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Arm – Reich – Gefälle: Verteilung von Kinderärzten in Deutschland

Die Bürgerversicherung hat es in den letzten Monaten erneut in die Schlagzeilen geschafft und wird vor der Bundestagswahl kontrovers diskutiert. Eng damit verbunden ist das Thema, dass Patienten mit privater Versicherung besser behandelt würden als Kassenpatienten. So einfach sollte man es sich mit der Krankenversicherung jedoch nicht machen. Privatpatienten werden vielleicht öfter zum Arzt einbestellt und sie kommen im Durchschnitt schneller an einen Termin – weil jedes Mal etwas abgerechnet werden kann. Aber wird die Behandlung dadurch besser?

Eine echte Ungleichheit zeigt jedoch eher bei der Verteilung der Ärzte. Als Kinder- und Jugendarzt ist die Verteilung der Kinderärzte in Deutschland aufschlussreich. Das wird am Beispiel Berlin deutlich (siehe die Graphik rechts). Dort arbeiten für 100.000 Kinder und Jugendliche (100.000 Einwohner unter 18 Jahren) 52,5 Kinder- und Jugendärzte. Für ganz Deutschland liegt diese Zahl bei 43,7 Kinder- und Jugendärzten. Ein Kind in Deutschland hat somit Im Durchschnitt 17% weniger Kinderärzte zur Verfügung als in Berlin (Stadt-Land-Gefälle). Innerhalb Berlins kommt hinzu, dass in den ärmeren Kiezen wie Neukölln (41,6) die Zahl der Kinderärzte deutlich niedriger liegt als im Villenviertel Zehlendorf (66,2). Für die Orthopäden liegen die Unterschiede noch deutlicher. In Zehlendorf sind mehr als doppelt so viele Orthopäden für die Menschen tätig als in Neukölln. Ärzte sind also in wohlhabenderen Regionen häufiger anzutreffen als in ärmeren (Arm-Reich-Gefälle).

Ärzte gehen im Trend gerne dorthin, wo reichere Menschen leben und ihnen ein höheres Einkommen bescheren. Das machen viele Berufsgruppen, darüber sprechen will aber niemand.

In Deutschland müssen wir weiter darum ringen, diese Ungleichgewichte abzubauen. Es kann in letzter Konsequenz nicht angehen, dass Ärzte von der Allgemeinheit ihr teures Studium finanziert bekommen, um sich nachher in einer reinen Privatpraxis nur um die finanziell besser gestellten Privatpatienten zu kümmern. Vermutlich würde das vielen Privatpatienten auch helfen, wenn sie auch von Ärzten behandelt würden, denen das Geld nicht gar so wichtig ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Bildquelle: http://www.berlin.de/ba-neukoelln/_assets/dokumente/abteilung-gesundheit/studie_webversion.pdf

Arztdichte – Pfullendorf im Glück

Wenn Ärzte eine Praxis aufmachen wollen konnten sie sich früher einen Ort aussuchen, wo sie gerne hin mochten. Da dies wie in anderen Berufen auch dazu führte, dass beispielsweise Städte wie München besonders gesucht waren, kam ein politischer Verteilungsfaktor hinzu. Dieser begrenzt inzwischen nach einem Verteilungsschlüssel die regionale Arztdichte.

Dabei werden Städte gegenüber dem Land bevorzugt. In der Stadt sind beispielsweise doppelt so viele Kinder- und Jugendärzte vorgesehen als auf dem Lande. Die Verteilung bezieht sich immer auf Landkreise, berücksichtigt also auch nicht unbedingt die regionalen Strukturen.

In den letzten Jahren sind einige Untersuchungen hierzu erschienen, die die Verwerfungen dieses Systems untersuchen. Auf dem online-Portal der Wochenzeitung DIE ZEIT (bitte hier anklicken) ist auf Deutschlandkarten graphisch gut dargestellt, wo sich Ärzte besonders gern ansiedeln.

Eine Veröffentlichung von L. Sundmacher und S. Ozegowski (bitte hier anklicken – Beitrag in Englisch) von Ludwig-Maximilian-Universität (bitte hier klicken; Beitrag in Englisch) in München geht weiter in die Details und kommt zu einem ähnlichen Schluss. Städte sind also trotz allem weiter auf dem Vormarsch in Bezug auf die Ansiedlung von Ärzten.

Pfullendorf scheint eine Ausnahme zu sein: Hier haben sich in den letzten Jahren viele junge und engagierte Ärzte niedergelassen. Glückliches Pfullendorf!