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Typischer Hautausschlag im Sommer: Photodermatitis

Im Sommer gibt es manche Hautausschläge, die so im Winter nicht vorkommen. Dazu gehört die Raupendermatitis, die wir im praxisblättle vom Juni vorgestellt hatten.

Ein anderer ist die sog. Photodermatitis. Auslöser hierfür sind Stoffe, die in der Natur vorkommen und chemisch als Furocumarine bezeichnet werden. Kommen diese auf die Haut und werden dort einer UV-Strahlung ausgesetzt, lösen sie eine Entzündungsreaktion aus, die an eine Verbrennung denken lässt (siehe Bild rechts, vor zehn Tagen in der Praxis aufgenommen).

Wo kommen Furocumarine vor?

Eine wesentliche Quelle sind verschiedene Pflanzen bzw. deren Saft aus Stängeln und Blättern:

  • Wiesenbärenklau
  • Engelwurz
  • Feigenbaum
  • einzelne Efeuarten
  • aber auch: Tetracycline (Antibiotika)

Gerade Stängel sind für Jungen – sie sind deutlich häufiger von diesem Ausschlag betroffen als Mädchen –  interessant. Sie nutzen sie Blasinstrument, um Kügelchen in die Umgebung zu schießen. Bei weiterem Aufenthalt in der Sonne kommt es dann zu starken und extrem unangenehmen Hautblasen auf den Lippen.

Therapie?

In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden. In Abhängigkeit von der Größe der Hautblasen und der betroffenen Körperregion erfolgt die Therapie.

Raupendermatitis

Nun ist wieder die Zeit für die Raupenspinnerdermatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Haut ausgelöst durch die “Brennhaare” der Eichenprozessionsspinner.

Die Raupen des Eichenprossionsspinners tragen mit jeder weiteren Stufe der Larvenbildung vermehrt der sog. Brennhaare. Das sind feine Härchen, die Widerhaken enthalten. Schon bei leichter Berührung fallen diese ab und können im Luftstrom lange Strecken zurücklegen.

Die häufigste Folge ist eine Hauterscheinung, die durch das Festhaken dieser Härchen an den unbedeckten Hautarealen auftritt. Die Ausschläge können verschiedene Ausprägung haben und werden meist durch mechanische Reizung ausgelöst. Die ersten Symptome mit Hautjucken beginnen nach weniger Minuten, die Hautreizung nimmt 1 – 2- Stunden später weiter zu. Knötchenbildung setzt meist nach 6 Stunden ein. Es sind auch Allergien möglich, für die bereits 7 verschiedene Allergene identifiziert wurden.

Therapeutisch ist ein sofortiger Wechsel der Kleidung (ggf. unter Nutzung von Handschuhen) wichtig. Dann kann versucht werden, mit Klebeband Brennhaare von der Haut zu entfernen. Im Anschluss ist ein Duschbad mit Haarwäsche sinnvoll. Medikamentös können Antihistaminika (wie Cetirizin) eingesetzt werden.

Viele Fragen zu diesem Krankheitsbild sind noch nicht geklärt, da sich die Prozessionsspinner erst in den letzten Jahren bei uns ausgebreitet haben und der Bekanntheitsgrad der Erkrankung noch gering ist.

Bildquelle: http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2016/05/eichenprozessionsspinner0.html

Kinderkrankheiten (1): Windpocken

Was früher den Alltag von Eltern schmerzlich mühsam machte, ist fast aus dem Blick geraten: Kinderkrankheiten. Als solche bezeichnet man Krankheiten, die einmal im Leben durchgemacht werden und dann nicht mehr auftauchen. Und da die Menschen früher sehr eng zusammenlebten und sich schnell ansteckten, tauchten die Krankheiten sehr früh – also im Kinderalter – auf.

Das stimmt heute so nicht mehr. Wir leben heute meist nicht mehr eng aufeinander. Dadurch hat sich das Infektionsrisiko vermindert. Zum anderen gibt es Impfungen, die die meisten Kinderkrankheiten in Deutschland zu seltenen Ereignissen gemacht haben. Aber: da wir deutlich länger leben, können die angeblichen Kinderkrankheiten im Alter erneut auftauchen. Der Schutz reicht häufig eben nicht für 95 Jahre.

Mit diesem Beitrag über die Kinderkrankheit Windpocken leiten wir eine kleine Serie ein, die fortgesetzt wird. Der nächste Beitrag wird sich im Februar 2017 mit dem Keuchhusten beschäftigen.

Die Windpocken sind ein gutes Beispiel für eine hoch ansteckende Viruserkrankung. Der Erreger ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das auch für die Gürtelrose verantwortlich ist. Vor der Impf-Ära erkrankten in Deutschland etwa 750.000 Menschen pro Jahr. Die Zahl ging bis zum Jahr 2015 auf 23.130 Fälle (gemeldete Erkrankungen beim Robert-Koch-Institut) deutlich zurück. Seit 2009 werden zwei Impfungen empfohlen. Damit konnte die Rate der Erkrankungen nochmals deutlich gesenkt werden. Die Windpocken sind in aller Regel sehr lästig, aber in der Nachschau eher harmlos. Dennoch können Komplikationen (siehe weiter unten) und Todesfälle (in 2015: 3) auftreten.

Die Windpocken heißen deswegen so, weil sich die Erreger nicht nur per Tröpfcheninfektion (also aus der Nähe) übertragen, sondern teilweise mit dem “Wind” über weitere Strecken. Auf diese Art sind Ansteckungen in grösseren Räumen (z.B. Einkaufsmärkten, U-Bahnen und Bussen) möglich. Nach einer Inkubationszeit von meist 14 Tagen (frühstens nach 10 Tagen, spätestens nach 21 Tagen) tritt zunächst ein leichter Schnupfen und etwas Fieber (um 38-39 Grad) auf. Kurz danach beginnt der Ausschlag im Kopfbereich (auch im Bereich der Haare!) und wandert von dort nach unten (siehe Bild rechts mit dem typischen “Sternhimmelmuster”).

