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Insektengiftallergie

Allergien gegen Insektengifte sind für Kinder durchaus bedeutend. Besonders schwerwiegend sind Allergien gegen Bienen und Wespen. Hierbei kann es zum allergischen Schock (Anaphylaxie) kommen, der bei Kindern jedoch nur in einer Häufigkeit von 0.34% auftritt, während 10 Mal so viele Erwachsene hiervon bedroht sind. Dennoch muss auch bei Kindern in jedem Einzelfall versucht werden, das individuelle Risiko zu klären.

Die weitaus meisten Insektengiftallergien zeigen sich als allergische Lokalreaktionen: Um die Einstichstelle bildet sich eine Rötung und Schwellung, die gelegentlich über 10 cm groß wird und länger als 1 Tag anhält. Die Stärke der Lokalreaktion kann durch Sofortmaßnahmen direkt nach dem Stich begrenzt werden durch:

  • Anwendung von Kälte (Eiswürfel) über weniger Minuten.
  • frische Zwiebel aufschneiden und mit leichtem Druck auf die Einstichstelle pressen.
  • die Einstichstelle mehrfach mit Speichel bestreichen

Treten nach einem Stich Allgemeinsymptome auf, sollte sofort ein Arzt bzw. ein Notarzt alarmiert werden. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Nesselsucht als einziges Symptom in aller Regel nicht bedrohlich. Die im Folgenden genannten Symptome können jedoch ein Alarmzeichen sein und sollten immer dazu führen, umgehend einen Notarzt anzufordern.

  • Atemnot oder Engegefühl im Hals/ Brust
  • Schwindel oder Müdigkeit
  • Kribbeln in Händen/ Füßen/ am Kopf
  • Erbrechen.

Ist aber die Reaktion auf einen Insektenstich als Hinweis auf eine mögliche schwere Allergie zu werten? Das sollte im Zweifelsfall mit dem Allergologen geklärt werden. Alle Kinder und Jugendliche, bei denen Hautreaktionen fernab der Einstichstelle oder Allgemeinsymptome (Atemnot, Kribbeln in den Händen u.ä.) auftreten, müssen weiter untersucht werden. Ideal ist eine Abklärung in einem Zeitraum 3-6 Wochen nach einem Stich, bei sehr schweren Reaktionen ggf. auch früher.

Ziel der medizinischen Abklärung ist es, das individuelle Risiko zu bestimmen. Dazu sind besonders die Angaben über die erlebten Symptome und deren zeitlicher Ablauf wichtig. In aller Regel wird auch ein Allergietest und eine Laboruntersuchung durchgeführt. In wenigen schwierigen Fällen gibt es noch weitergehende Untersuchungen (Intrakutantest; Stichprovokation u.a.), die aber bei Kindern praktisch nie erforderlich sind. 

Die effektivste Therapie einer Allergie ist die spezifische Immuntherapie (SCIT), oft auch als Hypo-/Desensibilisierung bezeichnet. Bei Allergien gegen Biene oder Wespe liegt deren Erfolgsquote bei 90 Prozent. Davor steht aber ein gewisser Aufwand in Form von Injektionen, die in etwa monatlichen Abständen für meist 5 Jahre durchgeführt werden. Andere Maßnahmen wie Antihistaminika vermögen allenfalls den Juckreiz nach einem Stich zu mindern. Auch Cortison stellt keine sichere Therapie dar.

Für den allergischen Notfall, die Anaphylaxie, gibt es das sog. Notfallset. Zentral ist hierbei der Adrenalin-Autoinjektor (AA – Notfallspritze). Nur mit diesem lässt sich eine potentiell tödliche Anaphylaxie sicher behandeln. Der Allergologe stellt die Indikation, ob ein solcher AA im Einzelfall sinnvoll ist und weist in die praktische Anwendung ein. Die weiteren Medikamente (Cortison, Antihistaminika) sind zweitrangig. Im schweren Notfall setzt ihre Wirkung deutlich zu spät ein. Nur das in den Muskel gespritzte Adrenalin über den AA vermag den Kreislaufkollaps sicher zu verhindern. Und im Zweifelsfall muss sich das der Patient selbst spritzen können.

Zusammen mit der Verschreibung des Notfallsets ist auch eine Instruktion wichtig. Das betroffene Kind und die Eltern müssen in die Handhabung der Medikamente eingewiesen werden. Das betrifft ggf. auch Personen des weiteren Umfeldes wie Großeltern oder Erzieher- und LehrerInnen.

Behandlung des Heuschnupfens

Die Zeit des Heuschnupfens ist wieder da. Da der Begriff “Heu” in den letzten Jahren immer weniger Menschen etwas sagt, ist der Begriff allergischer Schnupfen bei Gräserpollenallergie treffender. In der Medizin spricht man von der allergischen Rhinoconjunctivitis (AR).

Eine ursächliche Therapie der AR ist nur durch die subkutane Immuntherapie (SCIT) – besser bekannt als Hyposensibilisierung – möglich. Die SCIT erfordert eine Deponierung des niedrig dosierten Allergens im Fettgewebe unter der Haut (subcutan). Das bedeutet, es sind Spritzen nötig, die aber auch von Kindern fast immer problemlos toleriert werden. Inzwischen gibt es verschiedene SCIT-Lösungen. Die klassische SCIT erfolgt nach einer zunehmenden Stiegerung der Dosis monatlich für drei Jahre. Es gibt aber auch Lösungen, die in meist wöchentlichen Injektionen – je nach Herstellen 4 bis 7 Spritzen – nur vor der Saison verabreicht werden. Deren Erfolg ist zwar minimal geringer, aber der zeitliche Aufwand ist es ebenso. Für Schüler oder Berufstätige stellen sie eine gute Alternative dar.

