Archiv für den Monat: März 2015

Neue Notdienstregelung

In den Medien konnten Sie in den letzten Jahren verfolgen, dass sich die ärztliche Versorgung in Baden-Württemberg im Umbruch befindet. Dabei ist nicht alles gut nachvollziehbar. Grundsätzlich ging es darum, die Notfallbezirke zu vergrößern und damit die Belastung der niedergelassenen Ärzte zu verringern.

Warum das? Junge Ärzte wollen – wie die meisten Menschen – etwas vom Leben haben. Eine Arbeitszeitbelastung von 60 – 80 Stunden pro Woche (normal für uns!)  tut sich ein junger Arzt nicht mehr an. Deswegen bleibt der Nachwuchs auf dem Lande aus. Ärzte arbeiten lieber geregelt in Kliniken oder in einem MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) der großen Städte oder machen auf Abruf Notdienste.

Für die Kinder- und Jugendärzte im Kreis Sigmaringen musste auch eine Änderung herbeigeführt werden. Diese sieht nun vor, dass die Dienste im kinderärztlichen Notdienst von den Kinder- und Jugendärzten der Kreise Sigmaringen und Zollern-Alb gemeinsam geleistet werden.

Was bedeutet das für Sie?

Der kinderärztliche Notdienst findet ab 01. April 2015 in einer Praxis im Kreis Sigmaringen oder Zollern-Alb statt. Dadurch kann es sein, dass im Extremfall der zuständige Notdienst für ein Kind aus Pfullendorf in Bisingen seine Praxis hat. In diesem Fall werden sich Eltern vermutlich eher nach Singen oder Ravensburg an den Notdienst der Kinderärzte wenden.

Was geht rum? 28. März 2015

Ein bunter Reigen von Krankheitsbildern bestimmte diese Woche – bunt wie die Köpfe der Farbstifte im Bild rechts. Darunter waren auch noch Influenza-Erkrankungen. Aber nicht mehr viele. Dafür stieg die Rate an Mittelohrentzündungen weiter an. Davon waren sowohl Säuglinge, Klein- und Schulkinder betroffen.

Der Schmerz bei der Mittelohrentzündung beginnt oft schlagartig und ist sehr heftig. Dann sollte zunächst Schmerzmittel gegeben werden. Und die allererste Dosis darf gerne im höheren Dosisbereich liegen. Ergänzend sind Zwiebelwickel eine Hilfe, solange das Kind sie als angenehm empfindet.

Durchfallserkrankungen kommen im Moment auch vor, liegen aber seit Wochen in der Häufigkeit deutlich hinter den Atemwegserkrankungen zurück.

Mit den warmen Temperaturen sehen wir immer mehr Allergiker. Die allergischen Beschwerden werden bald deutlich zunehmen, wenn die Birkenpollen ihre Blüte starten. Diese beginnt bereits am Oberrhein; um Ostern ist auch bei uns damit zu rechnen.

Influenza – eine Nachschau

Die Grippewelle ist nun endgültig abgeklungen. Wie schon in den vergangenen Jahren waren beide Influenzaviren – Typ A und Typ B – an den Erkrankungen beteiligt. Die Erkrankungshäufigkeiten lagen in diesem Jahr höher, weil ein H2N3 Virus vorherrschte, das von den Impfantikörpern nicht gut erkannt werden konnte. Das führte dazu, dass auch viele Geimpfte in diesem Jahr nicht von der Grippe verschont blieben. Die beiliegende Abbildung von Prof. Dr. Heininger aus Basel zeigt am Beispiel der Schweiz, wann die Grippewellen der letzten Jahre stattfanden und welche Viren daran beteiligt waren: Influenza A (blau), Influenza B (orange).

In Herbst 2015 wird wieder die Diskussion einsetzen, ob denn eine Impfung gegen Influenza sinnvoll sei. Die Empfehlungen werden sich bis dahin vermutlich nicht ändern. Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) veröffentlicht Neuerungen für Impfungen in der Regel im Juli oder August jeden Jahres. Eine Sicherheit stellt die Influenza-Impfung nicht dar. Das ist nichts Neues. Aber sie vermag über die Jahre gesehen viele Erkrankungen zu verhindern und ist bis heute die einzige Möglichkeit effektiv gegen diese oft schwer verlaufende Krankheit vorzugehen.

