Archiv für den Monat: Februar 2016

Kindliches Übergewicht und Protein

Übergewicht und Adipositas (Fettsucht) sind ein seit Jahren zunehmendes Problem. Gerade im Kindes- und Jugendalter ist es schwierig, den Weg zum Normalgewicht wieder zu erreichen. Umso bedeutsamer ist es, die Faktoren zu kennen, die zum Übergewicht führen. Die Risiken beginnen schon in der Schwangerschaft und Säuglingsalter. Hier kann Prävention bereits mit teilweise einfachen Mitteln ansetzen.

Für alle Mütter, die stillen können, ist es eigentlich ganz einfach: gestillte Säuglinge haben durch diese ideale Ernährung das geringste Risiko für eine Adipositas. Mit Schuleintritt, liegt das Risiko für gestillte Kinder bei 3%. Bei mit Flaschenmilch ernährten Kindern liegt es zur gleichen Zeit schon bei 10%, ist also drei mal so hoch. Inzwischen hat man erkannt, dass der Proteingehalt (Eiweiß) in der Nahrung eine erhebliche Rolle spielt. Kuhmilch – und auf dieser basiert alle industriell hergestellte Säuglingsmilch – hat den 3-fachen Gehalt an  Proteinen gegenüber der Muttermilch. Gibt man Säuglingen hingegen eine Nahrung mit erniedrigtem Proteingehalt, ist das Adipositasrisiko mit 4% nur noch geringfügig erhöht.

Fazit:

Säuglinge sollten bis zum 1. Geburtstag keine Kuhmilch erhalten. Das bedeutet, dass für sie weiteres Stillen neben der Beikost (“Teilstillen”) oder eine Folgemilch mit niedrigem Proteingehalt günstig sind. Dadurch lässt sich das Risiko für Übergewicht im Schulalter mehr als halbieren.

Was geht rum? 27. Februar 2016

Die Welle an Infekten geht nun in die vierte Woche. Die Schwere der Erkrankungen ist glücklicherweise nicht so dramatisch wie schon in früheren Jahren. Aber die Häufigkeit über einen so langen Zeitraum ist schon anstrengend. Besonders für Familien mit Kindern, wenn auch die Eltern mit ihrer Erkrankung Ruhe bräuchten und keine bekommen. Von der täglichen Arbeit als Eltern kann man wegen Krankheit – noch? – nicht befreit werden.

Oft kommt dieser Tage die Frage: Soll ich mich impfen lassen? Das ist vermutlich jetzt nicht mehr sinnvoll. Die Influenza ist schon seit 4 Wochen im Lande und erfahrungsgemäss wird sie bald abflauen. Der Impfschutz hingegen tritt sicher erst nach 2 Wochen ein. Aber vielleicht im nächsten Jahr? Die Influenza darf man sehr ernst nehmen. Es vergehen vermutlich keine 12 Monate und das Problem stellt sich wieder.

Eine einzige Infektion mit Scharlach kam unter den Hunderten an Infektionen vor. Andere Kinderkrankheiten waren nicht zu beobachten.

Bei Krankheiten nimmt man gerne heißen Tee zu sich. Tut auch gut. Solange die Tasse oder das heiße Inhalat nicht von einem Kind vom Tisch heruntergezogen wird und zu Verbrühungen führt. In diesem Jahr hatten wir erfreulicherweise keine Verbrühungen zu beklagen. Passen Sie bitte weiterhin in diesen Tagen gut auf!

 

 

Reisekrankheit: Typhus

Auf Reisen in tropische Länder besteht immer auch die Gefahr an Typhus zu erkranken. Diese Krankheit wird durch unsaubere Zubereitung von Speisen ermöglicht, wenn der Erreger Salmonella typhi übertragen wird. Mit einer Inkubationszeit von 1 – 3 Wochen treten die Krankheitserscheinungen auf. Nach einer Phase mit Mattigkeit, Kopfschmerz und Fieber treten Ausschläge und Bewusstseinsstörungen (“thyphos”(griechisch) Nebel) auf. Weitere Komplikationen sind möglich, auch Todesfälle. Noch um 1900 gab es in Deutschland Epidemien mit dieser Krankheit mit Hunderten von Toten. In Deutschland sind seit Jahren keine Todesfälle mehr aufgetreten. Im Jahre 2014 wurden 58 Erkrankungen in Deutschland behandelt.

