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Typischer Hautausschlag im Sommer: Photodermatitis

Im Sommer gibt es manche Hautausschläge, die so im Winter nicht vorkommen. Dazu gehört die Raupendermatitis, die wir im praxisblättle vom Juni vorgestellt hatten.

Ein anderer ist die sog. Photodermatitis. Auslöser hierfür sind Stoffe, die in der Natur vorkommen und chemisch als Furocumarine bezeichnet werden. Kommen diese auf die Haut und werden dort einer UV-Strahlung ausgesetzt, lösen sie eine Entzündungsreaktion aus, die an eine Verbrennung denken lässt (siehe Bild rechts, vor zehn Tagen in der Praxis aufgenommen).

Wo kommen Furocumarine vor?

Eine wesentliche Quelle sind verschiedene Pflanzen bzw. deren Saft aus Stängeln und Blättern:

  • Wiesenbärenklau
  • Engelwurz
  • Feigenbaum
  • einzelne Efeuarten
  • aber auch: Tetracycline (Antibiotika)

Gerade Stängel sind für Jungen – sie sind deutlich häufiger von diesem Ausschlag betroffen als Mädchen –  interessant. Sie nutzen sie Blasinstrument, um Kügelchen in die Umgebung zu schießen. Bei weiterem Aufenthalt in der Sonne kommt es dann zu starken und extrem unangenehmen Hautblasen auf den Lippen.

Therapie?

In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden. In Abhängigkeit von der Größe der Hautblasen und der betroffenen Körperregion erfolgt die Therapie.

Raupendermatitis

Nun ist wieder die Zeit für die Raupenspinnerdermatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Haut ausgelöst durch die “Brennhaare” der Eichenprozessionsspinner.

Die Raupen des Eichenprossionsspinners tragen mit jeder weiteren Stufe der Larvenbildung vermehrt der sog. Brennhaare. Das sind feine Härchen, die Widerhaken enthalten. Schon bei leichter Berührung fallen diese ab und können im Luftstrom lange Strecken zurücklegen.

Die häufigste Folge ist eine Hauterscheinung, die durch das Festhaken dieser Härchen an den unbedeckten Hautarealen auftritt. Die Ausschläge können verschiedene Ausprägung haben und werden meist durch mechanische Reizung ausgelöst. Die ersten Symptome mit Hautjucken beginnen nach weniger Minuten, die Hautreizung nimmt 1 – 2- Stunden später weiter zu. Knötchenbildung setzt meist nach 6 Stunden ein. Es sind auch Allergien möglich, für die bereits 7 verschiedene Allergene identifiziert wurden.

Therapeutisch ist ein sofortiger Wechsel der Kleidung (ggf. unter Nutzung von Handschuhen) wichtig. Dann kann versucht werden, mit Klebeband Brennhaare von der Haut zu entfernen. Im Anschluss ist ein Duschbad mit Haarwäsche sinnvoll. Medikamentös können Antihistaminika (wie Cetirizin) eingesetzt werden.

Viele Fragen zu diesem Krankheitsbild sind noch nicht geklärt, da sich die Prozessionsspinner erst in den letzten Jahren bei uns ausgebreitet haben und der Bekanntheitsgrad der Erkrankung noch gering ist.

Bildquelle: http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2016/05/eichenprozessionsspinner0.html

Kinderkrankheiten (6): Masern

Masern sind eine der am meisten ansteckenden Erkrankungen. Durch Tröpfcheninfektion (z.B. beim Sprechen) und Kontakt mit den ansteckenden Sekreten der Atemwege werden fast alle ungeschützten Menschen infiziert (Kontagionsindex nahezu 100%).

Erreger

Erreger ist das Masernvirus. Schon eine kurze Zeit reicht aus, dass es über die Schleimhäute in den Körper eindringt und bei nicht-immunen Menschen die Krankheit auslöst. Ansteckend sind an Masern erkrankte Menschen 3 Tage vor Ausbruch des Ausschlages bis 4 Tage danach.

Ablauf der Erkrankung

Nach einer Inkubationszeit von 8-10 Tagen beginnt das katarrhalische Stadium, das drei bis sieben Tage andauert. In dieser Zeit treten Entzündungen der Schleimhäute (Schnupfen mit Katarrh, Bronchitis, Bindehautentzündung) sowie Fieber auf. Das Stadium des Exanthems beginnt am 12. bis 13. Tag. Der Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren und wandert langsam nach unten. Nach weiteren 4 bis 5 Tagen bildet sich der Ausschlag wieder zurück. In dieser Zeit fällt auch das Fieber wieder ab. Auf der Haut erscheint ein leicht schuppiger Ausschlag.

