Archiv für den Monat: Oktober 2017

Nahrungsmittelallergie doch nicht so häufig

Bisher wurde angenommen, dass Nahrungsmittelallergien sehr häufig seien. Bei etwa 8% der Kinder vermutete man allergische Beschwerden auf Nahrungsmittel; bei Erwachsenen lagen die Annahmen bei etwa 5%. Als Allergologe im nördlichen Bodenseeraum erschien mir diese Zahl immer enorm hoch. Zu hoch. Sollte jedes 12. Kind von einer Allergie gegen ein Nahrungsmittel betroffen sein? Für unsere Region war das nicht nachvollziehbar.

Eine groß angelegte Studie aus Boston hat sich dieser Frage nochmals angenommen. Wie das Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI) der amerikanischen Allergologen (American Acadamy of Allergy, Asthma and Immunologie – AAAAI) in seiner Mai-Ausgabe berichtet, wurden hierfür die Krankenakten von 2,7 Millionen Erwachsenen und Kindern zwischen den Jahren 2000 und 2013 in der Region Boston untersucht.

Die Arbeitsgruppe um Warren W Acker vom Brigham and Women’s Hospital in Boston fanden 97,482 Patients, die zumindest eine Nahrungsmittelallergie oder eine Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln aufwiesen. Damit lag die Rate für Allergien und Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln bei 3.6%. Das wäre somit etwa die Hälfte dessen, was bisher angenommen wurde. Besonders betroffen waren Frauen und Asiaten.

Interessanterweise waren Krustentiere (0.9%) das häufigste Allergen. Danach folgten Früchte oder Gemüse (0.7%), Milch und Milchprodukte (0.5%) und Erdnüsse (0.5%). Eine von 6 Personen reagierte auf das jeweilige Allergen mit Schocksymptomen (“Anaphylaxie”), wobei diese Diagnose in den USA bereits bei leichten Symptomen gestellt wird.

Die Untersuchung ist nur begrenzt auf die Verhältnisse in Baden-Württemberg zu übertragen. Zum einen leben wir unter sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen und auch unser Essverhalten ist – noch? – deutlich anders.

Es zeigt sich aber, dass Nahrungsmittelallergien ein bedeutsames Problem sind, aber eben nicht gar so häufig wie oft vermutet.   

Was geht rum? 28. Oktober 2017

Der Herbst ist angekommen. Und mit ihm haben die Infekte in den vergangenen Tagen ordentlich losgelegt.

Vorne dabei sind die Atemwegsinfekte mit Infektkrupp. Der betrifft in erster Linie Kleinkinder und vereinzelt Schulkinder. Bei Säuglingen überwiegen Infekte des Rachens mit Mittelohrentzündungen, vereinzelt auch mit Bronchitis.

Verschlechterungen bei bekanntem Asthma bronchiale sind enorm häufig, teilweise mit bedeutsamer Atemenge (“Asthmaanfall”). Alle Asthmatiker sollten also überprüfen, ob sie zumindest den Notfallspray (meist: Salbutamol) zuhause vorrätig haben.

Dazu kommen vereinzelt Magen-Darm-Infektionen und Streptokokkenerkrankungen (eitrige Angina).

Die kommende Woche erfreut alle Arbeitenden mit zwei Feiertagen. Auch Praxen sind hiervon betroffen. Dr. Wolff arbeitet in dieser Woche alleine und vertritt weitere Kinder- und Jugendarztpraxen der Region. Wir bitten also um Verständnis, wenn außer den angemeldeten Vorsorgeuntersuchungen nur akute Krankheiten behandelt werden können. Wie immer, werden alle Kinder noch am gleichen Tag untersucht.

Und was geht in der Welt rum? In Chile ist die Zahl der Erkrankungen an Hepatitis A auf das doppelte der üblichen Erkrankungen angestiegen. Betroffen sind die Hauptstadt Santiago de Chile, Biobio, Antofagasta und Valparaiso. Hepatitis A wird im Wesentlichen durch kontaminierte Nahrungsmittel (in betroffenen Ländern auch Wasser!) , bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch, übertragen. Es gibt eine hochwirksame Impfung, die in aller Regel für Reisende in Länder außerhalb Europas zu empfehlen ist.

