Archiv für den Monat: Dezember 2017

Was geht rum? 30. Dezember 2017

Zum Jahresende bleibt bei den Infekten vermutlich alles wie’s ist.

Zumindest bei den Infekten haben sich in der letzten Woche keine Änderungen ergeben. Es überwiegen die Atemwegsinfekte mit Mittelohrentzündungen. Daneben treten weiterhin einzelne Infektionen mit Streptokokken (Streptokokkenangina; Scharlach) auf. Magen-Arm-Erkrankungen sind hingegen weniger häufig.

Zum Jahreswechsel wünschen wir allen Kindern, Jugendlichen und deren Eltern einen guten Start in das Neue Jahr mit viel Erfolg und Lebensglück.

In der kommenden Woche ist die Praxis wieder an allen Werktagen für Sie erreichbar.

Impfung gegen Meningokokken schützt teilweise vor Gonorrhoe

Dass die Impfung gegen einen Krankheitserreger gleichzeitig gegen einen zweiten erfolgreich wirksam sein kann ist neu. Hinweise hierfür finden sich in einer Studie aus Neuseeland.

Dort wurde zwischen 2004 und 2006 eine Impfung gegen eine Untergruppe von Meningokokken B angeboten. Diese Jugendliche und Heranwachsende unter 20 Jahren sich geben lassen, da sie besonders von diesem speziellen Erreger bedroht waren. Schnell zeigte sich, dass die Neuerkrankungen hierdurch auf unter 10% abgesunken waren. Daraufhin stellte die Behörden dieses Impfprogramm wieder ein. Die Erkrankung an diesen Meningokokken tritt bis heute nur noch sporadisch auf. Also ein voller Erfolg.

Nun hat eine Forschergruppe um Dr. Helen Petousis-Harris bemerkt, dass seither die Zahl von Geschlechtskrankheiten mit Chlamydien klar zugenommen, aber die Erkrankungen mit Gonorrhoe ebenso deutlich abgenommen haben. Gonokokken sind die Erreger der Gonorrhoe und mit den Meningokokken verwandet. Ihr Ähnlichkeit in der Struktur liegt bei 80-90%. Die Forscher fanden heraus, dass die Patienten, die (gegen diese speziellen Meningokokken) geimpft worden waren um 31% seltener an auch dieser schwierigen Geschlechtskrankheit erkrankten als die Ungeimpften.

Damit eröffnet sich vielleicht ein neuer Ansatz, bisher unbesiegbare Erreger erfolgreich indirekt bekämpfen zu können.

Lesen …..

Weihnachten. Alle sind zusammen und haben Zeit füreinander. Zwischen den leckeren Mahlzeiten gibt es in der dunklen Jahreszeit viel Zeit zum Lesen.

Oder um es mit Tolstoi zu sagen “Beim Lesen lässt sich vortrefflich denken“. Lesen ist nichts Anstrengendes. Aber es springt nicht wie die Bild-Medien nicht ins Auge. Computer und Smartphone tun das schon. Aber schwupp-die-wupp, sind wir von einem Thema ins andere gezappt und haben viel Zeit verloren. Die Überdosis an Möglichkeiten überfordert uns! Und was ist uns am Ende noch in Erinnerung?

Beim Lesen kann man träumen, in andere Welten entgleiten. Kinder können das ganz leicht. In diesen fremden Welten haben sie die Allmacht, die ihnen im Alltag oft fehlt. Die Phantasie wird beflügelt. Und beflügelt uns Eltern ebenso, wenn wir über die Fragen staunen, die Kinder uns stellen.

Also nutzen wir die kommenden langen Abende, setzen uns in eine Ecke und lesen den Kindern Bücher vor, die sie begeistern können.

Frohe Weihnachten

Das gesamte Praxisteam um Dr. Niethammer und Dr. Wolff wünscht allen Kindern, Jugendlichen und deren Eltern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Wir hoffen, dass Sie alle gesund sind und bleiben. Wenn nicht, so sind wir an allen Werktagen in der Weihnachts – und Neujahrwoche für Sie da. An den Sonn- und Feiertagen wenden Sie sich wie immer an die Kinder-Notfalldienste in Singen (0180 60 77 312) oder Ravensburg (0180 19 29 288).

