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Umweltverschmutzung und Asthma

Der erste große Smog den die Menschheit in der jüngeren Zeit erlebte, war der “Great Smog” von London, der die Stadt im Dezember 1952 bedingt durch absinkende Temperaturen und fehlenden Wind für 5 Tage im Smog-Nebel einhüllte.

Dieses “natürliche” Experiment hatte Folgen für alle Menschen, die von 1945 bis 1955 in London geboren wurden, wie J Bharadwaj und Mitarbeiter nachweisen konnten. Im ersten Lebensjahr der damaligen Kinder lag die Asthmaquote um 19.87% höher. Auch im Erwachsenenalter war die Asthmahäufigkeit gegenüber einer Vergleichsgruppe um 9.53% erhöht. Selbst für die Kinder, die den Smog nur im Mutterleib mitbekamen, war das Asthma noch  im Erwachsenenalter um 7.91% häufiger. 

Eine massive Belastung mit Luftschadstoffen über nur 5 Tage, hatte also für die Betroffenen Auswirkungen, die noch nach fast 65 Jahren bedeutsam sind. Das sollte uns klar machen, dass wir auch heute alles daran setzen, die Luftschadstoffe niedrig zu halten, um die Gesundheit von unseren Kindern und uns nicht weiter zu gefährden. Smogbelastungen wie sie aus China gemeldet werden oder andere, die uns aus Lagos (Nigeria) oder Antananarivo (Madagaskar) nicht gemeldet werden sind Zeitbomben, die bereits gezündet wurden.

Oder noch schlichter: Denken wir an das Neckartor in Stuttgart. Dort wurden in den letzten Jahren die stärksten Konzentrationen von Feinstaub und Reizgasen gemessen. Aber dort wird mit verschiedenen Maßnahmen versucht etwas dagegen zu unternehmen. Das ist auch wichtig. Für uns alle!

Bessere Luft, weniger Asthma

Wer geht schon gerne zum TÜV? Gerade bei älteren Fahrzeugen kann das manchmal mühsam sein, wenn die Abgaswerte nur knapp erreicht werden. Klar ist aber auch: es ist für uns alle angenehmer im Straßenverkehr seit die Schadstoffbelastungen geprüft werden. Autos, die Rauchschwaden hinter sich lassen sind eine Seltenheit geworden (im Bild: Sonntagsausfahrt auf einem Lastwagen bei Kinshasa, Congo). Auch die Gerüche von Autoabgasen sind in Deutschland deutlich weniger.

Und offensichtlich hat dies auch messbare Auswirkungen auf die Gesundheit. Im renommierten New England Journal of Medicine berichten WJ Gauderman und Mitarbeiter  (siehe hierzu die Kurzversion von Gauderman et al) von einer Studie, die sich auf Daten in Kalifornien beziehen. Dort wurden die jährliche Messungen der Lungenfunktion von 2120 Kindern über die Zeiträume 1994-1998, 1997 – 2001 und 2007-2011 durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass sich parallel zu den geringeren Schadstoffwerten die Lungenfunktion bei Kindern signifikant verbesserte. Die Erfolge zeigten sich sowohl bei gesunden Kindern wie bei denen mit Asthma.

Arzneimittel im Wasser

Kürzlich berichtete das Deutsche Ärzteblatt, dass in Deutschland 38.000 Tonnen Medikamente pro Jahr zur Anwendung kommen. Diese werden eingenommen, aber ebenso wieder – verändert oder teilweise auch nicht – ausgeschieden. Und viele Medikamente, das haben weitere Untersuchungen ergeben, werden überhaupt nicht verwendet und landen auf dem einen oder anderen Weg unverändert in der Umwelt.

Das hat durchaus Folgen wie das folgende Beispiel zeigt: Diclofenac ist den meisten Menschen als Voltaren gut bekannt. Vor etwa 20 Jahren führte diese Substanz fast zum Aussterben des Bengalgeiers. Diese verstarben in Indien nach dem Verzehr von verendeten Kühen (Kühe sind in Indien “heilig”). Das hatte zur Folge, dass die Zahl dieser Geier drastisch zurückging. Das wiederum führte dazu, daß sich Hunde und Ratten massiv vermehren konnten, weil sie nun die Kadaver der Kühe fraßen und mehr Nahrung hatten. Die Folge davon war, daß es beim Menschen zum deutlichen Anstieg von Tollwut kam. Und am Anfang stand: der Inhaltsstoff von Voltaren, am Ende war der Bengalgeier fast ausgeorben und viele menschen an Tollwut verstorben..

Bei Verletzungen wird in Deutschland gerne mal Voltaren auf die geprellte Stelle aufgetragen. Ein Klassiker. Das löst ein angenehmes Gefühl am Wirkort aus, im Körper verändert sich natürlich nichts. Die Aufnahme von Diclofenac durch die Haut liegt praktisch bei Null. Zum Glück. Sonst müsste jeder von uns Sorge haben, dass aller Schmutz im Schwimmbecken ebenso aufgenommen würde wie das Benzin, was man sich versehentlich über die Hand gießt.

Vielleicht sollten wir bei der Anwendung von Arzneien kritischer werden. Auch wenn sie keinen Nutzen bei uns haben und vielleicht auch keinen Schaden bei uns anrichten, so können sie uns über den Umwelteinfluss am Schluss doch noch schaden. Es muss nicht immer Voltaren sein. Heile – Heile – Gänschen hilft sicher auch. Auch Erwachsenen.