Archiv für den Monat: Januar 2016

ZIKA-Virus (von Dr. Burkhard Rieke, Aachen)

Gegenwärtig gibt es große Verunsicherung bei den Menschen in Bezug auf die große Erkrankungswelle mit dem Zika-Virus in Brasilien. Der folgende Beitrag stammt vom Tropenmediziner Dr. Burkhard Rieke. Darin wird die Bedeutung des Virus klar und sachlich dargestellt, weswegen wir uns entschlossen, diesen Beitrag  leicht gekürzt wiederzugeben:

Die Ausbreitung des Zika-Virus und die Folgen einer Infektion, insbesondere für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder, sorgen gegenwärtig für viel Verunsicherung. Wie bei früheren Gelegenheiten möchten wir daher den bisherigen, durchaus lückenhaften Kenntnisstand zusammenfassen, um Vorsorge zu ermöglichen.
Das Zika-Virus ist seit 1947 bekannt. Es wurde in Uganda im Zika-Wald entdeckt, als man nach Gelbfieber suchte. Beide Viren und das DengueFieber gehören zur selben Virengattung, den Flaviviren, und werden von denselben Mosquitos übertragen, nämlich Aedes aegypti und Aedes albopictus. Sie sind auffallend schwarz-weiß gezeichnet, tagsüber und in der Abenddämmerung aktiv, stechen fast nur den Menschen und stechen oft mehrfach am Tag, was bei der Weiterverbreitung von Viren (Gelbfieber, Dengue, Chikungunya und eben Zika) für sehr rasch ansteigende Fallzahlen vor allem in Städten sorgt. Möglicherweise kann das Virus auch durch Sexualkontakte weitergegeben werden.
War Zika bis vor kurzem nur Spezialisten bekannt und wurde nur selten jemals in Ostafrika oder Asien nachgewiesen, so kam es in den letzten Jahren zu Ausbrüchen: 2007 in Yap (Mikronesien), 2013 Französisch Polynesien, 2015 Kapverden, Kolumbien und Brasilien. Wo sich das Virus zwischen Ausbrüchen aufhält, ist nicht bekannt. Ebenso ist noch nicht klar, ob z.B. eine Veränderung des Virus für eine leichtere Übertragbarkeit gesorgt hat. Gegenwärtig sind 22 Länder betroffen (siehe Abbildung).
Wird man infiziert, so kommt es nach einer noch nicht genau geklärten, aber wohl wenige Tage betragenden Inkubationszeit eine milde, fieberhafte Erkrankung, Kopf- und Gliederschmerzen, oft mit etwas Hautausschlag und einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) kombiniert. Diese Symptome rechtfertigen keine aufwendigen Tests, was dazu beiträgt, dass wir von der genauen Ausbreitung nicht wissen. Seit 2013 aber wurden in den Epidemiegebieten vermehrt zwei Krankheitsbilder beobachtet, die sonst sehr selten sind und von denen man annimmt, nicht aber weiß, dass ihr Auftreten durch den Zika-Ausbruch verursacht oder mitverursacht wurde.
Eines dieser Krankheitsbilder ist das Guillain-Barré-Syndrom, einer normalerweise wohl als Folge eines Virusinfektes, aber auch ohne weitere Ursache auftretenden entzündlichen Erkrankung des Nervensystems. Es kommt zur einer im Körper von den Beinen an bis in unterschiedliche Höhe aufsteigenden Lähmung, die dann aber anhält und langsam wieder absteigt. Sie heilt meist aus, allerdings bleibt oft eine muskuläre Schwäche zurück.
Das zweite Krankheitsbild ist eine Störung des Gehirn- und Schädelwachstums bei ungeborenen Kindern (s. Foto, Quelle: Yahoo news). Sie ist eigentlich sehr selten und kommt ohne besonderen Grund, aber auch als Folge von Einflüssen auf die ersten Monate der Schwangerschaft vor, z.B. bei Alkoholabhängigkeit. Die Häufigkeit dieser Erkrankung hat sich
in Brasilien seit der Verbreitung von Zika verdreißigfacht, was eine Kausalität nahelegt, aber noch nicht beweist. Bei den vorangegangenen Ausbrüchen ist diese Komplikation nicht beobachtet worden.
