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Gelbfieber in Brasilien

In Brasilien trat im Januar ein Gelbfieberausbruch im Bundesstaat Minas Gerais auf. Dieser hat sich in den letzten Monaten auf die angrenzenden Bundesstaat ausgeweitet, so dass die Situation etwas unübersichtlich ist. Von bislang berichteten 721 Erkrankungen (Stand Ende Juni 2017) sind bereits 150 Betroffene verstorben.

Die WHO empfiehlt inzwischen allen Reisenden nach Brasilien die Impfung gegen Gelbfieber. Dies sei auch für Gegenden sinnvoll, aus denen bisher keine Erkrankungen gemeldet wurden.

„Es ist damit zu rechnen, dass die Ein- und Ausreisekontrollen der Gelbfieber-Impfung für Reisende in Brasilien wieder aktuell verschärft werden“, berichtet Prof. Dr. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin: „Derzeit raten wir allen Brasilien-Reisenden, sich bis spätesten zehn Tage vor der Einreise gegen Gelbfieber impfen zu lassen und sich vor Antritt ihrer Reise bezüglich der Umsetzung und Handhabung der Kontrollen an den Grenzen bei einem Reisemediziner zu informieren.“ Darüber hinaus sollten alle Maßnahmen ergriffen werden, um Mückenstiche zu vermeiden (Anwendung von Repellentien mit dem Inhaltsstoff DEET).

Weitere Informationen zum Thema Gelbfieber finden Sie auch in einer früheren Ausgabe des praxisblättle.

Was geht rum? 08. April 2017

Das insgesamt angenehme Wetter sorgte dafür, dass die Kinder in der letzten Woche mehr draußen sein konnten.

Die erste Folge war, dass die Infekte weiter auf dem Rückmarsch sind. Noch immer erkranken jedoch Kinder und Jugendliche aller Altersklassen an Mittelohrentzündung. Daneben sehen wir leichte Racheninfekte und viele unspezifische Infekte mit starken Bauchschmerzen. Zwei Fälle von Scharlach traten auf, ansonsten keine weiteren Kinderkrankheiten.

Die zweite Folge des frühlingshaften Wetters: Häufigere Verletzungen. Die Kinder sind nach einem langen Winter nicht mehr in Übung. Dadurch springen sie manches Mal zu schwungvoll von der Schaukel oder zu ausgelassen auf dem Trampolin. Die Folgen: Schlüsselbeinbrüche (zwei in dieser Woche), einige Bänderzerrungen (Distorsionen) und viele kleinere Blessuren.

Und. Wir haben erste Zecke bei einem Kleinkind entfernt.

In Brasilien sind viele Gelbfiebererkrankungen aufgetreten. Aus diesem Grund haben einige Länder die Einreisebestimmungen geändert. Reisende, die das Glück haben nach Kuba oder auf die Bahamas reisen zu dürfen, sollten sich vorab informieren.

Was geht rum? 01. April 2017

Nein, ein Aprilscherz ist das praxisblättle nie. Aber passen Sie dennoch auf, was man Ihnen heute so an Informationen anbietet. Der Frühling ist da, die Kleidung wird luftiger. Das Bild rechts zeigt allerdings die Mode von 1971. Eigentlich sind es Schnittmuster. Damals war schicke Kleidung nicht so billig zu haben wie heute und handwerkliches Geschick war gefragt, wenn man trotz kleinem Geldbeutel gut rauskommen wollte.

Trotz des “Märzsömmerlis” (Schweizer Meteo) in der letzten Woche, sind die Infektionen nicht spürbar zurückgegangen. Weiterhin traten Mittelohrentzündungen, eitrige Angina (Streptokokkenangina) und einzelne “Sommergrippen” (Herpangina) auf. Vorgestern musste die erste Zecke entfernt werden. Sie ließ sich problemlos rausstreicheln.

Schwierig waren die wenigen Erkrankungen an Magen-Darm-Grippe, die allesamt heftig waren – teilweise wegen des Erbrechens, teilweise wegen des Durchfalls. Aber besonders auffällig waren die Schluckschmerzen, so dass von den Eltern viel Fantasie und Überredungskunst abgefordert wurde, um ihren Kindern ausreichend Flüssigkeit zukommen zu lassen.

Die Natur erblüht zusehends. Nun stehen bei uns die Pappeln in der Blüte. Dennoch halten sich die allergischen Beschwerden noch im Rahmen. Das wird sich ändern, wenn die Birke zeigt, was sie kann.

Und was ist in der Welt los? In der Schweiz wurden zuletzt bei über 50 Personen Masern festgestellt. Ein Mensch verstarb daran (erster Todesfall seit 2009 in unserem Nachbarland). In Brasilien gibt es weiterhin viele Erkrankungen an Gelbfieber mit noch deutlich höherer Todesrate.

