Archiv für den Monat: Dezember 2016

Was geht rum? 31. Dezember 2016

Heute Nacht geht das alte Jahr zu Ende. Die Enten schwimmen weiter auf den letzten eisfreien Stellen des Stadtsees. So viel Eis wie die Enten rechts im Bild werden sie vermutlich im Winter nicht mehr erleben.

In den letzten Wochen hat es uns nochmals die häufigsten Krankheiten vorgeführt: Durchfallserkrankungen und Atemwegsinfektionen.

Die Atemwegserkrankungen stehen im Moment im Zentrum. In der Gruppe der Säuglinge treten dabei oft eine obstruktive Bronchitis, bei den Kindergartenkindern eine Mittelohrentzündung auf. Auch die Schulkinder werden oft von Komplikationen geplagt. Dort ist es meist eine Bronchopneumonie (Lungenentzündung), während eine schwere Lungenentzündung (Pneumonie) nur einmal auftrat. Bei letzterer ist ein ganzer Lungenlappen von der Entzündung betroffen. Husten ist am ersten Tag dieser Erkrankung eher selten. Die Schwere der Erkrabkung fällt Eltern zumeist durch die Müdigkeit, das hohe Fieber und das enorme Schlafbedürfnis auf.

Wieder einmal sind die Windpocken (Varizellen) aufgetaucht. Erkrankt ist ein Kind unter 1 Jahr aus Pfullendorf. Da die erste Impfung erst zum ersten Geburtstag erfolgt, war dieses Kind noch nicht geimpft. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern, die keine Erkrankung erwarten müssen.

Kaufkraftarmut

Immer wieder lesen wir von der Kinderarmut in Deutschland. Damit wird beschrieben, dass diese Gruppe von Kindern in einem Haushalt mit Einkommensarmut aufwächst. Das Einkommen eines Haushalts wird der Armut zugerechnet, wenn es 60% unter dem mittleren Einkommen liegt.

Mit dem Begriff Einkommensarmut wird jedoch außer Acht gelassen, wieviel Geld ein Haushalt in der Region aufwenden muss, um Miete und Alltagskosten zu tragen. Und diese Kosten liegen in der Stadt teilweise deutlich höher als auf dem Land. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) darlegte, liegen die Lebenshaltungskosten in München um 37% höher als im preisgünstigen Tirschenreuth in der Oberpfalz. Deswegen ziehen sie den Begriff der Kaufkraftarmut heran. Der zeigt die Armut preisbereinigt an.

Für Deutschland liegt die Kaufkraftarmut bei einem Wert von 15.4%. Das bedeutet, dass diese 15.4% aller Haushalte weniger als 60% der mittleren Kaufkraft zur Verfügung haben.  Am unteren Ende findet sich Bremerhaven mit einer Quote von 29.3%, gefolgt von Köln mit 26.9%. Den niedrigsten Wert bundesweit mit einer Quote von 8.3% weist der Bodenseekreis zusammen mit den Landkreisen Sigmaringen und Ravensburg auf, gefolgt von Ingolstadt (9.0% – AUDI) und den Kreisen Erlangen-Höchstadt, Fürth und Nürnberger Land (9.0% – ADIDAS und PUMA). Es scheint also, dass bei uns die Einkommensverteilung und die allgemeinen Preise insgesamt günstig sind. Dazu noch die herrliche Landschaft – was wollen wir mehr?

Trotzdem gibt es auch hier Armut, die wir nicht übersehen dürfen!

Hausmittel: Hühnersuppe

Ein ganz einfaches Hausmittel bei Atemwegsinfekten ist die Hühnersuppe. Sowohl in der traditionellen chinesischen Medizin, aber auch im alten Griechenland war sie bereits als Heilmittel bekannt. In der Neuzeit wurde sie durch eine Untersuchung vom Medical Center der Universität von Nebraska vor 18 Jahren wiederentdeckt und kam zu neuen Ehren. Die Forschergruppe um Stephen Rennard konnte nachweisen, dass die Aktivität von neutrophilen Leukozyten (einer wichtigen Gruppe von weißen Blutkörperchen) gebremst und damit das Krankheitsbild eines Atemwegsinfekts abgemildert wird. Worauf der Effekt im Einzelnen beruht ist bis heute unklar. Es konnten in der Suppe keine speziellen Substanzen als Auslöser ausgemacht werden. “Alle Gemüse und die Suppe zeigten Aktivität – ich denke, es ist das Gemisch” meint der Forscher selbst auf die Frage nach der Auslösung des positiven Effekts. Nicht untersucht – und eher unwahrscheinlich – ist, dass auch eine “Päcklesupp” (Fertigsuppe) zum genannten Erfolg führt.