Wenn die ersten Bläschen an den Beinen ankommen, sind die Flecken im Gesicht bereits verschorft und damit nahezu frei von Ansteckung. Diese beginnt bereits 1-2 Tage vor Ausbruch des Ausschlages und hält an bis das letzte Bläschen abgetrocknet und verschorft ist. Das dauert meist eine Woche (bis zu 10 Tagen).

Windpocken können in einzelnen Fällen auch zu Komplikationen führen. Bei Kindern sind das vorwiegend Mittelohrentzündungen und sehr selten auch Lungenentzündungen. Auch eine Entzündung des Gehirns (Encephalitis) ist möglich, aber selten.

In der Regel wird das Krankheitsbild durch den massiven Juckreiz geprägt. Gebessert wird dieser durch die lokale Therapie mit adstringierenden Mitteln (z.B. Tannosynth© Lotio), die auf pflanzlicher Basis zum schnelleren Abtrocknen der Bläschen beitragen. Daneben werden zur Nacht auch innerliche Medikamente (Cetirizin; Fenistil©-Tropfen)angewandt, um den Juckreiz noch weiter zu senken.

Wegen der hohen Ansteckung ist es wichtig, gewisse Menschen nicht in Gefahr zu bringen. Aus diesem Grunde sollten folgende Personen streng geschützt werden:

  • Schwangere (besonders die, welche kurz vor der Geburt stehen und keinen Schutz gegen Windpocken aufweisen)
  • Immungeschwächte (Menschen unter Chemotherapie)
  • alle Krankenhauspatienten (niemals ein Krankenhaus aufsuchen!)
  • alle Orte, an denen sich Risikopersonen aufhalten könnten (z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Versammlungen)

Gesunde Kinder nach dem ersten Lebensjahr brauchen nicht geschützt zu werden. Für sie ist es günstig, früh einen Schutz zu bekommen. Entweder durch die Impfung (zweimalig) oder – wenn diese nicht gewünscht ist – durch den direkten Kontakt. Im letzteren Falle macht es durchaus Sinn, sich die Ansteckung gezielt bei einem betroffenen Patienten abzuholen. Je jünger die Kinder Erkranken (nach dem ersten Geburtstag) umso besser. Ab der Pubertät sind Windpocken sehr unangenehm und auch gefährlicher.

Die Impfung gegen Windpocken wird von den Kinderärzten in der Regel angeboten. Empfohlen ist sie mit Beginn des 12. Lebensmonates (unter spezifischen Bedingungen bereits ab dem 9. Monat). Die erste Impfung hinterlässt einen Schutz von etwa 65%, nach der zweiten liegt er dann über 90%.

Hautausschläge 1: Drei-Tage-Fieber

An dieser Stelle folgen nun weitere wichtige Exantheme. Wie bereits im letzten Beitrag beschrieben handelt es sich bei den Exanthemen um Ausschläge, die im Rahmen einer allgemeinen Krankheit auf der Haut „blühen“. Es sind also neben dem Ausschlag weitere Symptome vorhanden. Die Ausschläge sind somit die äußerlich sichtbare Form einer Erkrankung.

Exanthema subitum (Drei-Tage-Fieber)

Diese Erkrankung ist sehr ansteckend. Deswegen ist sie wohl den meisten von Ihnen schon bekannt. Die meisten Kinder machen diese Infektionskrankheit bereits in den ersten beiden Lebensjahren durch. Erreger ist das Humane Herpesvirus 6.

Das Dreitagefieber beginnt immer mit Fieber. Meist ist es sehr hoch und erreicht Temperaturen über 40 Grad, nicht wenige Kinder sind sehr beeinträchtigt. Bei der Untersuchung findet der Kinderarzt nur einen roten Rachen und meist nicht viel mehr. Und nach 2 Tagen (2 – 4 Tagen) wird dann alles klar: Das Fieber verschwindet innert weniger Stunden und mit ihm taucht der Ausschlag auf, der sich hauptsächlich am Körperstamm zeigt und nicht juckt. Dieser Ausschlag ist manches Mal nur wenige Stunden da, meist hält er 1-2 Tage an. Die Flecken am Stamm sind 3-5 mm groß.

Die Immunität nach dieser Erkrankung hält nach heutigem Wissen lebenslang an.

 

Hautausschläge

Hautausschläge sind ein häufiges Phänomen bei Kindern und Jugendlichen. Sie zeigen sich in verschiedenen Variationen und können teilweise schwierig zu beurteilen sein.

Andererseits bekommen Sie als Eltern und wir als die behandelnden Kinderärzte ein sichtbares Zeichen, das uns helfen kann, eine Krankheit besser oder überhaupt zu verstehen. Und dies, ohne zu picksen oder sonstige Maßnahmen. Einfach hinschauen!

Aber das will gelernt sein, denn die Haut kann mit sehr abwechslungsreichen Veränderungen reagieren. Dazu zählen unter anderem:

* die Papel: eine Erhabenheit (Schwäbisch: “Böppele”)

* die Vesikel: ein Bläschen (siehe nebenstehendes Bild), wenn grösser: Bulla: Blase

* die Macula: umschriebene Farbänderung der Haut

* das Erythem: eine Rötung

Für nicht geschulte Laien ist die Abgrenzung solcher Zeichen oft schwierig. Um die Ausschläge Ihnen etwas näher zu bringen, starten wir nun eine Serie. Jeden Montag werden Sie über die kommenden Monate einen neuen Ausschlag hier vorgestellt bekommen.