Die Diagnose einer Zika-Infektion ist am leichtesten durch eine PCR in der akuten Erkrankungsphase möglich, was aber teuer und von der geringen Symptomatik meist nicht gerechtfertigt ist. Später kann man Antikörper gegen das Virus nachweisen, dieser Test kann aber auch durch andere Flavivireninfekte und durch Impfungen dagegen verfälscht werden, so dass gerade in Regionen mit viel Dengue-Fieber diese Serologie wenig hilft. Auch die Wahrscheinlichkeit kann man als Argument für die Diagnose einsetzen, etwa in einem Ausbruch.
Eine spezifische, also mehr als symptom-orientierte Therapie gibt es nicht. Dies gilt auch für die genannten Komplikationen. Die Behandlung eines Guillain-Barré-Syndrom dämpft vorwiegend die fehlgeleitete Entzündungsreaktion und überwacht die Atmungsfunktion. Eine echte Behandlung der Mikrozephalie existiert nicht.
Zur Verhinderung einer Infektion oder ihrer Folgen steht im Grunde nur der Schutz vor Aedes-Mosquitos zur Verfügung, da es eine Impfung – oder auch nur eine Impfstoffentwicklung – nicht gibt. Aedes-Mosquitos aber sind schwer zu bekämpfen, da sie in kleinen bis mittleren Ansammlungen sauberen Wassers, oft in der Nähe des Menschen brüten. Dazu gehören auch in der Wohnung Zierbrunnen und Wassereimer (neben der Toilette zum Beispiel), die Tellerchen unter Blumentöpfen, die das überschüssige Gießwasser auffangen, und ähnliches. Um das Haus herum gibt es vielleicht Regenwassertonnen, vollgeregnete Plastikbecher oder –folien, nicht ablaufende Dachrinnen oder Planschbecken, wie es die Zeichnung (Quelle: Stadtverwaltung New York) darstellt. Gut bekannt sind auch alte Autoreifen als Brutstätte, wenn sich in diesen eine Pfütze gebildet hat. Früher, noch bis in die 1970er Jahre, war die Sorge vor Gelbfieberausbrüchen größer, da die Impfung für die Bevölkerungsmehrheit unerreichbar teuer blieb. Daher wurden Aedes-Bekämpfungsprogramme konsequent durchgeführt. Dies ist längst nicht mehr so – und rächt sich nun.
Die Zika-Epidemie ist zu einem nennenswerten Teil Folge einer unzureichenden AedesBekämpfung. Wenn man sie jetzt wiederaufnimmt, so wird man auch deutlich weniger Fälle von Dengue und Chikungunya sehen, die ebenfalls von diesem Mosquito übertragen werden. Hier kann man sich aber auch selbst in der Wohnumgebung und in der Nachbarschaft einbringen. Das Aufräumen, Ausleeren, Abdecken von Wasseransammlungen ist im übrigen auch ohne Insektizid sehr wirksam. Da Aedes nicht sehr weit fliegt, hat man auch selbst viel vom Erfolg der eigenen Maßnahmen. Auch mit effektiven Repellentien, also Mücken-Abwehrmitteln wie DEET ab 20%, Icaridin (Bayrepel) ab 10%, EBAAP oder DMP sollte man sich schützen. Eine einigermaßen mosquitosichere Wohnung ist auch wichtig, hilft aber gegen Aedes nur begrenzt, da es ja im Laufe des Tages zu Stichen kommt.
Gegenwärtig gibt es keine Warnung vor Reisen in die betroffenen Gebiete. Die WHO macht hier auch für Schwangere keinen Unterschied, weist jedoch auf die Bedeutung des Mückenschutzes hin. Nationale Behörden sehen das vielfach anders (USA und D: Warnung für Schwangere vor Reisen in Zika-Ausbruchsgebiete). Touristische, also im Grundsatz verschiebbare Reisen von Schwangeren in von Zika erheblich betroffene Länder sollten unterbleiben. Dorthin entsandte Arbeitskräfte, bei denen eine Schwangerschaft festgestellt wird, sollten erwägen, zumindest die ersten drei Monate der Schwangerschaft nicht im Infektionsgebiet zu verbringen. Jedem dorthin entsandten Mitarbeiter ist zu raten, die oben beschriebenen Mosquitoschutzmethoden ernst zu nehmen. Der Kurzzeitreisende wird im wesentlichen nur Repellentien benutzen können, im Langzeitaufenthalt müssen auch die Brutstättenvermeidung und die Abdichtung von Wohnräumen gegen Mücken einbezogen werden.

