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Neurodermitis bei hartem Wasser häufiger

Die atopische Dermatitis (Neurodermitis) ist offensichtlich eng verbunden mit dem Härtegrad des Wassers. Das zeigt eine große Studie aus Dänemark.

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler um Kristiane A. Engebretsen die Daten von 52.950 Kindern aus der Danish National Birth Cohort. Für Regionen mit einer sehr niedrigen Wasserhärte von 4-8 °dH – wie sie beispielsweise im Schwarzwald anzutreffen ist (Furtwangen: 2.0 °dH) – fanden sie eine Neurodermitis bei 13.5% der Kinder in den ersten 18 Lebensmonaten. Lag die Wasserhärte bei 18-24 °dH stieg diese Quote auf 15.7% an. Die Daten der einzelnen Regionen sind in der Graphik rechts dargestellt.

Wo stehen wir in Pfullendorf? Wie die neuesten Daten der Regionalnetze Linzgau zeigen, liegt der Härtegrad des Wasser in Pfullendorf bei 16.6 °dH in Denkingen sogar bei 19 °dH. Somit kann man davon ausgehen, dass das Risiko zur Entwicklung einer Neurodermitis aus dieser Sicht regional höher liegt.

Hartes Wasser erhöht Risiko für Neurodermitis

Eine dänische Studie hat nun herausgefunden, dass das Risiko für das Auftreten einer Neurodermitis mit dem Härtegrad des Wassers zunimmt.

Die Forschergruppe um Kristiane A. Engebretsen aus Hellerup und Kopenhagen konnte nachweisen, dass mit jeder Zunahme der Wasserhärte um 5°, das Risiko für Kinder eine Neurodermitis zu entwickeln um 5% zunahm. Insgesamt liegt das Risiko eine Neurodermitis auf Grund der hohen Wasserhärte zu entwickeln bei 2%.

Unabhängig davon besteht ein bereits bekannt erhöhtes Risiko für eine Neurodermitis bei Kindern, die im Winter oder Frühjahr geboren werden.

Krankheitskosten – steuerliche Aspekte

Steuertipps gibt’s beim Arzt eher selten. Aber für Eltern mit chronisch kranken Kindern sind sie wichtig, um zumindest einen Teil der zusätzlich anfallenden Kosten abzufedern.

Wenn es darum geht Kosten steuerlich geltend zu machen sind immer Nachweise wichtig. Diese sollten zeitnah erbracht werden, weil es im Nachhinein teilweise schwierig oder gar unmöglich ist die erforderlichen Nachweise zu erstellen. Manch anfallende Kosten geraten auch wieder in Vergessenheit. Zu den abziehbaren Kosten zählen beispielsweise Aufwendungen für ärztliche Behandlungen, Arznei- , Hilfs- und Heilmittel, Klinikaufenthalte, krankheitsbedingte Pflege, spezielle Lebensmittel. Zusätzlich dürfen auch anlässlich der Krankheit entstandene Fahrtkosten berücksichtigt werden.

Krankheitskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. In diesem Zusammenhang zieht das Finanzamt automatisch die sog. “zumutbare Belastung” ab. Diese sind wiederum abhängig vom Einkommen. Aufwendungen für das eigene Kind sind zwar streng genommen Unterstützungsleistungen, werden in aller Regel von den Finanzämtern aber wie Aufwendungen für Sie selbst behandelt (zumindest, solange Sie für das Kind Kindergeld erhalten).

Zu den Krankheitskosten zählen nur Aufwendungen, die der Heilung einer Krankheit dienen oder die eine Krankheit erträglicher machen bzw. deren Folgen lindern sollen (BFH-Urteil vom 18.06.1997, III R 84/96, BStBl. 1997 II S.805). Einige praktischen Anmerkungen zu den Nachweisen:

