Kategorie-Archiv: Gesundheitstipps

Rotavirus-Impfung: Risiko für Darmeinstülpung gering

Rotaviren sind die häufigsten Erreger einer Magen-Darm-Grippe bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Erkrankung geht meist über eine knappe Woche und ist mit Durchfall, Erbrechen und Fieber sowie häufiger Trinkverweigerung verbunden. Weltweit sterben jährlich 453.000 Kinder an dieser Infektion.

In Deutschland trat die Rotavirus-Infektion vor Einführung der Schluckimpfung bei 1850 Unter-2-Jährigen von 100.000 Kindern auf.

Ein erster Impfstoff wurde 1998 in den USA eingeführt. Da er zu einer massiven Zunahme von Darmeinstülpungen (Invagination) führte – das Risiko war 37-fach erhöht! – wurde er wieder vom Markt genommen. Die beiden neuen Schluck – Impfstoffe, die seit 2006 in Deutschland auf den Markt kamen, werden sehr früh geimpft. Hierdurch konnte das Invaginationsrisiko minimal gehalten werden. So zeigte eine Übersichtsarbeit von Judith Koch und Mitarbeitern vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, dass das Risiko für eine Darmeinstülpung für Kinder in den ersten 3 Lebensmonaten bei 1:5208 liegt, wenn sie nicht geimpft sind. Bei Geimpften liegt diese Zahl unmerklich höher bei 1:4785.

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Rotaviren im Säuglingsalter ist in den letzten wenigen Jahren um über 30% zurückgegangen.

Die Impfung gegen Rotaviren ist in Deutschland seit 2006 verfügbar und seit 2013 eine von der STIKO empfohlene Impfung. Im Geburtsjahrgang 2014 sind in Baden-Württemberg 57.4% aller Säuglinge komplett geimpft. Neuere Daten sind nicht verfügbar.

Insektengiftallergie

Allergien gegen Insektengifte sind für Kinder durchaus bedeutend. Besonders schwerwiegend sind Allergien gegen Bienen und Wespen. Hierbei kann es zum allergischen Schock (Anaphylaxie) kommen, der bei Kindern jedoch nur in einer Häufigkeit von 0.34% auftritt, während 10 Mal so viele Erwachsene hiervon bedroht sind. Dennoch muss auch bei Kindern in jedem Einzelfall versucht werden, das individuelle Risiko zu klären.

Die weitaus meisten Insektengiftallergien zeigen sich als allergische Lokalreaktionen: Um die Einstichstelle bildet sich eine Rötung und Schwellung, die gelegentlich über 10 cm groß wird und länger als 1 Tag anhält. Die Stärke der Lokalreaktion kann durch Sofortmaßnahmen direkt nach dem Stich begrenzt werden durch:

  • Anwendung von Kälte (Eiswürfel) über weniger Minuten.
  • frische Zwiebel aufschneiden und mit leichtem Druck auf die Einstichstelle pressen.
  • die Einstichstelle mehrfach mit Speichel bestreichen

Treten nach einem Stich Allgemeinsymptome auf, sollte sofort ein Arzt bzw. ein Notarzt alarmiert werden. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Nesselsucht als einziges Symptom in aller Regel nicht bedrohlich. Die im Folgenden genannten Symptome können jedoch ein Alarmzeichen sein und sollten immer dazu führen, umgehend einen Notarzt anzufordern.

  • Atemnot oder Engegefühl im Hals/ Brust
  • Schwindel oder Müdigkeit
  • Kribbeln in Händen/ Füßen/ am Kopf
  • Erbrechen.

Ist aber die Reaktion auf einen Insektenstich als Hinweis auf eine mögliche schwere Allergie zu werten? Das sollte im Zweifelsfall mit dem Allergologen geklärt werden. Alle Kinder und Jugendliche, bei denen Hautreaktionen fernab der Einstichstelle oder Allgemeinsymptome (Atemnot, Kribbeln in den Händen u.ä.) auftreten, müssen weiter untersucht werden. Ideal ist eine Abklärung in einem Zeitraum 3-6 Wochen nach einem Stich, bei sehr schweren Reaktionen ggf. auch früher.

Ziel der medizinischen Abklärung ist es, das individuelle Risiko zu bestimmen. Dazu sind besonders die Angaben über die erlebten Symptome und deren zeitlicher Ablauf wichtig. In aller Regel wird auch ein Allergietest und eine Laboruntersuchung durchgeführt. In wenigen schwierigen Fällen gibt es noch weitergehende Untersuchungen (Intrakutantest; Stichprovokation u.a.), die aber bei Kindern praktisch nie erforderlich sind. 

