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Insektengiftallergie

Allergien gegen Insektengifte sind für Kinder durchaus bedeutend. Besonders schwerwiegend sind Allergien gegen Bienen und Wespen. Hierbei kann es zum allergischen Schock (Anaphylaxie) kommen, der bei Kindern jedoch nur in einer Häufigkeit von 0.34% auftritt, während 10 Mal so viele Erwachsene hiervon bedroht sind. Dennoch muss auch bei Kindern in jedem Einzelfall versucht werden, das individuelle Risiko zu klären.

Die weitaus meisten Insektengiftallergien zeigen sich als allergische Lokalreaktionen: Um die Einstichstelle bildet sich eine Rötung und Schwellung, die gelegentlich über 10 cm groß wird und länger als 1 Tag anhält. Die Stärke der Lokalreaktion kann durch Sofortmaßnahmen direkt nach dem Stich begrenzt werden durch:

  • Anwendung von Kälte (Eiswürfel) über weniger Minuten.
  • frische Zwiebel aufschneiden und mit leichtem Druck auf die Einstichstelle pressen.
  • die Einstichstelle mehrfach mit Speichel bestreichen

Treten nach einem Stich Allgemeinsymptome auf, sollte sofort ein Arzt bzw. ein Notarzt alarmiert werden. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Nesselsucht als einziges Symptom in aller Regel nicht bedrohlich. Die im Folgenden genannten Symptome können jedoch ein Alarmzeichen sein und sollten immer dazu führen, umgehend einen Notarzt anzufordern.

  • Atemnot oder Engegefühl im Hals/ Brust
  • Schwindel oder Müdigkeit
  • Kribbeln in Händen/ Füßen/ am Kopf
  • Erbrechen.

Ist aber die Reaktion auf einen Insektenstich als Hinweis auf eine mögliche schwere Allergie zu werten? Das sollte im Zweifelsfall mit dem Allergologen geklärt werden. Alle Kinder und Jugendliche, bei denen Hautreaktionen fernab der Einstichstelle oder Allgemeinsymptome (Atemnot, Kribbeln in den Händen u.ä.) auftreten, müssen weiter untersucht werden. Ideal ist eine Abklärung in einem Zeitraum 3-6 Wochen nach einem Stich, bei sehr schweren Reaktionen ggf. auch früher.

Ziel der medizinischen Abklärung ist es, das individuelle Risiko zu bestimmen. Dazu sind besonders die Angaben über die erlebten Symptome und deren zeitlicher Ablauf wichtig. In aller Regel wird auch ein Allergietest und eine Laboruntersuchung durchgeführt. In wenigen schwierigen Fällen gibt es noch weitergehende Untersuchungen (Intrakutantest; Stichprovokation u.a.), die aber bei Kindern praktisch nie erforderlich sind. 

Die effektivste Therapie einer Allergie ist die spezifische Immuntherapie (SCIT), oft auch als Hypo-/Desensibilisierung bezeichnet. Bei Allergien gegen Biene oder Wespe liegt deren Erfolgsquote bei 90 Prozent. Davor steht aber ein gewisser Aufwand in Form von Injektionen, die in etwa monatlichen Abständen für meist 5 Jahre durchgeführt werden. Andere Maßnahmen wie Antihistaminika vermögen allenfalls den Juckreiz nach einem Stich zu mindern. Auch Cortison stellt keine sichere Therapie dar.

Für den allergischen Notfall, die Anaphylaxie, gibt es das sog. Notfallset. Zentral ist hierbei der Adrenalin-Autoinjektor (AA – Notfallspritze). Nur mit diesem lässt sich eine potentiell tödliche Anaphylaxie sicher behandeln. Der Allergologe stellt die Indikation, ob ein solcher AA im Einzelfall sinnvoll ist und weist in die praktische Anwendung ein. Die weiteren Medikamente (Cortison, Antihistaminika) sind zweitrangig. Im schweren Notfall setzt ihre Wirkung deutlich zu spät ein. Nur das in den Muskel gespritzte Adrenalin über den AA vermag den Kreislaufkollaps sicher zu verhindern. Und im Zweifelsfall muss sich das der Patient selbst spritzen können.