Reisemedizin 02: Vogelgrippe in Ägypten

Schweinegrippe, Vogelgrippe und andere Grippe. Eine ziemliches Durcheinander für viele Menschen. Grippe: das ist auf medizinisch die Influenza. Eine schwere Viruserkrankung, die nicht verwechselt werden darf mit Husten, Schnupfen und leichtem Fieber. Im Rahmen der Influenza liegen sonst quirlige Kinder gerne und von sich aus ins Bett. Und Erwachsene ohnehin. Das häufigste Influenzavirus im Winter in Europa ist der Typ H1N1.

Vogelgrippe. Diese Erkrankung ist auch eine Influenza, aber durch das sog. H5N1-Virus. Dieses Virus befällt Geflügel, kann aber in Einzelfällen auch auf den Menschen übergehen. Aber nicht durch Tröpfchen in der Luft (“Tröpfcheninfektion”) wie bei der Influenza (H1N1), sondern durch direkten Kontakt mit dem Geflügel oder indirekt über die Hände z.B. beim Einkauf auf dem Markt. Dieser Vogelgrippe sind in Ägypten bereits mehr als 34 Millionen Tiere zum Opfer gefallen.

Im Jahre 2014 erkrankten auch 30 Menschen, von denen 11 starben. In diesem Jahr erkrankten bis Ende Februar weitere 38 Menschen und 16 verstarben. Diese Vogelgrippe ist bislang jedoch nicht am roten Meer zu beobachten, sondern nur in den nördlichen Landesteilen.

Empfehlung

Reisen in den Norden von Ägypten – auch Nilfahrten – sollten wohl überlegt werden. Märkte sind ein Platz mit besonders hoher Gefährdung. Kinder sollten einem solchen Risiko in keinem Fall ausgesetzt werden. Die klassischen Badeorte in Ägypten sind von der Vogelgrippe nicht betroffen.

Was geht rum? 21. März 2015

In der vergangenen Woche haben die Mittelohrentzündungen in dem Maße zugenommen, in dem die Influenza – die “Grippe” – zurückgegangen ist. Noch ist nicht alles überstanden, aber die Infektionen werden insgesamt alle leichtgradiger. Dazu trägt sicher auch das warme und trockene Wetter bei, wodurch die Luft für die Atemwege besser ist. Ein Lichtstreif am Horizont.

Bei diesen Temperaturen erwacht die Natur. Und mit ihr die Allergien. Die Erle ist bereits angekommen. Bis Ostern müssen wir auch mit der Birkenpollenallergie rechnen.

Kinderkrankheiten traten in dieser Woche nicht auf.

Praxis: Wiederanschaffung eines Tympanometers

Unsere Praxis war seit 1991 mit einem Tympanometer ausgestattet. Dieses Gerät kam langsam in die Jahre. Nun haben wir ein neues angeschafft, das Ende dieses Monats zum Einsatz kommt (siehe Abbildung rechts)

Was ist die Tympanometrie?

Die Tympanometrie ist ein Verfahren, um Auffälligkeiten im Mittelohrbereich zu prüfen. Dabei wird die Schwingungsfähigeit des Trommelfells bei Unter-/ Über- und Normaldruck bestimmt. Aus diesen Daten kann auf die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells bzw. Unter- und Überdrucksituationen im Mittelohr geschlossen werden.

Was ist die Tympanometrie sinnvoll?

Der häufigste Grund zur Anwendung ist der sog. Paukenerguß. Dieser tritt häufig im Rahmen von Racheninfekten durch Verlegung oder Fehlfunktion der Eustach’schen Tube auf. Das führt dazu, dass sich im Mittelohrbereich Flüssigkeit ansammelt – wo eigentlich Luft sein sollte – ,die die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells vermindert. Das bedeutet letztlich, dass die betroffenen Kinder schlechter hören. Meist ist das nur vorübergehend und nicht weiter schlimm. Wenn es länger anhält lässt ich mit diesem Gerät überprüfen, wie stark dieser Erguß ausgeprägt ist und ob sich im Verlauf eine Besserung ergibt.

Das hat dann Konsequenzen, wenn der Erguß nicht rückläufig ist: Paracentese, also ein kleiner Schnitt ins Trommelfell, um die Flüssigkeit bzw. das zähe Sekret dort abzusaugen. Oder die Paukendrainage. Bei diesem Verfahren werden kleinste Röhrchen ins Trommelfell eingesetzt, so dass bei fortlaufender Bildung von Sekret, dieses immer direkt abfließen kann und keine Hörbeeinträchtigung auftritt.

 

 

Reisemedizin 01: Dengue-Fieber gibt es weltweit

Reisen in ferne Länder sind bei Deutschen sehr beliebt. Das schließt zunehmend auch Fernreisen mit chronisch kranken Menschen oder Kindern ein. Bei Buchung teils teurer Reisen wird gerne vergessen, dass tropische Länder nicht mit Deutschland verglichen werden können. Und dass sich ganz schnell mal erhebliche Probleme ergeben.

