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Kinderkrankheiten (8): Ringelröteln

Der Name „Ringelröteln“ (Erythema infectiosum) ist verwirrend. Mit Röteln teilt sich diese Erkrankung nur einen im Anfangsstadium ähnlichen Ausschlag. Letztlich bilden sicher aber bei den Ringelröteln die netzförmigen Ringel, die dieses Exanthem sehr typisch machen. Der Auslöser dieser Infektionskrankheit ist das Parvovirus B19. Dieser Erreger steht in keinerlei Verbindung zum Rötelnvirus.

Nach einer Inkubationszeit von bis zu 2 Wochen entwickelt sich der typische Ausschlag (Exanthem) zusammen mit leichtem Fieber. Kinder haben außer dem Ausschlag oft keinerlei Beschwerden, bei Jugendlichen kommt auch höheres Fieber, Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen vor. Der Ausschlag ist wechselnd stark und dann am deutlichsten ausgeprägt, wenn die Haut von der Sonne beschienen wird. Er kann manchmal über einige Wochen anhalten. Ringelröteln sind bei kleineren Kindern vornehmlich im Gesichtsbereich, später an den Streckseiten der Arme am deutlichsten zu sehen. Im Körper selbst kommt es zur Zerstörung einiger roter Blutkörperchen, eine bedeutsame Blutarmut ist bei Kindern aber nicht zu befürchten.

Mit dem Auftreten der Ringelröteln ist ihre Ansteckung auch schon vorbei. Eine Vorbeugung ist also effektiv nicht möglich, zumal die Ringelröteln endemisch auftreten; das heißt: sind sie einmal bei uns eingetroffen, so breiten sie sich rasant aus.

Sorge vor Ringelröteln ist nur angezeigt bei Schwangeren, die diese Erkrankung bis zur Schwangerschaft noch nicht durchgemacht haben. Dies kann durch Antikörpertests im Blut festgestellt werden. Sollte es zu einer Infektion mit Ringelröteln in der Schwangerschaft kommen, kann es durch die Zerstörung von roten Blutkörperchen zu einer Blutarmut des ungeborenen Kindes kommen, die in schwierigen Fällen zu einem sog. Hydrops führt, der tödlich enden kann. Im Zweifelsfall sollte also eine Blutuntersuchung bei Schwangeren erfolgen, um kein unnötiges Risiko einzugehen. 

Was geht rum? 19. August 2017

Hochsommer. Kinder genießen es draußen zu sein, im Freibad und beim Spiel mit Freunden in der wunderbaren Natur unserer Region. Jugendliche hängen auch dort ab, meistens später, wenn es dunkel wird oder auch bei Open-Air-Festivals.

Was geht rum an Krankheiten? Wenig. Und eigentliche keine Infekte, vor denen man sich gezielt schützen könnte.

Weiterhin sind eher Verletzungen ein Problem: Verbrennungen am Grill, Platzwunden bei Stürzen, starke Lokalreaktionen nach Insektenstichen – wie auf dem herzigen Bild von Luisa, rechts, treffend dargestellt –  und infizierte Wunden.

Die Praxis ist bis 23. August 2017 geschlossen. Ab Donnerstag sind kommender Woche sind wir wieder für Sie da.

Adoptivkinder: Wie es ist, als Schwarze in einer weißen Adoptivfamilie aufzuwachsen

Als Adoptivkind aufzuwachsen, ist auch in unserer – äusserlich aufgeklärt daher kommenden Gesellschaft – nicht ohne Tabus. Schwieriger ist es noch, wenn die Hautfarbe die Adoption verdeutlicht. Ein Artikel von Henrike Möller im ze.tt zeigt die Thematik gut auf.

Louisa wächst bei Adoptiveltern in Berlin auf. Mit 16 macht sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln – und landet im 8.500 Kilometer entfernten Madagaskar.

„Er sieht mir so unfassbar ähnlich!“ Louisa steht am madagassischen Flughafen und ist glücklich. Auch an ihrer Mutter entdeckt sie Gemeinsamkeiten: „Wir haben eine ähnliche Gestik und sprechen auch ähnlich. Obwohl sie eine andere Sprache spricht, hat sich das angehört wie bei mir.“

Drei Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme zu ihren leiblichen Eltern hatte sie den Entschluss gefasst, sie in Madagaskar zu besuchen. Nun hat sie ihr Ziel erreicht. Doch hat sie sich auch selbst gefunden?