Was geht rum? 30. Januar 2016

Auch in dieser Woche gab es glücklicherweise keine Überraschungen. Entsprechend der Jahreszeit überwiegen Atemwegsinfekte. Dabei nahm die Zahl der Mittelohrentzündungen in allen Altersgruppen zu. Inzwischen sind auch einzelne Jugendliche betroffen.

Grippererkrankungen (Influenza) gab es bislang keine. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Krankheit nicht über die Fasnet in unserer Region einnistet.

Kinderkrankheiten traten keine neuen in Erscheinung.

In der Praxis hatten wir einen Aushang, in dem wir um Unterstützung baten um die Kinderkrankenpflege in Deutschland zu retten. Heute ist klar: es konnten 80326 Unterschriften gesammelt werden und damit wird sich der Bundestag mit dem Thema beschäftigen. Dankeschön für Ihre Mithilfe.

Noch ist kein Grün in der Natur. Aber bei genauem Hinsehen sind schon erste Knospen zu sehen. Kahle Wälder gibt es nicht mehr lange.

Terminservicestellen

Das neueste Produkt politischer Intervention sind die Terminservicestellen (TSS). Nein, das ist keine echte Narretei. Aber was ist bedeutet diese Einrichtung überhaupt?

Sie als Patienten und ich als Arzt erleben es immer wieder, dass bei Überweisungen an einen Facharzt kein Termin innerhalb einer vernünftigen Zeit zu bekommen ist: “Einen Termin kann ich Ihnen in 6 Monaten geben” und ähnliches erfahren Sie beim Anruf in Praxen oder Ambulanzen. Das ist zumindest ärgerlich, oft medizinisch nicht sinnvoll und sachgerecht und in manchen Fällen auch gefährlich. Aber lässt sich das politisch lösen?

In unserer Praxis bekommen alle Patienten für akute Probleme wie Fieber oder Erbrechen einen Termin am gleichen Tag, je nach Schwere der Erkrankung sofort. Und das immer unabhängig davon, wie sie versichert sind. Privatpatienten und Kassenpatienten werden gleich behandelt. Durch die perfekte Organisation unserer Mitarbeiterinnen treten dennoch nahezu keine Wartezeiten auf. Aber auch länger andauernde Probleme wie Asthma, chronische Bauchschmerzen oder die Betreuung seltener schwerwiegender Erkrankungen können wir zeitnah durchführen. Gute Organisation. Auch dann, wenn Notfälle vorkommen, die bei uns genauso oft vorkommen wie in anderen Kinderarztpraxen.

Da wir jedoch nicht alle Probleme in der eigenen Praxis lösen können, sind wir auf Spezialisten angewiesen, die unsere Patienten weiter behandeln. Mit diesen stehen wir in engem Kontakt und bekommen in 98% auch eine Terminzuweisung, die dem Krankheitsfall gerecht wird. Wenn das nicht der Fall ist klären wir das mit dem betreffenden Arzt oder der Klinik persönlich und direkt. Und auch hier: Es war bisher nie nötig darauf zu verweisen, dass ein Patient Privatpatient ist.

