Kategorie-Archiv: Krankheitsbild

Windeldermatitis

Eine Windeldermatitis macht jeder zweite Säugling durch. Dazu tragen viele Faktoren bei, die zum Teil beeinflussbar sind. Die Windeldermatitis kann in sehr seltenen Fällen aber auch Ausdruck schwerer Erkrankungen sein. Insofern ist es wichtig, dass diese Hautveränderung einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt zur Beurteilung gezeigt wird.

Eine Übersichtsarbeit über die Behandlung der Windeldermatitis stammt von Susan Boiko vom Kaiser-Permanete Hospital in San Diego, die bereits 1999 veröffentlicht wurden. Darin führt sie die wichtigsten Faktoren einer Therapie auf:

  • A – Air. Viel Luft an die Haut heranlassen
  • B – Barriers. Bei einer Entzündung ist ein Hautschutz sinnvoll
  • C – Cleansing. Reinigung durch Wasser
  • D – Diapers. Windeln mit absorbierendem Gel sind besser als Stoffwindeln. “Plastik-Überhosen” sollten gemieden werden.
  • E – Education. Als Aufklärung der Eltern. Das bezieht sich besonders darauf, dass häufiges Windelwechseln günstig ist für die Haut des Säuglings.

Alle diese Maßnahmen helfen, eine Entzündung im Windelbereich zu vermeiden. Auftauchen kann sie trotzdem aus den verschiedensten Gründen. Das passiert allen Eltern und ist erstmal kein Grund zur Scham (“habe ich etwas falsch gemacht?”). Viele Ursachen können dazu führen und fast alle Eltern erleben einmal eine Windeldermatitis ihres Kindes. Wichtig ist, dass dem Kind dann kompetent geholfen wird.

Verbrühungen

Nach einem heißen Sommer ziehen wir uns wieder in unsere Häuser zurück. Draußen scheint die Sonne, aber kalt ist’s halt doch öfter. Eine schöne Zeit um gemütlich drinnen zu sitzen und einen Tee zu trinken.

Gute Idee. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass jetzt die Zeit für Unfälle durch Verbrühungen beginnt. Und da kann schon mit wenigen Änderungen Vorsorge getroffen werden.

  • Keine Tischdecken verwenden. Kinder könnten an einen Zipfel der Decke ziehen und die heißen Getränke fallen vom Tisch und verbrühen sie.
  • Keine Teekannen, sondern Thermoskannen verwenden. Wenn diese fallen ist der heiße Inhalt verschlossen.
  • Vorsicht bei Schwedenöfen, die schnell eine erhebliche Hitze entwickeln können. Also Kleinkinder nie unbeaufsichtigt in der guten Stube lassen.

Und wenn es dennoch zum Verbrühungsunfall kommt, was dann? 

  • “Kühlen” der verbrannten Haut in lauwarmem Wasser (> 20 Grad Celsius) weniger als 10 Minuten!
  • keine Kühlversuche bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern durchführen
  • Keine Salben auf die Wunden. Diese sollten allenfalls steril abgedeckt werden.

In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Verbrühung/ Verbrennung fachlich zu beurteilen und die weitere Behandlung zu koordinieren.

Läusebefall: Technik des “feuchten Auskämmens”

In regelmäßigen Abständen werden Eltern mit dem Problem der Läuse konfrontiert. Meist betrifft das Kinder im Kindergarten oder der Grundschule. Im Deutschen Ärzteblatt ist hierzu eine Übersichtsarbeit von Laura Meister und Falk Ochsendorf von der Universitätshautklinik in Frankfurt erschienen, die einige wichtige Details hierzu präzisiert:

  • Wie bereits seit Jahren bekannt, kommt es bei der Behandlung auf die konsequente und korrekte Lokalbehandlung des Kopfes an.
  • Die Umgebungsbehandlung (Haarbürsten, Boden, Kuscheltiere) ist in den allermeisten Fällen bedeutungslos. Diese sollte zugunsten der korrekten Behandlung des Kopfes verringert werden.
  • Es gibt 3 therapeutische Ansätze: die neurotoxischen Lokaltherapeutika (u.a. Infectopedicul©), die Lokaltherapie mit Dimeticonen (u.a. Nyda L©) sowie die Technik des “feuchten Auskämmens”, die im Folgenden beschrieben wird. Diese ist ebenfalls – ohne Chemie ! – erfolgreich, verlangt aber einen Zeiteinsatz, der bei grösseren Familien schwer zu bewältigen ist.

