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Krankheitskosten – steuerliche Aspekte

Steuertipps gibt’s beim Arzt eher selten. Aber für Eltern mit chronisch kranken Kindern sind sie wichtig, um zumindest einen Teil der zusätzlich anfallenden Kosten abzufedern.

Wenn es darum geht Kosten steuerlich geltend zu machen sind immer Nachweise wichtig. Diese sollten zeitnah erbracht werden, weil es im Nachhinein teilweise schwierig oder gar unmöglich ist die erforderlichen Nachweise zu erstellen. Manch anfallende Kosten geraten auch wieder in Vergessenheit. Zu den abziehbaren Kosten zählen beispielsweise Aufwendungen für ärztliche Behandlungen, Arznei- , Hilfs- und Heilmittel, Klinikaufenthalte, krankheitsbedingte Pflege, spezielle Lebensmittel. Zusätzlich dürfen auch anlässlich der Krankheit entstandene Fahrtkosten berücksichtigt werden.

Krankheitskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. In diesem Zusammenhang zieht das Finanzamt automatisch die sog. “zumutbare Belastung” ab. Diese sind wiederum abhängig vom Einkommen. Aufwendungen für das eigene Kind sind zwar streng genommen Unterstützungsleistungen, werden in aller Regel von den Finanzämtern aber wie Aufwendungen für Sie selbst behandelt (zumindest, solange Sie für das Kind Kindergeld erhalten).

Zu den Krankheitskosten zählen nur Aufwendungen, die der Heilung einer Krankheit dienen oder die eine Krankheit erträglicher machen bzw. deren Folgen lindern sollen (BFH-Urteil vom 18.06.1997, III R 84/96, BStBl. 1997 II S.805). Einige praktischen Anmerkungen zu den Nachweisen:

  • vorbeugende Maßnahmen zählen nicht zu den absetzbaren Leistungen, auch wenn sie der Gesundheit dienen.
  • in einigen Fällen ist statt eines ärztlichen ein amtsärztliches Zeugnis erforderlich (immer anhängig von der Einschätzung und Bewertung des Finanzbeamten)
  • die amtsärztlichen Atteste müssen erstellt werden, bevor die Therapie beginnt (s. auch den Beitrag zu den Allergiker-Bettbezügen). Diese Atteste sind teilweise kostenpflichtig.
  • suchen Sie einen auswärtigen Arzt auf? Sie dürfen dann Fahrtkosten geltend machen (in Höhe der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel), ggf. auch Übernachtungskosten.
  • Die Begleitkosten eines Elternteils sind für die Behandlung eines Kindes ebenfalls zu berücksichtigen. Bis zu welchem Alter eine Begleitung notwendig ist, ist hingegen umstritten.
  • Auch Arztkosten im Urlaub sind in dieser Hinsicht abzugsfähig. Nicht aber die Hotelkosten, die während der Krankheit im Urlaub anfallen
  • Aufwendungen für Arznei- und Verbandsmittel: z.B. auch Medikamenten- Zuzahlungen (wie bei Flutide© für Asthmatiker), Aufpreis für gewissen Medikamente.
  • Hilfsmittel: Brillen, Hörgeräte, Blutdruckmessgeräte, Inhalationsgeräte und ähnliches.
  • Heilmittel: Sprachtherapie, Ergotherapie, Lerntherapie.
  • Diät: Bis heute sehr umstritten. Der Gesetzgeber will hier laut § 33 Abs. 2 keine Hilfe gewähren. So hat das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen 2 BvR 2164/07) eine Revision gegen das Abzugsverbot durch BFH vom 21.06.2007 eines Zoeliakie-Patienten abgelehnt. Ähnlich war schon zuvor bei Allergiediäten entschieden worden.

Es ist also wichtig Nachweise zu erbringen. Bei höheren Kosten können hierfür auch amtsärztliche Atteste vor Durchführung einer Leistung nötig sein. In Zweifelsfällen fragen Sie bitte einen Steuerberater.

