Archiv für den Monat: März 2017

Impfung gegen Meningokokken B – aktuelle Bewertung

Meningokokken (Neisseria meningitidis) stellen eine Gruppe von Bakterien dar, die zu schweren und schwersten Krankheitsbildern führen können. Diese zwei-kugeligen Bakterien finden sich im Nasen-Rachen-Raum von etwa 10% der Bevölkerung, ohne dass sie Probleme verursachen. Sie können aber zu schwersten Krankheitsbildern wie eitrige Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Sepsis (Blutvergiftung) mit einer Tödlichkeit von teilweise mehr als 10% führen.

Seit vielen Jahren gibt es einen Impfstoff gegen Meningokokken Typ C. Dieser ist gut verträglich, wird einmalig um den ersten Geburtstag verabreicht und führte dazu, dass die Rate an Erkrankungen bezogen auf 100.000 Einwohner von 0.21 (2001) auf 0.11 (2012) sank.

Für den häufigeren Erreger, die Meningokokken Typ B, dauerte es sehr lange, bis ein effektiver Impfstoff entwickelt war. In Großbritannien wird er seit dem Jahre 2015 generell empfohlen und an Kinder verimpft. Bisher ist bekannt, dass die Impfung eine Effektivität von 70-80% hat. Es scheint aber, dass die Besiedlung des Rachens nicht beeinflusst wird. Deswegen stellt sich die politische Frage, ob diese Impfung zur “Herdenprotektion” führt. Ob also auch ein Schutz für die Kinder indirekt entsteht, die von ihren Eltern die Impfung verweigert bekommen bzw. aus medizinischen Gründen keine Impfung erhalten können. Das spielt insofern eine Rolle, als diese Impfung schlechter vertragen wird als die anderen Impfungen des Säuglingsalters (Sechsfach-Impfung, Pneumokokkenimpfung) und dass mit der Impfung sehr früh begonnen werden muss. Denn das Haupterkrankungsalter für die Meningokoken B liegt im 4. – 8. Lebensmonat, um danach langsam zurückzugehen.

Die deutsche Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat sich dazu durchgerungen, die Daten in Großbritannien mitzuverfolgen und erst dann eine generelle Empfehlung zu diskutieren.

Für Sie als Eltern sind somit folgende Punkte in Bezug auf die Impfung gegen Meningokokken B im Moment wichtig:

  • für Deutschland gibt es im Moment und in naher Zukunft keine Impfempfehlung.
  • die Impfung gegen Meningokokken B ist schlechter verträglich (bes. Fieber, Unruhe) als die anderen Impfungen des Säuglingsalters.
  • Die Kosten der Impfung werden nur von einzelnen Krankenkassen übernommen. Ansonsten müssen die Eltern die Kosten von ca. 450€ (4 Mal Impfstoffe incl. Kosten der Durchführung der Impfung) bezahlen.
  • die Schutzwirkung liegt bei ordentlichen 70%-80%.

Bei der Vorsorgeuntersuchung U3 sprechen wir alle Eltern auf diese Frage an.

Vitamin D und Milch

Der Hype um das Vitamin D lässt zwar wieder etwas nach. Die medizinische Diskussion bleibt jedoch weiter spannend. Immerhin greift Vitamin D in viele Körperprozesse ein. Besonders spannend sind die immunologischen Auswirkungen.

Welcher Vitamin D-Spiegel normal ist und welcher nicht, bleibt jedoch eine offene Diskussion. Dabei muss berücksichtigt werden, dass infolge unterschiedlicher Sonneneinstrahlung in Deutschland auch die Vitamin D-Spiegel im Blut jahreszeitlich schwanken.

Sollen wir als unseren Kindern und uns selbst Vitamin D zuführen? Ist es sinnvoll im Blut den Gehalt an Vitamin D zu bestimmen?

Eine Studie von Shelley M Vanderhout und KollegInnen aus Toronto zeigt nun auf, wie wichtig der Konsum von Milch ist. Sie untersuchten 2745 Kinder im Alter von 12 bis 72 Monate. Dabei zeigte sich, dass der Vitamin D-Spiegel umso höher war, wenn Vollmilch (3.25%) statt fettreduzierte Milch getrunken wurde (um 5.4 nmol/L in Bezug auf 25(OH)-Vitamin-D). Umgekehrt hatten Kinder die Vollmilch tranken gegenüber Kindern mit fettarmer Milch (1%) einen um 0.72 geringeren BMI. Sie waren also trotz Vollmilchkonsum leichter als die Kinder, die fettarme Milch tranken.