Es gibt eine Schluckimpfung gegen Typhus für die gilt: Gute Verträglichkeit, geringe Kosten, aber nur mässige Schutzwirkung. Da das Risiko für den indischen Subkontinent sehr hoch ist, wird hierfür generell eine Typhus-Impfung empfohlen. Für andere Reisen muss der Nutzen jeweils individuell geklärt werden.

Zwei Impfstoffe stehen zur Verfügung: oral (Typhoral®). Für diesen Schluckimpfstoff besteht die Schutzwirkung nach dreimaliger Einnahme 1 Jahr lang, die Effektivität liegt bei 50-70%. Beim injizierten Impfstoff (Typhim Vi®, Typherix®) besteht eine gleich hohe Effektivität, die Schutzdauer beträgt 3 Jahre. Im Gegensatz zum oralen Impfstoff besteht jedoch kein Schutz für Paratyphus, einer dem Typhus ähnlichen Krankheit, vermittel durch Salmonella paratyphi.

Unabhängig von der Impfung ist das Essverhalten entscheidend. Es gilt zunächst “peel it, boil it, cook it – or forget it”. Im Einzelfall muss sich der Reisende sehr konsequent an diese Regeln halten, was sein Risiko für Darmerkrankungen massiv senkt.

Strangulationsunfälle mit Bernsteinketten

Auch im Linzgau spielen sie eine zunehmende Rolle: die Bernsteinketten für Säuglinge. Wie Sie wissen, warnen wir vor diesen Ketten, weil sie das Risiko einer Strangulierung in sich bergen. Einen objektiven Hinweis für deren Wirksamkeit gegen “Blähungen” gibt es hingegen nicht.

Nunmehr liegen Daten aus den USA vor, die die tödlichen Strangulationsunfälle mit den Bernsteinketten für die Jahre 1984 bis 2004 zeigen. Die Veröffentlichung in der renommierten Medizinzeitschrift Pediatrics bezieht sich auf 233 Strangulationsunfälle, die aus 119 Notfallkliniken der USA gemeldet wurden. Demnach lag die Zahl der Todesfälle im Jahre 1984 bei 2.8 Kindern auf 100.000 Lebendgeburten. In den folgenden Jahren stieg sie kontinuierlich an, um zuletzt bei 12.5 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten zu liegen. Eine höchst erschreckende Quote, die in Deutschland kaum anders sein dürfte. Dafür spricht, dass auch aus Frankreich jährlich 30 Fälle mit den Strangulierung durch Bernsteinketten beschrieben werden.

Gemessen daran, dass ein Nutzen dieser Kette nicht belegt ist, wohl aber das Risiko, möchten wir weiter dringend davor warnen, diese potentiell tödlichen Ketten Säuglingen umzulegen.

Was geht rum? 20. Februar 2016

Nach einer kleinen Pause, hat die Influenza zu Beginn der jetzigen Woche nochmals richtig Fahrt aufgenommen. Dabei sahen wir meist leichte Verläufe der Erkrankung, die aber für die Betroffenen trotzdem schlimm sind. Meist langsamer Beginn über 2 Tage, gefolgt von Fieber, das oft über 40 Grad ansteigt. Später tritt Husten hinzu. Alle Kinder fühlen sich sehr krank, je älter sie sind umso mehr.

Die schweren Verläufe sind in diesem Jahr zum Glück selten, aber einzelne Jugendliche hatten durchaus 5-7 Tage lang sehr hohes Fieber und entsprechend kräftige Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens. 

Andere Erkrankungen sind weitgehend bedeutungslos. So traten keine Kinderkrankheiten auf.

Sexuelles Verhalten bei Jugendlichen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat Zahlen vorgelegt, die das Sexualverhalten der Jugendlichen von heute beleuchten. Und diese Daten belegen, dass die Mehrzahl der Jugendlichen sich sexuell sorgsam verhalten und besser verhüten, als noch vor zehn Jahren.