Es tut weh, sich eingestehen zu müssen, dass die engsten Vertrauten nicht mit einem verwandt sind.“ – Louisa

Drehen wir erstmal ein paar Jahre zurück. Als Louisa ein kleines Kind war, rief sie immer absichtlich ganz laut nach Mama und Papa. „Die Leute sollten wissen, dass das meine Eltern sind, auch wenn ich nicht aussehe wie sie“, erinnert sie sich. Louisas Haut ist schwarz, die ihrer Adoptiveltern weiß. Trotzdem wollte sie lange nicht wahrhaben, dass sie nicht deren leibliche Tochter ist: „Es tut weh sich, eingestehen zu müssen, dass die engsten Vertrauten nicht mit einem verwandt sind.“ Um überhaupt damit klarzukommen, habe sie das ganze Adoptionsthema erstmal abblocken müssen, weiß Louisa heute.

Bis zur siebten Klasse geht Louisa den Fragen nach ihrer Herkunft rigoros aus dem Weg. Es genügt ihr zu wissen, dass ihre Adoptivfamilie – sprich ihre Eltern und deren vier leibliche Söhne – sie lieb haben. Doch dann wechselt sie die Schule und findet sich plötzlich inmitten von ganz vielen anderen Jugendlichen mit Migrationshintergrund wieder.

Im Unterschied zu ihnen, kann sie die Frage nach ihren Wurzeln aber nicht beantworten. Madagaskar, ja, das stand in den Adoptionspapieren, aber wie sieht es dort aus? Wie leben die Menschen da? Mit jedem Mitschüler/in, der/die sie auf ihre Herkunft anspricht, wächst in Louisa der Druck, mehr in Erfahrung bringen zu müssen.

Und, woher kommst du so?

Plötzlich beginnt sie, sich in ihrer Adoptivfamilie unwohl zu fühlen. „Ich habe mich nicht mehr zugehörig gefühlt“, sagt Louisa. Sie wirft ihnen vor, sie nicht lieb zu haben, rebelliert, wird zur Einzelgängerin. Schließlich bittet Louisa sie darum, ihr bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern zu helfen. Gemeinsam beauftragen sie eine Agentur. Als die nach einem Jahr immer noch nichts gefunden hat, beschließt Louisas Großvater, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

In den Adoptionsunterlagen entdeckt er die Reisepassnummer von Louisas leiblicher Mutter. Damit fährt er zur madagassischen Botschaft, die sie schließlich ausfindig macht. Genauso wie ihren leiblichen Vater, von dem Louisa bis dato dachte, er sei tot. In den Adoptionspapieren hatte es so gestanden. Zögerlich beginnt Louisa ihren leiblichen Eltern Briefe zu schreiben. Sie erfährt, dass deren Beziehung schon vor ihrer Geburt in die Brüche gegangen war. Von einem gemeinsamen Kind hatte ihr leiblicher Vater gar nichts gewusst. Bis zu Louisas Kontaktaufnahme.

Drei Jahre lang tauscht Louisa mit ihren leiblichen Eltern in regelmäßigen Abständen E-Mails und Fotos aus. Sie ist 19, als sie nach Madagaskar reist. Ein Land, das ihr genau so fremd ist wie ihrer Adoptivfamilie, die sie begleitet. „Ich habe versucht, nicht zu viel zu erwarten“, erinnert sich Louisa zurück, „mir nicht das große Paradies mit meinen Eltern vorzustellen, von wegen ich lerne sie kennen und alles wird gut.“

“Wenn ich unter Madagassen bin, bin ich die Deutsche. Wenn ich unter Deutschen bin, die Madagassin.“ – Louisa

Doch die ersten Eindrücke von ihrer Familie in Madagaskar sind erstmal positiv. Sie fühlt sich gut und entdeckt Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten, die sie mit ihren Adoptiveltern nicht hat. Louisas anfängliche Faszination weicht jedoch schnell der ersten Ernüchterung: „Wir hatten viele Hemmungen, überhaupt ein Thema zu finden“, erzählt sie, „und das lag nicht nur an der Sprachbarriere.“ Besonders ihre leibliche Mutter habe sich schwer getan: „Sie schämt sich dafür, mich abgegeben zu haben.“

