Kategorie-Archiv: Editorial

Adoptivkinder: Wie es ist, als Schwarze in einer weißen Adoptivfamilie aufzuwachsen

Als Adoptivkind aufzuwachsen, ist auch in unserer – äusserlich aufgeklärt daher kommenden Gesellschaft – nicht ohne Tabus. Schwieriger ist es noch, wenn die Hautfarbe die Adoption verdeutlicht. Ein Artikel von Henrike Möller im ze.tt zeigt die Thematik gut auf.

Louisa wächst bei Adoptiveltern in Berlin auf. Mit 16 macht sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln – und landet im 8.500 Kilometer entfernten Madagaskar.

„Er sieht mir so unfassbar ähnlich!“ Louisa steht am madagassischen Flughafen und ist glücklich. Auch an ihrer Mutter entdeckt sie Gemeinsamkeiten: „Wir haben eine ähnliche Gestik und sprechen auch ähnlich. Obwohl sie eine andere Sprache spricht, hat sich das angehört wie bei mir.“

Drei Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme zu ihren leiblichen Eltern hatte sie den Entschluss gefasst, sie in Madagaskar zu besuchen. Nun hat sie ihr Ziel erreicht. Doch hat sie sich auch selbst gefunden?

Es tut weh, sich eingestehen zu müssen, dass die engsten Vertrauten nicht mit einem verwandt sind.“ – Louisa

Drehen wir erstmal ein paar Jahre zurück. Als Louisa ein kleines Kind war, rief sie immer absichtlich ganz laut nach Mama und Papa. „Die Leute sollten wissen, dass das meine Eltern sind, auch wenn ich nicht aussehe wie sie“, erinnert sie sich. Louisas Haut ist schwarz, die ihrer Adoptiveltern weiß. Trotzdem wollte sie lange nicht wahrhaben, dass sie nicht deren leibliche Tochter ist: „Es tut weh sich, eingestehen zu müssen, dass die engsten Vertrauten nicht mit einem verwandt sind.“ Um überhaupt damit klarzukommen, habe sie das ganze Adoptionsthema erstmal abblocken müssen, weiß Louisa heute.

Bis zur siebten Klasse geht Louisa den Fragen nach ihrer Herkunft rigoros aus dem Weg. Es genügt ihr zu wissen, dass ihre Adoptivfamilie – sprich ihre Eltern und deren vier leibliche Söhne – sie lieb haben. Doch dann wechselt sie die Schule und findet sich plötzlich inmitten von ganz vielen anderen Jugendlichen mit Migrationshintergrund wieder.

Im Unterschied zu ihnen, kann sie die Frage nach ihren Wurzeln aber nicht beantworten. Madagaskar, ja, das stand in den Adoptionspapieren, aber wie sieht es dort aus? Wie leben die Menschen da? Mit jedem Mitschüler/in, der/die sie auf ihre Herkunft anspricht, wächst in Louisa der Druck, mehr in Erfahrung bringen zu müssen.

Und, woher kommst du so?

Plötzlich beginnt sie, sich in ihrer Adoptivfamilie unwohl zu fühlen. „Ich habe mich nicht mehr zugehörig gefühlt“, sagt Louisa. Sie wirft ihnen vor, sie nicht lieb zu haben, rebelliert, wird zur Einzelgängerin. Schließlich bittet Louisa sie darum, ihr bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern zu helfen. Gemeinsam beauftragen sie eine Agentur. Als die nach einem Jahr immer noch nichts gefunden hat, beschließt Louisas Großvater, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

In den Adoptionsunterlagen entdeckt er die Reisepassnummer von Louisas leiblicher Mutter. Damit fährt er zur madagassischen Botschaft, die sie schließlich ausfindig macht. Genauso wie ihren leiblichen Vater, von dem Louisa bis dato dachte, er sei tot. In den Adoptionspapieren hatte es so gestanden. Zögerlich beginnt Louisa ihren leiblichen Eltern Briefe zu schreiben. Sie erfährt, dass deren Beziehung schon vor ihrer Geburt in die Brüche gegangen war. Von einem gemeinsamen Kind hatte ihr leiblicher Vater gar nichts gewusst. Bis zu Louisas Kontaktaufnahme.