Deswegen sollte vor jeder Reise eine reisemedizinische Beratung erfolgen.

Dominikanische Republik – oft böse auch “DDR” (Deutsche Dominikanische Republik) genannt ist ein typisches Beispiel. Viele Deutsche waren dort, man findet als Reisender viele Angenehmlichkeiten vor, die man von zuhause kennt. Und so gibt es viele Menschen, die es immer wieder dort hin zieht. Doch es gibt dort Krankheiten, die niemand in einer solche Idylle vermutet.

Dengue-Fieber: Eine Viruserkrankung, die im letzten Jahrzehnt ihren Siegeszug durch die tropischen Länder angetreten hat und nun in über 100 Ländern vertreten ist. Was zeichnet sie aus:

* Übertragung durch tagaktive Mücken (Aedes)

* Inkubationszeit: 2 – 10 Tage

* Symptome: Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Hautausschläge – Dauer 2-7 Tage

In der Dominikanischen Republik traten im letzten Jahr 6059 gemeldete Fälle mit 65 Todesfällen auf. In Mexiko lagen die Zahlen zuletzt noch höher.

Was ist zu machen?

1. Unbedingt tags effektiv vor Mücken schützen (z.B. mit Anti-Brumm©)

2. Kein Aspirin einnehmen

 

Was geht rum? 14. März 2015

Die Influenza ist weiter auf dem Rückzug. Aber bis Freitag sind dennoch ca. 20 Neuerkrankungen alleine noch in dieser Woche zu verzeichnen gewesen.

Bedeutsamer als die Influenza sind aber die Racheninfekte, die in größerer Zahl wieder auftreten und oft von Mittelohrentzündungen begleitet sind. der Einsatz von Antibiotika ist manchmal erforderlich, besonders bei den sehr kleinen Kindern.

Seit dieser Woche treten auch vereinzelt Scharlacherkrankungen auf. Meist nicht sehr typisch, da auch Kinder unter 4 Jahren betroffen sind und eher wenig Fieber in der Begleitung auftritt.

Pollenflug? Ja, den haben wir wieder. Seit Tagen mittlere Belastung Erlenpollen. Dagegen sind Kinder eher selten allergisch. Aber nach der Erle folgt die Birke. Sollte die Wetterlage so anhalten ist bis Ostern sicher mit einem bedeutsamen Flug an Birkenpollen zu rechnen. Allergiker – im Bild sehen Sie ein Kind mit schwerer allergischer Bindehautentzündung – sollten überprüfen, ob sie dann ausreichend Medikamente zur Linderung vorrätig haben.

App: Hausstaubmilbe

Kürzlich haben wir an dieser Stelle auf eine App für Pollenallergiker hingewiesen. Nun gibt es auch eine für Milbenallergiker: MilbenCheck.

Diese App ist sowohl für Android- wie für iOS-Geräte nutzbar und kann unter dem Stichwort “MilbenCheck” kostenlos heruntergeladen werden. Der Deutsche Polleninformationsdienst (PID) und die Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation an der Medizinischen Hochschule in Wien haben neben dieser neutralen App auch eine interessante Homepage hochgeladen: www.milbencheck.de

Kein Hinweis auf “Ärztehopping”

Das “Deutsche Ärzteblatt” meldet, dass nach dem Barmer-GEK-Ärztereport die Zahl der Behandlungsfälle im Jahre 2013 leicht angestiegen sei. Durchschnittlich suche jeder Patient im Quartal 2 Ärzte auf.

Interessanter ist, dass Patienten aufs Jahr gesehen 3.4 verschiedene Ärzte aufsuchen, jeder zehnte sucht mehr als 6 Ärzte auf.

Mit dieser Situation kann man zufrieden sein. Viele Ärzte zu konsultieren gilt häufig als sinnvoll, um sich eine “Zweitmeinung” einzuholen. Soweit okay. Leider muss aber auch bedacht werden, dass Krankheitsbilder nicht isoliert gesehen werden können. So mag zwar ein Experte mehr wissen in Bezug auf eine Lebererkrankung. Aber es ist meist nur der Hausarzt, der auch die weiteren Befunde, die Lebens- und Arbeitssituation seines Patienten kennt.

Insofern kann das Aufsuchen vieler Ärzte schnell zum Bumerang werden, wenn es keinen “Losten” gibt, der alle Befunde zum Wohle des Patienten zusammenbringt.