Archiv für den Monat: Februar 2015

Was geht rum? 28. Februar 2015

Die Influenza zieht sich langsam wieder zurück. Im nebenstehenden Diagramm der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) sind die Erkrankungszahlen der letzten Jahre aufgeführt: 2013: lila, 2014: blau und die Zahlen in diesem Jahr 2015 in rot (Angabe der Kalenderwoche in der unteren Zeile).

Damit ist klar, dass sich die Grippewelle in einem üblichen Rahmen bewegt, aber im letzten Jahr weitgehend “ausgefallen” ist. Und unser Eindruck stimmt: Die Neuerkrankungen nehmen ab. Aber Vorsicht: noch immer tretem Neuerkrankungen auf.

Neben der Influenza tauchen zunehmend wieder die “normalen” Racheninfekte auf. Hier besteht meist nur wenig Fieber. Mittelohrentündungen sind hier häufiger.

Erstmals seit langem wieder Scharlach zweier Geschwister im Raum Pfullendorf. Ein Fall von Keuchhusten bei einer Jugendlichen.

App für Vergiftungsnotfälle

Im Oktober 2014 haben wir hier auf die App der Bundeszentrale für Risikobewertung (BfR) hingewiesen. Diese App ist eine Bereicherung für alle Eltern, ErzieherInnen und ÄrztInnen.

In der neuen Ausgabe der Verbandszeitschrift der Kinder- und Jugendärzte (Heft 2/2015) werden noch einige wichtige Ergänzungen von Dr. Schriever aus Mechernich erwähnt:

1. Die giftigste Pflanze in Europa ist der blaue Eisenhut (Aconitum napellus  - siehe nebenstehendes Bild). Schon kleine Mengen der Blüten können für ein Kind tödlich sein. Deswegen: Selbst bei Verdacht auf die Einnahme einer solchen Pflanze muss sofort eine Klinik aufgesucht werden (am besten in Absprache mit dem Kinderarzt, der das alles organisieren kann.

2. Liquid Caps: Flüssigwaschmittel in z.T. bunter wasserlöslicher Folie, die mit Süßigkeiten verwechselt werden könnten.

3. Lithium – Knopfzellen für Klein-Elektrogeräte. Bei einem Durchmesser von 22 mm können sie in der Speiseröhre erhebliche Gewebeschäden bis hin zum Durchbruch der Schleimhaut auslosen.

Bitte nicht vergessen: App sofort herunterladen. Der Notfall ist im Sommer schnell mal da und dies an Orten, wo man schwerlich sofortige Hilfe findet !

NEU: HPV-Impfung Kassenleistung bereits ab 9 Jahren

Vor wenigen Tagen haben Sie hier über die HPV-Impfung (“Gebärmutterhals-Krebsimpfung”) gelesen. Die Umsetzung dieser Impfung lässt in Deutschland sehr zu wünschen übrig, obwohl sie einmalige Chance eröffnet, sich vor einer sehr häufigen Krebsart effektiv zu schützen.

HPV-Viren haben ja nicht nur mit dem Sex zu tun, sondern sind – als anderer Virustyp – auch Verursacher von Warzen an der Haut. Die HPV-Impfung ist allerdings mit ihren Virustypen nur gegen Erreger zusammengestellt, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Es ist sehr zu begrüßen, dass nunmehr seit dem 13. Februar diese Impfung eine Kassenleistung ist für alle Mädchen ab dem 9. Geburtstag. Damit entfallen auch die peinlichen Fragen, die einen engen Zusammenhang der Impfung mit dem sexuellen Verhalten der Jugendlichen herstellen. Im Übrigen sind bei den frühen Impfungen nur 2 (statt bisher 3) Impfungen erforderlich.

Aktuell: Kind in Berlin an Masern verstorben

Masern sind eine Kinderkrankheit. Ja. Aber Kinderkrankheiten sind meist nicht harmlos. “Kinderkrankheit” sind sie nur dadurch, dass sie wegen der hohen Ansteckungsgefahr im Kinderalter bereits ausbrechen und früher – als die Menschen nicht gar so alt wurden wie heute – nur einmal im Leben auftraten.