Die Studie des BZgA bestätigt den Trend der letzten Jahre, dass für die Mehrheit der Jugendlichen gerade beim “ersten Mal” eine feste Partnerschaft sehr wichtig ist und dass Mädchen wie Jungen gut verhüten. So ist der Anteil der Jungen, die beim ersten Sexualkontakt nicht verhüten, von 1980 bis heute von 29% auf heute 6% massiv zurückgegangen. Die heutige Jugend ist also deutlich verantwortungsbewusster als die eigene Elterngeneration.

Eine Gruppe von immerhin 6% der Jugendlichen hatte bereits Erfahrungen mit Geschlechtsverkehr im Alter von 14 Jahren. Frühe, offene und einfühlsame Aufklärung ist also weiterhin wichtig. Und nebenbei auch die frühe Impfung gegen HPV (“Gebärmutterhalskrebs”), um von Beginn an gegen die HP-Viren geschützt zu sein.

Für all, die weitere Details nachlesen wollen: Unter dem Link (bitte anklicken) http://www.forschung.sexualaufklaerung.de/fileadmin/fileadmin-forschung/pdf/Jugendendbericht%2001022016%20.pdf können Sie die Zusammenfassung der Studie nachlesen.

Bildquelle: aus dem Film “Dos movimientos y un paso” (2003)

Infektanfälligkeit – lohnt sich eine “Polypenentfernung” (Adenotomie)?

Nach Eintritt in den Kindergarten erkranken viele Kinder über Monate häufig an Infekten der Atemwege. Nicht selten lässt sich in der Kinderarztpraxis beobachten, dass Kleinkinder in dieser Zeit 10 Infekte pro Jahr durchmachen. Und weil diese Infekte sich meist auf die Jahreszeit von Oktober bis April konzentrieren vermittelt es den Eindruck, diese Kinder würden “nie richtig gesund”. Das löst Sorgen bei vielen Eltern aus, die eine Störung des Immunsystems vermuten.

Die hohe Anzahl von Infekten ist jedoch in den meisten Fällen im Kindergartenalter normal. Kinder kommen im Kindergarten plötzlich mit vielen verschiedenen Kindern zusammen. Und damit haben sie erstmals in ihrem Leben Kontakt zu vielen verschiedenen Infektionskrankheiten. Mit diesen muss sich das Immunsystem auseinandersetzen. Das geht manchmal in aller Ruhe, in vielen Fällen muss das Immunsystem die nicht gewünschten Viren (meist sind es Viren!) mit aller Macht in die Grenzen weisen. Das geht dann mit Fieber, Unwohlsein und Schmerzen für einige Tage. Aber in 99.9% gewinnt der Körper dann doch.

Weil durch diese vielen Infekte oft auch die Nasenatmung über Monate behindert ist kommt der Wunsch auf, diese Kinder an den “Polypen” zu operieren. Bei den “Polypen” handelt es sich um die vergrößerten Rachenmandeln (Adenoide), einem von vielen Abwehrzellen durchsetztem Gewebe am Übergang von (hinterer) Nase zum Rachenraum (siehe Abbildung rechts: das weiß gepunktete blau abgebildete Gewebe). Dieses Gewebe verdickt sich häufig als Reaktion auf gehäufte Atemwegsinfekte und führt dann seinerseits durch diese Schwellung zu einer Einengung der nasalen Atemwege.

In einer Studie, die kürzlich im renommierten British Medical Journal (BMJ 2001, 343) veröffentlicht wurde, sind van der Aardweg und Mitarbeiter von der Universität in Utrecht (Niederlande) dieser Frage nachgegangen. Sie untersuchten 111 Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren, die unter häufigen Infekten der oberen Atemwege litten. Ein Teil der Kinder wurde operiert (“Polypen-OP” – medizinisch: Adenektomie), ein anderer nicht. In der Folge wurden die Kinder über 2 Jahre weiter beobachtet hinsichtlich der Häufigkeit von Krankheiten. Dabei zeigte sich, dass die Kinder nicht von der Operation profitierten: die operierten Kinder hatten im Durchschnitt 7.9 x pro Jahr Infekte, die nicht operierten Kinder 7.84 Infekte pro Jahr. Auch die Dauer der Infekte unterschied sich nicht: bei den operierten Kindern standen 66,1 Krankheitstage pro Jahr 67,36 Krankheitstage bei den nicht operierten gegenüber. Die Krankheitstage mit Fieber pro Jahr waren bei den operierten Kindern sogar höher (20 Tage gegenüber 16,49 Tage).