Mal kurz die Welt retten – von Bettina Wolff (FAZ)

Der Nachname täuscht. Bettina Wolff hat nichts mit unserer Praxis zu tun. Aber der Artikel in der FAZ vom 10. Mai 2017 beschreibt witzig und klar den Voluntourismus – jenes Phänomen dieser Tage, das Tourismus mit der angesehenen Freiwilligenarbeit kombiniert. Man steht zuhause gut da und hat dennoch recht nett Urlaub gemacht. Eine vielschichtige Lüge, die auch jungen Menschen, die gerne und von Herzen helfen wollen, nicht unbedingt gut tut.  

Die Kinder beäugten die junge Frau verwirrt. Das war also die neue Freiwillige. Doch die Kleinen verstanden nicht, warum sie eine Schwarze vor sich sahen. Sind Helfer nicht immer weiße Menschen? Die Neue passte nicht in ihr Weltbild, in dem die Weißen den Schwarzen überlegen sind. „White Supremacy“ nennt sich diese Vorstellung, die sich vor allem durch die Kolonialzeit-Propaganda in der ganzen Welt tief in der gesellschaftlichen Überzeugung verankert hat. Auch hier. Die Kinder selbst waren zwar unterschiedlichster Herkunft. Doch trotzdem mussten sie alle erst einmal das Klischee der „weißen Retter“ über Bord werfen.

Bettina Wolff

„Das Vermächtnis des Kolonialismus ist viel gewaltiger, als man es sich vorstellen kann“, berichtet diese Freiwillige später. Die Siebenundzwanzigjährige ist als Schwarze in einem Land aufgewachsen, das ihre Familie noch als Rhodesien erlebt hat und das heute Zimbabwe heißt. Nach dem britischen Kolonialherrn Cecil Rhodes benannt, herrschte dort Rassentrennung. Da sie sowohl Zimbabwerin als auch Britin ist, lebt sie seit der Oberstufe in England. Die junge Frau hat ein Masterstudium in Internationaler Entwicklung absolviert und später ein Freiwilligenprojekt in Bolivien geleitet.

„Geh reisen, und sieh dir die Welt an!“, rät sie. Einen philanthropischen Ansatz dabei zu haben sieht die Zimbabwerin aber kritisch: Selbst wenn weiße Menschen mit den besten Intentionen Freiwilligenarbeit leisteten, verstärke es bereits bestehende rassistische Vorurteile. Die subtile Hierarchie zwischen Schwarzen und Weißen werde so gefestigt. Ein zentrales Problem ist die teils überhebliche Illusion der Freiwilligen, sie könnten mal eben die Welt retten – in den Sommerferien oder während eines „Gap Year“ nach dem Abitur oder im Studium.

Jedes Jahr entscheiden sich mehr als eine Million der 20 bis 25 Jahre jungen Menschen für „Voluntourism“. Die Kombination aus Tourismus und Freiwilligenarbeit wird seit Jahrzehnten immer beliebter. Besonders gefragt sind ferne Länder, die sowohl wunderschöne Urlaubsziele als auch Möglichkeiten bieten, „aktiv vor Ort einen sozialen Beitrag zu leisten“. Mit solchen Worten versprechen unzählige Anbieter, „sinnvolle Ferien“ zu organisieren – mit Entwicklungsprojekten sowie zusätzlichen Ausflügen und Abendveranstaltungen. So kann sich die Freiwillige doppelt gut fühlen. Und ein rundum positives Erlebnis zu schaffen ist oberste Priorität der Anbieter. Schließlich zahlen ihre Kunden bis zu mehrere tausend Euro in der Woche zuzüglich Flugkosten, um sich zum Beispiel an einem Hausbau in Kapstadt zu beteiligen. „Voluntourism“ ist eine Industrie, deren Wert auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird. Viele Hobby-Helfer sind vermutlich von jugendlichem Idealismus getrieben, aber auch Rentner und ganze Familien wollen ihr soziales Engagement unter Beweis stellen, zumindest am anderen Ende der Welt.

