Archiv für den Monat: September 2015

Neu: Untersuchung der Neugeborenen auf Mukoviszidose

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist eine höchst wichtige Organisation, die weitreichende Entscheidung trifft und dennoch den meisten Menschen unbekannt ist. Sie ist das “oberste Beschluss­g­re­mium der gemein­samen Selbst­ver­wal­tung der Ärzte, Zahn­ärzte, Psycho­the­ra­peuten, Kran­ken­häuser und Kran­ken­kassen in Deut­sch­land”.

Am 20. August wurde vom G-BA entscheiden, dass Eltern sich nun kostenfrei dafür entscheiden können, im Rahmen des Neugeborenen-Screenings – das ist die Blutentnahme in den ersten Tagen nach der Geburt – ihr Kind auch auf Mukoviszidose zu untersuchen zu lassen. Da es sich um eine genetische Erkrankung handelt, müssen Eltern hierfür ihr aktives Einverständnis erklären.

Damit wird eine weitere Lücke geschlossen. Die Mukoviszidose ist eine angeborene Erkrankung. Je früher sie erkannt wird, umso schneller kann eine Therapie eingeleitet und damit der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst werden. Viele Länder in Europa wie England, Irland, Italien oder Österreich haben dieses Angebot schon länger. Nun sind wir auch so weit.

Bildquelle:  Graham Sym

Badesalz – mal nicht so harmlos

In der Politik und den regionalen Medien wird gerne die Problematik der klassischen Drogen wie Haschisch diskutiert, Und ganz nebenbei gerät damit in den Hintergrund, wo das vermutlich grösste Problem liegt: bei den “neuen psychoaktiven Substanzen” (NPS).

In der Neuen Zürcher Zeitung NZZ wurde kürzlich das Thema mit klaren Worten benannt. In Italien, wo gerade an den Meersküsten viele Sommer-Parties steigen, verschaffen sich wohl enorm viele Jugendliche den letzten Kick und die Power durchzuhalten mit Hilfe solcher Drogen. In der legendären Disco Cocorico “Coco” bei San Marino, die zu den 16 hippen Plätzen der Welt gehört, kam es zu einem Todesfall bei einer 16-Jährigen. Dies löste eine Welle von Schließungen verschiedener Diskotheken in Italien aus. Und führte zu Diskussionen über Sinn und Unsinn solcher Maßnahmen in Italien.

Was sind NPS? Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hat 81 neue Drogentypen im Jahr 2013 erfasst, 2008 waren es gerade mal 13. Der Handel dieser “legal highs” liegt im juristischen Niemandsland. Dadurch ist die Bestrafung des Handels mit den NPS kaum möglich, der Konsum aber durchaus gefährlich.

Mit witzigen Namen wie “Badesalz” wird zusätzlich Harmlosigkeit suggeriert. Badesalze sind Designerdrogen, die seit 4 Jahren in Deutschland Verbreitung finden. Sie rufen stimulierende Rauschzustände hervor. Deren Inhaltsstoffe sind zwar nicht immer legal, aber dennoch sind sie leicht übers Internet zu beziehen.

Es ist wichtig, über solche Gefahren mit den eigenen Kindern zu sprechen und sich nicht auf Diskussionen über Cannabis zu beschränken. Die Drogenindustrie arbeitet arbeitet weit raffinierter und schneller, als angenommen. Die einzelnen Cannibispflanzen zwischen dem Mais auf den Äckern des Linzgau sind schon lange nicht mehr das Problem.

Was geht rum? 26. September 2015

Der Herbst mit seinem wechselhaften Wetter ist eingezogen. Zeit, um bei Regen oder Dunkelheit sich in einen Sessel zu fletzen und mit den Kindern ein Buch zu lesen. Altmodisch, schon. Aber für Kinder immer faszinierend.

Passend zum Frühnebel in diesen Herbsttagen hat der Pseudokrupp (Infektkrupp) wieder deutlich zugelegt. Eltern, deren Kinder schon mal betroffen waren, sollten zur Sicherheit für den Notfall – also die akute Atemnot in der Nacht – Kortison zuhause haben (z.B. Rectodelt©, Klismacort©).

Die anderen Infekt legen ebenfalls langsam zu: einzelne leichter Fälle von Mittelohrentzündung, wenige Lungenentzündungen. Keine Angina, keine Kinderkrankheiten.