Deswegen soll hier ein Rezept aufgeführt werden, wie eine Hühnersuppe hergestellt werden kann.

Man nehme ….

  • 1 Suppenhuhn (ca. 1,5 kg)
  • 2 dicke Zwiebeln
  • 4 Möhren, mittelgroß
  • 1/4 Knollensellerie
  • 2 Stangen Lauch
  • 200 g Suppennudeln
  • ca. 2 Teelöffel Salz
  • und Pfeffer

und dann: Für die Hühnerbrühe, zunächst das Suppenhuhn gründlich abwaschen. Zwiebeln, Möhren und den Sellerie schälen. Die Sellerieknolle in etwa 4 Stücke teilen. den Lauch säubern und die Stangen halbieren. Das Suppenhuhn mit dem Gemüse, 2 Teelöffel Salz und frisch gemahlenen Pfeffer in einen ausreichend großen Suppentopf mit 1,5 bis 2 Liter Wasser geben. Nun die Suppe aufkochen lassen, den Schaum abschöpfen und anschließend die Suppe bei mittlerer Hitze 1,5 bis 2 Stunden köcheln lassen.

Am Ende der Kochzeit das Suppenhuhn mit dem Gemüse aus der Brühe nehmen. Nach dem Abkühlen das Huhn von Haut sowie Knochen befreien, das Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden und wieder in die Brühe geben. Die Möhren in dünne Scheiben schneiden und wieder der Suppe zufügen. Nudeln nach Packungsbeilage kochen und ebenfalls der Suppe beigeben (Rezept aus Familienservice Familienfreund KG).

Noch besser ist sicher das Rezept der Oma, die hat sicher ein’s fürs Enkele. Also einfach mal nachfragen und schauen, ob sie es preisgibt.

Die Suppe ist gerade im Anfang einer Infektion sinnvoll, am besten mindestens 2 x täglich in den ersten beiden Tagen. Hilft gut und schmeckt gut.

Was geht rum? 24. Dezember 2016

Heute soll ein ganz besonderer Weihnachtsbaum den hohen Festtag einleiten. Ein “Unkraut” im Pfullendorfer Neidling, das von Spinnennetzen umrankt, vom Frost sichtbar und von einer begabten Künstlerin hübsch gemacht wurde. Frohe Weihnachten!

Infektionen gibt es leider auch an so hohen Festtagen. Manche glücklichen Kinder fiebern dem Christkind entgegen, andere plagt das Fieber, weil sie eine Atemwegsinfektion haben. Diese trifft im Moment vorwiegend Kleinkinder und ist häufig von einer Mittelohrentzündung begleitet.

Das Norovirus lässt nicht locker. Es erfasst Familie um Familie. Und viele Personen, die vermeintlich die Krankheit überstanden haben erkranken nochmals mit ähnlichen Symptomen, jedoch abgeschwächt. Verläufe von 5-7 Tagen im Rhythmus einer Achterbahn  sind nicht selten. Wenn Erbrechen auftritt bitte die Ratschläge beachten, die im praxisblättle vom 17. Dezember nachzulesen waren.

Für alle, die es über die Feiertage in ferne Länder zieht: Es gibt noch viel schlimmere Erkrankungen auf dem Globus zu beachten: in Kenia gibt es weiterhin Cholera (je nach Reisetyp ist eine Impfung zu empfehlen), in Italien sind vermehrt Fälle von Meningokokken Serotyp C in der Region Florenz aufgetreten (Impfschutz einfach und gut machbar), in Südosten von Madagaskar (Region Atsimo-Atsinanana) sind Menschen an der Beulenpest erkrankt (bislang 32 Tote), in Rumänien gibt es seit November einen Masernausbruch, in den asiatischen Ländern weiterhin viele Erkrankungen an Dengue-Fieber.

Die Praxis bleibt über die Feiertage geschlossen. Von Dienstag (27.12.) bis Donnerstag (29.12.) sind wir wieder für Sie da.

Ein Großer hat uns verlassen: Dr. Manfred Birkel

Heute Morgen ist Dr. Manfred Birkel verstorben. Ein schwerer Verlust für die ganze Region.

Vor einem Vierteljahrhundert haben wir uns kennengelernt, als Manfred seine Praxis aufbaute. Er kam nach Pfullendorf um sich die Medizinsoftware in unserer Praxis anzusehen. Es dauerte wenige Wochen und er wusste deutlich mehr über die Computerprogramme als ich. Und ich begann von ihm zu lernen.