Die Studie legt also nahe, dass der Konsum von Vollmilch sowohl eine bessere Vitamin-D-Versorgung sicherstellt, zum anderen ein niedrigeres Gewicht. Das erinnert daran, dass der auch Genuss von Diät-Cola mit einem höherer Gewicht verknüpft ist und eben nicht zum Abnehmen beiträgt.

Was geht rum? 25. März 2017

Bald beginnt der April. Nach trüben Tagen mit dicken Wolken am Himmel beglücken uns wieder frühsommerliche Temperaturen. Das ist auch das Lieblingswetter der Zecken. Also abends wieder die Kinder untersuchen, ob sie nicht noch Gäste ins Haus gebracht haben. Und: alle, die sich schon immer gegen FSME impfen wollten: Jetzt ist spätestens der Moment gekommen, wenn das noch in diesem Jahr schützen sollte.

Bei den Infekten wenige Neues. Sie haben sich auf dem Vorwochenniveau gehalten. Es kamen nur wenige Mittelohrentzündungen hinzu. Weiterhin mäßiges Auftreten von Streptokokkeninfektionen (vereinzelt mit Ausschlag = Scharlach). Erstmals wieder Häufung von Herpangina. Das sind Entzündungen der oberen Atemwege mit typischem Muster, das auf ihre Verursachung durch Coxsackie-Viren hinweist.

Für alle Reisenden sei nochmal auf das Risiko der Malaria hingewiesen. Gerade gab es eine massive Häufung in Namibia, wo es erfahrungsgemäß viele deutsche Urlauber hinzieht. In Europa (Belgien, Italien) gab es neuerliche Ausbrüche von Masern. Eine zweimalige Impfung ist ein nahezu perfekter Schutz, so dass man keine Angst haben muss in diese Länder zu reisen.

Otovowen© unzweckmässig

Im vergangenen Jahr hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Medikament Otovowen© als “unzweckmäßig” eingestuft. Dies wurde nun in einem Verfahren vor dem Bundessozialgericht bestätigt (AZ:  B 6 KA 25/15 R vom 29. September 2016).

Damit ist dieses Medikament ab sofort wegen Unwirtschaftlichkeit von der Verordnung über das Kassenrezept ausgeschlossen, auch für Kinder unter 12 Jahren. Dem Hersteller ist es nicht gelungen, dem Gericht ausreichende Wirksamkeitsnachweise vorzulegen.

Auch in unserer Praxis können wir dieses Medikament künftig nicht mehr auf Rezept verordnen.

Fakten zum Scharlach

Fast jeden Tag höre ich, dass Scharlach im Kindergarten rumgehe. Und selbst sehe ich in der Praxis keine einzige Erkrankung an Scharlach. Wie kann das sein?

Scharlach ist ein Begriff, den jeder kennt und der allgemein Respekt auslöst. Also wird er zum Teil auch von Ärzten sehr lax benutzt. Deswegen sollen hier – auch als Ergänzung zum Beitrag im praxisblättle über den Scharlach – einige Erklärungen nachgereicht werden.

  • Eine Halsentzündung ist kein Scharlach: 80 Prozent der Halsentzündungen sind durch Viren ausgelöst..
  • Eine Entzündung der Rachenmandeln durch Streptokokken ist eine Streptokokken-Angina. Kein Scharlach.
  • Ein positiver Rachenabstrich (Nachweis von Streptokokken im Rachen im Strep-A-Test) ist eine Streptokokken-BesiedelungDies ist keine Krankheit und kommt bei 20 Prozent der gesunden Bevölkerung vor.
  • Eine Streptokokken-Angina mit Hautausschlag mit typischem Muster nennt man Scharlach.
  • Streptokokkeninfektionen werden mit einem einfachen Penicillin V behandelt. Es gibt in Deutschland keine Resistenzen (wohl aber z.B. in Spanien oder Frankreich).
  • Eine behandelte Streptokokken-Infektion ist noch ca. 24–48 Stunden infektiösEine unbehandelte bis zu 2 Wochen.
  • Streptokokken bieten keinen dauerhaften Immunschutz. Man kann sich häufiger infizieren.
  • Gegen Streptokokken gibt es keine Impfung.

