Schlagwort-Archiv: Traubenkraut

Klimaerwärmung und Pollenallergie

Ein schöner Sommer mit Temperaturen wie am Mittelmeer wirft immer die Frage nach der Klimaerwärmung auf. Abschließend geklärt die die Frage wissenschaftlich nicht, aber die Hinweise sind erdrückend. Und wir sollten nicht warten vermutete Ursachen anzugehen, weil wir den Folgen einer solchen Veränderung vermutlich nichts entgegenzusetzen hätten.

Der Pollenflug in unseren Breiten tritt inzwischen auch in den Monaten Dezember und Januar auf. Das ist neu. Es gibt also streng genommen keine “Pollensaison”mehr. Außer, dass die Pollen verschiedener Pflanzen natürlich weiterhin saisonal unterwegs sind.

Das EU-Projekt FP7-EU „Atopica“ befasst sich mit genau dieser Frage. Die Forscher und Forscherinnen sind überzeugt: ”Pollenallergie ist weltweit ein großes Problem im öffentlichen Gesundheitswesen, und man weiß noch nicht genau, auf welche Art und Weise sich der Klimawandel hier auswirken wird”. Dafür haben die Forscher unter Mitarbeit der Medizinischen Universität Wien sich den Ragweed-Pollen (Ambrosia, Traubenkraut) gewidmet und kamen zur Überzeugung, dass die Zahl der Allergiker gegen diese Pollenart sich in nur 35 Jahren verdoppeln könnte von derzeit 33 auf 77 Millionen Betroffene.

Dabei vermuten sie, dass der Klimawandel für zwei Drittel dieses Anstiegs verantwortlich ist. Auch die erhöhte Ragweed-Pollen-Konzentrationen und eine der längere Ragweed-Pollen-Flug können den Schweregrad der Symptome verstärken.

Michelle Epstein, Atopica-Koordinatorin der MedUni Wien von der Universitätsklinik für Dermatologie, ist überzeugt: „Die Ragweed-Pollenallergie wird zu einem Problem der öffentlichen Gesundheit quer durch ganz Europa und breitet sich auch in Gegenden aus, wo dies derzeit noch selten der Fall ist. Das Problem wird sich in Ländern mit einem bereits existierenden Ragweed-Problem, wie in Ungarn und Kroatien, möglicherweise noch verstärken, aber auch in Deutschland, Polen und Frankreich.“ Die Ragweed-Saison ist in Europa etwa von September bis Mitte Oktober.

“Man muss aber auch betonen” – so Epstein, “dass sich die Auswirkungen des Klimawandels nicht auf Ragweed beschränken und dass eine ganze Reihe von anderen pollenproduzierenden Pflanzenarten möglicherweise auch davon betroffen ist. Unsere Methoden bieten einen Rahmen für andere Studien, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pollenallergie bei anderen Pflanzenarten untersuchen”, so Epstein abschließend.

Ambrosiaallergien

In den letzten Jahren hat sich eine Pflanzenart in Europa zunehmend ausgebreitet, die vermutlich im kommenden Jahrzehnt auch in Bezug auf Allergien ein enorme Bedeutung bekommen wird: Ambrosia artemisiifolia. Bei uns wird es “Traubenkraut” genannt, in den USA “ragweed”. Dort ist die “ragweed”-Allergie schon heute ebenso bedeutsam wie die Gräserpollenallergie.

Die echte Ambrosia – also das o.g. Traubenkraut – zeigt eine Kreuzallergie zum Artemisia vulgaris, unserem Beifuß. Damit trifft Ambrosia in Deutschland schon auf eine große Gruppe von Menschen, die bei Kontakt mit dem neuen Allergen sofort allergisch reagieren könnten. Die Periode des Pollenflugs von Traubenkraut (siehe Tabelle der FU Berlin) beginnt bezogen auf die Region Berlin etwa Mitte Juli und kann bis Mitte November reichen. Damit dürfte auch in unserer Region künftig die pollenfreie Zeit im Jahr von zwei Monaten auf nur einen Monat schrumpfen, bevor anfangs Januar die Haselpollen den Allergikern zusetzen.

Bedeutsam ist Ambrosia auch deswegen, weil hier bereits 10 Pollen/m³ ausreichen um Beschwerden hervorzurufen, während es bei Birke beispielsweise mindestens 30 Pollen/m³ sein müssen. Ob der Versuch gelingt Ambrosia zu bekämpfen wird sich zeigen. Der Transport der Samen geht oft über verunreinigtes Vogelfutter und den Transport von Erde (z.B. im Profil von Autoreifen) aus befallenen Regionen. Frankreich, Italien (Po-Ebene) und Ungarn zeigen schon eine hohe Besiedlung. Deutschland und die Schweiz sind noch wenig betroffen.