Drei Jahre lang tauscht Louisa mit ihren leiblichen Eltern in regelmäßigen Abständen E-Mails und Fotos aus. Sie ist 19, als sie nach Madagaskar reist. Ein Land, das ihr genau so fremd ist wie ihrer Adoptivfamilie, die sie begleitet. „Ich habe versucht, nicht zu viel zu erwarten“, erinnert sich Louisa zurück, „mir nicht das große Paradies mit meinen Eltern vorzustellen, von wegen ich lerne sie kennen und alles wird gut.“

“Wenn ich unter Madagassen bin, bin ich die Deutsche. Wenn ich unter Deutschen bin, die Madagassin.“ – Louisa

Doch die ersten Eindrücke von ihrer Familie in Madagaskar sind erstmal positiv. Sie fühlt sich gut und entdeckt Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten, die sie mit ihren Adoptiveltern nicht hat. Louisas anfängliche Faszination weicht jedoch schnell der ersten Ernüchterung: „Wir hatten viele Hemmungen, überhaupt ein Thema zu finden“, erzählt sie, „und das lag nicht nur an der Sprachbarriere.“ Besonders ihre leibliche Mutter habe sich schwer getan: „Sie schämt sich dafür, mich abgegeben zu haben.“

Als Louisa nach Deutschland zurückkehrt, ist sie enttäuscht: „Ich dachte, die erste Begegnung mit meinen leiblichen Eltern würde alles klären, aber genau das Gegenteil ist passiert. Danach hatte ich mehr Fragen als vorher.“ Nach wie vor weiß Louisa nicht, warum ihre leibliche Mutter sie hergegeben hat. Nach wie vor hat Louisa das Gefühl, nirgends richtig dazuzugehören. Auch heute nicht: fünf Jahre später. Wer ist sie nun? Deutsche oder Madagassin? „Wenn ich unter Madagassen bin, bin ich die Deutsche. Wenn ich unter Deutschen bin, die Madagassin.“

Das Gefühl nirgends dazuzugehören

Dabei hat sich Louisa selbst nie als Ausländerin gesehen. „Ich bin in Berlin aufgewachsen. Als ich in Madagaskar war, wollte ich einfach nur Vollkornbrot mit Käse essen. So wie jede*r andere Deutsche auch. Trotzdem wollen mich die Leute hier lieber als Madagassin sehen, als Exotin, weil das spannender ist.“ Immer wieder erlebt Louisa Momente, in denen sie sich auf ihre Hautfarbe reduziert fühlt. Oder auf den Umstand, dass sie adoptiert ist. „Manchmal wünschte ich, es wäre anders. Manchmal wünschte ich, ich müsste mich nicht jedes Mal erklären“, gibt sie zu.

Trotzdem bereut Louisa es keinesfalls, ihre leiblichen Eltern kennengelernt zu haben. „Ich kann mir jetzt ein Bild von ihnen machen. Das gibt mir sehr viel.“ Es sei zudem wichtig für sie gewesen, jemandem gegenüberzustehen, der tatsächlich mit ihr verwandt sei.

„Ich bin nun bereit, mit anderen Menschen über meine Herkunft zu sprechen“, sagt sie. „Mir ist das Thema nicht mehr länger unangenehm.“ Ganz und gar damit abschließen wird Louisa wohl nie können, glaubt sie. „Ich muss mich kontinuierlich damit auseinandersetzen. Ich habe keine andere Wahl. Ich muss den Leuten zeigen, dass ich irgendwo dazugehöre.“

Arm – Reich – Gefälle: Verteilung von Kinderärzten in Deutschland

Die Bürgerversicherung hat es in den letzten Monaten erneut in die Schlagzeilen geschafft und wird vor der Bundestagswahl kontrovers diskutiert. Eng damit verbunden ist das Thema, dass Patienten mit privater Versicherung besser behandelt würden als Kassenpatienten. So einfach sollte man es sich mit der Krankenversicherung jedoch nicht machen. Privatpatienten werden vielleicht öfter zum Arzt einbestellt und sie kommen im Durchschnitt schneller an einen Termin – weil jedes Mal etwas abgerechnet werden kann. Aber wird die Behandlung dadurch besser?

