohem Fieber. Eine Diagnose lässt sich hier nur aus dem verlauf sowie Laboruntersuchungen stellen.

Kinderkrankheiten kamen und der letzten Woche nicht vor. Der Pollenflug spielt für dieses Jahr keine Rolle mehr.

Ohrreinigung: Ist das sinnvoll?

“…. aber die Ohren habe ich vergessen zu reinigen”, so berichten manche Eltern, wenn wir als Kinderärzte zur Ohrinspektion ansetzen. Aber müssen Ohren überhaupt geputzt werden?

Alle Gewebe im Körper sind aktiv, so auch die Haut im Gehörgang sowie das Trommelfell. Im Rahmen der Umbauprozesse werden – vergleichbar wie auf der Haut, die ebenfalls leicht schuppt – Zellschuppen abgesondert und in den Gehörgang abgegeben. Daneben gibt es in der Haut des äußeren Gehörgangs Drüsen, die ein wachsartiges Sekret abgeben: Cerumen. Dies ist der wesentliche Bestandteil des Ohrschmalzes. In die Masse dieses Ohrschmalzes mischen sich die Schüppchen der Haut und des Trommelfells sowie Schmutzteilchen, denen es gelungen ist in den Gehörgang zu gelangen.

Ohrschmalz ist also wichtig und Ausdruck einer normalen körpereigenen Ohrreinigung. Immer wieder fallen kleine Teilchen aus dem Gehörgang heraus. Manche, die hängenbleiben werden weggewischt. Auf diese Art regelt sich die Reinigung des Gehörgang in den meisten Fällen alleine.

Es gibt wenige Ausnahmen, bei denen dies nicht gelingt: Menschen mit einem besonderen engen Gehörgang, andere mit einer sehr starken Schmalzproduktion, Fehlbildungen oder einem Ekzem des Gehörgangs. Hier ist ärztliche Hilfe wichtig.

Soll man die Ohren reinigen?

Nein. Denn wie beschrieben, macht das der Körper selbständig. Sollte das nicht gelingen, so können wir bei der Ohrinspektion in der Praxis sehen, ob ein Problem besteht. Mit sog. “Ohrstäbchen” schiebt man immer mehr Schmalz in das Ohr hinein als man entfernt. Dabei besteht das Risiko der Verletzung des Trommelfells. Besonders bei Kindern sollte nichts ins Ohr gesteckt werden. Auch nicht solche Gerätschaften, die behaupten, dafür geeignet zu sein.

 

Strahlenbelastung beim Röntgen

Mit Röntgenuntersuchungen ist die Medizin heute bei Kindern deutlich zurückhaltender als in der Vergangenheit. Große Studie belegen den Nutzen des Röntgens in bestimmten Situationen.In anderen widerlegen sie ihn. Damit sind die Begründungen zur Nutzung eines Röntgenbildes heute klarer beschrieben sind als früher.

In den letzten Jahren hat darüber hinaus die digitale Technik die Röntgenuntersuchung enorm verbessert. So konnte die Strahlendosis deutlich verringert werden. Ein Röntgenbild der Brustorgane (“Thoraxaufnahme”), das beispielsweise beim Verdacht auf Lungenentzündung eingesetzt werden kann, verursacht heute die Strahlung von 0,02 – 0,1 mSv (mSv = Millisievert; damit wird die Strahlendosis gemessen). Dies entspricht einer Strahlenbelastung, der ein Mensch in Mitteleuropa im Flachland über eine Zeit von 3-14 Tagen durch natürliche Strahlung der Erde ausgesetzt ist.

Die Computertomographie (CT) hat hingegen die Strahlenbelastung eines Jahres: 2 mSv.

Was geht rum? 20. September 2014

In der letzten Woche bewegte sich die Infekthäufigkeit wiederum auf einem niedrigen Niveau. Im Vordergrund standen einfache Virusinfekte: meist verlaufen sie ohne Fieber, besonders unangenehm ist ein Reizhusten teilweise mit leichter Heiserkeit verbunden. Oft sind Schulkinder und Jugendliche betroffen, der Verlauf geht über viele Tage.

Kinderkrankheiten gibt es regional im Moment nicht.

Nach kurzer Pause ist das Pfeiffer’sche Drüsenfieber zurück mit einigen Neuerkrankungen in der zu Ende gehenden Woche. Typisch ist Fieber, das fast immer über 5 Tage geht, deutliches Krankheitsgefühl, auch mal Ausschläge. Eine Untersuchung ist wichtig, weil bei dieser Erkrankungen einige Besonderheiten zu beachten sind.

Karl Valentin hat schon recht: “Alle reden vom Wetter, aber keiner unternimmt was dagegen”. So sieht es seit Monaten aus. Der Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen ist davon aber nicht negativ beeinflusst worden.

