Autokindersitze

Die Stiftung Warentest veröffentlicht regelmäßig neue Testergebnisse über die Kindersicherheit im Auto. Im letzten Heft (November 2017) geht es um die Autokindersitze. In der folgenden Auswahl sind neben den besten neuen Sitzen mit guter Bewertung auch solche aus früheren Tests aufgeführt.

Kinder ab Geburt

i-size bis maximal 105 cm Körperlänge

  • Kiddy Evo-Luna i-Size                       480€        Note 1.5       aus Test 06/2016
  • Cybex Aton M i-Size & Base i-Size    350€                1.6       NEU (siehe Abbildung rechts)
  • Maxi-Cosi Pebble Plus                       275€                1.6       aus Test 11/2015

von Geburt bis 13 kg Körpergewicht

  • Cybex Aton 5                                     130€       Note 1.6       aus Test 06/2017
  • GB Idan                                              220€               1.7       aus Test 06/2017
  • Recaro Guardia  Smart Click Base    370€               1.8       NEU
  • Recaro Privia Evo & Smart Cl. Base  330€               1.8       NEU

von Geburt bis 18 kg Körpergewicht

  • Recaro Zero1                                     500€      Note 2.4        aus Test 11/2016
  • Klippan Kiss 2 Plus                            500€              2.5        NEU

Für Kinder ab 1 Jahr

von 9 kg bis maximal 36 kg Körpergewicht

  • Kiddy Phoenixfix 3                             259€      Note 1.7        aus Test 11/2016
  • Cybex Pallas M-Fix SL                      200€               1.9        aus Test 06/2017

von 15 kg bis 36 kg Körpergewicht

  • Cybex Solution M-Fix SL                   150€       Note 1.7       aus Test 06/2017
  • Britax Römer Kid II                             130€               1.8       aus Test 11/2015

Insgesamt fällt auf, dass für alle Sitze für Kinder ab dem Alter von 1 Jahr keine interessanten neuen Produkte auf den Markt kamen. Entweder rangieren sie auf den hinteren Plätzen (wie Max-Cosi Rodi XP Fix – immerhin Note 1.9) oder sie fielen gar durch (wie Jané Grand und Recaro Optia & Smart Click Base) wegen schwerwiegender Mängel.

Alle Eltern, die die Details nachlesen möchten, können sich das Testheft ab Dezember in der Praxis ausleihen. Bitte fragen Sie unsere Mitarbeiterinnen.

Bildnachweis: http://cybex-online.com/de/carseats/atonmisize.html

 

 

Was geht rum? 18. November 2017

Die Tage werden immer kürzer. Dazu sind sie noch reichlich trübe. Wir schalten das Licht ein oder machen es uns bei Kerzenschein gemütlich.

Auch in dieser Woche haben sich die bisherigen Infekte fortgesetzt: Neben verschiedenen Virusinfekten traten Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen (Bronchopneumonie) auf.

Die Häufigkeit bei den Streptokokkeninfektionen hat weiter zugenommen. Einige traten als Scharlach – also mit Ausschlag – auf.

In der kommenden Woche vertritt Sven Supper nochmals Dr. Wolff in der Praxis.

Was geht in der Welt rum? Neu ist die Meldung über Fälle von Dengue-Fieber in Ägypten. Eine Touristin ist nach ihrer Rückkehr aus Hurghada daran erkrankt, wie belgische Stellen melden. Gegen das Dengue-Fieber gibt es keine Impfung. Wichtigste Maßnahme ist, sich vor den tagaktiven Mücken mit Repellentien zu schützen.

TIPP: wie wende ich Zäpfchen an?

Das Thema stellt sich allen Eltern. Nach vielen Wochen voller Gesundheit, fängt ein sonst zufriedener Säugling jämmerlich an zu schreien. Kein Hunger, das ahnen sie, sondern Schmerz. Das helfende Medikament ist ein Zäpfchen, das sich medizinisch Suppositorium  nennt. Das stammt vom Lateinischen supponere (darunterlegen) und dient auch als Grundlage in anderen Sprachen (Englisch: suppository, Französisch: suppositoire, Spanisch: suppositorio, Italienisch: supposta) – nur, wenn Sie mal im Urlaub sind.