In der Folge tritt eine Schwächung des Immunsystems für etwa 6 Wochen auf. Während dieser Zeit ist das Risiko überhaupt zu erkranken höher. Die Masern hinterlassen eine lebenslange Immunität

Komplikationen

Die Erkrankung an Masern ist für die Betroffenen immer schlimm, die Krankheit ist sehr unangenehm. Noch schlimmer sind aber die Komplikationen, die ihr folgen können und die nicht selten sind:

  • Mittelohrentzündung. Betrifft etwa 7% aller Erkrankten
  • Lungenentzündung. Betrifft etwa 6% aller Erkrankten. Dabei handelt es sich um verschiedene Formen. Die Masernpneumonie ist eine durch das Virus direkt ausgelöste Lungenentzündung, ebenso die Riesenzellpneumonie. Andere wie die Bronchopneumonie sind eher als Superinfektion zu verstehen, d.h. sie propfen sich auf die masernbedingte Bronchitis auf. Sie sind bakteriell – und damit leichter behandelbar – und sind die Folge der Immunschwäche im Anschluss an die Erkrankung.
  • Meningoencephalitis. Diese Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute ist mit 0.1% selten, aber fast immer extrem schwerwiegend.
  • Subakute stenosierende Panencephalitis (SSPE). Eine sehr heimtückische Entzündung des Gehirns, die den Masern nach wenigen Monaten bis zu 10 Jahren (!) folgt und fast immer tödlich endet.

Im Wesentlichen durch diese Komplikationen bedingt, liegt die Tödlichkeit der Masernerkrankung bei 1 Todesfall auf 1000 bis 2000 Erkrankungen in Mitteleuropa (das Robert-Koch-Institut in Berlin beziffert die Letalität auf 1:1000).

Diagnose

Die Diagnose kann in aller Regel aus dem sehr typischen Verlauf gestellt werden. Daneben gibt es verschiedene Labortests, die im Einzelfall weitere Informationen liefern.

Therapie

Nach Ausbruch der Erkrankung besteht keine Therapie, den Verlauf günstiger zu beeinflussen. Es stehen lediglich Medikamente zur symptomatischen Therapie (Fieber, Schmerzen) zur Verfügung. Die Komplikationen lassen sich zum Teil mit antibiotischer Therapie behandeln.

Prävention

Seit 1963 steht ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung, der meist als Kombinationsimpfung (Masern-Mumps-Röteln = MMR) geimpft wird. Im Regelfall wird im Alter von 11 Monaten die erste Impfung durchgeführt, die zweite ab dem 15. Lebensmonat. Nach der zweiten Impfung besteht ein Schutz gegenüber Masern von 99%.

Die Masern sind eine besonders schreckliche Krankheit, die weltweit insbesondere Kinder in wenig entwickelten Ländern betrifft. Dort gibt es zwar sporadische Impfprogramme, die aber oft nicht ausreichend sind, zumal die Sicherstellung der Kühlung des Impfstoffes in diesen Ländern kaum praktikabel ist. So verwundert es nicht, dass noch heute täglich 400 Kinder pro Tag weltweit an Masern versterben. In Amerika gab es vor der Entdeckung durch Columbus keine Masern. Erst die Eroberung durch die Spanier brachte diese Erkrankung zusammen mit den Pocken und der Influenza auf den amerikanischen Kontinent. Es wird geschätzt, dass hierdurch zwischen dem Jahre 1500 und 1650 etwa 45 Millionen Menschen ums Leben kamen.

Es wäre an der Zeit, dass die Deutschen daran arbeiten, die Bekämpfung dieser Erkrankung als kleinen Beitrag der Fairness für die Welt voranzubringen. Es wäre so einfach!

 

Bildquelle: Niedersächsisches Langesgesundheitsamt

Kinderkrankheiten (4): Drei-Tage-Fieber

Das Dreitagefieber ist sehr ansteckend. Deswegen – und weil es oft einer der ersten hochfieberhaften Erkrankungen im Leben ist – ist dieses Krankheitsbild mit Hautausschlag vielen Eltern gut bekannt. Die meisten Kinder machen diese Infektionskrankheit bereits in den ersten beiden Lebensjahren durch. Erreger ist das Humane Herpesvirus 6.

