Archiv für den Monat: August 2015

Picasso in Pfullendorf?

Nein, ich behaupte nicht dass mein Beruf ganz doll sei. Denn täglich nimmt die Bürokratie zu. Alle, die permanent in den Medien darstellen, dass Verschlankung der Papierflut wichtig sei tragen ständig dazu bei, dass sie mehr wird. Und der Computer? Der kostet nur. Und hat mitnichten dazu beigetragen die Bürokratie zu hemmen.

Warum ich meine Arbeit (also nicht die Beschäftigung mit Papieren!) sehr mag, ist die Kreativität, die Lebenslust und die Unterschiedlichkeit der Kinder. So ganz nebenbei malen sie, was vor über 100 Jahren Picasso berühmt machte. So wie Livia, erst 4 1/2 Jahre alt.

Bleibt zu hoffen, dass im starren Alltag von Förderungen und Forderungen ihr Talent nicht zerstört wird. Viele Male ist es besser, wenn Erwachsene einfach zusehen was Kinder machen ohne in die Begeisterung oder Kritik zu verfallen. Stilles Genießen spüren Kinder mindestens ebenso.

Picasso ist nicht tot. Er wurde in Pfullendorf gesehen!

Praxis heute Abend ab 16:30 Uhr geschlossen

Die Flüchtlinge sind längst auch im Kreis Sigmaringen angekommen, darunter auch Kinder.

Zur ärztlichen Versorgung dieser Kinder wird Dr. Wolff heute erstmals nach Sigmaringen in die Erstaufnahmestelle fahren. Wir hoffen auf Ihr Verständnis. Die Praxis wird deswegen ab 16:30 Uhr geschlossen sein, da Dr. Niethammer in Urlaub ist. Die Vertretungen erfahren Sie über unseren Antwortbeantworter bzw. den Aushang an der Praxistüre.

Die Situation ist für alle Beteiligten neu und unerwartet. Das verlangt Spontanität und Kreativität. Wir sollten aber davon ausgehen, dass sich solche Termine in den kommenden Monaten häufen werden (Bildquelle: AWO)

Was geht rum? 29. August 2015

Diese Woche brachte den Hochsommer nochmals zurück. Der tropische Frangipani (siehe Bild rechts) zeigte nochmals seine zart und wohlduftenden Blüten.

Einhergehend mit dem herrlichen Wetter sind auch wenig Infektionen im Umlauf. Schön für die Kinder, die ihre Ferien genießen. Weiterhin treten einige Fälle von Herangina auf, einer Racheninfektion, die Schluckbeschwerden verursacht, aber ansonsten in aller Regel nicht schwer beeinträchtigt. Vereinzelt Mittelohrentzündungen, eine Lungenentzündung – insgesamt also wenig aktuelle Infektionen.

Kinderkrankheiten traten in dieser Woche keine auf.

Schilddrüsenhormone – das ist bei der Einnahme zu beachten

Erkrankungen der Schilddrüse spielen in der Kinder- und Jugendmedizin eine nicht unerhebliche Rolle. Meist geht es um Störungen, die mit einer Unterfunktion der Schilddrüse verbunden sind, so dass eine Therapie mit Schilddrüsenhormon erforderlich ist. Dabei wird in der Regel als Ersatz sog Levothyroxin dem Körper zugeführt.

Um eine möglichst gute Einstellung der Schilddrüsenfunktion zu erreichen ist es wichtig, die Blutspiegel an Hormonen konstant zu halten. Die Aufnahme des Hormons ist jedoch sehr sensibel und von vielen Faktoren abhängig, die unbedingt beachtet werden sollten.

1. Die Einnahme von Levothyroxin (L-Thyrox) sollte immer morgens nüchtern zu etwa der gleichen Zeit erfolgen. Die Tablette wird dabei zusammen mit Leitungswasser (nicht Mineralwasser !) eingenommen.

2. Für die ersten beiden Stunden nach Einnahme: keine Milch, also auch nicht das geliebte Müesli morgens essen.

3. Einige Nahrungsmittel können die Bildung von Jod, also die Entwicklung von wirksamem Hormon, stören. Dazu gehören:  Raps, Kohl, Senf, Rettich, Rüben, Mais und Bambus, aber auch Kohlrabi.