Nun ist in Berlin ein Kind an Masern verstorben. Eines unter nunmehr 600 an Masern Erkrankten.

Der Checkpoint aus Berlin hatte am Morgen zuletzt berichtet: “Wegen des Masernausbruchs (fast 568 Fälle seit 10/14) bleibt heute zum ersten Mal eine Schule geschlossen (Carl-Zeiss, Lichtenrade, 1025 Schüler). Weil in manchen Zirkeln Berlins die tantrische Immunisierungsweigerung genauso en vogue ist wie laktosefreie SUV’s und glutenlose Bobbycars, erwägt die Bundesregierung jetzt eine Impfpflicht.”

Bleibt zu hoffen, dass die Einstellung zu Masern eine andere wird. Und bleibt. Masern sind gefährlich. Neben dem Tod (meist 1 Todesfall auf etwa 1000 Erkrankte) machen sie häufig chronische Komplikationen wie Hirnnervenlähmungen (nach Meningitis), Bronchiektasen oder chronische Hörstörungen.

Aktuell: Tödliche Meningitis in Tettnang

Die regionalen Medien berichten von einer Meningitis eines 15-Jährigen aus Tettnang, die mit Hautblutungen tödlich verlief. Vermutlich handelt es sich hierbei um eine Meningokokken-Meningitis mit Sepsis.

Die Meningokokken sind Bakterien (siehe nebenstehendes Bild, Quelle: RKI), die für die schwersten Infektionen in Mitteleuropa verantwortlich sind. Die Zahl der Erkrankungen hat in den letzten Jahren spürbar abgenommen: Waren es im Jahre 2009 noch 493 invasive Infektionen mit Meningokokken, so lag die Zahl im letzten Jahr bei 275 laut RKI (Robert-Koch-Institut). Der Rückgang ist deutlich und für Fachleute nicht vollständig erklärbar. Ein Grund ist die Impfung gegen Meningokokken C, die Säuglingen nach dem ersten Geburtstag gegeben wird. Der Anteil dieser Erreger liegt inzwischen bei 17.8% aller Meningokokken.Der schon immer wichtigste Erreger sind die Meningokokken B (70.2%), gegen den jetzt ein Impfstoff vorliegt. Dieser wurde letzte Woche in den USA zugelassen und wird auch von einzelnen Kassen in Deutschland bezahlt.

Die Erkrankung hat ein sehr geringes Ansteckungsrisiko. Für uns im Linzgau besteht wegen der Erkrankung kein erhöhtes Risiko. Die Erkrankung mit Meningokokken kann immer wieder sporadisch auftreten. Wie oben beschrieben: 275 Mal in Deutschland pro Jahr. Sie ist erkennbar an der Aggressivität. Kinder und Jugendliche werden innerhalb weniger Stunden massiv krank. Selbst bei rascher Diagnose und schneller Therapie kann die Erkrankung tödlich sein. Außer den Impfungen gibt es keine wirkungsvollen Maßnahmen, die Erkrankung zu verhindern.

Was geht rum? 21. Februar 2015

Zur Zeit sind immer noch viele Kinder beim Arzt. Liana hat hierzu ein schönes Bild gemalt: Der Arztbesuch beim Kinderarzt Dr. Wolff (siehe nebenstehendes Photo).

Die Grippewelle ist weiter in vollem Schwung. Die Erkrankung an Influenza verläuft in dieser Saison zwar eher leicht. Das bedeutet jedoch, dass sie trotzdem sehr unangenehm ist und in aller Regel länger als die üblichen 5-7 Tage anhält. Influenza ist eben eine schwere Erkrankung, die mit einem banalen Infekt nicht verwechselt werden darf. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die Zahl der Erkrankungen hat über die Woche leicht abgenommen. Der “Fasneteffekt” – dass also die richtige Infektwelle erst nach der Fasnet einsetzt – scheint also nicht einzutreten.

Neben der Influenza gibt es Erkrankungen mit Enteroviren, die als Mundfäule oder Hand-Fuß-Mundkrankheit ablaufen.

Kinderkrankheiten haben wir nicht gesehen.

 

Kinderwagen – neuer TEST

Im neuen Heft der Stiftung WARENTEST werden 14 Kinderwagen auf ihre Tauglichkeit überprüft. Der teuerste schneidet mangelhaft ab, nur einer mit gut.

