Archiv für den Monat: November 2014

Was geht rum? 29. November 2014

Der November geht zu Ende und weiterhin ist die Zahl der Infekte auf eher geringem Niveau. Zum Glück.

Wie schon in den letzten Wochen stehen Atemwegsinfekte im Vordergrund. Dabei kommt es immer häufiger auch zu eitrigen Mittelohrentzündungen, zuletzt in der Gruppe der Kleinkinder. Besonders Lungenentzündungen (Bronchopneumonien) sind in den letzten Tagen deutlich häufiger aufgetreten. Diese Infektion scheint recht ansteckend zu sein. Wir haben 3 Familien erlebt, bei denen Geschwister in engem zeitlichen Zusammenhang daran erkrankten.

Kinderkrankheiten waren in der letzten Woche nicht aufgetreten.

 

Praxis: Praktikantin aus Madagaskar

Mit dem Besuch von Felana hat es nun nicht geklappt. Wegen eines fatalen Fehlers bei der Ausstellung des Visums durch die französische Botschaft in Madagaskar (sie ist für alle Visa nach Europa zuständig) und die Unachtsamkeit beim Check-in in Madagaskar war kein Weiterkommen beim Zwischenhalt in Nairobi (Kenya). Seit 2 Tagen nun über 200 Telefonate von meiner Seite an zuständige Stellen in Kenya und Madagaskar: kein Erfolg. Man lässt die junge Dame, die noch nie geflogen ist und keinerlei Auslandserfahrung hat, einfach sitzen. Ohne Verpflegung, Schlafmöglichkeit oder Hygieneartikel. Ein humanitäres Versagen gerade von vielen offiziellen Stellen (Ausnahme: Deutsche Botschaft in Antananarivo) aus Europa. Hilfe bekommt sie von einigen menschen am Flughafen – Kenyaner.

Es ist beschämend dies zu erfahren, besonders, weil bei uns ständig Debatten über Gleichbehandlung und ähnliches laufen. Aber letztlich findet sich niemand in den Botschaften von Kenya, der Felana schlicht etwas zu essen organisiert.

 

Hierzu noch der Artikel von Montag morgen, als “meine Welt” noch in Ordnung war:

Ab morgen werden Sie in der Praxis einem neuen Gesicht begegnen: Frau Felana Haingo Tina Andry Harisoamanana. Ein sehr langer Name, typisch für ihr Heimatland: Madagaskar. Sie dürfen Sie gerne Felana nennen, wie die meisten Leute es bei ihr zuhause auch tun.

Felana kommt nach Pfullendorf, um die Technik der Lungenfunktion zu erlernen. Der Pfullendorfer Verein credimus e.V. ermöglicht ihr diesen Aufenthalt. Ab dem kommenden Jahr wird sie die Verantwortliche für die Erstellung von Lungenfunktionen an der Universitätskinderklinik in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, sein. Zuvor wird Dr. Wolff das Lungenfunktionsgerät – den Bodyplethysmographen ZAN500 – vor Ort einrichten. Das wird im Januar 2015 sein.

 

Praxis nimmt am Hausarztvertrag der AOK teil

Nach eingehender Prüfung haben wir uns entschlossen, ab sofort am Hausarztvertrag der AOK (korrekt: Hausarztzentrierte Versorgung nach §73b SGB V der AOK) teilzunehmen. Dies ist einer der über 1000 Vereinbarungen zwischen Kassen und Ärzten in Baden-Württemberg. Für Kinder und Jugendliche ist der der weitaus bedeutsamste sog. Selektivvertrag.

Wir nehmen bereits an einigen wenigen Selektivverträgen (BEK u.a.)  teil und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Dieser Vertrag der AOK ist nach unserer Einschätzung eine echte Bereicherung.

Was bedeutet das für Sie und Ihre Kinder?

* Wir als Hausarzt Ihrer Kinder sind der Lotse in der Betreuung. Bei uns laufen alle Informationen zusammen. Damit gehen keine bedeutsamen Befunde zwischen Ärzten verloren.

* Ihre Kinder erhalten kostenfrei alle Vorsorgeuntersuchungen von der U1 bis zur U11, sowie bei Jugendlichen die J1 und J2

* Im Hausarztvertrag eingeschriebene Kinder und Jugendliche erhalten alle apothekenpflichtigen Medikamente bis zum 18. Geburtstag wieder frei (also auch Fiebersäfte und Allergietabletten wie Cetirizin)

Bitte sprechen Sie gerne unsere Mitarbeiterinnen an, wenn Sie über die AOK versichert sind. Für die Teilnahme am Programm ist Ihr – schriftliches – Einverständnis erforderlich.