Die Akutbehandlung umfasst im Wesentlichen die Antihistaminika (z.B. Cetirizin, Loratadin oder Desloratadin) und die nasalen Corticoide (z.B. Mometason, Fluticason, Beclometason). Gerade rechtzeitig erschien eine Arbeit im Journal der europäischen Allergologen – Allergy – aus der Arbeitsgruppe um P.J.E. Bindels aus Rotterdam (Niederlande). Sie untersuchte eine Gruppe von 150 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren die mehrheitlich von niedergelassenen Ärzten betreut wurden.

Es stellte sich heraus, dass die Gabe des Cortison-Nasen-Sprays bei Bedarf ebenso erfolgreich war, wie die ständige Gabe des Sprays über die gesamte Pollenflugsaison, wie bislang empfohlen.

Dieses Ergebnis ist ermutigend für alle Seiten:

  1. der Patient nimmt den Cortisonnasenspray nur, wenn er ihn braucht. Damit fällt das “Vergessen” als Problem weg.
  2. Dadurch wird die ohnehin geringe Dosis an Cortison nochmals geringer, was medizinisch günstig ist.
  3. nebenbei spart die Krankenversicherung Geld, was nicht nur schwäbische Krankenkassen erfreuen dürfte – und letztlich den Patienten wiederum zugute kommt.

Europäischer Allergiekongress: Immuntherapie weiter verbessert

Beim Kongress der Europäischen Allergologen (EAACI) in Wien war ein sehr wichtiges Thema die Bedeutung der “component resolved diagnosis” (CRD).

Die Allergologie hat sich über die letzten Jahrzehnte deutlich weiterentwickelt. Ein wesentlicher Faktor ist, dass es zunehmend gelang, die für die Auslösung von Allergien wichtigen Eiweiße (Proteine) zu entschlüsseln. So reicht es zwar weiterhin in den meisten Fällen aus, einen Hauttest zur Bestimmung der Allergene zu machen. Dieser wird dann gelegentlich durch einen Bluttest ergänzt, um bei einer unklareren Anamnese herauszufinden, welches Allergen die Beschwerden hervorruft. So kann in der CAP-Analyse beispielsweise dann Birke als Allergen bestätigt werden.

Heute können wir aber noch weiter gehen. Im Labor können unterschiedliche Eiweißstrukturen (siehe hierzu das Bild am Beispiel von Popcorn) auf dem Birkenallergen oder anderen Allergenen identifiziert werden. Einige der sog. CRD’s stellen sog. Majorallergene dar, also Eiweiße, die man fast immer bei Birkenpollenallergikern findet, andere sog. Minorallergene, die nur gelegentlich bedeutsam sind. Oft sind die Minorallergene sehr verwandt zu anderen Allergenen (z.B. Gräsern oder auch Nahrungsmitteln). Hier wird es dann schwieriger. Der Experte vermag jedoch aus dem Muster der nachgewiesenen CRD’s abzulesen, ob eine Immuntherapie sinnvoll ist und mit einem Erfolg gerechnet werden darf.

Die neuen Erkenntnisse über die Feinstruktur der Allergene ermöglicht also eine sehr zielgerichtete Therapie, die bis vor 5 Jahren nicht denkbar war.

Immuntherapien

Allergien haben in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Warum das so ist, ist nur zum Teil klar. Inzwischen weisen 45% aller Kinder und Jugendlichen eine Sensibilisierung auf. Das bedeutet, sie haben zumindest eine positive Reaktion im Allergietest. Damit müssen sie nicht unbedingt Beschwerden haben, aber die Allergiebereitschaft ist hoch.

Säuglinge sind bei uns meist von Milch- oder Hühnereiallergie betroffen, Kleinkinder von Milben- oder Tierhaarallergie. Bei den Schulkindern hingegen sind häufiger Heuschnupfen bzw. Allergien gegen verschiedene andere Pollen zu beobachten.

Die erste Therapie besteht bei Allergien der Atemwege – oft mit Asthma – oft aus Antihistaminika (z.B. Cetirizin u.a.), topischem Kortison (z.B. Nasonex©, Budiair©) und Inhalationen zur Erweiterung der Bronchien (z.B. mit Salbutamol).

Die einzige ursächliche Therapie ist die Hyposensibilisierung (auch Desensibilisierung oder spezifische ImmuntherapieSIT – genannt). Bei dieser Therapie wird dem Körper in langsam ansteigenden Dosen das ursächliche Allergen verabreicht. Dadurch kann in vielen Fällen eine Toleranz erzeugt werden, wodurch der Körper nicht oder deutlich schwächer auf den Kontakt mit dem betreffenden Allergen reagiert. Eine SIT sollte immer überlegt werden, wenn die Beschwerden langandauernd sind oder – im Falle von Pollen – in einer zweiten Saison erneut auftreten. Besonders erfolgversprechend ist die Therapie bei Pollen- und Insektengiftallergien, bei denen die Erfolgsquote bei etwa 90% liegt.

Seit Jahren gibt es auch die sog. sublinguale Immuntherapie (SLIT). Bei dieser wird das Allergen in Tropfen unter der Zunge verabreicht. Hier zeigen erste Studien, dass die Therapie auch bei Kindern funktionieren könnte. Der Vorteil ist, dass keine Injektionen erforderlich sind. Andererseits verlangt die Therapie ein enormes Durchhaltevermögen und Ordentlichkeit ab. Denn sie muss regelmäßig jeden Morgen nüchtern durchgeführt werden.