Für die meisten dieser Projekte sind keine fachlichen Vorkenntnisse nötig. Doch wie sinnvoll ist es, wenn ein Laie irgendwo ein Haus baut? Könnte ein einheimischer Bauarbeiter diese Arbeit nicht besser machen und durch die Bezahlung auch noch seine Familie ernähren? Und was bringt es, nur zwei Wochen lang im Schulunterricht auszuhelfen? Auf der Website des „Voluntourism“-Anbieters „Projects Abroad“ heißt es zum Beispiel: „Aufgrund des Lehrermangels… unterrichtest du in der Regel selbständig nach einem Lehrplan oder gemeinsam mit anderen Freiwilligen.“ Und: „Pädagogische Vorkenntnisse benötigst du nicht.“

Sofort drängt sich die  Frage nach der Nachhaltigkeit  auf. Wenn es wie beim Geschäftsmodell des „Voluntourism“ zum Selbstzweck wird, dass immer mehr Freiwillige beschäftigt werden, widerspricht das dem Nachhaltigkeitsprinzip. Stattdessen muss Hilfe zur Selbsthilfe das Ziel sein. Das bedeutet, gemeinsam mit Einheimischen Lösungen zu suchen, die immer weniger Freiwillige erfordern, bis Einheimische das Projekt irgendwann allein tragen. Inwieweit sowohl private als auch staatliche Entwicklungsorganisationen unvoreingenommen daran arbeiten können, muss kritisch überprüft werden. Schließlich würden sie sich damit selbst überflüssig machen.

Doch die Nachhaltigkeitsfrage hat eine weitere Facette: Würden wir in Deutschland jemanden unsere Kinder unterrichten lassen, der dazu keinerlei Qualifikation besitzt? Warum sollte das in einem anderen Land akzeptabel sein? Die westliche Angewohnheit, mit zweierlei Maß zu messen, kennt die Zimbabwerin nur zu gut. Warum meinen Westler immer noch, auf andere hinunterblicken und sie belehren zu können? Bei allen Problemen, die es zum Beispiel auch mit chinesischen Investoren in Entwicklungsländern gibt, ist mit ihnen das Gespräch auf Augenhöhe erfrischend. Sie kommen ohne den selbstgerechten Dünkel des Weltverbesserers und wollen einfach nur Geschäfte machen – mit Partnern, nicht mit Hilfsbedürftigen. Aus ihrem Herkunftsland kennt die junge Frau „Voluntourism“-Projekte, die daran gescheitert sind, dass Einheimische bei der Planung und Umsetzung gar nicht einbezogen wurden. Anscheinend hatten die „Helfer“ das Gefühl, das nicht nötig zu haben.

Für Axel Dreher, Direktor des Instituts für Wirtschaftswissenschaften der Universität Heidelberg, ist es das gleiche Konzept wie in der Kolonialzeit: die Idee, dass die Westler immer alles besser wissen. Er spricht zudem von einem „Parallelsystem“, wenn von außen finanzierte Projekte Aufgaben des Staates übernähmen, was letztlich nicht effizient sein könne. Selbst effektive Entwicklungsprogramme an Schulen könnten zum Beispiel die jeweilige Regierung des Landes davon abhalten, selbst in die Schulbildung zu investieren. Stattdessen könnte das eigentlich dafür vorgesehene Geld dann anderweitig und nicht unbedingt nachhaltig verwendet werden.

Es ist ein Teufelskreis, da Ursache und Wirkung wirtschaftlicher, politischer und sozialer Zusammenhänge in Entwicklungsländern oft nicht kritisch und damit auch nicht selbstkritisch hinterfragt werden. Dies verstärkt die Gefahr, dass sich sowohl „Voluntouristen“ als auch Einheimische in einem Weltbild der „weißen Vorherrschaft“, der „White Supremacy“, bestätigt fühlen. So wie die Kinder, die noch nie eine Schwarze als Freiwillige gesehen haben, weil deren Zahl eben viel geringer ist. Zudem sind die Zielländer der „Voluntouristen“ oft Entwicklungsländer, die einst von Europäern kolonialisiert und ausgebeutet wurden. Nicht umsonst wird Freiwilligenarbeit und insbesondere „Voluntourism“ mitunter in der Tradition des anmaßenden Missionierungsanspruchs Weißer gegenüber Schwarzen zur Zeit des Kolonialismus gesehen.

Im Internet lassen sich aber auch einige Berichte von Freiwilligen finden, die vor Ort zu realisieren scheinen, dass ihre Arbeit an der gewünschten Weltverbesserung vorbeigeht oder sogar ins Gegenteil umschlägt. Paradebeispiel hierfür ist der „Waisen-Tourismus“. So führt die hohe Nachfrage nach Freiwilligenarbeit in Waisenhäusern an einigen Orten zu einer Form von Kinderhandel: Die Kleinen werden von ihren Familien getrennt und in scheinbaren Waisenhäusern zur Schau gestellt. Die Betreiber streichen die Spenden der Freiwilligen ein. So hatten laut Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, in Kambodscha mehr als drei Viertel der Kinder in Waisenhäusern noch ein oder zwei lebende Elternteile. Außerdem steige dort die Zahl der von nicht staatlichen Organisationen (NGO) betriebenen Waisenhäuser seit mehr als einem Jahrzehnt beständig. Unicef mahnt Freiwillige deshalb, nicht in Waisenhäusern zu arbeiten.