Als Louisa nach Deutschland zurückkehrt, ist sie enttäuscht: „Ich dachte, die erste Begegnung mit meinen leiblichen Eltern würde alles klären, aber genau das Gegenteil ist passiert. Danach hatte ich mehr Fragen als vorher.“ Nach wie vor weiß Louisa nicht, warum ihre leibliche Mutter sie hergegeben hat. Nach wie vor hat Louisa das Gefühl, nirgends richtig dazuzugehören. Auch heute nicht: fünf Jahre später. Wer ist sie nun? Deutsche oder Madagassin? „Wenn ich unter Madagassen bin, bin ich die Deutsche. Wenn ich unter Deutschen bin, die Madagassin.“

Das Gefühl nirgends dazuzugehören

Dabei hat sich Louisa selbst nie als Ausländerin gesehen. „Ich bin in Berlin aufgewachsen. Als ich in Madagaskar war, wollte ich einfach nur Vollkornbrot mit Käse essen. So wie jede*r andere Deutsche auch. Trotzdem wollen mich die Leute hier lieber als Madagassin sehen, als Exotin, weil das spannender ist.“ Immer wieder erlebt Louisa Momente, in denen sie sich auf ihre Hautfarbe reduziert fühlt. Oder auf den Umstand, dass sie adoptiert ist. „Manchmal wünschte ich, es wäre anders. Manchmal wünschte ich, ich müsste mich nicht jedes Mal erklären“, gibt sie zu.

Trotzdem bereut Louisa es keinesfalls, ihre leiblichen Eltern kennengelernt zu haben. „Ich kann mir jetzt ein Bild von ihnen machen. Das gibt mir sehr viel.“ Es sei zudem wichtig für sie gewesen, jemandem gegenüberzustehen, der tatsächlich mit ihr verwandt sei.

„Ich bin nun bereit, mit anderen Menschen über meine Herkunft zu sprechen“, sagt sie. „Mir ist das Thema nicht mehr länger unangenehm.“ Ganz und gar damit abschließen wird Louisa wohl nie können, glaubt sie. „Ich muss mich kontinuierlich damit auseinandersetzen. Ich habe keine andere Wahl. Ich muss den Leuten zeigen, dass ich irgendwo dazugehöre.“

Rotavirus-Impfung: Risiko für Darmeinstülpung gering

Rotaviren sind die häufigsten Erreger einer Magen-Darm-Grippe bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Erkrankung geht meist über eine knappe Woche und ist mit Durchfall, Erbrechen und Fieber sowie häufiger Trinkverweigerung verbunden. Weltweit sterben jährlich 453.000 Kinder an dieser Infektion.

In Deutschland trat die Rotavirus-Infektion vor Einführung der Schluckimpfung bei 1850 Unter-2-Jährigen von 100.000 Kindern auf.

Ein erster Impfstoff wurde 1998 in den USA eingeführt. Da er zu einer massiven Zunahme von Darmeinstülpungen (Invagination) führte – das Risiko war 37-fach erhöht! – wurde er wieder vom Markt genommen. Die beiden neuen Schluck – Impfstoffe, die seit 2006 in Deutschland auf den Markt kamen, werden sehr früh geimpft. Hierdurch konnte das Invaginationsrisiko minimal gehalten werden. So zeigte eine Übersichtsarbeit von Judith Koch und Mitarbeitern vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, dass das Risiko für eine Darmeinstülpung für Kinder in den ersten 3 Lebensmonaten bei 1:5208 liegt, wenn sie nicht geimpft sind. Bei Geimpften liegt diese Zahl unmerklich höher bei 1:4785.

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Rotaviren im Säuglingsalter ist in den letzten wenigen Jahren um über 30% zurückgegangen.

Die Impfung gegen Rotaviren ist in Deutschland seit 2006 verfügbar und seit 2013 eine von der STIKO empfohlene Impfung. Im Geburtsjahrgang 2014 sind in Baden-Württemberg 57.4% aller Säuglinge komplett geimpft. Neuere Daten sind nicht verfügbar.

Was geht rum? 12. August 2017

Der Sommer hat etwas an Temperatur verloren, scheint aber weiter gesundheitlich günstig zu sein. In der Praxis treten jahreszeitlich typische Infektionen auf wie die Herpangina, die Hand-Fuß-Mund-Krankheit und leichtere Magen-Darm-Erkrankungen.

Kinderkrankheiten traten in der letzten Woche nicht auf.