Die Autoren kamen somit zum Schluss, dass eine Operation generell keine Hilfe sei, um Kindern die wiederkehrenden Infekte der oberen Atemwege zu ersparen.

Auch aus unserer Sicht können wir dies bestätigen. Es gibt natürlich Kinder mit bedeutsam vergrößerten Rachenmandeln, die operiert werden sollten. Für die weitaus meisten Kinder ist dies jedoch keine sinnvolle Maßnahme, da die Infekte nur die Auseinandersetzung des Kindes mit der neuen Umwelt wiederspiegelen: Sehr viele Kinder besuchen den Kindergarten nachdem sie bisher in einer Kleinstfamilie ohne Kontakt zu vielen Krankheiten aufgewachsen sind. In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass auch die “Polypenentfernung” mit Risiken verbunden sein kann. Es gibt einige individuell einsetzbare konservative Hilfen, um die schwierigen Jahre mit den vielen Infekten leichter zu ertragen.

Was geht rum? 13. Februar 2016

Die Fasnet ist vorüber, die Infekte sind geblieben. Weiterhin beherrschen grippale Infekte das Geschehen. Manche Kinder und Jugendliche haben eine Influenza, andere eher schwächere Formen. Aber auch diese Kinder sind abgeschlagen, husten und haben Fieber bis 5 Tage. Die “üblichen Infekte” mit drei Tagen Fieber und ordentlichem Befinden sind eher selten zu diagnostizieren. Ein Lichtblick ist, dass die Neuerkrankungen spürbar abgenommen haben.

Im Gegenzug sind wieder Mittelohrentzündungen zu beobachten.

Magen-Darm-Infektionen treten ganz vereinzelt auf. Kinderkrankheiten konnten wir keine feststellen.

Mobiler Refraktometer

Unsere neueste Anschaffung in der Praxis ist der mobile Refraktometer “2win” (rechts im Bild). Mit diesem Gerät können wir ohne große Belästigung schon bei kleinen Kindern feststellen, ob Auffälligkeiten am Auge vorliegen.

Diese Untersuchung ist besonders sinnvoll für Kinder von ein bis drei Jahren, weil in dieser Altersgruppe bei regulären Sehtests kaum verlässliche Angaben zu bekommen sind. Genau in diesem Zeitraum kann sich jedoch beispielsweise ein deutlicher Unterschied in der Sehkraft der beiden Augen aufbauen. Das Gehirn löst dann den Konflikt der von beiden Augen unterschiedlich gemeldeten Bilder dadurch, dass es das schlechtere Bild abschaltet. Geschieht dies über längere Zeit, lernt der für dieses Auge zuständige Anteil des Gehirns nicht mehr dazu. Mit der Zeit erblindet dann dieses Auge für immer, auch wenn man die Fehlsichtigkeit am Auge später korrigiert: das Gehirn kann nach einer gewissen Zeit selbst mit korrekten Informationen des behandelten Auges nichts mehr anfangen.

Das Gerät ist recht teuer. Die Untersuchung wird jedoch von einigen Krankenkassen bezahlt. Fragen Sie gerne bei uns nach, ob das auch für Ihre Kasse zutrifft. Im anderen Fall können wir Ihnen die Untersuchung zu einem fairen Preis anbieten,

Ultraschall der Säuglingshüfte

Seit zwei Jahrzehnten ist die Untersuchung der Säuglingshüfte mittels Ultraschall im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U3 eine Regelleistung der Krankenkassen und nicht mehr wegzudenken. Sie wird durchgeführt, um die sog. Hüftdysplasie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Unerkannt ist diese Erkrankung zunächst über viele Jahre schmerzlos, bevor langsam die arthrotischen Veränderungen im Jugendalter bzw. beim jungen Erwachsenen zu erheblichen Schmerzen und Gehbehinderungen führen. Dadurch werden letztlich Hüftprothesen im frühen Erwachsenenalter erforderlich, die die bereits entstandenen Probleme oft nur teilweise behandeln, aber ein Fortschreiten der Fehlhaltung verhindern können.