Warum überhaupt Zäpfchen?

Gerade Säuglinge sind bei Schmerz sehr untröstlich. Sie schreien lauthals und an die Zufuhr eines Saftes oder einer Tablette ist nicht zu denken. Solange das so ist, sind die Suppositorien eine wichtige Darreichungsform von Medikamenten.

Da sie andererseits aber die unsicherste Gabe von Medikamenten ist, soll auf Säfte oder Tabletten umgestellt werden, so früh wie möglich.

Warum haben die Zäpfchen diese Form?

Die Form ist industriell vorgegeben. Leider verführt sie die meisten Eltern zur nicht optimalen Anwendung.

Warum also das Zäpfchen mit der stumpfen Seite zuerst einführen?

Wie so oft im Leben befasst sich kaum jemand mit den häufigen Dingen des Lebens, das scheint zu banal zu sein. Die heutigen Erkenntnisse gehen in aller Regel auf Abd-El-Maeboud zurück, der im höchst geschätzten Medizinjournal Lancet im Jahre 1991 eine Studie veröffentlichte. Darin empfiehlt er die Anwendung von Zäpfchen mit der Spitze nach hinten. Damit soll sichergestellt werden, dass die Zäpfchen nicht zu weit in den Darm vordringen. Würden sie das tun, so würde der Wirkstoff über die Leber abgebaut bevor er hilfreich ansetzen könnte. Denn nur das letzte Stück des Darmes ist mit seinen Adern direkt an die Hohlvene angebunden. Und nur von diesem kleinen Ort des Darmes gelangen die Substanzen direkt über die unter Hohlvene und das Herz in alle Organe. Unter Umgehung der Leber.

Praktische Tipps zur Anwendung

Trotz Schmerz, Fieber oder Krampfanfall besteht bei der Anwendung von Suppositorien nie ein Grund zu Hektik. Ruhe und Einfühlungsvermögen sind wichtig, um die Einführung des Zäpfchens nicht zum Horrorerlebnis für das Kind werden zu lassen.

Wie wir alle wissen, ist der After eine hoch sensible Region. Also handeln wir danach:

  • Zuerst umfassen wir das Zäpfchen mit unsern Fingern und setzen die stumpfe Seite mit leichtem Druck auf den After.
  • Nach wenigen Sekunden schmilzt die Oberfläche des Suppositoriums an.
  • Dann reizen wir mit leichten Bewegungen den After, der sich darunter langsam öffnet.
  • Es dauert wenige Sekunden und das Zäpfchen gleitet unter dem zarten Druck in den Mastdarm.
  • Wenn die Spitze kaum mehr an Analring zu sehen ist, haben wir es richtig gemacht. Bitte nicht mit dem Finger hinterher schieben!

Die Wirkung des Zäpfchens ist in Bezug auf Schmerz oder Fieber erst nach etwa 30 Minuten zu beobachten. Also wiederum ist Geduld gefordert.

Hähnchen-Nuggets: i-gitt

Ich selbst hab sie nie gemocht. Die Chicken-Wings oder Hähnchen-Nuggets. Allein schon die Farbe – leicht glänzend durch das Fett. Ne, das geht nicht.

Nun haben die Tester der Zeitschrift “Ökö-Test” genauer hingeschaut. Mit weniger Emotion und viel mehr Sachverstand. Und einem noch schlechteren Ergebnis, als meine Sinnesorgane es erwartet hätten.

Im Test fallen gleich mal 8 der 14 Produkte komplett durch. Und selbst die anderen sehen die Note “sehr gut” oder “gut” nicht. Die besten Note bekommen die Bio Cool Chicken Nuggets mit “befriedigend”.

Warum denn das? Zunächst mal Tierhaltung. Da ist bereits für die Ketten von Kentucky, McDonalds und Burger King Endstation. Keine Nachweise ist heute echt zuwenig. Bei Burger King kommen noch Enterobakterien hinzu, was Mediziner erschaudern lässt: “Ungenügend” für die Nuggets von Burger King. Viel Salz ist ohnehin in fast allen, in einigen gar künstliche Phosphate. Die Produkte der Discounter (Aldi Nord, Rewe, Edeka, Iglo, Vossko – üngenügend, Lidl, Real und Penny – ausreichend) setzen den Reigen schlechter Bewertungen fort. In vier Produkten fand sich Mineralöl.

