Archiv für den Monat: April 2015

Interessant für alle: “Beware of Allergy”

Allergien sind seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch. Lag die Häufigkeit für einen positiven Hauttest im Jahre 1921 in Zürich noch bei 1:500 Menschen, so ist heute jeder zweite davon betroffen.

Dennoch ist die Bedeutung und Wertigkeit einer allergischen Erkrankung in den letzten Jahren politisch ständig gesunken. Ein spürbarer Anfang für Eltern war, dass die Kosten für sog. Antihistaminika (z.B. Cetrizin, Loratadin) für Kinder ab 12 Jahre schon seit über 10 Jahren nicht mehr von den Kassen getragen werden. Nun kommt hinzu, dass auch immer weniger Ärzte Immuntherapien (Hyposensibilisierungen) anbieten. Inzwischen mogeln sich Patienten eher durch, wenden Medikamente an, die die Symptome mildern und hoffen, dass der Spuk bald vorbei sei.

Die medizinischen Daten, dass Asthma bronchiale oft auf einen Heuschnupfen folgen sind da. Der Nutzen der Immuntherapie, dies in vielen Fällen verhindern zu können, ist belegt.

Mit ihrer Kampagne will die Europäischen Akademie für Allergie und klinische Immunologie (EAACI) versuchen, hier entgegen zu steuern.

Nach einem Jahr ist die Homepage von Beware of Allergy ins Deutsche übersetzt worden und gibt spannende Informationen. Schauen Sie doch mal rein (http://www.bewareofallergy.de/) – es ist spannend.

Hello Barbie oder wie wir die Freiheit der Kinder beschneiden

Jetzt ist es offiziell. Das Unternehmen Mattel, das uns vor Jahrzehnten die Barbie-Puppe bescherte und mit diesem Produkt zuletzt beinahe in die Pleite stürzte hat wieder Grund zur Hoffnung: Hello Barbie heißt die Neue.

Mit Hello Barbie kann das Kind reden. Und – wie das mal so ist – wird es dieser Puppe wohl auch seine geheimsten Wünsche anvertrauen. Und Hello Barbie hört zu, oder besser die Spracherkennungssoftware. Und übermittelt die Daten gleich mal zu Mattel, das sich wiederum durch seine Kommunikationssoftware an die Kinder wendet. Eltern erfahren von diesem Lernspielzeug alles, was das Kind im Vertrauen der Puppe mitgeteilt hat. Das Geplapper des Kindes wird auch auf Lispeln geprüft……, die Software ist vielseitig. Man kann die Hello Barbie als Spitzel im Kinderzimmer bezeichnen.

Der Freiraum für Kinder wird immer kleiner. Waren es vor 20 Jahren noch die Nachmittagsangebote (“ist doch gut, wenn mein Kind … lernt”), später die Überwachung des Schulwegs (“ich muss meine Kinder vor Verbrechern schützen”), so werden bald vertrauliche Mitteilungen an eine Puppe in die cloud gestellt und die Eltern umgehend informiert. Wo bleibt die Freiheit, wo die Intimität von Kommunikation für ein Kind?

Noch gibt es Hello Barbie in Deutschland nicht. Aber zu Weihnachten könnte das anders sein. Bleibt zu hoffen, dass Deutschlands Datenschützer dies noch verhindern werden. Damit unsere Kinder noch ein paar kleine Geheimnisse haben dürfen – auch vor ihren Eltern.

Was geht rum? 25. April 2015

Trotz schönen Wetters sind im Moment noch viele Atemwegsinfekte zu beobachten. Die meisten betreffen eine Rachenentzündung mit starken Halsschmerzen, meist ohne Fieber. Betroffen sind Schulkinder und Jugendliche.

Auch Magen-Darm-Infekte treten weiterhin auf. Neben Erbrechen kommt es zu Durchfall, der meist 3- 5 Tage andauert. Elektrolytlösungen (z.B. Oralpaedon©) sind zu Beginn hilfreich. Mittel gegen Erbrechen sind selten erforderlich und sollten mit Zurückhaltung eingesetzt werden.

Die allergischen Erkrankungen halten sich in Grenzen. Allergiker kennen die Probleme und wissen gut damit umzugehen, neue Allergiker haben wir nur wenige diagnostiziert. Im Moment blühen die Birken.

Kinderkrankheiten waren in der gesamten Woche nicht zu beobachten.

“Wie gute Kitas besser werden” – oder auch nicht!

“Wie gute Kitas besser werden”. So lautet – ohne Fragezeichen – ein Artikel im neusten Journal der “Kinder- und Jugendarzt”, der Verbandszeitschrift der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland.

