Archiv für den Monat: Oktober 2015

Erziehung?

Die Entwicklung von Kindern wird in den letzten Jahrzehnten immer mehr reguliert. Alle fühlen sich berufen hier etwas anzumerken: Kinder- und Jugendärzte, Lehrer- und Erzieherverbände, Arbeitgeber und Arbeitnehmer – Politiker sowieso, die sind bei allen Themen wortgewaltig dabei. Auch wenn der Inhalt mal um 180° gedreht wird, weil es die politische Lage so will. Getreu dem Motto von Konrad Adenauer: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Oder Robert Bosch: ”Was goht mi mei saudomms G’schwätz vo geschtr a”!

Kinder brauchen Freiräume, in denen sie ihre Kreativität ausleben können. Dabei sind die Angebote von außen (Turnverein, Ballett u.ä.) nett, aber oft nicht so wichtig wie es scheint. Ein Kind, das gerne Fußball spielt – siehe das nebenstehende Bild von Orges –  wird schnell eine kleine Truppe organisieren, um dem Ball auch im nahen Umfeld hinterher laufen zu können. Der Fördergedanke hört sich immer gut an. Er ist aber nur in den seltenen Fällen bedeutsam, wenn Kinder eine umschriebene Schwäche haben, die sie in ihrer Entwicklung hemmen. So sollte ein Kind mit künstlerischem Talent keine verkrampfte Stifthaltung haben, weil das die Umsetzung seiner Kreativität einschränken würde. Die vielen Förderprogramme werden sicher nicht dazu beitragen, leichte Schwächen zu beheben. Warum auch. Alle Kinder haben Talente. Und wir brauchen ihnen nur den Raum zu lassen, diese auszuleben und ihnen ein gutes Vorbild sein.

Oder wie schon Karl Valentin sagte: ”Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.”

Talent und Mittelmaß

Vorsorgeuntersuchungen in der kinderärztlichen Praxis dienen dazu, Probleme der Gesundheit und Entwicklung von Kindern frühzeitig zu erkennen. Das soll Möglichkeiten eröffnen, ihnen früh zu begegnen und durch gezielte Förderung den Kindern zu helfen.

Der Zeitgeist verlangt jedoch immer mehr Mittelmaß. Angebliche Schwächen werden thematisiert und Kinder wie Eltern enorm verunsichert. Kinder, die sehr pfiffig sind, aber beispielsweise beim Malen noch kein ausgeprägtes Interesse zeigen, werden genötigt genau dieses zu tun. Weil das als “Entwicklungsschwäche” benannt und somit “Förderungsbedarf” festgestellt wird. Gleichermaßen werden behinderte Kinder über Jahre “gefördert”, ohne dass die einzelne Fördermaßnahme zur Verbesserung der spezifischen Fähigkeiten oder gar zum Lebensglück beitragen würden.

Der Genetiker Markus Hengstschläger, ein sehr gefragter Wissenschaftler aus Wien, äusserte sich zu diesen Frage im Handelsblatt: “Alle Menschen sind genetisch zu mehr als 99% gleich”. Die Unterschiede zwischen Europäern und Afrikanern, Handwerkern und Professoren sind zumindest genetisch minimal. Und: “Bei der Intelligenz, dem Aggressionsverhalten oder der Teamfähigkeit rücken Gene schon ordentlich in den Hintergrund”.

Also sagt er provokativ zur Frage ob man Talente beüben solle: “Das wäre .. das coolste. Stärken stärken – und auf keinen Fall ein Leben lang das üben, wo man Schwächen hat.” Natürlich könne ein Firmeninhaber Leitlinien und Ziele entwickeln, die alle Mitarbeiter erreichen müssten. “Aber es wird mich einen Haufen Zeit kosten, alle in der Firma auf dasselbe Level zu bringen – das ist dann Mittelmaß.”

Genau das macht die deutsche Bildung im Moment und enorm viele machen es mit: Mittelmaß. Kinder mit besonderen Fähigkeit, Phantasie und Entdeckungsdrang drohen zwischen den Testungen der verschiedenen Institutionen unterzugehen. Bis sie endlich aufgeben – und Mittelmaß werden. Im Berufsleben wird genau dieses wiederum beklagt, denn wir brauchen Tüftler, die Neues entdecken, Patente anmelden und unser Land zu dem machen, das es seit langem auszeichnet. Ludwig van Beethoven, Robert Koch und Werner von Heisenberg waren kein Mittelmaß.

Sorgen wir dafür, dass die Talente unserer Kinder auch künftig nicht frühzeitig erstickt werden. Dann müssen wir es aber auch aushalten, dass talentierte Kinder manchmal auch etwas “anders” sind.

Was geht rum? 17. Oktober 2015

Die vergangene Woche startete mit drei Erkrankungen: Zum Einen war eine enorme Zunahme bei der Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) zu beobachten. Diese betraf ganze Familien (meist auch die Eltern!) mit oft kräftigem Brechreiz während des ersten Tage. Die letzten Fälle konnten mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr (z.B. Oralpaedon; alternativ: Apfelschorle) die Beschwerden meist bald beherrscht werden.