Die Schwierigkeit liegt nach Ansicht vieler Ärzte darin – und das gilt für ganz Deutschland – dass die Deutschen in der Summe zu oft zum Arzt gehen. Wenn ein schwedischer Patient einmal zum Arzt geht, dann ist es für den deutschen Patienten schon der sechste Besuch. Das macht deutlich, dass auch wir in der Praxis versuchen müssen, die kleinen Probleme von den schweren zu unterscheiden. Wir müssen unsere Zeit so einteilen, dass wir auch für die schwer Kranken oder die mit unklarer Krankheit noch genügend Zeit haben. Das ist nicht immer einfach, aber war bisher immer lösbar.

Und jetzt diese TSS. In der Praxis kam letzte Woche ein grosses Paket mit vielen Formularen, Aufklebern und Hinweisen auf Internetseiten an. Wenn wir das alles durchsehen bleibt festzustellen: viele Menschen haben Zeit investiert, um sich diesem Problem – theoretisch! – zu widmen. Viele Arbeitsplätze sind vermutlich entstanden, die ab sofort uns Ärzte noch mehr beschäftigen und uns gleichzeitig davon abhalten, das zu tun für das wir da sind: Behandlung von Patienten. Welch goldene Zeiten waren das, als ich noch vor 15 Jahren Kinder (im Bild bei einer Vorsorgeuntersuchung U4) mit dem halben bürokratischen Druck behandeln konnte.

Viel Geld fließt in nun in diese TSS, es wird viel geredet und überwiesen. Am Schluss muss dennoch irgendwer die eigentliche Arbeit tun. In der Bibel steht: “Herr schicke Arbeiter in den Weinberg”(Lukas 10:2)! Es steht nichts davon drin, dass jemand die Arbeit mühsam und gerecht verteilen oder Statistiken erstellen soll. Wir brauchen Ärzte die Patienten behandeln. Und Anreize, dass die jungen Ärzte das wieder vermehrt tun. Im Moment entscheiden sich mehr als die Hälfte der frisch gebackenen Ärzte für andere Alternativen. Schade.

Fußpflege für Jugendliche

Gerade bei Jugendlichen beobachten wir in den letzten Jahren zunehmende Fußprobleme. Mit verändertem Modebewußtsein und Freizeitverhalten sind davon inzwischen auch jüngere Kinder betroffen.

Bis zu dem Zeitpunkt wenn Kinder laufen lernen ist der Fuß ein wichtiges Greifwerkzeug. Sie erinnern sich bestimmt noch daran, als Ihr Kind 6 Monate alt war: Zu dieser Zeit vermögen Kinder mit dem Fuß Gegenstände zu fassen, sie benutzen die Füße als Greifwerkzeuge. Und sie erleben den Fuß auch ganz sinnlich, streicheln mit dem Fuß den eigenen Körper (oder gelegentlich auch den Unteram des Kinderarztes, der sie gerade untersucht) – und sie nehmen die Füße in den Mund.

Das möchte man später eher nicht mehr tun, wenn der Fuß zum “Gehwerkzeug” reduziert und ansonsten wenig beachtet wird. Häufig wird er nur noch als lästig erlebt, er hat vielleicht einzelne Stechwarzen, hier und da einen Fußpilz und immer wieder beschwert sich jemand im Hause, daß man Schweißfüße hätte. Schwierig, diesen Teil des Körpers zu mögen. Und es geht doch. Wie?

Schweißfüße

Füße haben Schweißdrüsen. Die Anzahl der Drüsen ist bei Kindern ebenso groß wie bei den Erwachsenen, insofern haben es die Erwachsenen leichter-  der kindliche Schweißfuß “wächst sich aus”. Wenn man ihm eine Chance gibt. Die Schweißdrüsen sondern Sekret ab, das auf die eine oder andere Art abziehen muss. Dazu sind hilfreich:

  • Schuhe, die die Feuchtigkeit entweder speichern können oder leicht abgeben. Aber auch der beste Schuh hat seine Kapazität nach 6 Stunden erreicht und dann ….
  •  Wechseln der Schuhe so oft es geht.
  • In Gebäuden offene Hausschuhe nutzen oder barfuß gehen.
  • tägliches Wechseln der Socken.
  • regelmässige Fußpflege mit Waschen und auch Anwendung von Lotiones oder ggf. auch Pudern, je nach Hauttyp
  • Turnschuhe sind oft aus künstlichem Material und speichern kaum die Körperflüssigkeit – sie sind aber cool. Sie sollten nur begrenzt benutzt werden (man kann den Unterschied zum “guten Schuh” leicht selbst feststellen: in Turnschuhen ist es oft sehr warm = wenig Belüftung.
  • ist der Schuh mal von Schweißgeruch befallen trägt man diesen “Makel” durch die Welt. Fußpflege muß also regelmässig erfolgen, wenn sie erfolgreich sein soll.