Zusammen mit der Verschreibung des Notfallsets ist auch eine Instruktion wichtig. Das betroffene Kind und die Eltern müssen in die Handhabung der Medikamente eingewiesen werden. Das betrifft ggf. auch Personen des weiteren Umfeldes wie Großeltern oder Erzieher- und LehrerInnen.

Raupendermatitis

Nun ist wieder die Zeit für die Raupenspinnerdermatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Haut ausgelöst durch die “Brennhaare” der Eichenprozessionsspinner.

Die Raupen des Eichenprossionsspinners tragen mit jeder weiteren Stufe der Larvenbildung vermehrt der sog. Brennhaare. Das sind feine Härchen, die Widerhaken enthalten. Schon bei leichter Berührung fallen diese ab und können im Luftstrom lange Strecken zurücklegen.

Die häufigste Folge ist eine Hauterscheinung, die durch das Festhaken dieser Härchen an den unbedeckten Hautarealen auftritt. Die Ausschläge können verschiedene Ausprägung haben und werden meist durch mechanische Reizung ausgelöst. Die ersten Symptome mit Hautjucken beginnen nach weniger Minuten, die Hautreizung nimmt 1 – 2- Stunden später weiter zu. Knötchenbildung setzt meist nach 6 Stunden ein. Es sind auch Allergien möglich, für die bereits 7 verschiedene Allergene identifiziert wurden.

Therapeutisch ist ein sofortiger Wechsel der Kleidung (ggf. unter Nutzung von Handschuhen) wichtig. Dann kann versucht werden, mit Klebeband Brennhaare von der Haut zu entfernen. Im Anschluss ist ein Duschbad mit Haarwäsche sinnvoll. Medikamentös können Antihistaminika (wie Cetirizin) eingesetzt werden.

Viele Fragen zu diesem Krankheitsbild sind noch nicht geklärt, da sich die Prozessionsspinner erst in den letzten Jahren bei uns ausgebreitet haben und der Bekanntheitsgrad der Erkrankung noch gering ist.

Bildquelle: http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2016/05/eichenprozessionsspinner0.html

Erdnussallergie: Allergierisiko für Geschwister vorhersehbar?

Dass in Allergikerfamilien das Risiko für Allergien teilweise deutlich erhöht ist, ist allgemein bekannt. Das gilt auch für Geschwister von Allergiker, die zunächst nicht von Allergien betroffen sind.

So ist bekannt, dass 8% aller Geschwister von erdnussallergischen Kindern ebenfalls eine Allergie gegen Erdnüsse entwickeln. Viele Eltern wünschen deswegen eine Untersuchung, ob auch ein Risiko für die nicht betroffenen Kinder besteht. Lässt sich das abschätzen?

Die Forschungsgruppe um P Bégin aus Montreal (Canada) ist dieser Frage nachgegangen. Sie untersuchten 154 Geschwister von erdnusskranken Kindern. Bei denen führten sie neben einer Laboruntersuchung und einem Allergie-Hauttest auch Provokationen durch. Sie fanden, dass das Risiko eine allergische Reaktion beim Erstkontakt zu erleben im Hauttest mit Erdbussbutter zu 100% erkannt werden könne. Gleiches gelte für den Labortest (spezifisches IgE gegen Erdnuss).

Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit können sowohl der Allergie-Hauttest wie die Bestimmung des spezifischen IgE das Risiko einer aktuellen Erdnussallergie feststellen. Die Studie zeigt, dass es für Familien mit hoher Allergiebereitschaft sinnvoll sein kann, bisher nicht betroffene Kinder auf das Risiko für eine Erdnussallergie zu untersuchen.

Behandlung des Heuschnupfens

Die Zeit des Heuschnupfens ist wieder da. Da der Begriff “Heu” in den letzten Jahren immer weniger Menschen etwas sagt, ist der Begriff allergischer Schnupfen bei Gräserpollenallergie treffender. In der Medizin spricht man von der allergischen Rhinoconjunctivitis (AR).

