Kategorie-Archiv: Praxis

Windeldermatitis

Eine Windeldermatitis macht jeder zweite Säugling durch. Dazu tragen viele Faktoren bei, die zum Teil beeinflussbar sind. Die Windeldermatitis kann in sehr seltenen Fällen aber auch Ausdruck schwerer Erkrankungen sein. Insofern ist es wichtig, dass diese Hautveränderung einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt zur Beurteilung gezeigt wird.

Eine Übersichtsarbeit über die Behandlung der Windeldermatitis stammt von Susan Boiko vom Kaiser-Permanete Hospital in San Diego, die bereits 1999 veröffentlicht wurden. Darin führt sie die wichtigsten Faktoren einer Therapie auf:

  • A – Air. Viel Luft an die Haut heranlassen
  • B – Barriers. Bei einer Entzündung ist ein Hautschutz sinnvoll
  • C – Cleansing. Reinigung durch Wasser
  • D – Diapers. Windeln mit absorbierendem Gel sind besser als Stoffwindeln. “Plastik-Überhosen” sollten gemieden werden.
  • E – Education. Als Aufklärung der Eltern. Das bezieht sich besonders darauf, dass häufiges Windelwechseln günstig ist für die Haut des Säuglings.

Alle diese Maßnahmen helfen, eine Entzündung im Windelbereich zu vermeiden. Auftauchen kann sie trotzdem aus den verschiedensten Gründen. Das passiert allen Eltern und ist erstmal kein Grund zur Scham (“habe ich etwas falsch gemacht?”). Viele Ursachen können dazu führen und fast alle Eltern erleben einmal eine Windeldermatitis ihres Kindes. Wichtig ist, dass dem Kind dann kompetent geholfen wird.

Praxis: Urlaub Dr. Wolff – Herr Supper vertritt

In dieser Woche ist Dr. Peter Wolff in Urlaub. In dieser Zeit vertritt ihn der Kinder- und Jugendarzt Sven Supper (rechts im Bild)  in der Praxis. Manche kennen ihn bereits von einem Besuch in Pfullendorf im letzten Jahr. Herr Supper ist ein sehr erfahrener Kinder- und Jugendarzt, der seit Jahren als Oberarzt in einer Kinderklinik im Rheinland tätig ist.

Unterstützt wird er von unserem Praxisteam um Sandra Höre, Sevtap Senol und Lisa Steurer.

Sie können sich in allen Belangen an die Praxis wenden, auch wenn es um sich um chronische Probleme oder Langfristrezepte (Ergotherapie, Physiotherapie) handelt. Die Praxis ist zu den üblichen Zeiten erreichbar.

 

Praxis: Tina Knittel wieder in unserem Team

Bereits in den letzten Monaten hat uns Tina Knittel öfter in der Praxis unterstützt. Seit heute ist sie wieder voll im Team.

Alle von uns sind glücklich, dass sie mit ihrer Kompetenz und dem sicheren Gespür für das Wesentliche wieder für unsere kleinen Patienten und das Team arbeitet. Ohne Worte verzaubert ihr Strahlen viele Kinder auch dann, wenn sie Schmerzhaftes wie Blutentnahmen ertragen müssen.

 

Was geht rum? 30. September 2017

Langsam nimmt die Zahl der Infekte zu. Weiterhin sind es Infekte der oberen Atemwege (Schnupfen, Husten, Krupphusten), die den Kindern und Jugendlichen im oberen Linzgau zusetzen. Daneben treten vereinzelt Magen-Darm-Infektionen auf.

Kinderkrankheiten sind seit Wochen nicht zu beobachten.

Am kommenden Montag (02. Oktober 2017)  arbeitet unsere Praxis eingleisig. Dr. Niethammer hat einen Tag Urlaub. Darüber hinaus arbeitet Dr. Wolff auch als Vertreter für die Kinderärztin Marina Hummel in Sigmaringen und Dr. Eugen Moll aus Wilhelmsdorf. Sie wissen, wir sind immer bemüht die Wartezeiten auf wenige Minuten zu beschränken. Es ist an diesem Brückentag aber möglich, dass wir dies nicht einhalten können. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

Was geht rum in der Welt? In Griechenland tauchten 5 Fälle einer Malaria tertiana auf. Betroffen ist die Region Evrotas im Süden der Halbinsel Peloponnes. Wer dort Urlaub verbringen möchte, sollte sich mit Repellentien (z.B. Anti-Brumm©) schützen und sich wenige Tage vor Antritt der Reise nochmals über den Stand der Malariaausbreitung erkundigen. Ähnliches gilt für Reisen auf die Kapverdischen Inseln, die den stärksten Ausbruch von Malaria seit 26 Jahren erleben.

