Archiv für den Monat: Mai 2015

Was geht rum? 30. Mai 2015

Mitten in den Ferien ist es noch immer recht kühl. Und somit erstaunt die Zahl der Atemwegsinfekte nicht. Dabei treten weiterhin häufig Mittelohrentzündungen und vereinzelt Lungenentzündungen auf.

Neu hinzugekommen sind einige Erkrankungen an Scharlach. Bei dieser Erkrankung tritt bekanntlich die sog. Erdbeerzunge auf. Diese zeigt einen Rückgang des weißen Belages vom Rande her, an dem dann aus geröteten Zunge kleinste Papillen herausragen. Diese ergeben das charakteristische Bild, das der Oberfläche einer Erdbeere gleicht. Die Erdbeerzunge ist ein Symptom, das nicht nur beim Scharlach sondern auch anderen Krankheitsbildern auftritt. Erdbeerzunge ist also kein Beweis für den Scharlach.

Ab Montag ist Dr. Niethammer 2 Wochen im Urlaub. In dieser Zeit behandeln wir akute Erkrankungen wie gewohnt am gleichen Tag. Längerfristige Probleme wie beispielsweise chronische Verstopfung müssen jedoch etwas aufgeschoben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Notdienst? An wen kann ich mich wenden?

Ab heute, dem 27. Mai 2015, wird in ganz Baden-Württemberg die neue Rufnummer für den allgemeinärztlichen Notfalldienst eingeführt: 116 117. Diese Nummer gilt nicht für den kinderärztlichen Notfalldienst!

Hier gilt für die Kreise Sigmaringen und Zollern-Alb weiterhin die bisherige

Notfallnummer der Kinderärzte:      01801 929 345

Bitte beachten Sie, dass die Organisation der Notdienste gerade im Umbruch ist. Im Moment können Sie sich im Notfall je nach Wohnort an folgende Stellen wenden:

  • Kinderärztlicher Notfalldienst Kreise Sigmaringen / Zollern-Alb    01801 929 345
  • Kinderärztlicher Notdienst an der Kinderklinik in Singen    01805 19292 350
  • Kinderärztlicher Notdienst an der Kinderklinik in Ravensburg   01801  929  288

Allergiebelastung: Wie viel darf es denn sein?

Eine Nahrungsmittelallergie stellt im Alltag für die Betroffenen ein erhebliches Problem dar. Viele Lebensmittel sind mit dem Zusatz “… kann Spuren von … enthalten” versehen. Und dann? Sicherheitshalber meiden viele Allergiker solche Produkte. Aber ist das überhaupt nötig?

Forscher um die Allergologin Barbara Ballmer-Weber aus Zürich haben sich dieser Frage angenommen und für zunächst fünf Nahrungsmittel die Allergieschwelle bestimmt (JACI 2015; 136:964-71). Das hört sich zunächst einfach an, erfordert aber ein sehr akkurates und komplexes Vorgehen. Im Einzelnen fanden sie eine Schwellendosis heraus, die bei 10% der betroffenen Allergiker eine Reaktion auslöst. Die Gewichte sind alle abhängig vom Trockengewicht zu sehen.

Erdnuss          11.2 mg einer Erdnuss (ein Erdnusskern wiegt etwa 500 mg)

Haselnuss      67 mg einer Haselnuss (ein Haselnusskern wiegt etwa 3 g)

Sellerie           1.6 mg (100 mg Selleriewurzel)

Fisch              27 mg (entsprechend 150 mg Kabeljau)

Shrimp           2,5 g (entsprechend 12,8 g Garnelenfleisch)

Es zeigt sich, dass die ersten vier Allergene im Bereich von Milligramm bei den 10% stärksten Allergikern Probleme auslösen, während es bei der Garnele doch immerhin 12.8 Gramm braucht, um eine Reaktion hervorzurufen.

Fazit: 

Spuren von Garnelen in Nahrungsmitteln dürften auch bei einer Unverträglichkeit von Garnelen keine Symptome hervorrufen. Dies ist bei Erdnuss, Haselnuss, Sellerie und Fisch anders! Für eine Umsetzung im Alltag sollte im individuellen Fall immer der Allergologe zu Rate gezogen werden.