Verlauf

Das Dreitagefieber beginnt immer mit Fieber. Meist ist es sehr hoch und erreicht Temperaturen über 40 Grad Celsius. Nicht wenige Kinder sind sehr beeinträchtigt. Bei der Untersuchung findet der Kinderarzt zunächst nur einen roten Rachen und meist nicht viel mehr. Etwa nach 2 Tagen (2 – 4 Tagen) wird dann alles klar: Das Fieber verschwindet innert weniger Stunden und mit ihm taucht der Ausschlag auf, der sich hauptsächlich am Körperstamm zeigt und nicht juckt. Dieser Ausschlag ist manches Mal nur wenige Stunden da, meist hält er für 1-2 Tage an. Die Flecken am Stamm sind 3-5 mm groß.

Therapie

Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht. Zum Einsatz kommen Paracetamol oder Ibuprofen, um den Leidensdruck des Kindes zu mindern. Da die Diagnose erst klar wird, wenn alles vorbei ist, muss sichergestellt sein, dass andere Erkrankungen (Hirnhautentzündung, Harnwegsinfekt) nicht vorliegen.

Die Immunität nach dieser Erkrankung hält nach heutigem Wissen lebenslang an. Deswegen zählt das Drei-Tage-Fieber heute zu den Kinderkrankheiten

Kinderkrankheiten (1): Windpocken

Was früher den Alltag von Eltern schmerzlich mühsam machte, ist fast aus dem Blick geraten: Kinderkrankheiten. Als solche bezeichnet man Krankheiten, die einmal im Leben durchgemacht werden und dann nicht mehr auftauchen. Und da die Menschen früher sehr eng zusammenlebten und sich schnell ansteckten, tauchten die Krankheiten sehr früh – also im Kinderalter – auf.

Das stimmt heute so nicht mehr. Wir leben heute meist nicht mehr eng aufeinander. Dadurch hat sich das Infektionsrisiko vermindert. Zum anderen gibt es Impfungen, die die meisten Kinderkrankheiten in Deutschland zu seltenen Ereignissen gemacht haben. Aber: da wir deutlich länger leben, können die angeblichen Kinderkrankheiten im Alter erneut auftauchen. Der Schutz reicht häufig eben nicht für 95 Jahre.

Mit diesem Beitrag über die Kinderkrankheit Windpocken leiten wir eine kleine Serie ein, die fortgesetzt wird. Der nächste Beitrag wird sich im Februar 2017 mit dem Keuchhusten beschäftigen.

Die Windpocken sind ein gutes Beispiel für eine hoch ansteckende Viruserkrankung. Der Erreger ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das auch für die Gürtelrose verantwortlich ist. Vor der Impf-Ära erkrankten in Deutschland etwa 750.000 Menschen pro Jahr. Die Zahl ging bis zum Jahr 2015 auf 23.130 Fälle (gemeldete Erkrankungen beim Robert-Koch-Institut) deutlich zurück. Seit 2009 werden zwei Impfungen empfohlen. Damit konnte die Rate der Erkrankungen nochmals deutlich gesenkt werden. Die Windpocken sind in aller Regel sehr lästig, aber in der Nachschau eher harmlos. Dennoch können Komplikationen (siehe weiter unten) und Todesfälle (in 2015: 3) auftreten.

Die Windpocken heißen deswegen so, weil sich die Erreger nicht nur per Tröpfcheninfektion (also aus der Nähe) übertragen, sondern teilweise mit dem “Wind” über weitere Strecken. Auf diese Art sind Ansteckungen in grösseren Räumen (z.B. Einkaufsmärkten, U-Bahnen und Bussen) möglich. Nach einer Inkubationszeit von meist 14 Tagen (frühstens nach 10 Tagen, spätestens nach 21 Tagen) tritt zunächst ein leichter Schnupfen und etwas Fieber (um 38-39 Grad) auf. Kurz danach beginnt der Ausschlag im Kopfbereich (auch im Bereich der Haare!) und wandert von dort nach unten (siehe Bild rechts mit dem typischen “Sternhimmelmuster”).

Wenn die ersten Bläschen an den Beinen ankommen, sind die Flecken im Gesicht bereits verschorft und damit nahezu frei von Ansteckung. Diese beginnt bereits 1-2 Tage vor Ausbruch des Ausschlages und hält an bis das letzte Bläschen abgetrocknet und verschorft ist. Das dauert meist eine Woche (bis zu 10 Tagen).