Nagelpflege

Die Fußnägel werden oft sehr radikal geschnitten, was nicht nur schmerzhaft ist, sondern oft auch Folgen wie Nagelbettentzündungen nach sich zieht. Wie macht man’s richtig?

  • Der Nagel sollte nicht zu kurz geschnitten werden, 1-2 mm dürfen gern als weißer Rand zu sehen sein.
  • der Nagel wird leicht bogenförmig geschnitten entlang der Zehenkuppe. Dabei bleiben die Ecken etwas stehen (zum Schutz der seitlichen Nagelplatte)  und werden mit der Feile nachträglich abgerundet (“Kanten brechen”). Die Spitze der Schere sollte also unter keinen Umständen in den seitlichen Nagelbereich eindringen.
  • der Nagelfalz wird mit der Spitze der Nagelfeile (gerne auch seitlich angesetzt) gesäubert. Die Nagelhaut sollte dabei nicht verletzt werden.

Fusswarzen

Sie kommen immer wieder vor, weil Warzenviren an allen Ecken lauern. Das ist nicht weiter schlimm, sofern wir den Viren keine besonders guten Bedingungen schaffen (siehe die Bedingungen, die unter dem Kapitel “Schweißfüße” aufgeführt sind). Warzen zu entfernen lohnt oft nicht, da sie gerne rasch wieder auftauchen. Und selbst so radikale Methoden wie die Kryotherapie (“Vereisen”) oder die chirugische Entfernung weisen eine Rezidivrate von über 50% auf. Trockene, gut gepflegte Füße sind auch hier die beste Vorsorge. Und Gelassenheit: viele Kinder weisen im Alter von 6 bis 14 Jahren Warzen auf, die letztlich von selbst verschwinden und keiner weiteren Maßnahme bedürfen, solange sie beim Gehen nicht störend sind.

Was geht rum? 23. Januar 2016

Der kräftige Wintereinbruch hat bei den Erkrankungen keine Veränderungen hervorgerufen. Natürlich stehen im Moment die Atemwegsinfekte im Vordergrund. Aber sie sind nicht häufiger als die Woche zuvor. Speziell Neues trat in dieser Woche nicht auf.

Die Zahl der Bronchopneumonien (“Lungenentzündung”) sind gleich geblieben. Einige sind mit Inhalationen gut zu beherrschen, bei anderen – besonders bei den Kleinkindern – kann nur durch die  antibiotische Therapie eine Gesundung erreicht werden.

Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber (Mononukleose) ist wieder aufgetaucht: Eine Virusinfektion, die in Einzelfällen sehr hohes Fieber, Mandelentzündung und Lymphknotenschwellung hervorrufen kann. Sie kann aber auch völlig ohne Beschwerden verlaufen. Sie tritt bevorzugt bei Jugendlichen auf, ausgelöst durch engen Körperkontakt: “kissing disease” – sagen die Amerikaner dazu. Viele Erkrankte sind über eine bis vier Wochen schwer krank und bettlägrig. Auch in den Wochen und Monaten danach können Probleme auftreten, so dass sorgfältige Nachuntersuchungen sinnvoll sind. Eine Vorbeugung ist kaum möglich, da viele Jugendliche ansteckend sind ohne die Krankheit zu erahnen (“inapparente Infektion”).

Im Bild ein letztes Mondlicht von Weihnachten im Wettstreit mit dem echten Januarmond – ganz klein in der linken unteren Ecke.

Bitte helfen Sie die Kinderkrankenpflege zu retten!