Eine echte Ungleichheit zeigt jedoch eher bei der Verteilung der Ärzte. Als Kinder- und Jugendarzt ist die Verteilung der Kinderärzte in Deutschland aufschlussreich. Das wird am Beispiel Berlin deutlich (siehe die Graphik rechts). Dort arbeiten für 100.000 Kinder und Jugendliche (100.000 Einwohner unter 18 Jahren) 52,5 Kinder- und Jugendärzte. Für ganz Deutschland liegt diese Zahl bei 43,7 Kinder- und Jugendärzten. Ein Kind in Deutschland hat somit Im Durchschnitt 17% weniger Kinderärzte zur Verfügung als in Berlin (Stadt-Land-Gefälle). Innerhalb Berlins kommt hinzu, dass in den ärmeren Kiezen wie Neukölln (41,6) die Zahl der Kinderärzte deutlich niedriger liegt als im Villenviertel Zehlendorf (66,2). Für die Orthopäden liegen die Unterschiede noch deutlicher. In Zehlendorf sind mehr als doppelt so viele Orthopäden für die Menschen tätig als in Neukölln. Ärzte sind also in wohlhabenderen Regionen häufiger anzutreffen als in ärmeren (Arm-Reich-Gefälle).

Ärzte gehen im Trend gerne dorthin, wo reichere Menschen leben und ihnen ein höheres Einkommen bescheren. Das machen viele Berufsgruppen, darüber sprechen will aber niemand.

In Deutschland müssen wir weiter darum ringen, diese Ungleichgewichte abzubauen. Es kann in letzter Konsequenz nicht angehen, dass Ärzte von der Allgemeinheit ihr teures Studium finanziert bekommen, um sich nachher in einer reinen Privatpraxis nur um die finanziell besser gestellten Privatpatienten zu kümmern. Vermutlich würde das vielen Privatpatienten auch helfen, wenn sie auch von Ärzten behandelt würden, denen das Geld nicht gar so wichtig ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Bildquelle: http://www.berlin.de/ba-neukoelln/_assets/dokumente/abteilung-gesundheit/studie_webversion.pdf

25 Jahre praxisblättle!

Das praxisblättle feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. In den zwei Duzend Jahren seiner Karriere hat es sich stark gewandelt.

Zu Beginn kam es ab dem Jahre 1992 auf farbigem Papier heraus (siehe die jüngste erhaltene Ausgabe 4.93 rechts im Bild). Das muss damals wohl schick gewesen sein, so genau weiß ich das heute nicht mehr. Auf vier Seiten wurde Themen diskutiert, die von AIDS über die Homöopathie bis zur Einführung der Krankenversichertenkarte (CHIP-Karte) reichten.

Die Erstellung des praxisblättle war sehr aufwendig. Sie fand zwar schon am Computer statt, aber die einzelnen Graphiken mussten damals noch auf die Ur-Exemplare geklebt werden. Danach liefen Kopierer heiß und die Blätter mussten richtig sortiert werden. In den Anfängen wurden 4 Ausgaben pro Jahr erstellt. Die Auflage lag bei etwa 150 Exemplaren.

So vergingen einige Jahre bis das praxisblättle den Interessenten als E-Mail zugestellt wurde, was um die Jahrtausendwende begann. Damals starteten wir, das praxisblättle monatlich zu veröffentlichen. Im ersten Verteiler fanden sich gerade mal 10 Mailadressen. Das waren die Zeiten, als das Fax ganz schick war – und die e-Mail weitgehend unbekannt.