BRITAX Go      GUT (2.4). Gute Tragetasche, der Sitz lässt sich                                  nicht flachlegen. Sehr leicht zusammenzulegen                                    (siehe nebenstehendes Bild)

Wer sich für die Einzelheiten interessiert kann das TEST-Heft gerne in der Praxis einsehen und in Absprache mit unseren Mitarbeiterinnen ab März auch ausleihen.

 

HPV-Impfung – neue Empfehlungen

Die HPV-Impfung – besser bekannt als Gebärmutterhals-Krebsimpfung – wird in Deutschland immer noch erschreckend selten umgesetzt.

Nach Einführung der Impfung stieg die Rate der Geimpften in der angesprochenen Altersgruppe (12-18 Jahre) sprunghaft bis fast auf 60% im Saarland (siehe nebenstehende Graphik der FAZ; Saarland: hellblau), um danach in allen Bundesländern stetig abzufallen. Baden-Württemberg ist kein leuchtendes Beispiel. War die rate in 2008 wenigstens bei 35%, so ist sie nun weiter unter die 30%-Marke abgefallen.

Die Zahlen sind erschreckend. Die HPV-Impfung ist in vielen Aspekten mit der Hepatitis B-Impfung zu vergleichen. Letztere wird inzwischen von den meisten Menschen akzeptiert und führte dazu, dass die Erkrankungen an Leberzellkrebs in der Folge einer chronischen Hepatitis (Leberentzündung) deutlich zurückgegangen sind.

Das Problem bei der HPV-Impfung besteht darin, dass sie nur in einem begrenzten Zeitfenster wirksam angewandt werden kann: In der Zeit vor bzw. im Beginn der sexuellen Kontakte. Seit neustem ist die Impfung ab dem 9. Lebensjahr zugelassen, so dass genügend Zeit bestünde sie durchzuführen. Und die Erfolgsraten sind bekannt und in Ländern wie Australien schon zu beobachten.

Wenn Sie als Jugendliche bzw. Eltern unserer Praxis Fragen zur Impfung haben, kommen Sie zu uns. Wir beraten sie gerne. Wir werden Sie nicht nötigen, sondern offen über die Vorteile und möglichen Nachteile der HPV-Impfung mit Ihnen reden. Bitte verlassen Sie sich nicht auf Beiträge im Internet, die die Impfung pauschal verurteilen.

Was geht rum? 14. Februar 2015

Die Grippewelle hat die Region voll im Griff. Über alle Altersklassen sind Kinder und Jugendliche an der Influenza erkrankt. Die Zahl der Erkrankungen sind enorm, aber die Schwere liegt deutlich unter dem, was wir in den letzten Jahren beobachtet haben.

Wirksame Medikamente gibt es kaum. Das wichtigste ist, dass der Körper seine Ruhe verlangt und diese auch bekommen sollte. Gerade über die Fasnet sollte man nicht der Versuchung erliegen, sein Kind zu “beamen”: Nach der Gabe von Medikamenten wie Ibuprofen scheinen Kinder oft wieder recht munter; dennoch sind sie krank und überfordern somit auch andere Organe wie das Herz. Vor solchem Vorgehen sei ausdrücklich gewarnt. Die Grippe kann in einzelnen Fällen auch im Kindesalter tödlich verlaufen.

Fasnet – Dienstregelung

Heute ist Schutzigä Dunschtig. Da stehen in der Linzgaumetropole Pfullendorf nicht nur die Hänsele (siehe nebenstehendes Bild) Kopf. Trotzdem können Kinder und Jugendliche krank werden. Ganz besonders, weil wir im Moment eine Grippewelle zu verzeichnen haben.

Wie ist also die Versorgung? Unsere Praxis hat an folgenden Tagen geöffnet:

Donnerstag, 12.02.2015      offen von 07:30 – 12:00; nachmittags geschlossen

Freitag, 13.02.2015              offen von 07:30 bis 14:30 durchgehend

vom 14.02.2015 – 17.02.2015 bitte den Kinderärztlichen Notfalldienst des Kreises Sigmaringen anrufen: 01801 929 345

Narri Narro!