Was geht rum? 16. September 2017

Der Herbst hält in schnellen Schritten Einzug in Oberschwaben: Auch die Infektionen passen sich an: Der Krupphusten ist zunehmend ein Thema. Viele an sich harmlose Infekte des Rachens (Pharyngitis) wirken sich auch in den tiefer gelegenen Luftwegen aus. Bei den betroffenen Kindern – manchmal auch bei Jugendlichen – führen sie zur Behinderung der Einatmung (Stridor) mit Angstgefühl. Der Krupphusten kann gelegentlich gefährlich werden, deswegen sollte ein Arzt konsultiert werden, der die Diagnose stellt und eine passende Therapie einleitet.

Weiterhin nehmen die Erkrankungen mit Mittelohrentzündung zu. Mützen mögen angenehm und kuschelig sein, eine Mittelohrentzündung können sie nicht verhindern. Entzündungen sind weniger häufig, wenn keine Schmalzpfropfen im Ohr sind (bitte nicht das Ohr mit “Ohrstäbchen reinigen”). Mindestens ebenso hilfreich ist es, wenn im Haushalt nicht geraucht wird.

Kinderkrankheiten haben wir in der letzten Woche keine beobachtet.

Was geht in der Welt rum? In Tansania gibt es seit Monaten immer wieder lokale Ausbrüche von Cholera. Davon ist auch Sansibar betroffen, wo in diesem Jahr bislang 358 Erkrankungen auftraten. Seit Juli wurden keine Neuerkrankungen gemeldet. Bei Reisen nach Afrika sollte unter diesem Aspekt eine Impfung mit einem Reise-/Tropenmediziner diskutiert werden.

Die wichtigste Nachricht – in aller Bescheidenheit – für uns ist, dass Lisa Steurer (im Bild rechts) ihre Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten bei uns aufgenommen hat. Unsere neue Auszubildende hat sich schnell eingefunden und trägt schon nach wenigen Tagen durch ihre gute Übersicht zum reibungslosen Tagesablauf bei. Ihr freundliches Wesen, ihr Lächeln und ihre Bescheidenheit sind wichtige Merkmale, die ein erfolgreiches Arbeiten mit Kindern sichern. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

Was geht rum? 02. September 2017

Auch in der vergangenen Woche traten nur wenige neue Infekt auf. Wieder dabei waren die Herpangina und einige Erkrankungen an Hand-Fuß-Mund-Krankheit.

Völlig neu ist ein Infekt mit unangenehmem, oft heftigen Husten aufgetaucht. Der lässt oft an einen Bronchitis denken. Tatsächlich liegt aber ein deutlicher Schnupfen vor (eher verstopfte Nase) mit Entzündung des Rachens. Anwendung von abschwellenden Nasentropfen zur Nacht sind ausreichend.

Wie erwartet kamen vermehrt Kinder mit Verbrennungen/ Verbrühungen in die Praxis. Waren es bislang eher Verbrennung (Feuer/ Herd), sind zum Herbst Verbrühungen (heißes Wasser, Tee u.ä.) zu befürchten. Oft kommt dies dadurch vor, dass Kinder an einer Tischdecke ziehe, wenn heißes Wasser auf dem Tisch steht.

Kinderkrankheiten traten glücklicherweise keine auf.

Und was geht in der Welt rum? Mal wieder Masern. Jetzt in Italien. Seit Jahresbeginn sind dort 4220 Personen daran erkrankt, 3 verstarben. Betroffen sind besonders folgende Region : Piemont, Lazio, Lombardei, Toskana, Abruzzen, Venetien und Sizilien. Für alle, die auch exotischer Ziele im Urlaub ansteuern: Auf den Kapverdischen Inseln gibt es einige Fälle von Malaria. Vor der Reise, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Präventionsmaßnahmen abzustimmen.

Praxis: Erreichbarkeit in den Ferien

Mit den Schulferien beginnen auch für uns in der Praxis die Ferien der Mitarbeiterinnen und Ärzte. In den kommenden Wochen sind wir – bis auf eine Woche im August – für Sie erreichbar.