Die effektivste Therapie einer Allergie ist die spezifische Immuntherapie (SCIT), oft auch als Hypo-/Desensibilisierung bezeichnet. Bei Allergien gegen Biene oder Wespe liegt deren Erfolgsquote bei 90 Prozent. Davor steht aber ein gewisser Aufwand in Form von Injektionen, die in etwa monatlichen Abständen für meist 5 Jahre durchgeführt werden. Andere Maßnahmen wie Antihistaminika vermögen allenfalls den Juckreiz nach einem Stich zu mindern. Auch Cortison stellt keine sichere Therapie dar.

Für den allergischen Notfall, die Anaphylaxie, gibt es das sog. Notfallset. Zentral ist hierbei der Adrenalin-Autoinjektor (AA – Notfallspritze). Nur mit diesem lässt sich eine potentiell tödliche Anaphylaxie sicher behandeln. Der Allergologe stellt die Indikation, ob ein solcher AA im Einzelfall sinnvoll ist und weist in die praktische Anwendung ein. Die weiteren Medikamente (Cortison, Antihistaminika) sind zweitrangig. Im schweren Notfall setzt ihre Wirkung deutlich zu spät ein. Nur das in den Muskel gespritzte Adrenalin über den AA vermag den Kreislaufkollaps sicher zu verhindern. Und im Zweifelsfall muss sich das der Patient selbst spritzen können.

Zusammen mit der Verschreibung des Notfallsets ist auch eine Instruktion wichtig. Das betroffene Kind und die Eltern müssen in die Handhabung der Medikamente eingewiesen werden. Das betrifft ggf. auch Personen des weiteren Umfeldes wie Großeltern oder Erzieher- und LehrerInnen.

Was geht rum? 29. Juli 2017

Bald gehen viele Kinder mit ihren Eltern auf Reisen. Damit alles zum Genuss wird, sollte die Familie auch auf Krankheitsfälle vorbereitet sein. Wichtige Hinweise zur Reiseapotheke finden Sie im praxisblättle von letzter Woche nochmals zum nachlesen.

Trotz herbstlicher Temperaturen blieb die Zahl der Infekte der letzten Woche auf niedrigem Niveau. Vereinzelt traten Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen auf. Im Vordergrund standen aber weiterhin die Enterovirus-Infektionen wie die Mundfäule.

Kinderkrankheiten traten keine auf. Neuerkrankungen an Keuchhusten in der Gemeinde Ostrach sind uns keine bekannt.

Und was gibt es in der Welt? In den USA gab es in der Region um Detroit in Michigan einen Ausbruch an Hepatitis A. Ungewöhnlich ist die hohe Sterblichkeit, die für die Hepatitis A unüblich ist. Bislang sind vorwiegend Drogenabhängige betroffen. Für gesunde Reisende besteht kein spezielles Risiko.

Reiseapotheke – was sollte in den Urlaub mitgenommen werden?

Bald gehen viel in den Urlaub. Was soll dann ins Gepäck um gegen medizinische Notfälle gewappnet zu sein?

Dauermedikamente

Das wichtigste ist natürlich, Dauermedikamente (z.B. Medikamente gegen die Epilepsie oder bei Asthma) nicht zu vergessen. Der Vorrat sollte mindestens eine Woche länger reichen als der geplante Urlaub. Damit können auch unerwartete Probleme beim Rückflug vermieden werden. Es ist wichtig, Medikamente auf dem Flug im Handgepäck mitzuführen, da das Fluggepäck durchaus um Wochen verspätet oder auch überhaupt nicht ankommen kann!

Notfallmedikamente

  • Arzneimittel gegen Erbrechen wie Vomacur©. Diese sollte immer als Zäpfchen mitgeführt werden, da bei Erbrechen ein Saft oder Tabletten nicht erfolgreich eingenommen werden können. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Erwachsene. Die Anwendung von Vomacur© sollte im Kindesalter nur ein einziges Mal pro Tag erfolgen. Erbricht das Kind dann weiter, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.
  • Magen-Darm-Erkrankung. Hier ist es wichtig Elektrolyte (also Körpersalze wie Natrium und Kalium) dem Körper zuzuführen, wenn das schlimmste Erbrechen beendet ist. Das geht gut mit Oralpaedon© – einem Pulver, das mit Wasser zu einer idealen Trinklösung gemischt wird.
  • Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron©) oder Ibuprofen (z.B. Ibuflam©, Nurofen© oder Dolormin©).
  • Für gefährdete Kinder sind antiallergische Medikamente vielleicht wichtig. Dies gilt für schwere Allergien (Tierhaare, Insektengifte) wie auch für Pollenallergien. Hier ist es sinnvoll vor Reiseantritt das Risiko mit dem behandelnden Kinderarzt auszuloten.
  • Sonnenschutzmittel. Der wichtigste Sonnenschutz bleibt der Schatten, die Mütze und ein T-Shirt. Ansonsten sind je nach Reiseland Sonnenschutzmittel mit etwa SF 30 bei Kindern sinnvoll. Diese müssen mehrfach am Tag großzügig aufgetragen werden. Also genügende Mengen einpacken!
  • Je nach Reiseland sind sog. Repellentien wichtig. z.B. um Zecken abzuhalten (Osteuropa) oder Mücken (Südeuropa) oder gar tropische Erkrankungen.
  • Desinfektionsmittel wie Octenisept© sollten immer mitgeführt werden sowie Verbandsmaterial.