Technik des “feuchten Auskämmens“* 

  • Haarwäsche mit einem normalen Shampoo durchführen
  • Großzügiges Auftragen einer Haarspülung („Conditioner“) um die Haare zu glätten, zu „entwirren“ und auch die festhaftenden Eier entfernen zu können.
  • Durchkämmen des Haars mit einem Kamm mit gröberen Zinken, um es zu glätten.
  • Wenn der Kamm problemlos ohne zu „ziepen“ durch das Haar gleitet: Wechsel auf einen Läusekamm.
  • Die Zähne des Kamms müssen an der Basis des Haars eingesetzt werden, die Zinken berühren die Kopfhaut und dann Durchziehen der Haarsträhnen bis ans Ende.
  • Nach jedem Strich: Suche nach Läusen auf dem Kamm und Entfernen (abreiben oder abspülen), wenn diese vorhanden sind.
  • Systematisches Durchkämmen der Kopfhaut von Sektion zu Sektion.
  • Abspülen der Spülung mit Wasser. Zeitbedarf bis hierher: 10 Minuten (kurzes Haar) bis 30 Minuten (langes Haar).
  • Nochmals systematisches Durchkämmen der nassen Haare, um gegebenenfalls verbliebene Läuse zu entfernen.

Unter den drei Verfahren, die Läuse loszuwerden ist das feuchte Auskämmen das eleganteste. Aber es kostet Zeit und Aufmerksamkeit, um alle betroffenen Haarabschnitte von möglichen Läusen zu befreien.

* zitiert nach Meister, Laura; Ochsendorf, Falk; Dtsch Arztebl Int 2016; 113(45): 763-71; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0763

Keuchhustenimpfung für Schwangere?

Es ist nicht lange her, da wäre man als Arzt gesteinigt worden, hätte man Impfungen von Schwangeren auch nur erwogen. Das scheint sich zu ändern.

Eine umfangreiche Studie aus Kalifornien konnte zeigen, dass die Impfung werdender Mütter gegen Keuchhusten sehr effektiv ist. Anhand der Daten von 148.981 Neugeborenen (2010 – 2015) konnte die Arbeitsgruppe um Roger Baxter vom Kaiser Permanente Vaccine Study Center in Oakland/ California zeigen, dass die Impfung der künftigen Mütter ab der 27. Woche der Schwangerschaft günstig ist. Sie konnte eine Keuchhustenerkrankung des Neugeborenen in den ersten zwei Lebensmonaten zu 91.4% verhindern.

Das wäre ein Durchbruch. Nach dem bisherigen deutschen Impfschema ist ein Schutz des Säuglings frühestens mit 4 Monaten zu erwarten. Die Lücke ab Geburt könnte also durch eine einzige mütterliche Impfung effektiv geschlossen werden.

Die deutsche Impfkommission (STIKO) wird in den kommenden Monaten vergleichbare Studien bewerten. Falls sich hierbei zeigt, dass die mütterliche Impfung keinen negativen Effekt auf die später folgende Impfung des Säuglings selbst haben sollte werden die aktuellen Empfehlungen angepasst werden.

25 Jahre Praxis ohne Mucosolvan®

“Mein Kind hat schon 3 Tage Husten, obwohl ich Mucosolvan® gebe”. Diesen Satz hört ein Kinder- und Jugendarzt wohl täglich in der Praxis. Dieser ist dann weniger erstaunt. Denn für den in Mucosolvan® enthaltenen Wirkstoff Ambroxol gibt es keinen überzeugenden Nachweis, dass er den Husten von Menschen in irgendeiner Weise bessern würde.

Eine Durchsicht der Literatur ergibt, dass die Frage des Nutzens von Ambroxol kaum untersucht ist. Zum Stichwort “children + ambroxol” gibt es zwischen 1975 und heute gerade mal 55 Arbeiten. Engt man das Thema auf den Husten ein (“children + cough + ambroxol”) verbleiben noch 17 Arbeiten. Diese sind fast ausnahmslos in Fachjournalen erschienen, die keinen guten internationalen Ruf haben. In den deutschen Leitlinien der AWMF (erarbeitet von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Frankfurt am Main von 2014)  steht deutlich, dass “für die Therapie mit Ambroxol bei chronischer Bronchitis … keine Vorteile nachgewiesen werden” konnten.

Dem steht gegenüber, dass laut Pressemitteilung von Boehringer-Ingelheim  (22.01.2016) das Präparat Mucosolvan® in 2014 einen Umsatz von 165 Mio. EUR erbrachte. Das ist ebenso viel Geld, wie die ARD und das ZDF der UEFA für die Übertragungsrechte zur EM 2016 bezahlte. Beides schrecklich hohe Summern ohne nachvollziehbare Berechtigung.