Fazit

Die meisten „Wir haben Scharlach“-Fälle im Kindergarten sind vermutlich keine.

Was geht rum? 18. März 2017

Mit den ersten Frühlingsboten sind auch die Infekte nochmals zurückgegangen. Die Atemwegsinfekte mit Mittelohrentzündungen sind selten geworden, Husten als Problem ist nach vielen Monaten wieder in die zweite Reihe gerückt.

Streptokokkenerkrankungen – also auch der Scharlach – haben den ersten Platz eingenommen. Diese Infektionen verlaufen nicht so stark wie noch vor 10-20 Jahren, sondern können teilweise mit nur schwach ausgeprägten Symptomen auftreten. Auch eine antibiotische Therapie ist nicht in jedem Krankheitsfall geboten.

Mit dem Frühjahr kommen auch wieder die Zecken. Jetzt ist bald wieder die Zeit, wo die FSME oder die Borreliose auftreten kann. Wer sich für eine Impfung gegen FSME entschieden hat, muss sie jetzt durchführen. Warum das schon für Schulkinder sinnvoll sein kann, können Sie gerne nochmal im praxisblättle vom letzten Oktober nachlesen.

An diesem Wochenende wäscht der Regen die Pollen aus der Luft. Allergiker gegen Hasel- und Erlenpollen können aufatmen. Aber schon nächste Woche geht es weiter. Hier im oberen Linzgau werden die Haselpollen frisch getränkt wieder antreten, in tieferen Lagen kommen dann schon die Pollen der Pappeln zum Zuge.

Hautausschläge: Urtikaria

Die Urtikaria ist ein Ausschlag wie ihn jeder kennt, der schon einmal in die Brennesseln gefallen ist. Deswegen heißt die Urtikaria in Deutschland aus Nesselsucht.

Die Urtikaria ist meist wie ein Flickenteppich unregelmäßig aufgebaut. Dabei können die Flecken eine unterschiedliche Größe von wenigen Millimetern bis zu über 20 cm Durchmesser haben. Im Zentrum der einzelnen Effloreszenz (als jedes Fleckchens) besteht eine scharf begrenzte, unregelmäßig geformte Erhebung von eher blassem Charakter (die eigentliche “Urtica”). Daran schließt sich eine Rötung im Randbereich an, die selbst wiederum scharf begrenzt ist zur umgebenden gesunden Haut. Hauptkennzeichen der Urtikaria ist der Juckreiz oder Schmerz – bedingt durch Reizung von Nervenfasern. Dieser Juckreiz kann zum Teil heftig sein und Kinder wie Erwachsene extrem beeinträchtigen. Die Nesselsucht oft mit Allergie gleichgesetzt. Allergien stellen zwar eine der vielen Ursachen dar, aber die überwiegende Mehrheit der Nesselsucht tritt aus verschiedenen anderen Gründen auf.

Bei Kindern ist die weitaus häufigste Ursache für eine Urtikaria ein Infekt (meist der Atemwege): Infekturtikaria. Im Verlauf des Infektes, manchmal aber auch einige Tage danach kommt es zur Nesselsucht, die an verschiedenen Körperstellen aufschießt und innert 2-3 Stunden aber auch wieder verschwindet. Typisch ist also das Auf-Und-Ab der Urtikaria, die häufig nur wenige Tage anhält. Diese Form der Urtikaria ist ungefährlich und geht von alleine wieder weg. In der Regel ist nach Diagnosestellung eine symptomatische Behandlung des Juckreizes sinnvoll.

Ein nicht ganz seltene Belästigung geht von Pseudoallergien aus. Die heißen so, weil sie für den Nicht-Spezialisten wie eine Allergie aussehen, aber keine sind. Dabei führen Nahrungsmittel sofort nach Genuss bzw. Kontakt zu Rötung und Nesselsucht. Typisch ist das für die Tomate oder die Erdbeere. Aber auch Inhaltsstoffe anderer Nahrungsmittel können über die Freisetzung von Histamin in der Haut oder Schleimhaut (Histaminliberatoren) zu entsprechenden Beschwerden führen.