Es entwickelte sich eine besondere Freundschaft. In medizinischen Fragen arbeiteten wir immer eng zusammen. Das war zu dieser Zeit eher unüblich. Hausärztliche Internisten (wie er) und Kinderärzte (wie ich) standen sich eher argwöhnisch gegenüber. Unter uns beiden fand eine rege Kooperation zum Wohle der Patienten statt, die uns beiden Ärzten große Freude bereitete.

In den letzten Jahren hat Manfred nie seinen Humor verloren und seine Erkrankung mit einer beeindruckenden Leichtigkeit angenommen. Nur so ist zu erklären, dass er es trotz massiver Rückschläge erreicht hat, die ärztliche Weiterbetreuung seiner Patienten zu sichern.

Das alles war nur denkbar durch den Rückhalt und die Unterstützung seiner Frau und seiner Kinder. Ihnen gilt unser Mitgefühl.

Der Schmerz, dass er nun nicht mehr bei uns ist, bedrückt. Manfred hinterlässt aber auch eine Botschaft: die Leichtigkeit des Seins. Über Jahre gelebt. In aller Ernsthaftigkeit hat er immer den Humor und die Zuversicht behalten. DANKE

 

Deutliche Defizite bei der Kita- und Schulverpflegung

Mit der Zunahme der Ganztagsbetreuung in Kindergärten und Schulen, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zwischen 2007 und 2009 Qualitätsstandards für eine altersangemessene und hochwertige Verpflegung erarbeitet.

Umgesetzt wurden diese Empfehlungen bisher nur von den Ländern Berlin und dem Saarland. Die anderen Bundesländer haben auf Anfrage keine Ambitionen gezeigt, die Mahlzeiten qualitativ zu verbessern und die DGE-Standards anzuwenden. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) hat sich dieses Problems angenommen und bedeutsame Defizite festgestellt.

In Kitas werden demnach die DGE-Standards nur zu 18% umgesetzt. Von allen Kindergärten bieten 46% zu häufig Fleischmahlzeiten, aber zu wenig Obst/ Gemüse an. Bei 56% wird das Essen von extern angeliefert, nur ein Drittel kocht selbst. Für die Schulen liegen ähnliche Zahlen vor. Diese Fakten verdeutlichen, dass das Niveau der Esskultur weiter abnehmen wird, wenn wir Kindern in der Kita und der Schule “offiziell” derart lieblos das Essen präsentieren.

Die Chance in den öffentlichen Einrichtungen Adipositasprävention umzusetzen ist bis heute also vertan worden.

Ärgerlich, aber selten schlimm: Madenwürmer

Es ekelt so manchen schon daran zu denken. Aber es kommt halt vor, dass Würmer unseren Darm befallen und dort auch Beschwerden verursachen. Bei Kindern ist das gar nicht mal so selten, wobei die bei weitem häufigsten Würmer – die Madenwürmer – letztlich eher harmlose Mitbewohner sind, sofern sie nicht die Appendix befallen und damit zum Bild einer “Blinddarmentzündung” und zur Operation derselben führen.

Madenwürmer (Oxyuren)

Madenwürmer sind die am häufigsten auftretenden Würmer und befallen jeden zweiten Menschen irgendwann einmal im Leben. Sie sind weißlich, zwischen 3 und 13 mm lang und kaum einen Millimeter dick (siehe das Bild mit den Wurmeiern auf dem grünen Tuch rechts) und werden manches Mal in Gruppen auf den Ausscheidungen des Darmes gesehen. In vielen Fällen bzw. zu Beginn des Darmbefalls sind sie diskreter und äussern sich zunächst nur durch lästigen Juckreiz am After, besonders nachts.

Die Aufnahme der Würmer erfolgt oft durch von Madenwürmer befallene Nahrungsmittel über den Mund (oral), kann aber auch durch Inhalation (inhalativ) aus Staub erfolgen. Die Eier kommen letztlich im Magen an, werden dort aufgeweicht und beginnen sich bereits nach wenigen Stunden im Zwölffingerdarm (Duodenum) geschlechtlich weiter zu entwickeln. Nach der Wanderung durch den Dünndarm siedeln sie sich in der Region der Bauhin’schen Klappe im Blinddarm (Ceocum) an und vermehren sich dort. Nach der Paarung stirbt das – kleinere – Männchen ab, das Weibchen bewegt sich in Richtung After und legt dort vorzugsweise nachts in den Analfalten Tausende von Eiern ab bevor es auch stirbt. Durch den Juckreiz kommen die Eier häufig unter die Fingernägel des betroffenen Menschen, von wo sie wieder durch Fingerkauen aufgenommen werden. Damit beginnt der Zyklus von vorne.