Husten ist ein Symptom. Dieser kann trocken sein oder schleimig. Seine Ursache kann von der Nase, den Nasennebenhöhlen, vom Rachen, der Luftröhre, den Bronchien und der Lunge (Lungenbläschen) ausgehen. Er kann durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden. Oder durch Stoffwechselerkrankungen. Nein, die Liste soll nicht weiter verlängert werden. Aber ein “Hustensaft” kann nur so gut sein wie ein “Glück-Saft”. Und den, habe ich bis heute auch noch nicht gefunden.

In der Praxis setze ich seit 25 Jahren kein Ambroxol mehr ein – sei es in Mucosolvan® oder anderen Säften enthalten. Das war nicht ganz einfach der Werbung der Firma Boehringer-Ingelheim entgegenzutreten. Aber es war mir wichtig, Patienten ehrlich gegenüber zu treten.

Es gibt einfachere und billigere Wege, den Husten eines Kindes im Infekt zu lindern. Ein erster Schritt wäre hier die Zwiebel.

 

Bildnachweis: http://www.ciao.de/Mucosolvan_Kindersaft_30_mg_5_ml__Test_3207424 (27.08.2017)

Pfeiffer’sches Drüsenfieber – die Kusskrankheit

Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber ist eine virale Erkrankung mit extrem unterschiedlichen Verlaufsformen. Bei vielen Menschen – besonderes bei kleinen Kindern – verläuft die Erkrankung unbemerkt oder wie ein leichter Infekt. In sehr seltenen Fällen kann sie aber als schwere Erkrankung auftreten mit Fieber über einige Wochen.

Die Ansteckung erfolgt häufig über Speichel. Deswegen wird das Pfeiffer’sche Drüsenfieber auch die Kusskrankheit (Englisch: kissing-disease) genannt. Im medizinischen Bereich ist der Begriff infektiöse Mononukleose üblich. Ansteckungen als Schmier- und Tröpfcheninfektion wird auch vermutet. Da die Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung (Inkubationszeit) sehr variabel ist, ist die auslösende Quelle meist nicht zu bestimmen. Einige Untersuchungen legen den Verdacht nahe, dass auch Genesene den Erreger – das Epstein-Barr-Virus – noch ausscheiden und damit andere anstecken können.

Das Krankheitsbild selbst ist sehr variabel. Typisch ist Fieber über mehr als 5 Tage, eine oft deutliche Schwellung der Lymphknoten im Halsbereich sowie eine Angina (Rötung der Mandeln mit Belägen). Daneben tauchen auch Ausschläge und viele weitere andere Symptome auf. Wenn bei falscher Einschätzung der Erkrankung Antibiotika zur Behandlung der Angina eingesetzt werden, sind die Ausschläge fast sicher. In diesen Fällen betreffen sie meist den Stamm und sind sehr unangenehm. Müdigkeit, Kopfschmerzen und leichter Husten sind weitere Symptome. Die Milz ist häufig massiv vergrößert und ein sehr hilfreiches Zeichen, die Krankheit frühzeitig zu erkennen.

Die Diagnose kann durch Laboruntersuchungen gesichert werden.

Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Ausreichende Schonung – oft über einige Wochen – ist wichtig.

Die Gesundung kann altersabhängig länger dauern. Gerade bei Jugendlichen dauert es oft Wochen, bis sie sich wieder gut fühlen und voll leistungsfähig sind.

Kinderkrankheiten (8): Ringelröteln

Der Name „Ringelröteln“ (Erythema infectiosum) ist verwirrend. Mit Röteln teilt sich diese Erkrankung nur einen im Anfangsstadium ähnlichen Ausschlag. Letztlich bilden sicher aber bei den Ringelröteln die netzförmigen Ringel, die dieses Exanthem sehr typisch machen. Der Auslöser dieser Infektionskrankheit ist das Parvovirus B19. Dieser Erreger steht in keinerlei Verbindung zum Rötelnvirus.

Nach einer Inkubationszeit von bis zu 2 Wochen entwickelt sich der typische Ausschlag (Exanthem) zusammen mit leichtem Fieber. Kinder haben außer dem Ausschlag oft keinerlei Beschwerden, bei Jugendlichen kommt auch höheres Fieber, Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen vor. Der Ausschlag ist wechselnd stark und dann am deutlichsten ausgeprägt, wenn die Haut von der Sonne beschienen wird. Er kann manchmal über einige Wochen anhalten. Ringelröteln sind bei kleineren Kindern vornehmlich im Gesichtsbereich, später an den Streckseiten der Arme am deutlichsten zu sehen. Im Körper selbst kommt es zur Zerstörung einiger roter Blutkörperchen, eine bedeutsame Blutarmut ist bei Kindern aber nicht zu befürchten.