Der Blog, den Sie heute sehen, erschien erstmals am 04. Januar 2013.

Ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Kinder wäre das Projekt nicht denkbar gewesen. Sie gaben Anstösse, machten Mut – “ist viel einfacher als Du denkst” und führten die Programmierung durch. Ich habe die Hilfe immer gerne angenommen und brauche sie immer seltener. Ein Glück für Kinder, dass manchmal sogar Eltern lernfähig sind.

Broccoli mag ich nicht!

Wer kennt das nicht, “Ich mag Broccoli nicht”. Oder Tomaten – aber Ketch-up mag ich schon. Und Spinat, Rosenkohl oder Oliven? I gitt!

Mit solchen Fragen setzt sich Professor Russell Keast und KollegInnen der Deakin University in Melbourne (Australien) auseinander. Er ist Geschmacksforscher. Ein seiner neusten Arbeiten (zum Lesen der Publikation bitte auf das “Arbeiten” klicken) beschäftigt sich mit den Effekten von Salz und Fett auf den Geschmack auseinander.  Dabei zeigt sich dass der Salzgehalt für den Genuss eines Nahrungsmittels (hier: Tomatensuppe) bedeutsamer ist als der Fettgehalt (siehe die Graphik rechts im Bild).

Er setzt sicher aber auch mit der Frage auseinander, weshalb einige Menschen Lebensmittel im Kindesalter verabscheuen, die uns als Erwachsene munden. Das sind eben Broccoli und Konsorten. Russel Keast gibt eine klare Antwort. Der Sinneswandel ergibt sich mit den Jahren, wenn wir uns öfter auf ein Versucherle einlassen. ”This gives the nutrients in the food a chance to influence your liking system – if the nutrients provide energy, perhaps other positive effects in your body, your liking system will remember, the next time you eat the food you may start to enjoy it,”

Warum lehnen wir als Kinder besonders Gemüse ab? Die Ursache liegt in der Evolution. “Plants were generally plentiful so we didn’t need an incentive to seek them out”. Es war also nicht wichtig alle Gemüse zu essen, es gab schon immer genug. Das ist heute nicht anders. Und, bittere Nahrungsmittel sind teilweise giftig. Deswegen haben die Menschen lange gebraucht sich ihnen zu nähern. Auch heute machen viele Menschen einen Bogen um Chicoree. Meistens empfinden sie aufgrund einer anatomischen Besonderheit den Bitterstoff auch stärker als andere.

Andere Nahrungsmittel mit Bitterstoffen (Kaffee, Bier) nehmen die meisten gerne zu sich, weil sie uns einen angenehmen Rauscheffekt vermitteln. Nicht nur der Geschmackseffekt trägt also zur Auswahl der Nahrungsmittel bei. Bier überzeugt schließlich mit den “Räuschle”

Eltern liegen vermutlich nicht falsch, wenn sie ab und an ein “Versucherle” einfordern. Andererseits ist es aber nicht notwendig, dass Kinder die ganze Palette der Gemüse begehren. Lassen wir ihnen Zeit, sie werden irgendwann die wohlschmeckende Tomate und die Oliven essen – spätestens als Rucksackreisende in Griechenland oder Spanien.

TIPP: höhere Lebenserwartung für Pendler auf dem Fahrrad

Es ist Sommer. Kein Grund mehr zum Frieren. Und eine gute Gelegenheit für Kurzstrecken-Pendler aufs Fahrrad umzusteigen. Ist das gesünder?

Dieser schwierigen Frage ist eine Untersuchung von Magda Cepeda (den Namen bitte anklicken um die gesamte Arbeit im Original lesen zu können) und Mitarbeitern nachgegangen, die im letzten Jahr publiziert wurde. Die führten die Ergebnisse von 39 internationalen Studien zusammen, die sich mit der Schadstoffbelastung von Berufspendlern befassten.

