Kindergarten – Ende eines Paradieses

Mein Kindergarten erscheint mir heute wie ein Paradies. Vermutlich war es es nicht ganz – das Alter lässt bekanntlich die Vergangenheit immer im Sonnenlicht scheinen und vergisst Hässliches.

Was ist heute los? Interessant ist bereits, die Einträge über das Wort Kindergarten – so heißt er ja auch im Amerikanischen – auf Wikipedia zu lesen. In der deutschen Sektion heißt es hier, dass Kindergarten “immer häufiger auch als Sammelbegriff für alle Einrichtungen der Kindertagesbetreuung” benutzt werde. Auf der englischsprachigen Seite hingegen, wird im ersten Satz die Intention dieses Kindergartens beschrieben:  ”is a preschool educational approach traditionally based on playing, singing, practical activities such as drawing, and social interaction as part of the transition from home to school“. Was also im Englischen noch ein Erziehungsansatz auf dem Weg zur Schule ist, ist bei uns schon zu Betreuung degradiert. Bei uns geht es mehr darum, Kinder über den Tag hinwegzubringen. Deswegen wird auch das Wort “Kind” immer mehr zurückgedrängt und beispielsweise durch die Vokabel Familienzentrum ersetzt. Auf der englischen Wikipedia-Seite sind 39 Länder aufgeführt, in denen es den Kindergarten gibt. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens sie diesen Begriff erhalten und weiter pflegen, so wie er ursprünglich angedacht war.

Der Ursprung eines Kindergartens liegt vermutlich in Straßburg, wo 1779 die erste Institution eingerichtet wurde, die sich um Kinder bemühte, die tagsüber nicht anders betreut werden konnten. Die Idee, das sich Kinder “in einem Garten unter dem Segen des Himmels und der Pflege des Gärtners” entwickeln könnten kam im Jahre 1840 Friedrich Fröbel (siehe Bild; Quelle: en.wikidepia.org) aus Bad Blankenburg: er schuf das Wort Kindergarten.

Für mich löst die Erinnerung an den Kindergarten bis heute Glücksgefühle aus. Ich glaube, das hängt auch mit dem “garten” zusammen. Schon immer machte es mir Spaß Pflanzen gedeihen zu sehen, angefangen von meiner ersten (Mini-) Erdbeerplantage am Kaiserstuhl im Alter von 10 Jahren bis zum Gedeihen eines Frangipani heute. Ich denke Eltern sollten für ihre Kinder den Rahmen schaffen, auch in einem solchen Garten gedeihen zu dürfen unter der liebevollen Pflege von Menschen, denen Liebe wichtiger ist als Förderung – was meist mit viel Fordern verbunden ist. Nebenbei: Förderung findet ohnehin permanent statt, ohne dass das Wort aufgerufen wird.

Ich finde es jedenfalls toll, dass es den Wald- und Wiesenkindergarten inzwischen gibt. Da ist dann sogar noch die Nähe zur Natur dabei. Auch wenn’s mal regnen sollte.