Was geht rum? 23. Mai 2015

Am sonnigen Montag dieser Woche war der Gräserpollenflug noch recht heftig und hat erhebliche Beschwerden bei Allergikern hervorgerufen. Davon waren besonders die Asthmatiker betroffen. Seither ist wieder Pause und wenn die Vorhersagen stimmen, wird sich der Pollenflug über und nach Pfingsten in Grenzen halten. Also zunächst keine sehr große Gefahr für Allergiker.

Infekte der Atemwege gibt es weiterhin. Im Vordergrund steht eine Kehlkopfentzündung (Laryngitis) mit heiserer und teils fehlender Stimme begleitet von Halsschmerzen, aber eher wenig Fieber.

Kinderkrankheiten traten in dieser Woche nicht auf.

Sonnenschutz

Draußen regnet es gerade. Und es ist kalt. Dennoch: Heute starten die zwei Monate mit der stärksten Sonneneinstrahlung im Jahr. Für Kinder ist es besonders wichtig, sie vor zu starker UV-Strahlung zu schützen. Das Kindes- und Jugendalter ist die Zeit, in der 80% der lebenslangen Sonnenlichtexposition stattfinden. Die dabei auftretenden Zellschäden haben noch sehr lange Zeit sich negativ auszuwirken. Oder anders herum: Die Kinder entscheiden als künftige Erwachsene nur noch über 20% ihrer lebenslangen Sonnenbestrahlung. Eine große Verantwortung von Eltern für die gesundheitliche Zukunft ihrer Kinder.

Was können Eltern tun?

1. Das einfachste ist der Sonnenschutz durch Mützen und Schatten. Dieser sollte besonders bei Säuglingen angewandt werden, für die die Anwendung von Sonnencremes auch negative Effekte mit sich bringen kann.

2. Grössere Kinder und Jugendliche sollten natürlich auch eine Mütze aufziehen, die den behaarten Kopf und das Gesicht, wenn möglich auch den Nacken vor direkter Sonne schützt. T-Shirts sollten im Sommer – auch im Schwimmbad – regelhaft angezogen werden.

3. Darüber hinaus kommen Sonnencremes zur Anwendung. Dabei ist ausnahmsweise eine ausreichende Anwendungsmenge wichtig – also eher dick auftragen. Für einen Erwachsenen ist die Menge von 30 ml für eine einmalige Anwendung empfohlen!

4. Bitte beachten: Die UV-Strahlung erwischt den Körper weitgehend auch unter Wasser. Sie ist in einer Tiefe von 1 Meter nur um 20% abgeschwächt. Nach zweimaligem Baden von 20 min Dauer ist der Sonnenschutz durch Cremes nur noch halb so stark.

5. Die stärkste Sonnenbestrahlung ist zwischen 11 Uhr und 15 Uhr. In dieser Zeit mit Kindern konsequent den Schatten aufsuchen.

 

Geschichte der Impferfolge

Impfungen lösen weiterhin viele unerbittliche Debatten aus. Wie kein anderes Thema in der Pädiatrie wird über Impfungen sehr emotional diskutiert. Am Anfang steht immer die Frage, was vertrittst Du? Ein Blick in die Geschichte wird kaum gewagt. Dabei sind die Impfungen jünger als manche unserer noch heute lebenden Mitbürger. Es wäre ein Einfaches, unsere Großeltern direkt zu befragen.

Diphtherie

In den USA wurden im Jahre 1921 206,939 Fälle von Diphtherie registriert, an denen 15,520 Menschen starben (also 7.5% aller Erkrankten). Danach wurde die Impfung eingeführt (im Bild Durchführung der Impfung in den USA in den 1920′ger Jahren). Im Jahre 1997 wurden bei uns 5 Fälle von Diphtherie festgestellt. Ein Erfolgsgeschichte, sollte man meinen, 99.99% aller Erkrankungen werden heute verhindert!

Für alle, die sich für die Geschichte der Impfung interessieren, ein gut gemachter Beitrag (in englisch):  http://www.historyofvaccines.org/content/timelines/all - als ein Baustein für Diskussionen über die Impfungen.

Was geht rum? 16. Mai 2015

Mit den heißen Sommertagen zu Beginn der Woche traten die ersten Allergien gegen Gräser auf. Oft heftig und mit allergischem Asthma. In dieser Situation beschränken sich die Beschwerden teilweise nur auf Husten und sind nicht so eindrücklich wie bei den typischen Heuschnupfenerkrankungen mit schniefender Nase und laufenden Augen. Dennoch: Asthma ist gefürchtet, kann es doch nachts oder in den frühen Morgenstunden, wenn der Pollenflug des neuen Tages beginnt, zu Asthmaanfällen führen. Eine ärztliche Untersuchung bei Husten ist im Moment also früher angesagt, wenn der Verdacht auf Allergie besteht wie bei Husten ohne Fieber.