In Nepal sieht die Situation ähnlich aus. Im südlichen Afrika ist zudem ein „Aids-Waisen-Tourismus“ entstanden, der die Situation der betroffenen Kinder laut einer Untersuchung des südafrikanischen Human Sciences Research Council möglicherweise noch verschlimmert. Denn sie bauen emotionale Bindungen zu den Durchreisenden auf, die dann ständig wieder aufgegeben werden müssen.

Die junge Entwicklungsexpertin aus Zimbabwe schätzt den Nutzen von solchen Projekten aus diesen Gründen geringer ein als den Schaden. Wer profitiert also davon? Bei geringer Nachhaltigkeit muss man sagen: vor allem die Freiwilligen sowie die Organisatoren mit ihren Angestellten. Versucht man, den Leistungsbericht des Anbieters „Projects Abroad“ mit Projektergebnissen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu vergleichen, wird deutlich, dass die Freiwilligenarbeit von „Voluntouristen“ keine echte Alternative zur Entwicklungszusammenarbeit darstellt.

Grundsätzlich bleibt es aber fraglich, ob selbst professionelle Entwicklungsprogramme, wenn auch weitaus effektiver, wirklich nachhaltig sind. Peter Nunnenkamp vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel hält es für „unsagbar schwierig“, die Wirksamkeit von Entwicklungsprojekten wirklich messen zu wollen. Er könne sich aber auch nicht vorstellen, dass man ohne Bürokratie leicht Nachhaltigkeit schaffen kann. Deshalb zweifle er das auch bei „Voluntourism“-Unternehmen mit einer teils überaus kurzen Durchlaufzeit von Freiwilligen an.

„Wenn du wirklich helfen willst, dann mach dir nichts vor“, fasst die Zimbabwerin die Situation zusammen. Freiwillige zahlten Tausende Euros und reisten einmal um den Globus, um mit Kindern zu spielen. Allein mit den Flugkosten hätten sie wohl einige Klassenzimmer finanzieren können, mutmaßt sie. Es sei viel Augenwischerei im Spiel, die die Vorstellung aufrechterhalte, man könne damit die Welt retten. Die wirklichen Probleme würden dadurch verschleiert, weil es keine nachhaltigen Lösungen schaffe.

Es ist kein Geheimnis, dass EU-Staaten mit ihren subventionierten Produkten die Märkte in den afrikanischen Ländern zerstören. Deutsche Milchprodukte werden dort zum Beispiel günstiger verkauft, als afrikanische Hersteller sie in ihrem eigenen Land wirtschaftlich rentabel anbieten können. „Wir sollten uns anschauen, welche Firmen und Unternehmen wir unterstützen und welche Entscheidungen unsere Regierungen in Politik und Wirtschaft auch außerhalb unseres Heimatlandes treffen“, sagt die einstige Helferin aus Zimbabwe. Freiwilligenarbeit beginnt zu Hause. Da, wo es einem weh tun könnte, auf Privilegien zu verzichten – und wo man sein soziales und politisches Engagement nicht mit einem Foto auf Facebook in Szene setzen kann.

Mein Kind wird so oft krank!

Der Winter kommt bald. Die angenehm warmen Tage und Wochen des Sommers sind fast vergessen. Auch die Wochen in denen Kinder draußen lustig spielten. Frei von Beschwerden und ohne Infekte. Über Viele Wochen.

Jetzt beginnt wieder die Zeit der Atemwegsinfekte. Die nebenstehende Graphik zeigt deutlich, wie die Zahl der Atemwegsinfekte vom Sommer zum Winter rasant zunimmt. Die Daten stammen aus der deutschen MAS-Studie von der Charité in Berlin und wurde von Christoph Grüber in 2008 veröffentlicht.