Allgemein

  • Fieberthermometer sind gerade bei kleinen Kindern sinnvoll.
  • Medizinische Dokumente (z.B. Impfpass, Allergie- oder Diabetikerausweis)

Im Einzelfall ist es sinnvoll den Kinder- und Jugendarzt in den nächsten Tagen zu kontaktieren, um individuelle (bei speziellen Krankheiten) oder spezifische (bei speziellen Reiseländern) Fragen vor der Reise in Ruhe zu klären.

Typischer Hautausschlag im Sommer: Photodermatitis

Im Sommer gibt es manche Hautausschläge, die so im Winter nicht vorkommen. Dazu gehört die Raupendermatitis, die wir im praxisblättle vom Juni vorgestellt hatten.

Ein anderer ist die sog. Photodermatitis. Auslöser hierfür sind Stoffe, die in der Natur vorkommen und chemisch als Furocumarine bezeichnet werden. Kommen diese auf die Haut und werden dort einer UV-Strahlung ausgesetzt, lösen sie eine Entzündungsreaktion aus, die an eine Verbrennung denken lässt (siehe Bild rechts, vor zehn Tagen in der Praxis aufgenommen).

Wo kommen Furocumarine vor?

Eine wesentliche Quelle sind verschiedene Pflanzen bzw. deren Saft aus Stängeln und Blättern:

  • Wiesenbärenklau
  • Engelwurz
  • Feigenbaum
  • einzelne Efeuarten
  • aber auch: Tetracycline (Antibiotika)

Gerade Stängel sind für Jungen – sie sind deutlich häufiger von diesem Ausschlag betroffen als Mädchen –  interessant. Sie nutzen sie Blasinstrument, um Kügelchen in die Umgebung zu schießen. Bei weiterem Aufenthalt in der Sonne kommt es dann zu starken und extrem unangenehmen Hautblasen auf den Lippen.

Therapie?

In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden. In Abhängigkeit von der Größe der Hautblasen und der betroffenen Körperregion erfolgt die Therapie.

Was geht rum? 22. Juli 2017

In wenigen Tagen beginnen die Ferien der Schulkinder. Manche von ihnen gehen auf Reisen in Europa. Das bedeutet, dass für Eltern viele Vorbereitungen anstehen. Dazu zählt auch, wichtige Arzneien zu überprüfen: Dauermedikamente (Asthma, Epilepsie, Diabetes), Akutmedikamente (Schmerz/ Fieber, Erbrechen u.ä.) und Verbandsmaterialien (Desinfektionsmittel, Pflaster u.a.). Zu diesem Thema folgt ein aktuelles praxisblättle am 26. Juli hier an dieser Stelle.

Die Infekte waren in der letzten Woche die gleichen, wie schon seit Monatsbeginn: Herpangina, teilweise Hand-Fuß-Mund-Krankheit und ganz vereinzelt auch Streptokokkenangina. Daneben wie üblich in dieser Jahreszeit Insektenstiche mit deutlichen Lokalreaktionen und Verletzungen.

Kinderkrankheiten traten in dieser Woche nicht auf.

Und was droht in der weiten Welt? Erkrankungen an Gelbfieber nehmen im Amazonasbecken an Häufigkeit deutlich zu. Das betrifft nicht nur Brasilien (worüber ein Beitrag vor zwei Tagen im praxisblättle zu lesen war) , sondern nun auch Länder wie Bolivien (dort ist Mitte Juni ein 18-Jähriger daran verstorben) und Ecuador. Zwar wird dort bei Einreise aus Deutschland kein Nachweis einer Impfung verlangt, eine solche ist dennoch zu empfehlen in Anbetracht der Ausweitung des Gelbfiebervirus in der gesamten Region.