Die Diagnose wird über den sog. Analfilm gestellt. Hierbei werden morgens mit einem Klebestreifen die Wurmeier vom After abgezogen und unter dem Mikroskop untersucht. Wenn Würmer gesichtet wurden ist die Untersuchung nicht erforderlich. Bei einem negativen Ausfall des Analfilms sollte dieser Test insgesamt 3 mal bestätigt werden. Im Analfilm lassen sich meist sehr einfach die Wurmeier darstellen.

Die Therapie ist in den meisten Fällen einfach, umfasst aber eine Reihe von begleitenden Verhaltensregeln um erfolgreich zu sein:

  • Pyrantel (Helmex©) in einmaliger Dosis, das teilweise nach 2 und 4 Wochen nochmals verabreicht wird
  • Nagelpflege. Die Fingernägel müssen kurz geschnitten und glatt gefeilt werden
  • Nach jedem Stuhlgang gründliches Händewaschen mit Fingerbürste (unter den Nägeln bürsten)
  • Wechseln der Unterwäsche zweimal täglich
  • Wechseln der Bett- und Nachtwäsche vor und nach Therapie
  • Bettwäsche nicht ausschütteln
  • Alle Wäsche bei mindestens 60 Grad waschen
  • Staub um das Bett saugen (Vorsicht: Im Staub können Wurmeier sein, die inhaliert werden können)

Von vielen Mikrobiologen wird die zeitgleiche Behandlung aller Haushaltsmitglieder empfohlen, weil es häufig symptomfreie Menschen gibt, die dennoch von Madenwürmern befallen sind. Alternativ sollten in jedem Falle alle Menschen in einem Haushalt mit dem Analfilm auf Wurmeier untersucht werden.

Was geht rum? 17. Dezember 2016

Morgen ist der vierte Advent und bis zum Heilig Abend sind es noch immer sieben Tage.

Nach einer Woche mit vielen und heftigen Erkrankungen an Infektkrupp, sind diese Infekte seit Tagen weniger geworden.

Die Zahl der Erkrankungen an Noroviren – die ja die ganze Republik betreffen – ging zu Beginn der Woche endlich zurück, kam aber am Donnerstag und Freitag mit Macht wieder zurück. Ärgerlich ist, dass diese Infektion zu Beginn mit heftigem Erbrechen auftritt und dass die Magen-Darm-Verstimmung – mit einigen Pausen – durchaus eine Woche anhalten kann. Gut ist, dass stationäre Behandlungen kaum erforderlich sind. Zur Therapie sind folgende Faktoren zu beachten:

  1. wichtig ist nach dem Erbrechen, löffelweise (!) dem Kind und Jugendlichen ein gesüßtes Getränk anzubieten
  2. das ist idealerweise eine Elektrolytlösung (Oralpaedon©) oder ein gesüßtes Getränke wie Apfelschorle ohne Kohlensäure (Apfelsaft: 1 Teil + Wasser: 3 Teile).
  3. Wenn 100-200 ml getrunken wurden, können auch andere – weiterhin gesüßte – Getränke angeboten werden. Danach kann mit dem Essen begonnen werden. Zunächst immer in kleinen Mengen. Eine Diät braucht nicht eingehalten zu werden.
  4. Arzneimittel gegen das Erbrechen sind selten von Nöten: Vomex© und Vomacur© sind im Notfall als Zäpfchen geeignet. Es sollte nur eine einzige Anwendung am tag erfolgen; bei erneutem Erbrechen sollte ein Arzt oder das Krankenhaus aufgesucht werden.
  5. Bitte vermeiden Sie bei Kindern den “einladenden” Brecheimer und die Frage “Musst Du noch brechen?”. Brechreiz liegt ohnehin vor und Ablenkung durch Geschichten vorlesen ist eine wesentlich nettere Unterstützung des geplagten Kindes.

Andererseits sind die Neuerkrankungen der Kleinkinder mit Racheninfekt und häufigen Mittelohrentzündungen spürbar mehr geworden.

Zweimal trat Scharlach auf. Beide Kinder fühlten sich pudelwohl, obwohl die Diagnose klar war. Eines hatte bereits ein Geschwisterkind angesteckt, das am Folgetag mit Fieber und Halsschmerz mit einer Streptokokkenangina (also ohne den typischen Ausschlag) vorgestellt wurde.