Heute, am 31. Juli 2017, arbeitet die Praxis wie gewohnt. Beide Ärzte und das gesamte Team sind für Sie da. Bitte nutzen Sie diese Gelegenheit um Langfristrezepte (Logopädie, Physiotherapie) bei Ihrem behandelnden Kinder- und Jugendarzt noch ausstellen zu lassen.

Dr. Niethammer arbeitet zu den üblichen Sprechzeiten (außer Donnerstag Nachmittag) mit verkleinertem Team ab dem 01. August (Dienstag) bis zum 16. August 2017.

Vom 17. August bis zum 23. August bleibt die Praxis geschlossen.

Vom 24. August (Donnerstag) bis zum 12. September 2017 arbeitet Dr. Wolff mit verkleinertem Team zu den üblichen Sprechzeiten (außer Dienstag Nachmittag).

Wir wünschen allen Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern eine schöne Urlaubszeit. Erholen Sie sich gut und genießen Sie ggf. exotische Reiseerfahrungen im fremden Urlaubsland. Oder eine gemütliche Tour im traumhaften Donautal oder auf dem schönen Bodensee. Wir wohnen ja bereits in einer Urlaubsregion!

Salmonellose

In den Sommermonaten kommen sie wieder häufiger vor: Infektionen mit Salmonellen. Die Übertragung erfolgt meist über Nahrungsmittel und kann deswegen durch umsichtiges Verhalten beim Kochen oft vermieden werden.

Die Erreger – die Salmonellen – finden sich vor allem im Fleisch von Tieren. Ganz besonders bei den Arten, die uns als Nahrung dienen wie Rinder, Schweine, Hühner, Enten und anderes Geflügel. Die Erreger können entweder direkt von den Tieren oder bei der Schlachtung, der Verarbeitung oder der Zubereitung (beispielsweise beim Auftauen von Gefrierfleisch; Eierschalen) in das Essen gelangen.

Die Zunahme der Salmonellen-Erkrankungen in den letzten 25 Jahren beruht hauptsächlich auf der Infektion von Hühnern und deren Eiern. Die Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung ist sehr kurz und beträgt meist weniger als 24 Stunden (5 bis 72 Stunden). Sie ist abhängig von der Anzahl an Salmonellen im verunreinigten Nahrungsmittel. Eine direkte Übertragung der Salmonellen von Mensch zu Mensch ist sehr selten.

Was sind Salmonellen?

Salmonellen sind Bakterien, die nach deren Entdecker (Dr. Daniel Edgar Salmon, 1850 – 1914) benannt sind. Aus der großen Gruppe der etwa 2500 verschiedenen Salmonellen rufen aber nur wenige Infektionen beim Menschen hervor. Im tropischen Ländern gibt es besonders gefährliche Salmonellen, die das lebensbedrohliche Krankheitsbild des Typhus verursachen. Salmonellen sind sehr widerstandsfähig gegen Abkühlung, Hitze und Austrocknung. Sie können daher über lange Zeiträume in der Umwelt überleben. Unterschätzt wird, wie gut Salmonellen auch im Kühlschrank überleben können. Die Mehrzahl der Salmonellen wird jedoch nach der Aufnahme durch den sauren Magensaft abgetötet.

Welche Krankheitszeichen treten auf?

Meistens beginnt die Krankheit plötzlich mit starken Bauchschmerzen und Durchfall, z.T. sogar blutigem Durchfall, sowie Erbrechen und Fieber. Das Fieber dauert kaum länger als 2 Tage, der Durchfall besteht über etwa eine Woche. In wenigen Fällen kann als Komplikation eine Begleitentzündung der Gelenke auftreten, die erst nach Wochen bis Monaten wieder ausheilt. Schwere Krankheitsverläufe treten vor allem bei Säuglingen, älteren Menschen oder Risikopatienten auf. Zu den Risikopatienten zählen z.B. Menschen mit Grundkrankheiten, bei denen die körpereigene Infektabwehr vermindert ist oder die eine fehlende oder verringerte Magensäureproduktion haben. Besonders bei ihnen kann es außer zu einer Infektion des Darmes auch zu einer Infektion des Blutes mit Salmonellen kommen. In deren Folge sind auch Infektionen der Knochen, Hirnhautentzündungen, Lungenentzündungen, Eiterherde in den Nieren, Herzbeutelentzündungen oder sogar Blutvergiftungen möglich, wenngleich selten.