Eine ursächliche Therapie der AR ist nur durch die subkutane Immuntherapie (SCIT) – besser bekannt als Hyposensibilisierung – möglich. Die SCIT erfordert eine Deponierung des niedrig dosierten Allergens im Fettgewebe unter der Haut (subcutan). Das bedeutet, es sind Spritzen nötig, die aber auch von Kindern fast immer problemlos toleriert werden. Inzwischen gibt es verschiedene SCIT-Lösungen. Die klassische SCIT erfolgt nach einer zunehmenden Stiegerung der Dosis monatlich für drei Jahre. Es gibt aber auch Lösungen, die in meist wöchentlichen Injektionen – je nach Herstellen 4 bis 7 Spritzen – nur vor der Saison verabreicht werden. Deren Erfolg ist zwar minimal geringer, aber der zeitliche Aufwand ist es ebenso. Für Schüler oder Berufstätige stellen sie eine gute Alternative dar.

Die Akutbehandlung umfasst im Wesentlichen die Antihistaminika (z.B. Cetirizin, Loratadin oder Desloratadin) und die nasalen Corticoide (z.B. Mometason, Fluticason, Beclometason). Gerade rechtzeitig erschien eine Arbeit im Journal der europäischen Allergologen – Allergy – aus der Arbeitsgruppe um P.J.E. Bindels aus Rotterdam (Niederlande). Sie untersuchte eine Gruppe von 150 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren die mehrheitlich von niedergelassenen Ärzten betreut wurden.

Es stellte sich heraus, dass die Gabe des Cortison-Nasen-Sprays bei Bedarf ebenso erfolgreich war, wie die ständige Gabe des Sprays über die gesamte Pollenflugsaison, wie bislang empfohlen.

Dieses Ergebnis ist ermutigend für alle Seiten:

  1. der Patient nimmt den Cortisonnasenspray nur, wenn er ihn braucht. Damit fällt das “Vergessen” als Problem weg.
  2. Dadurch wird die ohnehin geringe Dosis an Cortison nochmals geringer, was medizinisch günstig ist.
  3. nebenbei spart die Krankenversicherung Geld, was nicht nur schwäbische Krankenkassen erfreuen dürfte – und letztlich den Patienten wiederum zugute kommt.

Krankheitskosten – steuerliche Aspekte

Steuertipps gibt’s beim Arzt eher selten. Aber für Eltern mit chronisch kranken Kindern sind sie wichtig, um zumindest einen Teil der zusätzlich anfallenden Kosten abzufedern.

Wenn es darum geht Kosten steuerlich geltend zu machen sind immer Nachweise wichtig. Diese sollten zeitnah erbracht werden, weil es im Nachhinein teilweise schwierig oder gar unmöglich ist die erforderlichen Nachweise zu erstellen. Manch anfallende Kosten geraten auch wieder in Vergessenheit. Zu den abziehbaren Kosten zählen beispielsweise Aufwendungen für ärztliche Behandlungen, Arznei- , Hilfs- und Heilmittel, Klinikaufenthalte, krankheitsbedingte Pflege, spezielle Lebensmittel. Zusätzlich dürfen auch anlässlich der Krankheit entstandene Fahrtkosten berücksichtigt werden.

Krankheitskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. In diesem Zusammenhang zieht das Finanzamt automatisch die sog. “zumutbare Belastung” ab. Diese sind wiederum abhängig vom Einkommen. Aufwendungen für das eigene Kind sind zwar streng genommen Unterstützungsleistungen, werden in aller Regel von den Finanzämtern aber wie Aufwendungen für Sie selbst behandelt (zumindest, solange Sie für das Kind Kindergeld erhalten).