Krebserkrankungen: frühe Vorsorge immer wichtiger

In unserer Praxis nimmt Vorsorge schon immer einen besonderen Platz ein. Infekte kommen und gehen. Und sie sind in aller Regel letztlich harmlos. Das muss im Einzelfall immer geklärt werden, weswegen in den Wintermonaten viele Kinder uns mit Infekten vorgestellt werden. Aber die meisten haben einen harmlosen Infekt, der nach wenigen Tagen wieder verschwindet.

Langfristig bedeutsamer sind andere Maßnahmen: Zum Beispiel die Unfallverhütung. Nein, wir können nicht alle Unfälle von unseren Kinder fernhalten. Aber wenn bekannt ist, dass Kinder auch beim Spiel in der Badewanne in einem unbeobachteten Moment bei 5 cm hohem Wasser ertrinken kann, dann lässt niemand das Kind wegen eines Telefonanrufs alleine. Und schon sind ganz seltene, aber extrem gefährliche Unfälle verhindert.

Oder die Zahnpflege. Karies ist nicht nur ein Problem, das schöne Zähne verhindert, sondern ein bedeutsamer Risikofaktor. Karies fördert in Abhängigkeit von seiner Dauer das Risiko für Diabetes, Rheuma oder Schlaganfall. Das alles passiert vielleicht Jahrzehnte später, aber dann ist es eben dennoch schrecklich.

Das neue Deutsche Ärzteblatt befasst sich mit der neueren Forschung bei bösartigen Tumoren. Allen ist klar, dass die Medizin bei der Behandlung einiges leisten kann. Gemessen an den anderen Fortschritten der Medizin sind die Ergebnisse der letzten Jahrzehnte trotz erheblicher Kosten aber eher dürftig. So erkennt man immer mehr, dass in einem Menschenleben bei fast jedem Menschen bösartige Zellen (siehe Bild: Zellteilung einer Lungenkrebszelle) auftreten können. Diese entwickeln sich aber nur durch gewisse Umstände in bösartige Tumoren. Rauchen ist schon lange als Risikofaktor – nicht nur beim Lungenkrebs bekannt – bekannt. Aber es scheint, dass Übergewicht und Adipositas das Rauchen bald von Platz ein entfernt.

Wir versuchen schon seit vielen Jahren auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Übergewicht hat eine vererbliche Ursache. Die lässt sich nicht ändern. Aber das Essverhalten können und sollten wir ab Geburt günstig beeinflussen. Diskutieren Sie also gerne mit uns auch über solche Fragen. Und ergreifen Sie die Chance, schon heute das Krebsrisiko ihres Kindes in eine günstige Richtung zu lenken.

Kongressbericht: ERS in München

Gerade ging der Kongress der Europäischen Lungenfachärzte (European Respiratory Society, ERS) in München zu Ende. Neben den europäischen Lungenärzten sah man auch viele aus fernen Ländern, so dass die Besucherzahl von 20.000 Ärzten nicht verwunderte. Knapp 10% der Lungenärzte sind auf dem Gebiet der Kinderheilkunde tätig: Kinderpneumologen. Dementsprechend betrafen auch etwa 10% der Vorträge dieses Fachgebiet.

Die Bedeutung von frühen Risikofaktoren für das Auftreten von Asthma nahm war eines der wichtigen Themen. So können der Einsatz von Paracetamol im frühen Kindesalter, der Geburtsmodus (Kaiserschnitte oder vaginale Geburt) und auch mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft das Risiko für Asthma beim Kinder verändern. Dabei zeigt sich, dass diese und weitere Faktoren nicht alleine und direkt wirksam sind. Die Genetik spielt eine große Rolle. So schadet beispielsweise das Rauchen der Mutter nur den Kindern, die genetisch nicht die Genregion GSMT1 aufweisen. Erst die komplxe Kombinationen von genetischen Faktoren (z.B. der Mangel an GSTM1) + Umgebungsfaktoren (z.B. Rauchen) + Epigenom (dieser Begriff beschreibt vielen die Prozesse die an den Genen stattfinden, z.B. ob eine genetische Eigenschaft ausgelesen wird oder nicht) stellen das eigentliche Problem dar. In der Summe ist die nicht-rauchende Mutter natürlich auf der sicheren Seite und das bleibt weiterhin eine dringende Empfehlung der Kinderpenumologen. Aber für manche wenigen (!) Kinder stellt das Rauchen der Mutter durch gewisse günstige genetische Faktoren dennoch kein Risiko dar.