Da vergeht mir der Appetit schon ganz!

Bild: pixabay

Was geht rum? 11. November 2017

In der vergangenen Woche waren viel Infektion der Atemwege in der Praxis zu behandeln. Bei dem regnerischen Wetter ist das nicht unerwartet.

Nasen-Rachen-Infektionen bei den Säuglingen. Diese litten häufig unter der erschwerten Nasenatmung, die teils durch Schwellung der Nasenschleimhäute, teils durch Sekretbatzen verursacht waren. Hilfreich ist eine “gute Luft” im Hause: keine Raucher, ehere kühlere Temperaturen (Wohnbereich 20 – 22 Grad Celsius, Schlafbereich 16 – 18 Grad Celsius) und: viele Spaziergänge. Kochsalznasentropfen sind manchmal hilfreich, abschwellende Nasentropfen (z.B. Otriven©, Olynth©) sollten eher nicht zum Einsatz kommen.

Bei den Kleinkindern treten die gleichen Infekte auf. Hierbei treten oft Mittelohrentzündungen auf, die teilweise den Einsatz von Antibiotika erfordern. Das zweite Krankheitsbild ist die Mundfäule (Stomatitis aphthosa), die in der Ausprägung jedoch eher mild ist. Aber selbst milde Verläufe dieser Erkrankung sind für die Betroffenen noch reichlich unangenehm.

Besser weg kommen die Schulkinder und Jugendlichen. Der Schnupfen nervt etwas, aber schlimmere Verläufe sind kaum zu beobachten.

Einzelne Fälle von Scharlach, keine Windpocken, kein Keuchhusten.

Und was geht in der Welt rum? Dengue-Fieber ist weltweit schon lange ein Problem. In den letzten Wochen kamen Ausbrüche in Burkina Faso (Westafrika), Senegal und besonders in Indien hinzu, wo weit über 120.000 Fälle dokumentiert sind. Bislang gibt es noch keine Impfung. Der Schutz vor den tagaktiven Mücken (mit einem Repellent, das DEET enthält) steht also im Vordergrund.

In den beiden kommenden Wochen wird Dr. Wolff Urlaub machen. In der ersten Woche (13. Nov – 17. Nov) wird Dr. Niethammer vertreten, in der zweiten Woche (20.Nov – 24. Nov) Sven Supper.

Grippeimpfung – oder schon flu shot

An einem Supermarkt in Halifax (Nova Scotia, Canada) fand sich die nebenstehende Aufforderung zur Impfung. FREE steht ganz oben. Weiter unten dann: “Ask your pharmacist”. Dieser Pharmacist verbirgt sich meist hinter einer großen Absperrung. Ob seine Antwort noch so schlicht ausfällt?

Kostenlos ist die Impfung für Kassenpatienten in Deutschland zum Glück immer. Und sie macht Sinn. Heute starten wir in der Praxis mit der Grippeimpfung (genauer, Impfung gegen Influenza). Aber ohne Werbung. Das ist bei uns nicht üblich und auch nicht erlaubt. Deswegen nur diese kurze Information.

Wer Interesse an der Impfung hat oder Fragen hierzu, möge sich bitte gerne melden. In unserer Region startet die Grippesaison frühestens im Dezember und sie dauert bis März. Eine Impfung im November verspricht den besten Erfolg.

Laktoseintoleranz – ein weltweites Thema

Die Laktoseintoleranz ist in aller Munde. Was früher als eine exotische Krankheit galt, hat heute fast jeder. Wirklich?

Christian Løvold Storhaug und Mitarbeiter von der Universität in Bergen (Norwegen) haben sich dieser Frage angenommen und die Daten aus über 200 Studien zusammengetragen, die 62.910 Kinder (über 10 Jahre) und Erwachsene aus 89 Ländern auf diese Störung untersuchten. Dabei zeigte sich, dass 2/3 der Erdbevölkerung von einer Laktoseintoleranz betroffen sein dürfte.