In der Arbeit wird deutlich, dass Autofahrer (ohne Lüftungssystem) der Luftverschmutzung mehr ausgesetzt sind als Fahrradfahrer und Fußgänger auf der gleichen Strecke. Diese aktiven Pendler sind naturgemäß aber langsamer bzw. müssen durch Anstrengung mehr Luft einatmen. Dadurch atmen sie in der Summe mehr Schadstoffe ein.

Die Studie verglich nun die Autopendler mit den aktiven Pendlern auf einem Pendelweg von 2 x 7 km täglich. Dabei zeigte sich, dass die Autonutzer eine Verringerung ihrer Lebenserwartung um bis zu einem Jahr gegenüber Fahrradfahrern und Fußgängern haben. Der Nutzen regelmässiger körperlicher Anstrengung überwiegt also den Schaden der Luftverschmutzung.

Wie groß der Nutzen für die Landbevölkerung ist wurde nicht herausgearbeitet. Bei der deutlich geringeren Schadstoffbelastung dürfte er um ein Vielfaches höher liegen.

Ab aufs Fahrrad!

Aktuelle Empfehlungen zur Vermeidung des plötzlichen Kindstods

Der plötzliche Kindstod (sudden infant death – SID) hat seinen Schrecken noch nicht verloren. Sein Auftreten in den letzten drei Jahrzehnten konnte zwar deutlich verringert werden. Dennoch muss alles daran gesetzt werden, diesen Trend weiter zu befördern und diese heimtückische Todesursache zu besiegen.

Eine veränderte Welt führt zu Änderungen der Lebensgewohnheiten. Diese haben auch Auswirkungen auf unsere Kinder. In Bezug auf den SID geht es für Säuglinge insbesondere um die Frage des sog. Bedsharing – also: Eltern und Baby schlafen im gleichen Bett. Der Begriff Co-Sleeping, der gerne alternativ benutzt wird, bezeichnet hingegen, dass die Eltern in unmittelbarer Nähe schlafen, sei es im gleichen Zimmer oder auch im gleichen Bett mit dem Baby.

Hat nun das Bedsharing einen Einfluss auf das Risiko einen SID zu erleiden? Dazu gibt es mehrere Untersuchungen, die jedoch einige Fragen offen lassen. Bei nicht-rauchenden Eltern konnte kein Risiko für das Bedsharing belegt werden, wohl aber bei rauchenden Eltern: Hier ist das Risiko für einen SID etwa um das 6-fache erhöht, wie MM Vennemann und Mitarbeiter belegen konnten. Noch deutlicher erhöht ist das Risiko für Kinder unter 12 Wochen Lebensalter, wenn sie im Bett der Eltern schlafen (Faktor 12.37). Insgesamt gibt es keine belastbaren Daten, die das Bedsharing als generelles Risiko belegen. Einen Schutzfaktor stellt das Stillen dar. Gestillte Kinder haben ein bis zu 75% geringeres Risiko für den plötzlichen Kindstod.

Was senkt das Risiko für den plötzlichem Kindstod ?

  • Rauchfreie Umgebung (schon in der Schwangerschaft). Mutter und Vater rauchen nicht
  • Stillen im ersten Lebensjahr
  • Überwärmung vermeiden (ideal ist eine nächtliche Raumtemperatur um 18° Celsius)
  • Schnuller ist günstig, wenn er vom Säugling angenommen wird

Die Schweizer Entwicklungspädiater um Oskar Jenni kommen in ihrer Arbeit zu folgendem Schluss: “Betrachtet man alle Fälle zusammen, so ist der sicherste Schlafort für einen Säugling das eigene Kinderbett im Schlafzimmer der Eltern. Eine sinnvolle Alternative stellen Kinderbetten dar, die an das elterliche Bett angedockt werden können. Das gemeinsame Schlafen im elterlichen Bett stellt Anforderungen an die Eltern. Der Säugling braucht zum Schlafen genügend Platz, das Bett muss dementsprechend gross und die Matratze fest sein. Auf die Verwendung von Kissen, Fellunterlagen oder ähnlichem sollte verzichtet werden. Wenn die Eltern Raucher sind oder Alkohol, sedierende Medikamente oder Drogen eingenommen haben, selber erkrankt oder übermüdet sind, dann geht Bedsharing mit einem wesentlich erhöhten Risiko für einen SID einher und sollte vermieden werden.”