Zu den Krankheitskosten zählen nur Aufwendungen, die der Heilung einer Krankheit dienen oder die eine Krankheit erträglicher machen bzw. deren Folgen lindern sollen (BFH-Urteil vom 18.06.1997, III R 84/96, BStBl. 1997 II S.805). Einige praktischen Anmerkungen zu den Nachweisen:

  • vorbeugende Maßnahmen zählen nicht zu den absetzbaren Leistungen, auch wenn sie der Gesundheit dienen.
  • in einigen Fällen ist statt eines ärztlichen ein amtsärztliches Zeugnis erforderlich (immer anhängig von der Einschätzung und Bewertung des Finanzbeamten)
  • die amtsärztlichen Atteste müssen erstellt werden, bevor die Therapie beginnt (s. auch den Beitrag zu den Allergiker-Bettbezügen). Diese Atteste sind teilweise kostenpflichtig.
  • suchen Sie einen auswärtigen Arzt auf? Sie dürfen dann Fahrtkosten geltend machen (in Höhe der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel), ggf. auch Übernachtungskosten.
  • Die Begleitkosten eines Elternteils sind für die Behandlung eines Kindes ebenfalls zu berücksichtigen. Bis zu welchem Alter eine Begleitung notwendig ist, ist hingegen umstritten.
  • Auch Arztkosten im Urlaub sind in dieser Hinsicht abzugsfähig. Nicht aber die Hotelkosten, die während der Krankheit im Urlaub anfallen
  • Aufwendungen für Arznei- und Verbandsmittel: z.B. auch Medikamenten- Zuzahlungen (wie bei Flutide© für Asthmatiker), Aufpreis für gewissen Medikamente.
  • Hilfsmittel: Brillen, Hörgeräte, Blutdruckmessgeräte, Inhalationsgeräte und ähnliches.
  • Heilmittel: Sprachtherapie, Ergotherapie, Lerntherapie.
  • Diät: Bis heute sehr umstritten. Der Gesetzgeber will hier laut § 33 Abs. 2 keine Hilfe gewähren. So hat das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen 2 BvR 2164/07) eine Revision gegen das Abzugsverbot durch BFH vom 21.06.2007 eines Zoeliakie-Patienten abgelehnt. Ähnlich war schon zuvor bei Allergiediäten entschieden worden.

Es ist also wichtig Nachweise zu erbringen. Bei höheren Kosten können hierfür auch amtsärztliche Atteste vor Durchführung einer Leistung nötig sein. In Zweifelsfällen fragen Sie bitte einen Steuerberater.

Gerade für Eltern mit chronisch kranken Kindern gibt es seit kurzem eine Regelung, die sie unterstützt. Bei der Steuererklärung ist es seit dem 5. November 2011 einfacher geworden, “außergewöhnliche Belastungen” geltend zu machen. Die Einzelheiten hierzu sind im §33 des Einkommensteuergesetztes geregelt. Mit der Änderung des §64 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung fallen nunmehr einige Atteste weg, die früher mühsam über das Gesundheitsamt erreicht werden mussten. So können Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel durch eine Verordnung des Arztes belegt werden. Auch Fahrtkosten ins Kinder-Krankenhaus sind beispielsweise anrechenbar.

Pollenallergien

Pollen fliegen inzwischen fast ganzjährig in Deutschland. Nicht an jedem Tag, aber in unserer Region doch jeden Monat des Jahres zumindest einmal. Durch die Klimaveränderungen gibt es beispielsweise eine Belastung mit Haselpollen im Januar regelmässig. Glücklicherweise nur für einige Stunden an einem oder zwei Tagen.

Welche Bedeutung hat das für den einzelnen Allergiker? Können Allergiker sich wirksam davor schützen? Welche Therapien stehen heute zur Verfügung?

Weitergehende Informationen über Allergien gibt die Homepage der PINA e.V., einer Initiative namhafter Kinderallergologen in Deutschland. Der umfassender Beitrag über Pollen ist direkt hier abrufbar: Pollenallergie

Hautausschläge: Urtikaria

Die Urtikaria ist ein Ausschlag wie ihn jeder kennt, der schon einmal in die Brennesseln gefallen ist. Deswegen heißt die Urtikaria in Deutschland aus Nesselsucht.