Windpocken können in einzelnen Fällen auch zu Komplikationen führen. Bei Kindern sind das vorwiegend Mittelohrentzündungen und sehr selten auch Lungenentzündungen. Auch eine Entzündung des Gehirns (Encephalitis) ist möglich, aber selten.

In der Regel wird das Krankheitsbild durch den massiven Juckreiz geprägt. Gebessert wird dieser durch die lokale Therapie mit adstringierenden Mitteln (z.B. Tannosynth© Lotio), die auf pflanzlicher Basis zum schnelleren Abtrocknen der Bläschen beitragen. Daneben werden zur Nacht auch innerliche Medikamente (Cetirizin; Fenistil©-Tropfen)angewandt, um den Juckreiz noch weiter zu senken.

Wegen der hohen Ansteckung ist es wichtig, gewisse Menschen nicht in Gefahr zu bringen. Aus diesem Grunde sollten folgende Personen streng geschützt werden:

  • Schwangere (besonders die, welche kurz vor der Geburt stehen und keinen Schutz gegen Windpocken aufweisen)
  • Immungeschwächte (Menschen unter Chemotherapie)
  • alle Krankenhauspatienten (niemals ein Krankenhaus aufsuchen!)
  • alle Orte, an denen sich Risikopersonen aufhalten könnten (z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Versammlungen)

Gesunde Kinder nach dem ersten Lebensjahr brauchen nicht geschützt zu werden. Für sie ist es günstig, früh einen Schutz zu bekommen. Entweder durch die Impfung (zweimalig) oder – wenn diese nicht gewünscht ist – durch den direkten Kontakt. Im letzteren Falle macht es durchaus Sinn, sich die Ansteckung gezielt bei einem betroffenen Patienten abzuholen. Je jünger die Kinder Erkranken (nach dem ersten Geburtstag) umso besser. Ab der Pubertät sind Windpocken sehr unangenehm und auch gefährlicher.

Die Impfung gegen Windpocken wird von den Kinderärzten in der Regel angeboten. Empfohlen ist sie mit Beginn des 12. Lebensmonates (unter spezifischen Bedingungen bereits ab dem 9. Monat). Die erste Impfung hinterlässt einen Schutz von etwa 65%, nach der zweiten liegt er dann über 90%.

Hautausschläge 7: polymorphe Lichteruption – “Sonnenallergie”

Jetzt ist die Zeit für die Sonnenallergie. Sonnenallergie? Nein, gegen Sonne kann man definitiv nicht allergisch reagieren, die Sonne vermag aber zur Entstehung und Verstärkung gewisser Ausschläge beizutragen.

Wir Mediziner nennen die sog. “Sonnenallergie” eine polymorphe Lichteruption. Dieser Name besagt, dass es sich um einen Ausschlag handelt, der unter Sonneneinwirkung auftritt und sich in vielfältiger Weise zeigen kann. Mit diesem Begriff werden also verschiedene Ausschläge beschrieben, die durch die erste stärkere Sonnenbelastung im Jahr auftreten (meist in den Monaten März und April). Neben den hautempfindlichen Menschen kommen diese Ausschläge auch bei Menschen vor, die später eine gute Hautbräunung erzielen können.

Der Ausschlag selbst kann eine einfache Rötung sein, aber auch Anteile von kleinsten Bläschen sowie eine Urticaria (siehe unter Hautausschläge 6) aufweisen.

Jedermann kann bis zu einem gewissen Maße vorbeugen durch “Beschattung”:

• Meiden von Mittagssonne (am stärksten)
• Lichtschutz durch Kleidung und Kopfbedeckung
• UV-undurchlässige Kleidung

Sonnenschutz mit Cremes ist zum einen nicht nötig, zum anderen meist nicht hilfreich.