Was geht rum? 22. November 2014

Der Winter kommt langsam, aber sicher. In der ablaufenden Woche traten zunehmend Atemwegsinfekt auf, in deren Verlauf es zu vielen Mittelohrentzündungen kam. Dies betraf sowohl Kleinkinder, Schulkinder wie Jugendliche. Im der nebenstehenden Abbildung sehen Sie lins den schlauchförmigen Gehörgang, der rechts am rot entzündeten Trommelfell endet. Dahinter (also rechts) befindet sich im Mittelohr der Eitersee einer Mittelohrentzündung.

Die Zahl der Darminfektionen ging spürbar zurück und spielen kaum noch eine Rolle.

Kinderkrankheiten wie Windpocken oder Keuchhusten sahen wir keine.

Gestern haben wir die letzten Grippeimpfungen bei den Patienten durchgeführt, die sich dafür angemeldet hatten. Wie Sie aus dem praxisblättle bereits wissen, hat Australien in den letzten Wochen eine Grippewelle erlebt. Ob eine solche auch für uns bevorsteht kann niemand sagen. Da dieses Thema die Presse noch nicht erreicht hat, gibt es im Moment noch ausreichend Impfstoff. Wer Interesse hat: bitte melden. Weitere Vorräte legen wir jedoch nicht mehr an.

 

Selbstmord bei Jugendlichen

Was ist die häufigste Todesursache für Menschen zwischen 15 und 30 Jahren? Der Selbstmord. Die Zahl der Toten durch Suizid, also Selbstmord, liegt in Deutschland 3 x höher als die der tödlichen Unfälle im Strassenverkehr. Und kaum einer weiß davon.

Dabei sind auch Jugendliche betroffen. Es ist bekannt, dass jeder 11. Schüler einmal versucht sich umzubringen. Das erstaunt auf den ersten Blick. Andererseits ist der Druck dem gerade Jugendliche ausgesetzt sind enorm hoch. Die Schule beschleunigt das Tempo (Stichwort: G8), wir Eltern verlangen von ihnen häufig noch einige traditionelle Aufgaben und andererseits müssen sie sich in der digitalen Welt (Stichwort: soziale Medien) ständig auf dem Laufenden halten. Auch wenn Jugendliche oft cool rumhängen: dies alles in einer Umbruchphase unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach.

Gibt es Ursachen für den Suizid? Wie bei vielen Problemen spielen Vererbungsfaktoren eine gewisse Rolle. Interessanter ist aber die Erziehung: Wenig Zuneigung, wenig Kontrolle und wenig Regeln steigern das Risiko. Eine autoritärer Erziehungsstil jedoch kaum. Für die Jugendlichen ist es somit wichtig, die Zuneigung der Eltern zu erfahren. Auch wenn die Eltern “stressen”, weil andere viel länger auf Parties bleiben dürfen als sie selbst . Für Mädchen scheinen daneben Rauchen, Alkohol oder die Trennung der Eltern ein weiteres Problem darzustellen.

Alkoholmissbrauch im Kindes- und Jugendlichenalter

Ein sonderbares Thema? Leider nicht. Eher ein Thema, das von einem kräftigen Tabu überlagert wird. Unausgesprochen finden wir Erwachsene es richtig, wenn Kinder und Jugendliche keinen Alkohol konsumieren. Und selbst trinken wir “ein kleines Fläschle Bier” am Abend. Und wir wissen: wir sind auch hierbei ein Vorbild für Kinder.

Als Eltern müssen wir uns also mit diesem Thema beschäftigen. Nach den Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben 92% aller Jugendlichen vor ihrem 17. Lebensjahr mindestens einmal Alkohol getrunken. Regelmäßiges Trinken, also mindestens einmal pro Woche, geben 14% der Minderjährigen an. Für die 15- und 16- Jährigen gilt, dass 73% innerhalb eines Monats Alkohol getrunken haben. Das nebenstehende Diagramm von der DAK zeigt den Trend für alle Jugendlichen. Demnach trinken auch schon einzelne Kinder unter 12 Jahren, später stiegen die Zahlen an, wobei die jungen Männer häufiger trinken als junge Frauen.