Laktose vertragen alle Säuglinge. Alle. Denn in der Muttermilch ist die Laktose das wesentliche Kohlenhydrat. Laktose unterstützt das Wachstum von Laktobazillen, die für die Zusammensetzung des Mikrobioms von besonderer Bedeutung sind. Der Laktosegehalt ist bei Muttermilch sogar doppelt so hoch wie in der Kuhmilch. Eine Laktoseintoleranz gibt es bei Säuglingen also nicht.

Mit der Entwöhnung von der Muttermilch sinkt auch Aktivität des Enzyms Laktase beim Menschen ab. Die Fähigkeit, Laktose zu verwerten geht also zurück. Das geschieht in verschiedenen Kulturen in unterschiedlichem Ausmaß. In Mitteleuropa ist die Toleranz von Laktose recht hoch, in Asien eher niedrig. Die genetische Eigenschaft, Laktose auch als Erwachsener nutzen zu können ist genetisch bedingt. Sie ist nach Untersuchungen des University College in London vor etwa 7500 Jahren im zentralen Balkan und Mitteleuropa unter Milchwirtschaftsbauern entstanden. Von dort ist diese für Menschen günstige Variation weiter nach Zentraleuropa und andere Regionen der Welt gekommen.

Bis heute weist der Großteil der Weltbevölkerung noch immer eine Unverträglichkeit von Laktose auf. Wenn auf den Verzehr von Laktose Beschwerden auftreten, spricht man von Laktoseintoleranz. Diese kann in unterschiedlicher Heftigkeit auftreten. Zur Diagnostik gibt es verschiedene Tests, deren Aussage jedoch schwer vergleichbar ist. Dies ist eines der Probleme der Studie von Christian Løvold Storhaug von der Universität Bergen, die auf sehr unterschiedliche wissenschaftliche Ergebnisse zurückgreift.

Durch verscheiden Rechenoperationen hat der Wissenschaftler versucht, diese Unterschiede auszugleichen. Dabei kam er für die Laktoseintoleranz zu folgenden Häufigkeiten weltweit (siehe Abbildung rechts): 

  • Asien 67%
  • Osteuropa, Russland und in den ehemaligen Sowjetrepubliken 47%
  • Lateinamerika  38%
  • Mittleren Osten 70%
  • Nordafrika 66%
  • Nordamerika   42%
  • Ozeanien 45%
  • Afrika südlich der Sahara 63%
  • Nord-, Süd- und Westeuropa 28%

Die Laktoseintoleranz ist also ein weltweites Thema. In vielen Ländern – z.B. im südlichen Afrika – wird jedoch wenig auf Kuhmilch (und ihre Produkte wie Käse oder Joghurt) zurückgegriffen. Dadurch entstehen auch keine gesundheitlichen Probleme. In Mitteleuropa hingegen, sind zwar 28% der Bevölkerung prinzipiell betroffen, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. So können einige problemlos Milch in den Kaffee geben und ein kleines Joghurt essen. Beim Käsefondue müssen sie dann aber doch passen.

Schwarz-Weiß geht also nicht. Manche vertragen Milch gut, andere überhaupt nicht. Und einige irgendwie dazwischen. Weltweit gibt es jedoch keine Region, wo Kuhmilch von so vielen vertragen wird wie bei uns.

Bildquelle: thelancet

Was geht rum? 04. November 2017

In den Herbstferien traten in Pfullendorf und Umgebung die gleichen Infekte auf wie vor einer Woche. Die Anzahl aber nahm zu.

Atemwegsinfektionen stehen zur Zeit im Vordergrund. Für die Kleinen sind sie teilweise mit Mittelohrentzündungen verbunden, für die Kindergarten-Kinder oft mit Infektkrupp, der weiterhin eine große Bedeutung hat. Schulkinder ereilt im Rahmen ihrer Infektion oft eine Bronchitis, bei Asthma bronchiale kommt es dabei zu Atemnot. Auch Bronchopneumonien (Lungenentzündungen) kommen vor.

Kinderkrankheiten sind im Moment bedeutungslos.

Was geht rum in der Welt? Dengue-Fieber gibt es ganzjährig auf der Erde. In den letzten Wochen kam es aber zu enormen Ausbrüchen in Pakistan und Sri Lanka. Eine Impfung gegen diese Erkrankung gibt es nicht. Umso wichtiger ist der Schutz vor der tagaktiven Mücke mit Repellentien, die DEET enthalten (z.B. Anti-Brumm©).