Nanopartikel waren ein anderer Schwerpunkt. Unter Nanopartikeln versteht man kleinste teilen, die in der Regel unter 200µm im Durchmesser groß sind. Nanopartikel gibt es zum einen natürlicherweise in unserer Umgebung (z.B. durch Eruptionen von Vulkanen wie gerade auf Island), zum anderen auch industriell bedingt. Diese extrem kleinen Teilchen können durch Inhalation sehr tief in die Atemwege eindringen (siehe nebenstehende Graphik)und dort zellschädigend wirksam werden. Mit neuen Methoden lassen sich auf diesem Gebiet zunehmend Erkenntnisse gewinnen, die im Zusammenhang mit Umweltbelastung (Smog) sehr interessant sind. Diese Erkenntnisse haben auch direkte Auswirkung auf politische Rahmenbedingungen, um umweltbedingte Schäden zu vermeiden. Ausgehend von 15.000 Smogtoten innerhalb 2 Wochen beim Smog in London (Dezember 1952) wurde diese Erkenntnisse in Entwicklungen (z.B. Feinstaubfilter) eingebracht, die uns trotz intensiver Industrieproduktion eine verträgliche Luft ermöglichen .

Was geht rum? 13. September 2014

Die Zahl und Art der Infekte bewegte sich in der vergangenen Woche auf gleichem Niveau wie zuvor: Racheninfekte, teilweise mit Mittelohrentzündung; Mandelentzündungen (Angina tonsillaris), meist durch Viren verursacht; Erkrankungen an Bronchitis.

Kinderkrankheiten waren keine zu beobachten.

Die kleine Welle von Erkrankungen an Pfeiffer’schem Drüsenfieber ist nahezu abgeklungen.

Tuberkulose bei Kindern

Die Tuberkulose ist älteren Menschen gut bekannt. Diese bakterielle Krankheit ist sehr heimtückisch, beginnt sehr langsam über Wochen und kann später sehr bedrohliche Ausmaße annehmen. Mit guter medizinischer Versorgung und guten Ernährungsbedingungen, spielt sie bei Kindern in Deutschland in den letzten Jahren nur eine geringe Rolle. Weltweit sterben aber 74.000 Kinder jährlich an der Tuberkulose.

In unserer Praxis werden wir einige Male im Jahr mit dem Problem ebenfalls konfrontiert. Meist erkrankt in der Familie ein Angehöriger und es steht die Frage an, ob auch die Kinder in der näheren Umgebung betroffen sind. Das lässt sich im Anfang der Erkrankung nicht immer klar beantworten. Aber Röntgen, neue Labortest und die Erfahrung spezialisierter Ärzte lassen das Risiko inzwischen gut kalkulieren. Entsprechend wird dann auch eine Therapie angepasst.

Es gibt auch eine Impfung, die BCG-Impfung. Diese schützt jedoch nur teilweise und lohnt nur in Ländern mit hohem Vorkommen an Tuberkulose. In Deutschland würden mehr Impfprobleme auftreten als dass die Impfung hilfreich wäre. Deswegen wird sie seit 20 Jahren nicht mehr angewendet.

 

Macht kurzer Schlaf dick?

Übergewichtige Kinder und Jugendliche sind schon seit Jahren in Deutschland nicht mehr selten. Diskussionen warum das so ist sind allseits bekannt. Vermutlich tragen sehr viele Faktoren dazu bei, ein entscheidender ist aber der sitzende Lebensstil. Wir müssen körperlich nicht mehr so viel tun, die Kinder werden meist mit dem Auto zur Schule gebracht und der Heuhaufen ist nicht mehr so wichtig wie der Laptop.

Der Einfluß der Schlafdauer auf das Gewicht wird schon seit langem in Studien belegt. Zunächst  konnte gezeigt werden, dass kurzer Schlaf häufiger mit Übergewicht verbunden ist. In einer japanischen Studie bestätigte sich dieser Trend bei über 8000 Kindern; es zeigte sich, dass Kinder, die im Grundschulalter weniger 8 Stunden pro Nacht schliefen ein fast dreifaches Risiko für Übergewicht hatten gegenüber denen mit mehr als 10 Stunden Schlaf. Dieser Trend zeigt ich bereits bei Kleinstkindern: Kinder, die im Alter von 30 Monaten weniger als 10.5 Stunden schliefen hatten ein klares Risiko im Alter von 7 Jahr übergewichtig zu sein.

Schlaf spiel also eine grosse Rolle und ist auch in Bezug auf das Gewicht wesentlich. Das unterstreicht nochmal,wie wichtig es ist Zu-Bett-Geh-Rituale zu haben, den Schlafraum angenehm dunkel und ruhig zu halten und technische Geräte wie Fernseher oder Computer aus dem Schlafzimmer fernzuhalten.