Die Influenza (Grippe) trat bislang noch nicht auf.

Seit einer Woche haben wir einen erheblichen Personalengpass. Aus diesem Grunde können wir das Angebot, an allen Werktagen über die Feiertage für sie da zu sein, nicht aufrecht erhalten. Unsere Praxis bleibt an folgenden Tagen geschlossen: 23.12.2016 und 30.12.2016. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

Husten – Hustenunterdrücker

Das Thema ist vielleicht nicht mehr ganz so aktuell wie vor einigen Wochen. Aber es ist von grundsätzlicher Bedeutung und soll deswegen hier behandelt werden. Husten. Zunächst ist er einmal ärgerlich. Aber ist der das wirklich? Was soll eigentlich Husten und wie soll ich damit umgehen?

Beim Husten arbeiten alle Muskelgruppen des Brustkorbes zusammen und stossen eine große Luftmenge wie bei einer Vulkanexplosion aus der Lunge. Dieser heftige Vorgang kann durch den eigenen Willen ausgelöst werden oder durch den Hustenreflex. Damit erreicht der Körper, dass ungewollte Substanzen (vermehrter Schleim, Schmutzpartikel oder gar Fremdkörper) aus der Lunge wieder entfernt werden. Husten kann also bei ganz unterschiedlichen Zuständen auftreten und ist immer nur ein Symptom. Und dieses Symptom macht meistens Sinn (z.B. bei der Bronchitis), kann aber gelegentlich auch sehr lästig sein ohne dem Körper unbedingt weiterzuhelfen.

Welche Ursachen hat Husten bei Kindern?

Die Ursache häufigste sind Racheninfekte (Nasopharyngitis). Hierbei besteht eine Entzündung des Nasen-Rachenraumes. Die Schleimhäute sind gereizt und dadurch gerötet und sie produzieren das was sie können: Schleim. Der läuft entsprechend der Schwerkraft aus dem hinteren Nasenteil (den vorderen Anteil versenken die Menschen gerne im Taschentuch) über die Rachenhinterwand gen Kehlkopfregion. Nun möchte die Lunge – für die der Kehlkopf den Eingang darstellt – nur Luft zum Gasaustausch aufnehmen und keine weiteren Körpersekrete. Also wird durch die Schleimstrasse an der Rachenhinterwand ein Husten ausgelöst, der den Schleim wieder nach oben schleudert. Meistens folgt dem Husten (zumindest bei Kindern) ein Schluckreflex, durch den der angesammelte Schleim dann in den Magen transportiert wird. In der Auseinandersetzung mit der Magensäure ist er meistens chancenlos und wird in seine Einzelteil zerlegt wird.

Eine seltenere Ursache ist die Laryngitis, die öfter bei Jugendlichen als bei Kindern beobachtet wird. Hierbei ist die Rachenregion unterhalb der Zungenebene entzündet, aber eher trocken. Dabei kommt es zu einem manchmal unangenehmen Reizhusten, ohne dass Schleim bewegt würde.

Im Kindesalter weisst der Infektkrupp einen sehr eindrücklichen Husten auf. Die Entzündung liegt eine Stufe tiefer als bei der Laryngitis: Im Kehlkopfbereich bzw. im oberen Luftröhrenbereich. Auch hier überwiegt ein sehr trockener Husten mit einem typisch bellenden Charakter. Dieser Husten ist sehr laut und erinnert an das Bellen eines Hundes. Meist ist er sehr schmerzhaft, so dass Kinder sich so verhalten, dass sie möglichst wenig Husten müssen.

Unterhalb der Kehlkopfregion schliesst sich die Luftröhre an. Entzündungen in diesem Bereich werden alsTracheitis bezeichnet. Eine Tracheitis ist tendenziell eher bei Jugendlichen zu beobachten. Dabei beginnt die Erkrankung meist mit einem sehr quälenden trockenen Husten, der zunehmend “feuchter” wird, aber subjektiv meist sehr unangenehm ist. Hierbei gibt es gelegentlich schwere Verläufe durch grössere Schleimbeläge, die schwer abhustbar sind.

Die Bronchitis ist etwas, was jeder schon erlebt hat. Das Bronchialssystem ist entzündet und nach einer kurzen Phase trockenen Hustens tritt eine zunehmende Verschleimung auf. Die Bronchitis, also die Entzündung der Bronchialschleimhaut, geht in einigen Fällen in das umgebende Gewebe über. Das nennt man dann eine Bronchopneumonie, im Deutschen übersetzt mit Lungenentzündung. Diese ist für Kinder- und Jugendliche eigentlich nicht gar so schlimm, sondern eher als eine schwere Bronchitis zu verstehen, die natürlich gut und konsequent behandelt werden muss.