Nach der Geburt sind Babys über die ersten Monate meistens frei von Infektionen. Die Nase mag hier und da leicht schniefen – was eher auf Umweltbedingungen wie trockene Luft zurückzuführen ist. Diese Gesundheit beruht im Wesentlichen darauf, dass das mütterliche Blut Abwehrstoffe an das Kind weitergegeben hat, wodurch viele Infektionen verhindert werden. Leider werden diese Abwehrstoffe langsam abgebaut. Mit dem Alter von 6 Monaten beginnt dann die Zeit, in der das kindliche Immunsystem die Abwehr selbst leisten muss.

Kommen dann beispielsweise Rhinoviren in die Atemwege, lösen sie eine Erkrankung aus. Das bedeutet aber auch, dass der kindliche Immunsystem nun selbst die Krankheit erkennt und eine Abwehr aufbaut, die über lange Zeit anhält. Die Gedächtniszellen merken sich die Informationen, die dann  bei erneutem Kontakt mit diesem Rhinovirus in der Lage sind, diese spezielle Infektion zu verhindern.

Nun gibt es halt enorm viele Viren und Bakterien auf der Welt. Das bedeutet, dass Kinder in den ersten Lebensjahren oft krank werden, bis sie einen ausreichend Schatz an Schutzfaktoren aufgebaut haben. Das ist meist mit etwa 6 Jahren erreicht. Eine manchmal sehr anstrengende Zeit für Kind und Eltern, bis diese Herkulesaufgabe gemeistert ist.

Aber das war bei den Eltern selbst nicht anders. Eine Rückfrage bei Oma und Opa hilft weiter.

Was geht rum? 21. Oktober 2017

Wie traumhaft schön waren die letzten Wochen! Und dabei noch so angenehm warm. Ein weiterer Nebeneffekt dieser herrlichen Zeit: ein goldener Oktober ist auch günstig für die Gesundheit.

Es verwundert nicht, dass die gerade begonnene Häufung von Infekten zum Monatswechsel bereits wieder verschwand. Inzwischen gibt es nur wenige Atemwegsinfekte. Magen-Darm-Erkrankungen treten nur vereinzelt auf. Auffällig sind einige wenige Kinder und Jugendliche mit deutlicher Bronchitis. Solche, die ein Asthma bronchiale haben, zeigen oft deutliche Verschlechterungen mit Atemnot.

Man muss kein Hellseher sein um zu sagen, dass sich das alles bald ändern wird. In den kommenden kühleren und spürbar kürzeren Tagen, sitzen wir alle in den kuscheligen Wohnungen enger zusammen. Da können sich dann die Viren ausbreiten, die uns krank machen. Dazu gehören irgendwann auch die Grippe-Viren. Gegen die gibt es immerhin eine wirksame Impfung.

Kinderkrankheiten waren keine festzustellen.

Und was geht in der Welt rum? In Italien gibt es weiterhin Erkrankungen an Chikungunya. In den besonders betroffenen Städten Anzio, Rom und Latina sollte ein guter Mückenschutz sichergestellt sein. Die Lungenpest greift in Madagaskar immer weiter um sich (etwa 1200 Erkrankungen mit 107 Todesfällen, Stand 22.10.2017). Sie ist bei engem Kontakt leicht übertragbar und kam über einen Erkrankten im Buschtaxi – die Mitfahrer waren ahnungslos – nach Antananarivo. Von Reisen mit Kindern auf die große Insel ist dringend abzuraten.

In der kommenden Woche machen wir unseren gemeinsamen Team-Ausflug. Deswegen bleibt die Praxis am Dienstag Nachmittag geschlossen. Vertretende Ärzte werden Ihnen auf der telefonischen Bandansage genannt.

Choosing wisely – Klug entscheiden

“Ich lass das lieber mal untersuchen, kann ja nicht schaden”. Stimmt das? Nein, eine Untersuchung kann sehr wohl schaden. Zumindest kann sie öfter zu nichts nutzen. Schon vor über 30 Jahren wurde mir als angehendem Arzt an der Universität in Zürich nahegelegt, jede Maßnahme an einem Patienten genau zu überdenken: ”Was ändert sich für den Patienten, wenn Du ein Röntgen-Bild machst?” Wird dann die Therapie eine andere sein? Wenn nein, dann sollte der Patient keine unnötige Strahlenbelastung bekommen.

Wie die nebenstehende Graphik zeigt, sind Ärzte und Patienten unterschiedlicher Meinung, ob zu viel oder zu wenig untersucht wurde. Meistens werden umfangreiche Untersuchungen als enorme Zuwendung und somit positiv empfunden. Ärzte hingegen kennen die Fallstricke von medizinischen Tests und beurteilen sie deutlich zurückhaltender.