Essstörung bei Jugendlichen: eine komplexe Geschichte

Die häufigsten Essstörungen im Jugendalter sind die Anorexia nervosa (AN) und die Bulimia nervosa. Für eine erfolgreiche Behandlung ist die frühzeitige Erkennung der Erkrankung besonders wichtig. Dabei ist zu beachten, dass neben biologischen auch Umweltfaktoren eine bedeutsame Rolle spielen.

Anorexia nervosa betrifft meist Jugendliche von 14 – 19 Jahren, deren Gewicht sukzessive abnimmt. Die Häufigkeit dieser Störung ist seit zwei Jahrzehnten nahezu konstant. Bei der Bulimia nervosa (BN) ist der Heißhunger zusammen mit dem Kontrollverlust besonders typisch, während Erbrechen nicht zwingend auftreten muss. BN beginnt oft mit Fastenperioden, die von Heißhungerattacken unterbrochen werden.

Die Ursachen sind vielfältig. Interessant ist, dass in Afrika diese Erkrankungen nahezu nicht auftreten, also kulturelle Faktoren eine bedeutsame Rolle spielen. Daneben zeigen Zwillingsstudien, dass auch die Vererbung ein Faktor ist. Der Einfluss der Familie ist nach neueren Untersuchungen jedoch geringer als gedacht.

Die Problematik dieser Erkrankungen liegt in den somatischen Folgeerkrankungen, die oft durch hormonelle Veränderungen bedingt sind.

In der Behandlung steht eine enge Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendpsychiatern und Kinder- und Jugendärzten im Vordergrund.

Sollten sich Symptome zeigen, die auf eine der beiden Erkrankungen hinweisen, ist das frühzeitige Aufsuchen eine Kinder- und Jugendarztes sinnvoll, der zusammen mit dem/der Jugendlichen und den Eltern abschätzen kann, ob ggf. weitere Schritte sinnvoll sind.

Was geht rum? 19. September 2015

In der zu Ende gehenden Woche sind die Infekte wieder leicht zurückgegangen. Insbesondere traten kaum neue Mittelohrentzündungen auf.

Langsam scheinen aber die Erkrankungen der Bronchien wie Bronchitis und Asthma bronchiale zuzulegen. Eltern, deren Kinder Asthma haben sollten überprüfen, ob sie einen Notfallspray (z.B. Salbutamol©) oder entsprechende Inhalationslösungen zur Feuchtinhalation (z.B. am PARI-boy©) vorrätig haben.

Wir hoffen alle, dass uns ein goldener Herbst erwartet, in dem wir die Natur genießen können wie diese Leute im Pferdefuhrwerk bei Sauldorf.

Neue Impfempfehlungen der STIKO

Alljährlich im August kommen die neuen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) heraus. Diese stellen die Grundlage für die Anwendung von Impfungen in Deutschland dar.

Neu in diesem Jahr ist, dass eine der Impfungen gegen Pneumokokken wegfällt. Das bedeutet, dass bei der zweitem Impfung im Säuglingsalter regulär nur noch eine Spritze gegeben werden muss (nämlich die Sechsfach- oder die Fünffachimpfung – bei gleichem Impferfolg gegen die Pneumokokken. Schön für die Babies, denen jede Impfung weh macht.

Die anderen Neuerungen sind nicht gar so neu, haben aber etwas festgeschrieben, was schon lange so gehandhabt wird (z.B. bei der Gelbfieberimpfung).

Steuerminderung bei Krankheitskosten

Gerade bei chronischen Erkrankungen können sich laufende Kosten schnell summieren. In diesem Fall kann für einige Familien die steuerlich “zumutbare Belastung” überschritten werden und sie können von Vergünstigungen profitieren. Im Folgenden hierzu einige Hinweise mit freundlicher Genehmigung der Steuerberaterinnen Hangarter und Frankenhauser aus Pfullendorf. 

Krankheitskosten können als außergewöhnliche Belastung im Rahmen des § 33 EStG steuermindernd geltend gemacht werden, soweit die „zumutbare Belastung“13 überschritten ist (In Abhängigkeit von Familienstand und Einkommenshöhe zwischen 1 % und 7 % des Gesamtbetrags der Einkünfte (vgl. § 33 Abs. 3 EStG)). Erstattungsbeträge von Kranken – versicherungen oder andere Zuschüsse sind gegenzurechnen. Abzugsfähig sind nicht nur Aufwendungen für körperliche, sondern auch für psychische Erkrankungen. Das gilt sowohl für die eigenen Krankheits kosten als auch für übernommene des Ehepartners, der Kinder oder anderer unterhaltsberechtigter Personen.