Bedeutsamer sind manchmal die vielfältigen Verletzungen: kleinere Verbrennungen (Vorsicht beim Grillen) oder Blessuren an Armen und Beinen. Letztere sind in der Regel meist geringfügig und Zeichen des wunderbaren Bewegungsdranges der Kinder.

Insektenstiche sind recht bedeutsam. Häufig kommt es zu kräftigen Lokalreaktionen, die die Kinder über mehrere Tage mit Juckreiz / Schmerz auch in den Nächten plagen. Bedeutsam waren zuletzt die Stiche durch Bremsen, die sich in der Nähe von Wasser und an Waldrändern sehr wohl fühlen. Die Hummel – siehe Bild rechts – ist hingegen schön anzusehen und überhaupt nicht stichfreudig.

 

Arm – Reich – Gefälle: Verteilung von Kinderärzten in Deutschland

Die Bürgerversicherung hat es in den letzten Monaten erneut in die Schlagzeilen geschafft und wird vor der Bundestagswahl kontrovers diskutiert. Eng damit verbunden ist das Thema, dass Patienten mit privater Versicherung besser behandelt würden als Kassenpatienten. So einfach sollte man es sich mit der Krankenversicherung jedoch nicht machen. Privatpatienten werden vielleicht öfter zum Arzt einbestellt und sie kommen im Durchschnitt schneller an einen Termin – weil jedes Mal etwas abgerechnet werden kann. Aber wird die Behandlung dadurch besser?

Eine echte Ungleichheit zeigt jedoch eher bei der Verteilung der Ärzte. Als Kinder- und Jugendarzt ist die Verteilung der Kinderärzte in Deutschland aufschlussreich. Das wird am Beispiel Berlin deutlich (siehe die Graphik rechts). Dort arbeiten für 100.000 Kinder und Jugendliche (100.000 Einwohner unter 18 Jahren) 52,5 Kinder- und Jugendärzte. Für ganz Deutschland liegt diese Zahl bei 43,7 Kinder- und Jugendärzten. Ein Kind in Deutschland hat somit Im Durchschnitt 17% weniger Kinderärzte zur Verfügung als in Berlin (Stadt-Land-Gefälle). Innerhalb Berlins kommt hinzu, dass in den ärmeren Kiezen wie Neukölln (41,6) die Zahl der Kinderärzte deutlich niedriger liegt als im Villenviertel Zehlendorf (66,2). Für die Orthopäden liegen die Unterschiede noch deutlicher. In Zehlendorf sind mehr als doppelt so viele Orthopäden für die Menschen tätig als in Neukölln. Ärzte sind also in wohlhabenderen Regionen häufiger anzutreffen als in ärmeren (Arm-Reich-Gefälle).

Ärzte gehen im Trend gerne dorthin, wo reichere Menschen leben und ihnen ein höheres Einkommen bescheren. Das machen viele Berufsgruppen, darüber sprechen will aber niemand.

In Deutschland müssen wir weiter darum ringen, diese Ungleichgewichte abzubauen. Es kann in letzter Konsequenz nicht angehen, dass Ärzte von der Allgemeinheit ihr teures Studium finanziert bekommen, um sich nachher in einer reinen Privatpraxis nur um die finanziell besser gestellten Privatpatienten zu kümmern. Vermutlich würde das vielen Privatpatienten auch helfen, wenn sie auch von Ärzten behandelt würden, denen das Geld nicht gar so wichtig ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Bildquelle: http://www.berlin.de/ba-neukoelln/_assets/dokumente/abteilung-gesundheit/studie_webversion.pdf

Schwarz oder Weiß: Wann werden Babys gleichgestellt (USA)?

Man mag es kaum glauben. Die angesehene Zeitschrift Journal of the American Medical Association (JAMA) hat uns Zahlen vorgelegt von denen wir annahmen, dass sie im 21. Jahrhundert längst überholt seien. Die medizinische Ungleichheit von Schwarzen und Weißen beginnt mit der Geburt. Wäre die Situation für schwarze Babys die gleiche wie für weiße Neugeborene, so würden im Jahre 2015 etwa 4400 mehr schwarze Babys überlebt haben.