Die Urtikaria ist meist wie ein Flickenteppich unregelmäßig aufgebaut. Dabei können die Flecken eine unterschiedliche Größe von wenigen Millimetern bis zu über 20 cm Durchmesser haben. Im Zentrum der einzelnen Effloreszenz (als jedes Fleckchens) besteht eine scharf begrenzte, unregelmäßig geformte Erhebung von eher blassem Charakter (die eigentliche “Urtica”). Daran schließt sich eine Rötung im Randbereich an, die selbst wiederum scharf begrenzt ist zur umgebenden gesunden Haut. Hauptkennzeichen der Urtikaria ist der Juckreiz oder Schmerz – bedingt durch Reizung von Nervenfasern. Dieser Juckreiz kann zum Teil heftig sein und Kinder wie Erwachsene extrem beeinträchtigen. Die Nesselsucht oft mit Allergie gleichgesetzt. Allergien stellen zwar eine der vielen Ursachen dar, aber die überwiegende Mehrheit der Nesselsucht tritt aus verschiedenen anderen Gründen auf.

Bei Kindern ist die weitaus häufigste Ursache für eine Urtikaria ein Infekt (meist der Atemwege): Infekturtikaria. Im Verlauf des Infektes, manchmal aber auch einige Tage danach kommt es zur Nesselsucht, die an verschiedenen Körperstellen aufschießt und innert 2-3 Stunden aber auch wieder verschwindet. Typisch ist also das Auf-Und-Ab der Urtikaria, die häufig nur wenige Tage anhält. Diese Form der Urtikaria ist ungefährlich und geht von alleine wieder weg. In der Regel ist nach Diagnosestellung eine symptomatische Behandlung des Juckreizes sinnvoll.

Ein nicht ganz seltene Belästigung geht von Pseudoallergien aus. Die heißen so, weil sie für den Nicht-Spezialisten wie eine Allergie aussehen, aber keine sind. Dabei führen Nahrungsmittel sofort nach Genuss bzw. Kontakt zu Rötung und Nesselsucht. Typisch ist das für die Tomate oder die Erdbeere. Aber auch Inhaltsstoffe anderer Nahrungsmittel können über die Freisetzung von Histamin in der Haut oder Schleimhaut (Histaminliberatoren) zu entsprechenden Beschwerden führen.

Viel seltener ist eine Urtikaria durch eine Allergie bedingt. Nahrungsmittel wie Nüsse oder die Milch können innerhalb weniger Minuten aber auch erst nach einigen Stunden bis Tage nach Verzehr zur Urtikaria führen. Im letzten Fall ist die Diagnose oft schwierig zu stellen und verlangt meist die Expertise eines allergologisch versierten Arztes. Seltenere Auslöser können Medikamente, Umweltreize, Emotionen oder eine Kombination verschiedener Reize sein.

Weitere seltenere Ursachen betreffen Schilddrüsenerkrankungen sowie physikalische Formen der Urtikaria: Urtikaria durch Kälte. Dabei führt der Kontakt zu Kälte (Eiswürfel, kalte Luft im Winter, kalter Wind) zur Nesselsucht an den betroffenen Hautstellen. Oder die cholinerge Urtikaria: Hier löst Wärme (heiße Dusche u.ä.) oder auch psychische Erregung die Nesselsucht aus. Druckurtikaria: Druck auf die Haut führt zu Urtikaria an den gedrückten Stellen. Daneben gibt es verschiedene Formen von Urtikaria, die durch Licht ausgelöst werden wie beispielsweise die polymorphe Lichteruption (die unter dem Begriff Sonnenallergie bekannt ist, aber mit einer Allergie nichts zu tun hat – eine Allergie gegen Sonne gibt es nicht).