Viel seltener ist eine Urtikaria durch eine Allergie bedingt. Nahrungsmittel wie Nüsse oder die Milch können innerhalb weniger Minuten aber auch erst nach einigen Stunden bis Tage nach Verzehr zur Urtikaria führen. Im letzten Fall ist die Diagnose oft schwierig zu stellen und verlangt meist die Expertise eines allergologisch versierten Arztes. Seltenere Auslöser können Medikamente, Umweltreize, Emotionen oder eine Kombination verschiedener Reize sein.

Weitere seltenere Ursachen betreffen Schilddrüsenerkrankungen sowie physikalische Formen der Urtikaria: Urtikaria durch Kälte. Dabei führt der Kontakt zu Kälte (Eiswürfel, kalte Luft im Winter, kalter Wind) zur Nesselsucht an den betroffenen Hautstellen. Oder die cholinerge Urtikaria: Hier löst Wärme (heiße Dusche u.ä.) oder auch psychische Erregung die Nesselsucht aus. Druckurtikaria: Druck auf die Haut führt zu Urtikaria an den gedrückten Stellen. Daneben gibt es verschiedene Formen von Urtikaria, die durch Licht ausgelöst werden wie beispielsweise die polymorphe Lichteruption (die unter dem Begriff Sonnenallergie bekannt ist, aber mit einer Allergie nichts zu tun hat – eine Allergie gegen Sonne gibt es nicht).

Oftmals bleibt die Ursache einer Urtikaria gänzlich unklar. Dies betraf noch 1990 über 50% der Krankheitsfälle, heute ist Aufklärungsquote bei etwa 80% angelangt. Besondere Probleme bereitet bei Diagnose und Therapie die chronische Urtikaria, bei der diese Beschwerden chronisch über Wochen, Monate und Jahre bestehen. Zum Glück ist diese Form der Nesselsucht bei Kindern eine Rarität.

Bereicht vom Kongress der amerikanischen Allergologen (AAAAI)

Letzte Woche fand der Jahres-Kongress der amerikanischen Allergologen (AAAAI) in Atlanta mit über 7000 Ärzten statt. Dort wurden wieder spannende Daten präsentiert, die auch im ärztlichen Alltag von Baden-Württemberg Bedeutung haben.

Ein Schwerpunkt war wieder das “wheezing” – also die pfeifende Atmung, die bei Kleinkindern oft der Vorläufer eines Asthma bronchiale ist. Meist wird das wheezen mit einer Virusinfektionen gleichgesetzt. Die Daten von Christian J. Carlsson aus dem Team um Hans Bisgaard aus Dänemark zeigen jedoch, dass so ein einfacher Zusammenhang nicht besteht. Die Graphik rechts zeigt den Verlauf von pfeifender Atmung: Ausgehend von der Spitze (Zeitpunkt der Entnahme eines Rachenabstrichs) sind die Häufigkeiten vor und nach diesem Maximalpunkt des Keuchens dargestellt: Nachweis ausschließlich von Bakterien (rot), nur Nachweis von Viren (lila), gemischt Bakterien- Viren (grün), kein Nachweis von Erregern (gelb). Die Studie zeigt, dass angebliche “Virusinfekte” oft gar keine sind.

Mehrere Forscher präsentierten jedoch auch Daten, die bestätigten, welch hohen Stellenwert die nachgewiesen viralen Atemwegsinfektionen haben. Der Nachweis vor RS-Viren erhöht das künftige Asthmarisiko, ebenso der Nachweis von Rhinoviren. Erkranken Kinder mit beiden Viren im frühen Kindesalter ist das Risiko für die Entwicklung von Asthma 10 Mal so hoch wie bei anderen Kindern.

In der PRIMA-Studie (Prevention of RSVImpact on Morbidity andAsthma) konnte gezeigt werden, das auch die Gabe von Antibiotika mit der Häufigkeit von Asthma in Verbindung steht. Der Zusammenhang wurde bei der Beobachtung von 136.000 Geburten in Kalifornien (USA) nachgewiesen. Eine Gabe von Antibiotika erhöhte das Risiko (odds ratio von 2.06) auf das Doppelte gegenüber Kindern, die nie Antibiotika bekamen. Jede weitere Gabe von Antibiotika erhöhte das Risiko um jeweils weiter 21%. Unklar ist bis heute, ob Kinder Asthma bekommen weil sie aus bis heute unbekannten Gründen empfindlicher sind (und deswegen öfter auch Antibiotika brauchen) oder ob die Gabe der Antibiotika selbst das Risiko darstellt.