In der Schweiz ist die Rate für den plötzlichen Kindstod übrigens halb so hoch wie in Deutschland. Grund genug, auch zu versuchen, in Deutschland konsequent über Faktoren zu sprechen, die das Risiko des plötzlichen Kindstodes senken. Und ebenso über solche, die die Kinder gefährden.

 

Sonnenschutzmittel

Die Sonne nimmt an Kraft stetig zu. Auch wenn sie momentan von dicken Wolken häufig verdeckt ist. Das geht weitere 2 Monate so. Dann ist das Maximum erreicht. So stark wie die Sonne heute scheint, tut sie das wieder am 12. August. Dann ist es vermutlich sehr warm in Deutschland, aber die Kraft der Sonne – in diesem Falle die UV-Strahlung – hat schon längst wieder den Rückwärtsgang eingelegt.

Sonnenschutz muss also auch jetzt konsequent erfolgen. Aber wie? Dazu einige Überlegungen:

Säuglinge

Sie brauchen keinen Schutz durch Sonnencremes. Der beste Schutz bleibt die Meidung direkter Sonneneinwirkung: Also Babies nicht in die Sonne stellen.Und auf dem Spaziergang des Kinderwagen eventuell rückwärts ziehen, damit der Sonnenschutz den Schatten immer auf das Gesicht des Kindes wirft. Der zweite Sonnenschutz ist die Kleidung. Diese wird im Sommer durch einen Hut mit Krempe ersetzt, um einen optimalen Schutz der nicht bedeckten haut des Gesichts zu erreichen.

Chemische Sonnenschutzmittel

Sie sind bis heute das wichtigste Sonnenschutzmittel für Erwachsene. Aber in den meisten Fällen nicht das Beste. Alle diese Mittel ziehen über die Talgdrüsen in die Haut und werden vom Körper somit aufgenommen. Dadurch haben alle chemischen Mittel ein breites Spektrum an unerwünschten Wirkungen: sie können in die Muttermilch gelangen (also nicht für stillende Mütter geeignet!), sie können in der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind übertragen werden, sie können hormonelle Nebenwirkungen auslösen. Die leider so beliebten hohen Lichtschutzfaktoren (LF) über 30 beruhen fast immer auf Präparaten, die auch chemische Sonnenschutzfaktoren enthalten.

Mineralische Sonnenschutzmittel

Sie beruhen auf der reflektierenden Wirkung von Zinkoxid und Titanoxid. Diese sollten jedoch nicht als Nanopartikel darin vorkommen, damit sie wie gewünscht auf der Haut bleiben und nicht in sie eindringen können. Der Nachteil liegt darin, dass sie manchmal einen öligen Eindruck auf der Haut hinterlassen. Hier zwei Beispiele:

  • Alverde Sonnenmichel Kinder Sonnenbalsam LSF 30    150 ml 4,95 bei dm
  • Sunumbra Sun Kids SPF 40                                            100 ml, ca. 24 EUR

Zusammenfassung

Bei Säuglingen sollte möglichst auf die Anwendung von Sonnenschutzmitteln verzichtet werden. Der beste Schutz ist der Schatten. Kinder sollten mineralische Sonnenschutzmittel erhalten. Diese haben meist einen Lichtschutzfaktor von 20 – 30, was in unseren Breiten komplett ausreicht. Im Urlaub an südlichen Stränden sind ohnehin Sonnendächer oder Strandanzüge (siehe Bild) als direkter Sonnenschutz sinnvoll. Dann reicht auch dort LF 20-30.