Oftmals bleibt die Ursache einer Urtikaria gänzlich unklar. Dies betraf noch 1990 über 50% der Krankheitsfälle, heute ist Aufklärungsquote bei etwa 80% angelangt. Besondere Probleme bereitet bei Diagnose und Therapie die chronische Urtikaria, bei der diese Beschwerden chronisch über Wochen, Monate und Jahre bestehen. Zum Glück ist diese Form der Nesselsucht bei Kindern eine Rarität.

Bereicht vom Kongress der amerikanischen Allergologen (AAAAI)

Letzte Woche fand der Jahres-Kongress der amerikanischen Allergologen (AAAAI) in Atlanta mit über 7000 Ärzten statt. Dort wurden wieder spannende Daten präsentiert, die auch im ärztlichen Alltag von Baden-Württemberg Bedeutung haben.

Ein Schwerpunkt war wieder das “wheezing” – also die pfeifende Atmung, die bei Kleinkindern oft der Vorläufer eines Asthma bronchiale ist. Meist wird das wheezen mit einer Virusinfektionen gleichgesetzt. Die Daten von Christian J. Carlsson aus dem Team um Hans Bisgaard aus Dänemark zeigen jedoch, dass so ein einfacher Zusammenhang nicht besteht. Die Graphik rechts zeigt den Verlauf von pfeifender Atmung: Ausgehend von der Spitze (Zeitpunkt der Entnahme eines Rachenabstrichs) sind die Häufigkeiten vor und nach diesem Maximalpunkt des Keuchens dargestellt: Nachweis ausschließlich von Bakterien (rot), nur Nachweis von Viren (lila), gemischt Bakterien- Viren (grün), kein Nachweis von Erregern (gelb). Die Studie zeigt, dass angebliche “Virusinfekte” oft gar keine sind.

Mehrere Forscher präsentierten jedoch auch Daten, die bestätigten, welch hohen Stellenwert die nachgewiesen viralen Atemwegsinfektionen haben. Der Nachweis vor RS-Viren erhöht das künftige Asthmarisiko, ebenso der Nachweis von Rhinoviren. Erkranken Kinder mit beiden Viren im frühen Kindesalter ist das Risiko für die Entwicklung von Asthma 10 Mal so hoch wie bei anderen Kindern.

In der PRIMA-Studie (Prevention of RSVImpact on Morbidity andAsthma) konnte gezeigt werden, das auch die Gabe von Antibiotika mit der Häufigkeit von Asthma in Verbindung steht. Der Zusammenhang wurde bei der Beobachtung von 136.000 Geburten in Kalifornien (USA) nachgewiesen. Eine Gabe von Antibiotika erhöhte das Risiko (odds ratio von 2.06) auf das Doppelte gegenüber Kindern, die nie Antibiotika bekamen. Jede weitere Gabe von Antibiotika erhöhte das Risiko um jeweils weiter 21%. Unklar ist bis heute, ob Kinder Asthma bekommen weil sie aus bis heute unbekannten Gründen empfindlicher sind (und deswegen öfter auch Antibiotika brauchen) oder ob die Gabe der Antibiotika selbst das Risiko darstellt.

Noch unveröffentlicht ist eine Publikation von Christian Rosas Salazar und Mitarbeitern aus Nashville/ Tennessee in der gezeigt wird, dass ein hoher Anteil an Laktobazillen im Mikrobiom (also im Darm) mit deutlich weniger RS-Virus-Erkrankungen in der Kindheit verbunden ist. Damit könnten theoretisch schon kurze Zeit nach Geburt Kinder mit einem erhöhten Risiko für diese schwere und folgenreiche Krankheit identifiziert werden. Ob die Gabe von Laktobazillen dann auch therapeutisch wirksam wäre, ist eine weitere Frage, die noch länger offen bleiben wird.

In der Summe liegen viele Erkenntnisse vor, die möglicherweise erlauben, gewisse Auslöser von Asthma künftig zu vermeiden und damit die Häufigkeit von Asthma und seinen Folgen bereits im Säuglingsalter anzugehen.