Noch unveröffentlicht ist eine Publikation von Christian Rosas Salazar und Mitarbeitern aus Nashville/ Tennessee in der gezeigt wird, dass ein hoher Anteil an Laktobazillen im Mikrobiom (also im Darm) mit deutlich weniger RS-Virus-Erkrankungen in der Kindheit verbunden ist. Damit könnten theoretisch schon kurze Zeit nach Geburt Kinder mit einem erhöhten Risiko für diese schwere und folgenreiche Krankheit identifiziert werden. Ob die Gabe von Laktobazillen dann auch therapeutisch wirksam wäre, ist eine weitere Frage, die noch länger offen bleiben wird.

In der Summe liegen viele Erkenntnisse vor, die möglicherweise erlauben, gewisse Auslöser von Asthma künftig zu vermeiden und damit die Häufigkeit von Asthma und seinen Folgen bereits im Säuglingsalter anzugehen.

Was geht rum? 11. März 2017

In der vergangenen Woche setzten sich die Atemwegserkrankungen fort. Bei Kleinkindern sind häufig Mittelohrentzündungen damit verbunden.

Neu hinzu kamen – meist eitrige - Bindehautentzündungen.

Ab kommender Woche ist das Parkhaus für Sanierungsarbeiten bis Ende Juli voll gesperrt. Bitte weichen Sie auf die umliegenden Parkplätze aus.

Eben zurück vom Kongress der amerikanische Allergologen (AAAAI) in Atlanta. Und immer wieder begeistert und erstaunt, wie viel die Medizin alleine im Sektor Allergologie / Immunologie in einem einzigen Jahr an Erkenntnis gewinnt. Es bleibt spannend und erhellend. Und Sie nehmen beim Lesen des praxisblättle direkt daran teil. Mehr dazu in den kommenden Tagen.

Borreliose: einfache Vorbeugung mit Gel?

Bald beginnt wieder die Zeit der Zecken. Und es lauert die Gefahr, von ihnen die Erreger der FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis) oder der Borreliose übertragen zu bekommen.

Jetzt gibt es einen neuen Ansatz, der in den kommenden Jahren vielleicht eine hilfreiche Ergänzung in der Vorbeugung sein könnte: Ein Antibiotika-Gel. Mit seinem Inhaltsstoff Azithromycin solle es dazu beitragen, die Entstehung einer Borreliose nach Zeckenstich (siehe Abbildung) zu verhindern. Die Arbeitsgruppe um Michael Schwameis veröffentlichte hierzu eine spannende Untersuchung im renommierten Medizinjournal „The Lancet Infectious Diseases“.

In ihrer Studie untersuchten sie 995 Erwachsene in Deutschland und Österreich nach Zeckenstich. Bei der Hälfte wurde das antibiotische Gel zweimal täglich für 3 Tage nach einem Zeckenbiss aufgetragen. Bei anderen Hälfte, der Kontrollgruppe, kam lediglich ein Placebo-Gel zur Anwendung. Es wurde untersucht, inwieweit damit das Auftreten des Erythema migrans (typischer Ausschlag als erstes Zeichen einer Borreliose am Ort des Bisses) verhindert werden könnte. Zugleich wurde auch geschaut, ob sich Hinweise für eine Borreliose in Laborparametern finden würden.

Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen als sich zeigte, dass in Bezug auf das Erythema migrans und die Laborwerte keine Unterschiede zu sehen waren. Wurde hingegen nur die Lokalreaktion des Erythema migrans betrachtet, war ein Erfolg der Gel-Anwendung festzustellen.

Fazit

Spannender Ansatz zur Vorbeugung einer Borreliose. Leider funktioniert er noch nicht wie gewünscht. Vielleicht haben wir in Zukunft mit einem abgeänderten Gel die Möglichkeit, die Entstehung einer Borreliose direkt nach dem Stich der Zecke zu verhindern? In diesem Jahr bleibt alles beim Alten.