Neugierig auf die Frage, was eine gute Kindertagesstätte ausmacht, beginne ich zu lesen. Zunächst wird da festgestellt: “Wichtig ist auch die Qualität der frühkindlichen Betreuung, betont die Stiftung Kindergesundheit.” Stimmt. Deswegen seien detaillierte Leitlinien erstellt worden. Ausgewiesene Experten hätten ein “Curriculum Gesundheitsförderung für Kinder unter drei Jahren in der Tagesbetreuung” entwickelt, gefördert vom Bundesministerium (BMFSFJ).

Oh je! Blenden wir doch mal in unsere Kindheit zurück. Haben wir uns da nach Menschen gesehnt, die uns ständig etwas beibringen wollten? Uns fördern? Natürlich ist es sinnvoll Grundsätze in der Arbeit festzulegen. Noch besser wäre es, den ErzieherInnen ein Studium zu ermöglichen, das die komplexe seelische Entwicklung von Kindern im Fokus hat. Alle, die mit Kindern arbeiten wissen, dass die ersten Jahre besonders wichtig sind. Und dennoch steht für gerade die Kleinkinder deutlich weniger Geld zur Verfügung. Eine umfassende theoretische Ausbildung der ErzieherInnen wurde schon öfters angedacht, aber aus finanziellen Gründen wieder fallen gelassen. Schade. Daneben passt auch der Stellenschlüssel nicht. Je kleiner Kinder sind, um so mehr persönliche Zuwendung brauchen sie.

Kinder brauchen einen Garten, in dem sie wachsen und gedeihen können: Kindergarten. Dazu braucht es liebevolle Fürsorge. Und mehr Menschen, die sich den Kindern in diesem Garten widmen und keine Gremien, die immer wieder neue Papiere erstellen und von den ErzieherInnen neue Dokumentationen abverlangen.

Es steht bereits bei Lukas 10:12 in der Bibel: Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in seine Ernte. In diesem Sinne bleibt zu wünschen, dass für die Entwicklung von Kindern mehr Fachpersonal zur Verfügung steht. Eine breitere Ausbildung für alle Fachpersonen wäre ebenfalls wünschenswert. Bedarf für mehr Richtlinien mit Dokumentationspflichten braucht es sicher nicht.

E-Zigarette

Viel Unsicherheit besteht in der Bewertung der E-Zigarette. Sie ist eine neue Erfindung dieses Jahrhunderts und war vom chinesischen Apotheker Hon Lik zunächst als Mittel geplant, ihn von der Tabaksucht zu befreien. Dieses Ziel konnte die E-Zigarette für die Nutzer in den vergangenen Jahren jedoch kaum erreichen.

Trotzdem ist sie trendy. In den USA haben sich die Verkaufszahlen seit 2008 fast jährlich verdoppelt und inzwischen die Milliarden-Dollar-Grenze überschritten. In der Schweiz hingegen besteht ein Verkaufsverbot. Dennoch haben dort Jugendliche zu 16% schon die E-Zigarette benutzt.

Die E-Zigarette – oft “elektronische Zigarette” oder kurz “e-cig” genannt – sieht einem Kugelschreiber ähnlich. Sie haben eine Kartusche mit Flüssigkeit, einen Verdampfer sowie eine Batterie. Beim Ansaugen wird im Verdampfer ein Widerstandsdraht aktiviert, der die Flüssigkeit aus der Kartusche auf bis zu 120 Grad Celsius erhitzt und damit verdampft. Die meisten E-Zigaretten enthalten auch Nikotin.

Nach Einschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg ist die E-Zigarette nicht unbedenklich. Sie stellt wegen technischer Mängel, ungenügender Produktsicherheit und als Mittel zur Einführung in die Nikotinabhängigkeit ein Risiko besonders für Kinder und Jugendliche dar. Experten fordern, dass die E-Zigarette wie die üblichen Zigaretten behandelt werden sollten.

 

 

Was geht rum? 18. April 2015

Der Frühling ist da. Und mit ihm die Allergien. Wie schon in den vergangenen Jahren empfiehlt sich für viel Allergiker die Einnahme von sog. Antihistaminika. Die können in begrenztem Maße die Beschwerden der Allergie lindern: weniger Juckreiz an Augen und Nase, weniger Fließschnupfen und auch weniger Niessen. Die tägliche Einnahme auch bei kurzen Regenperioden ist sinnvoll; dadurch kann ein Effekt erhalten werden, der die Entzündung niedrig hält.

Die Allergiker müssen leiden. Andererseits sind aber die Infekte weiter zurückgegangen. Und wer denkt noch an die Grippe? Lange vergessen, mit den angenehmeren Temperaturen sind für die meisten KInder gesundheitlich angenehme Zeiten angebrochen.

Im Moment treten noch Krupphusten und eine Magen-Darm-Grippe auf. Keine Kinderkrankheiten.

Neurodermitis: mögliche Langzeitfolgen

Neurodermitis ist eine häufige Krankheit. Heute rechnet man, dass in den Industrieländern – je nach Diagnosekriterien – etwa 30% der Kinder davon betroffen sind. Manche leicht, manche immer mal wieder und einige sehr heftig über viele Jahre. Und wie bei allen chronischen Erkrankungen: Die Symptome lassen öfter mal nach, gehen auch über Jahre vollständig zurück, können aber bei spezifischen Belastungen jederzeit wieder auftreten. Es ist also sinnvoll, auch an mögliche Langzeiteffekte zu denken.

Im März haben Silverberg JI und Greenland P aus Chicago Daten veröffentlicht (JACI, 2015), die sie bei jeweils ca. 30.000 Menschen im Alter von 18 bis 85 Jahren in den Jahren 2010 und 2012 erhoben hatten. Dabei zeigte sich, dass bei Menschen mit Neurodermitis alle Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen deutlicher ausgeprägt waren: Rauchen (Faktor 1.3), Alkohol (Faktor 1.3), Adipositas (1.5), Bewegung (0.8 – was bedeutet, dass sich Menschen mit Neurodermitis in 20% weniger aktive bewegen als Hautgesunde) sowie Diabetes (1.7).

Fazit

Alle Kinder müssen sich schon heute des riesigen Angebot an Nahrung erwehren, um nicht an Übergewicht zu erkranken. Sie sollten sich viel bewegen (und wenn irgend möglich nicht mit dem Auto in die Schule gefahren werden). Und sie sollten in einer Umgebung leben, die es ihnen leichter macht später nicht zu rauchen.

Für Kinder mit Neurodermitis scheint dies alles noch wichtiger zu sein als für die anderen!

Brustentwicklung bei Jungs in der Pubertät

Die Entwicklung einer Brustschwellung bei männlichen Jugendlichen ist nicht selten. Nach Studienlage sind 60% aller Jugendlichen von der Pubertätsgynäkomastie - so der medizinische Fachausdruck – betroffen. Diese taucht meist im 14. Lebensjahr auf und beunruhigt und stört die Betroffenen oft.

In aller Regel ist die Schwellung der Brust auf eine Schwellung der Drüsenkörper zurückzuführen, manchmal kann sie aber durch eine überschüssige Fettbildung (“Lipomastie”) bedingt sein. Meist bilden sich diese Veränderungen alleine zurück. Um das aber zu beurteilen und um gefährliche Schwellungen (Tumoren, chronische Erkrankungen u.a.) auszuschließen ist eine Vorstellung beim Kinder- und Jugendarzt wichtig.

Was geht rum? 11. April 2015

Die Infektionen haben sich in den letzten Tagen nochmals gewandelt. In dieser Woche traten neu Erkrankungen an Herpangina auf. Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die gerne in der wärmeren Jahreszeit vorkommt und leichtes Fieber sowie Halsschmerzen verursacht. Schweres Krankheitsgefühl ist selten.

Der Frühling kommt langsam in die Gänge. Nach langen Wochen mit tiefen Temperaturen können sich die Allergiker noch einige Tage in Sicherheit wiegen. Der Birkenpollenflug am Oberrhein hat aber bereits eingesetzt.

In der nächsten Woche ist Dr. Wolff im Urlaub. Die Vertretung in dringenden Notfällen übernimmt Dr. Niethammer. Bitte wenden Sie sich wegen spezieller Rezepte (Ergotherapie, Physiotherapie) wieder an uns, wenn wir ab Montag, dem 20. April, wieder für Sie bereit sind.

Hundebissverletzungen

Hundebissverletzungen sind nicht gar so selten wie vermutet. Aus Deutschland gibt es hierzu keine Angaben;  in den USA wird die Häufigkeit in der Altersgruppe 0 – 4 Jahre mit 254 Bissverletzungen auf 100.000 Kinder angegeben. Bei den Kindern von 5 bis 9 Jahren liegt sie noch etwas höher.

Hundebisse betreffen auch Säuglinge und verlaufen bei diesen   besonders schwer und zum Teil auch tödlich. Die Bisse erfolgen dabei fast immer durch den eigenen Hund, der in einem unbeobachteten Moment – aus Eifersucht? – den Säugling oder das Kleinkind angreift. Dessen sollte sich jeder Hundebesitzer bewusst sein.

Empfehlung

In der Gegenwart von Säuglingen und Kleinkindern müssen Hunde zu jederzeit beobachtet und niemals alleine beim Kind gelassen werden.