Wie kann man sich anstecken?

Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über nicht oder ungenügend erhitzte Nahrungsmittel, die infizierte Eier oder Fleisch (vor allem Hühnerfleisch) enthalten. Den Nahrungsmitteln selbst merkt man dies nicht an, da der Geschmack nicht beeinträchtigt ist! Vor allem wenn Lebensmittel unter schlechten hygienischen Bedingungen hergestellt, transportiert oder gelagert werden, kann es zur Infektion mit Salmonellen kommen. Auch Konditoreiwaren, Salate (Sprossen), Eierspeisen (Speiseeis, Mayonnaise, Tiramisu…) und selten einmal Trinkwasser können verseucht sein. Sehr selten erfolgt die Ansteckung über unmittelbaren Tierkontakt, z.B. mit Reptilien (Schildkröten oder Leguanen), die als Haustiere gehalten werden. Erkrankte gelten als ansteckend, solange sie Salmonellen mit dem Stuhl ausscheiden. Die Ausscheidung der Salmonellen mit dem Stuhl stoppt in der Regel nach wenigen Tagen, kann aber auch bis zu 5 Wochen dauern. Personen, welche Salmonellen länger als ein Jahr mit dem Stuhl ausscheiden, werden als “Dauerausscheider” bezeichnet. Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch (über den Stuhl, an die Hände und über Nahrungsmittel zum Mund) z.B. innerhalb einer Familie ist selten.

Vorbeugung

Schutzmassnahmen für Gesunde: Es gibt keine Schutzimpfung gegen unsere einheimischen Salmonellen, man kann sich nur durch allgemeine hygienische Massnahmen wie persönliche Hygiene, insbesondere Händewaschen nach dem Toilettenbesuch, und hygienische Speisezubereitung schützen: gründliche Reinigung der Hände und Küchenutensilien während verschiedener Arbeitsgänge bei der Zubereitung des Essens. Sehr wichtig ist die Einhaltung einer Garzeit von mindestens 10 Minuten bei 90°C . Ein längeres Warmhalten bei niedriger Temperatur von Speisen ist unbedingt zu vermeiden! Man sollte möglichst keine Speisen mit rohen Eiern zu sich nehmen und bei Reisen in warme Länder ungekochte Speisen oder Salate vermeiden. Vor Auslandsreisen in Risikoregionen für Typhus (z.B. Afrika, Asien, Südamerika) kann man sich durch Impfung (Kapseln zum Schlucken bzw. Spritze) zum Teil schützen.

Therapie

Wie bei anderen Durchfallerkrankungen auch, ist es wichtig auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten und durch den Durchfall verlorenen Salze (Elektrolyte), zu
ersetzen. Weitere Massnahmen sind bei ansonsten gesunden Personen meist nicht nötig. Antibiotika werden bei unkomplizierten Infektionen nicht eingesetzt, weil sie zu einer
verlängerten Ausscheidung der Salmonellen führen können. Auch haben sie keinen Einfluss auf die Dauer und Schwere des Durchfalls. Mit Antibiotika werden deshalb nur die
schweren Komplikationen sowie alle Infektionen bei Risikopatienten behandelt.

25 Jahre praxisblättle!

Das praxisblättle feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. In den zwei Duzend Jahren seiner Karriere hat es sich stark gewandelt.

Zu Beginn kam es ab dem Jahre 1992 auf farbigem Papier heraus (siehe die jüngste erhaltene Ausgabe 4.93 rechts im Bild). Das muss damals wohl schick gewesen sein, so genau weiß ich das heute nicht mehr. Auf vier Seiten wurde Themen diskutiert, die von AIDS über die Homöopathie bis zur Einführung der Krankenversichertenkarte (CHIP-Karte) reichten.

Die Erstellung des praxisblättle war sehr aufwendig. Sie fand zwar schon am Computer statt, aber die einzelnen Graphiken mussten damals noch auf die Ur-Exemplare geklebt werden. Danach liefen Kopierer heiß und die Blätter mussten richtig sortiert werden. In den Anfängen wurden 4 Ausgaben pro Jahr erstellt. Die Auflage lag bei etwa 150 Exemplaren.