Interessantes vom Allergiekongress

Anfang Oktober 2016 fand der deutsche Allergiekongress in Berlin statt. Einer der Schwerpunkte beleuchtete das aktuelle Wissen über die Anaphylaxie (Allergieschock). Es wurde klare Daten vorgelegt die zeigen, dass das Spektrum der gefährlichen Allergene von Kindern und jungen Erwachsenen sich in wesentlichen Punkten unterscheidet. So zeigen Untersuchungen von Linus Grabenhenrich et al. von der Charitè in Berlin (siehe Graphik rechts), dass bei Kleinkindern (oberer Teil der Darstellung) Kuhmilch und Hühnerei für über 60% aller Allergieschocks verantwortlich sind, während die Nüsse – allen voran die Erdnuss, die biologisch keine Nuss ist –  ihre Bedeutung über die ersten Jahre ausbauen. Bei Erwachsenen hingegen, stehen mit jeweils 20% die Biene und die Wespe im Vordergrund.

In diesem Zusammenhang stellt sich immer wieder die Frage: Können wir erkennen, wer ein besonders hohes Risiko für einen Allergieschock besitzt? Haben wir also Möglichkeiten, diese schweren Anaphylaxien vorherzusehen und eventuell zu verhindern? Die Möglichkeiten bestehen in der Tat für viele Allergene. In den letzten Jahren kamen immer mehr diagnostische Möglichkeiten auf dem Gebiet der molekularen Diagnostik hinzu. Für die Erdnuss bestehen hier sicher die besten Daten, aber auch andere Nüsse oder Nahrungsmittel wie Fisch lassen sich immer besser in ihrer Bedeutung einordnen. Die Diagnostik vermag dabei zu unterscheiden, ob die allergische Reaktion eher aus einem Halskratzen oder Schocksymptomen bestehen wird.

Trotz aller Fortschritte, bleibt die spezifische Immuntherapie (SIT) noch immer die beste und einzig ursächliche Therapie, um Allergien langfristig zu behandeln. Placebo-Studien – also solche, die mit Einverständnis des Patienten Scheinmedikamente spitzten – konnten zeigen, dass das Risiko für die Entwicklung eines Asthma durch eine SIT um 45% verringert werden konnte. Medikamente kommen an diese Werte nicht heran.

Manches bleibt also bei alten – die spezifische Immuntherapie als seit über 100 Jahren beste Therapie bei Allergien. Anderes hat sich geändert. Wir unterscheiden heute, ob die Allergie eher zu lästigen Symptomen (Ausschlag, Katzen im Hals u.a) oder zu schwerem allergischen Schock führen wird. Für uns Ärzte ist es wunderbar, den Patienten inzwischen klarer beraten zu können.

 

Mittelohrentzündung beim Kind

Langsam beginnt der Herbst. Und mit ihm kommen wieder Infektionen auf, die die letzten Monaten kaum eine Rolle spielten. Allen voran die Mittelohrentzündung.

Das Mittelohr dient der Übertragung und Schallverstärkung vom Trommelfell auf das Innenohr (Cochlea). Wie im Schaubild rechts erkennbar, beginnt das Mittelohr mit dem Trommelfell, wodurch es zum Gehörgang abgegrenzt ist. Im gesunden Zustand ist das Mittelohr luftgefüllt, so dass die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) den vom Trommelfell durch Schwingungen aufgenommenen Schalleffekt ohne wesentlichen Widerstand verstärken und an das Innenohr weitergeben können. Um die Belüftung des Ohres sicherzustellen gibt es die Ohrtrompete (Eustach’sche Tube), ein schlauchförmiges Gebilde, das eine Verbindung vom Mittelohr zur Rachenhinterwand darstellt.