Einfache Antworten und Ratschläge gibt es nicht. Eltern sollten Gelegenheiten nutzen und mit ihren Kindern über Alkohol reden. Dabei sollte zur Sprache kommen, welche positiven Aspekte Erwachsene damit verbinden, aber auch welche hohen Risiken – gerade im jungen Alter – damit verbunden sind. Eltern sollten darüber hinaus ein Vorbild sein und nicht regelmäßig trinken und auch mal verzichten. So können Eltern zeigen, dass sie beispielsweise in der Adventszeit 4 Wochen auf Alkohol verzichten können und den Jugendlichen damit klar machen, dass Alkohol ein nettes Rauschmittel ist, von dem man allerdings nicht abhängig werden sollte.

Insbesondere sollten Riten der Alkoholeinführung (“Ich habe mit meinem Patenkind/ Kind das erste Bier getrunken”) unterbleiben. Dieses Suchtmittel wird bereits im Alltag und über Medien (Formel 1 !) so deutlich beworben, da müssen Erwachsene nicht zusätzlich den Weg ebnen.

 

Was geht rum? 15. November 2014

In dieser Woche wurden wieder viele Kinder mit Magen-Darm-Grippe vorgestellt. Bei allen war der Verlauf unter langsamem Kostaufbau unproblematisch.

Weiterhin treten Atemwegsinfekte in eher geringer Häufigkeit auf.

Die Windpocken haben sich bislang nicht spürbar ausgebreitet. Bei einer Inkubationszeit von etwa zwei Wochen kann es jedoch sein, dass erst in der nächsten Woche eine erneute Krankheitswelle auftritt. Diese dürfte bei recht guter Durchimpfung in der Region eher schwach ausfallen.

Nahrungsmittelallergie bei Kindern

Allergien von Kindern sind heute häufig. Ein allergisches Risiko (“Sensibilisierung”) haben inzwischen 50% aller Kinder in Deutschland. Letztlich erkranken aber nur etwa 4-8% auch an einer Nahrungsmittelallergie.

Deutsche Wissenschaftler haben die Häufigkeit eines Allergieschocks (“Anaphylaxie”) bei diesen Kindern in den Jahren 2007 bis 2013 untersucht. In der nebenstehenden Graphik sind die Ergebnisse aus der Studie um Frau Prof. Margitta Worm aus Berlin dargestellt:

Das häufigste Allergen bei Kindern und Jugendlichen (bis 18 Jahre)  mit schwerwiegenden Folgen ist bei über 30% die Erdnuss. Bedeutsam sind aber auch Kuhmilch (besonders im Säuglingsalter), Haselnuss und Hühnerei. Deutschlandweit haben diese drei Nahrungsmittel bei über 300 Kindern zum Allergieschock geführt.

Als Praxis mit dem Schwerpunkt Allergologie können wir Ihrem Kind jederzeit weiterhelfen, wenn Sie auffällige Symptome beobachten, die auf eine schwere allergische Reaktion hinweisen. Diese rechtzeitig zu erkenne ist wichtig, weil der Allergieschock in Einzelfällen tödlich sein kann.

Kongressurlaub Dr. Wolff

Von Dienstag 11. November bis Mittwoch 19. November 2014 werde ich wegen eines Kongressbesuches nicht in der Praxis sein. In dieser Zeit vertritt mich Frau Dr. Helga Wagner  bzw. mein Praxispartner Dr. Jörg Niethammer- die gewohnte Kontinuität bleibt also erhalten.

 

Was geht rum? 08. November 2014

Die Windpocken sind zurück. Bisher sind Jugendliche aus der Region Pfullendorf/ Ostrach betroffen und es ist davon auszugehen, dass sie noch weitere anstecken werden. Bitte nochmals den Impfschutz überprüfen. Erst 2 Impfungen führen zu einer Schutzwirkung von >95%. Gerade bei Jugendlichen verläuft diese Erkrankung mitunter schwer.

Ansonsten treten Infekte weiterhin auf eher niedrigem Niveau auf. Das sind meistens Racheninfekte, zum Teil mit leichter Mittelohrentzündung. Daneben gibt es seit 3 Tagen wieder Bindehautentzündung – eher bei Säuglingen und Kleinkindern.