Gelbfieber in Brasilien

In Brasilien trat im Januar ein Gelbfieberausbruch im Bundesstaat Minas Gerais auf. Dieser hat sich in den letzten Monaten auf die angrenzenden Bundesstaat ausgeweitet, so dass die Situation etwas unübersichtlich ist. Von bislang berichteten 721 Erkrankungen (Stand Ende Juni 2017) sind bereits 150 Betroffene verstorben.

Die WHO empfiehlt inzwischen allen Reisenden nach Brasilien die Impfung gegen Gelbfieber. Dies sei auch für Gegenden sinnvoll, aus denen bisher keine Erkrankungen gemeldet wurden.

„Es ist damit zu rechnen, dass die Ein- und Ausreisekontrollen der Gelbfieber-Impfung für Reisende in Brasilien wieder aktuell verschärft werden“, berichtet Prof. Dr. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin: „Derzeit raten wir allen Brasilien-Reisenden, sich bis spätesten zehn Tage vor der Einreise gegen Gelbfieber impfen zu lassen und sich vor Antritt ihrer Reise bezüglich der Umsetzung und Handhabung der Kontrollen an den Grenzen bei einem Reisemediziner zu informieren.“ Darüber hinaus sollten alle Maßnahmen ergriffen werden, um Mückenstiche zu vermeiden (Anwendung von Repellentien mit dem Inhaltsstoff DEET).

Weitere Informationen zum Thema Gelbfieber finden Sie auch in einer früheren Ausgabe des praxisblättle.

Kinderkrankheiten (7): Röteln

Die Röteln sind eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Rötelnvirus. Vor Einführung der Impfung steckten sich fast 90% der Menschen im Kindesalter an. Nach Ansteckung besteht ein lebenslanger Schutz, weswegen die Röteln zu den Kinderkrankheiten zählen. Für das erkrankte Kind ist die Erkrankung eher schwach spürbar. Gefürchtet ist jedoch eine schwere Komplikation, die Rötelnembryopathie.

Krankheitsbild

Durch eine Tröpfcheninfektion tritt nach einer langen Inkubationszeit von 14 – 21 Tagen ein kleinfleckiger Ausschlag (siehe Bild rechts) im Gesicht auf, der sich über den Körper ausbreitet und nach 1-3 Tagen wieder abklingt. Daneben treten teilweise Kopfschmerzen, Temperaturerhöhungen und Schwellungen der Lymphknoten auf.

Komplikationen

Sie sind eher selten und betreffen eher ältere Personen. Hierbei kann es zu Entzündungen der Gelenke (Arthritis), Hirnentzündungen (Encephalitis) oder Herzmuskelentzündungen (Myo- und Perikarditis) kommen.

Erkrankt jedoch eine schwangere Frau an Röteln, so führt dies zu Beginn der Schwangerschaft (erst 8 Wochen) in 90%, im dritten bis sechsten Monat in 25-35% zu einer Infektion des Embryos. Diese kann je nach Zeitpunkt der Infektion zum Spontanabort, zur Frühgeburt oder zur sog. Rötelnembryopathie (congenitales Rötelnsyndrom – CRS) führen. Dies bedeutet für das ungeborene Kind mögliche Fehlbildungen an

  • Herz (offener Ductus arteriosus)
  • Augen (Cataract = grauer Star)
  • Ohren (Taubheit)

die im Verbund als Gregg-Syndrom bezeichnet werden. Die Sterblichkeit für diese Missbildungen liegt bei 15-20%.

Diagnose

Die Diagnose des Röteln-Ausschlages ist teilweise schwierig. So kann in aller Regel eine sichere Diagnose nur durch Labortests erfolgen. Heute ist die Überprüfung einer Abwehr gegen Röteln im Beginn einer Schwangerschaft Standard. Sinnvoller wäre es, dies vor der Schwangerschaft zu prüfen, um noch vorbeugend impfen zu können.

Therapie

Eine ursächliche Therapie gegen Röteln gibt es nicht.

Vorbeugung

Im Wissen um die Schwere und Gefährlichkeit der Rötelnembryopathie steht die Impfung gegen die Röteln im Zentrum der Bemühungen.Diese erfolgt in der Regel als Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) ab dem 12. Lebensmonat. Da etwa 5% der Kinder auf die erste Impfung keinen aktiven Schutz entwickeln, ist die zweite Impfung nach dem 15. Lebensmonat enorm wichtig. Diese zweimalige Impfung ist für Mädchen und Jungen wichtig – unverständlicherweise gab es Ärzte, die im Unverständnis der Epidemiologie nur Mädchen gegen Röteln impften.