Was geht rum? 23. Dezember 2017

Weihnachten steht vor der Türe. Und wir hoffen, dass alle Kinder gesund sind und nur insofern fiebern, als sie das große Fest kaum erwarten können.

Diese Woche blieben die Infekte auf gleichem Stand wie zuvor. Zu Beginn traten viele Erkrankungen am Infektkrupp auf, teilweise mit deutlicher nächtlicher Atemnot. Die Neuerkrankungen an Mittelohrentzündungen waren unverändert oft zu beobachten. Die Verläufe unterschieden sich jedoch sehr: Einige hatten nur eine leichte Rötung, andere hatten schwer eitrige Entzündungen mit geplatztem Trommelfell (Otitis media perforata). Da der Schmerz nicht immer die Schwere der Betroffenheit ausdrückt, sollte bei Ohrschmerz immer eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

Über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage ist die Praxis an allen Werktagen geöffnet. An den Feiertagen wenden Sie sich bitte wie gewohnt an den Notfalldienst in Singen (an dem auch Dri Niethammer und Dr. Wolff beteiligt sind) oder Ravensburg.

Viele Säuglinge und Kleinkinder sind von Schnupfen geplagt, ohne dass sie sonst stärker beeinträchtigt sind. Das stört allerdings den Nachtschlaf und damit auch die Stimmung. Wenn Kinder keine erholsamen Schlaf finden, sind sie oft am Jammern. Den Ratschlag des praxisblättle, einen Nasensauger auszuprobieren haben inzwischen viel Eltern mit Erfolg umgesetzt. Das einfachste Modell – das “Staubsaugermodell” – hat viele Anhänger gefunden. Vermutlich ist dies eine Investition, die sich für viele Familien mit kleinen Kindern lohnt.

Was geht in der Welt rum? Für alle Urlauber, die die Weihnacht in den Tropen verbringen wollen ist wichtig, dass an der Küsten Kenias (z.B. Diani Beach) Cholera aufgetreten ist. Vor Antritt der Reise sollten die aktuellen Neuigkeiten in Erfahrung gebracht werden.

Das gesamte Praxisteam hofft, dass Sie und Ihre Kinder über die kommenden Feiertage gesund bleiben und dieses wunderbare Weihnachtsfest mit seiner besonderen Stimmung genießen können. Frohe Weihnachten!

Tränengangsverengung beim Säugling

Nicht selten kommen Babys zu Welt und haben tränende Augen. Dieses Phänomen zeigt sich am ersten Lebenstag bei 70% der Neugeborenen.

Bei den meisten verschwindet das tränende Auge bereits in den ersten 4 Lebenswochen, so dass nur etwa 6% aller Neugeborenen über diese Zeit hinaus ein “überlaufendes Auge” haben. In seltenen Fällen sind auch beide Augen betroffen. Ursächlich ist meist die sog. Hasner-Membran, die den Tränengang bei seiner Mündung in den unteren Nasengang verengt (siehe Bild rechts, Prof. Neuhann, München).

Bei tränendem Auge in den ersten Lebenswochen ist diese Diagnose sehr wahrscheinlich. In jedem Fall sollte der Kinderarzt zu Rate gezogen werden, um andere Diagnosen (z.B. eine akute eitrige Entzündung der Bindehäute, die in diesem Alter durchaus gefährlich werden könnte) auszuschließen.

Eine Therapie ist in aller Regel nicht notwendig. Das Auge kann mehrfach am Tag von den oft schmierigen Belägen befreit werden. Dazu sollte die Mutter/ der Vater zunächst die eigenen Hände waschen (besser: desinfizieren) und mit physiologischer Kochsalzlösung (NaCl 0.9%) auswischen.

In aller Regel führt die Entwicklung des Tränengang dazu, dass sich das Problem des engen Tränenkanals in den ersten Monaten spontan löst. Dann ist das Auge zunehmend nicht mehr nässend und tränt nur noch bei Infekten.

Bildquelle: https://www.neuhann.de/

Hartes Wasser erhöht Risiko für Neurodermitis

Eine dänische Studie hat nun herausgefunden, dass das Risiko für das Auftreten einer Neurodermitis mit dem Härtegrad des Wassers zunimmt.