In ihrer Publikation zeigen Dr. Corinne A. Riddell und Kollegen auf, dass die Kindersterblichkeit in den USA nach den Zahlen des Center for Disease Control (CDC) im letzten Jahrzehnt für alle Amerikaner um 15% zurückgegangen ist. Aus der Graphik rechts wird ersichtlich, dass sowohl bei schwarzen wie weißen Kindern ein Rückgang zu verzeichnen war. Nur, selbst im Jahre 2015, war die Sterblichkeitsrate für weiße Kinder 4.8 pro 1000 Kinder, während sie bei schwarzen Kindern bei 11.7 auf 1000 Kinder lag. Fast 2½ mal so viele. Es klafft also weiterhin eine unerträgliche Lücke in der Kindersterblichkeit zwischen schwarzen und weißen Babies. 

Mit dem Affordable Care Act (“Obamacare“) wurde ein erster Schritt getan, auch Ärmeren eine medizinische Grundversorgung zu sichern. Sollte diese Maßnahme nicht weiter ausgebaut werden steht zu befürchten, dass die Kluft zwischen den Ethnien in den USA noch grösser wird. Eine beschämende Folge für das reichste Land der Erde.

Aber wenden wir den Blick zurück in unser Land. Auch hier müssen wir beständig daran arbeiten, die bestehende Kluft zwischen Arm und Reich oder auch Land und Stadt zu verringern. Hierbei Berlin exemplarisch. Dazu in drei Tagen mehr im praxisblättle.

Was geht rum? 05. August 2017

Sommer. Ferien. In der Stadt wird es immer ruhiger. Viele Kinder sind im Freibad, andere sind mit ihren Eltern in die Ferne gefahren. Kranke Kinder sehen wir glücklicherweise viel seltener. Und auch die Schwere der Infekte dürfte für dieses Jahr den niedrigsten Stand erreicht haben. Wir freuen uns für die Familien und genießen ebenso einige Augenblicke der Entspannung.

Bedingt durch die warmen Temperaturen trat seit längerem wieder einmal eine Infektion mit Campylobacter auf. Das sind Bakterien, die eine Magen-Darm-Infektion auslösen, die – ähnlich den Salmonellen – häufig Fieber und Bauchkrämpfe verursacht. In den meisten Fällen schafft es die körpereigene Abwehr, die Krankheit zu besiegen. Wenn nicht, helfen bestimmte Antibiotika schnell.

Kinderkrankheiten gibt es nach unserer Kenntnis im Linzgau im Moment nicht.

Und was gibt es in der Welt? Wie seit Monaten: Masern. Nachdem in Rumänien seit September letzten Jahres 8250 Menschen erkrankt sind, sind es neuerdings in Frankreich 300. Wie immer bei Masern kommt es zu Todesfällen, was bei uns in Deutschland gerne schön geredet wird. In Frankreich ist es bisher ein 16-jähriges Mädchen aus Marseille. In Rumänien sind gar 32 Menschen verstorben. Wieder die Erkenntnis: eine Kinderkrankeit ist keine harmlose Angelegenheit. Das ist keine neue Erkenntnis. Warum brauchen gesunde Menschen Todesfälle um von der Impfung gegen Masern überzeugt zu werden?

Insektengiftallergie

Allergien gegen Insektengifte sind für Kinder durchaus bedeutend. Besonders schwerwiegend sind Allergien gegen Bienen und Wespen. Hierbei kann es zum allergischen Schock (Anaphylaxie) kommen, der bei Kindern jedoch nur in einer Häufigkeit von 0.34% auftritt, während 10 Mal so viele Erwachsene hiervon bedroht sind. Dennoch muss auch bei Kindern in jedem Einzelfall versucht werden, das individuelle Risiko zu klären.

Die weitaus meisten Insektengiftallergien zeigen sich als allergische Lokalreaktionen: Um die Einstichstelle bildet sich eine Rötung und Schwellung, die gelegentlich über 10 cm groß wird und länger als 1 Tag anhält. Die Stärke der Lokalreaktion kann durch Sofortmaßnahmen direkt nach dem Stich begrenzt werden durch:

  • Anwendung von Kälte (Eiswürfel) über weniger Minuten.
  • frische Zwiebel aufschneiden und mit leichtem Druck auf die Einstichstelle pressen.
  • die Einstichstelle mehrfach mit Speichel bestreichen

Treten nach einem Stich Allgemeinsymptome auf, sollte sofort ein Arzt bzw. ein Notarzt alarmiert werden. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Nesselsucht als einziges Symptom in aller Regel nicht bedrohlich. Die im Folgenden genannten Symptome können jedoch ein Alarmzeichen sein und sollten immer dazu führen, umgehend einen Notarzt anzufordern.