Eine schlimme Erkrankung ist die Lobärpneumonie. Dabei tritt die Lungenentzündung in einen Teilbereich oder in einem ganzen Lungenlappen auf. Das ist eine sehr gefährliche und schwere Erkrankung. Auch diese nennt sich im Deutschen Lungenentzündung; sie ist jedoch um ein vielfaches schwerwiegender als die Bronchopneumonie. In aller Regel ist hier eine stationäre Behandlung und intensive Therapie über viele Wochen erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.

Das Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Produktion von besonders zähem Schleim.

Es gibt noch viele weitere Ursachen für Husten: der Fremdkörper, die Reizung der Bronchien durch giftige Gase (Zigarettenrauch u.a.), Die Reizung der Bronchien durch kleinste Teilchen (z.B. nach Arbeiten mit Glaswolle), der neurotische Husten (als Verlegenheitshusten), die Mucoviscidose, die allergische Alveolitis …… Die Liste der Erkrankungen mit Husten ist sehr lang und schließt auch viele Erkrankungen mit ein, die – wie die Refluxkrankheit des Magens- urprünglich mit den Atemwegen nicht zu tun haben.

Wichtigste KonsequenzHusten ist nicht gleich Husten. Husten muß erst als Symptom einer bestimmten Krankheit verstanden werden, bevor eine Behandlung eingeleitet werden kann (sofern so etwas überhaupt sinnvoll ist). Und bis zum Beweis des Gegenteils ist Husten erst einmal sinnvoll.

Also Hustensaft? Was ist das eigentlich?

Wenn man ehrlich ist, ist Hustensaft ein Beruhigungsmittel für die Eltern. Das klingt brutal. Eltern machen sich Sorgen, sie leiden mit ihrem hustenden Kind mit und wollen ihm helfen. Also bietet die Industrie Ihnen was Sie suchen. Das Problem ist nur, alle diese Säfte wie der bekannte Mucosolvan©-Saft, helfen eigentlich nicht (zumindest hat bis heute niemand bewiessen, dass Mucosolvan© bei den genannten Erkrankungen etwas entscheidend verändern würde). Und die anderen Säfte (wie Codipront©) senken zwar den Hustenreiz. Aber ist das sinnvoll? Wenn Bronchien im Rahmen einer Entzündung vermehrt Schleim produzieren, dann muss dieser wegtransportiert werden. Das nennt man Husten. Wenn man den Husten unterdrückt, bleibt Schleim liegen mit dem Risiko, dass sich die Entzündung bis hin zur Lungenentzündung weiter ausbreitet.

Was können Sie als Eltern also tun?

  • Sie können Ihr Kind immer trösten, ihm beistehen, ihm Mut machen
  • Mit Brustwickeln können sie den quälenden Husten lindern
  • das geht auch mit Einnahme von Honig über den Löffel (nicht erhitzt). Dieser ist aber nur für Kinder ab etwa 3 Jahren geeignet.
  • Zwiebelsäfte – täglich selbst gemacht – sind ebenfalls gut wirksam
  • mit guter Luft (kein Zigarettenrauch, oft Lüften) können Sie den Reiz für die Bronchien mindern
  • wenn Ihr Kind gerne trinkt wird darüber der Schleim flüssiger und leichter abhustbar
  • und wenn der Husten schlimmer wird: dann müssen Sie den Arzt aufsuchen, der zu klären hat, wie der Husten zu verstehen ist. Dafür wird er die Lunge abhören, den Rachen sich ansehen und manchmal auch die Nasenschleimhaut

Es hat sich beim Infekthusten leider nichts entscheidendes verändert: mit Medikamenten dauert er 1 Woche, ohne Medikamente 7 Tage!

Bildquelle: https://www.victoriapointsurgery.com.au/gp/wp-content/uploads/2015/06/coughing-kid.jpg

ADHS

Die vier Buchstaben A D H S sind heute fast allen Eltern bekannt. Weniger klar ist den meisten Menschen, was ADHS eigentlich bedeutet. Und ob das eigene Kind davon betroffen ist.