Heute hat diese Einstellung in der Medizin einen neuen Namen: Choosing wisley. Wie so oft kommt die Bewegung aus den USA, wo sie 2011 von Howard Brody in Gang gesetzt wurde. Er forderte die Ärzte in einer Veröffentlichung auf, das Wohl der Patienten an die erste Stelle zu setzen.

Viele Fachgesellschaften haben die Prinzipien von Chossing wisely inzwischen übernommen. Es wird Ärzten Mut gemacht, manchmal Dinge zu unterlassen, die dem Patienten unnötig belasten oder gar schaden könnten. Dabei sollten Patienten in die Entscheidung mit eingebunden werden. Das ist besonders wichtig, haben sie doch oft das Gefühl, dass viele und große Untersuchungen für die günstig seien. Erst eine genaue Abwägung im Dialog mit den Patienten kann den Weg finden, der für den Patienten im Einzelfall der richtige ist.

Die Aufgabe – weniger ist manchmal mehr – ist also keine leichte. Sie basiert auf einem vertrauensvollen Verhältnis von Patient und Arzt.

 

Bildnachweis: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV_SpotGes_ChoosingWisely_dt_final_web.pdf

Windeldermatitis

Eine Windeldermatitis macht jeder zweite Säugling durch. Dazu tragen viele Faktoren bei, die zum Teil beeinflussbar sind. Die Windeldermatitis kann in sehr seltenen Fällen aber auch Ausdruck schwerer Erkrankungen sein. Insofern ist es wichtig, dass diese Hautveränderung einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt zur Beurteilung gezeigt wird.

Eine Übersichtsarbeit über die Behandlung der Windeldermatitis stammt von Susan Boiko vom Kaiser-Permanete Hospital in San Diego, die bereits 1999 veröffentlicht wurden. Darin führt sie die wichtigsten Faktoren einer Therapie auf:

  • A – Air. Viel Luft an die Haut heranlassen
  • B – Barriers. Bei einer Entzündung ist ein Hautschutz sinnvoll
  • C – Cleansing. Reinigung durch Wasser
  • D – Diapers. Windeln mit absorbierendem Gel sind besser als Stoffwindeln. “Plastik-Überhosen” sollten gemieden werden.
  • E – Education. Als Aufklärung der Eltern. Das bezieht sich besonders darauf, dass häufiges Windelwechseln günstig ist für die Haut des Säuglings.

Alle diese Maßnahmen helfen, eine Entzündung im Windelbereich zu vermeiden. Auftauchen kann sie trotzdem aus den verschiedensten Gründen. Das passiert allen Eltern und ist erstmal kein Grund zur Scham (“habe ich etwas falsch gemacht?”). Viele Ursachen können dazu führen und fast alle Eltern erleben einmal eine Windeldermatitis ihres Kindes. Wichtig ist, dass dem Kind dann kompetent geholfen wird.

Was geht rum? 14. Oktober 2017

In der letzten Woche hat sich nicht viel geändert bei den Infektionen, die die Kinder und Jugendlichen erdulden mussten. Weiterhin treten vorwiegend Infektionen der Atemwege auf. Darunter auch einige Erkrankungen mit Infektkrupp wie Herr Supper berichtete, der mich in der letzten Woche freundlicherweise in der Praxis vertrreten hat.

Seit Wochen wird die Impfung gegen Influenza (Grippeimpfung) in diversen Medien beworben. Die Impfstoffe liegen uns bereits vor, eine Impfung lohnt im Moment aber noch nicht. Die Grippesaison beginnt in Mitteleuropa frühestens im Dezember und reicht bis zum März. Um einen optimalen Schutz zu haben, sollte im Laufe des November geimpft werden.  Wie immer haben wir für Sie Impfstoffe besorgt. Bitte lassen Sie einen Impfstoff für sich oder die Kinder zurücklegen, indem Sie unserer Mitarbeiterin Michaela Müller an der Rezeption Bescheid geben. Dann werden wir den Impfstoff zurückhalten, auch wenn die Nachfrage – aus welchen Gründen auch immer – plötzlich ganz hoch sein sollte.

Was geht rum in der Welt? Für alle Fernreisenden ist momentan sich die Influenza (Grippe) das höchste Risiko. Angesteckt kann man im Flugzeug werden, treten aber auch in Menschenansammlungen (Fußballstadien, Einkaufszentren, Märkte u.a.) betroffener Länder. In Frankreich traten im Département Var lokal Erkrankungen an Chikungunya auf. Weitere Informationen zu dieser Erkrankung finden Sie im praxisblättle vom Dezember 2015.