Für das Jahr 2014 wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) keine Infektionen an Röteln deutschlandweit gemeldet. Man muss aber davon ausgehen, dass viele Erkrankungen wegen ihrer Flüchtigkeit nicht erkannt werden.

Gesichert ist hingegen, dass die Zahl der Rötelnembryopathien massiv zurückging. Seit 2001 wurden insgesamt noch 11 Erkrankungen beim RKI gemeldet.

Bildquelle: www.stuedeli.net

Sicher im Auto

Die Bedeutung von Autounfällen für Kinder ist seit Jahrzehnten bekannt. Trotzdem sind in Deutschland weiterhin jährlich über 10.000 Kinder in PKW-Unfälle verwickelt. Etwa 1200 Kinder erleiden schwere Verletzungen. Die USA konnten die Sterblichkeit für schwere Verletzungen von Kindern im Alter von 1 – 3 Jahren in den letzten 3 Jahrzehnten durch ein Bündel von Maßnahmen um 50% senken.

Erschreckend ist, dass nach den Zahlen des Touringsclub Schweiz (TCS) – das Pendant zum deutschen ADAC – weiterhin jedes 2. Kind im Auto nicht richtig gesichert ist. Noch schlimmer: jedes 14. Kind ist gar nicht angeschnallt. Das ist übrigens in unserer Region nicht anders. Bis heute kommen einzelne Eltern zur Vorsorge in die Praxis und haben ihr Kind nicht angeschnallt vorne auf dem Schoss sitzen.

Natürlich wollen manche Kinder manchmal nicht angeschnallt werden. Es ist aber bekannt, dass die Verwendung von Kindersitzen das Verletzungsrisiko um ein Drittel senken. Das wissen Kinder nicht und sie können es im jungen Alter auch nicht verstehen. Also müssen wir Eltern freundlich und mit Witz  - aber letztlich bestimmt – durchsetzen, dass dem eigenen Kind keine unnötige Gefahr droht und es anschnallen. Immer.

Vor einer Urlaubsreise sollten folgende Fakten nicht vergessen werden:

  • Anschnallen im Auto ist gut für das Kind. Nebenbei sind Rückhaltesysteme für Kinder im Auto gesetzlich vorgeschrieben.
  • Die Nutzung solcher Systeme stellen kein Risiko für die Wirbelsäule dar.
  • aktuell gute Sicherungssysteme können im Heft der Stiftung Warentest (siehe praxisblättle vom Juni 2017) nachgelesen werden. Wenn Sie Interesse haben, wir können Ihnen ältere Exemplare hierzu leihweise zur Verfügung stellen.

Manchmal kann es so einfach sein, Leid, Verletzung oder den Tod zu verhindern. Anschnallen im Straßenverkehr ist eine der effektivsten Maßnahmen.

Asthmaanfall bei Gewitter

Regen wie in der letzten Nacht ist für Pollenallergiker in aller Regel ein Segen. Er wäscht die Pollen aus der Luft und spült sie in den Bächen davon. Und damit werden auch die Beschwerden weggeschwemmt. Meistens!

Da liegt die Annahme nahe, Gewitter müssten das auch hinbekommen und vielleicht sogar schneller. Eine neue Studie aus Italien belegt das Gegenteil. Gut dokumentiert ist der Effekt eines starken Gewitters am 21. November 2016 in Melbourne, bei dem über 8500 Menschen einen Asthmaanfall erlitten und neun daran starben. Betroffen war auch Allergiker, die noch nie Asthma hatten. Was ist die Erklärung?

Jedes Gewitter führt im Randbereich zu starken Luftströmen. Deren Geschwindigkeit wirbelt die Pollen vom Boden nach oben und zerfetzt dabei die intakten Pollen durch osmotische Differenzen. In der Folge werden in kürzester Zeit enorme Mengen allergischen Materials freigesetzt.

Betroffen von diesen massiven Belastungen sind fast ausschließlich Allergiker gegen Gräserpollen und Schimmelpilzsporen (Alternaria). Da die allergenen Strukturen extrem klein sein können, erreichen sie auch die kleinsten Atemwege. Dadurch kann auch bei Allergikern, die noch nie ein Asthma bronchiale erlebt hatten, ein massiver akuter Asthmaanfall ausgelöst werden.

Allergiker gegen Pollen und Schimmelpilzsporen können sich dadurch schützen, dass sie sich in den ersten 30 Minuten eines aufziehenden Gewitters in geschlossenen Räumen aufhalten.

Bildquelle: KIT - eskp.de unter cc-by 4.0