Die Bundesregierung plant die Abschaffung der Kinderkrankenpflege. Dies ist ein gravierender Verstoß gegen das Recht des kranken Kindes auf eine zeitgemäße medizinische und pflegerische Behandlung im Krankenhaus!

Alle Verbände der Kinder- und Jugendärzte haben dagegen schärfsten Protest eingelegt und die Bundesregierung aufgefordert, diese Pläne zurückzunehmen.

Nun ist die schnelle Einreichung einer Petition an den Bundestag erforderlich. Die Frist zur Mitzeichnung läuft bis zum 25.01.2015. Dafür werden mindestens 50.000 Unterschriften benötigt.

Die Petition kann unter nachfolgendem Link auch online unterzeichnet werden:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2015/_12/_09/Petition_62564.nc.html

Als Eltern und Kinderärzte sind wir die Anwälte des Kindes und müssen wachsam sein , dass die Rechte der Kinder und Jugendlichen nicht verletzt werden. Machen Sie also bitte mit. 

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)

Schulabsentismus – wenn Schüler unentschuldigt fehlen

Schwänzen in der Schule gab es vermutlich zu allen Zeiten. Das war früher ein Mittel, sich gegen die starren Regeln von Eltern und Schule aufzulehnen. Und eine echte Mutprobe. Zu diesen Zeiten arbeiteten Schule und Eltern eng zusammen, wenn es um die Bestrafung der “Zöglinge” ging, Schwänzen wurde heftig bestraft.

Schulabsentismus ist etwas anderes. Hier geht es um Schüler, die unentschuldigt über längere Zeit der Schule fernbleiben und das oft sogar mit Billigung der Eltern. Die Ursachen sind unterschiedlich, in jedem Fall fühlt sich der einzelne Schüler oft nicht richtig in der Schule verstanden. An dieser Stelle wird auch versucht Ärzte als Komplizen einzubeziehen, die längerfristige Entschuldigungen schreiben sollen. Geschieht das, wird das bestehende Problem häufig unter den Teppich gekehrt und wird chronifiziert.

Was können Eltern machen?

Wenn Eltern davon erfahren, dass ihr Kind der Schule fernblieb, sollten sie in jedem Fall nicht die alten Muster anwenden und es bestrafen. Am Anfang sollte das Gespräch mit dem Kind stehen. Darin sollte versucht werden, die Gründe für dieses Verhalten zu erfahren. Danach ist es meist sinnvoll, mit der Schule Kontakt aufzunehmen und zu versuchen, wieder ein Vertrauensverhältnis herzustellen. Geht es um zu großen schulischen Druck, sind solche Gespräche oft ein guter Anschub für beide Seiten – Schüler wie Lehrer – es wieder miteinander zu versuchen. Es kann aber auch sinnvoll sein den Schultyp zu ändern. Wir erleben oft, dass Kinder dem Druck der Schule nicht gewachsen sind und sich in Schulen mit mehr praktischen Anteilen dann bestens entwickeln.

Wichtig ist also, zusammen mit dem Kind zu versuchen, die Situation zu klären. Hier kann manchmal auch der Kinder- und Jugendarzt, in Einzelfällen auch andere Spezialisten helfen. Strafe, das ist klar, hilft in keinem Fall. Nichts tun hilft ebenso wenig! In beiden Fällen nimmt das Kind Schaden, der enorm sein kann.

Was geht rum? 16. Januar 2016

Trotz trüben Wetters gingen die Infektionen in der letzten Woche wieder zurück. Es gab keine Schwerpunkte. Magen-Darm-Infektionen und Atemwegsinfekte hielten sich also die Waage. Kinderkrankheiten sahen wir keine.

Ab sofort bieten wir die der Praxis Untersuchungen mit dem Videorefraktometer an. Mit diesem hochspezialisierten Gerät lassen sich schon im frühen Alter gute Informationen über Auffälligkeiten am Auge gewinnen.