Mit dem Auftreten der Ringelröteln ist ihre Ansteckung auch schon vorbei. Eine Vorbeugung ist also effektiv nicht möglich, zumal die Ringelröteln endemisch auftreten; das heißt: sind sie einmal bei uns eingetroffen, so breiten sie sich rasant aus.

Sorge vor Ringelröteln ist nur angezeigt bei Schwangeren, die diese Erkrankung bis zur Schwangerschaft noch nicht durchgemacht haben. Dies kann durch Antikörpertests im Blut festgestellt werden. Sollte es zu einer Infektion mit Ringelröteln in der Schwangerschaft kommen, kann es durch die Zerstörung von roten Blutkörperchen zu einer Blutarmut des ungeborenen Kindes kommen, die in schwierigen Fällen zu einem sog. Hydrops führt, der tödlich enden kann. Im Zweifelsfall sollte also eine Blutuntersuchung bei Schwangeren erfolgen, um kein unnötiges Risiko einzugehen. 

Rotavirus-Impfung: Risiko für Darmeinstülpung gering

Rotaviren sind die häufigsten Erreger einer Magen-Darm-Grippe bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Erkrankung geht meist über eine knappe Woche und ist mit Durchfall, Erbrechen und Fieber sowie häufiger Trinkverweigerung verbunden. Weltweit sterben jährlich 453.000 Kinder an dieser Infektion.

In Deutschland trat die Rotavirus-Infektion vor Einführung der Schluckimpfung bei 1850 Unter-2-Jährigen von 100.000 Kindern auf.

Ein erster Impfstoff wurde 1998 in den USA eingeführt. Da er zu einer massiven Zunahme von Darmeinstülpungen (Invagination) führte – das Risiko war 37-fach erhöht! – wurde er wieder vom Markt genommen. Die beiden neuen Schluck – Impfstoffe, die seit 2006 in Deutschland auf den Markt kamen, werden sehr früh geimpft. Hierdurch konnte das Invaginationsrisiko minimal gehalten werden. So zeigte eine Übersichtsarbeit von Judith Koch und Mitarbeitern vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, dass das Risiko für eine Darmeinstülpung für Kinder in den ersten 3 Lebensmonaten bei 1:5208 liegt, wenn sie nicht geimpft sind. Bei Geimpften liegt diese Zahl unmerklich höher bei 1:4785.

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Rotaviren im Säuglingsalter ist in den letzten wenigen Jahren um über 30% zurückgegangen.

Die Impfung gegen Rotaviren ist in Deutschland seit 2006 verfügbar und seit 2013 eine von der STIKO empfohlene Impfung. Im Geburtsjahrgang 2014 sind in Baden-Württemberg 57.4% aller Säuglinge komplett geimpft. Neuere Daten sind nicht verfügbar.

Was geht rum? 05. August 2017

Sommer. Ferien. In der Stadt wird es immer ruhiger. Viele Kinder sind im Freibad, andere sind mit ihren Eltern in die Ferne gefahren. Kranke Kinder sehen wir glücklicherweise viel seltener. Und auch die Schwere der Infekte dürfte für dieses Jahr den niedrigsten Stand erreicht haben. Wir freuen uns für die Familien und genießen ebenso einige Augenblicke der Entspannung.

Bedingt durch die warmen Temperaturen trat seit längerem wieder einmal eine Infektion mit Campylobacter auf. Das sind Bakterien, die eine Magen-Darm-Infektion auslösen, die – ähnlich den Salmonellen – häufig Fieber und Bauchkrämpfe verursacht. In den meisten Fällen schafft es die körpereigene Abwehr, die Krankheit zu besiegen. Wenn nicht, helfen bestimmte Antibiotika schnell.

Kinderkrankheiten gibt es nach unserer Kenntnis im Linzgau im Moment nicht.

Und was gibt es in der Welt? Wie seit Monaten: Masern. Nachdem in Rumänien seit September letzten Jahres 8250 Menschen erkrankt sind, sind es neuerdings in Frankreich 300. Wie immer bei Masern kommt es zu Todesfällen, was bei uns in Deutschland gerne schön geredet wird. In Frankreich ist es bisher ein 16-jähriges Mädchen aus Marseille. In Rumänien sind gar 32 Menschen verstorben. Wieder die Erkenntnis: eine Kinderkrankeit ist keine harmlose Angelegenheit. Das ist keine neue Erkenntnis. Warum brauchen gesunde Menschen Todesfälle um von der Impfung gegen Masern überzeugt zu werden?