Mit dem Zug sind waren wohl die wenigsten in Urlaub. Das Bild oben täuscht auch etwas. Es handelt sich um das Photo von einer Modellanlage, auf der eine V200 (später hieß sie Baureihe 220) vorbeirauscht. Diese Lokomotive tat über Jahrzehnte gute Dienste auf der Schwarzwaldbahn und überzeugt bis heute mit einem unverwechselbar schönen Design.

Lebensmittelwarnungen

Auch wenn es hier um Warnungen vor verunreinigten Lebensmitteln geht: Nahrungsmittel, die wir in Deutschland zum Verzehr angeboten bekommen, waren in der Geschichte noch nie so sauber und von so guter Qualität wie heute. Anmerkungen wie “mal ehrlich… was können wir eigentlich noch essen?” (SWR-Fernsehen, 18.10.2017) sind völlig neben der Spur. Sie stammen von Autoren, die sich kaum auskennen aber gerne wichtig machen und die allgemeine Verunsicherung für ihre eigenen Vorteile zu nutzen wollen.

Dass Lebensmittel so sicher sind liegt daran, dass es eine regelmäßige und strenge Kontrollen aller Nahrungsmittel gibt. Bis ins Jahr 2005 gab es hierfür den Wirtschaftskontrolldienst (WKD), der seither in die Zuständigkeit der Landratsämter überging. In Stuttgart unterliegt die Kontrolle nun der Dienststelle für  ”Lebensmittelüberwachung, Verbraucherschutz und Veterinärwesen”. Kritische Verbraucher und bessere Verzahnung aller Beteiligter auch mit Hilfe der neuen Medien tragen dazu bei, dass die Endverbraucher schnell und umfassend informiert werden können.

Einen schnellen Überblick über alle bedeutsamen Lebensmittelwarnungen gibt die Homepage, die Sie durch Anklicken des Wortes aufrufen können. Dort sind aktuelle Warnungen schnell abrufbar.

Nahrungsmittelallergie doch nicht so häufig

Bisher wurde angenommen, dass Nahrungsmittelallergien sehr häufig seien. Bei etwa 8% der Kinder vermutete man allergische Beschwerden auf Nahrungsmittel; bei Erwachsenen lagen die Annahmen bei etwa 5%. Als Allergologe im nördlichen Bodenseeraum erschien mir diese Zahl immer enorm hoch. Zu hoch. Sollte jedes 12. Kind von einer Allergie gegen ein Nahrungsmittel betroffen sein? Für unsere Region war das nicht nachvollziehbar.

Eine groß angelegte Studie aus Boston hat sich dieser Frage nochmals angenommen. Wie das Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI) der amerikanischen Allergologen (American Acadamy of Allergy, Asthma and Immunologie – AAAAI) in seiner Mai-Ausgabe berichtet, wurden hierfür die Krankenakten von 2,7 Millionen Erwachsenen und Kindern zwischen den Jahren 2000 und 2013 in der Region Boston untersucht.

Die Arbeitsgruppe um Warren W Acker vom Brigham and Women’s Hospital in Boston fanden 97,482 Patients, die zumindest eine Nahrungsmittelallergie oder eine Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln aufwiesen. Damit lag die Rate für Allergien und Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln bei 3.6%. Das wäre somit etwa die Hälfte dessen, was bisher angenommen wurde. Besonders betroffen waren Frauen und Asiaten.

Interessanterweise waren Krustentiere (0.9%) das häufigste Allergen. Danach folgten Früchte oder Gemüse (0.7%), Milch und Milchprodukte (0.5%) und Erdnüsse (0.5%). Eine von 6 Personen reagierte auf das jeweilige Allergen mit Schocksymptomen (“Anaphylaxie”), wobei diese Diagnose in den USA bereits bei leichten Symptomen gestellt wird.

Die Untersuchung ist nur begrenzt auf die Verhältnisse in Baden-Württemberg zu übertragen. Zum einen leben wir unter sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen und auch unser Essverhalten ist – noch? – deutlich anders.

Es zeigt sich aber, dass Nahrungsmittelallergien ein bedeutsames Problem sind, aber eben nicht gar so häufig wie oft vermutet.