  • vorbeugende Maßnahmen zählen nicht zu den absetzbaren Leistungen, auch wenn sie der Gesundheit dienen.
  • in einigen Fällen ist statt eines ärztlichen ein amtsärztliches Zeugnis erforderlich (immer anhängig von der Einschätzung und Bewertung des Finanzbeamten)
  • die amtsärztlichen Atteste müssen erstellt werden, bevor die Therapie beginnt (s. auch den Beitrag zu den Allergiker-Bettbezügen). Diese Atteste sind teilweise kostenpflichtig.
  • suchen Sie einen auswärtigen Arzt auf? Sie dürfen dann Fahrtkosten geltend machen (in Höhe der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel), ggf. auch Übernachtungskosten.
  • Die Begleitkosten eines Elternteils sind für die Behandlung eines Kindes ebenfalls zu berücksichtigen. Bis zu welchem Alter eine Begleitung notwendig ist, ist hingegen umstritten.
  • Auch Arztkosten im Urlaub sind in dieser Hinsicht abzugsfähig. Nicht aber die Hotelkosten, die während der Krankheit im Urlaub anfallen
  • Aufwendungen für Arznei- und Verbandsmittel: z.B. auch Medikamenten- Zuzahlungen (wie bei Flutide© für Asthmatiker), Aufpreis für gewissen Medikamente.
  • Hilfsmittel: Brillen, Hörgeräte, Blutdruckmessgeräte, Inhalationsgeräte und ähnliches.
  • Heilmittel: Sprachtherapie, Ergotherapie, Lerntherapie.
  • Diät: Bis heute sehr umstritten. Der Gesetzgeber will hier laut § 33 Abs. 2 keine Hilfe gewähren. So hat das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen 2 BvR 2164/07) eine Revision gegen das Abzugsverbot durch BFH vom 21.06.2007 eines Zoeliakie-Patienten abgelehnt. Ähnlich war schon zuvor bei Allergiediäten entschieden worden.

Es ist also wichtig Nachweise zu erbringen. Bei höheren Kosten können hierfür auch amtsärztliche Atteste vor Durchführung einer Leistung nötig sein. In Zweifelsfällen fragen Sie bitte einen Steuerberater.

Gerade für Eltern mit chronisch kranken Kindern gibt es seit kurzem eine Regelung, die sie unterstützt. Bei der Steuererklärung ist es seit dem 5. November 2011 einfacher geworden, “außergewöhnliche Belastungen” geltend zu machen. Die Einzelheiten hierzu sind im §33 des Einkommensteuergesetztes geregelt. Mit der Änderung des §64 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung fallen nunmehr einige Atteste weg, die früher mühsam über das Gesundheitsamt erreicht werden mussten. So können Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel durch eine Verordnung des Arztes belegt werden. Auch Fahrtkosten ins Kinder-Krankenhaus sind beispielsweise anrechenbar.

Hautausschläge: “Pomadenekzem”

Ein sehr häufiger Ausschlag im Säuglingsalter ist das sog. “Pomadenezkem“. Dabei handelt es sich um eine Ekzem – vergleichbar mit dem Ausschlag, der bei einer Neurodermitis zu beobachten ist. Nur liegt keine Neurodermitis vor. Und im Gegensatz zur Neurodermitis ist es auch nicht sinnvoll, regelmäßig Fettcremes anzuwenden.

Das Pomadenekzem ist ein intertriginöses Ekzem. Verursacht durch die Anwendung von Externa (Salben, Cremes oder die Öle in den Feuchttüchern) entsteht es an Stellen, wo Haut auf Haut liegt ein feuchter Zwischenraum. Dort entwickelt sich eine nässende Entzündung, die teilweise kleinste Bläschen im Randbereich und Rötung bzw. schuppende Hautfetzen im Inneren aufweist. Wenn diese Stellen zusätzlich noch innerhalb der Windeln liegen verstärkt sich der Prozess weiter.

Bei Säuglingen ist dieses Ekzem häufig in den Leisten (siehe im Bild rechts) zu beobachten. Vielen Eltern wird bei kleinster Rötung der Haut geraten, die Haut zu “behandeln”: Sie wenden dann Salben, Cremes oder Öle an, die fast immer zu weiterer Verschlechterung führen. Die Folge: Noch häufigere Anwendung dieser Externa und Wechsel zwischen verschiedenen Produkten.

Wie sieht die Therapie aus? Nichts machen. Oder genauer: Die Haut nur noch mit Wasser behandeln. Bei jedem Wickeln gute Hautreinigung mit Wasser auf Wattebäuschchen. Dabei immer wieder frische Wattebäuschchen zu besseren Hygiene verwenden. Waschlappen sind eher ungünstig. Zu Beginn sind sie sauber, aber bald sind auch diese von den Schmutzpartikeln und Bakterien benetzt, die die Haut belasten. Nach dem Waschen – das auch unter fließend Wasser erfolgen kann, sofern beim Säugling zur Sicherheit zwei Personen anwesend sind – sollte die Haut getrocknet und am besten leicht geföhnt. werden. Häufiges Wechseln der Windeln versteht sich in der Akutphase ohnehin.