Die Zwangsläufigkeit der Krankheitskosten ist allerdings nachzuweisen (vgl. § 64 EStDV). Bei Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln erfolgt der Nachweis durch Verordnung (Rezept) eines Arztes oder Heilpraktikers. Für die Berücksichtigung von Aufwendungen für Kuren reicht das nicht aus, hier ist vor Beginn der Maß- nahme ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung einzuholen. Dies gilt auch für eine psychotherapeutische Behandlung und für eine medizinisch erforderliche auswärtige Unterbringung eines an einer Behinderung leidenden Kindes.

Der Bundesfinanzhof 14 hat noch einmal bestätigt, dass in diesen Fällen auf einen qualifizierten Nachweis der Zwangsläufigkeit der Kosten nicht verzichtet werden kann. Im Streitfall wurde ein psychisch an ADHS mit Schulverweigerung erkranktes Kind in einer auswärtigen Einrichtung über einen längeren Zeitraum psychotherapeutisch und schulpsychologisch behandelt und unterrichtet. Für diese Maßnahme wurde staatliche Eingliederungshilfe nach § 35a Abs. 2 Nr. 4 Sozialgesetzbuch VIII gezahlt. Die dafür notwendigen Unter – suchungen und Nachweise reichten für die Berücksichtigung der von den Eltern getragenen Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung nicht aus. Das Gericht verlangte auch hier als Nachweis für die Zwangs – läufigkeit der Aufwendungen ein vor Beginn der Maßnahme ausgestelltes amtsärztliches Gutachten oder eine entsprechende Bescheinigung des Medizinischen Dienstes

Was geht rum? 12. September 2015

In zwei Tagen ist wieder Schulbeginn. Kinder tauschen die Erkrankungen aus, die sie aus den Ferien mitbringen. Genügend Infekte kreisen bereits in der Region.

Die Zuhause-Gebliebenen haben schon einige Infekte bereits an den heißen Tagen im August kennengelernt. So hat die Zahl der Mittelohrentzündungen erstaunlich zugenommen. Etwas verwirrend ist, dass auch zwei Jugendliche schwer erkrankten mit einem Erreger (Pseudomonas), den es außerhalb von Krankenhäusern eher selten gibt. Nun berichtete die ARD diese Woche, dass bei einem Test sogar an der Brottheke eines Supermarktes dieser Erreger nachgewiesen wurde.

Hygiene tut not. Darauf müssen wir auch vermehrt in der Praxis hinweisen. Der Verzehr von Nahrungsmitteln in Praxisräumen ist nicht sinnvoll. Doch obwohl wir schriftlich darauf hinweisen und immer wieder gezielt auch einzelne Eltern darum bitte, findet das noch viel zu zu oft statt. Nicht alle Probleme lassen sich durch Medikamente beseitigen. Vieles geht über die einfache Hygiene, sei es bei der Magen-Darm-Grippe oder bei der Bindehautentzündung. Einfache Maßnahmen mit großem Erfolg: Händewaschen.

Immer diese Mitbewohner – Läuse

Nach den Schulferien steigt die Zahl der Mitbewohner auf den kindlichen Köpfen oft wieder an: Läuse (siehe Abb. rechts) sind lästig, sie nerven. Aber im medizinischen Sinne schlimm sind sie nicht. Für die Behandlung stehen heute gut wirksame Mittel zur Verfügung, die in aller Regel auch verschreibungsfähig sind. Für eine gute Therapie ist es wichtig zu wissen, dass die Läuse nur auf der menschlichen Kopfhaut leben können. Dabei überqueren sie so manche Haare, aber gehen nicht auf dem Haar zu den Haarspitzen. Und: sie können weder hüpfen noch fliegen. Bei allen Therapien muss also die Kopfhaut gut und sicher behandelt werden – und nicht die Haare (die natürlich auch was abbekommen und nass werden).

Aber schauen Sie doch selber nach. Die Homepage der Deutschen Pediculosis Gesellschaft e.V. ist prima gemacht von einem Vater, der auch einmal genervt war, als seine Töchter Läuse hatten ……