Übergewicht: wehret den Anfängen!

Seit Jahrzehnten ahnten wir es, nun ist es soweit. Übergewicht bekommt in Deutschland zunehmend die Bedeutung wie in den USA. Dort hat dieses Problem in den 1960ger Jahren begonnen, parallel auch die massive Zunahme von Asthma bronchiale. Deswegen wird auch bis heute diskutiert, warum diese beiden Krankheiten ihren Anstieg gemeinsam erlebten. Vermutlich ist des die mangelnde Bewegung, die das Risiko für beide Probleme steigert.

In meiner Kindheit, die vor dem Jahre 1960 begann, drängten wir Kinder nach der Schule darauf, schnell mit den Hausaufgaben fertig zu werden und raus zu gehen. Danach hatten wir alle Freiheit uns zu bewegen, solange wir um 18 Uhr mit dem Schlagen der Uhr des Stadttores wieder zuhause waren. Wohin wir gingen, was wir anstellten oder auch nicht hat niemanden besorgt. Für Kinder heute unvorstellbar. Bei all diesen Aktionen haben wir Kalorien verbrannt. Nach Essen hat uns nachmittags nie verlangt. Wir spielten, rannten und hatten viel Spaß. Nebenbei: es gab ohnehin nur Grundprodukte zum Essen. Joghurt war Luxus, Schokolade sahen wir zu Weihnachten und Ostern, Chips kannten wir nicht.

Heute haben Eltern normalgewichtiger Babys Sorge, ihre Kinder seinen zu dünn und müssten doch mehr essen. Wer immer das ihnen einredet oder Eltern dazu verführt Kinder zu stopfen (wie zum Beispiel den Löffel in den Mund zu stecken, während ein Kind staunend mit offenem Mund zum Fenster raus schaut), der trägt schon früh dazu bei, dass Essen einen Stellenwert bekommt, der nicht sinnvoll ist. Essen ist so billig wie nie in Europa und überall frei verfügbar. Wir müssten den Kindern am eigenen Beispiel zeigen, dass essen ein sehr sinnliches und angenehmes Ereignis sein kann. Aber es muss nicht ständig stattfinden.

Das gemeinsame Mahl am Tisch hingegen wäre wichtig. Das gibt es bis heute in fast allen Kulturen. Wir sollten es beibehalten so gut es geht.

“Es regnet. Fahrt Ihr mich in die Schule?” Im besten Fall hätte diese Frage in meiner Kindheit Staunen hervorgerufen. In die Schule gebracht zu werden war irgendwie abartig. Heute zeigen Studien, dass Übergewicht ganz eng verbunden ist mit der Tatsache, ob Kinder mit dem Fahrzeug zur Schule oder zum Kindergarten gebracht werden. Das sehen übrigens auch viele Eltern, aber sie handeln anders. Ausdruck dieses kollektiven Fehlverhaltens ist beispielsweise der riesige Parkplatz am “Familienzentrum Neidling” in Pfullendorf (siehe nebenstehendes Bild). Nun fördern wir also noch mit staatlichen Geldern Parkplätze, laden Eltern dazu ein die ihre Kinder mit dem Auto zu bringen und fördern damit das Übergewicht. Adipositasprogramme versuchen später, dies wieder umzukehren. Dabei ist Pfullendorf so groß, dass jedes Kind jeden Ort zu Fuß erreicht werden könnte.

Eltern sind Vorbilder. Ab Geburt. Was wir machen oder nicht machen hat Einfluss auf die Kinder. Das sollten wir nie vergessen. Und den Einfluss nutzen.