Ist Schreien bei Babys normal?

Viele Eltern sind – gerade beim ersten Kind – in den ersten Lebenswochen verwirrt, weil ihr Baby immer wieder schreit. Sie versuchen alles, um ihr Kind zufrieden zu machen. Aber es schreit trotzdem. Warum? Verzweifelt versuchen sie weiter, dem neuen Erdenbürger alle Wünsche zu erfüllen. Aber das Kind ist undankbar. Es schreit trotzdem.

Wissenschaftler beschäftigen sich mit diesem belastenden Thema seit Jahrzehnten, nennen es erstmal “Blähungen”, später “Dreimonatskoliken” und heutzutage “Regulationsstörungen“.

Etwas Licht bringt eine Meta-Analyse von Prof. Dr. Dieter Wolke und Mitarbeitern von der Universität Warwick in Conventry (Großbritannien) in das Thema. Sie verglichen Studien aus verschiedenen Ländern miteinander und fanden, dass die tägliche Schreidauer von Kindern in den ersten sechs Wochen bei etwa 120 Minuten liegt. Danach nimmt sie schrittweise ab. Im 4. Lebensmonat ist anhaltendes Schreien nur noch bei 0.3% der Kinder zu beobachten. Dänische und deutsche Kinder schreien laut dieser Studie übrigens deutlich weniger als solche in Canada.

Dass Babys schreien, scheint also ein weltweites Problem zu sein. In vielen Kulturen Afrikas, wo die Kinder noch häufig 24/24 Stunden bei den Müttern sind, ist dies seltener der Fall als bei uns. In unseren Kulturen wird auf die Autonomie des Kindes Wert gelegt. Diese ist jedoch in den ersten Monaten nur begrenzt und das Kind braucht immer wieder Hilfe von außen, um sich zu regulieren. Die Hilfe sollte aber beruhigend sein. Gerade sehr aufmerksame Kinder – “sensention seekers” – reagieren zunächst auch günstig auf erregende Reize (Schaukeln, Autofahren, Schlüssel-Rasseln). Bald jedoch steigern diese das Erregungsniveau noch mehr, so dass die Einschlafschwierigkeiten noch deutlicher werden.

Ein Rezept, das für alle Kinder günstig wäre, ist nicht gefunden. Sicher ist, dass Neugeborene viel Nähe brauchen. Eltern sind da, spürbar. Das bedeutet aber nicht, dass sie ihr hilfloses Kind mit Küssen überschütten und auf jede kleine Bewegung mit irgendetwas regieren sollten. Einfach da sein ist wichtig. Diese starke Nähe ist für Eltern und Babys wunderbar. Aber bereits in diesen ersten Lebenswochen beginnt eine zarte Ablösung. Es zeigt sich der Charakter der Babys, der respektiert werden sollte. Das bedeutet manchmal, dass Eltern ihrem Kind auch eine gewisse Selbständigkeit zutrauen dürfen. Es für Momente liegen lassen, wenn das Kind mit den Blicken seine Umgebung beobachtet nicht ansprechen. Der Anfang der Autarkie.

Die Ablösung des Kindes von seinen Eltern beginnt sehr zart schon in den ersten Lebenswochen. Diese Veränderungen und Bedürfnisse des Kindes gilt es zu erspüren und zu respektieren.

Praxis: Urlaub Dr. Wolff – Herr Supper vertritt

In dieser Woche ist Dr. Peter Wolff in Urlaub. In dieser Zeit vertritt ihn der Kinder- und Jugendarzt Sven Supper (rechts im Bild)  in der Praxis. Manche kennen ihn bereits von einem Besuch in Pfullendorf im letzten Jahr. Herr Supper ist ein sehr erfahrener Kinder- und Jugendarzt, der seit Jahren als Oberarzt in einer Kinderklinik im Rheinland tätig ist.

Unterstützt wird er von unserem Praxisteam um Sandra Höre, Sevtap Senol und Lisa Steurer.

Sie können sich in allen Belangen an die Praxis wenden, auch wenn es um sich um chronische Probleme oder Langfristrezepte (Ergotherapie, Physiotherapie) handelt. Die Praxis ist zu den üblichen Zeiten erreichbar.