4. manche Medikamente haben ebenso einen Einfluss: so können Eisensalze, aber auch Östrogene den Abbau der Hormone steigern und damit den Hormonspiegel senken. Auch Epilepsiemedikamente, einige Antibiotika und Malariamedikamente hemmen die Wirkung des Hormons.

Um die gewünscht stabilen Hormonverhältnisse zu erreichen, müssen viele Faktoren bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen ständig beachtet werden.

 

Brustschmerz: Spontanpneumothorax

Brustschmerzen sind gerade bei jugendlichen Patienten nicht selten. Meist treten sie in Form blitzartiger massiver Schmerzen auf, die einseitig sind und nicht lange anhalten. Durch die Heftigkeit und das Gefühl nicht mehr atmen zu können lösen sie jedoch erhebliche Ängste aus. Solche Schmerzen sollten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden, sind in den meisten Fällen aber harmlos.

Nicht harmlos ist der sog. Spontanpneumothorax. Hierbei kommt es zu einer Luftansammlung im sog. Pleuralraum, also dort wo die beiden zarten Häutchen (im deutschen brutal “Brustfell”, medizinisch Pleura genannt), die einerseits die Lunge, andererseits den Brustkorb innen überziehen aufeinander gleiten. In diesem Raum befindet sich im Normalfall ein geringster Flüssigkeitsfilm, der das Gleiten der Lunge gegen die Innenseite des Brustkorbs zulässt. Kommt nun in diesen Zwischenraum Luft, wird Schmerz ausgelöst und in Abhängigkeit von der Luftmenge die Lunge komprimiert. Dadurch kann im ungünstigsten Fall – falls der Lufteintritt von einem Einriss der Pleura der Lunge herrührt – in kurzer Zeit ein Kollaps eines Lungenflügels eintreten (siehe Abbildung rechts; Quelle: healthtap). Dadurch wird auch relativ schnell die Herzfunktion betroffen, indem die Herzposition durch die veränderten Druckverhältnisse ebenfalls verändert wird.

Beim Spontanpneumothorax treten teils schwache, teils starke Schmerzen im Brustkorb auf, die jedoch nicht nach kurzer Zeit nachlassen. Betroffen sind meist junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die häufig schlank sind. Je nach Schwere wird auch Laien sofort klar, dass es sich um einen schweren Notfall handelt. In zunächst leichten Fällen, kann der Betroffene aber durchaus noch gut beieinander sein. Da diese Situation jedoch labil ist, sollte nicht abgewartet sondern sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Fazit

Plötzlicher Brustschmerz mit oder ohne Husten/ Atemnot sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Am besten umgehend, sofern er nicht in wenigen Sekunden ganz zum Verschwinden kommt.

Kinder und Tiere

Für viele Mädchen gibt es nichts schöneres, als ein Pferd zu haben. Diesen Wunsch nach dem starken Tier, das sie pflegen, liebevoll behandeln und ausreiten hegen einige schon sehr früh. Wie die 4 1/2 Jahre alte Luisa, die das wunderbare Bild zu diesem Traum malte.

Sind Tiere für Kinder sinnvoll? Diese Frage wird schon immer diskutiert und heute in aller Regel sehr positiv beantwortet. Laut einer Studie von Prof. Ohr aus Göttingen (2014) überwiegen in Deutschland zwar noch die Haushalte ohne Tierhaltung (62%). Betrachtet man ab der die Haushalte in denen Kinder leben, so zeigt sich, dass die Kleintiere (Meerschweinchen u.a.) zu 48% in Haushalten mit Kindern leben, ebenso Hunde (25.8%) und Katzen (27.1%). Interessanterweise haben Haushalte mit Tierhaltung auch eine höheres Einkommen als jene, in denen keine Tiere leben.

Aus der Sicht eines Kinder- und Jugendarztes hat die Tierhaltung viele Aspekte. Zum einen ist es sicher günstig, wenn Kinder sich um andere Lebewesen, also zum Beispiel um eine Katze kümmern und Verantwortung übernehmen. Das findet allerdings in der Realität nicht allzu oft statt, weil nach wenigen Wochen die anfängliche Begeisterung nachlässt und Eltern die tägliche Arbeit übernehmen. Zum anderen stellen beispielsweise Hunde für Säuglinge und Kleinkinder manchmal eine reele Gefahr dar. Aus unterschiedlichen Gründen – häufig aus Eifersucht – kann es hierbei sogar zu tödlichen Attacken kommen. In Bezug auf Allergien ist die Situation recht komplex. In dieser Hinsicht sind Hunde, die bereits bei Geburt in der Wohnung leben günstig. Katzen hingegen sind eher kritisch zu sehen.