Infekte gibt es davon unabhängig auch. Gehäuft tritt wieder die Mundfäule auf (sog. Stomatitis aphthosa), die meist von hohem Fieber und starken Mundschmerzen begleitet ist. Scharlacherkrankungen sind eher selten – werden aber häufig mit der Mundfäule verwechselt.

Plötzlicher Kindstod auf dem Sofa?

Die genaue Ursache für den plötzlichen Kindstod ist bis heute nicht geklärt. Durch viele Beobachtungen – die wichtigste ist die Empfehlung der Rückenlage im Schlaf – konnte jedoch die Häufigkeit dieses Schreckens deutlich gesenkt werden.

Nun kommt ein neuer Aspekt hinzu. Forscher um LR Rechtman untersuchten 1024 Todesfälle in den Jahren 2004 bis 2012 in 24 US-Staaten (Pediatrics, 2014). Sie fanden, dass 12.9% der Todesfälle bei Säuglingen (Plötzlicher Kindstod = SIDS) auf dem Sofa stattfanden. Oft fand dieses Ereignis statt während sie dort mit einer anderen Person – meist Mutter oder Vater – ein Nickerchen machten. Die Forscher vermuten, dass dies mit der weichen Unterlage zu tun hat.

Dieser neue Aspekt des plötzlichen Kindstodes muss sicher noch weiter untersucht werden.

Eltern sollten aber bis auf Weiteres Ihre Säuglinge nicht auf Sofas oder andere weiche Unterlagen legen und sollten auch auf das gemeinsame Nickerchen auf dem Sofa aus Sicherheitsgründen verzichten.

“Töpfchen” – Training

Beim Kontakt mit Familien wird schon gerne mal gefragt: “Kann Deiner schon laufen?”. Oder: “Ist Deine Tochter schon sauber?”. Dahinter steckt manchmal durchaus ein Leistungsgedanke, der Eltern gelegentlich dazu bewegt, diese Prozesse zu beschleunigen. Aber ist das gut?

Dieser Frage hat sich eine Studie gewidmet. Die Forscher um Steve Hodges untersuchten im vergangenen Jahr 112 Kinder (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4199658/ ) . Sie verglichen Kinder, die bereits vor dem zweiten Geburtstag aufs Sauber-Werden trainiert wurden mit solchen, bei denen dies erst im dritten Lebensjahr erfolgte. Dabei zeigte sich, dass das Einnässen tagsüber in der zweiten Gruppe später nur halb so häufig auftrat als bei den früh trainierten Kindern. Auch Verstopfung trat bei den früh trainierten Kindern deutlich häufiger auf.

Eigentlich ist es wie so oft recht einfach: Wenn Kinder Interesse am sauber werden haben sollte man sie dabei unterstützen.

Oder anders herum: Nicht die Umgebung bestimmt was ein Kind erlernen soll, sondern das Kind gibt den Rhythmus vor. Bei dem heutigen Leistungsdruck ist es manchmal enorm schwierig, Kinder vor dem Druck zu bewahren. Wagen Sie es trotzdem!

 

Was geht rum? 09. Mai 2015

Langsam kommt der Frühsommer und mit ihm ein herrliches frisches Grün der Natur – wie hier im Neidling bei Pfullendorf (nebenstehendes Bild). Dadurch ändern sich auch die möglichen Belastungen für die Gesundheit.

Durch die meist niedrigen Temperaturen sind im Moment kaum allergische Erkrankungen zu beobachten. Das wird sich vermutlich bald ändern, wenn der Gräserpollenflug einsetzt. Für Montag bis Mittwoch nächster Woche sollten sich Allergiker wappnen.

Viele Kinder werden von Magen-Darm-Infektionen geplagt, die teilweise auch mehrfaches Erbrechen über 2-3 Tage verursachen. Wichtig ist, zu Beginn der Beschwerden dem Körper langsam Flüssigkeit zuzuführen. Besser als reines Wasser, sondern in Form einer sog. Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©). In dieser sind Wasser, Glucose und Elektrolyte (=Salze) in idealer Weise kombiniert.

Die Racheninfekte mit Mittelohrentzündung gehen langsam zurück.

Kinderkrankheiten sehen wir im Moment keine.