Gerade für Eltern mit chronisch kranken Kindern gibt es seit kurzem eine Regelung, die sie unterstützt. Bei der Steuererklärung ist es seit dem 5. November 2011 einfacher geworden, “außergewöhnliche Belastungen” geltend zu machen. Die Einzelheiten hierzu sind im §33 des Einkommensteuergesetztes geregelt. Mit der Änderung des §64 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung fallen nunmehr einige Atteste weg, die früher mühsam über das Gesundheitsamt erreicht werden mussten. So können Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel durch eine Verordnung des Arztes belegt werden. Auch Fahrtkosten ins Kinder-Krankenhaus sind beispielsweise anrechenbar.

Zoeliakie

Nahrungsmittelunverträglichkeiten scheinen an Häufigkeit zuzunehmen, wobei besonders die Beschwerden gegen Weizen eine zunehmende Rolle spielen. Drei Erkrankungen stehen hierbei im Vordergrund: Die Zoeliakie (CD), die nicht-zöliakische Glutenunverträglichkeit (NCGS) und die Weizenallergie.

Die Zoeliakie (englisch: celiac disease – CD) ist eine Autoimmunerkrankung, die durch allergische Mechanismen gegenüber Gluten mit einer Entzündung der Darmschleimhaut verbunden ist (siehe nebenstehendes Bild; Quelle: HN Guss). In den westlichen Ländern sind etwa 1% der Bevölkerung betroffen mit deutlichen Unterschieden in Europa. Diese reichen von 0.3% in Deutschland bis zu 2.4% in Finnland. In ärmeren Ländern nimmt die Erkrankung in dem Maße zu, in dem die dortigen Grundnahrungsmittel Reis oder Mais durch Weizen (“Big Mac”) ersetzt werden. Insgesamt gibt es bis heute viele Menschen, bei denen die Diagnose nicht bekannt ist.

Bei Kindern können in frühen Lebensjahren anhaltende Durchfälle, Bauchkrämpfe und letztlich eine Gedeihstörung auf die Diagnose hinweisen. Es gibt aber auch viele Betroffene, die “nur” Bauchschmerzen ohne sonstige Auffälligkeiten haben. Ein Eisenmangel kann ebenfalls ein Hinweis sein.

Der Verdacht auf die Zoeliakie lässt sich mit inzwischen deutlich verbesserten Labortests recht gut erhärten. Dennoch ist es in den meisten Fällen erforderlich, über eine Biopsie die Diagnose zu sichern. Das ist wichtig, weil sich im Rahmen der Zoeliakie schwerwiegende Folgeerkrankungen entwickeln können. Diese lassen sich durch eine spezifische Diät verhindern. Diese muss jedoch lebenslang erfolgen. Das kann nur durchgehalten werden, wenn die Diagnose eindeutig ist und der Patient von der Diät spürbar profitiert.

Zöliakie – frühe Glutengabe schützt nicht

Im Umgang mit der Nahrungsmittelallergie hat sich in den letzten 20 Jahren viel getan. Früher war man der Meinung man müsse Kinder von gefährlichen Allergenen wie der Erdnuss möglichst lange schützen. Die Empfehlungen waren in der 1980ger Jahren so, dass man Kindern oft erst ab dem 13. Lebensjahr den Genuss von Erdnüssen zugestand. Das hat sich deutlich gewandelt. Heute werden auch problematischere Allergene früher zugeführt. Damit solle eine Toleranz aufgebaut werden. Und der Effekt ist frappant: Die schweren Nahrungsmittelallergien treten heute – obwohl Allergien häufiger als damals sind – seltener auf.

Die Zöliakie ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, bei der immunologisch-allergische Mechanismen eine bedeutsame Rolle spielen. Da liegt es nahe, auch hier den auslösenden Nahrungsbestandteil Gluten früher in die Säuglingsernährung einzuführen. Das wurde durch die Forschergruppe um die holländische Forscherin Sabine Vriezinga gemacht. Die Ergebnisse wurden gerade im New England Journal of Medicin, einer der besten Journale auf dem Gebiet der Medizin, veröffentlicht: mit negativem Ergebnis.

Die frühe Gabe von Gluten hatte keinen messbaren Effekt. Weder positiv noch negativ. Eine weitere Studie um Linonetti belegte, dass auch die späte Gabe von Gluten nicht günstig ist.

Fazit

Es konnte belegt werden, dass weder eine frühe noch eine späte Gabe von Gluten in der Säuglingsnahrung einen Effekt auf die Verhinderung der Zöliakie hat. Auch Stillen (egal ob voll oder nur teilweise) ist ohne günstigen Effekt.