Entzündungen des Mittelohres (Otitis media) sind eine extrem schmerzhafte Erfahrung für Kinder und betroffene Erwachsene. Etwa ein Drittel aller Kinder macht diese Erfahrung nicht, ein weiteres Drittel gelegentlich und immerhin fast jedes dritte Kind leidet unter häufigen Entzündungen des Mittelohrs. Diese Entzündungen können durch Viren (seltener) und Bakterien verursacht werden. Dabei gibt es viele Erreger, die in Frage kommen:

  • Pneumokokken: Seit Einführung der Impfung von über 10 Jahren gegen diesen Erreger ist die Häufigkeit von Mittelohrentzündungen nach Studienlage um mehr als 10-20% zurückgegangen
  • Hämophilus influenzae: Auch hier gibt es seit fast 25 Jahren einen Impfstoff, der Teil der 5- bzw. 6-fach-Impfung für Säuglinge ist.
  • andere: Streptokokken, Staphylokokken, Moraxella

Die bakteriellen Erreger sind die eine Seite der Problematik. Ob die Baktieren zum Problem werden, hängt oft von weiteren ursächliche Faktoren ab:

  • Immunitätslage: Es gibt einige Kinder mit leichteren Immundefiziten wie z.B. IgG2- und IgG4-Mangel, die ein höheres Risiko für Mittelohrentzündungen tragen. Bei Kindern mit häufigen Erkrankungen, wird nach diesem Problem gefahndet. Sollte sich eine solche Konstellation herausstellen, wird der Einsatz von Antibiotika großzügiger gehandhabt. Im Verlauf des Kindesalters verliert sich das Problem in aller Regel.
  • anatomische Probleme: bei sehr engen Ohrtrompeten (sog. Tubenbelüftungsstörung) lässt sich oft die Einlage eines Paukenröhrchens nicht vermeiden, um den Abfluß der – krankhaften – Flüssigkeit im Mittelohr zu gewährleisten. Auch hier kommt es über die Jahre zu spontaner Abheilung, so dass diese Maßnahme nur vorrübergehend erforderlich ist.
  • sog. Polypen (adenoide Vegetationen). Manche Kinder neigen zu einem überschüssigen Gewebe der Rachenmandel, die die Belüftung des Rachenraums behindert und häufig auch zur Verlegung der Ohrtrompete führt. Hier ist eine Operation (“Polypen-OP” – Adenektomie) die Lösung
  • Rauchen in der Umgebung erhöht das Risiko für Mittelohrentzündungen erheblich. “Einfach” das Rauchen in der Wohnung, im Auto und überall wo Kinder sind einstellen.
  • Allergien können über die Schleinmhautschwellungen der oberen Atemwege häufige Mittelohrentzündungen mitverursachen. Das häufigste Allergen sind die Hausstaubmilben (Dermatophagoides pteronyssinus u.a.)
  • erbliche Faktoren: Eltern, die selbst häufig Mittelohrentzündungen hatten, erleben das gleiche Thema häufiger auch bei ihren eigenen Kindern. Dabei spielen viele Faktoren zusammen, wie beispielsweise enge Ohrtrompeten u.a.

Die Mittelohrentzündung geht manches Mal parallel mit dem Krankheitsbeginn: Kinder werden müde, bekommen Fieber und Schnupfen und innert weniger Stunden massive Ohrschmerzen. In anderen Fällen folgt der Schmerz einem bestehenden Infekt nach 2-4 Tagen. In diesem Fall ist es so, dass sich die Mittelohrentzündung erst auf dem Boden der krankheitsbedingten Verschwellungen entwickelt.

Die wichtigste Therapie ist zunächst die konsequente Behandlung des Schmerzes. Schmerz ist schrecklich und kann beispielsweise mit Ibuprofen sicher behandelt werden. Parallel sind Umschläge (z.B. Zwiebelsäckle aufs Ohr) gerade für grössere Kinder eine angenehme Hilfe. Die Gabe von Antibiotika lässt sich bei Kindern unter 2 Jahren eher selten umgehen, im späteren Alter schaffen es wiederum über 80% der Kinder, unter kinderärztlicher Beobachtung die Mittelohrentzündung ohne diese Medikamente zu besiegen.

Eine ärztliche Untersuchung bei Ohrschmerz ist grundsätzlich wichtig. Die erste Maßnahme ist die Schmerzbehandlung.

Bildnachweis: http://www.onmeda.de/krankheiten/mittelohrentzuendung.html