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Welche Krankheiten beschäftigen Eltern?

Macht es Sinn Ihnen als Eltern zu sagen, vor welchen Krankheiten Ihrer Kinder Sie sich fürchten? Nach einigem Zögern will ich Ihnen dennoch die Studie der DAK (Deutsche Angestellten Krankenkasse) kurz vorstellen. Wenn Sie die Ergebnisse im Detail sehen möchten, klicken Sie bitte auf “Studie”.

Erfreulich ist zunächst, dass 95% der befragten Eltern die Gesundheit ihrer Kinder als “sehr gut” und “gut” einschätzten. Es findet offensichtlich keine Dramatisierung statt, auch wenn Eltern oft Grund zu Angst haben, wenn sie die Schreckensnachrichten in Medien präsentiert bekommen. Ängste und schlechte Nachrichten verkaufen sich nun mal besser. Oder: Gute Nachrichten – außer beim Fußball – erscheinen eher öde.

Die Hauptsorge von Eltern im Jahre 2015 ist, dass das eigene Kind an Neurodermitis erkranken könnte (27%). Danach folgen Asthma bronchiale und Diabetes, wie schon in der Untersuchung von 2008. Nur war damals die Sorge vor ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität) auf Platz 1, die jetzt auf Platz 4 rangiert (von 44% auf 20%). In der Wahrnehmung hat sich also etwas geändert. Man ist besser informiert über ADHS und hat damit weniger diffuse Ängste. Neurodermitis hingegen betrifft oft schon Säuglinge, der Juckreiz kann quälend sein. Vermutlich ist es die gefühlte Hilflosigkeit gegenüber dem eigenen Kind, vor der Eltern sich ängstigen.

Impfung und Angst

In brand eins Wissen (Ausgabe 03/0) beleuchtet Bernhard Bartsch das Thema Impfungen und warum die Kluft zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern so groß ist. Im Folgenden finden sie den letzten Teil dieser Abhandlung die klar macht, dass es um viel Psycholologie geht. 

Die Ironie ist verständlich, dürfte allerdings kaum dazu geeignet sein, Impfskeptiker auf die andere Seite zu ziehen. Denn die Diskussion wird nicht nur in der Arena wissenschaftlicher Argumente ausgetragen, sondern auch im Unterbewusstsein. Dort entfalten die Warnungen der Kritiker starke Wirkung, wie Cornelia Betsch, Expertin für empirische Verhaltensforschung an der Universität Erfurt, herausgefunden hat.

In einem Experiment untersuchte die Wissenschaftlerin, wie Frauen auf Impfkontroversen im Internet reagieren. Zunächst wurde den Testpersonen eine Impfwerbung vorgespielt, angelehnt an die Kampagnen der Gesundheitsbehörden. Einigen Müttern wurde dabei ein sogenannter Furcht­appell gezeigt („Masern können zu geistiger Behinderung führen!“), anderen eine Präventionsaufforderung („Kommen Sie den Masern zuvor!“).

Im Anschluss sollten sich die Mütter vorstellen, im Netz um Rat bei der Impfentscheidung für ihre Kinder zu fragen.

In einem simulierten Onlineforum wurden ihnen zehn Antworten zugespielt. Sieben berichteten von einem problem­losen Impfverlauf, drei von mittelschweren Komplikationen wie Diabetes. Das Experiment dauerte zehn Minuten, und als die Testmütter anschließend nach ihrer Einstellung befragt wurden, war das Bedrohungsgefühl durch Impfungen deutlich gestiegen. Die Angst, das Kind könne im Fall der Nicht­impfung an Masern erkranken, hatte hingegen nicht zugenommen. Im Gegenteil: Die Warnung, Masern könnten zu geistiger Behinderung führen, erhöhte sogar das wahrgenommene Impfrisiko.

Betsch führt dies auf eine „Quellenkonfusion“ zurück: Die Information hinterlässt ein negatives Gefühl, dessen Herkunft nicht mehr verortet wird. Und weil Menschen außerdem grundsätzlich mehr Angst haben, etwas Falsches zu tun, als etwas Richtiges zu unterlassen, wird das Risikoempfinden eher auf die Impfung übertragen als auf die damit verhin­derte Krankheit.

Entscheiden über die Ausrottung von Krankheiten wie Masern am Ende also nicht Vernunft und Medizin, sondern die menschliche Psyche, die Impfrisiken im Zweifel höher einschätzt als Erkrankungsrisiken? Wissenschaftlich gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, an Masern zu erkranken und eine Hirnentzündung zu bekommen, tausendmal größer als das Risiko, einen Impfschaden zu erleiden. Doch der Mensch ist, wie er ist. Und deshalb wird die WHO ihr Ziel, die Masern 2015 für besiegt zu erklären, nicht erreichen.