Die zweite Erkrankung war der Infektkrupp. Typisch für die Jahreszeit betraf er alle Altersklassen, dabei auch ein Kind mit schwerem Verlauf. Dies sollte Anlass sein, für bekannte “Kruppkinder ” nachzusehen, ob ein Notfallmedikament zuhause vorrätig ist. Dies sollte nur bei echter Atemnot zum Einsatz kommen.

Drittens: Im Laufe der Woche kamen viele Schulkinder und Jugendliche mit einem Racheninfekt (medizinisch harmlos), der zu deutlicher Müdigkeit und Krankheitsgefühl führte. Krankheitsverläufe von 5 Tagen waren und sind nicht selten. Ausruhen und Nichtstun sind gute therapeutische Maßnahmen.

Von Mitte Oktober bis zum 12. November 2015 ist Dr. Wolff in Urlaub. In dieser Zeit vertritt an den meisten Tagen Frau Dr. Helga Wagner, an den anderen ist Dr. Jörg Niethammer für Notfälle für Sie da.

Praxis: Urlaub Dr. Wolff

In den nächsten Wochen ist Dr. Wolff in Urlaub. Die Praxis wird in dieser Zeit an den meisten Tagen von Frau Dr. Helga Wagner sowie auch von Dr. Jörg Niethammer vertreten.

Das praxisblättle wird in dieser Zeit weiter, wenngleich in leicht eingeschränktem Umfang, erscheinen.

Allergien: Ratgeber im Netz

Im Internet gibt es zunehmend mehr Information. Und auch richtig gute, die sich lohnt zu lesen. Ein Beispiel hierfür ist der Elternratgeber der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA), bei der ich schon seit der Gründung Mitglied bin. Klicken Sie einfach auf das unterlegte Wort in diesem Beitrag und lesen Sie die interessanten und gut aufbereiteten Informationen.

Was geht rum? 10. Oktober 2015

Die Atemwegsinfekte gingen in der abgelaufenen Woche wieder etwas zurück: Einzelne Fälle von Bronchopneumonie (leichte Lungenentzündung), aber nahezu keine Neuerkrankungen an Mittelohrentzündungen. Lediglich Racheninfekte, die aber besonders für Jugendliche sehr schmerzhaft waren. Tut der goldene Oktober den Kindern so gut? Rechts ein Bild vom Praxisausflug auf die Mainau.

Es gibt recht viele Magen-Darm-Infektionen, teilweise mit starkem Erbrechen, so dass eine stationäre Behandlung notwendig wurde. Ein einzelner Fall einer Streptokokken-Angina. Keine Kinderkrankheiten.

Aus organisatorischen Gründen arbeitet Dr. Wolff in der kommenden Woche am Dienstag nachmittag (14. Oktober) , aber nicht am Montag Nachmittag.

Allergien – aktuelles aus Köln (2)

Das Thema Ernährung des Säuglings rückte auf dem 10. Deutschen Allergiekongress in Köln wieder mehr in den Vordergrund als zuletzt.

Die neuesten Studiendaten bestätigen, dass das Stillen bzw. die Ernährung mit Formula (Flaschennahrung) für die ersten 4 Lebensmonate die ideale Ernährung darstellen.

Die Allergologie konnte jedoch nachweisen, dass die frühe Einführung von Beikost bereits im 5. Lebensmonat günstiger ist, um das Risiko für allergische Erkrankungen wie Asthma und Neurodermitis zu verringern. Dabei ist auch die Einführung einer breit gemischten Beikost günstig. Die nebenstehende Abbildung aus der Arbeit von Caroline Roduit et al. (St. Gallen; JACI 2014) zeigt, wie mit ansteigender Zahl von Nahrungsmitteln (food diversity index) die Wahrscheinlichkeit für ein Asthma im Alter von 6 Jahren dramatisch zurückgeht. Ähnliche Daten gibt es auch für die Neurodermitis.

Für Eltern ist die Lage leider etwas unübersichtlich. Die Allergologen empfehlen volles Stillen für 4 Monate, andere Verbände empfehlen dies für 4-6 Monate. Die Datenlage ist für die Allergievorbeugung klar: Beginn der beikost im 5. Lebensmonat ist besser als später.

Heute Praxisausflug

Heute Nachmittag brechen alle Mitarbeiter und die beiden Ärzte der Praxis zu einem kleinen Ausflug in die Region auf. Das Wetter ist uns nur begrenzt hold, aber wir genießen es, mal einige Stunden gemeinsam ohne den Druck der Bürokratie für uns da zu sein.

Leider ist die Praxis dadurch für Sie als Patienten geschlossen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis. Dr. M. Steiner (Bad Saulgau) und Frau Hummel (Sigmaringen) werden uns kinderärztlich vertreten. Die vertretenden Praxen können Sie auch der Ansage auf dem Anrufbeantworter oder dem Aushang an der Praxistüre entnehmen.

Morgen sind wir in aller Frische wieder für Sie da!