Die Forschergruppe um Kristiane A. Engebretsen aus Hellerup und Kopenhagen konnte nachweisen, dass mit jeder Zunahme der Wasserhärte um 5°, das Risiko für Kinder eine Neurodermitis zu entwickeln um 5% zunahm. Insgesamt liegt das Risiko eine Neurodermitis auf Grund der hohen Wasserhärte zu entwickeln bei 2%.

Unabhängig davon besteht ein bereits bekannt erhöhtes Risiko für eine Neurodermitis bei Kindern, die im Winter oder Frühjahr geboren werden.

Was geht rum? 16. Dezember 2017

Das kalte und schmuddelige Wetter hat zu nochmals mehr Infektionen geführt. Die meisten Kinder hatten Infekte der oberen Atemwege. Bei vielen kam noch eine Mittelohrentzündung, eine Krupphusten oder auch eine Lungenentzündung (Bronchopneumonie) hinzu.

Einzelne Erkrankungen an Scharlach bzw. Streptokokkenangina (wobei der Scharlach – also die Angina mit dem typischen Ausschlag – überwog).

Die Grippe – also die Influenza – ist regional noch nicht aufgetaucht. Die Zahl der Infekte liegt für die Kalenderwoche 49/2017 im jahreszeitlich üblichen Rahmen (neuester Wochenbericht  der Arbeitsgemeinschaft Influenza). Meist sind Rhinoviren und Adenoviren die Auslöser der Erkrankungen. Eine echte Influenza wurde 161 Mal bundesweit diagnostiziert.

Was geht in der Welt rum? In Rumänien sind im laufenden Jahr 10.010 Erkrankungen an Masern gemeldet worden. An dieser Erkrankung verstarben 36 Menschen. Nach zweimaliger Impfung besteht ein nahezu vollständiger Schutz für alle Familien, die über die Festtage planen, nach Rumänien zu fahren.

Fieberkrampf – alles wird gut (Entwicklung)

Infektkrämpfe bei Kindern sind kein seltenes Ereignis. Diese epileptischen Anfälle betreffen 2-4% aller Kinder und treten mal mit Fieber (“Fieberkrämpfe”) aber auch ohne Fieber bei Infekten auf.

Für Eltern ist das Ereignis traumatisch. Wie vom Blitz getroffen verliert das eigene Kind das Bewusstsein, ist nicht mehr ansprechbar und krampft oft mit den Armen und Beinen. “Ich hatte das Gefühl, mein Kind wir sterben”, so beschreiben viele Eltern ihre emotionale Befindlichkeit in diesem Moment. Dem entsprechend ist es für den Kinder- und Jugendarzt schwierig, Eltern von der relativen Harmlosigkeit dieses Ereignisses zu überzeugen. Der erste Eindruck – das eigene Kind zu verlieren – sitzt tief. In den Wochen danach bleibt für Eltern die Frage, welchen Einfluss der Infektkrampf auf die weitere kognitive Entwicklung des Kindes habe. Sie sind überzeugt, dass so ein schreckliches Ereignis nicht ohne Folgen bleiben könne.

Tut es aber!

Das zeigt eindrücklich die Übersichtsarbeit von Prof. Dr. Gerhard  Kurlemann und Mitarbeiter aus dem Bereich Neuropädiatrie der Universitätskinderklinik in Münster. Darin führen sie 12 Studien aus verschiedenen Ländern auf. Sie vergleichen die Entwicklung von Kindern mit Fieberkrämpfen gegenüber solchen, die keine epileptischen Anfälle hatten. 

Über alle Studien zeigt sich, dass Kinder mit durchgemachten Fieberkrämpfen bis zum Schulalter sowohl in Bezug auf ihre Intelligenz wie auch das Verhalten keine Unterschiede zu gesunden Kontrollkindern zeigen. Dies gilt ebenso für Kinder mit sog. komplizierten Fieberkrämpfen (sehr lange Krampfdauer; wiederholte Krampfanfälle u.a.).

Auch wenn ein Fieberkrampf für die Eltern weiterhin ein erschreckendes Erlebnis bleibt, hat er nach Studienlage keinen Einfluss auf die weitere mentale Entwicklung der Kinder.