So vergingen einige Jahre bis das praxisblättle den Interessenten als E-Mail zugestellt wurde, was um die Jahrtausendwende begann. Damals starteten wir, das praxisblättle monatlich zu veröffentlichen. Im ersten Verteiler fanden sich gerade mal 10 Mailadressen. Das waren die Zeiten, als das Fax ganz schick war – und die e-Mail weitgehend unbekannt.

Der Blog, den Sie heute sehen, erschien erstmals am 04. Januar 2013.

Ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Kinder wäre das Projekt nicht denkbar gewesen. Sie gaben Anstösse, machten Mut – “ist viel einfacher als Du denkst” und führten die Programmierung durch. Ich habe die Hilfe immer gerne angenommen und brauche sie immer seltener. Ein Glück für Kinder, dass manchmal sogar Eltern lernfähig sind.

Was geht rum? 24. Juni 2017

Der Sommer zeigt sich von seiner wunderbaren Seite. Da mögen viele Menschen unter der Hitze stöhnen, aber frische Infektionen sehen wir kaum mehr. Zum Glück ist auch die Welle mit der Mundfäule fast zu Ende. Bei diesem Wetter Fieber zu haben und kaum schwitzen zu können – was viele Kinder betrifft – ist sehr unangenehm. Ein lauwarmer (!) mit Wasser getränkter Waschlappen kann da sehr hilfreich sein. Die Haut sollte nach dem Abreiben aber nicht abtrocknet werden (Verdunstungskälte).

Verletzungen stehen im Vordergrund der momentanen Arztbesuche. Manche Wunden sind entzündet – auch Bakterien lieben die Feuchtigkeit und Wärme. Wunden sollten soweit möglich “luftig” gehalten werden. Nach einer Wundreinigung mit Octenisept© sind weitere Maßnahmen bei Schürfungen und kleinen Verletzungen meist nicht nötig. Der trockene SWchorf ist der beste Verband kleiner Wunden. Von Heilsalben geht kein Heil aus.

Momentan ist auch die Zeit der Zecken. Deswegen stellen wir im Folgenden einen ausführlichen Beitrag aus DocCheck (vom 13. Juni 2017) zum Thema FSME vor. Darin werden viele wichtige Aspekte dargestellt, die in der Diskussion meist untergehen. Es lohnt sich also durchaus, den langen Absatz zu lesen – viel Spaß: In den beiden Bundesländern mit der größten FSME-Erkrankungshäufigkeit, Baden-Württemberg und Bayern, liegt die Inzidenz bei Kindern unter fünf Jahren und ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 29 Jahren mit 0,5–0,6 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern im Jahr am niedrigsten. Bei Kindern im Alter von 5–14 Jahren wird sie mit 0,9–1,0 Prozent angegeben.

Was noch entscheidender ist: In den allermeisten Fällen verläuft die Erkrankung bei Kindern glimpflich. Nur bei etwa zwei Prozent der Erkrankten werden laut RKI bleibende neurologische Folgeschäden beobachtet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind in einem stark betroffenen Gebiete eine Erkrankung mit anschließendem neurologischen Folgeschaden erleidet liegt dadurch bei 1 bis 2 zu 10 Millionen.

Selbst wenn man davon ausginge, dass die Impfung die Hälfte aller Fälle verhindert (die durchschnittlichen Durchimpfungsraten bei Schulanfängern liegen bei ca. 30 Prozent), läge das Risiko also bei 1 bis 2 zu fünf Millionen. Schwere Verläufe ohne Langzeitfolgen kommen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 bis 2 zu 800.000 vor, wenn man die Angaben des RKI hochrechnet.

Demgegenüber stehen die Risiken der Impfung mit inaktiviertem Virus. Leichtere Nebenwirkungen wie Fieber sind recht häufig – es tritt bei ungefähr zehn Prozent aller Geimpften auf, Schüttelfrost bei ein bis zehn Prozent. Laut Fachinformation von FSME-Immun© Junior (Pfizer) wurden nach der Markteinführung zudem folgende schwerwiegendere Nebenwirkungen mit einer Häufigkeit von bis zu 1 von 1.000 berichtet: allergische Reaktionen, neurologische Symptome wie Gesichtslähmungen, vollständige Lähmungen, Nervenentzündungen, entzündliche Erkrankungen des Gehirns, Krampfanfälle mit und ohne Fieber und weitere.