Insektengiftallergie

Allergien gegen Insektengifte sind für Kinder durchaus bedeutend. Besonders schwerwiegend sind Allergien gegen Bienen und Wespen. Hierbei kann es zum allergischen Schock (Anaphylaxie) kommen, der bei Kindern jedoch nur in einer Häufigkeit von 0.34% auftritt, während 10 Mal so viele Erwachsene hiervon bedroht sind. Dennoch muss auch bei Kindern in jedem Einzelfall versucht werden, das individuelle Risiko zu klären.

Die weitaus meisten Insektengiftallergien zeigen sich als allergische Lokalreaktionen: Um die Einstichstelle bildet sich eine Rötung und Schwellung, die gelegentlich über 10 cm groß wird und länger als 1 Tag anhält. Die Stärke der Lokalreaktion kann durch Sofortmaßnahmen direkt nach dem Stich begrenzt werden durch:

  • Anwendung von Kälte (Eiswürfel) über weniger Minuten.
  • frische Zwiebel aufschneiden und mit leichtem Druck auf die Einstichstelle pressen.
  • die Einstichstelle mehrfach mit Speichel bestreichen

Treten nach einem Stich Allgemeinsymptome auf, sollte sofort ein Arzt bzw. ein Notarzt alarmiert werden. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Nesselsucht als einziges Symptom in aller Regel nicht bedrohlich. Die im Folgenden genannten Symptome können jedoch ein Alarmzeichen sein und sollten immer dazu führen, umgehend einen Notarzt anzufordern.

  • Atemnot oder Engegefühl im Hals/ Brust
  • Schwindel oder Müdigkeit
  • Kribbeln in Händen/ Füßen/ am Kopf
  • Erbrechen.

Ist aber die Reaktion auf einen Insektenstich als Hinweis auf eine mögliche schwere Allergie zu werten? Das sollte im Zweifelsfall mit dem Allergologen geklärt werden. Alle Kinder und Jugendliche, bei denen Hautreaktionen fernab der Einstichstelle oder Allgemeinsymptome (Atemnot, Kribbeln in den Händen u.ä.) auftreten, müssen weiter untersucht werden. Ideal ist eine Abklärung in einem Zeitraum 3-6 Wochen nach einem Stich, bei sehr schweren Reaktionen ggf. auch früher.

Ziel der medizinischen Abklärung ist es, das individuelle Risiko zu bestimmen. Dazu sind besonders die Angaben über die erlebten Symptome und deren zeitlicher Ablauf wichtig. In aller Regel wird auch ein Allergietest und eine Laboruntersuchung durchgeführt. In wenigen schwierigen Fällen gibt es noch weitergehende Untersuchungen (Intrakutantest; Stichprovokation u.a.), die aber bei Kindern praktisch nie erforderlich sind. 

Die effektivste Therapie einer Allergie ist die spezifische Immuntherapie (SCIT), oft auch als Hypo-/Desensibilisierung bezeichnet. Bei Allergien gegen Biene oder Wespe liegt deren Erfolgsquote bei 90 Prozent. Davor steht aber ein gewisser Aufwand in Form von Injektionen, die in etwa monatlichen Abständen für meist 5 Jahre durchgeführt werden. Andere Maßnahmen wie Antihistaminika vermögen allenfalls den Juckreiz nach einem Stich zu mindern. Auch Cortison stellt keine sichere Therapie dar.

Für den allergischen Notfall, die Anaphylaxie, gibt es das sog. Notfallset. Zentral ist hierbei der Adrenalin-Autoinjektor (AA – Notfallspritze). Nur mit diesem lässt sich eine potentiell tödliche Anaphylaxie sicher behandeln. Der Allergologe stellt die Indikation, ob ein solcher AA im Einzelfall sinnvoll ist und weist in die praktische Anwendung ein. Die weiteren Medikamente (Cortison, Antihistaminika) sind zweitrangig. Im schweren Notfall setzt ihre Wirkung deutlich zu spät ein. Nur das in den Muskel gespritzte Adrenalin über den AA vermag den Kreislaufkollaps sicher zu verhindern. Und im Zweifelsfall muss sich das der Patient selbst spritzen können.

Zusammen mit der Verschreibung des Notfallsets ist auch eine Instruktion wichtig. Das betroffene Kind und die Eltern müssen in die Handhabung der Medikamente eingewiesen werden. Das betrifft ggf. auch Personen des weiteren Umfeldes wie Großeltern oder Erzieher- und LehrerInnen.