 

Reisemedizin: Gelbfieber in Brasilien, Tollwut in Indonesien

Im Lauf des Januar 2017 wurden in Brasilien 550 Verdachtsfälle und 105 Todesfälle durch Gelbfieber in den Bundesstaaten Minas Gerais, Espirito Santo, Sao Paulo, Bahia, Goias, Mato Grosso do Sul und dem Distrito Federal gemeldet. Damit ist Gelbfieber in Brasilien – wo es in den letzten Jahrzehnten nur vereinzelte Fälle gab – in den Fokus gerückt. Für alle Reisenden in die genannten Regionen wird eine Gelbfieberimpfung empfohlen. Diese ist nur einmal im Leben erforderlich. Alle, die bereits einmal gegen Gelbfieber geimpft wurden, brauchen keine erneute Impfung. In unserer Praxis (Reisemedizin) bieten wir Gelbfieberimpfungen an.

Auch Bali in Indonesien ist wieder im Fokus wegen der Tollwut (Rabies). Dort sind im Bezirk Tabanan zuletzt 6 Menschen von einem tollwütigen Welpen gebissen worden. Alle Betroffenen wurden behandelt. Seit Auftreten der ersten Fälle im November 2008 sind auf der Insel schätzungsweise 170 Menschen an der Infektion gestorben. Eine Impfung gegen Tollwut sollte vor einer Reise besonders Rucksacktouristen empfohlen werden. Weiterhin muss von einem Mangel an Immunglobulinen gegen Rabies (“Antiserum”) ausgegangen werden.

ZIKA-Virus (von Dr. Burkhard Rieke, Aachen)

Gegenwärtig gibt es große Verunsicherung bei den Menschen in Bezug auf die große Erkrankungswelle mit dem Zika-Virus in Brasilien. Der folgende Beitrag stammt vom Tropenmediziner Dr. Burkhard Rieke. Darin wird die Bedeutung des Virus klar und sachlich dargestellt, weswegen wir uns entschlossen, diesen Beitrag  leicht gekürzt wiederzugeben:

Die Ausbreitung des Zika-Virus und die Folgen einer Infektion, insbesondere für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder, sorgen gegenwärtig für viel Verunsicherung. Wie bei früheren Gelegenheiten möchten wir daher den bisherigen, durchaus lückenhaften Kenntnisstand zusammenfassen, um Vorsorge zu ermöglichen.
Das Zika-Virus ist seit 1947 bekannt. Es wurde in Uganda im Zika-Wald entdeckt, als man nach Gelbfieber suchte. Beide Viren und das DengueFieber gehören zur selben Virengattung, den Flaviviren, und werden von denselben Mosquitos übertragen, nämlich Aedes aegypti und Aedes albopictus. Sie sind auffallend schwarz-weiß gezeichnet, tagsüber und in der Abenddämmerung aktiv, stechen fast nur den Menschen und stechen oft mehrfach am Tag, was bei der Weiterverbreitung von Viren (Gelbfieber, Dengue, Chikungunya und eben Zika) für sehr rasch ansteigende Fallzahlen vor allem in Städten sorgt. Möglicherweise kann das Virus auch durch Sexualkontakte weitergegeben werden.
War Zika bis vor kurzem nur Spezialisten bekannt und wurde nur selten jemals in Ostafrika oder Asien nachgewiesen, so kam es in den letzten Jahren zu Ausbrüchen: 2007 in Yap (Mikronesien), 2013 Französisch Polynesien, 2015 Kapverden, Kolumbien und Brasilien. Wo sich das Virus zwischen Ausbrüchen aufhält, ist nicht bekannt. Ebenso ist noch nicht klar, ob z.B. eine Veränderung des Virus für eine leichtere Übertragbarkeit gesorgt hat. Gegenwärtig sind 22 Länder betroffen (siehe Abbildung).
Wird man infiziert, so kommt es nach einer noch nicht genau geklärten, aber wohl wenige Tage betragenden Inkubationszeit eine milde, fieberhafte Erkrankung, Kopf- und Gliederschmerzen, oft mit etwas Hautausschlag und einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) kombiniert. Diese Symptome rechtfertigen keine aufwendigen Tests, was dazu beiträgt, dass wir von der genauen Ausbreitung nicht wissen. Seit 2013 aber wurden in den Epidemiegebieten vermehrt zwei Krankheitsbilder beobachtet, die sonst sehr selten sind und von denen man annimmt, nicht aber weiß, dass ihr Auftreten durch den Zika-Ausbruch verursacht oder mitverursacht wurde.
Eines dieser Krankheitsbilder ist das Guillain-Barré-Syndrom, einer normalerweise wohl als Folge eines Virusinfektes, aber auch ohne weitere Ursache auftretenden entzündlichen Erkrankung des Nervensystems. Es kommt zur einer im Körper von den Beinen an bis in unterschiedliche Höhe aufsteigenden Lähmung, die dann aber anhält und langsam wieder absteigt. Sie heilt meist aus, allerdings bleibt oft eine muskuläre Schwäche zurück.
Das zweite Krankheitsbild ist eine Störung des Gehirn- und Schädelwachstums bei ungeborenen Kindern (s. Foto, Quelle: Yahoo news). Sie ist eigentlich sehr selten und kommt ohne besonderen Grund, aber auch als Folge von Einflüssen auf die ersten Monate der Schwangerschaft vor, z.B. bei Alkoholabhängigkeit. Die Häufigkeit dieser Erkrankung hat sich
in Brasilien seit der Verbreitung von Zika verdreißigfacht, was eine Kausalität nahelegt, aber noch nicht beweist. Bei den vorangegangenen Ausbrüchen ist diese Komplikation nicht beobachtet worden.
Die Diagnose einer Zika-Infektion ist am leichtesten durch eine PCR in der akuten Erkrankungsphase möglich, was aber teuer und von der geringen Symptomatik meist nicht gerechtfertigt ist. Später kann man Antikörper gegen das Virus nachweisen, dieser Test kann aber auch durch andere Flavivireninfekte und durch Impfungen dagegen verfälscht werden, so dass gerade in Regionen mit viel Dengue-Fieber diese Serologie wenig hilft. Auch die Wahrscheinlichkeit kann man als Argument für die Diagnose einsetzen, etwa in einem Ausbruch.
Eine spezifische, also mehr als symptom-orientierte Therapie gibt es nicht. Dies gilt auch für die genannten Komplikationen. Die Behandlung eines Guillain-Barré-Syndrom dämpft vorwiegend die fehlgeleitete Entzündungsreaktion und überwacht die Atmungsfunktion. Eine echte Behandlung der Mikrozephalie existiert nicht.
Zur Verhinderung einer Infektion oder ihrer Folgen steht im Grunde nur der Schutz vor Aedes-Mosquitos zur Verfügung, da es eine Impfung – oder auch nur eine Impfstoffentwicklung – nicht gibt. Aedes-Mosquitos aber sind schwer zu bekämpfen, da sie in kleinen bis mittleren Ansammlungen sauberen Wassers, oft in der Nähe des Menschen brüten. Dazu gehören auch in der Wohnung Zierbrunnen und Wassereimer (neben der Toilette zum Beispiel), die Tellerchen unter Blumentöpfen, die das überschüssige Gießwasser auffangen, und ähnliches. Um das Haus herum gibt es vielleicht Regenwassertonnen, vollgeregnete Plastikbecher oder –folien, nicht ablaufende Dachrinnen oder Planschbecken, wie es die Zeichnung (Quelle: Stadtverwaltung New York) darstellt. Gut bekannt sind auch alte Autoreifen als Brutstätte, wenn sich in diesen eine Pfütze gebildet hat. Früher, noch bis in die 1970er Jahre, war die Sorge vor Gelbfieberausbrüchen größer, da die Impfung für die Bevölkerungsmehrheit unerreichbar teuer blieb. Daher wurden Aedes-Bekämpfungsprogramme konsequent durchgeführt. Dies ist längst nicht mehr so – und rächt sich nun.
Die Zika-Epidemie ist zu einem nennenswerten Teil Folge einer unzureichenden AedesBekämpfung. Wenn man sie jetzt wiederaufnimmt, so wird man auch deutlich weniger Fälle von Dengue und Chikungunya sehen, die ebenfalls von diesem Mosquito übertragen werden. Hier kann man sich aber auch selbst in der Wohnumgebung und in der Nachbarschaft einbringen. Das Aufräumen, Ausleeren, Abdecken von Wasseransammlungen ist im übrigen auch ohne Insektizid sehr wirksam. Da Aedes nicht sehr weit fliegt, hat man auch selbst viel vom Erfolg der eigenen Maßnahmen. Auch mit effektiven Repellentien, also Mücken-Abwehrmitteln wie DEET ab 20%, Icaridin (Bayrepel) ab 10%, EBAAP oder DMP sollte man sich schützen. Eine einigermaßen mosquitosichere Wohnung ist auch wichtig, hilft aber gegen Aedes nur begrenzt, da es ja im Laufe des Tages zu Stichen kommt.
Gegenwärtig gibt es keine Warnung vor Reisen in die betroffenen Gebiete. Die WHO macht hier auch für Schwangere keinen Unterschied, weist jedoch auf die Bedeutung des Mückenschutzes hin. Nationale Behörden sehen das vielfach anders (USA und D: Warnung für Schwangere vor Reisen in Zika-Ausbruchsgebiete). Touristische, also im Grundsatz verschiebbare Reisen von Schwangeren in von Zika erheblich betroffene Länder sollten unterbleiben. Dorthin entsandte Arbeitskräfte, bei denen eine Schwangerschaft festgestellt wird, sollten erwägen, zumindest die ersten drei Monate der Schwangerschaft nicht im Infektionsgebiet zu verbringen. Jedem dorthin entsandten Mitarbeiter ist zu raten, die oben beschriebenen Mosquitoschutzmethoden ernst zu nehmen. Der Kurzzeitreisende wird im wesentlichen nur Repellentien benutzen können, im Langzeitaufenthalt müssen auch die Brutstättenvermeidung und die Abdichtung von Wohnräumen gegen Mücken einbezogen werden.