Vitamin D und Milch

Der Hype um das Vitamin D lässt zwar wieder etwas nach. Die medizinische Diskussion bleibt jedoch weiter spannend. Immerhin greift Vitamin D in viele Körperprozesse ein. Besonders spannend sind die immunologischen Auswirkungen.

Welcher Vitamin D-Spiegel normal ist und welcher nicht, bleibt jedoch eine offene Diskussion. Dabei muss berücksichtigt werden, dass infolge unterschiedlicher Sonneneinstrahlung in Deutschland auch die Vitamin D-Spiegel im Blut jahreszeitlich schwanken.

Sollen wir als unseren Kindern und uns selbst Vitamin D zuführen? Ist es sinnvoll im Blut den Gehalt an Vitamin D zu bestimmen?

Eine Studie von Shelley M Vanderhout und KollegInnen aus Toronto zeigt nun auf, wie wichtig der Konsum von Milch ist. Sie untersuchten 2745 Kinder im Alter von 12 bis 72 Monate. Dabei zeigte sich, dass der Vitamin D-Spiegel umso höher war, wenn Vollmilch (3.25%) statt fettreduzierte Milch getrunken wurde (um 5.4 nmol/L in Bezug auf 25(OH)-Vitamin-D). Umgekehrt hatten Kinder die Vollmilch tranken gegenüber Kindern mit fettarmer Milch (1%) einen um 0.72 geringeren BMI. Sie waren also trotz Vollmilchkonsum leichter als die Kinder, die fettarme Milch tranken.

Die Studie legt also nahe, dass der Konsum von Vollmilch sowohl eine bessere Vitamin-D-Versorgung sicherstellt, zum anderen ein niedrigeres Gewicht. Das erinnert daran, dass der auch Genuss von Diät-Cola mit einem höherer Gewicht verknüpft ist und eben nicht zum Abnehmen beiträgt.

Dieselpartikel und ihre Folgen

Unter den Verbrennungsmotoren gibt es einige Varianten, die interessant sind. Neben dem Wankelmotor, der sich trotz technischer Finesse nie am Markt durchgesetzt hat, ist sicher auch der Dieselmotor eine technisch interessante Konstruktion.

Gemessen an den gesundheitlichen Auswirkungen war es jedoch immer überraschend, wie groß das Lob für die Dieselfahrzeuge ausfiel. Zu allem kamen steuerliche Anreize, die zu keinem Zeitpunkt durch Vernunft begründet waren. Heute will es keiner mehr gewesen sein, der die Deutschen gedrängt hat, Fahrzeuge mit Dieselantrieb zu kaufen. Und nun steht ein begrenztes Fahrverbot für Dieselfahrzeuge im Raum, beschlossen von einer grün-schwarzen Regierung. Das trifft viele Käufer von Dieselfahrzeugen, die sich auf die lobenden Worte der letzten Jahre verlassen haben, finanziell unverhofft und hart.

Im fernen Amerika erscheinen in der Januarausgabe des weltweit renommiertesten Allergie-Journals JACI (The Journal of Allergy and Clinical Immunology) zwei Artikel zur medizinischen Grundlage dieses Themas.

Rachel L. Clifford und ihre Kollegen aus Vancouver und Toronto (Kanada) belegen eindrücklich, dass Dieselabgase die menschliche Bronchialschleimhaut schädigen. Sie belegen, dass Dieselpartikel über eine beschleunigte DNA-Methylierung die Gene dahingehend verändern, dass weniger Schutzfaktoren für die Schleimhaut gebildet werden. Welche Folgen das im Einzelnen hat, war nicht Thema dieser Arbeit.

Gayan Bowatte und Mitarbeiter aus Australien belegen in ihrer umfangreichen Publikation eindrücklich, dass schon geringe Mengen an verkehrsbedingten Umweltschadstoffen (TRAP – traffic-related air pollution) ein erhöhtes Risiko für allergische Sensibilisierung, Asthma und schlechtere Lungenfunktionswerte für Menschen mittleren Alters bedeute. Sie verfolgten 5729 Menschen (Durchschnittsalter 44 Jahre) bis heute.