Am besten sind sicher Pferde. Sie leben in Ställen, separat, und haben nur einen geringen Einfluss auf das neuerliche Entstehen von Allergien. Und die meisten Kinder, die sich Pferde wünschen, übernehmen auch die nötige Verantwortung. Durch den engen Kontakt beim Reiten entstehen Beziehungen, die in vielfältiger Weise günstig sind und beispielsweise auch bei seelisch und körperlich behinderten Menschen positive genutzt werden.

Übrigens: Auf dem Lande in Madagaskar ruft die Frage nach Haustieren völliges Unverständnis hervor. Keiner kann sich vorstellen, einen Hund oder eine Katze in der Wohnung zu halten. Dass sie ums Haus herumlaufen, okay. Im Haus sind nachts nur die Hühner erlaubt. Nicht aus Liebe, sondern schlicht, weil sie sonst geraubt oder gerissen würden. So unterschiedlich können Kulturen auch im Jahre 2015 sein.

Was geht rum? 15. August 2015

Zur Zeit bin ich in Urlaub. Damit entfällt die Rubrik in dieser und in der nächsten Woche. Dr. Niethammer arbeitet bis inklusive Dienstag dem 18. August. Danach bleibt die Praxis bis Freitag komplett geschlossen. Die jeweiligen Vertretungen entnehmen Sie bitte dem Anrufbeantworter bzw. dem Aushang an der Praxistüre.

Ab 24. August arbeitet Dr. Wolff – mit halber Frauschaft – zu den üblichen Zeiten.

Systemerkrankung mit Nickel

Kontaktallergien sind häufig. Gerade kürzlich wurde ermittelt, dass in Deutschland 27% der Hauttestungen auf Kontaktallergien eine Sensibilisierung aufweisen. Und weiterhin ist Nickel führend. Bei diesem Typ von Allergie kommt es an der Kontaktstelle zu einer begrenzten Hautreaktion. Typisches Beispiel ist der Hosenknopf, der eine Rötung unterhalb des Hautnabels auslöst.

Weniger bekannt ist, dass Nickel auch in Nahrungsmitteln vorkommt. Durch den Verzehr in grösseren Mengen kann dies bei Kindern und Erwachsenen zu Ausschlägen auf der gesamten Haut führen. Dies herauszufinden ist schwierig, denn der Nickelgehalt von Nahrungsmitteln schwankt erheblich. Bedeutsame Mengen von Nickel gibt es in Schokolade (siehe nebenstehendes Bild) – übrigens auch in der weißen Schokolade. Sehr hoher Gehalt kann auch in Erdnüssen, Industriekäse, Haferflocken und Bohnen erwartet werden. Bei unklarem Ekzem sollte der Versuch einer entsprechenden Diät innerhalb einiger Wochen eine klare Besserung der Beschwerden erbringen.

Ob eine solche Unverträglichkeit in Frage kommt oder nicht, sollte im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung geklärt werden. Einen einfachen Test zur Sicherung  einer Allergie gibt es jedoch weder auf der Haut noch im Blut.

Alkohol – die unterschätzte Droge

In Deutschland sterben gemäß dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung in jedem Jahr 74.000 Menschen an den Folgen von Alkohol. Im gleichen Bericht war in diesem Jahr zu lesen, dass ein steigender Konsum von Alkohol bei Frauen unter 24 Jahren zu beobachten war.

Eine gute Nachricht gab es auch. Während im Jahre 2012 noch 27.000 Krankenhauseinweisungen von Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen waren, waren es 2013 gut 3000 weniger Jugendliche, die stationär behandelt werden mussten.

Alkohol ist eine Droge. Gesellschaftlich anerkannt und legal und dennoch für viele Menschen ein Problem. Darüber sollte mit Kindern und Jugendlichen geredet werden. Und: Es ist keine Aufgabe von Erziehungsberechtigten oder anderer Erwachsenen mit ihren Schutzbefohlenen “das erste Bier zu trinken”. Es wäre besser, wenn diese den Jugendlichen vermitteln würden, dass sie das zweite Bier unterlassen sollten. Diese Grenze kennenzulernen wäre eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung.