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Labiensynechie – die Verklebung der kleinen Schamlippen

Die Verklebung der kleinen Schamlippen ist ein recht häufiges Phänomen im Säuglings- und Kleinkindesalter. Dabei verkleben die kleinen Schamlippen (in der Graphik rechts die seitliche Begrenzung der ovalen Fläche, die als Ganzes die Vulva darstellt). Der Kontakt zwischen den kleinen Schamlippen kommt durch die  Ausbildung eines zunächst zarten, im weiteren Verlauf aber durchaus derben Häutchens (Graphik: dunkelrot unterhalb des roten Punktes, der die Harnröhre darstellt) zustande. Diese Verklebung – medizinisch Vulvasynechie genannt –  bereitet meist keine erkennbaren Beschwerden und wird häufig erst bei einer Vorsorgeuntersuchung bemerkt und hierbei gelegentlich als genitale Fehlbildung fehlinterpretiert.

Eigentlich wäre diese Verklebung nicht weiter schlimm, würde sie nicht zu Problemen beim Wasserlassen (Miktion) führen. Je nachdem wie die Vulvasynechie ausgebildet ist führt sie in den meisten Fällen dazu, dass der Harnstrahl nicht direkt aus der Harnröhre ins Freie gehen kann, sondern an dem Häutchen zwischen den Schamlippen abprallt. Er wird dann entweder nach oben oder unten umgeleitet und kann hierbei Infektionen im Genitalbereich oder in den Harnwegen auslösen. Unbehandelt können also auch Blasenentzündungen als Folgeerscheinung auftreten.

Wie kommt es zu diesen Verklebungen?

Bei den meisten Mädchen mit dieser an sich harmlosen Störung liegt ein altersentsprechend normaler, aber geringer Hormongehalt an Östrogenen vor. Dadurch sind die Schleimhäute eher trocken und anfälliger. Dieser leichte Reizzustand wird teilweise durch ungünstige Pflege (häufige Anwendung von Salben; Pflegetücher) weiter verschlimmert. Daraus entstehen dann die Verklebungen. Bei anderen Mädchen ist die Ursache eine Autoimmunerkrankung, die die Verklebung begünstigt: Lichen sclerosus et atrophicus. Diese Erkrankung gibt es auch bei Jungen; dort ist sie einer der Gründe für die Vorhautverengung (Phimose).

Kann die Vulvasynechie behandelt werden?

Die Behandlung ist für den erfahrenen Kinder- und Jugendarzt bzw. auch den Frauenarzt nicht schwierig. Über eine kurze Zeit wird eine meist hormonhaltige Salbe aufgetragen die dazu führt, dass sich die Verklebung meist von alleine löst.

Kann man vorbeugen?

Ja, das ist sogar sehr wichtig. Oftmals besteht große Unsicherheit, wie das weibliche Genitale zu pflegen sei. Dabei ist das einfacher als gedacht. Zunächst: keine Salben regelmässig im Genitalbereich auftragen. Das tut einer gesunden Haut und besonders einer Schleimhaut nicht gut. Zur Hygiene des äußeren Genitales bedarf es nur Wasser. Am besten wird das Genitale durch die nasse Hand der Mutter bzw. des Mädchens selbst von Sekretresten gereinigt. Am günstigsten ist das tägliche Wannenbad bzw. die Dusche bei bereits älteren Mädchen ohne Anwendung von Schaum- oder Duschbädern. “Der häufige Gebrauch von Feuchttüchern, Waschlappen und Seife scheint die Entstehung der Vulvasynechie zu fördern”, wie M. Heinz, Kindergynäkologin aus Berlin in einer Publikation feststellte.

Und die Pflege des Genitales bei Säuglingen?

Auch in diesem Falle braucht man nur warmes Wasser. Dieses tränkt man bei jedem Wickeln mit Wattebäuschchen und wischt mit diesen den Schmutz ab. Das einmal benutzte Wattebäuschchen wird jeweils verworfen und ein neues für den nächsten Waschgang verwendet. Dadurch erfolgt eine sehr hygienische Pflege, die dem Waschlappen deutlich überlegen ist. Dieses Vorgehen wird von Schweizer Hebammen schon lange propagiert und sollte auch bei uns Anwendung finden. So sehr für uns Deutsche der Waschlappen Inbegriff von Hygiene ist – für Säuglinge ist er nicht ausreichend hygienisch und sollte keine Anwendung mehr finden.

Schilddrüsenentzündung

Die Schilddrüsenentzündung (medizinisch: Thyreoiditis) vom Typ Hashimoto ist eine entzündliche Erkrankung der Schilddrüse, die in jedem Alter vorkommen kann. Häufig beginnt sie jedoch im Jugendalter. Ihr liegt eine Fehlfunktion des Immunsystems zugrunde, das Antikörper (Abwehrstoffe) gegen die eigene Schilddrüse aufbaut. Der Körper greift sich also selbst an: Autoimmunerkrankung. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Form einer solchen  Autoimmunerkrankung und betrifft nahezu 5% der Bevölkerung, meist Frauen (etwa 8 mal häufiger als Männer).

In vielen Fällen bestehen keine oder nur schwache Symptome, so dass die Erkrankung im Anfang oft unentdeckt bleibt. Das ist auch verständlich, wenn man an Beschwerden wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, erhöhte Kälteempfindlichkeit oder Gewichtszunahme denkt. Diese kommen – gerade in der Pubertät – auch ohne organische Krankheit vor. Sollten solche Symptome jedoch länger anhalten, ist es immer sinnvoll nach einer Thyreoiditis zu fahnden, um langfristigen Schaden abzuwenden.

Die Diagnose wird in aller Regel über eine Ultraschalluntersuchung gestellt. Dort zeigt sich typisch “unruhiges Muster” der Schilddrüse wie im obigen Bild dargestellt. Im Normalfall wäre die Schilddrüse homogen-gräulich zu sehen. Neben dem Ultraschall ist die Laboruntersuchung eine weitere Stütze zur Klärung der Diagnose. Dabei kann untersucht werden, inwieweit eine Unterfunktion (TSH, fT3 und/ oder fT4) vorliegt und wie hoch die Autoantikörper (z.B. TPO-AK; Antikörper gegen Thyreoperoxidase) liegen. Nur selten tritt auch eine Überfunktionen im Rahmen dieser Erkrankung auf.

Durch eine Hormontherapie mit Thyroxin (z.B. L-Thyrox) kann eine Unterfunktion der Schilddrüse ausgeglichen werden, so dass die beschriebenen Symptome verschwinden. Damit können auch langfristige Schäden wie eine Wachstumsstörung vermieden werden. Den Krankheitsprozess selbst kann man bis heute jedoch nicht stoppen, d.h. den Angriff der Autoantikörper können wir nicht aufhalten. Dieser Prozess kommt irgendwann selbst zum Stillstand, im schlimmsten Falle, wenn die Schilddrüse durch die Antikörper zerstört wurde (was aber nur selten eintritt). Die Gabe von Jodid ist nicht sinnvoll, weil Jodid den Entzündungsprozess eher anfeuert.

Die Untersuchung aller Jugendlicher auf diese Erkrankung wird bei uns im Rahmen der Jugendgesundheitsberatung (J1) bzw. U11 durchgeführt. Wir bieten in diesem Rahmen eine Blutuntersuchung an und führen regelmässig eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durch. Dabei entdecken wir die Krankheit meist schon in einem frühen – symptomlosen – Stadium.

Zoeliakie

Nahrungsmittelunverträglichkeiten scheinen an Häufigkeit zuzunehmen, wobei besonders die Beschwerden gegen Weizen eine zunehmende Rolle spielen. Drei Erkrankungen stehen hierbei im Vordergrund: Die Zoeliakie (CD), die nicht-zöliakische Glutenunverträglichkeit (NCGS) und die Weizenallergie.

Die Zoeliakie (englisch: celiac disease – CD) ist eine Autoimmunerkrankung, die durch allergische Mechanismen gegenüber Gluten mit einer Entzündung der Darmschleimhaut verbunden ist (siehe nebenstehendes Bild; Quelle: HN Guss). In den westlichen Ländern sind etwa 1% der Bevölkerung betroffen mit deutlichen Unterschieden in Europa. Diese reichen von 0.3% in Deutschland bis zu 2.4% in Finnland. In ärmeren Ländern nimmt die Erkrankung in dem Maße zu, in dem die dortigen Grundnahrungsmittel Reis oder Mais durch Weizen (“Big Mac”) ersetzt werden. Insgesamt gibt es bis heute viele Menschen, bei denen die Diagnose nicht bekannt ist.

Bei Kindern können in frühen Lebensjahren anhaltende Durchfälle, Bauchkrämpfe und letztlich eine Gedeihstörung auf die Diagnose hinweisen. Es gibt aber auch viele Betroffene, die “nur” Bauchschmerzen ohne sonstige Auffälligkeiten haben. Ein Eisenmangel kann ebenfalls ein Hinweis sein.

Der Verdacht auf die Zoeliakie lässt sich mit inzwischen deutlich verbesserten Labortests recht gut erhärten. Dennoch ist es in den meisten Fällen erforderlich, über eine Biopsie die Diagnose zu sichern. Das ist wichtig, weil sich im Rahmen der Zoeliakie schwerwiegende Folgeerkrankungen entwickeln können. Diese lassen sich durch eine spezifische Diät verhindern. Diese muss jedoch lebenslang erfolgen. Das kann nur durchgehalten werden, wenn die Diagnose eindeutig ist und der Patient von der Diät spürbar profitiert.