Kann man vorbeugen? Ja, einfach ab Geburt nur Wasser zur Hautreinigung und beim Wickeln verwenden. Feuchttücher sollten allenfalls auf Reisen (Wickeln an der Autobahnraststätte) zum Einsatz kommen. Und Cremes in der Windelregion brauchen Säuglinge so oft wie Erwachsene auch. Eigentlich nie.

Neurodermitis: mögliche Langzeitfolgen

Neurodermitis ist eine häufige Krankheit. Heute rechnet man, dass in den Industrieländern – je nach Diagnosekriterien – etwa 30% der Kinder davon betroffen sind. Manche leicht, manche immer mal wieder und einige sehr heftig über viele Jahre. Und wie bei allen chronischen Erkrankungen: Die Symptome lassen öfter mal nach, gehen auch über Jahre vollständig zurück, können aber bei spezifischen Belastungen jederzeit wieder auftreten. Es ist also sinnvoll, auch an mögliche Langzeiteffekte zu denken.

Im März haben Silverberg JI und Greenland P aus Chicago Daten veröffentlicht (JACI, 2015), die sie bei jeweils ca. 30.000 Menschen im Alter von 18 bis 85 Jahren in den Jahren 2010 und 2012 erhoben hatten. Dabei zeigte sich, dass bei Menschen mit Neurodermitis alle Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen deutlicher ausgeprägt waren: Rauchen (Faktor 1.3), Alkohol (Faktor 1.3), Adipositas (1.5), Bewegung (0.8 – was bedeutet, dass sich Menschen mit Neurodermitis in 20% weniger aktive bewegen als Hautgesunde) sowie Diabetes (1.7).

Fazit

Alle Kinder müssen sich schon heute des riesigen Angebot an Nahrung erwehren, um nicht an Übergewicht zu erkranken. Sie sollten sich viel bewegen (und wenn irgend möglich nicht mit dem Auto in die Schule gefahren werden). Und sie sollten in einer Umgebung leben, die es ihnen leichter macht später nicht zu rauchen.

Für Kinder mit Neurodermitis scheint dies alles noch wichtiger zu sein als für die anderen!

Sonnencreme: welche ist für Kinder geeignet?

Sonnenschutz ist seit Monaten ein Thema in unserer Praxis. Zu Recht. Unverständlich ist, dass erst jetzt die Stiftung Warentest sich dieses Themas annimmt. Immerhin liegt die Sonnenwende schon zwei Wochen zurück. Die Sonne wird also immer schwächer, auch wenn’s bei uns hoffentlich noch ein bisschen wärmer wird.

In der Praxis habe ich vielen Eltern geraten, mit Cremes vorsichtig zu sein, die sog. mineralische Filter unter Nutzung von Nanopartikeln verwenden. Das ist in aller Regel Titandioxid. Nanopartikel entfalten Wirkungen im menschlichen Körper, weil sie durch ihre geringe Größe an entfernte Orte kommen und vom Körper oft mit Blutkörperchen verwechselt werden (die roten Blutkörperchen haben eine sehr ähnliche Größe). Die gesunde Haut lässt diese Partikel nicht durch, für sie ist die Anwendung von Sonnencremes mit Nanopartikeln kein Problem.

Aus meiner Sicht bedenklich ist die Anwendung immer bei Säuglingen. Aus Sicherheitsgründen würde ich empfehlen, solche Sonnencremes erst ab dem Alter von 2 Jahren zu verwenden. Und für Kinder mit Neurodermitis sind Nanopartikel in keinem Fall ratsam.

Aber welche Cremes enthalten keine Nanopartikel? Da gibt es erstaunlicherweise nur noch ganz wenige. Die beste Creme im Test, die einen rein chemischen Filter ohne mineralischen Filter enthält ist: HIPP Sonnenmilch Ultra-Sensitiv Baby Sanft mit der Bewertung 2.3 (das beste Produkt hat die Bewertung 1,9, zwei schaffen nur eine 5.0). Der Preis liegt bei 9.45€ für 200 ml.

Under der allerbeste Schutz bleibt der Schatten. Ohne Nebenwirkungen