Sonnenlicht schützt vor Brille

Aus Asien wissen wir, dass die Kurzsichtigkeit seit dem zweiten Weltkrieg von etwa 20% auf heute über 80% angestiegen ist. Für Kinder in Asien ist eine Brille somit ein Normalzustand.

Warum ist das so? Eine solch radikale Zunahme von Sehstörungen lässt sich durch genetische Faktoren allein nicht erklären. Untersuchungen legen nahe, dass Umweltfaktoren der Hauptgrund sind. An erster Stelle das Sonnenlicht. Je heller das Licht, umso weniger verlängert sich der Augapfel. Er versucht mehr Licht einzufangen. Auch wenn es im Alltag oft nicht wahrgenommen wird: Die Lichtstärke ist an sonnigen Tagen draußen bis zu 200 Mal stärker als in Innenräumen.

Studien konnten belegen, dass das Risiko für die Entwicklung von Kurzsichtigkeit nachweislich geringer ist für Kinder, die sich länger im Freien aufhalten. In ihrer Durchsicht von Studien zu diesem Thema (Metaanalyse) konnten JC Sherwin und Mitarbeiter von der Universität in Cambridge (Großbritannien) folgendes zeigen: Jede Stunde, die sich ein Kind oder Jugendlicher länger im Freien aufhielt, konnte das Risiko für eine Kurzsichtigkeit um 2% verringern.

Der zweite bedeutsame Umweltfaktor ist das Nahsehen. Mit zunehmender Digitalisierung sind Bildschirme aller Art über die letzten Jahrzehnte immer bedeutsamer geworden. Dieser Faktor ist jedoch weniger bedeutsam als das fehlende Sonnenlicht.

Wie immer, müssen viele Faktoren zusammen kommen um eine Krankheit auszulösen. Genetische Faktoren – die wir ja nicht verändern können – sind auch bei der Kurzsichtigkeit bedeutsam. Was aber noch wichtiger ist, dass wir dem Auftreten und der Schwere der Kurzsichtigkeit ganz einfach entgegenwirken können, wenn unsere Kinder und Jugendlicher öfter draußen sind. So einfach und schön kann eine Therapie gelegentlich sein. Auch im Winter.

 

Bildquelle: http://www.nature.com/news/the-myopia-boom-1.17120