Die sog. Sonnenallergie tritt meist über viele Jahre immer dann auch, wenn die wintergeplagte Haut plötzlich wieder die Sonne sehen darf. Bei Unklarheiten oder Beschwerden wie Juckreiz ist es sinnvoll, den Arzt aufzusuchen

Hautausschläge 7: Urtikaria (Nesselsucht)

Die Urtikaria ist ein Ausschlag wie ihn jeder kennt, der schon einmal in die Brennesseln gefallen ist: meist ist er fleckig aufgebaut und betrifft nur bestimmte Körperareale. Dabei können die Flecken eine unterschiedliche Größe von wenigen Millimetern bis über 20 cm Durchmesser haben. Im Zentrum der einzelnen Effloreszenz (also jedes Fleckchens) besteht eine scharf begrenzte, unregelmäßig runde Erhebung von eher blassem Charakter (die eigentliche “Urtica”). Daran schliesst sich eine Rötung im Randbereich an, die selbst auch wieder scharf begrenzt ist zur umgebenden gesunden Haut. Hauptkennzeichen der Urtikaria ist der Juckreiz oder Schmerz – bedingt durch Reizung von Nervenfasern. Dieser Juckreiz kann zum Teil sehr heftig sein und Kinder wie Erwachsene extrem beeinträchtigen. Leider wird die Nesselsucht oft mit Allergie gleichgesetzt, obwohl dahinter eine Vielzahl verschiedener Ursachen stecken kann.

Bei Kindern ist die weitaus häufigste Ursache für eine Urtikaria ein Infekt (meist der Atemwege): Infekturtikaria. Im Verlauf des Infektes, manchmal aber auch einige Tage danach kommt es zur Nesselsucht, die an verschiedenen Körperstellen aufschießt und innert 2-3 Stunden aber auch wieder verschwindet. Typisch ist also das Auf-Und-Ab der Urtikaria, die häufig nur wenige Tage anhält. Diese Form der Urtikaria ist ungefährlich und geht von alleine wieder weg. In der Regel ist nach Diagnosestellung keine weitere Therapie erforderlich.

Viel seltener ist eine Urtikaria durch eine Allergie bedingt. Meist sind dann Nahrungsmittel verantwortlich, die direkt nach Kontakt zum Problem führen wie beispielsweise die Tomate. Andere Nahrungsmittel wie die Milch können aber auch erst nach einigen Stunden bis Tagen zur Urtikaria führen. Dann ist die Diagnose schon viel schwieriger und kann nur von einem allergologisch versierten Arzt gestellt werden.

Weitere seltenere Ursachen betreffen Schilddrüsenerkrankungen sowie physikalische Formen der Urtikaria: Urtikaria durch Kälte. Dabei führt der Kontakt zu Kälte (Eiswürfel, kalte Luft im Winter, kalter Wind u.ä.) zur Nesselsucht an den betroffenen Hautstellen. Oder die cholinerge Urtikaria: Hier löst Wärme (heiße Dusche u.ä) oder auch psychische Erregung die Nesselsucht aus. Druckurtikaria: Druck auf die Haut führt zu Urtikaria an den gedrückten Stellen. Danaben gibt es sehr verscheidene Formen von Urtikaria, die durch Licht ausgelöst werden wie beispielsweise die polymorphe Lichteruption (die unter dem Begriff Sonnenallergie bekannt ist, aber mit einer Allergie nichts zu tun hat – eine Allergie gegen Sonne gibt es nicht).

Oftmals bleibt die Ursache einer Urtikaria gänzlich unklar. Dies betraf noch 1990 über 50% der Krankheitsfälle, heute ist Aufklärungsquote bei etwa 70% angelangt. Besondere Probleme bereitet bei Diagnose und Therapie die chronische Urtikaria, bei der diese Beschwerden chronisch über Wochen, Monate und Jahre bestehen. Zum Glück ist diese Form der Nesselsucht bei Kindern eine Seltenheit.

Hautausschläge 6: Infektallergische Ausschläge

Viele Infekte, besonders wenn sie durch Viren verursacht sind, lösen in der Endphase einen Ausschlag aus. Diese Ausschläge sind “unspezifisch”, lassen sich also durch ihren Charakter und ihr Ausbreitungsmuster keinen bekannten Krankheiten zuordnen. Bei der Fülle an Viren, die es gibt und bei der raschen Variation die diese Viren durchmachen auch kein Wunder. Bei genauem Hinsehen sind diese Ausschläge eher die Regel als die Ausnahme: sie haben oft einen Charakter wie die Masern, bestehen also aus kleinen flachen Fleckchen mit wenigen Millimetern Durchmesser und sind oft nur sehr schwach zu erkennen. Für den erfahrenen Arzt stellen sie nur selten eine Herausforderung dar, da er sie oft beobachtet und durch ihre (oft kleinen) Unterschiede rasch von den wichtigen Exanthemen anderer Ursache unterscheiden kann. Man nennt sie meist “Virusexantheme”, auch wenn die Ursache im Einzelnen oft unklar ist und bleibt.