Krankheitskosten: steuerliche Aspekte

Steuertipps gibt’s selten beim Arzt. Aber für Eltern mit chronisch kranken Kindern sind sie wichtig, um zumindest einen Teil der zusätzlich anfallenden Kosten durch Krankheit abzufedern.

Wenn es darum geht Kosten steuerlich geltend zu machen sind Nachweise wichtig. Diese müssen belegen, dass die angefallenen Kosten “außergewöhnlich” sind. Diese Papiere sollten zeitnah erbracht werden, weil es im Nachhinein schwierig oder oft unmöglich ist die erforderlichen Papiere zu erstellen. Ebenso geraten angefallene Kosten gerne in Vergessenheit.

Zu den abziehbaren Kosten können – je nach Krankheitsfall – Aufwendungen für ärztliche Behandlungen, Arznei- , Hilfs- und Heilmittel, Klinikaufenthalte, krankheitsbedingte Pflege sowie spezielle Lebensmittel zählen. Zusätzlich dürfen auch (anlässlich der Krankheit entstandene) Fahrtkosten berücksichtigt werden.

Krankheitskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. Dabei wird vom Finanzamt automatisch die “zumutbare Belastung” abgezogen. Aufwendungen für das eigene Kind sind zwar streng genommen Unterstützungsleistungen, werden jedoch in aller Regel von den Finanzämtern wie Aufwendungen für Sie selbst behandelt (zumindest, solange Sie für das Kind Kindergeld erhalten).

Zu den Krankheitskosten zählen nur Aufwendungen, die der Heilung einer Krankheit dienen oder die eine Krankheit erträglicher machen bzw. deren Folgen lindern sollen (BFH-Urteil vom 18.06.1997, III R 84/96, BStBl. 1997 II S.805). Einige praktischen Anmerkungen zu den Nachweisen:

  • Vorbeugende Maßnahmen zählen nicht zu den absetzbaren Leistungen, auch wenn sie der Gesundheit dienen.
  • In einigen Fällen ist statt eines ärztlichen ein amtsärztliches Zeugnis erforderlich (immer anhängig von der Einschätzung und Bewertung des Finanzbeamten). Dies sollte zeitnah geprüft werden.
  • Die amtsärztlichen Atteste müssen erstellt werden bevor die Therapie beginnt und sind teilweise kostenpflichtig.
  • Suchen Sie einen auswärtigen Arzt auf? Sie dürfen dann Fahrtkosten geltend machen (in Höhe der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel), ggf. auch Übernachtungskosten.
  • Die Begleitkosten eines Elternteils sind für die Behandlung eines Kindes ebenfalls zu berücksichtigen. Umstritten ist bis zu welchem Alter eine Begleitung möglich ist.
  • Auch Arztkosten im Urlaub sind in dieser Hinsicht abzugsfähig. Nicht aber die Hotelkosten, die während der Krankheit anfallen.
  • Aufwendungen für Arznei- und Verbandsmittel: z.B. auch Zuzahlungen (wie bei Flutide© für Asthmatiker), Aufpreis für gewisse Medikamente.
  • Hilfsmittel: Brillen, Hörgeräte, Blutdruckmessgeräte, Inhalationsgeräte.
  • Heilmittel: Sprachtherapie, Ergotherapie, Lerntherapie
  • Diät: Bis heute ist die Frage der finanziellen Unterstützung in diesem wichtigen Bereich sehr umstritten. Dabei ist eine Diät für viele Kinder von besonderer Bedeutung (Zöliakie,Nahrungsmittelallergien). Der Gesetzgeber will hier laut § 33 Abs. 2 keine Hilfe gewähren. Im Jahre 2015 hat sich der Bundesfinanzhof (VI R 89/13) eine Entscheidung gefällt, die eine Berücksichtung möglich macht. Aber die Hürden sind sehr hoch.
  • Ab kommendem Jahr gibt es eine erste Ausnahme über eine Diät, die von den Krankenkassen selbst getragen wird: die Ernährungstherapie bei Stoffwechselerkrankungen wie der Mukoviszidose (Beschluss des G-BA).

Steuerliche Berücksichtigung von Krankheitskosten kommt nur bei “außergewöhnlichen” Kosten ind Frage und ist an enge und strenge Regeln gebunden. Nachweise sind wichtig. In Zweifelsfällen fragen Sie bitte einen Steuerberater.