Gemeinsames Schlafen im Familienbett und Asthma

Der Schlaf findet in der medizinischen Literatur immer mehr Beachtung. Besonders beachtenswert sind hierbei auch die verschiedenen Rituale verschiedener Länder. Vor über 100 Jahren teilten Kinder in Europa selbstverständlich das Bett ihrer Eltern. Es gab nur wenig Wohnraum, meist auch nur ein Bett und so lies die Armut nichts anderes zu. So ähnlich wie damals in Europa ist die Situation heute noch in vielen Ländern Afrikas, wo in “Schichten” geschlafen wird, um den wenigen Platz im Bett optimal zu nutzen. In westlichen Ländern setzt sich jedoch zunehmend die Tendenz durch, dass schon Säuglinge im eigenen Bett schlafen. Dies hat sich beispielsweise als ein wichtiger Faktor zur Prävention des plötzlichen Kindstodes (SIDS) erwiesen.

Ein Studie unter der Leitung von Maartje Luijk aus den Niederlanden (European Respiratory Journal, 2015) hat sich nun der Frage gewidmet, ob Kinder im Ehebett ein höheres Risiko für Asthma hätten. Sie untersuchten über 6000 Kinder im Alter von 1 – 6 Jahren. Dabei fanden sie, dass bed-sharing, wenn also das Kind im Bett der Eltern schläft, keinen Einfluss für die Kinder hat, die im Alter von 2 Monaten das Bett mit den Eltern teilen. Die Kinder, die im Alter von 24 Monaten immer noch im Bett der Eltern schlafen, haben jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko (mehr als 50% höher) für Asthma im Alter von 6 Jahren.

Welche Ursache diesem erheblichen Risiko zugrunde liegt ist nicht ganz klar. Für unseren Kulturkreis scheint es aber sinnvoll zu sein, wenn Kleinkinder ihr eigenes Bett haben.

Laktoseintoleranz

Unverträglichkeiten auf Nahrungsmittel werden heute von vielen Menschen vermutet. Dies führt in vielen Fällen zu Diäten, die oft wenig begründet sind und in den meisten Fällen eher inkonsequent umgesetzt werden.

Die am häufigsten genannte Unverträglichkeit bezieht sich auf die Laktose. Laktose ist ein aus zwei Zuckermolekülen (Galaktose + Glucose) bestehender Zucker, der durch die sog. Lactase im Dünndarm gespalten wird. Dort werden dann die Glucose und die Galaktose im Verbund von Natrium und Wasser in den Darm aufgenommen. Liegt zu wenig oder keine Laktase vor, wird Laktose in den Dickdarm weitertransportiert und führt hierbei mengenabhängig zu Symptomen:

  • Durchfall, teilweise auch Verstopfung
  • Blähungen (mit “Winden”)
  • Bauchschmerzen

Laktase kommt in hohen Mengen bei Säuglingen und Kleinkindern vor. Ab dem fünften Lebensjahr nimmt seine Konzentration ab. So besteht für die meisten Menschen in Afrika und Asien eine Laktoseintoleranz. Schon immer. In Europa hingegen kam es vor etwa 5000 Jahren ausgehend vom heutigen Rumänien zu einer genetischen Mutation mit der Folge, dass in Deutschland etwa 85% der Bevölkerung die Laktose gut vertragen, in Holland und Schweden nahezu 100% der Menschen. Die Laktoseintoleranz bei 15% der deutschen Bevölkerung gab es schon immer. Gemessen an anderen Problemen, hatte man diese Symptome bislang nicht so heftig diskutiert und auf dem stillen Örtchen ertragen.

Laktoseintoleranz ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Betroffene Menschen sollten eine laktosearme oder -freie Diät einhalten und sind dann frei von Beschwerden. Hierbei werden Käsesorten wie Edamer, Gouda oder Camembert meist gut vertragen, ebenso auch Bio-Joghurt. Im Übrigen gibt es in jedem gut sortierten Einkaufsmarkt verschiedene laktosefreien Nahrungsmittel. Dadurch gelingt es auch bei schweren Laktoseintoleranzen ein komplettes und schmackhaftes Essen zusammenzustellen ohne negative Folgen.