Der Begriff ADS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, der Begriff ADHS für Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität. Obwohl es diesen Begriff erst seit den 90’ger Jahren gibt, ist das damit beschriebene Problem schon sehr alt. Die früheren Begriffe hießen in Deutschland zuletzt MCD (minimal cerebral dysfunktion) oder in der Schweiz POS (psycho-organisches Hirnsyndrom). Das kurz zu den Begriffen.

Kinder – wie übrigens auch Erwachsene – sind in ihrem Temperament sehr unterschiedlich. Schon bei Neugeborenen gibt es sehr große Unterschiede, wobei die Aktivität von Kindern sich im Laufe der Jahre stark ändern kann. Lebhafte Kinder und Kinder mit Unruhe sind uns allen gut bekannt – ein ADHS haben sie deswegen nicht unbedingt. Das ADHS ist ein komplexes Beschwerdebild, das sich im Ausmaß und in der Stärke der Symptome vom gesunden unterscheidet. Man beurteilt drei Kernschwächen:

  1. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen
  2. impulsives Verhalten
  3. gesteigerte Unruhe

Typisch für Kinder mit ADHS sind sehr kurze Konzentrationsspannen. Selbst bei Dingen, die sie mögen, verharren sie nur kurz und lassen sich durch andere Umgebungsreize schnell ablenken. Es reicht also nicht aus ein ADHS zu vermuten, wenn ein Kind beim Erledigen von Hausaufgaben nach wenigen Minuten aufgibt. Das machen viele aus den unterschiedlichsten Gründen. Auch ein ADHS-Kind macht dies, hat aber dabei weitergehende Aufmerksamkeitsstörungen.

Kinder mit ADHS sind sehr impulsiv. Sie beginnen eine Aufgabe, noch bevor sie ihnen in allen Konsequenzen klar ist. Es fällt ihnen schwer, mit eigenen Kommentaren zurückzuhalten – sie platzen oft aus sicher heraus und stören dabei andere.

Ihr Körper ist oft in Bewegung, sie stehen gerne auf, laufen herum, rutschen auf ihrem Sitz herum und ähnliches. Dies wurde oft mit dem „Zappelphilipp“ verglichen, der aber streng genommen kein Kind mit ADHS war.

Die drei oben genannten Auffälligkeiten durchziehen den gesamten Alltag der Kinder. Nicht nur in der Schule, sondern auch zuhause und bei Freunden. Das erschwert ihnen soziale Kontakte recht oft, sie sind oft nicht sehr beliebt, weil sie sich nicht nur in der Schule sondern auch im Freundeskreis durch ihre Störung nicht an die sozialen Regeln halten. Besonders auffällig werden sie dann, wenn lange und ruhige Konzentration gefordert wird (in der Schule, in der Kirche, beim Mittagessen).

Das ADHS hat genetische Ursachen. Man kann also heute im Gehirn nachweisen, dass die sog. Neurotransmitter bei Menschen mit ADHS einem anderen Muster folgen als bei anderen.

Das ADHS wird – wie unser gesamtes Verhaltensmuster – durch Schwangerschaft, Geburt und das Säuglingsalter mitbedingt. Und auch die Umgebung hat starken Einfluss auf unser Verhalten – positiv und negativ.

Unruhige Kinder gibt es heute sehr oft. Das ist auch nicht verwunderlich. Die Flut an Reizen hat in der letzten Zeit extrem zugenommen. Während noch vor 15 Jahren viele Kinder gerade bei uns auf dem Lande sehr viel in der Natur spielten (im Garten, auf dem Feld bei den Eltern oder auf einer wenig befahrenen Strasse), haben heute die neuen Medien Einzug gehalten, die die Kinder immer früher erreichen. Fernsehen rund um die Uhr, vi-box und Computer mit einer Vielfalt an schnellen (!) Spielen fordern von unseren Kindern schon früh Fähigkeiten, die sie kaum haben:

  1. Auswahl von Reizen. Ich entscheide mich für die Hausaufgaben. Ich lasse also meinen game-boy neben mir liegen, das Radio ist ausgeschaltet, meine Geschwister nehmen Rücksicht auf mich und wenn das Telefon klingelt sage ich meinem Freund „Ich kann noch nicht“. Mal ehrlich, welcher Erwachsene macht das konsequent für sich selbst?
  2. Ich entscheide mich als Kind dafür mit meinem Freund in den Wald zu gehen und nach geraden Stöcken zu schauen, aus dem wir Pfeile schnitzen wollen (die gerade laufende Fernsehserie lasse ich ausfallen, mein Bruder soll am Computer sein Spiel alleine spielen)

Ganz schön schwierig. Und eigentlich muss man erstaunt sein, wie viele Kinder in dieser Situation noch einen ordentlichen Mix an Freizeit hinbekommen – zwischen den Herausforderungen der Natur, der Familie und den Medien.