Im Arthroseregister von Norwegen ist als Ursache für eine Hüftprothese in 8.3% eine Hüftdysplasie angegeben (Zeitraum 1987 – 2004). Für die süddeutschen Menschen werden um die 20% angenommen, bei denen röntgenologisch Zeichen einer Hüftdysplasie bestanden haben, bevor die Hüfte ersetzt wurde. Dabei handelt es sich durchwegs um junge Patientenkollektive, für die Mobilität im Alltag wichtig ist.

In Mitteleuropa tritt bei 2-4% der Kinder eine Hüftdysplasie auf (Inzidenz). So viele Kinder haben also eine Hüftfehlstellung, die zunächst schmerzfrei irgendwann bis zum jungen Erwachsenenalter zur Hüftprothese führt. Bei einigen dieser Säuglinge zeigen sich klinische Zeichen bei Untersuchung der Hüfte. Diese lässt sich beispielsweise schlecht zur Seite abspreizen. Viele zeigen jedoch trotz des erheblichen Schadens keine Auffälligkeit, die für die Schwere des Schadens wegweisend wäre.

Insofern kann man die Hüftultraschalluntersuchung als echten Segen bezeichnen. Sie wurde von Prof .Dr. R. Graf (Stolzalpe, Österreich) entwickelt und 1984 erstmals vorgestellt. Mit zunehmender Akzeptanz dieser Untersuchung konnte bereits in den Jahren 1997 – 2001 ein Rückgang der Spätdysplasien um 60% beobachtet werden, also der Hüften, die zu spät als auffällig erkannt wurden. Damals wurden 53% (1997) bis 77% (2001) aller Säuglinge mit Ultraschall untersucht. In unserer Praxis wird die Untersuchung seit Eröffnung unserer Praxis im April 1991 bei allen Säuglingen durchgeführt. Über nun fast 1/4 Jahrhundert haben wir viele schwere Hüftdysplasien auf diese Weise frühzeitig entdeckt, die alle eine normale Reifung erreichten. Bei der schwersten dieser Erkrankungen musste die Behandlung fast 1 Jahr erfolgen, die meisten ließen sich innerhalb 3 bis 6 Monaten behandeln.

Worin besteht die Therapie? Das Behandlungsprinzip ist die Abspreizung der Hüfte, sei es durch “breites Wickeln” (eher geringer Effekt) oder apparative Abspreizung wie die “Tübinger Spreizhose nach Prof. Bernau“. Selbst bei dem letztgenannten Apparat haben die Säuglinge noch einen erstaunlichen Bewegungsspielraum und akzeptieren dieses Gestell insofern meist schnell und gut. In seltenen Fällen sind auch operative Eingriffe erforderlich. Erfreulich ist, dass bei frühzeitiger Diagnose nahezu alle Kinder erfolgreich behandelt werden können, so dass ihnen eine Prothesenversorgung und die teilweise lebenslangen Schmerzen erspart bleiben.

Die Hüftultraschalluntersuchung wird in aller Regel mit der Vorsorgeuntersuchung U3, also in der 4. bis 6. Lebenswoche durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt ist bei vielen Säuglingen die Hüfte noch nicht sicher ausgereift, so dass Kontrollen (aber keine Therapie!) erforderlich sind. Das beängstigt manche Eltern. Die Hüfte – wie alle anderen Organe auch – befindet sich in einem ständigen Reifeprozess, der erst im Alter von 4 Monaten ein gewisses Niveau erreicht haben muss, von dem man weiß, dass danach keine Probleme mehr auftreten. So zeigen sich bei den allermeisten Kontrollen im Alter von 3 Monaten normale ausgereifte Hüften im Ultraschall, die ohne Therapie erreicht wurden. Kinder mit problematischer Hüfte (siehe Bild ein sog. Typ IIc nach Graf) werden durch die frühe Untersuchung aber rechtzeitig erfasst, so dass keine Zeit in der Behandlung verloren geht.

Patienten unserer Praxis brauchen sich um nichts zu kümmern, sofern sie die U3 wahrnehmen. Dann wird in jedem Fall auch nach der Hüfte geschaut. Dies ist eine der wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen, nicht nur wegen der Verhinderung schwerer Hüfterkrankungen.