Studien, die andere Teilaspekte dieses Problems beschreiben, gibt es schon lange. Neu ist, dass sich die Politik heute darauf einlässt. Den allermeisten Menschen ist klar, dass der Straßenverkehr zu einer erheblichen Umweltbelastung beiträgt. Billige Kraftstoffe mögen einen Anreiz darstellen, das Auto heute mehr zu nutzen. Auf lange Sicht sind Einschränkungen jedoch nicht zu umgehen, wenn wir unsere Gesundheit erhalten wollen. Es bleibt eine enorme Aufgabe für die Politik, dies so zu gestalten, dass nicht einzelne Gruppen von Menschen (etwa die Halter von Dieselfahrzeugen) für bisher verfehlte Politik büßen müssen, und dass die Arbeitsplätze – wie von einem großen Autohersteller in Untertürkheim bereits eingeläutet – dem Wandel Richtung Elektromobilität schnell angepasst werden.

Ich will !

Vertrauen in die Zukunft ist kein prägendes Merkmal unserer Tage. Obwohl es uns – zumindest der Gesellschaft als Ganzer – wirtschaftlich gut geht, Menschen nicht hungern müssen und jedem zumindest eine Grundsicherung zusteht, haben die Menschen in unserem Land eher wenig Mut. Das zeigt sich auch in der Wirtschaft, wo die Zahl der Firmengründungen stagniert.

Das Verhalten von Säuglingen und Kleinkindern ist da ganz anders. Von ihnen geht ein unvoreingenommenes Strahlen und Lachen aus, ohne Worte erreichen sie die Zustimmung ihrer Umgebung. Und auch ohne Hintergedanken. Wir können sicher sein, sie werden uns nicht an der nächsten Ecke reinlegen.

Ein weiterer Charakterzug der Kleinsten ist, dass sie immer Mut haben. Das war kürzlich bei einer Vorsorgeuntersuchung U6 – am ersten Geburtstag – wieder so überzeugend. Der kleine Franz (Name geändert) strahlte mich gleich zu Beginn der Untersuchung an. Seine Geduld, ihn zu untersuchen, hielt sich in Grenzen. Zu langweilig, er musste ja längere Zeit – mehr als 1 Sekunde – irgendwie liegen. Aber eigentlich ist seine Aufgabe höher hinaus zu kommen, zu stehen und bald in die Welt loszuspazieren. Das machte er auch bei der nächsten Gelegenheit, kletterte unter den wohlwollenden Augen kraftvoll die drei Stufen in den Zirkus (siehe Bild rechts), stellte sich dort auf und lachte uns alle in Siegerpose an.

Das war’s? Mitnichten. Es ging erst los. Mit Geschick – wobei er hier und da seine Füße anstieß, was ihn nicht weiter störte – kletterte er wieder rückwärts runter. Und wieder hoch. Immer wieder, immer geschickter, immer besser und jedes Mal strahlte er ins Zimmer. Stolz, etwas neues erarbeitet zu haben. Jammern? Was ist das? Nein, es machte ihm Spaß, diese Abläufe ständig zu wiederholen und sich zu verbessern. Spaß!

Was aus Franz wird weiß ich nicht. Aber er hat enormes Potential wie viele andere Kinder auch. Und er hat liebe Eltern, die ihn nicht ständig mit viele Worten loben oder küssen müssen. Die zarte Antwort der Eltern auf sein stolzes Lachen sagt ihm, dass er richtig liegt. Und er macht weiter. Bleibt nur zu hoffen, dass er und seine Eltern auf diesem Weg nicht gestört werden.

Für mich war er eine Anregung, auch mal wieder etwas mutiger und gelassener zu sein. Es klappt schon, keine Sorge.

Ach so, noch alles Gute im Neuen Jahr. Und Mut – alles wird gut!