Und alle anderen werden schnell unbequem. Und treffen angesichts von Klassen mit über 30 Schülern und gestressten Eltern (die die gleiche Reizüberflutung wie ihre Kinder erleben und ertragen müssen !) auf ein Umfeld, das ihnen mit Ruhe, gezielter Führung und Zuneigung selbst kaum helfen kann.

Das ADHS ist tritt also nicht schlagartig auf. Seine Symptome entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Und das Erscheinungsbild kann sehr unterschiedlich sein, ist aber immer durch die 3 Grundstörungen geprägt.

Daraus wird klar, dass vor jeder Therapie immer die Diagnose stehen sollte. Diese kann mit Hilfe verschiedener Testverfahren von spezialisierten ÄrztInnnen (meist Kinder- und Jugendpsychiatern) gestellt werden. Die Diagnosefindung erstreckt sich über viele Stunden. Bei dieser Untersuchung werden andere Erkrankungen, die ein ähnliches Bild zeigen können ausgeschlossen.

Das ADHS ist immer ein langfristige Störung, die bei vielen bis ins Erwachsenenalter anhält, dann aber mit anderer Symptomatik, die für Außenstehende meist nicht als krankhaft empfunden wird. Bei allen Überlegungen muss also klar sein, dass kurzfristige Beseitigung von Symptomen das eigentliche Problem des Kindes nicht ändern. Alle therapeutischen Überlegung sollten auf einem langfristigen Behandlungsplan beruhen.

Daraus wird auch verständlich, dass es eine einfache Therapie nicht geben kann. Vielen Menschen fällt beim Stichwort Therapie „Ritalin“ ein, ein Medikament, das beim ADHS Anwendung findet (siehe weiter unten). Diese Arznei ist aber nur eine kleine Facette der sog. multimodalen Therapie. Entscheidend ist, dass in die therapeutischen Bemühungen alle Gruppen einbezogen werden, die mit dem Kind betreut sind: Eltern, Lehrer, Kinder- und Jugendarzt sowie Fachleute (Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologen u.a.). Es gibt zur Zeit viele Konzepte. Ein schlüssiges Konzept sollte anlehnend an die Empfehlungen der American Academy of Pediatrics folgendes umfassen:

  1.  eingehende Aufklärung der Eltern, des betroffenen Kindes und wichtiger Bezugspersonen über das Krankheitsbild des ADHS. Daneben Koordination der Beteiligten.
  2. Arzt und Eltern stellen zusammen mit der Schule einen Therapieplan auf und formulieren die Behandlungsziele
  3. Um die Behandlungsziele zu erreichen sind Stimulantien  bzw eine Verhaltenstherapie zu überlegen
  • Stimulantien: Darunter versteht man eine Gruppe von Medikamenten, deren Einsatz zu einer Besserung der „störenden“ Symptome führt und es vielen Betroffenen ermöglicht, beispielsweise eine deutlich längere Aufmerksamkeitsspanne zu erreichen.
  • Klassische Medikamente sind: Methylphenidat (Ritalin© und Medikinet©) bzw. Amphetamin
  • Diese Medikamente haben auch unerwünschte Wirkungen, die bei einzelnen Kinder erheblich sein können, bei anderen eher gering
  • Die Dosisfindung ist individuell und nicht gewichts-/altersbezogen
  1. Wenn die Behandlungsziele nicht erreicht wurden muss die Diagnose überprüft werden; andernfalls ein neues Behandlungskonzept erstellt werden
  2. regelmäßiges „follow-up“ in Bezug auf die Behandlungsziele durch systematisches Nachfragen bei Lehrern / Eltern / Kind

In unserer Gegend ist das therapeutische Angebot für Kinder mit ADHS eher gering. Das bedeutet, dass auf der einen Seite Abstriche beim Therapieumfang (Psychotherapie u.a.) gemacht werden müssen, auf der anderen Seite müssen längere Fahrwege in Kauf genommen werden, um erfahrene Therapeuten zu erreichen.

Ob ein ADHS geheilt werden kann, wie wir uns das wünschen, ist bis heute nicht klar. Dafür fehlen Langzeitstudien, die weitere Aufschlüsse geben. Es gibt aber ein breites Spektrum von Therapien, die es für jeden Betroffenen ermöglichen einen Weg zu finden, besser im Alltag zu bestehen.