Encepur© Kinder (Glaxo Smith Kline) listet in der Fachinfo mit einer Wahrscheinlichkeit von seltener als 1 zu 10.000 unter anderem auf: allergische Reaktionen mit krampfartiger Verengung der Atemwege und Kreislaufstörungen, eine vorübergehende Abnahme der Blutplättchen, Sehstörungen. Es wird außerdem darauf verwiesen, dass nach der Impfung Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems, einschließlich aufsteigender Lähmungen bis hin zur Atemlähmung (z.B. Guillian-Barré-Syndrom) aufgetreten sind. Auch in der Beilage von FSME-Immun verweist man auf das Auftreten des Guillian-Barré-Syndroms.

FSME 2-001

FSME-Karte mit Inzidenzen © Robert-Koch-Institut

In beiden Fällen fehlt eine Häufigkeitsangabe, bei Encepur ist von Einzelfällen die Rede. Doch das sind gefährlich verlaufende kindliche FSME- Erkrankungen eben auch. Selbst wenn die Impfung Kinder für drei oder später für fünf Jahre schützt, bleibt das Nutzen-Risiko-Verhältnis alles andere als eindeutig.

In der Datenbank des Paul-Ehrlich-Instituts belegt die FSME-Impfung bei den Nebenwirkungen den vierten Platz unter den Impfstoffen, mit knapp 4.300 gemeldeten Verdachtsfällen. Eine Cochrane Review von 2009 hat bei drei Impfstoffen (darunter FSME-Immun und Encepur Kinder) keine ernsten oder gefährlichen Nebenwirkungen festgestellt. Hierfür wurden Studien mit 8.184 Teilnehmern ausgewertet, darunter nur 1.598 Kinder. Die Autoren hatten deshalb auch eine genauere Langzeitbeobachtung der Nebenwirkungen empfohlen.

Liegen dem RKI andere Zahlen vor, die den Mehrwert einer Impfung von Kindern plausibel machen? Es gebe ihres Wissens nach „keine umfassende Analyse hinsichtlich der Häufigkeit vergleichbarer Schäden nach einer FSME-Impfung und der FSME-Erkrankung‟, räumt Hellenbrand ein. Woher aber sollen die Ärzte dann wissen ob eine Impfung im Einzelfall sinnvoll ist?

Hellenbrand rät neben der allgemeinen Wahrscheinlichkeit einer Zeckenexposition (bei Kindern, die zum Beispiel viel im Freien spielen oder einen Waldkindergarten besuchen ist sie erhöht) die regionalen FSME-Inzidenzen „als Entscheidungshilfe in die Nutzen-Risiko-Abwägung miteinzubeziehen‟. Doch genau diese werden vom RKI zurückhaltend kommuniziert.

Während 2006 auf der FSME-Karte des epidemiologischen Bulletin noch verschiedenfarbig Risikogebiete, Hochrisikogebiete und Gebiete mit geringerer FSME-Endemizität gekennzeichnet wurden, verschwand diese Aufteilung danach in den offiziellen Karten. Einfarbige Karten vermitteln seitdem fälschlicherweise den Eindruck, dass eine Impfung in allen markierten Gebieten gleich sinnvoll sei. Inzwischen findet man zusätzlich zu den einfarbigen Versionen wieder eine verkleinerte, dreifarbige Darstellung, wenn man gezielt danach sucht und sich bis auf die letzten Seiten des epidemiologischen Bulletin durchklickt.

Verwirrend wird es, wenn man nun noch die Karten eines Impfstoffherstellers hinzuzieht. So veröffentlicht die Firma Pfizer über ihr „Infoportal‟ zecken.de eigene Versionen. Dort sind nicht nur die RKI Gebiete einheitlich in dunkelorange eingefärbt – ohne Unterteilung nach Inzidenzen. Zusätzlich finden sich über ganz Deutschland verteilt gelb gefärbte Regionen. In der Legende findet sich die Aufschlüsselung: Dies seien „Landkreise mit vereinzelt auftretenden FSME-Erkrankungen, die jedoch nicht der Definition für ein FSME-Risikogebiet nach Robert Koch-Institut entsprechen‟. Eltern, die solche Karten sehen, könnten meinen, dass es nahezu überall gut wäre, ihre Kinder zu impfen.