Diese infektallergischen Exantheme sind oft die “Verabschiedung des Infektes”. Wie im Theater: wenn das Stück vorbei und der Vorhang gefallen ist stellen sich alle Schauspieler nochmals vor.

Hautausschläge 5: Arzneimittelexantheme

Der Name sagt es bereits: Es handelt sich um Ausschläge, die durch Arzneimittel ausgelöst werden. Im Erwachsenenalter nicht gar so selten, beobachten wir sie auch bei Kindern immer wieder. Das mit Abstand häufigste ist das Amoxicillinexanthem, ausgelöst durch das Antibiotikum Amoxycillin (Infectomox u.a.). Dieser Ausschlag ist ein sehr kräftiger, meist heftig rot und ähnelt dem schweren Bild von Masern, verbunden mit Juckreiz. Er tritt erstmals meist 7 bis 10 Tage nach der ersten Gabe dieses Antibiotikums auf und klingt nach Absetzen auch rasch wieder ab. Meist handelt es sich dabei um keine echte Allergie sondern um eine sog. para-allergische Reaktion: das bedeutet, es liegt zwar ein allergischer Mechanismus zugrunde, der aber nur im Zusammenhang mit weiteren Faktoren zum tragen kommt. In aller Regel ist es dann so, daß bei einer nächsten Gabe des gleichen Antibiotikums kein Ausschlag mehr auftaucht. Es handelt sich somit meist nicht um eine typische Allergie.

Ganz typisch ist das Auftreten dieses Amoxicillinexanthems, wenn ein Arzt bei der Virusinfektion des Pfeiffersches Drüsenfieber dieses Antibiotikum verordnet. Wir beobachten es aber auch immer wieder im Zusammenhang mit klar bakteriellen Erkrankungen wie der Mittelohrentzündung. Die allergologische Untersuchung des gesunden Kindes Wochen danach ergibt nur sehr selten Hinweise auf allergische Reaktionen. Die meisten Kinder können nach der Vortestung auf der Haut das Medikament dann gut vertragen. Sie haben also keine Allergie. Man sollte deswegen mit der voreiligen Ausstellung von Allergiepässen vorsichtig sein, solange die Diagnose nicht sicher ist.

Ganz anders verlaufen allergische Ausschläge auf einige andere Medikamente. Diese können teilweise auch sehr heftig sein und zum sog. Stevens-Johnson-Syndrom führen. Dies ist die extremste Form der Arzneimittelallergie, wie wir sie in unserer Praxis zum Glück noch nie beobachten mussten. Die – harmlose Vorstufe – das sog. Erythema exudativum multiforme sehen wir immer wieder in der Praxis. Dieses kann Ausdruck einer Allergie sein, tritt unabhängig davon aber auch bei Infekten verschiedenere Art als Begleiterscheinung auf.

Hautausschläge 1: Drei-Tage-Fieber

An dieser Stelle folgen nun weitere wichtige Exantheme. Wie bereits im letzten Beitrag beschrieben handelt es sich bei den Exanthemen um Ausschläge, die im Rahmen einer allgemeinen Krankheit auf der Haut „blühen“. Es sind also neben dem Ausschlag weitere Symptome vorhanden. Die Ausschläge sind somit die äußerlich sichtbare Form einer Erkrankung.

Exanthema subitum (Drei-Tage-Fieber)

Diese Erkrankung ist sehr ansteckend. Deswegen ist sie wohl den meisten von Ihnen schon bekannt. Die meisten Kinder machen diese Infektionskrankheit bereits in den ersten beiden Lebensjahren durch. Erreger ist das Humane Herpesvirus 6.

Das Dreitagefieber beginnt immer mit Fieber. Meist ist es sehr hoch und erreicht Temperaturen über 40 Grad, nicht wenige Kinder sind sehr beeinträchtigt. Bei der Untersuchung findet der Kinderarzt nur einen roten Rachen und meist nicht viel mehr. Und nach 2 Tagen (2 – 4 Tagen) wird dann alles klar: Das Fieber verschwindet innert weniger Stunden und mit ihm taucht der Ausschlag auf, der sich hauptsächlich am Körperstamm zeigt und nicht juckt. Dieser Ausschlag ist manches Mal nur wenige Stunden da, meist hält er 1-2 Tage an. Die Flecken am Stamm sind 3-5 mm groß.

Die Immunität nach dieser Erkrankung hält nach heutigem Wissen lebenslang an.