  • Atemnot oder Engegefühl im Hals/ Brust
  • Schwindel oder Müdigkeit
  • Kribbeln in Händen/ Füßen/ am Kopf
  • Erbrechen.

Ist aber die Reaktion auf einen Insektenstich als Hinweis auf eine mögliche schwere Allergie zu werten? Das sollte im Zweifelsfall mit dem Allergologen geklärt werden. Alle Kinder und Jugendliche, bei denen Hautreaktionen fernab der Einstichstelle oder Allgemeinsymptome (Atemnot, Kribbeln in den Händen u.ä.) auftreten, müssen weiter untersucht werden. Ideal ist eine Abklärung in einem Zeitraum 3-6 Wochen nach einem Stich, bei sehr schweren Reaktionen ggf. auch früher.

Ziel der medizinischen Abklärung ist es, das individuelle Risiko zu bestimmen. Dazu sind besonders die Angaben über die erlebten Symptome und deren zeitlicher Ablauf wichtig. In aller Regel wird auch ein Allergietest und eine Laboruntersuchung durchgeführt. In wenigen schwierigen Fällen gibt es noch weitergehende Untersuchungen (Intrakutantest; Stichprovokation u.a.), die aber bei Kindern praktisch nie erforderlich sind. 

Die effektivste Therapie einer Allergie ist die spezifische Immuntherapie (SCIT), oft auch als Hypo-/Desensibilisierung bezeichnet. Bei Allergien gegen Biene oder Wespe liegt deren Erfolgsquote bei 90 Prozent. Davor steht aber ein gewisser Aufwand in Form von Injektionen, die in etwa monatlichen Abständen für meist 5 Jahre durchgeführt werden. Andere Maßnahmen wie Antihistaminika vermögen allenfalls den Juckreiz nach einem Stich zu mindern. Auch Cortison stellt keine sichere Therapie dar.

Für den allergischen Notfall, die Anaphylaxie, gibt es das sog. Notfallset. Zentral ist hierbei der Adrenalin-Autoinjektor (AA – Notfallspritze). Nur mit diesem lässt sich eine potentiell tödliche Anaphylaxie sicher behandeln. Der Allergologe stellt die Indikation, ob ein solcher AA im Einzelfall sinnvoll ist und weist in die praktische Anwendung ein. Die weiteren Medikamente (Cortison, Antihistaminika) sind zweitrangig. Im schweren Notfall setzt ihre Wirkung deutlich zu spät ein. Nur das in den Muskel gespritzte Adrenalin über den AA vermag den Kreislaufkollaps sicher zu verhindern. Und im Zweifelsfall muss sich das der Patient selbst spritzen können.

Zusammen mit der Verschreibung des Notfallsets ist auch eine Instruktion wichtig. Das betroffene Kind und die Eltern müssen in die Handhabung der Medikamente eingewiesen werden. Das betrifft ggf. auch Personen des weiteren Umfeldes wie Großeltern oder Erzieher- und LehrerInnen.

Praxis: Erreichbarkeit in den Ferien

Mit den Schulferien beginnen auch für uns in der Praxis die Ferien der Mitarbeiterinnen und Ärzte. In den kommenden Wochen sind wir – bis auf eine Woche im August – für Sie erreichbar.

Heute, am 31. Juli 2017, arbeitet die Praxis wie gewohnt. Beide Ärzte und das gesamte Team sind für Sie da. Bitte nutzen Sie diese Gelegenheit um Langfristrezepte (Logopädie, Physiotherapie) bei Ihrem behandelnden Kinder- und Jugendarzt noch ausstellen zu lassen.

Dr. Niethammer arbeitet zu den üblichen Sprechzeiten (außer Donnerstag Nachmittag) mit verkleinertem Team ab dem 01. August (Dienstag) bis zum 16. August 2017.

Vom 17. August bis zum 23. August bleibt die Praxis geschlossen.

Vom 24. August (Donnerstag) bis zum 12. September 2017 arbeitet Dr. Wolff mit verkleinertem Team zu den üblichen Sprechzeiten (außer Dienstag Nachmittag).

Wir wünschen allen Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern eine schöne Urlaubszeit. Erholen Sie sich gut und genießen Sie ggf. exotische Reiseerfahrungen im fremden Urlaubsland. Oder eine gemütliche Tour im traumhaften Donautal oder auf dem schönen Bodensee. Wir wohnen ja bereits in einer Urlaubsregion!